Glück

Diese Kategorie enthält 63 Artikel

Die Realität der Verschwörung

Die Behauptung, es gäbe eine globale Impfagenda, wird von Politik und Medien als Verschwörungstheorie abgetan — dabei ist sie wahr.

Simone Hörrlein

Mit dem pauschal diffamierenden Gebrauch des Wortes „Verschwörungstheorie“ haben alle, die den politischen Status Quo verteidigen wollen, einen PRHit gelandet. Man braucht den Begriff nur gegen einen Gegner ins Feld führen — schon gilt er als gebrandmarkt, und für alle anderen erübrigt sich eine sachliche Auseinandersetzungen mit besagten Theorien. Es geht im Kern um eine nicht-öffentliche politische Agenda, über die alle Nicht-Eingeweihten zunächst nur spekulieren und zu der sie Indizien zusammentragen können. Man braucht nicht weit in der Geschichte zurückgehen, um ein Beispiel für eine solche Agenda zu finden. Die Forderung „Impfung für alle“ ist Realität. Das Mediengeklingel, mit dem dieser Plan in den Köpfen der Menschen verankert und mit dem „zögerliche“ Zeitgenossen bekehrt werden sollen, ist es auch. EU-Dokumente zeigen, was wirklich dahinter steckt.

Das Wunder von Gütersloh – Schlagartig 1000 Menschen geheilt

oder nur ein anderer Test?

Rüdiger Dahlke – Vorträge

Rede in Leonberg | 7.6.

Bewusst fasten

Fasten ist eines der wirksamsten medizinischen Heilverfahren, sowohl vorbeugend als auch therapeutisch. Immer mehr wissenschaftliche Studien belegen den Wert des Fastens. Fasten ist gesund, denn der Überfluss macht uns krank, Stichwort Zivilisationskrankheiten. Unser Organismus kann evolutionär bedingt sehr gut mit Mangel umgehen, nicht aber mit Überfluss. Fasten ist deshalb eine Wohltat für Körper, Geist und Seele. Ruediger Dahlke erläutert in seinem Vortrag wo die Vorteile aber auch die Grenzen des Fastens liegen und wie man einen Neustart für Körper, Geist und Wohlbefinden macht.

Energie tanken für dein Leben

Es ist Feierabend. Dir fehlt die Energie. Statt gutem Spielfilm läuft im Fernseher wieder nur der übliche Unsinn. Doch was wäre, wenn du mit einem Konsum, der bewusst ist, deine Abhängigkeit und deinen Lebensstil ändern kannst? Die Philosophie des Lebens ist nicht geprägt von Enttäuschung, sondern von Entspannung. Vom Sein. Unmut ist ein Defizit, dessen Folge Depression und Burnout sein kann. Eine Mangelernährung fördert diese Psychosomatik. Du bist mit Arbeit und Leben nicht zufrieden? Vielleicht ist eine Kündigung eine Option? Lies gute Bücher, nutze deine Zeit und ändere, was dich nicht glücklich macht. Doch das Wichtigste ist: Hab Mut! Du musst Entscheidungen treffen!

Ruediger Dahlke: Kriege in Medizin und Körper – wie wir uns davor schützen und gesund bleiben

Follow the money! Was in der internationalen Politik einem unausgesprochenen Naturgesetz gleicht, trifft leider auch im medizinischen Bereich den Nagel auf den Kopf. Unsummen an Geldern werden dort seit Jahrzehnten in die Erforschung und Bekämpfung der Krankheiten unserer Zeit gesteckt – mit mäßigem Erfolg.

Warum ist das so? Dr. Ruediger Dahlke, einer der bekanntesten Humanmediziner im deutschsprachigen Raum, hat einen möglichen Erklärungsansatz hierfür: Es wird in die falsche Richtung geforscht. Und zwar bewusst. Denn solange das Auf-der-Stelle-treten Programm ist, bleibt auch der Geldregen, der infolgedessen über die Pharmaindustrie niedergeht, weiter beständig.

Der gesunde Mensch, so brutal es auch klingen mag, wäre für die Pharmaindustrie – und damit

für einen wichtigen Stützpfeiler unserer Wirtschaft – das Ende. Von daher ist es auch nur allzu logisch, dass hier Selbsterhaltungstriebe am Werk sind, die das Ziel größtmöglicher Gesundheit aktiv zu unterbinden versuchen. Die Pharmaindustrie braucht möglichst viele Patienten und dafür erfindet man notfalls auch neue Krankheiten oder verschiebt Grenzwerte.

Im Gesundheitsbereich ist daher dringend ein gesellschaftliches Umdenken von Nöten. So wie es in einer Demokratie eines mündigen Bürgers bedarf, so benötigt auch ein funktionierendes Gesundheitssystem einen mündigen Patienten. Mutige Ärzte wie Dr. Ruediger Dahlke leisten hierzu einen wichtigen Beitrag.

Anlässlich der Vergabe des MIND Awards 2018/2019 hat Dr. Dahlke einen Vortrag unter dem Titel „Kriege in Medizin und Körper – wie wir uns davor schützen und gesund bleiben“ gehalten. KenFM war in Montabaur vor Ort und hat den Vortrag für Euch aufgezeichnet.

Lieber tot als ins Heim?

Umstrittenes Intensivpflege-Gesetz verabschiedet

Am Donnerstag hat der Bundestag das umstrittene Intensivpflege-Gesetz angenommen.
Bereits seit August 2019 wurde um das Gesetz gestritten. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will damit die Qualität der Versorgung verbessern.

Doch gegen den ersten Entwurf liefen zahlreiche Verbände Sturm. Die Versorgung im Heim sollte hier zur Regel werden. Zuhause lebende Betroffene fühlten sich daher bevormundet. Eine Petition dagegen erhielt mehr als 210.000 Unterschriften. Die Behindertenbeauftragten des Bundes und der Länder beklagten die Verletzung der UN-Menschenrechtskonvention.

Zwar wurde der endgültige Entwurf abgeschwächt, Formulierungen wie „Berechtigten Wünschen der Versicherten ist zu entsprechen“, lassen Kritikern zufolge aber immer noch genug Spielraum für eine Unterbringung ins Heim.

Aus Angst vor was ist und was wird

In Krisenzeiten, wie diesen, erlebt die Astrologie weltweit einen regelrechten Boom. Zu viele Menschen sind verängstigt und suchen nach Antworten darüber was gerade in der Welt geschieht und wie die Zukunft aussehen wird. Doch kann der Blick in die Sterne wirklich Trost und Sicherheit bringen ? Ist es möglich Weltereignisse, die die ganze Menschheit betrifft auf plantetare Stellungen zurückzuführen? Wir reden mit zwei Astrologen mit sehr unterschiedlichen Meinungen.

Dr. Daniele Ganser im Gespräch: Profiteure der Angst

Am 25. April 2020 hat der Historiker Dr. Daniele Ganser während der Coronakrise mit Jens Lehrich von Rubikon über sein neues Buch „Imperium USA“ gesprochen, das Ende April neu auf den Markt kam. Nach Ansicht vieler haben die USA den stärksten destabilisierenden Einfluss auf das Weltgeschehen und stellen somit die grösste Bedrohung für den Weltfrieden dar (Allensbach 2019, Gallup International 2013). Diese traurige Spitzenstellung hat sich die Weltmacht Nr. 1 nicht von ungefähr erworben. Keine andere Nation hat seit 1945 so viele andere Länder bombardiert und so viele Regierungen gestürzt wie die USA. Sie unterhalten die meisten Militärstützpunkte, exportieren die meisten Waffen und haben den höchsten Rüstungsetat der Welt. Daniele Ganser beschreibt in seinem neuen Buch eindrücklich, wie die USA Weltmachtpolitik betreiben, in der Gewalt ein zentrales Element darstellt.

Roland Düringer: „Der gefährliche Virus sitzt im Hirn“

Inmitten aller Angespanntheit, Betroffenheitsmienen, Talkschlangenshows und täglich ins ohnehin bereits vollkommen durchnässte Fußvolk ausgegossener Drosten-Podcasts tut uns vielleich eine Prise Hausverstand gut …
– dargereicht von Roland Düringer aus Wien, der Stadt, in der Uhren immer noch ein wenig anders ticken bzw. sich nicht so leicht in den Takt bringen lassen wie im nördlichen Nachbarland der marktkonformen Demokratie. Denn während in evidenzbasierten Täuschen Landstrichen die Ansicht herrscht: „Die Lage ist ernst, aber nicht hoffnungslos“ (wenn wir jetzt alle tun, was Mutti sagt), so sieht man das in Wien traditionell anders: „Die Lage ist hoffnungslos, aber nicht ernst.“

(für noch mehr Wiener Lebensweisheiten siehe auch
Interview mit Roland Düringer bei KenFM)

TIME LIES präsentiert: CORONA Hits 2020

Originaltext youtube:

Ich will mich nicht mit fremden Federn schmücken, denn dieses MEGA GENIALE Video ist von: „Snicklink“, hier der LINK zum YouTube-Kanal
https://www.youtube.com/channel/UCAJO…
DAS ist die ⚠️⚠️⚠️ SUBVERSIVE GEGENOFFENSIVE, gegen diesen SCHWACHSINNS PANIKAMOKLAUF wegen dem sprichwörtlichen „CORONA-VIRUS-WITZ“ ⚠️⚠️⚠️
Das hier TUT GUT, TEILT UND VERBREITET ES und seid versichert, dieser „CORONA-WITZ“ verdient genau diesen HUMOR, DAS HIER ist ABSOLUT AFFENTITTENMEGAGEIL! ???????☠️?✊?
RUNTERLADEN bei EUCH wieder HOCHLADEN UND VERBREITEN, UNBEDINGT!

KLAR soweit!

Hier gibts sogar noch das passende T-Shirt!
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Das T-Shirt zur Compilation jetzt exklusiv HIER:
http://coronahits.de

Immer lustig und alle Zeit bereit: Pornographie und Sexualität

Der Corona-Virus ist der Star der internationalen Berichterstattung. Doch wir halten es diesmal mehr mit Boccaccio, dem italienischen Schriftsteller des 14. Jahrhunderts und einem Zeitzeugen der Großen Pest von 1348. Er verlegte die Handlung seines Buches „Decamerone“ in ein Landhaus unweit des damals pestverseuchten Florenz. Zehn junge Menschen, die aus der Stadt aufs Land geflüchtet waren, erzählen sich gegenseitig heitere und vor allem erotische Geschichten, um sich die düsteren Gedanken zu vertreiben. Denn auch Freude und Angstfreiheit stärken bekanntlich das Immunsystem. Und genau deshalb geht es heute bei uns auch um die angeblich schönste Sache der Welt: das Virus! Nein, scherz, es geht um Sex.

Wie wird man eigentlich Pornodarsteller? Eine Möglichkeit dafür sind klassische Porno-Castings. Da kann erstmal jeder hinkommen und darf mit ein bisschen Glück zeigen „was er kann“. Marcus Robbin war bei einem Casting war dabei – natürlich nur mit der Kamera.

Gibt es so etwas wie Pornosucht? Die Antwort ist klar: Ja. Inzwischen ist diese auch offiziell als Krankheit anerkannt. Welche Ausmaße das erreichen kann, weshalb Pornos ein Problem sind und weshalb es schlecht ist, wenn Kinder bereits früh mit Hardcore-Pornografie in Kontakt kommen hat, Alexander Palucki in Erfahrung gebracht.

Die Venus in Berlin ist die größte Erotikmesse der Welt. Dort gibt es PornodarstellerInnen hautnah und zum Anfassen. Doch mittlerweile ist die Messe auch ein wichtiger Vertrieb für Dessous-Wäsche, Sextoys und den größten aktuellen Trend: Erschreckend realistische Sexpuppen. Margarita Bityutski war vor Ort.

Wie hat sich Sexualität im Laufe der Jahrzehnte entwickelt? Sind wir heute prüder oder enthemmter als früher? Und waren die Nazis im Bett eigentlich verkrampft oder aktiv? Dr. Gerhard Fritz ist Professor für Geschichte und Autor von „Geschichte der Sexualität“. Jasmin Kosubek hat sich mit dem Experten unterhalten, um Licht ins Dunkel zu bringen.

Nuoviso Home Office #1

Schulen und Kitas sind dicht und auch sonst steht das öffentliche Leben still. Auch an der NuoViso Redaktion geht dies nicht spurlos vorüber. In der ersten Ausgabe von „Home Office“ sprechen Robert Stein, Frank Stoner un Frank Höfer über die aktuelle Lage.

Dirk Müller: Wuhan-Virus – Situation ist kritischer als dargestellt

Das Cashkurs.com-Marktupdate vom 27.01.2020. Aus gegebenem Anlass für alle vollständig zugängig.

Fasten und Heilen

Krebs und Zivilisationskrankheiten wie Bluthochdruck, Fettleibigkeit und Diabetes nehmen immer mehr zu. Zugleich steigt der Konsum von Medikamenten extrem an. Gibt es Therapieansätze jenseits von chemischen Substanzen? Die Dokumentation stellt Studienergebnisse zum Heilfasten als möglicherweise alternative Behandlungsform vor.

Obwohl die Lebenserwartung in den westlichen Ländern steigt und die Menschen heute älter werden als je zuvor, nehmen gleichzeitig auch die Fälle von Diabetes, Bluthochdruck, Fettleibigkeit und Krebs unablässig zu und der Medikamentenkonsum steigt exponentiell. Bleibt den Menschen also nichts anderes übrig, als immer mehr Chemie zu schlucken, um gesund zu bleiben oder es wieder zu werden? Oder gibt es auch andere Möglichkeiten, sich vor Krankheiten zu schützen oder diese zu therapieren? Seit mehr als 50 Jahren erforschen Wissenschaftler in Russland, Deutschland und den Vereinigen Staaten eine alternative Heilmethode, das Fasten. Und sie kommen zu erstaunlichen Ergebnissen. Russische Forscher haben beispielsweise eine Reihe höchst aufschlussreicher klinischer Studien durchgeführt, die jedoch nur in russischer Sprache veröffentlicht worden und deswegen im Westen weitgehend unbeachtet geblieben sind. Nun räumen junge Biologen der University of Los Angeles mit alten Klischees auf. Mit Hilfe der Molekularbiologie belegen sie die weitreichende Wirkung des Heilfastens. Damit eröffnen sich der Medizin und insbesondere der Krebstherapie ganz neue Perspektiven. Wenn diese Wissenschaftler recht haben, wird die Schulmedizin grundsätzlich umdenken müssen.

Bitte vorher einen Arzt konsultieren

Wir sind Geschöpfe des Waldes – Dr. Wolf-Dieter Storl

Wolf-Dieter Storl lebt seit über drei Jahrzehnten mit seiner Frau auf einem abgelegenen Hof mitten in der Natur im Allgäu. Geboren in Crimmitschau, aufgewachsen in den USA, lehrte er mehr als 20 Jahre lang Ethnobotanik an den verschiedensten Universitäten dieser Welt. Die Sprache der Pflanzen lernte er selbst von den Medizinmännern der Cheyenne-Indianer. Seitdem gibt er sein Wissen weiter in unzähligen Büchern und Seminaren. Er ist überzeugt, dass jede Pflanze eine Seele hat und das die Trennung von der Natur den Menschen krank macht.

(Weihnachts-)Endzeit-Poesie 4.0: Auf Null gestellt …

Wieder einmal jährt sich also die Geburt desjenigen Kindes, dessen Name nicht erst dann, als ihn sich die CDU auf die Fahnen geschrieben hat, vollkommen durch den Dreck gezogen wurde. In einer Zeit, da die EU-Kommissionspräsidentin dazu aufruft, dass Europa wieder „die Sprache der Macht lernen muss“, kann man für ein Kind, das Frieden und Nächstenliebe bringen wollte und dafür dann „Opfer“ wurde (auf deutschen Schulhöfen heute angeblich das schlimmste Schimpfwort neben „Du Goethe!“) wohl nur noch Verachtung aufbringen. Da man sich für ein dermaßen nicht-machiavellistisches Kind einfach nur schämen muss, gucken viele auch betreten beiseite, wenn sein Geburtsfest wieder naht, möchten es gar nicht mehr beim Namen genannt wissen, der sie womöglich daran erinnert, dass man auch andere Argumente als Cashflow, Drohnen und Uranmunition ins Feld führen könnte.

Die Demontage von „Weihnachten“ ist daher in vollem Gange. Im Businessbereich braucht es heute schon einigen Mut, wenn man seinen Geschäftspartnern Druckkarten schickt, auf welchen anstatt des politisch korrekten „Season Greetings“ noch „Frohe Weihnachten“ steht. Als bloßes „Winterfest“ will man es auch im zivilen Leben abtun, wo Mann/Frau/Diverser an einer santaclausfarbenen Pissbude einen Glühwein kippt und dann Fünfe grad und 66 Geschlechter 60 sein lässt. „X-Mas“ lautet schon seit Jahren der klimaneutrale Begriff für dasjenige Fest, das man auch kurz vor Zusammenbruch der DDR nur noch als „Jahresendzeitfest“ bezeichnen durfte, die an diesem Fest an den Christbäumen baumelnden Engel nicht anders als „Endflügelpuppen“.

Was soll man also sagen an einem Tag, an dem die innere Sonne aufgehen sollte, aber ein Black Friday-Kommerzhöllenball am Firmament steht, der die Landstriche unserer marktkonformen Demokratie weitgehend verschattet und mit ohrenbetäubend-penetranter Musik den Weg in den Branntweinkeller zur X-Mas-Tequila-Party weist?

Welche Worte soll man finden, in einer Zeit, in der laut Frank Schirrmacher alle hehren Worte von Humanität, Freiheit etc. „mit Null multipliziert“ und „der Menschheit geraubt“ wurden? Schirrmacher meinte, die Menschheit müsse daher wieder „bei Null anfangen“ und alle diese Begriffe, die uns geraubt bzw. ihres Sinns entleert wurden, wieder ganz neu erarbeiten und mit Sinn erfüllen.

Auch mit der Geburt desjenigen Kindes, das wir heute feiern, wurden die Uhren unserer Zeitrechnung auf Null gestellt. In eine barbarische Zeit, in der in den römischen Arenen das Blut floss, sich Patrizier, und auf den hinteren Rängen der Plebs, am Zerreißen von Menschen durch wilde Tiere delektierten und anschließend in ihren Atrien Orgien bis zum Erbrechen feierten, indes gut gedrillte Legionäre rohstoffreiche Provinzen für den Imperator ausquetschten und auf Galeeren ums Leben gerudert wurde … in Zeiten also, die heute unter anderen, „smarten“ Vorzeichen wiedergekehrt sind, wurde dieses Kind geboren.

Eine epochale Wende, Frieden und Nächstenliebe erwartete man sich mit seinem Kommen. In den Überlieferungen der vorangehenden Hochkulturen von Persien, Babylonien, Ägypten und Griechenland war sein Kommen als große Hoffnung vorhergesagt, damals als Apoll, Osiris oder Aura Mahsd als noch auf der Sonne weilend, aber sich bereits für seinen Erdengang vorbereitend angebetet. Als es dann im Jahre Null so weit war, kamen Weise sogar von weit her aus dem Morgenland angereist, um dem Kind die Ehre zu erweisen – in einer Zeit, als man noch nicht schnell mal mit den Emirates nach Dubai fliegen konnte, sondern als die Wälder noch voller Räuber und wilder Tiere waren und man auf Reisen schnell einen Kopf kürzer war. Doch  nicht nur die Weisen der damaligen Zeit, auch die Hirten vom Felde neigten vor dem neugeborenen Kind ihre alten Häupter. Man erzählt, dass der Stall, in dem es zur Welt kam, von Frieden und heiliger Ruhe umgeben war.

Von Frieden und heiliger Ruhe kann heute in Zeiten des transatlantisch-spätkapitalistischen Drohnen-Overkills kaum noch die Rede sein. Man kann heute nicht einmal von unheiliger Unruhe sprechen (die halb so schlimm wäre, da das Erleben einer solchen unheiligen Unruhe uns ja gleichzeitig zum Umdenken auffordern würde). Nein, es ist viel schlimmer, was heute herrscht: Eine unheilige Ruhe. Eine kaum erklärbare, nur leider alles andere als beruhigende Ruhe. Eine trügerische, von siecher Musik durchsetzte Stille, in der wir uns mit dem eigentlich Unerträglichen fast schon wie abgefunden haben. Unter dem süßlichen Gewimmere von „Last Christmas“ reicht uns der nackte Wahnsinn mit seiner Linken eine in Glitzerpapier verpackte XXL-SUV-Box und mit seiner Rechten einen Becher Blausäure, aus dem wir fröhlich trinken und uns zuprosten. So wie es uns der erste Imperativ aus der Nationalhymne des Guten und Gernen Lebens gebietet: „Solange noch ausgeschenkt wird, saufen wir weiter.“ Diese Ruhe, sie ist weder heilig und auch nicht süß, obwohl sie mit stechend süßem Brausepulver und Glutamaten kandiert ist. Es ist trotz aller grenzenloser Ausgelassenheit, Feuerwerke und Queer-Konfetti eher eine Art Friedhofsruhe und Leichengeruch, die man wahrnehmen kann, wenn man einmal für ein paar Atemzüge die Musik ausmacht.

Dennoch darf uns diese makabre Atmosphäre nicht zur Resignation führen. Ganz im Gegenteil, sie kann uns anspornen, gerade innerhalb dieser tödlich zu werden drohenden  Bedingungen umso authentischer, heller und wärmer eine innere Lampe zu entzünden, mit der man dann schon den Weg selbst durch den größten Wahnsinn finden wird. In diesem Sinne: Nützen wir die etwas ruhigere Zeit des Jahres und auch das kommende Jahr dafür, um an den Geschehnissen nicht bitter, sondern reif zu werden. Dann wäre viel gewonnen. Und in Wirklichkeit ist auch genau das der Sinn der kulminierenden Übelstände und der kommenden Not: Wir sollen nicht an ihr verzweifeln, sondern sie überwinden und gerade durch die (zunächst innere) Aktivität, die hierzu notwendig ist, zu unserer echten Menschlichkeit finden. Ebenso, wie wir es uns heute abschminken müssen, in der Außenwelt Ruhe und Frieden zu erwarten. Auch wenn das jetzt alles andere als eine frohe Weihnachtsbotschaft ist, aber bei gebotenem Realismus braucht man kein Prophet zu sein, um vorhersagen zu können: Es werden Chaos und Unfrieden herrschen, gegen welche die heutigen Verhältnisse noch reinste Sozialromantik sind. Aber es gibt eine Qualität des Friedens und der Ruhe, die man in sich ausbilden kann und die auch inmitten allen Chaos und aller zukünftigen Kämpfe zu bestehen vermag. Gerade an diesen Schrecknissen wird sie sich bewähren. Dazu aber vielleicht ein andernmal mehr (vorab: diese Ruhe hat mit dem zu tun, was in unserer emotionsüberfluteten Welt noch Mangelware ist: echte, wahre und empathische Gedanken – nicht zu verwechseln mit intellektualistischen Gedanken, die trotz vordergründiger Brillanz ebenfalls zum Alteisen gehören).


So, eigentlich wollte ich es bei Frank Schirrmachers „Multiplikation mit Null“ bewenden lassen und damit nur zu einem Stück von Mike Oldfield einleiten, aber jetzt wollten sich doch noch einige Worte durch meine Gurgel ringen. Was Oldfield in Klänge fasst, kann zum heutigen Tag wesentlich mehr ausdrücken als viele Worte, die ja mittlerweile müßig sind. Und solange wir die mit Null multiplizierten Worte noch nicht wieder neu mit Sinn gefüllt haben, müssen wir eben andere Ausdrucksmöglichkeiten finden, um die Kruste zu sprengen, die sich in unserer neoliberal vergletscherten Zeit um viele von uns gebildet hat. Kunst ist eine solche Möglichkeit. Es gibt viele Künste, Musik ist nur eine davon, und jeder, der eine Kunst beherrscht, darf sich glücklich schätzen. Er hat damit eine Art Lebenselixier zur Hand, das ihn wie immun macht gegen alles heranflutende Gift und mit dem er auch Andere reanimieren kann, die bereits kurz vorm neoliberalen Erfrierungstod stehen.

In einer Zeit, in der das auf Lügen basierende Betriebssystem, das uns von Kindesbeinen an aufgespielt wurde und mit dem wir nun surfen, so gepolt ist, dass wir auf Wahrheit allergisch reagieren und der Illusion bereitwillig die Türen öffnen, obwohl sie uns alles nehmen wird, was uns wert ist, in solch einer Zeit kann man über das Mittel der Kunst viel mehr eröffnen als über gut gemeinte Worte, die meist nur einen Shitstorm zur Folge haben.

So wie etwa dieses Stück von Mike Oldfield, einem zeitgenössischen Klangvirtuosen, den manche Musikfreunde ganz ohne Ironie und nicht ganz ohne Grund in eine Reihe mit Mozart, Bach und Bartok stellen. Betrachtet man den Lebenslauf von Oldfield, auch dazu ein andernmal mehr, dann kann man feststellen, dass er mit seiner Kunst das vorhin Angedeutete durchaus verwirklicht hat: Selbst in den schlimmsten Stürmen des Lebens – und Oldfield musste viele dramatische Schicksalsschläge hinnehmen und drohte von vielen Strudeln weggerissen zu werden (nicht nur von Ibiza-Synthiepop) – ist bei ihm nie ganz der Faden zur Inspiration gerissen, aus der er fortwährend schöpft. Immer wieder taucht er aus der Versenkung auf, aus dem „Nullpunkt“ mit überraschenden, ganz neu metamorphosierten Stücken. Wer hätte z.B. gedacht, dass er auf seine Tubular Bells mit „Top of the Morning“ (Tubular Bells III) noch eins draufsetzen und sein ehemaliges Meisterwerk in den Schatten stellen kann?

Zunächst aber zu „Angelique“ … zur Feier des Tages und für diejenigen, die einen Hauch von dem verspüren möchten, das nicht von dieser Welt ist.

In diesem Sinne: Allen Lesern und Mitarbeiten des Nachrichtenspiegel frohe Weihnachten, besinnliche Tage und für das kommende Jahr: eine innere Achse der Ruhe und Besonnenheit inmitten aller heranbrandenden Wogen. Es wird kein leichter Wellengang sein, der uns erwartet, aber wie ein bretonisches Sprichwort sagt: „Eine ruhige See hat noch keinen guten Steuermann hervorgebracht.“ Nützen wir also die uns entgegenschlagenden Wellen und Turbulenzen, um im Umgang mit ihnen sogar besondere Fähigkeiten zu entwickeln. Wer etwas von Segeln versteht, der weiß, dass man nur die Segel richtig zu setzen braucht, dann kann man auch schräg gegen den Wind segeln und der Gegenwind bringt einen zügig voran.

Und wer noch nichts vom Segeln versteht, der kann es in diesen Songs von Mike Oldfield lernen …

 

 

Allgemeines zur Kolumne „Endzeitpoesie 4.0 – Brennholz gegen Robotisierung und drohenden Erfrierungstod“:

Da in unserer aus den Fugen geratenden Welt vieles nicht mehr rational verstehbar und auch kaum noch ertragbar ist, brauchen wir dringend ein Gegengewicht aus dem Reich der Poesie … mit diesem geistigen Gegengift in den Adern wird vieles Unverständliche plötzlich wieder verständlich und Unerträgliches wieder ertragbar – oder noch besser: gestaltbar!

Denn die größte Lüge, die uns heute beigebracht wird, ist: dass der Einzelne ohnehin nichts tun kann. – Das genaue Gegenteil davon ist wahr: Es kommt auf jeden einzelnen an und das mehr als jemals zuvor. Und wie uns schon Dostojewskij erklärt hat, ist im Leben auch niemals etwas umsonst, selbst wenn eine Bemühung keinen sichtbaren Erfolg zeigt: „Alles ist wie ein Ozean, alles fließt und berührt sich; rührst du an ein Ende der Welt, so zuckt es am anderen.“

Gerade unsere geistlose Zeit braucht philosophische Gedanken wie eine Wüste das Wasser. Dieses Wasser – die Gedanken der großen Geister der Menschheit – gibt es schon lange. Aber die scheinbar alten – in Wirklichkeit ewig jungen – Gedanken bleiben nicht dieselben: Jeder, der sie aufgreift und verinnerlicht, färbt sie mit seiner individuellen Persönlichkeitsnote ein und bringt dadurch wieder ganz neue Farben in die Welt, die bisher noch nicht existiert haben. Und solche Farben braucht unsere grau gewordene Welt (siehe 1000 Gestalten.de) heute dringend – sie saugt sie auf wie ein trockener Schwamm das Wasser … damit wieder Neues, Kreatives, Menschliches entstehen kann.

In diesem Sinne wollen wir der pseudopragmatischen Alternativlosigkeit (siehe „Der Führer 4.0 – Er ist schon längst da“) die Gefolgschaft in den Grand Canyon verweigern und es lieber mit Ilija Trojanow halten: „Die Welt ist groß und Rettung lauert überall“. – Dann kann die scheinbare Endzeit zu einem neuen Anfang werden.

Foto: pixabay/CC0

Endzeit-Poesie 4.0: Juri Galanskows Hölle 4.0  

175 Juri Galanskow


Juri Galanskow (pw/nachrichtenspiegel.de)

„In eurer Hölle kann ich nicht atmen“

Heute jährt sich der Todestag von Juri Galanskow. Nicht länger als 33 Jahre durfte er sich seines Lebens erfreuen, bevor er in einem Umerziehungslager starb. „Phönix“ hieß die Zeitschrift, in der er seine Gedichte veröffentlichte, die ihm schließlich Haft und Tod einbrachten. Phönix, so wie der gleichnamige  Vogel, der sich aus der Asche erhebt. Juri Galanskows Poesie ist heute so aktuell wie noch nie. In ihr zeigt sich in prototypischer Weise der individuelle Mensch, der sich einem zunehmend zerstörerischen, nicht nur menschenunwürdigen, sondern regelrecht menschenvernichtenden System gegenüber sieht – der aber nicht dem Instinkt der Masse folgt und billigerweise mitmacht, sondern der ein Ideal hat und lieber den physischen Tod wählt als sich mit dem geistigen Tod und der Erstickung des Individuums abzufinden.

Ich habe sein „Manifest des Menschen“ bereits einmal gepostet, doch in den Sanddünen des weltweiten Netzes gerät eben vieles schnell wieder in Vergessenheit. Obwohl dieses Gedicht alle heranwehenden Sandmassen nicht fürchten muss. Denn der individuelle Geist, der in diesem Gedicht lebt, besitzt eine derartige Vertikalität, dass er inmitten aller Sandmassen gleich einem Obelisken immer nach oben ragen und die Sonne reflektieren wird (was wir an den ägyptischen Obelisken heute nicht sehen: Ihre Spitzen waren früher vergoldet und haben unter Sonnenlicht weithin ins Land gestraht).

(Foto: pw/nachrichtenspiegel.de)

Juri Galanskow hat das erlebt, was sich heute unter anderen Vorzeichen wiederholt, sogar mit weitaus zerstörerischer Potenz. Eine mittlerweile perfektionierte PR- und Entertainment-Maschinerie arbeitet zwar mit voller Kraft daran, um uns über diese Zerstörung hinwegzutäuschen und uns das schmackhaft zu machen, was Vaclav Havel als „Lebenslüge“ bezeichnet hat und was in marktkonformen Landstrichen gemeinhin als „Gutes und Gernes Leben“ figuriert. Doch würde man das Ausmaß der täglich stattfindenden Zerstörung menschlicher und zivilisatorischer Substanz prozentuell beziffern – uns packte umgehend der Schwindel. Wer sich vom bunten und glitzernden smart dust-Anstrich nicht täuschen lässt, der sieht heute auch auf allen anderen Ebenen frappante Ähnlichkeiten zu den dunkelsten Epochen der Menschheitsgeschichte, die schließlich in einer großskaligen Verelendung und Vernichtung geendet haben. Wieder soll es also eine Masse an Human- und Umweltressourcen geben, die von einem obersten Sowjet, einem zentralistischen Organ, das alles überwacht, „zum Wohle aller“ orchestriert, umerzogen und ausgeschlachtet werden soll. Den obersten Sowjet, der wieder einmal die grandiose Kulturrevolution und den streng wissenschaftlichen Fortschritt bringen soll, nennt man diesmal „Global Governance“, sie soll sitzen auf dem 5G-gestützten Thron der „Künstlichen Intelligenz“ (siehe „Auf die Knie vor Gott KI“). Dass wir mit dieser Art von Intelligenz „gerade schlüsselfertige Tyranneien errichten“, so wie führende Konstrukteure des CIA/NSA-Überwachungssystems in einem offenen Brief warnen, realisieren immer noch die wenigsten – obwohl die große Faschiermaschine inmitten allen schrillfeuchten Oktoberfestgetümmels schon angelaufen ist und man bereits seine eigenen Nachbarn beim Verschlungenwerden beobachten kann. Dass die Doomsday Clock der Atomic Scientists auf zwei Minuten vor Mitternacht steht und Noam Chomsky in einem jüngsten Interview erwartet, dass die Apokalypse-Uhr angesichts der geopolitischen Lage Anfang nächsten Jahres noch weiter vorgestellt wird, quittiert der tagessschauguckende Spiegelbildbürger mit einem Schulterzucken und macht einen auf Farin Urlaub.

Wenn Juri Galanskow diese gespenstische Szenerie heute aus dem Jenseits beobachtet, dann packt ihn womöglich noch viel mehr das Grauen als zu seiner Zeit, die zwar ebenfalls grausam, aber noch vergleichsweise sozialromantisch war. Verzweifelt schreit er uns die Worte aus seinem Phönix wiederum entgegen: „Glaubt nicht den Zeitungen … Sieh nur, wie man die schwarze Lüge auf das weiße Linnen speit … Steht auf! Seht ihr nicht die große Bombe und den Blick des Todes aus den offenen Gräbern … ?“

Er, der sein Leben gegeben hat, um eine Lanze für das Menschsein zu brechen und uns den Weg in eine menschenwürdige Zukunft zu bahnen, muss nun den Kopf schütteln, wenn er sich als Geist über die öffentlichen Plätze bewegt, die erneut zur „marktkonformen“ Zone erklärt wurden und von denen sich neoliberaler Verwesungsgeruch erhebt. Plätze, auf denen unter „Mentalvergiftung“ (Mausfeld) leidende Menschen vor sich hintaumeln, die ihm bei lebendigem Leib wesentlich toter erscheinen als er selbst als Verstorbener es ist. Die Menschen können seine verzweifelten Worte nicht vernehmen, denn ihre Ohren sind mit Apples AirPods bestöpselt. Würden wir abends in einer ruhigen Minute innehalten und lauschen, dann könnten wir seine Worte hören:

„Ich gehe hinaus auf den Platz – und presse ins Ohr der Stadt – den Schrei der Verzweiflung. – Menschen! Tröstet mich nicht! – In eurer Hölle kann ich nicht atmen!“

Gleichzeitig appelliert Galanskow mit seinem Gedicht an die grandiose Fähigkeit des menschlichen Geistes, sich auch inmitten abgründiger gesellschaftlicher Umstände seine Würde zu bewahren, einem individuell gewählten Ideal treu zu bleiben und zu seiner Menschlichkeit zu finden – nicht auch, sondern GERADE im Angesichts des Destruktiven. Insofern wäre es ein kapitaler Fehler, vor dem Negativen lieber die Augen zu verschließen, so wie das von Wellness-Coaches heute vielfach empfohlen wird. Man braucht sogar das Negativbild, das heute ja in jeder Weise kulminiert und anschaulich wird. Denn gerade am Negativen kann man ein Ideal entzünden für ein regelrechtes Gegenbild. Und der Sinn des heutigen Wahnsinns ist nicht, dass wir daran verzweifeln, sondern dass wir gerade daran das wirklich Menschliche entwickeln. Man kann den zur Vermassung tendierenden Wahnsinn also geradewegs als Schwungrad nützen, um uns entgegen allen Erscheinungen von Dekadenz, Ausbeutung, Verrohung, Opportunismus, Unverantwortlichkeit und Nihilismus zum Ideal des individuell gegründeten, selbständig denkenden, empathisch fühlenden und verantwortlich handelnden Menschen zu entwickeln.

In Wirklichkeit braucht es sogar die Konfrontation mit Pogo dem Clown bzw. dem nackten Wahnsinn, der einen mit blutverschmiertem Mund hämisch angrinst, um zu diesem entscheidenden Momentum des Menschseins aufzuwachen. Denn nur wenn wir den drohenden Abgrund in seinem ganzen Schrecken vor uns sehen, sind wir genötigt, dem, was Vaclav Havel das „Leben in der Lebenslüge“ genannt hat bzw. was Angela Merkel das „Gute und Gerne Leben“ nennt, eine Absage zu erteilen und aus dem Marsch der Lemminge in den Grand Canyon eine Kehrtwende zu vollziehen. Man darf sich nichts vormachen, die Bergtour, die wir vor uns haben, wird kein Zuckerschlecken sein. Doch diejenigen, die sich die Mühe machen, den Berg zu erklimmen, haben die Aussicht, wieder klare und sonnendurchflutete Luft zu atmen und kristallklares Gebirgswasser zu trinken … während sich die Zuckerwatte, die in der marktkonformen Schaumparty der Niederungen gesponnen und an die Massen verfüttert wird, als Rattenfutter herausstellen wird, das selbst den robustesten und derzeit noch bestgelaunten Naturen zum Verhängnis werden wird.

Welchen Weg der Einzelne wählt – den mühsamen Weg aufwärts oder den zweifellos bequemeren und anfangs auch durchaus unterhaltsamen Weg der Rutsche ins Bento-Planschbecken, ist natürlich jedem freigestellt. Wieder einmal gilt: In der Wahl ist der Mensch vollkommen frei. Im Tragen der Konsequenzen dieser Wahl dann aber ganz und gar nicht mehr.

Juri Galanskow hat seine Entscheidung getroffen. Er hat dabei sein Leben eingebüßt. Aber das Wertvollste bewahrt, was ein Mensch besitzt: Seine Würde.

 

MANIFEST DES MENSCHEN

(von J. Galanskow)

1
Wieder und wieder
packt mich in nächtlicher Stille ein Weinen.
Denn nicht einmal den Saum der Seele
kann man verschenken.
Niemand braucht
einen Tag lang
nach einem Irren zu suchen.
Aber die Leute gehn nach der Arbeit
dorthin, wo Geld rollt und Huren sind.
Sollen sie´s tun.
Ich aber werde durch die Lawine der Leute
hindurchgehn,
anders als sie, und allein –
wie der Splitter eines Rubins,
der im Eise glüht.
Himmel!
Lasse mich leuchten.
Lasse mich nachts
auf das schwarze Samtkleid
ausschütten die Diamanten der Seele.

2
Glaubt nicht den Führern und Ministern,
Glaubt nicht den Zeitungen!
Erhebt euch, die ihr mit eurem Antlitz die Erde deckt!
Seht ihr die große Bombe
und den Blick des Todes aus den offenen Gräbern?
Steht auf!
Steht auf!
Steht auf!
O Purpurblut des Aufstands!
Steht auf und reißt die morschen Zuchthausmauern
dieses Staates ein!

3
Wo sind sie –
die den Kanonen an die Gurgel fahren,
die mit dem heiligen Messer der Rebellion
die Geschwüre des Krieges herausreißen ?
Wo sind sie?
Wo sind sie?
Wo sind sie?
Oder gibt es sie nicht mehr? –
Dort an den Werkbänken stehen ihre Schatten
angekettet mit einer Handvoll klingender Münzen.

4
Der Mensch ist verlorengegangen.
Unwichtig wie eine Fliege
rührt er sich kaum in den Zeilen der Bücher.
Ich gehe hinaus auf den Platz
und presse ins Ohr der Stadt
den Schrei der Verzweiflung.
Menschen! Tröstet mich nicht!
In eurer Hölle kann ich nicht atmen!

5
O Himmel!
Ein strafendes Messer will ich besitzen!
Sieh nur, wie man die schwarze Lüge
auf das weiße Linnen speit.
Sieh nur,
wie abends die Dunkelheit
am blutbesprengten Banner nagt …
Furchtbares Leben –
wie ein Gefängnis, auf Knochen getürmt.
Ich falle!
Ich falle! …
und fühle wie in meinem Innern tief
der Mensch erblüht.

6
Wir haben uns daran gewöhnt,
in freien Stunden
auf den Straßen Gesichter zu sehen,
die vom Leben besudelt sind –
Gesichter wie eure.
Aber plötzlich –
wie das Grollen eines Gewitters
und wie das Antlitz Christi am Tag der Wiederkunft
aufersteht
die getretene und gekreuzigte
Schönheit des Menschen.
Ich bin es – ich,
der zur Wahrheit ruft und zum Aufstand,
der nicht mehr Diener sein will,
und eure schwarzen
aus Lügen geflochtenen Fesseln zerbricht.
Ich bin es – ich,
der vom Gesetz in Fesseln Geschlagene,
der das Manifest des Menschen verkündet!
Mag mir der Rabe
in den Marmor des Leibes eingraben
das Kreuz.


 

Allgemeines zur Kolumne „Endzeitpoesie 4.0 – Brennholz gegen Robotisierung und drohenden Erfrierungstod“:

Da in unserer aus den Fugen geratenden Welt vieles nicht mehr rational verstehbar und auch kaum noch ertragbar ist, brauchen wir dringend ein Gegengewicht aus dem Reich der Poesie … mit diesem geistigen Gegengift in den Adern wird vieles Unverständliche plötzlich wieder verständlich und Unerträgliches wieder ertragbar – oder noch besser: gestaltbar!

Denn die größte Lüge, die uns heute beigebracht wird, ist: dass der Einzelne ohnehin nichts tun kann. – Das genaue Gegenteil davon ist wahr: Es kommt auf jeden einzelnen an und das mehr als jemals zuvor. Und wie uns schon Dostojewskij erklärt hat, ist im Leben auch niemals etwas umsonst, selbst wenn eine Bemühung keinen sichtbaren Erfolg zeigt: „Alles ist wie ein Ozean, alles fließt und berührt sich; rührst du an ein Ende der Welt, so zuckt es am anderen.“

Gerade unsere geistlose Zeit braucht philosophische Gedanken wie eine Wüste das Wasser. Dieses Wasser – die Gedanken der großen Geister der Menschheit – gibt es schon lange. Aber die scheinbar alten – in Wirklichkeit ewig jungen – Gedanken bleiben nicht dieselben: Jeder, der sie aufgreift und verinnerlicht, färbt sie mit seiner individuellen Persönlichkeitsnote ein und bringt dadurch wieder ganz neue Farben in die Welt, die bisher noch nicht existiert haben. Und solche Farben braucht unsere grau gewordene Welt (siehe 1000 Gestalten.de) heute dringend – sie saugt sie auf wie ein trockener Schwamm das Wasser … damit wieder Neues, Kreatives, Menschliches entstehen kann.

In diesem Sinne wollen wir der pseudopragmatischen Alternativlosigkeit (siehe „Der Führer 4.0 – Er ist schon längst da“) die Gefolgschaft in den Grand Canyon verweigern und es lieber mit Ilija Trojanow halten: „Die Welt ist groß und Rettung lauert überall“. – Dann kann die scheinbare Endzeit zu einem neuen Anfang werden.

Der langsame Abschied des Parkwächters …

172 park pixabay

„Wir haben Orwell bereits hinter uns und sind nun in Van Vogts ‚Space Wildlife‘ angekommen, wo niemand mehr etwas versteht.“ – Mittlerweile realisiere ich, dass Gerard Depardieu diesen Ausspruch keineswegs nur sarkastisch, sondern durchwegs buchstäblich gemeint hat.

Womit soll ich anfangen, ich weiß es nicht. Vielleicht fange ich überhaupt nirgends an, da man sich damit ja ohnehin nur in fruchtlosen Animositäten verheddert und der lachende Dritte – ich komme gleich noch kurz auf ihn zurück – sich den Bauch vor lauter Kringeln nicht mehr halten kann.

Lohnt es noch, Gedanken zu formulieren, da ohnehin jeder selbst am besten Bescheid weiß? Und wo es auch auf dem Feld der alternativen Journalisten nun soweit gekommen ist wie in Politik und Kunst, wo es darum geht, eine exklusive Marke aufzubauen und sich mit seinem eigenen, natürlich einzig brauchbaren Standpunkt von allen anderen Marktteilnehmern abzugrenzen? Wo dann richtige und wichtige Ideen sofort abgeschmettert werden, einfach weil sie nicht von der eigenen Partei, sondern von einer gegenüber sitzenden Fraktion kommen, deren vegan-versiffter Menüplan einem sowieso noch nie geschmeckt hat? Wo überhaupt Meinungen, die aus einem anderen Kopf kommen als dem eigenen, hochwohlgeborenen, nicht mehr vertragen werden und man sofort mit heftigster Allergiebereitschaft reagiert, wenn jemand eine andere Perspektive eröffnet als jene, in der man es sich selbst gut eingerichtet hat? Was, Ganser/Jebsen/Janich/Wisnewski weist auf dieses oder jenes hin? Na, dann muss ich dazu sofort eine gegenteilige Haltung einnehmen und das als Spinnerei brandmarken. Denn ohne exklusives Alleinstellungsmerkmal, das nur ich allein als Super-Tillo vertrete, spüre ich ja augenblicklich den Boden unter mir schwinden. Und jeder, der „Highlander“ gesehen hat, weiß ja: Es kann nur einen geben, der den Kopf behält. Die Rübe von allen Spinnern, also allen Andersdenkenden, darf ruhig ab.

Schlagworte, um über die Perspektive des Anderen nicht mehr nachdenken zu müssen, sondern sie umgehend vom Tisch wischen zu können, wurden uns ja ausreichend zur Hand gegeben: „Verschwörungstheoretiker“, „Querfront“, „Nazi“, „Aluhut“, „Rechtsesoteriker“, „Guru“ etc. – Und das Grandiose: Sogar unsere alternativen Qualitätsjournalisten beginnen nun, begierig auf dieses Diffamierungskeulen-Buffet zuzugreifen und auf Kollegen, Leser und überhaupt auf alle, die anders denken als sie selbst, einzudreschen. Es geht ja jetzt schließlich um alles, um unsere Weiterexistenz, unser Gutes und Gernes Leben und den Fortschritt. Diesmal. Oder wieder einmal. Egal.

Sogar von alternativen Journalisten, die bislang in sehr verdienstvoller Weise für Meinungsfreiheit gekämpft haben, wird nun zum „Kampf gegen Rechts“ (laut Prof. Mausfeld ein „Fake-Kampf“, der von den eigentlichen Problemen ablenken soll), gegen „Verschwörungstheoretiker“ und gegen sonstige krude, „unwissenschaftliche“ Köpfe geblasen, die sich dem Fortschritt und der rationalen Vernunft in den Weg stellen. Der passende Slogan, dem kaum jemand, der vom heutigen Schul-/AUS-Bildungs-/Mediensystem erzogen wurde, widerstehen wird können und unter welchem der Zug der Lemminge vom streng wissenschaftlichen Flötenspieler in den Grand Canyon geführt werden wird, steht bereits: „UNITE BEHIND THE SCIENCE!“  Alle unsere hippen Influencer, Super-Youtuber und Porno-Youtuberinnen schwören uns und ihre Millionenschaften an Followern gerade darauf ein: Dass wir uns jetzt auch „auf die Seite der Experten stellen“ müssen. Selbst superkluge Durchblicker wie Prof. Mausfeld, auf die wir so große Hoffnungen für eine Aufklärung gesetzt haben, sind nun mit ihrem Latein am Ende und halten es für „kognitionswissenschaftlich nicht leicht erklärbar“, warum es immer noch Menschen gibt, die sich dem „wissenschaftlichen Konsens“ verwehren und stattdessen auf „subjektive Intuitionen“ hören. Wenn am Schlachtfeld des Manufacturing Consent nun also selbst der große Mausfeld passen muss, was soll man da als kleiner Mäusefriedhofsbürger noch ausrichten? Doch keine Sorge, wenn der Schrei nach Ausmerzung der Unvernunft nun auch von Seiten der alternativen Intelligenzia erklingt, dann werden wir sie ja wohl endlich bald besiegt haben. Und für die wirklich Unbelehrbaren werden die bereits unverhohlen geforderten Umerziehungslager wohl nicht mehr allzulange auf sich warten lassen. Dank technischer Infrastruktur wird es vielleicht erstmals in der Menschheitsgeschichte nun tatsächlich möglich sein, auch wirklich alle Fortschrittsfeinde zu erwischen. Dann kann sie endlich kommen, die strahlende, digital transformierte Zukunft nach den Maßstäben der streng wissenschaftlichen Vernunft.

„UNITE BEHIND THE SCIENCE”- ja, das klingt zweifellos netter als “UNITE BEHIND THE ECONOMY” oder “UNITE BEHIND THE POWER”, meint aber leider im Prinzip genau dasselbe. Und wird im Übrigen weder das Klima noch sonst etwas retten, sondern uns Ökozid hoch Drei bescheren. Und uns entgegen aller glänzenden Verheißungen in den mylab-Genlab-evidencebased-Techiemagazinen zu einer beispiellosen Vergiftung und Ausschlachtung unserer Lebensumwelt führen.

Eine reale Überlebenschance hätten wir eigentlich nur dann, wenn wir dieses Dogma der herrschenden Lehre sprengen und es geradewegs umkehren: „DESTROY THIS SCIENCE!“ – Mit diesem Banner auf den Fahnen würde die FFF- und Extinction Rebellion-Bewegung dem herrschenden Systemmoloch in der Tat das Fürchten lehren und ihn auch rasch zum Auflösen bringen wie einen Schneemann in der Sonne. Doch das gilt als reine Häresie und sorgt unter evidenzbasiert aufgeklärten, tagesschauguckenden Spiegelbildbürgern nur für schreckgeweitete Augen. „Löst sich dann etwa auch mein SUV auf und gibt’s dann womöglich kein Oktoberfest, keine Selfiesticks und keine Flatratebordelle mehr?“ gehört zu den ersten Gedankenfetzen, die dann umgehend über die Stirn zucken. Dennoch, diese Einsicht wird kommen. Denn wir werden von dieser Art geistloser, technizistischer Wissenschaft schon bald dermaßen die Schnauze voll haben, dass wir sie ansehen werden wie eine gefährliche Krankheit.

Ein jüngst veröffentlichter Artikel von Charles Eisenstein auf Rubikon („Der größere Zusammenhang“) weist da durchaus in die richtige Richtung und benennt den eigentlichen Feind, mit dem wir es heute zu tun haben: den „instrumentellen Utilitarismus“, die reine Nützlichkeitsbezogenheit, auf der unsere derzeitige, trotz vermeintlich guten Willens alles destruierende Denkweise beruht. Gemäß dieser Mentalität des instrumentellen Utilitarismus ist die Natur nur deshalb wertvoll, weil sie für uns von Nutzen ist. Solange wir nicht den Blick für den eigenständigen Wert jedes Wesens, jedes Flusses, jedes Baumes, jedes Tieres und jedes Menschen wiedergewinnen, unterlägen wir dieser (toten) Mentalität. Die Welt sei dann „letztlich nichts weiter als ein Haufen von nützlichem Kram“. Eisenstein zieht das richtige Fazit: Alle Maßnahmen zum Schutz des Klimas wären demnach unwirksam oder würden sogar in verheerender Weise nach hinten losgehen (so auch das bereits in den Startlöchern scharrende „Geoengineering“), solange wir aus diesem Narrativ heraus denken und handeln.

Dennoch erschallt nun allerortens und auf allen Flatscreens die blecherne und eigentlich bereits ausgelutschte Parole „Unite behind the science“. Selbst die vermeintlich kritischsten Köpfe huldigen dieser Losung und versuchen sich als Franchisenehmer des Szientismus – unserer neoliberalen Ersatzreligion, deren tote Denkweise in Fortsetzung ihres inquisitorischen Ahnvaters Francis Bacon uns zwar mittlerweile an den Rande des Ökozids und auch sonst in jeder Hinsicht an den Abgrund geführt hat, aber sei’s drum. Wenn wir jetzt in unserem szientistischen SUV Gas geben und nochmals voll beschleunigen, dann schaffen wir womöglich wie Knight Rider David Hasselhoff in seinem schwarzen KI-Pontiac einen Turboboost-Sprung über den Abgrund, um dann im digital transformierten Paradies zu landen, in dem der allwissende, allmächtige, zwar nicht allgütige, aber umso geilere Gott KI alles regelt.

Die Lobbyisten des globalen Konzernverbunds des World Economic Forum nutzen diesen allseitig ertönenden Schrei nach der „Wissenschaft“ und ihren „Experten“  bereits weidlich aus und fordern eine Global Governance: Nicht mehr dumme Politiker, die von noch dümmeren Wählern gewählt werden, sollen künftig Entscheidungen treffen, sondern konzernwirtschaftlich („wissenschaftlich“) akkreditierte „Experten“ sollen jetzt alles regeln (siehe aktuellen Bericht von Norbert Häring: „Der Griff der Konzerne nach der Weltherrschaft“). Dass uns Noam Chomsky besagte Kaste der wissenschaftlichen Experten bereits im umfassender Weise als „Wachhunde und säkulare Hohepriester der Machtelite“ demaskiert hat – alles vergessen, der Sog der digitalen Transformation ist wohl zu groß, als dass ihm ein analoges, fernsehendes Wesen widerstehen könnte.

Tja, jetzt ist er da …

Wie gerne hätten wir ihn aufgehalten, den reinen Wahnsinn, und es wäre dazu auch nicht einmal gar so viel notwendig gewesen, wie man gemeinhin glaubt. Doch Illusionen sind nun einmal süßer als Wahrheit – ein Umstand, den auch schon die Kanzlerin weidlich auszunutzen wusste. Eine Kanzlerin, die nach Beobachtung von Roger Willemsen, der dazu ein ganzes Jahr im Bundestag verbracht hat, mit jedem ausgesprochenem Wort nichts anderes tut als „Betäubungszonen ausbreiten“ und „das Land chloroformieren“ (Quelle: Tagesspiegel). Das Versprechen der Kanzlerin, dass man transatlantischen Kuhdung 100 Meter hoch stapeln kann, war nur leider ebenso gelogen wie der zum Himmel stinkende Lügenturm des Guten und Gernen Lebens selbst. Dieser Lügenturm ist nun dabei, umzufallen und das ganze Land unter sich zu begraben … eigentlich hat es jeder gewusst, dass es so kommen muss, doch wer wollte schon Spaßverderber sein und sich als Feind des Guten und Gernen Lebens diskreditieren? Dass wir dann, wenn es darauf ankommt, wirklich so dumm sein werden, hätte man sich trotzdem nicht erwartet. Aber so what, c’est la vie. Die Augen, die wir nicht zum Sehen benutzen wollten, werden wir nun eben zum Weinen gebrauchen. Aber dass nun sogar alternative Qualitätsjournalisten an einem Strang mit Merkel, Maas, Kahane, Steinmeier und von der Leyen ziehen, zum Kampf gegen Rechts rufen und auch für ihre ignoranten Leser nur noch Verachtung übrig haben, ist dermaßen grotesk, dass weder die Lachkiste noch das Weinen so richtig anspringen wollen.

Wenn nun also sogar die letzten Dämme brechen und selbst unsere vermeintlich klügsten Köpfe nicht mehr vor dem gefeit sind, was Dostojewski in seinem dunklen Traum von der szientistischen Pest hat kommen sehen, nun ja, was soll man dann noch groß ausrichten? Es gäbe zwar unendlich Vieles, über das man noch sprechen und aufklären könnte, doch wer will es hören? Demjenigen Kommilitonen, der mich überhaupt erst zum Schreiben im virtuellen Widerstand motiviert hat (einem der letzten neuzeitlichen Philosophen in der Eifel) habe ich es bereits auf Facebook mitgeteilt und paste die Pasta hier nur nochmal:

Auch eine zunehmende Anzahl von alternativen Journalisten realisiert, dass dieser Kampf wohl nicht mehr zu gewinnen ist und biedert sich dem Zeitgeist und seiner herrschenden („wissenschaftlichen“) Lehre des „guten und gernen“, digital transformierten, offenen Anus an, in dessen Untiefen „jeder seinen Spaß“ haben und jedermensch des Anderen Wolf sein darf – ob dieses Anbiedern nun bewusst oder unbewusst geschieht, ist dabei in Wirklichkeit vollkommen egal.

Warum sollte man den Drachen, der bereits damit begonnen hat, unser Dorf abzubrennen und Jungfrauen und Kinder zu fressen, auch aufhalten wollen? Jener gute und gerne, smarte Drache, unter dessen Flügeln sich jetzt sogar alternative Qualitätsjournalisten kuscheln wollen, in der Hoffnung, dass sie selbst nicht dabei sein werden, wenn die SS des Drachen demnächst beginnt, diejenigen abzuholen, die sich ihr selbständiges Denken nicht verbieten lassen.

Um es also kurz zu machen: Ich werde in Zukunft andere Prioritäten setzen und meine Zeit anders einteilen. Denn während unsere ehrenwerten Qualitätsjournalisten ein stolzes Gehalt dafür bekommen, dass sie täglich mit ganzem Einsatz an der Destruktion des Menschen und des Friedens arbeiten, so muss ich mir die zum Teil sehr umfangreiche Zeit für Recherchen und Artikelschreiben von meiner ohnehin mageren Freizeit abzwacken, worunter dann natürlich viele andere Aspekte des Lebens leiden, z.B. das Umsetzen von Kreativprojekten. Eine bereits fingerdicke Mappe an hingekritzelten Konzepten wartet auf die Umsetzung. Die Ideen, die ich dort festgehalten habe, um unserer trostlosen, im Tankstellenklo-Stil gehaltenen Lebensumwelt ein paar künstlerische Impulse zu verleihen, schreien mich täglich an, nehmen mich an der Gurgel, rütteln mich und flehen, dass ich sie endlich von der Theorie in die Praxis überführe. Mein Herz schafft es nicht mehr, diesen Gedankenkindern länger einen Korb zu geben. Wenn ich sie jetzt noch länger auf die lange Bank schiebe, dann laufen sie mir womöglich davon und suchen sich anderswo ein Obdach.

Es wird also in Zukunft von meiner Seite wohl etwas stiller werden. Keine Sorge, das soll natürlich keine Kapitulationserklärung sein. Es gibt viel zu tun und der Tag ist eigentlich viel zu kurz, um auch nur das Notwendigste anzupacken. Und bekanntlich können auch alte Kater das Mausen nicht lassen. Und so viel Zeit wird schon sein, um dem Sumpfmonster ab und zu den Flammenwerfer entgegenzuhalten, um es wieder ein bisschen in die Schranken zu weisen, damit es nicht alle Menschen verschlingt bzw. in die Singularität absaugt.

Überhaupt wird es noch geraume Zeit dauern, bis der Rückzug des Parkwaechters wirklich sichtbar wird. Denn er hat eine Unzahl an fast fertiggeschriebenen, aber umständehalber nicht ganz zu Ende gebrachten Artikeln in der Tube bzw. im Gerätschuppen herumstehen. Die meisten davon sind aktuell wie eh und je und müssen nur ein bisschen auf Vordermann gebracht werden. Sie werden demnächst unter dem Titel #AUTOLEICHE veröffentlicht. In diesen Autoleichen schlummern so manche Getriebeteile, Motoren und Kühler, die man noch gut gebrauchen kann. Das Abschleppen und Einstampfen der Autoleichen habe ich bisher verhindert, sehr zum Schimpf meiner Partnerin. Denn wie ich unverbesserlicher Messie und Hornbachochse ihr immer erklärt habe: Man weiß ja nie, was man noch brauchen kann.

Endzeitpoesie 4.0: Erntezeit – Der Schnitter kommt …

15_herbstgarten

Der Herbst ist da. Zeit, einmal kurz innezuhalten in einem Überschallkarussell, in dem Pogo der Clown gerade den Maschinisten macht.

Der nackte Wahnsinn, ja, wir hätten ihn so gerne aufgehalten. Aber wie es scheint, rollt er nun mit genauso unbeirrbarer Beharrlichkeit über uns hinweg wie eben auch der Winter kommt, nachdem es eine Phase des Frühlingssprießens und des Sommerblühens gegeben hat. Soll man versuchen, die welk gewordenen Blätter und Blüten festzuhalten, an denen man sich einstmals so erfreut hat? Oder macht es nicht viel mehr Sinn, jetzt die Früchte und Samen einzusammeln, die man inmitten allen dahinwelkenden Laubwerks ebenfalls finden kann? – Die einem manchmal sogar in wunderbar leuchtenden und schimmernden Farben entgegenkommen?

Stattdessen nochmals versuchen, mit Industrie 4.0-Superkleber die allerortens herabfallenden Blätter wieder auf die Bäume zu kleben und „Arbeitsplätze auf der Titanic sichern“ (P. Sloterdijk)?

Jeder mag das halten wie er will und die Zeit, die uns bis zum Ladenschluss der marktkonformen Demokratie, die gerade von der unsichtbaren Hand des Marktes „abgewickelt wird“ (W. Wimmer), noch verbleibt, nach persönlichem Gutdünken nutzen.

Wer sich hingegen auf die Samen konzentriert, die jetzt ebenfalls zu finden sind, der weiß, dass das ganze Werk des Jahres- bzw. Jahrhundertlaufs nicht ganz vergeblich war. Nachdem der Frost alles oberflächliche Leben ertötet und der neoliberale Wintersturm alle Blätter der Vegetation hinwegfegt, hat man dann kostbare Keime zur Verfügung, die man wieder zum Wachsen und zum Blühen bringen kann. Fehlen diese Keime, dann sieht’s natürlich einigermaßen trist aus, insbesondere für unsere Nachkommen. Noch ist ja ein bisschen Zeit, um Samen zu kultivieren. Nicht allzuviel womöglich, aber doch ein bisschen.

Aber ist es in Wirklichkeit nicht ohnehin so, dass ausnahmslos jeder von uns Samen ausbildet, und zwar fortwährend und in üppigem Maß? Mit ganz wenigen Ausnahmen bildet praktisch jede Pflanze und jedes Lebewesen Samen aus, die es an den weiteren Verlauf der Evolution weitergeben wird und auf der also die Zukunft aufbaut. Doch welche Samen habe ich ausgebildet / bilde ich gerade aus? Samen, aus denen später einmal Rosen erblühen werden? … Oder eher Disteln? … Brennesseln? Womöglich werden derzeit sogar viele Grausamen ausgebildet (siehe auch: „Wenn Heidi Klums Grau-Samen aufgehen“). Dann brauchen wir uns allerdings auch nicht zu wundern, wenn wir einigermaßen grausamen Zeiten entgegengehen.

Vorneweg: Alle, die uns gerade erklären wollen, wie die Zukunft aussehen wird, wissen es in Wirklichkeit nicht. Denn es ist schlichtweg nicht vorherbestimmt, sondern liegt ganz in der Freiheit des menschlichen Willens. Nichts ist alternativlos. Alternativlos sind nur die Konsequenzen unserer Wahl, aber in der Wahl selbst sind wir vollkommen frei.

Ob die Zukunft wirklich dystopisch wird, eine Art Terminator-Szenario mit Gemetzel unter verdunkeltem Himmel, in dem frei nach Thomas Hobbes „homo homini lupus“ jeder Mensch des anderen – digital transformierter – Wolf ist oder ob wir eine Zukunft gestalten, in der die klare Sonne scheint und jeder von uns einen duftenden Garten mit wunderbaren Blumen vor seinem Häuschen kultiviert, die menschliche Zivilisation zu einem harmonischen Zusammenklang in gegenseitiger Unterstützung (laut Goethe ist ja die dem Menschen innewohnende „vernünftige Welt als ein großes unsterbliches Individuum zu betrachten, das unaufhaltsam das Notwendige bewirkt und dadurch sich sogar über das Zufällige zum Herrn macht“) und in vereintem Kampf gegen den Wahnsinn findet (der natürlich auch in der Zukunft nicht schlafen wird, sondern der immer auf seine Chance lauert, unsere Städte in Flammen zu legen und die Jungfrauen und Kinder aufzufressen – aber gerade dieser Kampf bzw. die Überwindung des neoliberalen Molochs kann uns stark machen) … das hängt einzig davon ab, welche Samen wir jetzt säen.

Wir können uns schon demnächst in einem Dickicht aus Disteln, Dornengestrüpp, Brennesseln, Stinkmorcheln, Venus-Fliegenfallen und sonstigen fleischfressenden und genmanipulierten Pflanzen wiederfinden, über dem die Drohnen kreisen. Oder eben auch in einem duftenden Garten, in dem Lavendel, Rosen, Lilien und Salbei blühen und in dem sich unsere Kinder am Zauber von Schmetterlingen und Bienen erfreuen. Niemand anderer als wir selbst dürfen das entscheiden … und es auch ausbaden.

Bei aller Tragik ist das eben auch das wunderbar Grandiose am freien Willen des Menschen.


 

Allgemeines zur Kolumne „Endzeitpoesie 4.0 – Brennholz gegen Robotisierung und drohenden Erfrierungstod“:

Da in unserer aus den Fugen geratenden Welt vieles nicht mehr rational verstehbar und auch kaum noch ertragbar ist, brauchen wir dringend ein Gegengewicht aus dem Reich der Poesie … mit diesem geistigen Gegengift in den Adern wird vieles Unverständliche plötzlich wieder verständlich und Unerträgliches wieder ertragbar – oder noch besser: gestaltbar!

Denn die größte Lüge, die uns heute beigebracht wird, ist: dass der Einzelne ohnehin nichts tun kann. – Das genaue Gegenteil davon ist wahr: Es kommt auf jeden einzelnen an und das mehr als jemals zuvor. Und wie uns schon Dostojewskij erklärt hat, ist im Leben auch niemals etwas umsonst, selbst wenn eine Bemühung keinen sichtbaren Erfolg zeigt: „Alles ist wie ein Ozean, alles fließt und berührt sich; rührst du an ein Ende der Welt, so zuckt es am anderen.“

Gerade unsere geistlose Zeit braucht philosophische Gedanken wie eine Wüste das Wasser. Dieses Wasser – die Gedanken der großen Geister der Menschheit – gibt es schon lange. Aber die scheinbar alten – in Wirklichkeit ewig jungen – Gedanken bleiben nicht dieselben: Jeder, der sie aufgreift und verinnerlicht, färbt sie mit seiner individuellen Persönlichkeitsnote ein und bringt dadurch wieder ganz neue Farben in die Welt, die bisher noch nicht existiert haben. Und solche Farben braucht unsere grau gewordene Welt (siehe 1000 Gestalten.de) heute dringend – sie saugt sie auf wie ein trockener Schwamm das Wasser … damit wieder Neues, Kreatives, Menschliches entstehen kann.

In diesem Sinne wollen wir der pseudopragmatischen Alternativlosigkeit (siehe „Der Führer 4.0 – Er ist schon längst da“) die Gefolgschaft in den Grand Canyon verweigern und es lieber mit Ilija Trojanow halten: „Die Welt ist groß und Rettung lauert überall“. – Dann kann die scheinbare Endzeit zu einem neuen Anfang werden.

Oktoberfest 4.0 – Überleben im Zeitalter der Ultradekadenz


Foto: pw/nachrichtenspiegel.de

Wie wir lernten, die Lüge zu lieben

„In times of information, ignorance is a choice“. Seit ich an der Pinnwand des virtuellen Widerstands  diesem Satz begegnet bin, sehe ich einiges gelassener als zuvor. Ohne dass dies etwas mit Resignation zu tun hätte, erspare ich mir nun doch einige vergebliche Liebesmühe, wie sie so manche zweifellos gut meinende Zeitgenossin aufwendet, um diejenigen wachzurütteln, die “Lieber dazugehören, als aufgeklärt sein” wollen, so auch der Titel eines Essays von Anette Sorg auf Nachdenkseiten, in welchem dafür plädiert wird, „in die Mokassins“ derjenigen zu schlüpfen, die „lieber nicht aufgeklärt werden möchten, weil sie sich dann neu sortieren müssten“.

Stoßen wir diejenigen, die dem herrschenden Wind folgen und geduckt im Herdentrieb verharren wollen, also nicht unnötig mit „alternativen Fakten“ vor den Kopf. Es ist ja weitgehend überflüssig geworden, dass man noch erschütternde Fakten und Links aus dem Fressnapf des globalen Newsfeeds zusammenträgt, um diejenigen Mitbürger aufzurütteln, die scheinbar zu oft den Reden einer Kanzlerin gelauscht haben, die mit jedem ihrer Worte nur „Betäubungszonen ausbreitet“ (©Roger Willemsen) und sich nun in einer Art Wachkomazustand befinden.

Um zu realisieren, wo es überall brennt bzw. wo wir systematisch verraten, verkauft und vergiftet werden, braucht man nicht einmal mehr auf Whistleblower oder alternative Medien zurückzugreifen.  Man weiß ja schon gar nicht mehr, wo man auf der brennenden Titanic, auf der manche Bundestagsabgeordnete immer noch Gut und Gerne leben, noch die Feuerstellen löschen soll. Durch den täglich über uns hereinprasselnden Napalm-Regen an Infotainment und brachialer Unterhaltung sind viele jedoch derart abgebrüht geworden, dass es sie nicht mehr vom Hocker reißt, wenn sogar Siemens-Chef Joe Kaeser ganz offen über die demnächst „über uns hereinbrechende Hölle“ spricht, in der neun von zehn Menschen untergehen werden.

Wenn selbst die Warnungen solcher Hohepriester unserer technikgläubigen Zeit nicht gehört werden, dann braucht man sich auch nicht zu wundern, dass die Warnungen anderer besorgter Köpfe weitgehend ungehört verklingen, wie z.B. dass das Bulletin of  the Atomic Scientists die „Doomsday Clock“ mittlerweile auf zwei Minuten vor Mitternacht vorstellen musste oder der offene Brief führender CIA/NSA-Überwachungsarchitekten, dass „wir gerade schlüsselfertige Tyranneien errichten“ (mit der Infrastruktur 5G als Thron und Gott KI als Regent).

Obwohl ihm und seinen Kindern gerade das Fell über die Ohren gezogen wird, wird der tagesschauguckende Spiegelbildbürger heute von einer fast unentrinnbaren Medien- und Meinungs-Maschinerie in der Illusion gewogen, dass er sich eben auf einem ganzjährigen Oktoberfest befindet. Die rasanten Loopings und Talfahren, bei denen es ihn fast (und manche tatsächlich) aus der Kurve schmeißt und er zuvor aufgesogenes Bier und Weißwürste wieder erbrechen muss, er danach einen gewaltigen Drehschwindel hat und nicht mehr weiß wo oben und unten, vorne und hinten, geschweige denn wo links und rechts ist … nu, mein lieber Gutbürger: das ist eben nur die Hochschau- und Geisterbahn am Dauer-Rummelplatz, auf dem Du voll Spaß haben darfst und Gut und Gerne lebst!

Viele haben die Lüge inzwischen lieb gewonnen. Sie gehört zum Lifestyle dazu wie der SUV vorm Garten, in dem der Mähroboter jedes aufkeimende Pflänzchen des Gewissens umgehend verhäckselt und in den Fangkorb wirft. Und die vom Rummelplatz schwindeligen Gutbürger, die keine Katze besitzen, kuscheln auf ihrer Couch abends eben mit dieser Lüge, kraueln sie, füttern sie, lassen sich necken und beißen … obwohl der im Katzenklo befindliche Katzenstreu vom Durchfall dieser transatlantisch-neoliberal-marktkonform- nihilistisch-digitalen Tamagochi-Katze bereits voll gesättigt ist und zum Himmel stinkt.


Nachsatz:

Angesichts des überbordenden Wahnsinns und der „Ultradekadenz“, die heute auf allen Ebenen unübersehbar sind, könnte man natürlich leicht in Resignation verfallen und meinen, dass ohnehin schon Hopfen und Malz verloren seien. Das ist jedoch ebenfalls eine Lüge und gehört mithin zur Schockstrategie (Naomi Klein), mit welcher der Mensch dem Diktat des totalen Marktes unterworfen werden soll. In Wahrheit haben wir es heute mit einer ausgesprochen paradoxen Zeit zu tun: Während es in der bisherigen Kulturgeschichte Phasen der Hochblüte und Phasen der Dekadenz gab, welche der damals noch nicht individualisierte Mensch mit dem Kollektiv zwangsläufig mitmachen musste, so leben wir heute in eine Zeit, in der jeder von uns so weit individualisiert ist (oder zumindest das Potential dazu hat), dass er aus eigenem Willen frei wählen kann: Ob er den totalen Niedergang mitmacht. Oder ob er sich ungeachtet des ihn umgebenden Infernos aufschwingt.

Heute leben wir in einer Zeit, in der zwei verschiedene Entwicklungen gleichzeitig zur Kulmination kommen und man muss aufpassen, dass man die zweitere dieser Entwicklungen bzw. Möglichkeiten nicht verpasst, da die erstere dieser Entwicklungen so viel Rauch, Lärm und Gestank macht, dass man die zweite glatt übersehen könnte. Beide Entwicklungen existieren heute parallel zueinander: Auf der einen Seite erreicht die Gesellschaft einen Zustand von fast unfassbarer Dekadenz und Verdummung (es würde jetzt zu weit führen, auszuführen, warum gerade diejenigen, deren Intellekt im Hitech-Brutkasten unseres Bildungssystems besonders zugespitzt wurde, besonders anfällig sind, in den Sog dieser Dekadenz zu geraten und möchte dazu vorerst nur auf Dostojewskijs Traum von der szientistischen Pest verweisen).

Auf der anderen Seite – von unseren Medien weitgehend unbeachtet und daher nicht am Schirm der allgemeinen Wahrnehmung – gibt es aber auch eine gar nicht so geringe Zahl an Personen, die erstaunlichste menschliche Qualitäten entwickelt haben, die sich in einem jeweils gewählten Gebiet unglaubliches Verständnis erarbeitet haben und tiefgründige Individuen geworden sind. Sie können diese Qualitäten bei allem, was sie diesbezüglich tun, gestalten oder sagen, auch authentisch ausdrücken. Mit dem Potential, das sie entwickelt haben – wir könnten selbst die angeblich alternativlosesten ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Probleme in erstaunlich kurzer Zeit zum Besseren wenden und wieder Freude auf Zukunft haben. Die etablierten Machtstrukturen samt ihrer alternativlosen „Wissenschafts“-Büttel – müssten dann allerdings abdanken. Und das wollen die natürlich nicht, zu sehr mundet ihnen das große Fressen beim „Gastmahl der Geistlosen“ (Milosz Matuschek), das gerade stattfindet und bei dem sich diejenigen, deren Gaumen vor lauter Überdruss kaum noch etwas mundet, dann eben menschliche Köpfe auf ihre Teller servieren lassen (siehe Moca Gala).

Lassen wir die neoliberalen Kannibalen aber wieder beiseite, wir wollten ja über die Hidden Champions sprechen, um mir auch mal so ein bescheuertes Bullshit-Bingo-Wort aus der Marketingkiste zu klauen, aber es gibt für die Individualisten, die ich meine, eben noch keine passende Bezeichnung. Ihr Handicap ist das bereits erwähnte: Die Medien unseres neoliberalen, dem reinen Nihilismus verpflichteten Systems (nur der Nihilismus gewährt die vollendete Ausschlachtung der noch verbliebenen Umwelt- und Humanressourcen und es werden daher heute nicht nur über unser Bildungs- und „Wissenschafts“- System gewaltige Anstrengungen unternommen, um dem Menschen jedwede Fähigkeit, sich seinen Geist zunutze zu machen und Umstände zu gestalten anstatt nur zu konsumieren und zu erdulden, endgültig auszutilgen und vergessen zu machen), haben Null Interesse, über das, was solche Menschen zu sagen haben, zu berichten. Die Systemmedien sehen es sogar als ihre Aufgabe an, solche Menschen, falls sie doch irgendwo Relevanz zu gewinnen drohen, umgehend ins Visier zu nehmen, zu diffamieren und sogar zu kriminalisieren (siehe Ulrich Mies: „Die Spindocs der Gegenaufklärung“).

Man darf sich davon aber nicht bekümmern lassen. In Wirklichkeit sind die „Qualitätsjournalisten“ von Südtäuscher Zeitung & Co., die sich für diese Drecksarbeit hergeben, nur wie Bläser mit einem großen blechernen Tubahorn, das bis zum oberen Rand mit Gülle angefüllt ist, sodass jedes Hineinblasen in dieses Instrument nur noch ein bisschen dumpfes Geblubbere und üble Gärgase hervorbringt.

(Foto: pixabay/CC0)

Doch lassen wir diese traurige Zunft der südtäuschen Schreiberlinge wieder beiseite, man könnte sich dazu endlos empören und haben dieses Thema ja schon oft genug gestreift. Wir wollten von denjenigen Menschen sprechen, die ihr wirkliches Potential entwickelt haben bzw. von derjenigen Möglichkeit, welche uns heute nebst allen Niedergangserscheinungen ebenfalls offensteht: Dass es möglich ist, nicht auf Besserung von außen/einer Partei etc. zu warten, sondern  selbst Kultur zu schaffen, selbstbestimmt seine Interessen zu wählen und an zumindest einem individuell gewählten Thema bzw. Ziel dranzubleiben und sich trotz aller Mühsal und Rückschlägen immer tiefer in dieses Thema zu vertiefen. Das individuell gewählte Thema kann so vielfältig sein wie auch die Menschen vielfältig sind und ein jeder von uns ganz spezielle Anlagen hat. Es kann eine Kunst sein, Bildhauerei, Malerei, ein Instrument, Bewegungskunst, Literatur, Philosophie, Soziales, Menschenrechte, Natur, Tierschutz,  Kommunikation … sogar die Gebiete von Wirtschaft, Technik, Rechtswissenschaft oder Politik kann man so durchdringen, dass man sie auf humane Weise fruchtbar macht. Man braucht nur den Flachbildschirm ausmachen und man wird sehen, welche großartigen Möglichkeiten man heute hat, um etwas wirklich Sinnvolles und individuell Einzigartiges zu entwickeln, anstatt sich seine wertvollste Ressource: seine Lebenszeit absaugen zu lassen.

Der Abgrund der Ultradekadenz und der Berggipfel der individuellen Entwicklung: Beide Richtungen stehen uns heute offen. Es darf uns dabei nicht bekümmern, dass es heute nicht wie in bisherigen Hochkulturen ist, wo 95% der hiesigen Menschen an der jeweiligen kulturellen Höherentwicklung teilgenommen haben und nur 5% Barbaren waren bzw. versumpft sind. Möglicherweise ist das Verhältnis heute sogar umgekehrt: Vielleicht werden wir nur 5% zivilisierte Menschen und 95% Barbaren haben. Das wäre zwar tieftragisch, zumal es nicht einmal ein einziger Mensch sein müsste, der absauft, aber das ist eben neben seiner Tragik auch das Grandiose am freien Willen des Menschen: Jeder kann selbst wählen, was er werden möchte und wogegen er sich verweigert. „In times of information, ignorance is a choice“ – auch wer diese Wahl trifft, man muss sie respektieren.   

Der Abgrund der Ultradekadenz und der Berggipfel der individuellen Entwicklung. Im Fernsehen und den sonstigen Medien werden uns 24h-nonstop fast ausschließlich jene Akteure gezeigt, die ersteren Weg beschreiten bzw. der Ultradekadenz huldigen. Über diejenigen, die weitab des Rampenlichts und oft bei kargem Brot ihre Lebenszeit dazu nützen, um erstaunliche wirkliche Qualitäten zu entwickeln, erfährt man in den Medien kaum etwas. Obwohl es gar nicht wenige solche Menschen gibt. Viele haben, wenn schon nicht den Berggipfel, so doch beachtliche Höhen erreicht, auf denen sie trotz aller Mühsal des Aufstiegs den Vorzug sonnendurchfluteter, sauberer Luft und klaren Gebirgswassers genießen können, während sich die Follower der Ultradekadenz unterhalb eines Smogdeckels tummeln und in einem grützegrünen Kaulquappenteich versuchen, einen nächsten „Kick“ zu erheischen, um sich zu beweisen, dass sie vielleicht doch nicht ganz so tot sind wie sie sich fühlen, wenn einmal irgendwo in einer ruhigen Minute die Subwoofer verklingen.

Von denjenigen, die auf die Poolparty verzichten und sich stattdessen zu einer mühsamen Bergtour aufmachen, wird man zunächst nicht viel hören oder sehen. Denn wie schon Dostojewskij an oben erwähnter Stelle sagte: „Retten konnten sich in der ganzen Welt nur einige Menschen … aber niemand hatte diese Menschen irgendwo gesehen, niemand hatte ihr Wort und ihre Stimme gehört.“

 

Grenzenloses Lachen … (Farin Urlaub zurück im Hamsterrad)

165 Kroko1 pixabay

So, back to reality. Gerade wieder zurück aus einem kleinen Fleckchen Urlaubsparadies in der Adria, wo man meinen könnte, dass jedermannfrau/diverser ja eh gut und gerne leben. Nicht nur aus den dicken Yachten, auch aus kleinen verrosteten Campingbussen und aus den zahllosen Bars, Cafes und Pissbuden, die sich mittlerweile bis in die letzten Winkel von Nationalparks und Vogelschutzgebieten vorgefressen haben: von überall her schallt Lachen, Lachen, Lachen … müssen sich die Menschen den Bauch halten vor lauter Vergnügen.

Lachen, das ebenso wie Ebbe und Flut im täglichen Rhythmus anschwillt und wieder verebbt: Nach einer Kulmination des Lachens in rausch-, rauch- und feuerwerkserfüllter Nacht … schließlich nach Überwindung des morgendlichen Katzenjammers durch mehrere Cafè Lattes und Red Bulls holprig beginnt, gegen Mittag hin wieder an Fahrt aufnimmt, gepusht von Hard Style Technobeats oder nicht enden wollenden Rick Astley Covers dann am Nachmittag sukzessive beschleunigt, man am Strand mit Budget-Bier vom Supermarkt vordieselt, Abends schließlich mit hochprozentigem Treibstoff den Afterburner zündet, um mit Mach 3 die Schallmauer des Hamsterraddaseins zu durchbrechen und befreit von jeglicher Schwerkraft bei Mondenlicht bzw. unterm LED-Stroboskop schließlich vollkommen abzuhängen und in die Gefilde von Major Tom vorzustoßen, wo Lucy in the sky with diamonds and dildos jongliert.

Was nimmt man in der Maloche für den Rest des Jahres nicht alles in Kauf, wenn man dann zumindest zwei Wochen lang an der Strandmeile einen auf Farin Urlaub machen kann? Wo man zeigen darf, was für eine dicke Badehose man anhat, bevor dann nach mehrstündigem Stau auf der Heimreise  Montag morgens wieder gnadenlos der Wecker läutet und das marktkonforme Murmeltier grüßt.

Was gibt es also groß zu klagen? Das Maul des Krokodils, in dem wir sitzen, ist ja noch offen und spendet in der brütenden Hitze angenehmen Schatten … und das Kroko gibt sogar noch ein paar Lokalrunden aus und lädt umherstreunende Passanten ein, sich zur großen Party hinzuzugesellen …


Fotos: pixabay CC0 (1 / 2)

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