Psychologie

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Spaltung ist ein primitiver Abwehrmechanismus – Psychotherapeut Dr. Maaz zu Chemnitz

Chemnitz steht aktuell wie keine andere Stadt für die zunehmende Spaltung in Deutschland. Das Rechts-Links-Phänomen ist keineswegs neu und hat sich über die letzten Jahre weiter zugespitzt. Zunächst einmal wird eine allgemeine Unzufriedenheit mit der Migrationspolitik als Grund genannt, aber es gibt auch immer tiefer liegende Probleme, wie Dr. Hans-Joachim Maaz beschreibt. So ist die Spaltung in der Psychotherapie auch immer ein primitiver Abwehrmechanismus, um bestimmten Problemen aus dem Weg zu gehen. Maaz analysiert die Situation in Chemnitz, erläutert aber auch konkrete Lösungsansätze wie zum Beispiel das „Zwiegespräch“, welches vor allem in Beziehungsproblemen eingesetzt wird.

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Prof. Dr. Rainer Mausfeld „Wie werden politische Debatten gesteuert?“

Bore Out – Wenn Leistungsträger aussorgen …


Bilder: Jacques Prilleau

Aus der psychotherapeutischen Praxis weiß man heute, dass Unterforderung dem Menschen mindestens genauso schlecht bekommt wie Überforderung. „Bore-Out“ nennt man das Phänomen, das zu den gleichen Erschöpfungserscheinungen führen kann wie „Burn-Out“.

Als Sohn einer Beamtenfamilie wurde mir von klein auf eingepläut, dass ich zusehen solle, irgendwo im Staatsdienst „unterzukommen“, da man dort „ausgesorgt“ habe. Was Staatsdienst bedeutet, sollte ich bald kennenlernen. Noch heute bekomme ich eine Gänsehaut, wenn ich mich an diese Zeit zurückerinnere. Mein erstes Praktikum absolvierte ich bei einem kommunalen Energieversorgungsunternehmen: In der Abteilung, in die ich hineingesetzt wurde, hatte praktisch niemand etwas zu tun. Internet und Smartphones gab’s damals noch nicht, also starrten alle gequält aus dem Fenster und auf die Wanduhr, deren Zeiger aber eher rückwärts als vorwärts zu gehen schien. Eine Runde im Büro gehen und Zimmerpflanzen gießen war das einzige, womit man die Zeit totzuschlagen versuchte – was allerdings auch den Tod der Pflanzen bedeutete, da selbst hartnäckige Gummibäume irgendwann absaufen, wenn sie dreimal am Tag gegossen werden.

Dasselbe Spiel (absterbende Pflanzen und absaufende Bürohengste) konnte ich bei meinem zweiten Berufspraktikum in der Normenabteilung einer Landesregierung erleben. Der dortige Abteilungsleiter hatte sich eine besondere Überlebensstrategie eingerichtet: Er versuchte die Zeit totzuschlagen, indem er en masse Autozeitschriften, Freizeit-Revue und Schlüsselloch las – hatte dabei allerdings einen unheimlichen Stress, da er sich die Gossenblätter ja nicht offen reinziehen konnte. Um undercover lesen zu können, hatte er immer einen aufgeklappten Aktenkoffer am Schreibtisch stehen, der sofort hektisch zugeklappt wurde, sobald ein Mitarbeiter anklopfte und sein Zimmer betrat. Beobachtete man den Leistungsträger durch ein seitliches Plexiglasfenster, dann konnte man sehen, wie sein Blick ständig nervös witternd zwischen dem Inneren des aufgeklappten Aktenkoffers und den Eingängen seines Büros hin- und herschweifte. Das Büro hatte drei Türen, d.h. von links, rechts oder von vorne konnte jeden Moment ein Mitarbeiter oder der große Chef hereinkommen. Ich weiß nicht, wie alt der gute Mann geworden ist, aber ein solchermaßen in Dauererregung befindlicher Adrenalinspiegel soll ja für das Herz-/ Kreislaufsystem nicht unbedingt zuträglich sein. Ein Insasse in Guantanamo hat vermutlich einen entspannteren Arbeitstag als dieser Kommunalbedienstete.

Als es dann endlich 16.30 war, waren alle fix und fertig. Bei manchen Kollegen habe ich mir Sorgen gemacht, ob sie es in diesem Zustand überhaupt noch unfallfrei nach Hause schaffen.

Ostern … und wieder einmal: “Ans Kreuz mit ihm! – Wir wollen den Barrabas!!!“ (*)

(*) Vorwort/Fußnote zum Titel:

Barrabas … dieser im Titel genannte Name ist ja heute womöglich vielen gar nicht mehr bekannt. Bushido rappt nicht über ihn, Dieter Bohlen hat ihn noch nie erwähnt und auch auf Bento und Vice macht man lieber einen auf Fack ju Göhte. Barrabas – diesen Namen kann man ohne Fußnote also gar nicht mehr einfach so hinstellen … wäre aber womöglich doch nicht ganz uninteressant, wer denn das ist, dem man derzeit alle Türen öffnet, ihm euphorisch entgegenjubelt und ihm sogar willfährig alle seine Gegner beseitigt, sodass er freie Bahn vorfindet für den Triumphzug, den er demnächst antreten will (siehe auch „Der Führer 4.0 – Er ist schon längst da“).

Barrabas. Nun, wie heißt es im ominösen Buch rund um das Ostermysterium als Kommentar mit fünf knappen Worten, nachdem sich das Volk am Marktplatz frenetisch schreiend für den – offensichtlich über fantastische Entertainerqualitäten verfügenden – Barrabas entschieden hatte, obwohl ihnen der römische Statthalter auch einen anscheinend wenig unterhaltsamen, von Peitschenhieben zerschundenen und bluttriefenden Nazarener zur Wahl geboten hätte, der Nächstenliebe und Frieden im Programm gehabt hätte?: „Barrabas aber war ein Mörder …“

50 Jahre nach dem Attentat auf Rudi Dutschke: Die Full spectrum dominance der „Realos“

An Gründonnerstag jährt sich zum 50. Mal der Mordanschlag auf Rudi Dutschke. Der Attentäter Josef  Bachmann hatte ihm drei Kugeln verpasst, die Dutschke zwar zunächst schwerverletzt überlebte, ihm jedoch Jahre später in der Badewanne einen epileptischen Anfall bescherten, sodass der ehemalige Studentenrevolutionär hilflos ertrank. Mit ihm schied auch viel zu früh eine unermüdliche, energiegeladene Impulskraft ab, die die Studenten- und Friedensbewegung in einer kritischen Zeit des gesellschaftlichen Umbruchs in der Folge schmerzlich vermisste. Bei den soeben in Gründung befindlichen Grünen, wo Dutschke mit seinen Idealen für Furore sorgte und er als Bundesdelegierter kandidieren sollte, übernahmen in der Folge die „Realos“ – mit allen bekannten Folgen bzw. dem heute in seiner Endphase befindlichen Niedergang der ehemaligen Friedenspartei, deren Vorsitz inzwischen ein Mitglied des PNAC („Project for a New American Century“) innehat.

Hätte man Dutschke und andere alternative Denker nicht  vorzeitig weggeräumt, wer weiß, vielleicht müssten wir dann nicht die unsägliche Depression ausbaden, die heute auf allen Ebenen von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft herrscht. Dutschke hätte sich jedenfalls eher den Kopf abschneiden lassen, als dass er zugelassen hätte, dass bei den Grünen ein Mitglied des PNAC die Parteiführung übernimmt, der als „Young Leader“ eines US Thinktanks wild entschlossen ist, in den Grand Canyon zu marschieren und zur Konfrontation mit Russland und für eine „Full spectrum dominance“ von Brzezinskis „Einziger Weltmacht“ trommelt (siehe „Die Glyphosat Kanzlerin und die Große Depression“).

So aber – haben andere das Rennen gemacht.

Der Gefängnispsychologe Götz Eisenberg geht in seinem jüngsten Essay einer interessanten Frage nach: Was bringt junge Menschen, insbesondere Studenten dazu, sich dermaßen in den Strom der herrschenden Meinung einzuordnen und sogar diejenigen erbittert zu bekämpfen, die ihnen mit alternativen Denkansätzen eigentlich aus der Lage heraushelfen wollen, in der sie selbst kaum noch atmen können (siehe auch Juri Galanskow: „In eurer Hölle kann ich nicht atmen“). Immerhin wachen in unserer wissenschaftlich aufgeklärten Gesellschaft heute jede Nacht mehr Menschen schweißgebadet auf als in totalitären Regimen (Quelle: Zeit), der Soziologie-Professor  Hartmut  Rosa bezeichnet unsere stolzen Universitäten mittlerweile als schiere „Entfremdungszonen“, in denen schon unter Jungstudenten Burn-Out und Angsterkrankungen grassieren. Laut jüngsten Krankenkassen-Report gilt bereits jeder sechste Student als psychisch krank (Quelle: handelsblatt). Womöglich würden diese Studenten – und wir alle – augenblicklich wieder gesund und tatkräftig, wenn wir als Lebenselixier nur einen Funken vom Elan und der Inspiration  in uns aufnähmen, die in den 60er/70er Jahren noch den Studentenführer Rudi Dutschke und mit ihm eine ganze Generation beseelten.

Aufforderung zur Lynchjustiz

Dass Dutschke es seinerzeit schaffte, Studenten zu mobilisieren, die couragiert für Frieden und gegen den Vietnamkrieg, Medienmanipulation und gegen die Große Koalition demonstrierten, war den deutschen Qualitätsmedien ein besonderer Dorn im Auge. Umgehend setzte eine mediale Maschinerie ein, um die Friedensaktivisten mit Querfront-Attributen zu diffamieren: „verantwortungslose Störer, bösartige Krawallmacher, Rowdies, Kriminelle und Schädlinge der Gesellschaft“ wären es, die dem Fortschritt von Kommerz und Technik im Wege stünden. Im Februar 1968 rief schließlich die Bild-Zeitung ganz unverblümt zur Lynchjustiz auf:  „Man darf auch nicht die ganze Drecksarbeit der Polizei und ihren Wasserwerfern überlassen.“(sic)

In der Tat ist zu beobachten, dass die seinerzeit von der Springer-Presse bzw. der Bild-Zeitung ausgegebene – heute stillschweigend zum common sense gewordene – Losung, in kleinbürgerlicher Selbstjustiz diejenigen Subjekte zu lynchen und von der Bildfläche verschwinden zu lassen, die dem herrschenden Narrativ (eines technokratisch-kommerzialistisch-nihilistischen Systems) widersprechen, heute nicht nur von einigen labilen Einzeltätern wie Josef Bachmann in die Tat umgesetzt wird. Nein, heute haben sich ganze Rudel an selbsternannten Säuberern zusammengerottet, die diese Drecksarbeit erledigen – ganz unblutig und rein virtuell durch konzertierte Mobbing-, Dissing- und Diffamierungskampagnen, die die Existenz anderer Menschen aber mitunter genauso vernichten können wie das Inbrandsetzen ihres Hauses.

Diplom-Proletariat im Inquisitionsfieber

Die Blaupause des aus der „Unterschicht“ stammenden Hilfsarbeiters Josef Bachmann, der vor Gericht zugab, dass er sich von den hetzerischen Artikeln der Bild-Zeitung zu seinem Attentat auf den Intellektuellen Rudi Dutschke hatte anregen lassen, wurde heute auf unzählige Bürger gerade auch der akademischen intellektuell gebildeten Mittelschicht übertragen. Denn wie uns auch der Jurist Milosz Matuschek in seinem nzz-Essay „Das Gastmahl der Geistlosen“ aufklärt, ist dieser gut ausgebildeten Schicht das klassische Bildungsbürgertum zwischenzeitlich abhanden gekommen, sodass man in besagter akademischer Intelligenzia heute zumeist leider im Trüben fischt: in einem „akademisch zertifizierten, aber intellektuell desinteressierten Diplom-Proletariat aus Ärzten, Juristen, Lehrern, Bankern und Ingenieuren, das sich in einen Zustand der Wohlstandsbehinderung hineinpäppelt … wobei sich das Gesprächsniveau in solcher Gesellschaft oft indirekt proportional zur Höhe des Durchschnittseinkommens verhält.“

Strampelt es gerade nicht im Hamsterrad, dann gefällt sich besagtes Diplom-Proletariat darin, ebenso wie Josef Bachmann Jagd auf Fortschrittsverweigerer zu machen. Zwar virtuell auf diversen digitalen Prangern, aber nicht minder brutal und menschenverachtend. Als sich etwa im vorigen Jahr angesichts zunehmender medialer Kriegstreiberei gegen Russland die zarten Sprosse einer neu erstandenen Friedensbewegung wieder sammeln wollten, wurden diese umgehend ebenso niedergetreten wie z.B. die geplante Friedenskonferenz „Angst essen Zukunft auf“ mit Daniele Ganser. Durch Hassblogger aus dem Dunstkreis des Psiram-/Skeptiker-Netzwerks gezielt sabotiert, musste diese in der Folge abgesagt werden (siehe Rubikon), ebenso wie sich die streng wissenschaftlichen Heckenschützen durch konzertierte mediale Aktionen mittlerweile darauf verstehen, Veranstaltungen wie das vom Vorstand  der Humanistischen Friedenspartei HFP, Malte Klingauf organisierte Pax Terra-Friedensfestival zu sabotieren und potentielle Besucher abzuschrecken (siehe Rubikon).

Zusammengerottet zu schlagkräftigen digitalen Rollkommandos, diffamieren die Blogger der Psiram-, Skeptiker- und Antifa-Bewegung Friedensforscher, meucheln investigative Journalisten, homöopathische Ärzte und Heilpraktiker (inklusive Angabe ihrer Adressen im Netz, sodass jeder, der meint, dass er diesen fortschrittsfeindlichen Subjekten mal einen Besuch abstatten sollte, auch weiß, wo er mit der S-Bahn hinfahren muss, wenn er Dampf ablassen und damit gleichzeitig ein gutes Werk tun und der Wissenschaft einen Dienst erweisen möchte). Sie feiern frenetisch, wenn eine konzertierte Mobbingaktion wieder einmal erfolgreich war und es ihnen gelungen ist, einen Friedensforscher von einer Universität zu verdrängen, einer alternativmedizinischen Reha-Klinik die Fördermittel zu sabotieren oder die Lehre eines Gemeinwohlökonomen aus den Schulbüchern zu streichen, da die Bildungsministerin ihrer Argumentation gefolgt ist, dass eine solche Gemeinwohl-Lehre definitiv „unwissenschaftlich“ sei – in fortschrittlichen neoliberalen Zeiten wie unseren, in der „jeder Mensch des anderen Menschen Wolf“ zu werden droht (Hobbes): Ja, wirklich, wer braucht da schon Gemeinwohl?

In einem solchen Klima des Hasses und der Häme auf Andersdenkende ist es dann auch nichts Ungewöhnliches mehr, wenn etwa Ken Jebsen, der Betreiber der alternativen Nachrichtenplattform KenFM, mitten in Berlin auf offener Straße in bester Gegend von Schlägern attackiert wird. Auch dass ihm beim Verlassen seiner Wohnung zu Attacken mit abgebrochenen Bierflaschen aufgelauert wird, die er samt seiner Familie und Tochter bisher nur durch Glück unbeschadet überstanden hat (siehe Interview mit Rubikon/Youtube), sowie Aufrufe auf Youtube zum Mord an seiner Tochter – im Jahre 2018 scheinbar Business as usual.

Autoimmune Allergie als Vorbote von Dostojewskijs Pest

Überhaupt kann man beobachten, dass das, was in den 60er und 70er Jahren noch möglich war: Ideale formulieren, Begeisterung für humanistische Ziele wecken, soziale Einrichtungen, Menschrechts- und Umweltschutzorganisationen begründen, heute kaum noch denkbar oder zumindest unendlich erschwert ist. Hingegen schießen Wettcafes, Flatratebordelle und sonstige Pissbuden allerortens wie die Pilze aus dem Asphaltboden. Beobachtet man den politischen und gesellschaftlichen Diskurs, dann kann man zusehen, wie sinnvolle und notwendige alternative Denkansätze  und Reformbemühungen auf wirtschaftlichem, finanztechnischem, sozialem, pädagogischem oder gesundheitlichem Gebiet oder gar philosophisch-humanistische Gedanken umgehend im Keim erstickt werden. Kaum wagt sich jemand aus der Deckung und versucht, ein paar couragierte Gedanken zu formulieren und dem politischen Tagesgeschehen etwas entgegenzusetzen, da er den unfassbaren Niedergang, die Selbstzerfleischung des Landes und die Verödung der Menschen nicht mehr tatenlos mitansehen kann: Sofort setzt ein vehementes Hauen, Kratzen und Beißen ein, sodass derjenige gar nicht mehr weiß wie ihm geschieht: „Bäääh, weg damit ….!!“, plärrt und unkt es dann aus allen Löchern, aus denen dann neunmalkluge sieche Gestalten ihre Schreihälse herausrecken, die sich der Intelligenzia 4.0 / der bored students violence / dem Club der sklerotisierten Flachbildschirmlemuren / den Transhumanisten / den Smartphoneonanisten / den Teletubbies / Sheldon Coopers Cumpels / der Antifa / Rattifa oder den ganz besonders hellen „Brights“(sic!)/GWUPs/Skeptikern zugehörig fühlen und die vor allem eines mitbringen: einen unbändigen Hass gegenüber allen Menschen mit einem anderen Weltbild als sie selbst es haben. Wild zum streng wissenschaftlichen „Fortschritt“ und zur Ausmerzung allen Geistes entschlossen, merken die beim Gastmahl der Geistlosen sitzenden Ritter von Shledon Coopers Tafelrunde gar nicht, wie sie in Wirklichkeit Dantes Eishölle den Weg bereiten.

Die in Dostojewskijs Traum von der szientistischen Pest vorhergesagte Krankheit, sie droht also gerade mit voller Wucht um sich zu greifen und sich zur Pandemie auszuweiten. Wenn wir diesem Wahn nicht rechtzeitig den Stecker ziehen, dann könnte er uns womöglich schon demnächst alle dahinraffen.

Ein altes Problem …

Eigentlich wollte ich mit diesen Worten nur zu einem lesenswerten Essay von Götz Eisenberg einleiten, in welchem der Gefängnispsychologe anlässlich des Dutschke-Gedenktages zu ergründen versucht, warum mutige Aufklärer sogar von den Bürgern, denen sie helfen wollen, dermaßen gehasst werden.

Das Problem, das Götz Eisenberg dabei beleuchtet, ist eigentlich ein altbekanntes: Platon hat darüber in seinem Höhlengleichnis bereits berichtet (siehe dazu auch Eifelphilosoph). Vielleicht wäre es also heute im 21. Jahrhundert, an der Schwelle zum dritten Jahrtausend an der Zeit, diesen stupiden Mechanismus, mit dem wir uns um unsere wertvollsten Köpfe und auch uns selbst stetig dem Grand Canyon näher bringen, endlich einmal zu knacken. Denn allzuviel Zeit bleibt uns womöglich nicht mehr: Die „Doomsday Clock“ wurde soeben auf zwei Minuten vor Mitternacht, d.h. der symbolischen Apokalypse vorgestellt (siehe Spiegel).

Wie bereits in meinem letzten Kommentar muss ich wieder eine Warnung  anbringen: Das Lesen von Götz Eisenbergs Essay kann melancholisch machen, vor allem wenn der Autor den Esprit und die Ideale der damaligen Studentengeneration mit unserer Situation heute vergleicht (was uns aber gleichzeitig anspornen kann, diesen Elan – diesmal nicht als Gruppe, sondern individuell – wiederzugewinnen, denn er ist in Wirklichkeit nicht weg, er ist nur zugeschottert und man muss ihn freischaufeln:)

„… Die Erinnerung daran, dass eine menschliche Welt möglich ist, soll getilgt werden. Ein großes Vergessen soll sich breitmachen und jede Alternative schon im Ansatz erstickt werden. Ein Blick auf den Zustand der jüngeren Generation zeigt, dass dieses Vorhaben bereits weit vorangekommen ist. Das gilt leider auch für das Gros der heutigen Studierenden. Sie unterwerfen sich den Anforderungen einer zur Lernfabrik verkommenen Universität und lassen sich widerspruchs- und widerstandslos zu „Kopflangern“ (Brecht) des digitalisierten Kapitals herrichten. Sie begeben sich auf ein Reise-nach-Jerusalem-Spiel um gutbezahlte Jobs und verfahren nach dem altgriechischen Motto: „Glück ist, wenn der Pfeil (der Arbeitslosigkeit) den Nebenmann trifft“. Konkurrenz und Ellenbogeneinsatz statt Solidarität und gegenseitiger Hilfe. Sie pfeifen sich leistungssteigende Medikamente rein, vergöttern Markt und Effizienz, rennen wie Somnambule hinter ihren Smartphones her und trinken auf dem Weg zur Uni einen Coffee to Go. Statt sich in den Kampf zu stürzen, jagen sie Pokémons und tanzen nach der digitalen Pfeife. Insgeheim ahnen oder wissen sie, dass sie keine Perspektiven haben. Das macht sie latent wütend und gereizt. Deswegen besaufen sie sich regelmäßig und trinken oder kiffen sich weg aus einer frustrierenden Realität. Dass sie diese ändern könnten, ist ein Gedanke, der ihnen fremd ist. Von Revolution ist bloß noch die Rede, wenn es um eine neue Geschäftsidee oder die Gründung eines Start-up-Unternehmens geht. Ihr Traum, den sie leben wollen – wie ein gängiger Werbeslogan heißt – ist ganz von dieser Welt: reich sein, Karriere machen und dabei Spaß haben.

(…)

Warum will Bachmann [Anm.: der Attentäter, der auf Dutschke geschossen hat] unbedingt jemanden erschießen, der sich zeitlebens für die Erniedrigten und Beleidigten, also für Leute wie ihn, eingesetzt hat? Um der Antwort auf diese Frage näher zu kommen, muss man die kritische Sozialpsychologie zu Rate ziehen. Das von seinen Erziehern gezüchtigte und gequälte Kind ist dennoch auf deren Wohlwollen und Zuwendung angewiesen. Es muss seine Peiniger lieben, und diese sadomasochistische Verfilzung von Quälerei und Liebe bleibt oft ein Leben lang wirksam. Die Erziehung zu Gehorsam und Unterwerfung unter Autoritäten mündet in eine „Identifikation mit dem Angreifer“, die einen Menschentyp hervorbringt, der verbissen seine eigene Knechtschaft verteidigt. Die in einem „erbärmlichen geistigen und seelischen Zustand“ gehaltenen Menschen, schrieb der junge Max Horkheimer in seinem Buch „Dämmerung“, „sind die Affen ihrer Gefängniswärter, beten die Symbole ihres Gefängnisses an und sind bereit, nicht etwa diese ihre Wärter zu überfallen, sondern den in Stücke zu reißen, der sie von ihnen befreien will“. Diesem, wenn man so will, perversen Mechanismus fielen immer wieder Revolutionäre zum Opfer – von Rosa Luxemburg, Karl Liebknecht, Kurt Eisner, Gustav Landauer bis Rudi Dutschke.“

(ganzer Artikel: siehe Nachdenkseiten)


Foto:Rosa-Maria Rinkl/CC BY-SA 3.0/Wikimedia 

Kulturtod 4.0 und die Geburt eines neuen Sterns im Zeitalter der Schwarzen Sonne

Bild: Schwarze Sonne / Nigredo (PD)  

War den Griechen die Kunst noch das Götterkind, das den an der „Lebenslüge“ erkrankten Menschen inspiriert, erhebt und gesundet (was besagte Lebenslüge ist, darüber darf jeder mal kurz selbst sinnieren …), so haben sich die Künstler der Postmoderne zwar schon längst von diesem Ideal der Kunst verabschiedet, aber als eines kann Kunst heute immer noch dienen: als äußerst präziser Spiegel des herrschenden Zeitgeistes und als feinfühliger Seismograf für die Zukunft. Schon Viktor Frankl hat daher den Rat gegeben, dass man die uns erwartende Zukunft am besten an der aktuellen Kunstszene ablesen könne. Dies beherzigend, habe ich es mir zur Gewohnheit gemacht, mein Augenmerk nicht nur der Politbühne zu schenken und dort das marktkonforme Treiben der Trumps, Merkels und Gadaffis zu analysieren [Anm. d. Red.: die vorgenannte Auswahl an toten, komatösen und hyperventilierenden Politikern ist spontan und ohne tiefere Assoziation erfolgt], sondern ab und zu auch im Kulturteil unserer Leitmedien zu blättern.

Immerhin haben vor wenigen Tagen die Wiener Festwochen 2017 begonnen, das Stelldichein der internationalen Kunst-Avantgarde. Seit unserem letzten Abstecher in diese Gefilde (siehe „Über multiresistente Keime, Kulturtod und emotionale Vulkanausbrüche in neoliberaler Gletscherlandschaft“) hat sich auf der Kulturbühne nicht allzuviel geändert. Es sind bei den diesjährigen 66. Festspielen eben nicht deutsche und österreichische Akteure, die „kotzen, urinieren, Pornoszenen nachstellen, wild um sich schlagen, kreischen und schluchzen, rohes Fleisch und Eingeweide werfen“, um „das Publikum gemeinsam mit den Darstellern immer weiter bergab zu führen  in die Untiefen des Unbewussten, wo Tagesreste, Ängste und Begierden einen wabernden Morast bilden“ (Quelle: orf.at), sondern zur Abwechslung eben chinesische oder brasilianische Künstlertruppen wie z.B. die Macaquinhos (übersetzt: „Äffchen“), die gemeinsam eine lustige Nackt-Polonaiseschlange bilden und dabei ihre Köpfe in den Allerwertesten des jeweiligen Vordermanns stecken. O-Text aus dem Programm der Festwochen: „Kurzum: Es geht um den Anus. Die demokratischste und tabuisierteste Körperöffnung von allen. Die Performance ist eine Hommage an Schönheit und Freiheit …“ (Quelle+Polonaisefotos: festwochen.at). Im Fußtext des Festwochenprogramms erfährt man indes auch Dramatisches: Durch die aktuelle politische Situation in Brasilien ist die zukünftige Arbeit der Anus-Äffchen gefährdet!

[kleiner Zwischenruf an die soeben in NRW abgestürzten GRÜNEN: Na, da muss man doch schleunigst was unternehmen. Wo seid ihr, wenn man euch braucht? Eure Young Leaders sind doch sonst auch immer an vorderster Front, wenn es um den Kampf für Demokratie und Fortschritt und gegen Tabus geht. Womöglich sterben die Anus-Äffchen demnächst aus, wenn wir uns jetzt nicht für sie einsetzen! Außerdem: Vielleicht entdeckt ihr bei dieser Spezies sogar ein neues Transgender-Geschlecht, das ihr euch dann auf eure Fahnen schreiben könnt.]

Nun, dass wir heute in jeder Hinsicht auf den Arsch gekommen sind, wäre ja noch nichts wirklich Neues. Selbst Menschen, die sich durch harte Drogen oder Dauerfernsehen betäuben, dämmert dies mittlerweile, dazu hätte man nicht Kerosin in die Luft blasen und Macaquinhos aus Brasilien importieren müssen.  Auch Jonathan Meese, das enfant terrible der zeitgenössischen Kunzt, hätte man nicht herankarren müssen, damit er uns mit Richard Wagners Parsifal-Verhunzung jede Vorstellung von Politik und Religion „dekonstruiert“. Diese seien „Kitsch von gestern“. Hingegen gehe es laut dem Regisseur darum, uns auf eine Zukunft vorzubereiten, die seiner Ansicht nach „nicht religiös, nicht politisch und auch nicht demokratisch“ sein werde. – Stelle ich mir wirklich toll vor, so eine Zukunft ohne Politik, also ohne demokratische Willensbildung: Klingt wie ein Mekka, in dem sich die in der Aufzählung des Künztlers nicht vorhandene Wirtschaft endlich vollkommen frei entfalten kann. Auch eine von Meese geforderte Welt ohne Religion passt da dazu: Eine Welt, in der nichts mehr heilig, sondern alles nur geistlose Knetmasse und damit der restlosen Verwertungslogik unterworfen ist, wäre doch der beste Boden für ein letztes Wirtschaftswunder kurz vor Ladenschluss – der Ökonom in mir bekommt bei einer solchen Vorstellung sofort Dollarzeichen in den Augen und ist restlos begeistert. Fortschrittliche Künztler mit solchen Visionen sollte man unbedingt unter Sponsoringvertrag nehmen.

Wie dem auch sei. Eigentlich würde ich es ja gar nicht für wert halten, den Leser mit dem „wabernden Morast“ (orf.at) – pardon, mit der „Kunst der offenen Arme“ (Festivalintendant Tomas Zierhofer-Kin) – zu belästigen, der dieses Jahr wieder neu aufgebrüht vom Stapel gelassen wird, wenn … ja wenn sich inmitten dieses Morasts nicht auch Grund zur Hoffnung abzeichnen würde. Dazu jedoch später. Bevor wir zu besagter Hoffnung bzw. zum Licht kommen, wollen wir uns so wie die klassischen Alchemisten bei ihrer Bereitung des Steins der Weisen zuerst der „Schwarzphase“ (lat. Nigredo, auch: Schwarze Sonne) widmen, jenem Stadium der Fäulnis und des Ausbrennens, in dem auch der Tiefenpsychologe C.G. Jung eine Vorstufe der inneren Reifewerdung bzw. Individuation gesehen hat. Die Schwarzphase, bei der ein Gefäß in Pferdemist eingepackt und im Schlamm vergraben wurde, um dort zu verwesen, dauerte bei den alten Alchemisten 40 Tage. Mit 35 Tagen will der Intendant der Wiener Festwochen zeigen, dass es im digitalen Zeitalter auch eine Spur schneller geht und verspricht „fünf Wochen Ausnahmezustand“. Seiner Ansicht nach solle das Kulturprogramm „nicht geistig, sondern sinnlich“ sein, es gehe ihm „um exzessive, lustvolle Erfahrungen“ (Quelle: tvthek.orf).

In diesem Kontext und im Sinne von Frankls Zukunftskaleidoskop also kurz ein paar Streiflichter durch die Festspiellandschaft und ihre diesjährigen Stars (Kursivtext jeweils im Original übernommen):

“Promised Ends“ – Derrick Mitchell: In seinem „Theater der Grausamkeit“ lässt er assoziativ-mythologische Räume entstehen und erzeugt überbordende Schönheit, die in jedem Moment in Schmerz, Hysterie und extreme Emotionen kippen kann. Mitchell zeigt eine Gesellschaft in einer Grenzsituation, die Tabuschwellen durchbricht, … Angst, Bedrohung, Tod und Kannibalismus. Zum Sprachrohr dieser Gesellschaft wird ein körperlich wie geistig zerstörter König Lear … Auf der erbarmungslosen Reise sind wir mit Saint Genet und der Donner Party im Gebirge gefangen und treffen auf einen ››mad king on the heath saying kill, kill, kill, kill, kill, kill!‹‹ (Quelle: festwochen). Während der Performance zapfen sich Mitchells Schauspieler Blut ab und setzen sich unter Drogen. Im TV-Journal KulturMontag vom 08.05.2017 (Link bereits erloschen) sieht man mit echtem – ihrem eigenen – Blut verschmierte Körper zuerst alleine zittern, dann zu lethargischen Haufen übereinandergestapelt.

„Death Center for the Living“ – Daniel Lie: zeigt die Lust am Auflösen des Individuums und am Verschmelzen mit der dionysischen Emotion einer Masse, egal welcher: „Emotional Fields“ bezeichnet Situationen, in denen ganze Gruppen von Individuen zur selben Zeit und am selben Ort dieselbe Emotion empfinden, z. B. bei einer Trauerfeier, einem Candomblé-Ritual, aber auch bei einer Schlägerei oder einer Demonstration. Erkunden Sie die Zwischenwelt der Transformation, der Auflösung, des Loslassens. In Daniel Lies interaktiver Installation aus Mineralien, Pflanzen und verrottendem Obst entstehen atmosphärisch dichte Szenarien, in denen zeitliche Linearität zugunsten eines prozessualen Verständnisses aufgelöst wird. Ein queerer Raum, in dem alternative Gesetze walten. Eintritt frei (Quelle: festwochen).

„Mondparsifal Alpha 1-8“:  Als einer der Höhepunkte der Festspiele darf hier der bereits genannte Jonathan Meese den Parsifal-Mythos dem Reißwolf und der Kompostierung zuführen. Er selbst findet seine Wagner-Verhunzung als „das Geilste“. Er möchte Richard Wagner und den Weltenretter Parsifal „entheiligen, um ihn zukunftsfähig zu machen“, ihn von Politik und Religion befreien, da es Politik und Religion ja gar nicht gäbe und wir uns stattdessen auf eine Zukunft vorbereiten müssten, die wie schon erwähnt, nicht religiös, nicht politisch und auch nicht demokratisch sein werde. In diesem Sinne will er uns zeigen, wie unsinnig es ist, den heiligen Gral und die Entwicklung innerer Tugenden wie Gerechtigkeit, Weisheit, Milde etc. zu erstreben wie seinerzeit die Gralsritter, wo es doch heute Strom aus der Steckdose, WLAN, auf Mondstationen twerkende Barbarellas, billigen Fusel, Anus-Polonaisen und endloses Entertainment gibt.  Meese „freut sich tierisch“, dass er nun auf der Weltbühne der Wiener Festspiele dasjenige Skandalstück aufführen kann, das bei den Bayreuther Festspielen abgesetzt wurde. Für das spießige Bayreuth, das seine fortschrittlich-entheiligende Kunzt verschmäht hat, schlägt der Regisseur nur noch eine – letzte – Inszenierung vor: „Man holt den Bulldozer raus und macht alles platt.“ (Quelle: orf).

„Hyperreality“: Parallel zu den Kunstinszenierungen wird in einem eigenen Pavillon vier Nächte lang ein „großer Reigen mit theoretischem Überbau und Partycharakter sowie einem politischen Drall“ veranstaltet. Die hierbei zum frenetischen Tanz aufspielende, international gefragte Künstlerin Tomasa Del Reals beweist durch ihre Vita, dass es im Sinne Meeses Mondparsifal auch ganz ohne ritterliche Ideale geht und „neue Realitäten“ ausreichen: „Dem Onlinemagazin The Fader kommunizierte sie eine Selbstbeschreibung, die von neuen Realitäten zeugt: Sie sei lediglich ein Mädchen mit ein paar guten Freunden, einem Mac und Wi-Fi“ (Quelle: orf).

Beim Recherchieren über die Wiener Festwochen habe ich mich auch kurz in ein benachbartes, ebenfalls an der Donau liegendes Kulturfest verirrt, das vermutlich aus dem Sporenflug des Mutterfestivals vom Vorjahr auf der grünen Wiese der Provinz aufgesprossen ist: Das Kremser Donaufestival. Der öffentliche Rundfunk erklärt uns, worum es bei diesem Festival geht (Quelle: orf): „Das Motto: nur keine falsche Scham. Hinschauen und zuschlagen, ganz, wie es die Lust gebietet.“ Im Fließtext erfährt man auch, was besagte Lust gebietet: „Dutzende nackte Menschen, die in einer Kirche ekstatisch zu moderner Musik tanzen und einander betatschen. Die Dominikanerkirche ist keine Kirche mehr, und die Tage, in denen so etwas als Tabubruch galt, sind längst vorbei. Heute ist das Skandalon ein anderes: echte Menschen, manche alt, manche jung, manche dick, manche mager, manche sportlich, manche nicht, mit großen oder flachen Brüsten, kleinen oder großen Penissen.“ Als Kulturverfall will der staatliche Rundfunk die Performance keinesfalls verstanden wissen: „Von wegen „Verfall“: Hier steht ein Mensch, in all seiner Körperlichkeit, all seiner Normalität…“

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk geizt auch nicht mit Ratschlägen und lebenspraktischen Erkenntnissen, die auf dem Kulturfestival zu gewinnen sind: Unter der Überschrift „Macht kaputt, was euch kaputt macht“ schildert er die Lust, in deren Genuss man bei hemmungslosen Gewaltausbrüchen kommen kann: „Solchermaßen von Komplexen befreit, muss man sich noch seiner Wut über das Body-Shaming, das in der Welt außerhalb des Donaufestivals weit verbreitet ist, entledigen. Da kommt Stephane Roys „The Laboratory of Anger Management“ gerade richtig. In einem Container wird eine Wohnlandschaft aufgebaut. Festivalbesucher dürfen sich jeweils 30 Sekunden lang mit einem Baseballschläger bewaffnet an die Zerstörung machen. Was in den unscheinbarsten Menschen steckt! … Wahren Berserkern gleich dreschen sie auf Glastische, Nachkästchenlampen und Stereoanlagen ein, bis außer ein paar Splittern nichts mehr übrig ist und das improvisierte Wohnzimmer neu aufgebaut werden muss. Interessant ist der Effekt, der sich dabei einstellt: Die Performance macht nicht Angst vor der Gewaltlust einzelner Individuen, sondern man freut sich mit ihnen über die Befreiung, die ganz offensichtlich mit dem brachialen Zerstören von heimeligen Konsumlandschaften einhergeht … Man verlässt das Festivalgelände mit einem inneren Schlachtruf, der die Schädelknochen noch ein letztes Mal zum Schwingen bringt: Freiheit für den Körper!“ (Quelle: orf)

Bevor er das Festivalgelände verlässt, macht der Redakteur noch einen Besuch bei einer Performance, in der ein „posthumanes Wesen“ auf einen schwarzen, mächtigen Thron erhoben wird, umgeben von Nebelschlieren und diffusem Kunstlicht. Wer also gedacht hat, dass in einer Zukunft, die „nicht religiös, nicht politisch und auch nicht demokratisch“ sein wird, auch der Herrscherstuhl leerbleibt, während wir durchspaßt mit Cyberbrillen durch die Gegend surfen, der hat wohl voreilig geschlussfolgert. Passend zur Inthronisation des posthumanen Herrscherwesens wartet das Kulturfestival auch mit entsprechenden „theoretisch-diskursiven Vertiefungen“ auf, in welchen die US Cyborg- und Cyberfeminismus-Vordenkerin Donna Haraway dem Publikum die Idee schmackhaft macht,  die „Grenzziehungen zwischen Mann/Frau, Mensch/Maschine und Physischem/Virtuellem aufzuheben und neu zu denken“.

Zurück aber aus der Provinz in die Hauptstadt zum Mutterfestival: Auftakt und Höhepunkt der Wiener Festwochen war die „zwischen Oper und Orgie“ verortete Inszenierung „Ishvara“ des chinesischen Künztlers Tianzhuo Chen, der sich einen riesigen Bananenmixer zurechtgelegt hat, in den er die Bhagavad Gita (=die heilige Schrift der Hinduisten) und buddhistische Rituale zusammen mit Pop, Hiphop, nackten Männer mit frei schwingenden Pimmeln, Tierkadavern und Dämonen hineinwirft und dann den Mixer einschaltet. Die daraus resultierende, aufgeschäumte Melange wird sodann unter kaltem Neonlicht, Stroboskopscheinwerfern und markdurchdringend sirrendem Sirenenlärm zweieinhalb Stunden lang auf die Bühne ergossen. Aus einer Rezension auf orf news: „Im Vollrausch der Opernorgie — Auf der Bühne herrscht Opulenz, die die erzählerische Ebene ohnehin bald in den Hintergrund rückt. Es wird mit Fleisch geworfen, gekreuzigt, gebadet und vor allem viel getanzt – einmal mehr, oft weniger angezogen. Neon- und Schwarzlicht beleuchten ein großes Kreuz, das auf der Spitze eines Berges im Hintergrund aufgestellt ist…“

Während sich also der Westler Jonathan Meese die Entheiligung des christlichen Parzifal-Mythos vorgenommen hat, so widmet sich der aus dem Osten kommende Chen der Entheiligung der Bhagavad Gita, das ist quasi das orientalische Gegenstück der Bibel und Hauptwerk des Hinduismus. Der Großteil des Publikums war angeblich begeistert. Auch ich beginne langsam zu verstehen: Wenn diese letzten Reminiszenzen menschlicher Kulturgeschichte endlich zerrissen, verschreddert und verheizt sind und dem menschlichen Geist ein Tritt verpasst wurde wie einem Fußball, den man weit über den Horizont hinausschießt, dann werden wir endlich bereit sein für die Zukunft, die der Fortschritt uns verspricht. Das posthumane Wesen auf dem schwarzen Thron wird uns in eine neue, transhumanistische Evolution führen – siehe dazu ein lesenswertes Essay in Peds Ansichten (danke an User Blub für den Link).

Zurück aber zu Chens Orgienoper. Im Publikum spielt sich nämlich etwas ab, was ich als bemerkenswert repräsentativ für das ansehe, was sich m.E. in Zukunft immer stärker herauskristallisieren wird:

„Das Publikum teilt sich in einen kleinen Teil, der sich an mancher Stelle die Ohren zuhält, und den Rest, der von der ohrenbetäubenden Soundkulisse fast in eine Art Trance versetzt wird.“ (Bericht aus news.ORF.at/festwochen)

Und genau hier sind wir am springenden/revolutionären Punkt bzw. am eingangs versprochenen Hoffnungsmoment angelangt: Es wird berichtet, dass nach einer Dreiviertelstunde zuerst einzelne Personen und dann immer mehr Menschen mitten in der Orgienoper aufgestanden sind und unter Buh-Rufen den Raum verlassen haben. – Wer jetzt müde die Augen aufschlägt und meint, das sei nichts Besonderes, der hat keine Ahnung von der zeitgenössischen Kunstzene und den Gesetzen der Avantgarde. Bis vor Kurzem wäre es noch ein absolutes No-Go und reine Häresie gewesen, sich dem zur Normalität erklärten Wahnsinn zu verweigern und andere Wege zu gehen. Als etwa der österreichische Alt-Bundespräsident Thomas Klestil seinerzeit mit dem Satz „Mir gefällt die Kunst Nitschs nicht“ öffentlich bekundete, dass er den Orgienmysterienspielen und Blut-Schüttbildern des Aktionskünstlers Hermann Nitsch ablehnend gegenübersteht, wurde er von der herrschenden Meinung und ihren Leitmedien regelrecht hingerichtet. Ebenso machte sich auch jeder Kleinbürger der Führerbeleidigung schuldig und wurde umgehend als Ketzer aus der Gemeinschaft der fernsehenden Spiegelbildbürger verworfen, wenn er fortschrittliche nackte Tatsachen mit einem Sahnehäubchen reinem Wahnsinn obendrauf serviert bekam und es verschmähte, davon zu essen. Wenn heute also erstmals, wenn auch nur vereinzelt,  Menschen aufstehen, sich gegenüber der Masse emanzipieren und mutig den Häretikerstandpunkt einnehmen, dann ist das absolut revolutionär und in seiner Symbolkraft für die Zukunft nicht zu unterschätzen. Wir sind hier Zeugen absoluter pionierhafter Willensentscheidungen: Menschen, die nicht in C.G. Jungs „Nigredo“(Schwarz-)Phase verharren wollen, sondern die am Nullpunkt der menschlichen Kulturgeschichte realisieren, dass sie im Begriff sind, bei weiterer Fortsetzung dieses Weges in den Bereich sub-zero zu kommen bzw. meier zu werden. Menschen, die sich aus der Phase „Nigredo“(Schwärzung) in Richtung „Albedo“ (Weißung) und „Rubedo“ (Rötung) bewegen, um bei C.G. Jungs Terminologie zu bleiben (was diese tiefenpsychologischen Begriffe bedeuten, würde hier den Rahmen sprengen, kurz gefasst sind damit Stufen innerer Reifewerdung angedeutet, wobei es das Verdienst C.G. Jungs war, herauszuarbeiten, dass es bei diesen der mittelalterlichen Alchemie entlehnten Begriffen keineswegs um die Gewinnung von materiellem, sondern um „philosophisches Gold“ geht; als weiterführende Literatur siehe z.B. Jung, C. G. (1984): Psychologie und Alchemie).

Zurück aber zu denjenigen Pionieren, die sich aus der Orgienoper des 21. Jahrhunderts bereits emanzipiert haben: Nun wird gewiss mancher enttäuscht sein, dass das die ganze Hoffnung sein soll, die ich eingangs versprochen habe. Was sind schon einige wenige Brechbreiverweigerer gegen die große Masse, die sich weiterhin mit dem Brei abfüttern und in ekstatische Begeisterung versetzen lässt? Nun gut, wem diese Willensbekundung einiger Weniger noch nicht Hoffnung genug ist, für den habe ich abschließend noch einen weiteren Trost auf Lager:

Viele werden es schon wissen, aber da es sich zu manchen womöglich noch nicht rumgesprochen hat und zum Thema passend, im Übrigen eine Namensverwandschaft mit dem vorgenannten „Rubedo“ C.G. Jungs hat, möchte ich hier nochmals darauf hinweisen: Vor wenigen Wochen wurde eine neue Plattform eingerichtet, um einen wirkungsvolle Gegenöffentlichkeit gegen den zur Normalität erklärten Wahn-Sinn und gegen die tendenziöse Meinungsmache der Massenmedien zu schaffen. Das Magazin nennt sich „RUBIKON — Magazin für die kritische Masse“ und hat, wie der Name schon sagt, das erklärte Ziel, in der Gesellschaft die notwendige kritische Masse zu schaffen, um den abgründigen Entwicklungen der Gegenwart doch noch eine Wendung zu geben. Jean Ziegler zur Rubikon-Gründung:

„Es gibt eine letzte große Chance, den Beutejägern des Kapitals das Handwerk zu legen, bevor sie mit der neoliberalen Dampfwalze jeder Individualität und humanistischen Solidarität ein Ende setzen.“

Eine erste Sichtung des neuen Magazins hinterlässt einen vielversprechenden Eindruck und macht Mut auf die Zukunft. Neben vielen hochkarätigen Kolumnisten finden sich im Beirat erfrischende Köpfe wie Jean Ziegler, Daniele Ganser und Rainer Mausfeld. Aus der Startseite des Rubikon:

„Es gibt nichts Gutes, außer man tut es!“ (Erich Kästner) … Trauen Sie sich, aufzustehen. Trauen Sie sich, klar und zuversichtlich zu sein! Lassen Sie uns sicht- und hörbar werden, denn diese Welt und diese Zeit brauchen uns alle, brauchen auch Sie. Überschreiten wir gemeinsam den Rubikon. Denn ob wir es wollen oder nicht: die Würfel sind längst gefallen. Es ist daher an der Zeit, das Spiel selbst in die Hand zu nehmen.“

Was Rubikon ein besonderes Qualitätsgütesiegel verleiht: Nur wenige Atemzüge nachdem die Rubikon-Plattform gegründet wurde, wurde ihr von den Inquisitoren der Skeptikerbewegung bereits ein Eintrag auf Psiram verpasst (über Hintergründe zu dieser Diffamierungsplattform siehe Jens Wernicke: „Die Aufklärer und ihre Fake-News“). Hätte Rubikon diesen Eintrag auf Psiram nicht, dann wäre diese Initiative vermutlich nicht wert, dass man sie erwähnt. Denn wer auf dem Gesinnungspranger Psiram keinen Eintrag besitzt, ist im heutigen gesellschaftlichen Diskurs nur von eher untergeordneter Bedeutung und hat zur Veränderung der herrschenden Verhältnisse nicht viel beizutragen. Nur wer dem, was in der globalen Orgienoper „herrschende Meinung“ und „anerkannte Lehre“ ist, etwas entgegenzusetzen hat, ist dort aufgelistet. Wenn Rubikon also dort sogar binnen Tagesfrist ins Visier der von Roland Düringer als Bluthunde bezeichneten GWUP-/Skeptikerbewegung gerät, dann spricht das absolut für die Integrität und Stoßkraft der Redakteure von Rubikon. Frei nach Noam Chomsky: „Wenn ich mit dem, was ich sage, in den heutigen geisteskorrumpierten Verhältnissen nicht auf vehemente Kritik stoßen würde, dann wüsste ich, dass ich etwas falsch gemacht habe.“

Einer meiner neuen Lieblingskolumnisten auf Rubikon ist übrigens „Herr M.“ – Herrn M. ist angesichts der Entwicklungen des Zeitgeschehens schon seit einiger Zeit nur noch schlecht. Seine Kolumne nennt er daher auch „Die Brechecke“. Trotz allem hat sich Herr M. einen besonderen Galgenhumor bewahrt, fühlt in Seelenruhe am Totenbett den Pulse of Europe, forscht eigenhändig nach, was das neue „SCHULZ“ ist und demaskiert unsere Leitmedien in genüsslicher Weise als „konzertierte Gehirnwaschfront“. Aber auch in den Artikeln der anderen Rubikon-Autoren kann man in Ruhe schmökern, ohne dass man am liebsten ein Glas an die Wand schmeißen möchte so wie beim Lesen unserer DIN-ISO-zertifizierten Leitmedien.

***
Nachsatz:

Tja, die Nigredo-Phase, durch die wir momentan durchgehen, ist vermutlich noch lange nicht überwunden und die Sonne, die derzeit am Horizont steht, würde C.G. Jung wohl trotz ihres gleißenden Lichtes eine schwarze nennen („sol niger“, siehe Titelbild). Ein Sonnenschutzmittel, das vor dieser Gegensonne bewahrt, ist bis dato leider noch nicht erfunden und so wird uns das täuschende, pervertierte Licht, das von der schwarzen Sonne ausgeht, wohl noch weiterhin auf unserem Weg begleiten und auf der Haut brennen. Es kann jedoch jeder von uns ein nicht zu unterschätzendes Stück dazu beitragen, dass die wirkliche, gesunde Sonne wieder am menschlichen Horizont erscheint. Sie wird sichtbar, sobald wir den Nebelgeneratoren den Stecker rausziehen. Diesen Stecker ziehen wir raus, indem jeder von uns an seinem Ort der Lüge und Manipulation die Gefolgschaft verweigert und sich auf individuelle Weise um Wahrheit  und Humanität bemüht (siehe auch „Der Mensch am Schlachtfeld zwischen Lüge und Wahrheit“). Damit das bei niemandem Druck erzeugt: Die Wandlung vom Nigredo zu Albedo und Rubedo muss kein äußerlich heldenhafter und spektakulärer Prozess sein, es ist in den meisten Fällen eine ganz leise, innere Wandlung – dabei wäre es jedoch meines Erachtens ein fataler Fehler, wenn man mit dieser inneren Wandlung bei sich stehen bleibt und sich nicht nach außen wendet (die Tendenz zu Selbstrückzug und zum Schaffen von Wellness-Oasen ist angesichts der derzeitigen Großwetterlage bzw. kollektiven Depression zwar durchaus verständlich, aber nicht ratsam). So wie dies die Begründer von Rubikon machen, kann es auch jeder von uns im Kleinen machen: Ins Gespräch gehen, lebendiges Interesse am Weltgeschehen zeigen, mutig Position beziehen für Menschen, die gerade diffamiert und medial durch den Dreck gezogen werden, Respekt zeigen vor der Würde Anderer bzw. Andersdenkender – für die man im Sinne Immanuel Kants auch zu kämpfen bereit ist, denn: “Die Unmenschlichkeit, die einem anderen angetan wird, zerstört die Menschlichkeit in mir.”

***
P.P.S:

Falls die vom Orgienopern-Regisseur Tianzhuo Chen in Brand gesetzte und zum Verschreddern freigegebene Bhagavad Gita demnächst aus dem Gedächtnis der Menschheitsgeschichte ausgetilgt werden sollte, dann bleibt aus dem 700-strophigen Gedicht vielleicht zumindest auf dem Nachrichtenspiegel-Server dieser kleine Vers hier erhalten. Er mag als philosophische Gewürzprise dienen, dank derer Ihr Verdauungstrakt die notwendigen Enzyme erhält, um die aus den oben verlinkten Kulturfestimpressionen aufgenommenen Toxine, freien Radikale und Handlungsimperative wieder ausscheiden zu können.  (Der Autor des Gedichts ist unbekannt, zu altindischen Zeiten hat es der Mensch noch als anmaßend empfunden, dem Namen seiner vergänglichen Persönlichkeit besondere Wichtigkeit zuzumessen):

Wenn ein Mensch materielle Dinge betrachtet, entsteht Bindung an diese.

aus Bindung entsteht Begehren,

aus Begehren entsteht Zorn,

aus Zorn entsteht Verblendung,

aus Verblendung erfolgt Verlust der Erinnerung (an den Sinn des Lebens),

aus dem Verlust der Erinnerung erfolgt Zerstörung des Verstandes/ der Unterscheidungsfähigkeit;

ist der Verstand/ die Unterscheidungsfähigkeit zerstört, dann geht der Mensch zugrunde.

 

 

Prof. Dr. Rainer Mausfeld: „Wie werden Meinung und Demokratie gesteuert“.

youtube sagt:
Veröffentlicht am 09.05.2017
Prof. Dr. Rainer Mausfeld bietet einen Einblick in die wirkliche Verwaltung unserer Demokratie und zeigt auf, wie mit den Techniken des Meinungsmanagements die Bürger in Gleichgültigkeit und der Illusion des Informiertseins gehalten wird.

Dabei stellt er sich u.a. folgenden Fragen:
Mit welchen subtilen Methoden arbeiten Unternehmen und Lobbyverbände?
Wie und in welchem Ausmaß werden wir bereits heute manipuliert?
Welche Rolle spielen die Medien?

Dieser Vortrag fand in Kooperation mit der E.F. Schumacher-Gesellschaft für politische Ökologie e.V. statt.

Und, damit diejenigen, die ihn noch nicht kennen, nicht lange suchen müssen, hier nochmal die beiden vorherigen Vorträge:

Warum schweigen die Lämmer? Demokratie, Psychologie und Empörungsmanagement.

youtube sagt:
Veröffentlicht am 15.09.2015
Vortrag an der Christian Albrechts Universität Kiel, am 22.06.2015:
Prof. Dr. Rainer Mausfeld
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Der Vortrag beschäftigt sich mit einem oftmals als ‚Paradoxon der Demokratie‘ bezeichneten Spannungsverhältnis zwischen Volk und Eliten: Demnach könne es in einer Demokratie beispielsweise passieren, daß, wie Aristoteles bemerkte, „die Armen, weil sie die Mehrheit bilden, das Vermögen der Reichen unter sich teilen.“ Aus Sicht der jeweils herrschenden Eliten sind Demokratien daher mit einem besonderen ‚Stabilitätsproblem‘ behaftet….

Die Angst der Machteliten vor dem Volk

youtube sagt:

Veröffentlicht am 19.02.2017
Wenn eine überschaubare Gruppe von Menschen dauerhaft über die große Masse Macht ausüben will, ist die Stabilität des Systems nur dann zu erreichen, wenn man die wichtigste Ressource kontrolliert. Wissen.

Was das Volk nicht weiß, noch nicht einmal erahnt, kann es auch nicht auf die Barrikaden bringen.

Nach diesem simplen Prinzip herrschen die sogenannten Eliten nun schon seit Tausenden von Jahren über ihre jeweiligen Untertanen. Dabei spielt es keine Rolle, ob ein System sich „Demokratie“ nennt oder nicht.

Immer sind es nur sehr wenige, die bestimmen, was offiziell überhaupt gewusst wird. Umso allergischer reagiert jeder Machtapparat auf sogenannte Whistleblower, die man früher abwertend als Verräter bezeichnete. Verräter wie Snowden destabilisieren die Machtpyramide, indem sie dem Volk, den Massen, die Möglichkeit geben zu erkennen, wie man sie beherrscht. Herrschaft kann aber nur effektiv agieren, wenn sie unsichtbar bleibt.

Vor allem auf dem Feld der Sozialforschung hat die Elite gegenüber dem Bürger einen enormen Wissensvorsprung. Die Machthaber kennen das Wesen „Mensch“ heute derart genau, dass sie ihn bis in die kleinsten Teile zerlegen und manipulieren können und das auch tun. Dass wir alle kaum etwas davon mitbekommen, stützt diese Aussage.

Wie kann es sein, dass wir z. B. in der BRD den größten Niedriglohnsektor der Welt haben und sich diese Massen nicht zusammenschließen, um den Verteilerschlüssel des Kapitals zu korrigieren? Wie kann es sein, dass 2016 nur acht Personen so vermögend sind wie 3,7 Milliarden, sprich die ärmste Hälfte des Planeten, und dennoch alles so läuft, als gäbe es diese Information nicht.

Das Machtsystem „Neoliberalismus“ hat es geschafft, nahezu unsichtbar zu werden und zu herrschen. Es ist auf allen Feldern aktiv, während es gleichzeitig so fassbar ist, wie eine grüne Schlange im schlammigen Wasser. War da was?

Mit der Informationsrevolution werden die Karten neu gemischt. Der Staat bzw. die, die ihn zusammenstellen, haben das Monopol auf veröffentlichtes Wissen verloren.

Prof. Rainer Mausfeld ist eine Koryphäe, wenn es um das Enttarnen von Eliten-Macht geht. Sein aktueller Vortrag „Die Angst der Machteliten vor dem Volk“ hilft dem einzelnen, die Ohnmacht zu überwinden, die jeden beschleicht, wenn er versucht, im Alleingang das System zu durchschauen. Die Chance auf Veränderung beginnt im Kopf. Wissen ist der Schlüssel. Mehr Wissen bei den Massen.

Herr Prof. Mausfeld hat noch eine Ausarbeitung des Vortrags mit einigen zusätzlichen Ergänzungen und ausführlichen Quellenhinweisen erstellt.

Prof. Rainer Mausfeld: Die Angst der Machteliten vor dem Volk

youtube Text:

Wenn eine überschaubare Gruppe von Menschen dauerhaft über die große Masse Macht ausüben will, ist die Stabilität des Systems nur dann zu erreichen, wenn man die wichtigste Ressource kontrolliert. Wissen.

Was das Volk nicht weiß, noch nicht einmal erahnt, kann es auch nicht auf die Barrikaden bringen.

Nach diesem simplen Prinzip herrschen die sogenannten Eliten nun schon seit Tausenden von Jahren über ihre jeweiligen Untertanen. Dabei spielt es keine Rolle, ob ein System sich „Demokratie“ nennt oder nicht.

Immer sind es nur sehr wenige, die bestimmen, was offiziell überhaupt gewusst wird. Umso allergischer reagiert jeder Machtapparat auf sogenannte Whistleblower, die man früher abwertend als Verräter bezeichnete. Verräter wie Snowden destabilisieren die Machtpyramide, indem sie dem Volk, den Massen, die Möglichkeit geben zu erkennen, wie man sie beherrscht. Herrschaft kann aber nur effektiv agieren, wenn sie unsichtbar bleibt.

Vor allem auf dem Feld der Sozialforschung hat die Elite gegenüber dem Bürger einen enormen Wissensvorsprung. Die Machthaber kennen das Wesen „Mensch“ heute derart genau, dass sie ihn bis in die kleinsten Teile zerlegen und manipulieren können und das auch tun. Dass wir alle kaum etwas davon mitbekommen, stützt diese Aussage.

Wie kann es sein, dass wir z. B. in der BRD den größten Niedriglohnsektor der Welt haben und sich diese Massen nicht zusammenschließen, um den Verteilerschlüssel des Kapitals zu korrigieren? Wie kann es sein, dass 2016 nur acht Personen so vermögend sind wie 3,7 Milliarden, sprich die ärmste Hälfte des Planeten, und dennoch alles so läuft, als gäbe es diese Information nicht.

Das Machtsystem „Neoliberalismus“ hat es geschafft, nahezu unsichtbar zu werden und zu herrschen. Es ist auf allen Feldern aktiv, während es gleichzeitig so fassbar ist, wie eine grüne Schlange im schlammigen Wasser. War da was?

Mit der Informationsrevolution werden die Karten neu gemischt. Der Staat bzw. die, die ihn zusammenstellen, haben das Monopol auf veröffentlichtes Wissen verloren.

Prof. Rainer Mausfeld ist eine Koryphäe, wenn es um das Enttarnen von Eliten-Macht geht. Sein aktueller Vortrag „Die Angst der Machteliten vor dem Volk“ hilft dem einzelnen, die Ohnmacht zu überwinden, die jeden beschleicht, wenn er versucht, im Alleingang das System zu durchschauen. Die Chance auf Veränderung beginnt im Kopf. Wissen ist der Schlüssel. Mehr Wissen bei den Massen.

Herr Prof. Mausfeld hat noch eine Ausarbeitung des Vortrags mit einigen zusätzlichen Ergänzungen und ausführlichen Quellenhinweisen erstellt.
Die Ausarbeitung ist unter diesem Link verfügbar:
http://www.uni-kiel.de/psychologie/mausfeld/pubs/Mausfeld_Die_Angst_der_Machteliten_vor_dem_Volk.pdf

„The Walk Home“ – Eine kleine Adventgeschichte mit Gänsehautfaktor

Anmerkung: Wer genug hat von dunklen, dystopischen Zukunftsvisionen bzw. Gegenwartsimpressionen und das Video am liebsten gleich wegklicken möchte, der sei beruhigt: Die Geschichte nimmt plötzlich eine unerwartete Wendung an – und zeigt uns, dass die Fratzen der Brutalität, des Kommerz und Nihilismus nur wie Wolfsfelle sind, die zwar diejenigen Menschen einhüllen, die noch zu schwach sind, um ihnen zu widerstehen, die aber dahinschmelzen müssen wie Schneeschichten im Frühling, wenn die Sonne kommt. Fratzen, hinter denen sich in Wirklichkeit auch nur gequälte und in Wirklichkeit verzweifelte Menschen befinden, die insgeheim auf Befreiung vom erstickenden Wolfsfell hoffen…

Der Cartoonist Steve Cutts hat dieses derzeit noch schwer denkbare Szenario zumindest zeichnerisch schon einmal Wirklichkeit werden lassen. Aber sehen Sie selbst …

Video by Steve Cutts (siehe Galerie)

in memoriam Steve Geshwister

Prof. Reiner Mausfeld bei KenFM

Wenn es einer sehr kleinen und übersichtlichen Gruppe von Menschen gelingt, die Massen global und über Jahrzehnte für die eigenen Ziele arbeiten zu lassen, kann das nur dann erfolgreich bewerkstelligt werden, wenn diese Eliten die Techniken der Gehirnwäsche auf allen Ebenen konsequent zur Anwendung bringen. Schon der Umstand, dass Völker sich für Krieg begeistern lassen, zeigt die Macht dieser Technik.

Seit dem römischen Prinzip „Teile und Herrsche“ haben sich die Werkzeuge der Gehirnwäsche extrem verfeinert. Ein großer Teil der sogenannten Sozialforschung wurde im Auftrag der Eliten finanziert, um den Menschen als Wesen, das nur im Kollektiv überleben kann, im Anschluss in seine Bestandteile zerlegen zu können – ihn gefügig zu machen.

Der Grad der Manipulation ist viel größer, als die meisten von uns auch nur ahnen. Aber gerade darin liegt die Macht dieser Elitentechnik. Massenmedien sind dabei eines der wichtigsten Werkzeuge, um die Realität zu verschleiern und unsichtbar zu machen. Wer darauf aufmerksam macht, wird vom System gnadenlos attackiert, lächerlich gemacht und ausgegrenzt. Das finale Ziel ist immer die Vernichtung derer, die die Tarnung der Eliten auffliegen lassen.

Der Soziologe Prof. Rainer Mausfeld hat sich intensiv mit den Techniken der Verschleierung und des Gefügigmachens auseinandergesetzt. Seine auch im Netz veröffentlichen Vorträge, u. a. mit dem Titel „Warum schweigen die Lämmer“, wurden zu Blockbustern im Netz.

KenFM sprach mit Rainer Mausfeld über den Status Quo einer auf den neoliberalen Kurs eingeschworenen Gesellschaft, die sich in gegenseitigen Lagerkämpfen an die Gurgel geht, während die Geldeliten weiter die Strippen ziehen. Die Manipulation ist extrem perfide, denn sie beleidigt den Menschen an sich, der nicht wahrhaben will, dass er wie Vieh zur Schlachtbank geführt werden kann und wird, indem man ihn mit den pervertierten Techniken der Demokratie davon abhält zu sehen, in welcher Situation er sich tatsächlich befindet.

Von der Versklavung der Menschheit und ihrer eigenständigen Befreiung

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Es genügt meines Erachtens nicht, nun für Ralph Boes und die vielen anderen von der augenblicklich vielfach so menschenverachtenden Sozialgesetzgebung unterdrückten Menschen nur auf die Barrikaden zu gehen, man muß sich schon auch fragen, wie es eigentlich dazu kommen konnte, daß eine solche öffentlich durchgesetzte Barbarei nun schon so lange größtenteils unwidersprochen stattfinden kann! – Der folgende Aufsatz beleuchtet die gesellschaftlichen Hintergründe, die – bis heute – entscheidend dazu beitragen, daß solche (wie auch unzählige andere) unmenschlichen Praktiken noch immer von einem breiten Teil der Bevölkerung mitgetragen – und oft auch noch – ganz entschieden befürwortet werden. Der Aufsatz ist hier auf dem Nachrichtenspiegel vor wenigen Wochen schon einmal erschienen; ich möchte ihn aber nun aus gegebenem Anlaß noch einmal als Leserbrief veröffentlichen und bitte darum, sich von seiner Länge nicht abschrecken zu lassen. Es ist wichtig und es lohnt sich, die Hintergründe der momentan in vielen Teilen der Bevölkerung grassierenden Unmenschlichkeit zu verstehen!

Über unseren Geist, unsere Seele, echte Meinungsfreiheit
und ein wahrhaftiges Leben in echter Verantwortungsbereitschaft

Seit die technischen Erfindungen begannen sich geradezu explosionsartig zu vermehren, also seit mehr als einhundert Jahren, tritt auf allen möglichen Gebieten etwas immer mehr in Erscheinung, was ich nur als eine immer wieder aufs Neue kollektiv organisierte Engstirnigkeit bezeichnen kann, nämlich eine auf die inzwischen unzähligen technischen Erfindungen immer wieder geradezu fanatisch reagierende Hysterie, die andererseits aber auch – eine zunehmende kollektive Blindheit für die zahllosen Gefahren in sich birgt, denen die Menschheit seither in zunehmendem Maße ausgesetzt ist bzw. sich nahezu widerspruchslos aussetzen läßt. Viele Websites, Fernsehsendungen, Radioessays, Bücher usw. sind zwar längst voll und werden immer doch immer voller von den Beschreibungen der vielfältig zunehmenden Gefahren, die inzwischen längst nicht nur unsere Zivilisation selbst, sondern auch unseren gesamten Lebensraum betreffen, aber – kaum etwas ändert, kaum etwas bessert sich bisher! Nein, Vieles droht sich derzeit vielmehr noch weiter zu verschlechtern, zunehmend mehr Menschen sind längst nun auch hier in den bislang  noch reichen westlichen Ländern vom Abrutschen in buchstäbliche Armut bedroht, die Umweltverschmutzung nimmt trotz vieler technischer Verbesserungen weiter drastisch zu, auch der Krieg soll nun auch wieder einmal in Europas Osten der Ukraine „letztlich unausweichlich“ sein und wird daher von vielen Medien auch längst schon als „geradezu unvermeidbar diskutiert“. Die Liste von eigentlich haarsträubenden Ungeheuerlichkeit ließe sich noch lange fortsetzen, doch all dies wird von der breiten Öffentlichkeit offensichtlich mit einer fatalistischen Selbstverständlichkeit hingenommen, als handelte es sich dabei um unabweisbare Naturgesetze, die sich immer wieder und wieder ereignen müssen. So „zivililisiert“ sind die heutigen „Zivilisationen“ also, daß alle möglichen Barbareien und auch die fortschreitende Selbstzerstörung in Sachen Umwelt bereits als „unabwendbar“ und somit „alternativlos“ gelten, um hier einmal das berühmte Wort der ebenfalls entsetzlich engstirnigen Maggie Thatcher zu gebrauchen!!! Warnende Stimmen gab es dabei schon im vergangenen Jahrhundert wahrlich oft genug; es gibt sie auch bis heute; doch – bis heute finden sie noch immer – nur bei wenigen Menschen Gehör!
Aber – warum ist das so, warum verhält sich nun der größte Teil der Weltbevölkerung bis heute so uneinsichtig, daß man als klar denkender Mensch insbesondere im Westen längst völlig zurecht von einer partiellen Massenverblödung sprechen kann?

Zwei Männer haben innerhalb der letzten hundert Jahre ganz deutlich aufgezeigt, wie es bis heute immer wieder zu einem solchen Verhängnis kommen konnte; der eine war Herbert Marcuse, der dies freilich zumeist auf solch‘ abgehoben-intellektuelle Art und Weise tat, daß selbst viele Intellektuelle oft ihre Mühe hatten/haben, ihm auf seinen abstrakten Gedankengängen zu folgen (und das sogenannte „gemeine Volk“ daher weit außen vor blieb), der andere war Albert Schweitzer, vom Volk zwar als großer Humanist und Friedensnobelpreisträger gefeiert, aber offenbar kaum je richtig verstanden wurde. Seine Ideen vom Leben, auch in seinen Büchern immer wieder auf auch für einfache Menschen ganz klar und gut verständlich ausgedrückt, hätten – wenn diese von vielen Menschen auch gelesen und verstanden worden wären – schon längst sehr sehr Vieles an Leid mit verhindern können. So Vieles an gutem und äußerst wertvollem Samen hat Schweitzer zum Beispiel in seinem Buch „Kultur & Ethik“ verstreut, daß ich im Folgenden Einiges davon zitieren will, damit endlich einmal klar wird, warum so viele gute Bemühungen um Frieden, um Freiheit, um Gerechtigkeit und nicht zuletzt auch um echten Umweltschutz in unserer Weltgemeinschaft bis heute so oft – auf taube Ohren, sprich‘ bornierte Meinungen und schlimmer noch – auf verschlossene Herzen stoßen:

„Politische, religiöse und wirtschaftliche Gemeinschaften sind heute bestrebt, sich so zu gestalten, daß sie größtmöglichste innere Geschlossenheit und damit den höchsten Grad von Wirksamkeit erlangen. Verfassung, Disziplin und was sonst noch zum Technischen gehört, werden auf eine früher unbekannte Vollkommenheit gebracht. Das Ziel wird erreicht. Aber in dem selben Maße hören alle diese Kollektivitäten auf, sich als lebendige Organismen zu betätigen und treten immer mehr in Analogie zu vervollkommneten Maschinen. Ihr inneres Leben verliert an Reichtum und Vielgestaltigkeit, weil die Persönlichkeiten in ihnen notwendig verkümmern.
Unser ganzes geistiges Leben verläuft innerhalb von Organisationen. Von Jugend auf wird der moderne Mensch so mit dem Gedanken der Disziplin erfüllt, daß er sein Eigendasein verliert und nur noch im Geiste einer Kollektivität zu denken vermag…“

Einige Zeilen weiter schreibt er dann: „Für sich und die Anderen setzt der Einzelne voraus, daß mit der Nationalität, der Konfession, der politischen Partei, dem Stande und der sonstigen Zugehörigkeit jedesmal so und so viele Anschauungen in Voraus und und unbeeinflußbar feststehen. Sie gelten als Tabu und sind nicht nur von aller Kritik, sondern auch von der Unterhaltung ausgeschlossen. Dieses Verfahren, in dem wir uns gegenseitig die Qualität als denkende Wesen absprechen, wird euphemistisch als Respekt vor der Überzeugung bezeichnet, als ob es ohne Denken eine Überzeugung geben könnte.
In einzigartiger Weise geht der moderne Mensch so in der Gesamtheit auf. Dies ist vielleicht der charakteristischste Zug an seinem Wesen. Die herabgesetzt Beschäftigung mit sich selbst macht ihn ohnehin schon in einer krankhaften Weise für die Ansichten empfänglich, die durch die Gesellschaft und ihre Organe (bereits) fertig in Umlauf gesetzt werden.“

Wieder ein paar Zeilen weiter schreibt Schweitzer dann noch etwas deutlicher Folgendes über den modernen Menschen: “Die Gesamtheit verfügt über ihn. Von ihr bezieht er als fertige Ware die Meinungen, von denen er lebt, ob es sich nun um die nationalen und die politischen Gemeinschaften oder die des Glaubens oder Unglaubens handelt. Seine abnorme Beeinflußbarkeit kommt ihm nicht als Schwäche zu Bewußtsein. Er empfindet sie als Leistung. In der unbegrenzten Hingabe an die Kollektivität meint er die Größe des modernen Menschen zu bewähren. Mit Absicht steigert er die natürliche Geselligkeit ins Gewaltsame. Weil wir so auf die Urrechte der Individualität verzichten, kann unser Geschlecht keine neuen Gedanken hervorbringen oder vorhandene in zweckmäßiger Weise erneuern, sondern es erlebt nur, wie die bereits geltenden immer größere Autorität erlangen, sich immer einseitiger ausgestalten und sich bis in die letzten und gefährlichsten Konsequenzen ausleben.“

Wieder ein paar Zeilen weiter schreibt Schweitzer schließlich: „Die Überorganisierung unserer öffentlichen Zustände läuft auf ein Organisieren der Gedankenlosigkeit hinaus … – … Mit der eigenen Meinung gibt der Mensch auch das sittliche Urteil auf. Um gut zu finden, was die Kollektivität in Wort und Tat dafür ausgibt, und zu verurteilen, was sie für schlecht erklärt, unterdrückt er die Bedenken, die in ihm aufsteigen …“

Wenige Zeilen weiter schreibt Schweitzer dann: „Unbewußt schränken die meisten Angehörigen unserer kulturlosen Kulturstaaten ihr Überlegen als sittliche Persönlichkeit ein, um mit dem Gemeinwesen nicht fortwährend in innere Konflikte zu geraten und über immer neuer Anstöße hinwegkommen zu müssen.
Die Gesamtmeinung ist ihnen dabei behilflich, insofern sie ausstreut, die Handlungen des Gemeinwesens seien nicht so sehr nach den Maßstäben der Sittlichkeit, als nach denen der Opportunität zu messen. Aber sie leiden Schaden an ihrer Seele …“ (Zitatende)

Schweitzer liefert in diesem Buch noch so viele weitere ebenfalls wertvolle Hinweise, daß ich hier nun nicht weiter auf all das eingehen will, was er dort niedergeschrieben hat, sondern allen interessierten Lesern einfach nur empfehlen will, sein Buch doch selbst im Ganzen zu lesen. – Hier an dieser Stelle will ich vielmehr noch Folgendes sagen:

Schweitzer liefert gegen Ende seines Buches aber auch – die Lösung für all die Probleme, die aus den oben geschilderten verhängnisvollen Gesellschafts-Mechanismen (Sie lesen richtig: Mechanismen!) für die heute so maschinell-mechanistisch orientierte Menschheit resultieren, denn er sagt mit einem einzigen, ganz leicht verständlichen Satz:

„Ich bin Leben, das leben will; inmitten von Leben, das (auch) leben will.“

Würde diese eigentlich ganz einfache, aber gleichzeitig unendlich tief bzw. weit reichende Lebensweisheit von uns allen auch wirklich gewürdigt und daher dann auch immer wieder aufs Neue im Alltagsleben angewandt werden, gegenseitiger Respekt und somit Rücksichtnahme würden dann auf einmal wieder zu ihrer eigentlich alles umfassenden und damit wahren Bedeutung gelangen und unzählige Probleme der heutigen Zeit würden ohne viele Umstände – bald schon der Vergangenheit angehören!

Aber, – wir können „natürlich“ auch noch einige Zeit länger so weitermachen wie bisher, und uns nur als die Angehörigen von irgendwelchen gesellschaftlichen Machtapparaten verstehen, die sich – seien sie nun groß oder klein, staatlich oder privatgesellschaftlich organisiert gegenseitig immer erbitterter, ja womöglich auch noch bis hin zur buchstäblichen Vernichtung bekämpfen. Für diesen Fall wünsche ich dann allen daran Beteiligten ein „fröhliches“ gegenseitiges Abschlachten, – ich selbst werde mich auch in Zukunft an solch‘ barbarischem und letztlich schwachsinnig-verantwortungslosem Handeln – mit Sicherheit nicht beteiligen.

Ein wichtiger Nachtrag:
Vielleicht wird durch diesen Aufsatz hier nun einmal auch ganz deutlich, daß es nicht Egomanie ist, die mich meine Aufsätze immer wieder in Ich-Form schreiben läßt, sondern vielmehr meine persönliche Betroffenheit von all dem zeigen soll, sowie auch meine persönliche Überzeugung für die ich immer auch geradestehe, und dies steht ganz im Gegensatz zu den heute vielfach gebrauchten Redewendungen wie „man tut das nicht“ oder „wir haben uns darauf geeinigt, daß man …“, die für mich oft als Leerformeln gelten, weil das jeweilige Gegenüber dabei für mich nur allzu oft – gar nicht mehr als eigenverantwortliches weil selbständig denkendes und handelndes Individuum erkennbar ist, sondern sich vielmehr hinter den immer häufiger völlig unreflekierten Regeln einer anonymen Masse zu verstecken scheint. – „Corporated identity“ nennt man dieses Massenphänomen heutzutage auf „neudeutsch“-beschönigende Weise; ich aber meine, daß dieser neumodische bullshit und sein fortwährend gedankenloses Nachplappern letzten Endes auch schon den Anfang von Ende der Menschheit bedeuten kann!
Ich mag solche Versteck-“Spiele“ überhaupt nicht; sie sind für mich nur deutliche Anzeichen von gesellschaftspolitischer (und somit nicht zuletzt auch demokratischer) Drückerbergerei, was meines Erachtens somit ganz offensichtlich sowohl menschlicher wie auch politischer Unreife und – gewissenloser Verantwortungslosigkeit gleichkommt.
Die in unserer Gesellschaft nun so weitverbreitete „Corporated-Identity“-Sichtweise scheint mir dabei auch längst schon wie ein regelrechtes Gift, wie ein Virus zu wirken, der nun offenbar auch in mich selbst schon soweit eingedrungen ist, daß ich nun mitunter auch schon den Impuls verspüre, mich vor der Öffentlichkeit dafür „rechtfertigen zu müssen“, weil ich es „wage“, entgegen den allgemeinen Gepflogenheiten ganz offen in der Ich-Form meine eigene persönliche Meinung zu äußern; dabei ist ein solcher Wunsch nach Rechtfertigung für mich eigentlich – ein vollkommen absurder Gedanke!
Machen wir möglichst bald Schluß mit der falschen „corporated-identity“-Sichtweise in ihren heute inzwischen geradezu unendlichen Variationen, diesem insgesamt schon längst immer verlogener werdenden Versteck-„Spiel“ und seinen spätestens am Ende auf deutlichste Weise so mörderisch zusammenwirkenden Befehls-Ketten (!&!&!&!&!) z. B. in den nun längst immer mehr hochgerüsteten Armeen dieser Welt; – zeigen wir uns stattdessen lieber als die, die wir in Wirklichkeit sind, nämlich als ganze, und somit allerorts und jederzeit uneingeschränkt – auch auf unsere in geistig-seelischer Hinsicht unversehrte Vollständigkeit beharrende FREIE & FRIEDLIEBENDE MENSCHEN!

Ich rufe somit auch – nicht etwa zur Gewalt auf, sondern sage – im Gegenteil vielmehr:
Zerbrechen wir endlich diese vielfachen, letztlich längst so oft immer wieder nur zu neuer Barbarei führenden Befehls-Ketten der Unmenschlichkeit, vor allem immer wieder gerade auch da, wo wir sie – an uns selbst entdecken, denn – ein persönliches Gewissen und persönliche Urteilskraft sind kein Luxus, den „man sich (angeblich) auch leisten können muß“, sondern Beides bildet zusammen einen außerordentlich wesentlichen, wichtigen und – in Wahrheit obendrein grundsätzlich auch unverkäuflichen (!!!) Teil des grundsätzlich freien Daseinsrechts eines jeden Menschen auf dieser Welt!!!
Ich meine daher, daß es gut wäre, wenn alle Menschen – hierzulande wie auch auf der gesamten Welt hierüber einmal – ganz bewußt gründlich nachdenken und dann auch selbst – womöglich erstmals völlig frei – darüber entscheiden würden.

49.2 Post Skriptum vom 30. Juni 2015:

Damit durch meinen Aufsatz oben keine Mißverständnisse entstehen: Es gibt heute auch eine ganze Reihe von „Befehls“-Ketten, die selbstverständlich Sinn machen und somit auch ihre Berechtigung haben; bei der Feuerwehr beispielsweise, bei der medizinischen Versorgung im Krankenhaus und auch sonst in allen möglichen Bereichen der Arbeitswelt ist ein gewisser Grad von Organisation nicht nur „durchaus“, sondern sogar sehr sinnvoll (und beispielsweise ein Bäckerlehrling ist auch gut beraten, wenn er auf seinen Gesellen oder den Bäckermeister hört). Wogegen ich mich in meinem Aufsatz oben wende, ist das blinde Befolgen jeglicher Anordnungen, sowie jegliche Art von Bandenbildung, bei der sich heute – inzwischen oft auch im gewöhnlichen Berufsleben (!!!) – Menschen nur des kurzsichtigen eigenen Gewinns wegen (gerade auch Karrierechancen zählen hierzu) auf mehr oder weniger konspirative Weise gegen Andere zusammenschließen. Solche Arten von Befehlsketten haben, da sie längst immer mehr Mitglieder bzw. Nachahmer finden und die Bevölkerung immer mehr schädigen, auf Dauer einen geradezu mörderischen, weil sich immer weiter aufsummierenden Charakter, und – solche Ketten zu sprengen ist daher längst auch ein Gebot – sowohl von Mitmenschlichkeit, als auch von Klugheit!

(Die hier in diesem Aufsatz enthaltenen Informationen gehören meiner Ansicht nach mit zum Wichtigsten, was ich bislang zu meinem Thema Achtgeben & Achtsamkeit geschrieben habe und ich würde es daher sehr begrüßen, wenn meine Leser möglichst viele ihrer Freunde, Bekannten und Kollegen auf diesen letztlich meiner Meinung nach für alle Menschen so wichtigen Text aufmerksam machen würden!)

Aufsatz von W. Oesters; – zeitkritische Website „achtgegeben.de
Bild – Regenbogenbieger

Die Simulationsanstalt der Bundesagentur für Arbeit

Ein Sprichwort sagt: Jede Gesellschaftsform züchtet die Charaktere heran, die es braucht, um zu überleben. Dieses Motto hat sich auch die Bundesagentur für Arbeit zu Eigen gemacht – in dem Sinne, dass es entsprechendes Personal aussucht, welches in der Lage das Milgram-Experiment tadellos zu bestehen – also den Stromschalter umzulegen. Doch dass dieses Personal mittlerweile so dämlich ist und immer wieder den Arbeitslosen vorwirft, dass der Staat sie alimentiert und sie dafür etwas leisten müssen – wenn nötig mit Druck … dabei noch nicht mal merken, dass sie selbst eine zu alimentierende Schicht darstellen, die nur ihre Daseinsberechtigung deswegen innehat, weil private Stiftungen, wie zum Beispiel die der Bertelsmann, die die Blaupausen der Agenda 2010 ganz im Sinne der multinationalen Konzerne, Kanzler Schröder unterschriftsreif übergaben.

Wohl wissentlich, dass durch die Robotiesierung, Globalisierung die Ware Arbeitskraft immer weniger nachgefragt und man einer großen Masse, die, wenn man sie nicht künstlich im Hamsterkäfig hält, eine Gefahr für das hiesige Establishment werden könnte – so hat man sich entschieden Arbeit zu simulieren, indem ein Teil der Arbeitslosen Fallmanager spielen darf und der andere Teil eben Kunde. Damit es dem Kunden nicht langweilig wird, gibt es ab und an ein Rollentausch man setzt sie dann an eine Kasse und darf Kaufmannsladen spielen – indem er dann Kunden bedient.

Wie bescheuert muss man eigentlich sein um 1.) das nicht zu durchschauen und 2.) dann noch zu glauben man stelle etwas Nützliches oder gar im Sinne einer Bedürfnisbefriedigung her?

Doch dem ist nicht genug, denn diese disziplinierende Drohkulisse, die von den Jobcentern und ihren Handlangern den sogenannten Fallmanagern ausgeübt wird, hinterlassen schwerwiegende psychosomatische Erkrankungen bei den Erwerbslosen, die im Extremfall im Suizid enden – doch dafür, bedingt durch den Selektionsprozess der Bundesagentur für Arbeit, fehlt ihnen von Grund auf die soziale Intelligenz um ihr Handeln auch nur annähernd einschätzen zu können – dafür wurden sie ausgewählt.

Die heilige Merkel –Die Beste -Um sie herum nur Knechte

Bei deutschen und europäischen Politikern scheint es nur noch um Merkel zu drehen.

Vor allem in der deutschen Politik dreht sich, medial und auch in den politischen Lagern und Debatten nur noch um die Deutsche Bundeskanzlerin. Merkel wird von ihre herum agierenden machtlosen angestellten Hofnarren, Knechte und Medien, zur mächtigsten Frau der Welt  auf den politischen Olymp gehoben.

Fast täglich kann man das verfolgen, wenn Merkels Angestellte das Wort ergreifen und sich über eure  Majestät äußern, was nicht selten einfach nur noch Peinlich ist. Da werden geheuchelte Reden gehalten, wie stolz man sei, mit Mutti zusammenzuarbeiten. Merkel unverzichtbar, ohne Merkel geht es nicht, die Welt braucht Merkel, Europa und Deutschland braucht Merkel so wie so.Dies sind nichts anderes als eine inhaltsleere Botschaft, nach dem Motto – Guck mal, Mutti, wir haben dich alle lieb! Man könnte auch von einen „monströsen inhaltsleeren Personenkult“ sprechen.

Diese rektale Ergebenheit, kennt man sonst nur noch bei „Diktaturen“.

So ist das eben wenn statt nicht vorhandenen Spitzenpersonals und fehlender politischer Kompetenz, Merkel alles selber und alleine machen muss, so wird es den Pöbel jedenfalls von den Medien verkauft. Was bleibt ist die Frage, worin die politische Kompetenz von Merkel eigentlich besteht? Diese Frage ist nicht ganz einfach zu beantworten, denn Merkel weiß ja vieles nicht, sagt wenig und erfährt das meiste auch nur aus den Medien, NSA zum Beispiel.

Und Merkels Hofnarren geht es nicht anders, es gilt was Mutti nicht weiß, nicht redet, gibt es nicht und darüber wird nicht gesprochen. Es ist auch gefährlich öffentlich zu behaupten, dass man mehr weiß wie Merkel und auch noch Kritik an ihr übt, denn dann ist das Verfallsdatum von Besserwissern schneller abgelaufen und so mancher politischer Speichellecker landet in der Provinz. Auf dem Schlachtfeld der Politik bestimmt der der Feldherr wo es lang geht und nicht der Rekrut.

Und dieses Prinzip scheint auch bei den Politikern in der EU angekommen zu sein, wer will sich denn auch mit der mächtigsten Frau der Welt anlegen. Die Behauptung, Politiker in der EU wollen in Wirklichkeit nur unser Geld, stimmt natürlich nicht, das Lob der EU-Kommission ist ehrlich (selten so gelacht). So lobt die EU-Kommission Merkel: «Sie ist eine Frau mit gesundem Menschenverstand, eine Frau mit Energie, eine Frau mit Pragmatismus und ganz klar eine Frau, die eine europäische Überzeugung vertritt»…….«Das alles sind Eigenschaften (…), die wir brauchen; die Europa braucht.» Nun gut, dass könnte man unter allgemeinen Geschwafel abtuen.

Andere Lobeshymnen lassen jedoch vermuten, dass man sich von dieser Arschleckerei  eine Gegenleistung verspricht, wenn man nämlich Präsident der EU werden will, weil Merkel bestimmt wer vorne sitzt, da darf auch schon mal richtig in den Arsch gekrochen werden. Jean-Claude Juncker schrieb Merkel in einem Glückwunschschreiben: «Ich bin überzeugt davon, dass eine von Dir geführte Regierung (…)zur Stärkung der europäischen Bauwerks beitragen wird. Ich freue mich darauf, unsere freundschaftliche Zusammenarbeit fortzusetzen.»

Um Visionen, Programme oder Vorstellungen von Gesellschaft in Deutschland und Europa kann es nicht gehen, weil Merkel keine hat. Merkels Visionen, Programme oder Vorstellungen von Gesellschaft beschränken sich auf Sparprogramme, Steuerreformen für Millionäre und Unterwürfigkeit gegenüber der Finanzmafia.

JA ES IST NICHT ZU LEUGNEN – MERKEL WURDE UND WIRD HEILIG GESPROCHEN

Mal ehrlich, die heilig gesprochene Angela hat es nun wirklich nicht leicht, alles muss sie alleine machen, denn im Kanzleramt brennt sehr spät in der Nacht noch Licht!!!

Der Fall Mollath

Seit mehr als sieben Jahren sitzt Gustl Mollath aus Nürnberg in der geschlossenen Psychiatrie. Er hat alles verloren: Sein Haus wurde zwangsversteigert, geblieben ist ihm nicht einmal ein Foto seiner Mutter. „Ich hatte nicht einmal Punkte in Flensburg. Plötzlich sind Sie der kriminelle Wahnsinnige“, beschreibt Gustl Mollath sein Schicksal. Sein Fall beschäftigt seit Monaten Medien und besorgte Bürger. Der schlimme Verdacht: Gustl Mollath wurde weggeschafft, um Steuersünder zu schützen.

normalitaetssimulant

Die Story im Ersten: Der Fall Mollath

Monika Anthes und Eric Beres arbeiten den Fall erstmals im Fernsehen umfassend auf. Sie bieten Einblicke in das Leben und Schicksal Gustl Mollaths in der Anstalt, treffen ihn mehrfach zu Interviews. Sie sprechen mit Wegbegleitern und Unterstützern. Sie bieten Einblicke in das damalige Geschäftsgebaren der Hypovereinsbank und konfrontieren Verantwortliche aus Justiz und Politik und fragen wie es sein kann, dass einem Bürger sieben Jahre seines Lebens gestohlen wurden.

© des Bildes oben: Steve Geshwister, linophil & colorophorm

Mind Control Forschung in Russland

Der Begriff Bewusstseinskontrolle wird unterschiedlich verwendet: Einerseits kann damit die gezielte Auseinandersetzung mit dem eigenen Bewusstsein bezeichnet werden, die mit Techniken wie zum Beispiel Meditation oder Biofeedback arbeitet. Angestrebt wird dabei in aller Regel eine so genannte Bewusstseinserweiterung. — Andererseits kann unter Bewusstseinskontrolle auch die systematische und nachhaltige Manipulation von Individuen oder Gruppen mit dem Ziel, ihre Wahrnehmungen, Überzeugungen und Persönlichkeit zu verändern, verstanden werden.

Warum sind unsere Kinder heute so komisch

Wie ich schon in einem früheren Beitrag erwähnt habe, bin ich seit 22 Jahren Handwerker. In dieser Zeit habe ich auch ständig Praktikanten gehabt und betreut. Vorzugsweise bekomme ich diese Kinder für 2 Wochen wenn Sie in der 7.Klasse sind. Da hier in der Gegend eine Hauptschule, eine Realschule und ein Gymnasium ist und mein Job für alle gleichermaßen interessant erscheint, kommen Sie von allen Schulen gleichermaßen. Was mir nun aufgefallen ist: Mit der Zeit wurden die Kinder immer merkwürdiger. Sie nehmen völlig kritiklos alles hin, was man Ihnen vorsetzt, haben als einziges Interesse nur Ihre Kleidung, Ihre Mobiltelefone, die neusten PC-Spiele und was sie denn sonst an Spass haben können. Auch empfinde ich die Kinder als äußerst oberflächlich, desinteressiert und respektlos. Da ich selber sehr viel lese, frage ich immer gerne, was denn das letzte Buch ist, das Sie freiwillig gelesen haben und es ist für mich kaum zu glauben, das sehr oft als Antwort kommt, „ich lese nicht“. Auch können Sie sich erstaunlich schlecht Sachen merken und sind fürchterlich schlecht informiert. Wenn es gut läuft, können Sie vielleicht 3 Politiker aus dem aktuellen Kabinett hersagen, bei unserem Ministerpräsidenten wird es dann ganz schwierig. (Klar, es gibt Ausnahmen, aber die sind nur sehr selten)
Die Frage ist nun wie kommt das? Sehen wir uns mal eine normale deutsche Familie und eine normale deutsche Kindheit an. Hierbei ist mir klar, das es Familien gibt, die Hartz 4 beziehen und noch weitaus schlimmer dran sind als nachfolgend beschrieben und ich habe mir auch sagen lassen, das es sogar noch Familien geben soll, wo genug Geld da ist. Dies erscheint mir als Ausnahme, darum nun meine Beschreibung des von mir so empfundenen Durchschnitts: Das junge Paar war mutig und hat sich 1 Kind „angeschafft“. Da das Geld natürlich nun sehr knapp ist, müssen beide Elternteile arbeiten. Sie haben Glück und können das Kind mit einem dreiviertel Jahr zu einer Tagesmutter geben. Danach kommt es in den Kindergarten und sowie es alleine nach Hause findet, kann Mutti wieder ganztags arbeiten und das Kind muss nach dem Kindergarten alleine zurecht kommen. Da die Eltern Ihr Kind sehr lieb haben, aber leider keine Zeit, bekommt es mit 4 oder 5 seinen eigenen Fernseher und guckt sich den Schwachsinn an, der am Nachmittag kindgerecht auf den Konzernmedien präsentiert wird. Natürlich ist dieses „Programm“ gespickt mit kindgerechter Wirtschaftspropaganda, damit das Kind auch weiß, was es sich für Spielsachen zu wünschen hat. Wenn das Programm zu Ende ist, wird sich an die Playstation gehockt und irgendwann kommt dann auch Mama geschafft von der Arbeit. Es wird schnell Fraß gemacht, dreimal über den Kopf gestreichelt, aber dann wartet auch schon der Haushalt, der Alte will sein Essen und außerdem ist das Kind ja auch beschäftigt. Irgendwann ist der Tag dann rum, der nächste Tag ist genau so. Wenn das Kind dann zur Schule kommt, kommt auch noch der Druck und die Versagensangst dazu, aber leider hat nie einer Zeit, dem man sich mal anvertrauen kann, Mama ist ja immer müde und Papa sieht das Kind nur stundenweise oder am Wochenende, da will es ja nicht nerven. In der Schule geben die Freunde etwas Halt, denn bei denen sieht es zu Hause auch nicht groß anders aus, aber wie Kinder so sind, machen Sie das nach, was Sie gelernt haben, also müssen die neusten Spiele her, das neuste Mobiltelefon, Schuhe, Jacke etc, wie es die Wirtschaftspropaganda schon jahrelang vorgaukelt, denn wer anderes war ja nie da, der einem gesagt hat was gut ist und was man haben MUSS um jemand zu SEIN. Wenn das Kind nun älter wird, kommt als Haupt Freizeitaktivität „rumhängen“ hinzu, denn da unser Staat ja pleite ist, wird auch noch das letzte Jugendzentrum zu gemacht und die Kinder haben gar nichts.

Ist es da ein Wunder das die Kinder komisch sind, wenn mir den ganzen Tag jemand den Kopf mit banalem Unsinn gefüllt hätte und mir nie oder nur ganz selten einer gesagt hätte, das Er oder Sie mich lieb hat, wäre ich wohl auch ein soziopatisches Monster geworden, das sich nichts merken kann, sich nicht länger als 10 Minuten auf was konzentrieren kann und nur was auf Äußerlichkeiten gibt. Ich glaube allerdings unser Staat möchte das so haben. So züchtet man sich willfähige Jasager, die eigentlich keine wirklichen Interessen haben außer zu konsumieren und alles hinnehmen, was Ihnen vorgelogen wird, sie haben ja nie was anderes kennen gelernt.

Diktatur der Bedürfnisse

Weil´s gerade so schön in die Reihe paßt, noch eine Diktatur: die Diktatur der Bedürfnisse.

Sie ist noch relativ neu in diese in die Welt gekommen, als die Konzerne vor allem eins brauchten:
zahlende Kunden.

Diesen Kunden mußte man einreden, das das ganz natürlich sei, wie sie dort durchs Leben gejagt wurden, sonst hätte man ihnen nicht soviel verkaufen können.

Obwohl der Philosoph Simmel schon früher die Folgen der „Urbanisierung des Bewußtseins“ erkannte und vor den notwendigen psychischen Folgen warnte, ignorierte Maslow dies erstmal vollkommen (eine übliche Vorgehensweise bei Psychologen, sich außerhalb der Philosophie zu bewegen, obwohl sie vollständig mit irgendeiner … meisten unreflektierten … Philosophie verbandelt sind) und baute seine allseits bekannte Bedürfnispyramide auf, mit deren Hilfe uns nun seit einigen jahrzehnten diktiert wird, was wir brauchen und was nicht.

Gut – es gibt ein paar Sachen, ohne die fällt man tot um. Essen, Trinken, Schlafen, Wärme. Sex nicht.
Auch wenn´s manch einem Mann so vorkommt – Sexabstinenz ist nicht tödlich. Für manche Lebensentwürfe ist es sogar notwendig, dieses Bedürfnis einfach auszulöschen. Und das geht.

Freiheit … ist ein schönes Schlagwort, doch wenn der „feste Arbeitsplatz“ schon in der nächsten Bedürfnisstufe unverzichtbar wird, ist es essig mit der Freiheit – es sei denn, „Arbeit macht frei“.
Tut sie aber meistens nicht.

Sicherheit, Recht und Ordnung, Absicherung, Schutz vor Gefahren folgen nach. Die polizeilich streng observierte Mietskaserne als menschliches Paradies? Wurde das schon mal mit einem Wikinger diskutiert, der sich in seiner Nußschale auf den endlosen Ozean gewagt hat? Oder mit einem Astronauten? Was würde Ganhi dazu sagen? Mutter Theresa? Albert Schweitzer? Wie gut, das die Maslow nicht kannten. Che Guevarra hätte wahrscheinlich sofort geschossen, wenn man ihm das um die Ohren gehauen hätte.

Soziale Beziehungen – die nächste Stufe. Wieder Werte, die in Käfighaltung prima verwirklicht werden können: Familie, Partner, Liebe, Freunde, Intimität, Kommunikation. Also … ich kenne Mönche, die werden ohne dies glücklich. Aber wieder ein Plädoyer für die Mietskaserne … Intimität und Kommunikation kann man dort kaum entkommen, fällt mal eine Flasche um, dann hört´s man´s gleich drei Wohnungen weiter.
Das folgende Gemecker der Nachbarn auch.

Soziale Wertschätzung – Anerkennung, Lob, Geld, Einfluß … all das, was andere als EGO-Problem minimieren wollen, weil es dem Wohlbefinden massiv entgegensteht. Das schon mal mit einem Einsiedler diskutiert? Mit jemandem, der sein Leben der Erforschung von Gorillas widmet, dem Studium gnostischer Mystik oder der Sammlung von UFO-Sichtungen? Ach ja, nach Wikipedia kommt jetzt auch mentale und körperliche Stärke ins Spiel … nur ein Stadtbewohner kann es sich erlauben, so lange darauf zu verzichten. Das blöde schwache Landei wäre jetzt schon längst tot. Verhungert.

Selbstverwirklichung – die letzte und höchste Stufe angewandter Egomanie. Individualität, Perfektion, Talententfaltung, Erleuchtung (???).

Ich weiß nicht, wie lang letztendlich die Liste der Kulturen werden würde, die mit diesen Bedürfnissen nichts anfangen könnten und trotzdem glücklich waren … zu lang auf jeden Fall für einen Blog.

Seltsamerweise findet man zur Urbanisierung des Bewußtseins (einen künstlich gezüchteten Zustand mit künstlich gezüchteten Bedürfnissen) so gut wir gar nichts im Netz … Maslow wird hingegen massiv gefördert. Nun … würde man sich künstlich gezüchteter Bedürfnisse bewußt werden, könnte man sie ihrer leicht entledigen. Das würde manchen Konzern auch ohne Bankenkrise bankrott gehen lassen.

Und dann gibt es einen Herrn Frankl (mitlerweile von den Psychologen auch mit Maslow zusammen zur humanistischen Psychologie gezählt), der im Konzentrationslager lebt und dort etwas findet, was ihn über die Maslow´schen Bedürfnisse weit hinaus hebt: Sinn.

Hat das Leben einen Sinn, wird der Rest nebensächlich.

Hat es keins … kann Maslow einen lebenslänglich beschäftigen, danach zu suchen. Und dazu motivieren, viel Unsinn anzustellen und zu erleben.

In Zeiten knapperer Ressourcen (Umwelt, Geld, Menschlichkeit) scheint es mir hilfreich, sich darauf zu besinnen, was für einen selbst wirklich wichtig ist.

Und einen Punkt zu finden, der mehr gibt, als Maslow zugestehen wollte (obwohl er sich ständig drumherum dreht): Geborgenheit. Und die kann nicht mit noch so großem Aufwand künstlich konstruiert werden.

Die findet der Einsiedler in der Natur, der Mönch in seiner Zelle, der sinnenfreudige Mensch bei dionysischen Festen, der Bauer auf dem Feld, der Idealist im Gedanken … hält über all da, wo man Liebe erfahren und erleben kann.

Aber „Liebe“ ist auch so ein Begriff, den man in unserer Zeit eigentlich gar nicht mehr verwenden darf, weil er mißbraucht, vergewaltigt, beschmutzt und entwertet worden ist.

Aber … so früh am Morgen fällt mir kein anderer ein.

Vielleicht … versteht man´s trotzdem.

Diktatur der Angst

Noch eine Diktatur. Die schlimmste vielleicht.

Ich möchte mich ihr nicht philosophisch nähern … Jasper, Heidegger, Kierkegaard – da wird es schnell unübersichtlich. Das Psychologische möchte ich ebenfalls meiden, ich verkaufe hier keine Tabletten.

Thematisieren muß man es aber schon, denn kaum etwas kann das Leben zu betrüben wie die Angst.

Ältere Völker hatten es da einfacher. Zog die Angst ins Dorf, rief man den Schamanen, der gern auch mal vor dem Dorf isoliert wohnte … „bei den Geistern“. Der kam, personalisierte die Angst („Dämon“, „böser Geist“), trommelte ein wenig, räucherte herum, führte einen wilden Tanz auf – und vertrieb den Horror.
Und die Angst.

Weiter entwickelte Völker hatten es auf einmal mit Göttern zu tun. Schreckliche, zornige Gestalten.
Doch: kein Problem: wieder kam der Zaubermann (diesmal eher als Priesterin), opferte hier, räucherte dort, besänftigte die Götter – und schon konnten alle wieder ruhig schlafen.

Dann kam die Aufklärung, schmiß Götter und Dämonen samt ihren Priestern über Bord (ganz zurecht auch, denn schon lange lebten Priester nicht mehr für das Volk, sondern nur noch von ihm) und richteten sich ganz neu ein.

Aber die Angst blieb.

Vielleicht noch schlimmer als zuvor, denn die Welt verlor jegliche … Transzendenz. War nur noch ein Haufen Dreck. (Und jetzt kommen die Physiker und sagen: noch nicht mal der ist real).

Auch die gottgleichen Mächte sind geblieben.

Der „weltweite nukleare Krieg“, die Vergiftung der Erde durch gigantische Konzerne, Arbeitslosigkeit, Armut, Hunger, Folter … und Tod. Mehr denn je sind die Menschen hilflos in ihrer Umwelt, Mächten ausgeliefert, die ungleich größer sind als sie.

Diese Mächte sind jedoch, anders als die älteren ihrer Art – unmenschlich. Ihre Vernichtungspotentiale ungleich größer. Ihre Gnaden- und Vernunftlosigkeit auch.

Und auch die Angst vor ihnen.

Fort sind … die Zaubermänner, Zauberfrauen, die einst Angst so beruhigend personalisieren und wegzaubern konnten.

Dafür kam eine Flut von angstgezüchteten Neurosen. Und Krebs. War vorher auch kaum bekannt.

Gut – gegen Ängste gibt es Tabletten. Oder Alkohol. Wirkt auch gut.

Ist aber beides keine Lösung, denn: Angst frißt Seele auf. Angst macht krank. Darum nehmen die psychischen Erkrankungen in zivilisierten Ländern so rasant zu.

Ein Lösung?

Viel Spaß bei der Suche. Der Philosoph muß nicht den Weg gehen, den er zeigt. Er ist wie ein Wegweiser. Und der geht auch nicht selber.

Sagt Arthur Schopenhauer.

……

Also gut. Ich habe Menschen kennengelernt, die ihre Angst besiegt haben. Menschen, die Techniken erlernt haben, die ihnen das Leben nahezu unabhängig von der Maslowschen Bedürfnispyramide wesentlich erleichterten, weil es ihnen die Angst nahm.

Manche waren Hexen und Schamanen. Hier in Deutschland. Andere keltische Priester. In der Eifel. Dritte waren Zen-Buddhisten, die Buddha getroffen und getötet hatten, wie man es von ihnen erwartet. Christen, die die Worte ihres Herren nur in Aramäisch lesen (weil das seine Alltagssprache war, er konnte kein Griechisch und kein Latein), manche waren „einfach nur“ Poeten, die ihre Heimat im Wort fanden. Oder auch Naturmystiker, denen eine Wanderung durch unberührte Landschaft mehr Gefühle brachte als auch die beste Prise Koks. Die Liste ließe sich schier endlos verlängern.

Es waren grundsätzlich religiöse Menschen, die eins gemeinsam hatten. Sie konsumierten Religion nicht, wie es die Kirche erwartet, sondern erforschten … und erlebten sie. Ohne Guru, ohne Meister, ohne Autoritäten.

Und darum … nutzlos. Weil es nicht beliebig übertragbar ist. Weil niemand ihrem Weg nachfolgen kann.

Aber was man sagen kann … es scheint Wege zu geben.

Und vor allem: sie stehen auch Armen offen. Sind nämlich enorm kostengünstig. Sogar: umsonst.

Die Angst vor dem Mörder und die Beruhigungspille Depression

Die Angst geht um in Deutschland.

Die Angst vor dem Täter.

Da ist die Beruhigungspille schnell zur Hand: „Der Täter war geisteskrank!“

Der Psychatrieprofessor – der Diagnose Depression kundig – wird nervös in der Talkshow, bringt schnell noch „Schizophrenie“ mit ins Spiel, um sich abzusichern, weil er weiß: depressive Menschen zeichnen sich durch Handlungsarmut aus.

Aber hauptsächlich gilt: das Volk braucht eine Beruhigungspille. Auch wenn´s nur ein Plazebo ist.

Zweifel?

Einfach mal Leitsymptome Depression googlen und sich dann selbst fragen: könnte so ein nasses depressives Handtuch die Konzentration und Handlungsgenauigkeit aufbringen, eine solche Tat durchzuführen?

Oder würde er eher heulend in der Ecke sitzen und sich selbst Gewalt antun?

Für den „Ruhrpottmenschen“ ist das einfacher, für ihn gilt „Hau ich einem auf die Fresse, haut er ab oder haut zurück. So einfach is´ datt.“

Kampf oder Flucht als Reaktion auf Streß … schon mal gehört?

Aber … das wäre ja unangenehm. Teuer. Ein gesellschaftliches Umfeld so zu konstruieren, das keiner mehr hauen braucht … unbezahlbar. Höre ich jetzt schon irgendwie herumunken.

Dann lieber die Beruhigungspille.

Doch … die wirkt nicht mehr lange.

Die Anzahl psychischer Erkrankungen nimmt in Deutschland rasant zu. Einfach mal yahoo´n.

Hartz IV (und andere Faktoren, ich nehme aber mal meinen Liebling) macht Angst. Vor allem denen, die es noch nicht brauchen, aber wissen, was ihnen geschehen wird.

Angst ist Streß pur.

Führt zu psychischen Erkrankungen … und irgendwann zu Kampf oder Flucht.

Zu einfach?

Ja. Aber ich hab´s heute eilig.

Und wollte deshalb einfach nur mal ein bischen Angst machen.

Die kann nämlich im Vorstadium handlungsmotivierend und bequemlichkeitshemmend wirken. Sie macht nämlich eigentlich viel Sinn: wenn der Bär im Wald brüllt, ist es Zeit, die richtigen Vorkehrungen zu treffen …
…denn dann hat man noch die Wahl zwischen saftigem Bärenschinken oder Tod.

Zu einem späteren Zeitpunkt … sind die Wahlmöglichkeiten kleiner. Vor allem, wenn´s ein schneller Bär ist.

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