Leben

Diese Kategorie enthält 181 Artikel

“Wir sind Geschöpfe des Waldes” – Wolf-Dieter Storl

Wolf-Dieter Storl ist ein Pionier der Permakultur, Ethnobotaniker, Kulturanthropologe und ein Gegner der allseits verbreiteten Meinung, CO2 allein sei Schuld am Klimawandel. Für ihn ist CO2 die Grundlage des Lebens.

Als Kenner und Freund aller Pflanzen leugnet er damit keineswegs den Klimawandel, sondern fordert ein vielseitigeres Denken und einen bewussteren Umgang mit unserer Umwelt. Die Bewegung „Fridays for Future“ sieht er mehr als kritisch und plädiert dafür, alles Natürliche nicht als Gegenstände, sondern als Lebewesen anzusehen.

Pflanzen brauchen CO2. Wir Menschen brauchen einen klaren Verstand.

Rainer Mausfeld: Angst und Macht in kapitalistischen Demokratien

weltnetz.tv im Gespräch mit Rainer Mausfeld über sein neues Buch „Angst und Macht. Herrschaftstechniken der Angsterzeugung in kapitalistischen Demokratien“

„Macht hat für den, der sie hat, viele Vorteile und für diejenigen, die ihr unterworfen sind, viele Nachteile, denn Macht erzeugt bei den ihr Unterworfenen Angst. Angsterzeugung wiederum ist ein Herrschaftsinstrument, und Techniken zum Erzeugen von gesellschaftlicher Angst gehören zum Handwerkzeug der Macht.“*
Pascal Luig sprach für weltnetz.tv mit Rainer Mausfeld über sein neues Buch „Angst und Macht. Herrschaftstechniken der Angsterzeugung in kapitalistischen Demokratien“. Unter anderem wurden folgende Fragen diskutiert: Wie wird Angst in kapitalistischen Demokratien erzeugt? Wie werden wir dadurch manipuliert? Wie können wir uns davon befreien und welche Alternativen gibt es?

Antikriegswaffe Bewusstsein – Andreas Winter

Wie können wir Krieg am besten verhindern? Auf diese Frage hat Andreas Winter nurt eine Antwort: „Nicht mit Krieg“. Die beste Antikriegswaffe sei unser aller Bewusstsein. Denn nur durch eine neue Einstellung zur Realität und ein Bewusstwerden der eigenen Erwartungshaltungen, können wir unser Stresslevel so weit absenken, dass kriegerische Auseinandersetzungen weniger notwendig erscheinen.

Im Land der Lügen

Wie uns Politik und Wirtschaft mit Zahlen manipulieren

Zahlen lügen nicht! Diese angebliche Wahrheit machen sich viele zunutze – vor allem Politik und Wirtschaft, lassen sich doch hinter scheinbar objektiven Zahlen die wahren Interessen und Ziele „wissenschaftlich“ verbergen.
Zahlen, Daten, Diagramme nach Interessenlage? Wie kommen Versicherer z.B. auf Lebenserwartungen von 115 Jahren bei ihren Prämienberechnungen?

Diese Dokumentation begibt sich auf eine objektive Suche nach der Wahrheit im „Land der Lügen“. Zeigt, mit welchen Tricks getäuscht und manipuliert wird. Und worauf wir in Zukunft achten sollten, wenn wir nicht im Zahlenmeer ertrinken wollen. Denn ohne Glaubwürdigkeit haben die besten Zahlen und die schönsten Statistiken jeden Wert verloren.

Bomben im Meer: Steigende Gefahr

Etwa 1,6 Millionen Tonnen Munition und chemische Waffen schlummern seit mehr als 70 Jahren auf dem Meeresgrund vor den deutschen Küsten in Nord- und Ostsee. Ein riesiges Arsenal versenkter Weltkriegsmunition, Bomben, Granaten, Minen oder Torpedos. Touristen, Muschelsucher, Strandgäste ahnen die Gefahr nicht.

Wir sind die Schöpfer

Nachdenkenswert…

Endzeit-Poesie 4.0: Juri Galanskows Hölle 4.0  

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Juri Galanskow (pw/nachrichtenspiegel.de)

„In eurer Hölle kann ich nicht atmen“

Heute jährt sich der Todestag von Juri Galanskow. Nicht länger als 33 Jahre durfte er sich seines Lebens erfreuen, bevor er in einem Umerziehungslager starb. „Phönix“ hieß die Zeitschrift, in der er seine Gedichte veröffentlichte, die ihm schließlich Haft und Tod einbrachten. Phönix, so wie der gleichnamige  Vogel, der sich aus der Asche erhebt. Juri Galanskows Poesie ist heute so aktuell wie noch nie. In ihr zeigt sich in prototypischer Weise der individuelle Mensch, der sich einem zunehmend zerstörerischen, nicht nur menschenunwürdigen, sondern regelrecht menschenvernichtenden System gegenüber sieht – der aber nicht dem Instinkt der Masse folgt und billigerweise mitmacht, sondern der ein Ideal hat und lieber den physischen Tod wählt als sich mit dem geistigen Tod und der Erstickung des Individuums abzufinden.

Ich habe sein „Manifest des Menschen“ bereits einmal gepostet, doch in den Sanddünen des weltweiten Netzes gerät eben vieles schnell wieder in Vergessenheit. Obwohl dieses Gedicht alle heranwehenden Sandmassen nicht fürchten muss. Denn der individuelle Geist, der in diesem Gedicht lebt, besitzt eine derartige Vertikalität, dass er inmitten aller Sandmassen gleich einem Obelisken immer nach oben ragen und die Sonne reflektieren wird (was wir an den ägyptischen Obelisken heute nicht sehen: Ihre Spitzen waren früher vergoldet und haben unter Sonnenlicht weithin ins Land gestraht).

(Foto: pw/nachrichtenspiegel.de)

Juri Galanskow hat das erlebt, was sich heute unter anderen Vorzeichen wiederholt, sogar mit weitaus zerstörerischer Potenz. Eine mittlerweile perfektionierte PR- und Entertainment-Maschinerie arbeitet zwar mit voller Kraft daran, um uns über diese Zerstörung hinwegzutäuschen und uns das schmackhaft zu machen, was Vaclav Havel als „Lebenslüge“ bezeichnet hat und was in marktkonformen Landstrichen gemeinhin als „Gutes und Gernes Leben“ figuriert. Doch würde man das Ausmaß der täglich stattfindenden Zerstörung menschlicher und zivilisatorischer Substanz prozentuell beziffern – uns packte umgehend der Schwindel. Wer sich vom bunten und glitzernden smart dust-Anstrich nicht täuschen lässt, der sieht heute auch auf allen anderen Ebenen frappante Ähnlichkeiten zu den dunkelsten Epochen der Menschheitsgeschichte, die schließlich in einer großskaligen Verelendung und Vernichtung geendet haben. Wieder soll es also eine Masse an Human- und Umweltressourcen geben, die von einem obersten Sowjet, einem zentralistischen Organ, das alles überwacht, „zum Wohle aller“ orchestriert, umerzogen und ausgeschlachtet werden soll. Den obersten Sowjet, der wieder einmal die grandiose Kulturrevolution und den streng wissenschaftlichen Fortschritt bringen soll, nennt man diesmal „Global Governance“, sie soll sitzen auf dem 5G-gestützten Thron der „Künstlichen Intelligenz“ (siehe „Auf die Knie vor Gott KI“). Dass wir mit dieser Art von Intelligenz „gerade schlüsselfertige Tyranneien errichten“, so wie führende Konstrukteure des CIA/NSA-Überwachungssystems in einem offenen Brief warnen, realisieren immer noch die wenigsten – obwohl die große Faschiermaschine inmitten allen schrillfeuchten Oktoberfestgetümmels schon angelaufen ist und man bereits seine eigenen Nachbarn beim Verschlungenwerden beobachten kann. Dass die Doomsday Clock der Atomic Scientists auf zwei Minuten vor Mitternacht steht und Noam Chomsky in einem jüngsten Interview erwartet, dass die Apokalypse-Uhr angesichts der geopolitischen Lage Anfang nächsten Jahres noch weiter vorgestellt wird, quittiert der tagessschauguckende Spiegelbildbürger mit einem Schulterzucken und macht einen auf Farin Urlaub.

Wenn Juri Galanskow diese gespenstische Szenerie heute aus dem Jenseits beobachtet, dann packt ihn womöglich noch viel mehr das Grauen als zu seiner Zeit, die zwar ebenfalls grausam, aber noch vergleichsweise sozialromantisch war. Verzweifelt schreit er uns die Worte aus seinem Phönix wiederum entgegen: „Glaubt nicht den Zeitungen … Sieh nur, wie man die schwarze Lüge auf das weiße Linnen speit … Steht auf! Seht ihr nicht die große Bombe und den Blick des Todes aus den offenen Gräbern … ?“

Er, der sein Leben gegeben hat, um eine Lanze für das Menschsein zu brechen und uns den Weg in eine menschenwürdige Zukunft zu bahnen, muss nun den Kopf schütteln, wenn er sich als Geist über die öffentlichen Plätze bewegt, die erneut zur „marktkonformen“ Zone erklärt wurden und von denen sich neoliberaler Verwesungsgeruch erhebt. Plätze, auf denen unter „Mentalvergiftung“ (Mausfeld) leidende Menschen vor sich hintaumeln, die ihm bei lebendigem Leib wesentlich toter erscheinen als er selbst als Verstorbener es ist. Die Menschen können seine verzweifelten Worte nicht vernehmen, denn ihre Ohren sind mit Apples AirPods bestöpselt. Würden wir abends in einer ruhigen Minute innehalten und lauschen, dann könnten wir seine Worte hören:

„Ich gehe hinaus auf den Platz – und presse ins Ohr der Stadt – den Schrei der Verzweiflung. – Menschen! Tröstet mich nicht! – In eurer Hölle kann ich nicht atmen!“

Gleichzeitig appelliert Galanskow mit seinem Gedicht an die grandiose Fähigkeit des menschlichen Geistes, sich auch inmitten abgründiger gesellschaftlicher Umstände seine Würde zu bewahren, einem individuell gewählten Ideal treu zu bleiben und zu seiner Menschlichkeit zu finden – nicht auch, sondern GERADE im Angesichts des Destruktiven. Insofern wäre es ein kapitaler Fehler, vor dem Negativen lieber die Augen zu verschließen, so wie das von Wellness-Coaches heute vielfach empfohlen wird. Man braucht sogar das Negativbild, das heute ja in jeder Weise kulminiert und anschaulich wird. Denn gerade am Negativen kann man ein Ideal entzünden für ein regelrechtes Gegenbild. Und der Sinn des heutigen Wahnsinns ist nicht, dass wir daran verzweifeln, sondern dass wir gerade daran das wirklich Menschliche entwickeln. Man kann den zur Vermassung tendierenden Wahnsinn also geradewegs als Schwungrad nützen, um uns entgegen allen Erscheinungen von Dekadenz, Ausbeutung, Verrohung, Opportunismus, Unverantwortlichkeit und Nihilismus zum Ideal des individuell gegründeten, selbständig denkenden, empathisch fühlenden und verantwortlich handelnden Menschen zu entwickeln.

In Wirklichkeit braucht es sogar die Konfrontation mit Pogo dem Clown bzw. dem nackten Wahnsinn, der einen mit blutverschmiertem Mund hämisch angrinst, um zu diesem entscheidenden Momentum des Menschseins aufzuwachen. Denn nur wenn wir den drohenden Abgrund in seinem ganzen Schrecken vor uns sehen, sind wir genötigt, dem, was Vaclav Havel das „Leben in der Lebenslüge“ genannt hat bzw. was Angela Merkel das „Gute und Gerne Leben“ nennt, eine Absage zu erteilen und aus dem Marsch der Lemminge in den Grand Canyon eine Kehrtwende zu vollziehen. Man darf sich nichts vormachen, die Bergtour, die wir vor uns haben, wird kein Zuckerschlecken sein. Doch diejenigen, die sich die Mühe machen, den Berg zu erklimmen, haben die Aussicht, wieder klare und sonnendurchflutete Luft zu atmen und kristallklares Gebirgswasser zu trinken … während sich die Zuckerwatte, die in der marktkonformen Schaumparty der Niederungen gesponnen und an die Massen verfüttert wird, als Rattenfutter herausstellen wird, das selbst den robustesten und derzeit noch bestgelaunten Naturen zum Verhängnis werden wird.

Welchen Weg der Einzelne wählt – den mühsamen Weg aufwärts oder den zweifellos bequemeren und anfangs auch durchaus unterhaltsamen Weg der Rutsche ins Bento-Planschbecken, ist natürlich jedem freigestellt. Wieder einmal gilt: In der Wahl ist der Mensch vollkommen frei. Im Tragen der Konsequenzen dieser Wahl dann aber ganz und gar nicht mehr.

Juri Galanskow hat seine Entscheidung getroffen. Er hat dabei sein Leben eingebüßt. Aber das Wertvollste bewahrt, was ein Mensch besitzt: Seine Würde.

 

MANIFEST DES MENSCHEN

(von J. Galanskow)

1
Wieder und wieder
packt mich in nächtlicher Stille ein Weinen.
Denn nicht einmal den Saum der Seele
kann man verschenken.
Niemand braucht
einen Tag lang
nach einem Irren zu suchen.
Aber die Leute gehn nach der Arbeit
dorthin, wo Geld rollt und Huren sind.
Sollen sie´s tun.
Ich aber werde durch die Lawine der Leute
hindurchgehn,
anders als sie, und allein –
wie der Splitter eines Rubins,
der im Eise glüht.
Himmel!
Lasse mich leuchten.
Lasse mich nachts
auf das schwarze Samtkleid
ausschütten die Diamanten der Seele.

2
Glaubt nicht den Führern und Ministern,
Glaubt nicht den Zeitungen!
Erhebt euch, die ihr mit eurem Antlitz die Erde deckt!
Seht ihr die große Bombe
und den Blick des Todes aus den offenen Gräbern?
Steht auf!
Steht auf!
Steht auf!
O Purpurblut des Aufstands!
Steht auf und reißt die morschen Zuchthausmauern
dieses Staates ein!

3
Wo sind sie –
die den Kanonen an die Gurgel fahren,
die mit dem heiligen Messer der Rebellion
die Geschwüre des Krieges herausreißen ?
Wo sind sie?
Wo sind sie?
Wo sind sie?
Oder gibt es sie nicht mehr? –
Dort an den Werkbänken stehen ihre Schatten
angekettet mit einer Handvoll klingender Münzen.

4
Der Mensch ist verlorengegangen.
Unwichtig wie eine Fliege
rührt er sich kaum in den Zeilen der Bücher.
Ich gehe hinaus auf den Platz
und presse ins Ohr der Stadt
den Schrei der Verzweiflung.
Menschen! Tröstet mich nicht!
In eurer Hölle kann ich nicht atmen!

5
O Himmel!
Ein strafendes Messer will ich besitzen!
Sieh nur, wie man die schwarze Lüge
auf das weiße Linnen speit.
Sieh nur,
wie abends die Dunkelheit
am blutbesprengten Banner nagt …
Furchtbares Leben –
wie ein Gefängnis, auf Knochen getürmt.
Ich falle!
Ich falle! …
und fühle wie in meinem Innern tief
der Mensch erblüht.

6
Wir haben uns daran gewöhnt,
in freien Stunden
auf den Straßen Gesichter zu sehen,
die vom Leben besudelt sind –
Gesichter wie eure.
Aber plötzlich –
wie das Grollen eines Gewitters
und wie das Antlitz Christi am Tag der Wiederkunft
aufersteht
die getretene und gekreuzigte
Schönheit des Menschen.
Ich bin es – ich,
der zur Wahrheit ruft und zum Aufstand,
der nicht mehr Diener sein will,
und eure schwarzen
aus Lügen geflochtenen Fesseln zerbricht.
Ich bin es – ich,
der vom Gesetz in Fesseln Geschlagene,
der das Manifest des Menschen verkündet!
Mag mir der Rabe
in den Marmor des Leibes eingraben
das Kreuz.


 

Allgemeines zur Kolumne „Endzeitpoesie 4.0 – Brennholz gegen Robotisierung und drohenden Erfrierungstod“:

Da in unserer aus den Fugen geratenden Welt vieles nicht mehr rational verstehbar und auch kaum noch ertragbar ist, brauchen wir dringend ein Gegengewicht aus dem Reich der Poesie … mit diesem geistigen Gegengift in den Adern wird vieles Unverständliche plötzlich wieder verständlich und Unerträgliches wieder ertragbar – oder noch besser: gestaltbar!

Denn die größte Lüge, die uns heute beigebracht wird, ist: dass der Einzelne ohnehin nichts tun kann. – Das genaue Gegenteil davon ist wahr: Es kommt auf jeden einzelnen an und das mehr als jemals zuvor. Und wie uns schon Dostojewskij erklärt hat, ist im Leben auch niemals etwas umsonst, selbst wenn eine Bemühung keinen sichtbaren Erfolg zeigt: „Alles ist wie ein Ozean, alles fließt und berührt sich; rührst du an ein Ende der Welt, so zuckt es am anderen.“

Gerade unsere geistlose Zeit braucht philosophische Gedanken wie eine Wüste das Wasser. Dieses Wasser – die Gedanken der großen Geister der Menschheit – gibt es schon lange. Aber die scheinbar alten – in Wirklichkeit ewig jungen – Gedanken bleiben nicht dieselben: Jeder, der sie aufgreift und verinnerlicht, färbt sie mit seiner individuellen Persönlichkeitsnote ein und bringt dadurch wieder ganz neue Farben in die Welt, die bisher noch nicht existiert haben. Und solche Farben braucht unsere grau gewordene Welt (siehe 1000 Gestalten.de) heute dringend – sie saugt sie auf wie ein trockener Schwamm das Wasser … damit wieder Neues, Kreatives, Menschliches entstehen kann.

In diesem Sinne wollen wir der pseudopragmatischen Alternativlosigkeit (siehe „Der Führer 4.0 – Er ist schon längst da“) die Gefolgschaft in den Grand Canyon verweigern und es lieber mit Ilija Trojanow halten: „Die Welt ist groß und Rettung lauert überall“. – Dann kann die scheinbare Endzeit zu einem neuen Anfang werden.

Prof. Mausfeld, Kreuzkirche Dresden „Warum schweigen die Lämmer?“ 30 Jahre Mauerfall

Im Rahmen der Reihe “Kultur für den Palais Sommer” wurde die Serie der Palais.Gespräche fortgeführt und nahm sich am 9. Oktober 2019 in der Dresdner Kreuzkirche eines der brisantesten Themen unserer Gesellschaft in dieser Zeit vor. Zu Gast war der emeritierte und zuletzt an der Universität Kiel tätige Psychologie-Professor Dr. Rainer Mausfeld. In seinem Vortrag, der auf seinem jüngst erschienenen Buch „Warum schweigen die Lämmer“? basiert, behandelt Mausfeld die gegenwärtige soziale Spaltung der Gesellschaft und die Wahrnehmung weiterer „Krisen“ des politischen Systems.

Der langsame Abschied des Parkwächters …

172 park pixabay

„Wir haben Orwell bereits hinter uns und sind nun in Van Vogts ‚Space Wildlife‘ angekommen, wo niemand mehr etwas versteht.“ – Mittlerweile realisiere ich, dass Gerard Depardieu diesen Ausspruch keineswegs nur sarkastisch, sondern durchwegs buchstäblich gemeint hat.

Womit soll ich anfangen, ich weiß es nicht. Vielleicht fange ich überhaupt nirgends an, da man sich damit ja ohnehin nur in fruchtlosen Animositäten verheddert und der lachende Dritte – ich komme gleich noch kurz auf ihn zurück – sich den Bauch vor lauter Kringeln nicht mehr halten kann.

Lohnt es noch, Gedanken zu formulieren, da ohnehin jeder selbst am besten Bescheid weiß? Und wo es auch auf dem Feld der alternativen Journalisten nun soweit gekommen ist wie in Politik und Kunst, wo es darum geht, eine exklusive Marke aufzubauen und sich mit seinem eigenen, natürlich einzig brauchbaren Standpunkt von allen anderen Marktteilnehmern abzugrenzen? Wo dann richtige und wichtige Ideen sofort abgeschmettert werden, einfach weil sie nicht von der eigenen Partei, sondern von einer gegenüber sitzenden Fraktion kommen, deren vegan-versiffter Menüplan einem sowieso noch nie geschmeckt hat? Wo überhaupt Meinungen, die aus einem anderen Kopf kommen als dem eigenen, hochwohlgeborenen, nicht mehr vertragen werden und man sofort mit heftigster Allergiebereitschaft reagiert, wenn jemand eine andere Perspektive eröffnet als jene, in der man es sich selbst gut eingerichtet hat? Was, Ganser/Jebsen/Janich/Wisnewski weist auf dieses oder jenes hin? Na, dann muss ich dazu sofort eine gegenteilige Haltung einnehmen und das als Spinnerei brandmarken. Denn ohne exklusives Alleinstellungsmerkmal, das nur ich allein als Super-Tillo vertrete, spüre ich ja augenblicklich den Boden unter mir schwinden. Und jeder, der „Highlander“ gesehen hat, weiß ja: Es kann nur einen geben, der den Kopf behält. Die Rübe von allen Spinnern, also allen Andersdenkenden, darf ruhig ab.

Schlagworte, um über die Perspektive des Anderen nicht mehr nachdenken zu müssen, sondern sie umgehend vom Tisch wischen zu können, wurden uns ja ausreichend zur Hand gegeben: „Verschwörungstheoretiker“, „Querfront“, „Nazi“, „Aluhut“, „Rechtsesoteriker“, „Guru“ etc. – Und das Grandiose: Sogar unsere alternativen Qualitätsjournalisten beginnen nun, begierig auf dieses Diffamierungskeulen-Buffet zuzugreifen und auf Kollegen, Leser und überhaupt auf alle, die anders denken als sie selbst, einzudreschen. Es geht ja jetzt schließlich um alles, um unsere Weiterexistenz, unser Gutes und Gernes Leben und den Fortschritt. Diesmal. Oder wieder einmal. Egal.

Sogar von alternativen Journalisten, die bislang in sehr verdienstvoller Weise für Meinungsfreiheit gekämpft haben, wird nun zum „Kampf gegen Rechts“ (laut Prof. Mausfeld ein „Fake-Kampf“, der von den eigentlichen Problemen ablenken soll), gegen „Verschwörungstheoretiker“ und gegen sonstige krude, „unwissenschaftliche“ Köpfe geblasen, die sich dem Fortschritt und der rationalen Vernunft in den Weg stellen. Der passende Slogan, dem kaum jemand, der vom heutigen Schul-/AUS-Bildungs-/Mediensystem erzogen wurde, widerstehen wird können und unter welchem der Zug der Lemminge vom streng wissenschaftlichen Flötenspieler in den Grand Canyon geführt werden wird, steht bereits: „UNITE BEHIND THE SCIENCE!“  Alle unsere hippen Influencer, Super-Youtuber und Porno-Youtuberinnen schwören uns und ihre Millionenschaften an Followern gerade darauf ein: Dass wir uns jetzt auch „auf die Seite der Experten stellen“ müssen. Selbst superkluge Durchblicker wie Prof. Mausfeld, auf die wir so große Hoffnungen für eine Aufklärung gesetzt haben, sind nun mit ihrem Latein am Ende und halten es für „kognitionswissenschaftlich nicht leicht erklärbar“, warum es immer noch Menschen gibt, die sich dem „wissenschaftlichen Konsens“ verwehren und stattdessen auf „subjektive Intuitionen“ hören. Wenn am Schlachtfeld des Manufacturing Consent nun also selbst der große Mausfeld passen muss, was soll man da als kleiner Mäusefriedhofsbürger noch ausrichten? Doch keine Sorge, wenn der Schrei nach Ausmerzung der Unvernunft nun auch von Seiten der alternativen Intelligenzia erklingt, dann werden wir sie ja wohl endlich bald besiegt haben. Und für die wirklich Unbelehrbaren werden die bereits unverhohlen geforderten Umerziehungslager wohl nicht mehr allzulange auf sich warten lassen. Dank technischer Infrastruktur wird es vielleicht erstmals in der Menschheitsgeschichte nun tatsächlich möglich sein, auch wirklich alle Fortschrittsfeinde zu erwischen. Dann kann sie endlich kommen, die strahlende, digital transformierte Zukunft nach den Maßstäben der streng wissenschaftlichen Vernunft.

„UNITE BEHIND THE SCIENCE”- ja, das klingt zweifellos netter als “UNITE BEHIND THE ECONOMY” oder “UNITE BEHIND THE POWER”, meint aber leider im Prinzip genau dasselbe. Und wird im Übrigen weder das Klima noch sonst etwas retten, sondern uns Ökozid hoch Drei bescheren. Und uns entgegen aller glänzenden Verheißungen in den mylab-Genlab-evidencebased-Techiemagazinen zu einer beispiellosen Vergiftung und Ausschlachtung unserer Lebensumwelt führen.

Eine reale Überlebenschance hätten wir eigentlich nur dann, wenn wir dieses Dogma der herrschenden Lehre sprengen und es geradewegs umkehren: „DESTROY THIS SCIENCE!“ – Mit diesem Banner auf den Fahnen würde die FFF- und Extinction Rebellion-Bewegung dem herrschenden Systemmoloch in der Tat das Fürchten lehren und ihn auch rasch zum Auflösen bringen wie einen Schneemann in der Sonne. Doch das gilt als reine Häresie und sorgt unter evidenzbasiert aufgeklärten, tagesschauguckenden Spiegelbildbürgern nur für schreckgeweitete Augen. „Löst sich dann etwa auch mein SUV auf und gibt’s dann womöglich kein Oktoberfest, keine Selfiesticks und keine Flatratebordelle mehr?“ gehört zu den ersten Gedankenfetzen, die dann umgehend über die Stirn zucken. Dennoch, diese Einsicht wird kommen. Denn wir werden von dieser Art geistloser, technizistischer Wissenschaft schon bald dermaßen die Schnauze voll haben, dass wir sie ansehen werden wie eine gefährliche Krankheit.

Ein jüngst veröffentlichter Artikel von Charles Eisenstein auf Rubikon („Der größere Zusammenhang“) weist da durchaus in die richtige Richtung und benennt den eigentlichen Feind, mit dem wir es heute zu tun haben: den „instrumentellen Utilitarismus“, die reine Nützlichkeitsbezogenheit, auf der unsere derzeitige, trotz vermeintlich guten Willens alles destruierende Denkweise beruht. Gemäß dieser Mentalität des instrumentellen Utilitarismus ist die Natur nur deshalb wertvoll, weil sie für uns von Nutzen ist. Solange wir nicht den Blick für den eigenständigen Wert jedes Wesens, jedes Flusses, jedes Baumes, jedes Tieres und jedes Menschen wiedergewinnen, unterlägen wir dieser (toten) Mentalität. Die Welt sei dann „letztlich nichts weiter als ein Haufen von nützlichem Kram“. Eisenstein zieht das richtige Fazit: Alle Maßnahmen zum Schutz des Klimas wären demnach unwirksam oder würden sogar in verheerender Weise nach hinten losgehen (so auch das bereits in den Startlöchern scharrende „Geoengineering“), solange wir aus diesem Narrativ heraus denken und handeln.

Dennoch erschallt nun allerortens und auf allen Flatscreens die blecherne und eigentlich bereits ausgelutschte Parole „Unite behind the science“. Selbst die vermeintlich kritischsten Köpfe huldigen dieser Losung und versuchen sich als Franchisenehmer des Szientismus – unserer neoliberalen Ersatzreligion, deren tote Denkweise in Fortsetzung ihres inquisitorischen Ahnvaters Francis Bacon uns zwar mittlerweile an den Rande des Ökozids und auch sonst in jeder Hinsicht an den Abgrund geführt hat, aber sei’s drum. Wenn wir jetzt in unserem szientistischen SUV Gas geben und nochmals voll beschleunigen, dann schaffen wir womöglich wie Knight Rider David Hasselhoff in seinem schwarzen KI-Pontiac einen Turboboost-Sprung über den Abgrund, um dann im digital transformierten Paradies zu landen, in dem der allwissende, allmächtige, zwar nicht allgütige, aber umso geilere Gott KI alles regelt.

Die Lobbyisten des globalen Konzernverbunds des World Economic Forum nutzen diesen allseitig ertönenden Schrei nach der „Wissenschaft“ und ihren „Experten“  bereits weidlich aus und fordern eine Global Governance: Nicht mehr dumme Politiker, die von noch dümmeren Wählern gewählt werden, sollen künftig Entscheidungen treffen, sondern konzernwirtschaftlich („wissenschaftlich“) akkreditierte „Experten“ sollen jetzt alles regeln (siehe aktuellen Bericht von Norbert Häring: „Der Griff der Konzerne nach der Weltherrschaft“). Dass uns Noam Chomsky besagte Kaste der wissenschaftlichen Experten bereits im umfassender Weise als „Wachhunde und säkulare Hohepriester der Machtelite“ demaskiert hat – alles vergessen, der Sog der digitalen Transformation ist wohl zu groß, als dass ihm ein analoges, fernsehendes Wesen widerstehen könnte.

Tja, jetzt ist er da …

Wie gerne hätten wir ihn aufgehalten, den reinen Wahnsinn, und es wäre dazu auch nicht einmal gar so viel notwendig gewesen, wie man gemeinhin glaubt. Doch Illusionen sind nun einmal süßer als Wahrheit – ein Umstand, den auch schon die Kanzlerin weidlich auszunutzen wusste. Eine Kanzlerin, die nach Beobachtung von Roger Willemsen, der dazu ein ganzes Jahr im Bundestag verbracht hat, mit jedem ausgesprochenem Wort nichts anderes tut als „Betäubungszonen ausbreiten“ und „das Land chloroformieren“ (Quelle: Tagesspiegel). Das Versprechen der Kanzlerin, dass man transatlantischen Kuhdung 100 Meter hoch stapeln kann, war nur leider ebenso gelogen wie der zum Himmel stinkende Lügenturm des Guten und Gernen Lebens selbst. Dieser Lügenturm ist nun dabei, umzufallen und das ganze Land unter sich zu begraben … eigentlich hat es jeder gewusst, dass es so kommen muss, doch wer wollte schon Spaßverderber sein und sich als Feind des Guten und Gernen Lebens diskreditieren? Dass wir dann, wenn es darauf ankommt, wirklich so dumm sein werden, hätte man sich trotzdem nicht erwartet. Aber so what, c’est la vie. Die Augen, die wir nicht zum Sehen benutzen wollten, werden wir nun eben zum Weinen gebrauchen. Aber dass nun sogar alternative Qualitätsjournalisten an einem Strang mit Merkel, Maas, Kahane, Steinmeier und von der Leyen ziehen, zum Kampf gegen Rechts rufen und auch für ihre ignoranten Leser nur noch Verachtung übrig haben, ist dermaßen grotesk, dass weder die Lachkiste noch das Weinen so richtig anspringen wollen.

Wenn nun also sogar die letzten Dämme brechen und selbst unsere vermeintlich klügsten Köpfe nicht mehr vor dem gefeit sind, was Dostojewski in seinem dunklen Traum von der szientistischen Pest hat kommen sehen, nun ja, was soll man dann noch groß ausrichten? Es gäbe zwar unendlich Vieles, über das man noch sprechen und aufklären könnte, doch wer will es hören? Demjenigen Kommilitonen, der mich überhaupt erst zum Schreiben im virtuellen Widerstand motiviert hat (einem der letzten neuzeitlichen Philosophen in der Eifel) habe ich es bereits auf Facebook mitgeteilt und paste die Pasta hier nur nochmal:

Auch eine zunehmende Anzahl von alternativen Journalisten realisiert, dass dieser Kampf wohl nicht mehr zu gewinnen ist und biedert sich dem Zeitgeist und seiner herrschenden („wissenschaftlichen“) Lehre des „guten und gernen“, digital transformierten, offenen Anus an, in dessen Untiefen „jeder seinen Spaß“ haben und jedermensch des Anderen Wolf sein darf – ob dieses Anbiedern nun bewusst oder unbewusst geschieht, ist dabei in Wirklichkeit vollkommen egal.

Warum sollte man den Drachen, der bereits damit begonnen hat, unser Dorf abzubrennen und Jungfrauen und Kinder zu fressen, auch aufhalten wollen? Jener gute und gerne, smarte Drache, unter dessen Flügeln sich jetzt sogar alternative Qualitätsjournalisten kuscheln wollen, in der Hoffnung, dass sie selbst nicht dabei sein werden, wenn die SS des Drachen demnächst beginnt, diejenigen abzuholen, die sich ihr selbständiges Denken nicht verbieten lassen.

Um es also kurz zu machen: Ich werde in Zukunft andere Prioritäten setzen und meine Zeit anders einteilen. Denn während unsere ehrenwerten Qualitätsjournalisten ein stolzes Gehalt dafür bekommen, dass sie täglich mit ganzem Einsatz an der Destruktion des Menschen und des Friedens arbeiten, so muss ich mir die zum Teil sehr umfangreiche Zeit für Recherchen und Artikelschreiben von meiner ohnehin mageren Freizeit abzwacken, worunter dann natürlich viele andere Aspekte des Lebens leiden, z.B. das Umsetzen von Kreativprojekten. Eine bereits fingerdicke Mappe an hingekritzelten Konzepten wartet auf die Umsetzung. Die Ideen, die ich dort festgehalten habe, um unserer trostlosen, im Tankstellenklo-Stil gehaltenen Lebensumwelt ein paar künstlerische Impulse zu verleihen, schreien mich täglich an, nehmen mich an der Gurgel, rütteln mich und flehen, dass ich sie endlich von der Theorie in die Praxis überführe. Mein Herz schafft es nicht mehr, diesen Gedankenkindern länger einen Korb zu geben. Wenn ich sie jetzt noch länger auf die lange Bank schiebe, dann laufen sie mir womöglich davon und suchen sich anderswo ein Obdach.

Es wird also in Zukunft von meiner Seite wohl etwas stiller werden. Keine Sorge, das soll natürlich keine Kapitulationserklärung sein. Es gibt viel zu tun und der Tag ist eigentlich viel zu kurz, um auch nur das Notwendigste anzupacken. Und bekanntlich können auch alte Kater das Mausen nicht lassen. Und so viel Zeit wird schon sein, um dem Sumpfmonster ab und zu den Flammenwerfer entgegenzuhalten, um es wieder ein bisschen in die Schranken zu weisen, damit es nicht alle Menschen verschlingt bzw. in die Singularität absaugt.

Überhaupt wird es noch geraume Zeit dauern, bis der Rückzug des Parkwaechters wirklich sichtbar wird. Denn er hat eine Unzahl an fast fertiggeschriebenen, aber umständehalber nicht ganz zu Ende gebrachten Artikeln in der Tube bzw. im Gerätschuppen herumstehen. Die meisten davon sind aktuell wie eh und je und müssen nur ein bisschen auf Vordermann gebracht werden. Sie werden demnächst unter dem Titel #AUTOLEICHE veröffentlicht. In diesen Autoleichen schlummern so manche Getriebeteile, Motoren und Kühler, die man noch gut gebrauchen kann. Das Abschleppen und Einstampfen der Autoleichen habe ich bisher verhindert, sehr zum Schimpf meiner Partnerin. Denn wie ich unverbesserlicher Messie und Hornbachochse ihr immer erklärt habe: Man weiß ja nie, was man noch brauchen kann.

„Das Volk ist überhaupt nicht der Souverän“ – Albrecht Müller im Gespräch

Albrecht Müller ist Herausgeber der NachDenkSeiten und langjähriges SPD-Mitglied. Im Jahr 1972 war Müller außerdem Wahlkampfleiter von Willy Brandt. Mit dieser konkreten politischen Erfahrung möchte Müller heute über Manipulationen und Meinungsmache aufklären. So spricht er in seinem Buch von der Kampagne für mehr private Altersvorsorge, aber auch der damals propagierten „Politik der Stärke“ unter Konrad Adenauer, die dann von einer „Politik der Entspannung“ abgelöst wurde. Die Macht der Worte, aber auch jene der Emotionen ist dabei nicht zu unterschätzen. Im Gespräch räumt Müller außerdem ein, dass er als Wahlkampfleiter auch die Instrumente der Manipulationen angewendet hat. Schlussendlich geht es dem Publizisten um Aufklärung, denn nur so könne das Volk auch wirklich als Souverän agieren.

Die Wahrheit über die Lüge

Jeder Mensch lügt, jeden Tag sogar mehrfach. Das gilt zwar als unmoralisch, scheint aber ein uraltes Naturerbe zu sein. Auch Tiere schwindeln für ihren Vorteil. Und auch nicht jede Lüge ist zu verurteilen. Manche gelten als Schmierstoff für das tägliche Zusammenleben. Mit Lügendetektoren und Wärmebildkameras versuchen Wissenschaftler, Lügnern auf die Spur zu kommen.

Cholesterin, der große Bluff

Die Theorie, dass zahlreiche Herz-Kreislauferkrankungen auf einen hohen Cholesterinspiegel zurückzuführen sind, ist im Laufe der letzten 50 Jahre zu einem regelrechten Dogma geworden. Nur wenige forschten in eine andere Richtung und stießen dabei auf große Widerstände seitens der Pharma- und Lebensmittelindustrie. Der Dokumentarfilm nimmt die Hintergründe unter die Lupe.

Endzeitpoesie 4.0: Erntezeit – Der Schnitter kommt …

15_herbstgarten

Der Herbst ist da. Zeit, einmal kurz innezuhalten in einem Überschallkarussell, in dem Pogo der Clown gerade den Maschinisten macht.

Der nackte Wahnsinn, ja, wir hätten ihn so gerne aufgehalten. Aber wie es scheint, rollt er nun mit genauso unbeirrbarer Beharrlichkeit über uns hinweg wie eben auch der Winter kommt, nachdem es eine Phase des Frühlingssprießens und des Sommerblühens gegeben hat. Soll man versuchen, die welk gewordenen Blätter und Blüten festzuhalten, an denen man sich einstmals so erfreut hat? Oder macht es nicht viel mehr Sinn, jetzt die Früchte und Samen einzusammeln, die man inmitten allen dahinwelkenden Laubwerks ebenfalls finden kann? – Die einem manchmal sogar in wunderbar leuchtenden und schimmernden Farben entgegenkommen?

Stattdessen nochmals versuchen, mit Industrie 4.0-Superkleber die allerortens herabfallenden Blätter wieder auf die Bäume zu kleben und „Arbeitsplätze auf der Titanic sichern“ (P. Sloterdijk)?

Jeder mag das halten wie er will und die Zeit, die uns bis zum Ladenschluss der marktkonformen Demokratie, die gerade von der unsichtbaren Hand des Marktes „abgewickelt wird“ (W. Wimmer), noch verbleibt, nach persönlichem Gutdünken nutzen.

Wer sich hingegen auf die Samen konzentriert, die jetzt ebenfalls zu finden sind, der weiß, dass das ganze Werk des Jahres- bzw. Jahrhundertlaufs nicht ganz vergeblich war. Nachdem der Frost alles oberflächliche Leben ertötet und der neoliberale Wintersturm alle Blätter der Vegetation hinwegfegt, hat man dann kostbare Keime zur Verfügung, die man wieder zum Wachsen und zum Blühen bringen kann. Fehlen diese Keime, dann sieht’s natürlich einigermaßen trist aus, insbesondere für unsere Nachkommen. Noch ist ja ein bisschen Zeit, um Samen zu kultivieren. Nicht allzuviel womöglich, aber doch ein bisschen.

Aber ist es in Wirklichkeit nicht ohnehin so, dass ausnahmslos jeder von uns Samen ausbildet, und zwar fortwährend und in üppigem Maß? Mit ganz wenigen Ausnahmen bildet praktisch jede Pflanze und jedes Lebewesen Samen aus, die es an den weiteren Verlauf der Evolution weitergeben wird und auf der also die Zukunft aufbaut. Doch welche Samen habe ich ausgebildet / bilde ich gerade aus? Samen, aus denen später einmal Rosen erblühen werden? … Oder eher Disteln? … Brennesseln? Womöglich werden derzeit sogar viele Grausamen ausgebildet (siehe auch: „Wenn Heidi Klums Grau-Samen aufgehen“). Dann brauchen wir uns allerdings auch nicht zu wundern, wenn wir einigermaßen grausamen Zeiten entgegengehen.

Vorneweg: Alle, die uns gerade erklären wollen, wie die Zukunft aussehen wird, wissen es in Wirklichkeit nicht. Denn es ist schlichtweg nicht vorherbestimmt, sondern liegt ganz in der Freiheit des menschlichen Willens. Nichts ist alternativlos. Alternativlos sind nur die Konsequenzen unserer Wahl, aber in der Wahl selbst sind wir vollkommen frei.

Ob die Zukunft wirklich dystopisch wird, eine Art Terminator-Szenario mit Gemetzel unter verdunkeltem Himmel, in dem frei nach Thomas Hobbes „homo homini lupus“ jeder Mensch des anderen – digital transformierter – Wolf ist oder ob wir eine Zukunft gestalten, in der die klare Sonne scheint und jeder von uns einen duftenden Garten mit wunderbaren Blumen vor seinem Häuschen kultiviert, die menschliche Zivilisation zu einem harmonischen Zusammenklang in gegenseitiger Unterstützung (laut Goethe ist ja die dem Menschen innewohnende „vernünftige Welt als ein großes unsterbliches Individuum zu betrachten, das unaufhaltsam das Notwendige bewirkt und dadurch sich sogar über das Zufällige zum Herrn macht“) und in vereintem Kampf gegen den Wahnsinn findet (der natürlich auch in der Zukunft nicht schlafen wird, sondern der immer auf seine Chance lauert, unsere Städte in Flammen zu legen und die Jungfrauen und Kinder aufzufressen – aber gerade dieser Kampf bzw. die Überwindung des neoliberalen Molochs kann uns stark machen) … das hängt einzig davon ab, welche Samen wir jetzt säen.

Wir können uns schon demnächst in einem Dickicht aus Disteln, Dornengestrüpp, Brennesseln, Stinkmorcheln, Venus-Fliegenfallen und sonstigen fleischfressenden und genmanipulierten Pflanzen wiederfinden, über dem die Drohnen kreisen. Oder eben auch in einem duftenden Garten, in dem Lavendel, Rosen, Lilien und Salbei blühen und in dem sich unsere Kinder am Zauber von Schmetterlingen und Bienen erfreuen. Niemand anderer als wir selbst dürfen das entscheiden … und es auch ausbaden.

Bei aller Tragik ist das eben auch das wunderbar Grandiose am freien Willen des Menschen.


 

Allgemeines zur Kolumne „Endzeitpoesie 4.0 – Brennholz gegen Robotisierung und drohenden Erfrierungstod“:

Da in unserer aus den Fugen geratenden Welt vieles nicht mehr rational verstehbar und auch kaum noch ertragbar ist, brauchen wir dringend ein Gegengewicht aus dem Reich der Poesie … mit diesem geistigen Gegengift in den Adern wird vieles Unverständliche plötzlich wieder verständlich und Unerträgliches wieder ertragbar – oder noch besser: gestaltbar!

Denn die größte Lüge, die uns heute beigebracht wird, ist: dass der Einzelne ohnehin nichts tun kann. – Das genaue Gegenteil davon ist wahr: Es kommt auf jeden einzelnen an und das mehr als jemals zuvor. Und wie uns schon Dostojewskij erklärt hat, ist im Leben auch niemals etwas umsonst, selbst wenn eine Bemühung keinen sichtbaren Erfolg zeigt: „Alles ist wie ein Ozean, alles fließt und berührt sich; rührst du an ein Ende der Welt, so zuckt es am anderen.“

Gerade unsere geistlose Zeit braucht philosophische Gedanken wie eine Wüste das Wasser. Dieses Wasser – die Gedanken der großen Geister der Menschheit – gibt es schon lange. Aber die scheinbar alten – in Wirklichkeit ewig jungen – Gedanken bleiben nicht dieselben: Jeder, der sie aufgreift und verinnerlicht, färbt sie mit seiner individuellen Persönlichkeitsnote ein und bringt dadurch wieder ganz neue Farben in die Welt, die bisher noch nicht existiert haben. Und solche Farben braucht unsere grau gewordene Welt (siehe 1000 Gestalten.de) heute dringend – sie saugt sie auf wie ein trockener Schwamm das Wasser … damit wieder Neues, Kreatives, Menschliches entstehen kann.

In diesem Sinne wollen wir der pseudopragmatischen Alternativlosigkeit (siehe „Der Führer 4.0 – Er ist schon längst da“) die Gefolgschaft in den Grand Canyon verweigern und es lieber mit Ilija Trojanow halten: „Die Welt ist groß und Rettung lauert überall“. – Dann kann die scheinbare Endzeit zu einem neuen Anfang werden.

Oktoberfest 4.0 – Überleben im Zeitalter der Ultradekadenz


Foto: pw/nachrichtenspiegel.de

Wie wir lernten, die Lüge zu lieben

„In times of information, ignorance is a choice“. Seit ich an der Pinnwand des virtuellen Widerstands  diesem Satz begegnet bin, sehe ich einiges gelassener als zuvor. Ohne dass dies etwas mit Resignation zu tun hätte, erspare ich mir nun doch einige vergebliche Liebesmühe, wie sie so manche zweifellos gut meinende Zeitgenossin aufwendet, um diejenigen wachzurütteln, die “Lieber dazugehören, als aufgeklärt sein” wollen, so auch der Titel eines Essays von Anette Sorg auf Nachdenkseiten, in welchem dafür plädiert wird, „in die Mokassins“ derjenigen zu schlüpfen, die „lieber nicht aufgeklärt werden möchten, weil sie sich dann neu sortieren müssten“.

Stoßen wir diejenigen, die dem herrschenden Wind folgen und geduckt im Herdentrieb verharren wollen, also nicht unnötig mit „alternativen Fakten“ vor den Kopf. Es ist ja weitgehend überflüssig geworden, dass man noch erschütternde Fakten und Links aus dem Fressnapf des globalen Newsfeeds zusammenträgt, um diejenigen Mitbürger aufzurütteln, die scheinbar zu oft den Reden einer Kanzlerin gelauscht haben, die mit jedem ihrer Worte nur „Betäubungszonen ausbreitet“ (©Roger Willemsen) und sich nun in einer Art Wachkomazustand befinden.

Um zu realisieren, wo es überall brennt bzw. wo wir systematisch verraten, verkauft und vergiftet werden, braucht man nicht einmal mehr auf Whistleblower oder alternative Medien zurückzugreifen.  Man weiß ja schon gar nicht mehr, wo man auf der brennenden Titanic, auf der manche Bundestagsabgeordnete immer noch Gut und Gerne leben, noch die Feuerstellen löschen soll. Durch den täglich über uns hereinprasselnden Napalm-Regen an Infotainment und brachialer Unterhaltung sind viele jedoch derart abgebrüht geworden, dass es sie nicht mehr vom Hocker reißt, wenn sogar Siemens-Chef Joe Kaeser ganz offen über die demnächst „über uns hereinbrechende Hölle“ spricht, in der neun von zehn Menschen untergehen werden.

Wenn selbst die Warnungen solcher Hohepriester unserer technikgläubigen Zeit nicht gehört werden, dann braucht man sich auch nicht zu wundern, dass die Warnungen anderer besorgter Köpfe weitgehend ungehört verklingen, wie z.B. dass das Bulletin of  the Atomic Scientists die „Doomsday Clock“ mittlerweile auf zwei Minuten vor Mitternacht vorstellen musste oder der offene Brief führender CIA/NSA-Überwachungsarchitekten, dass „wir gerade schlüsselfertige Tyranneien errichten“ (mit der Infrastruktur 5G als Thron und Gott KI als Regent).

Obwohl ihm und seinen Kindern gerade das Fell über die Ohren gezogen wird, wird der tagesschauguckende Spiegelbildbürger heute von einer fast unentrinnbaren Medien- und Meinungs-Maschinerie in der Illusion gewogen, dass er sich eben auf einem ganzjährigen Oktoberfest befindet. Die rasanten Loopings und Talfahren, bei denen es ihn fast (und manche tatsächlich) aus der Kurve schmeißt und er zuvor aufgesogenes Bier und Weißwürste wieder erbrechen muss, er danach einen gewaltigen Drehschwindel hat und nicht mehr weiß wo oben und unten, vorne und hinten, geschweige denn wo links und rechts ist … nu, mein lieber Gutbürger: das ist eben nur die Hochschau- und Geisterbahn am Dauer-Rummelplatz, auf dem Du voll Spaß haben darfst und Gut und Gerne lebst!

Viele haben die Lüge inzwischen lieb gewonnen. Sie gehört zum Lifestyle dazu wie der SUV vorm Garten, in dem der Mähroboter jedes aufkeimende Pflänzchen des Gewissens umgehend verhäckselt und in den Fangkorb wirft. Und die vom Rummelplatz schwindeligen Gutbürger, die keine Katze besitzen, kuscheln auf ihrer Couch abends eben mit dieser Lüge, kraueln sie, füttern sie, lassen sich necken und beißen … obwohl der im Katzenklo befindliche Katzenstreu vom Durchfall dieser transatlantisch-neoliberal-marktkonform- nihilistisch-digitalen Tamagochi-Katze bereits voll gesättigt ist und zum Himmel stinkt.


Nachsatz:

Angesichts des überbordenden Wahnsinns und der „Ultradekadenz“, die heute auf allen Ebenen unübersehbar sind, könnte man natürlich leicht in Resignation verfallen und meinen, dass ohnehin schon Hopfen und Malz verloren seien. Das ist jedoch ebenfalls eine Lüge und gehört mithin zur Schockstrategie (Naomi Klein), mit welcher der Mensch dem Diktat des totalen Marktes unterworfen werden soll. In Wahrheit haben wir es heute mit einer ausgesprochen paradoxen Zeit zu tun: Während es in der bisherigen Kulturgeschichte Phasen der Hochblüte und Phasen der Dekadenz gab, welche der damals noch nicht individualisierte Mensch mit dem Kollektiv zwangsläufig mitmachen musste, so leben wir heute in eine Zeit, in der jeder von uns so weit individualisiert ist (oder zumindest das Potential dazu hat), dass er aus eigenem Willen frei wählen kann: Ob er den totalen Niedergang mitmacht. Oder ob er sich ungeachtet des ihn umgebenden Infernos aufschwingt.

Heute leben wir in einer Zeit, in der zwei verschiedene Entwicklungen gleichzeitig zur Kulmination kommen und man muss aufpassen, dass man die zweitere dieser Entwicklungen bzw. Möglichkeiten nicht verpasst, da die erstere dieser Entwicklungen so viel Rauch, Lärm und Gestank macht, dass man die zweite glatt übersehen könnte. Beide Entwicklungen existieren heute parallel zueinander: Auf der einen Seite erreicht die Gesellschaft einen Zustand von fast unfassbarer Dekadenz und Verdummung (es würde jetzt zu weit führen, auszuführen, warum gerade diejenigen, deren Intellekt im Hitech-Brutkasten unseres Bildungssystems besonders zugespitzt wurde, besonders anfällig sind, in den Sog dieser Dekadenz zu geraten und möchte dazu vorerst nur auf Dostojewskijs Traum von der szientistischen Pest verweisen).

Auf der anderen Seite – von unseren Medien weitgehend unbeachtet und daher nicht am Schirm der allgemeinen Wahrnehmung – gibt es aber auch eine gar nicht so geringe Zahl an Personen, die erstaunlichste menschliche Qualitäten entwickelt haben, die sich in einem jeweils gewählten Gebiet unglaubliches Verständnis erarbeitet haben und tiefgründige Individuen geworden sind. Sie können diese Qualitäten bei allem, was sie diesbezüglich tun, gestalten oder sagen, auch authentisch ausdrücken. Mit dem Potential, das sie entwickelt haben – wir könnten selbst die angeblich alternativlosesten ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Probleme in erstaunlich kurzer Zeit zum Besseren wenden und wieder Freude auf Zukunft haben. Die etablierten Machtstrukturen samt ihrer alternativlosen „Wissenschafts“-Büttel – müssten dann allerdings abdanken. Und das wollen die natürlich nicht, zu sehr mundet ihnen das große Fressen beim „Gastmahl der Geistlosen“ (Milosz Matuschek), das gerade stattfindet und bei dem sich diejenigen, deren Gaumen vor lauter Überdruss kaum noch etwas mundet, dann eben menschliche Köpfe auf ihre Teller servieren lassen (siehe Moca Gala).

Lassen wir die neoliberalen Kannibalen aber wieder beiseite, wir wollten ja über die Hidden Champions sprechen, um mir auch mal so ein bescheuertes Bullshit-Bingo-Wort aus der Marketingkiste zu klauen, aber es gibt für die Individualisten, die ich meine, eben noch keine passende Bezeichnung. Ihr Handicap ist das bereits erwähnte: Die Medien unseres neoliberalen, dem reinen Nihilismus verpflichteten Systems (nur der Nihilismus gewährt die vollendete Ausschlachtung der noch verbliebenen Umwelt- und Humanressourcen und es werden daher heute nicht nur über unser Bildungs- und „Wissenschafts“- System gewaltige Anstrengungen unternommen, um dem Menschen jedwede Fähigkeit, sich seinen Geist zunutze zu machen und Umstände zu gestalten anstatt nur zu konsumieren und zu erdulden, endgültig auszutilgen und vergessen zu machen), haben Null Interesse, über das, was solche Menschen zu sagen haben, zu berichten. Die Systemmedien sehen es sogar als ihre Aufgabe an, solche Menschen, falls sie doch irgendwo Relevanz zu gewinnen drohen, umgehend ins Visier zu nehmen, zu diffamieren und sogar zu kriminalisieren (siehe Ulrich Mies: „Die Spindocs der Gegenaufklärung“).

Man darf sich davon aber nicht bekümmern lassen. In Wirklichkeit sind die „Qualitätsjournalisten“ von Südtäuscher Zeitung & Co., die sich für diese Drecksarbeit hergeben, nur wie Bläser mit einem großen blechernen Tubahorn, das bis zum oberen Rand mit Gülle angefüllt ist, sodass jedes Hineinblasen in dieses Instrument nur noch ein bisschen dumpfes Geblubbere und üble Gärgase hervorbringt.

(Foto: pixabay/CC0)

Doch lassen wir diese traurige Zunft der südtäuschen Schreiberlinge wieder beiseite, man könnte sich dazu endlos empören und haben dieses Thema ja schon oft genug gestreift. Wir wollten von denjenigen Menschen sprechen, die ihr wirkliches Potential entwickelt haben bzw. von derjenigen Möglichkeit, welche uns heute nebst allen Niedergangserscheinungen ebenfalls offensteht: Dass es möglich ist, nicht auf Besserung von außen/einer Partei etc. zu warten, sondern  selbst Kultur zu schaffen, selbstbestimmt seine Interessen zu wählen und an zumindest einem individuell gewählten Thema bzw. Ziel dranzubleiben und sich trotz aller Mühsal und Rückschlägen immer tiefer in dieses Thema zu vertiefen. Das individuell gewählte Thema kann so vielfältig sein wie auch die Menschen vielfältig sind und ein jeder von uns ganz spezielle Anlagen hat. Es kann eine Kunst sein, Bildhauerei, Malerei, ein Instrument, Bewegungskunst, Literatur, Philosophie, Soziales, Menschenrechte, Natur, Tierschutz,  Kommunikation … sogar die Gebiete von Wirtschaft, Technik, Rechtswissenschaft oder Politik kann man so durchdringen, dass man sie auf humane Weise fruchtbar macht. Man braucht nur den Flachbildschirm ausmachen und man wird sehen, welche großartigen Möglichkeiten man heute hat, um etwas wirklich Sinnvolles und individuell Einzigartiges zu entwickeln, anstatt sich seine wertvollste Ressource: seine Lebenszeit absaugen zu lassen.

Der Abgrund der Ultradekadenz und der Berggipfel der individuellen Entwicklung: Beide Richtungen stehen uns heute offen. Es darf uns dabei nicht bekümmern, dass es heute nicht wie in bisherigen Hochkulturen ist, wo 95% der hiesigen Menschen an der jeweiligen kulturellen Höherentwicklung teilgenommen haben und nur 5% Barbaren waren bzw. versumpft sind. Möglicherweise ist das Verhältnis heute sogar umgekehrt: Vielleicht werden wir nur 5% zivilisierte Menschen und 95% Barbaren haben. Das wäre zwar tieftragisch, zumal es nicht einmal ein einziger Mensch sein müsste, der absauft, aber das ist eben neben seiner Tragik auch das Grandiose am freien Willen des Menschen: Jeder kann selbst wählen, was er werden möchte und wogegen er sich verweigert. „In times of information, ignorance is a choice“ – auch wer diese Wahl trifft, man muss sie respektieren.   

Der Abgrund der Ultradekadenz und der Berggipfel der individuellen Entwicklung. Im Fernsehen und den sonstigen Medien werden uns 24h-nonstop fast ausschließlich jene Akteure gezeigt, die ersteren Weg beschreiten bzw. der Ultradekadenz huldigen. Über diejenigen, die weitab des Rampenlichts und oft bei kargem Brot ihre Lebenszeit dazu nützen, um erstaunliche wirkliche Qualitäten zu entwickeln, erfährt man in den Medien kaum etwas. Obwohl es gar nicht wenige solche Menschen gibt. Viele haben, wenn schon nicht den Berggipfel, so doch beachtliche Höhen erreicht, auf denen sie trotz aller Mühsal des Aufstiegs den Vorzug sonnendurchfluteter, sauberer Luft und klaren Gebirgswassers genießen können, während sich die Follower der Ultradekadenz unterhalb eines Smogdeckels tummeln und in einem grützegrünen Kaulquappenteich versuchen, einen nächsten „Kick“ zu erheischen, um sich zu beweisen, dass sie vielleicht doch nicht ganz so tot sind wie sie sich fühlen, wenn einmal irgendwo in einer ruhigen Minute die Subwoofer verklingen.

Von denjenigen, die auf die Poolparty verzichten und sich stattdessen zu einer mühsamen Bergtour aufmachen, wird man zunächst nicht viel hören oder sehen. Denn wie schon Dostojewskij an oben erwähnter Stelle sagte: „Retten konnten sich in der ganzen Welt nur einige Menschen … aber niemand hatte diese Menschen irgendwo gesehen, niemand hatte ihr Wort und ihre Stimme gehört.“

 

Public Relations – Manipulation der Masse

Ab dem Ende des 19. Jahrhunderts stellte sich die Frage, wie die Massen in demokratischen Systemen zu steuern seien. So benötigte 1917 die USA für den Kriegseintritt die Zustimmung der Öffentlichkeit. Theoretiker der Massenpsychologie arbeiteten an einer Methodik der Meinungsbeeinflussung, die schon bald zu einem der florierendsten Geschäftsfelder unserer Zeit wurde …

Wie kann man die Massen in demokratischen Systemen steuern? Mit zunehmenden Arbeiterrevolten entstanden am Ende des 19. Jahrhunderts Methoden zur Beeinflussung der öffentlichen Meinung – ein Propagandainstrument, dessen sich erstmals die USA vor ihrem Eintritt in den Ersten Weltkrieg bedienten. In weniger als 50 Jahren entwickelte sich daraus eines der blühendsten Geschäftsfelder unserer Zeit: Public Relations. Einer der führenden Theoretiker und Architekten der Meinungsmache war Edward Bernays, Neffe von Siegmund Freud. Seine Eltern wanderten in die USA aus, als er gerade ein Jahr alt war. Das „Life“-Magazin erwähnte ihn als eine der 100 einflussreichsten amerikanischen Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts. Obwohl in der breiten Öffentlichkeit unbekannt, übte Bernays entscheidenden Einfluss auf die Staatslenkung in den Vereinigten Staaten aus – und in der Folge auf alle liberalen Demokratien. Wer nichts über Bernays weiß, kann die sozialen, politischen und wirtschaftlichen Umbrüche des letzten Jahrhunderts nur schwer nachvollziehen. Bernays Werk war zum Beispiel, dass Bacon aus dem typischen US-amerikanischen Frühstück nicht mehr wegzudenken ist und Frauen anfingen, als Zeichen der Emanzipation Zigaretten zu rauchen. Auf dem Höhepunkt seiner Karriere soll er sogar maßgeblich zum Sturz der Regierung in Guatemala 1954 beigetragen haben. Getreu dem Erbe seines berühmten Onkels war Edward Bernays der Erste, der psychoanalytische Konzepte zur Meinungsbeeinflussung einsetzte, um kritisches Denken zu umgehen. Anstatt auf tatsächliche Bedürfnisse einzugehen, schürte er irrationale, unbewusste Wünsche.

Entziehe der Faschismus-Maschine den wichtigsten Treibstoff: Deine Angst!

Während der Mäusefriedhofsbürger in Zeiten marktkonformer Demokratie alles tut – und auch alles in Kauf nimmt – nur, um nicht „rechts“ zu sein, hat er womöglich übersehen, dass er mittlerweile selbst dem allergrößten und menschenverachtendsten Faschismus huldigt.

Dazu ein bemerkenswerter Text von Anna Zollner (veröffentlicht in: Tagesdosis / Ken FM am 11.09.2019)
„Die Faschismus-Maschine“

Auszug (edit pw):

„… Wer diese Wahrheit erst einmal akzeptiert hat, hat ein ähnliches Problem wie jene Deutschen, die als „Personal“ in den Vernichtungslagern im Ausland nur ihre Befehle ausführten, Zyklon B durch die Decke der Duschen kippten,  und dann den Urlaub in der Heimat antraten. Wie antworten, wenn die Verwandten fragten, wo man denn so eingesetzt sei?

Schweigen bedeutete Mittäter zu sein, Nicht-Schweigen bedeutete Opfer werden zu können.
Wie entscheiden? Die meisten Menschen damals haben geschwiegen. Aus Angst. Was sie mit den meisten Menschen heute verbindet.

(…)

Die Wahrheit erreicht uns nicht mehr. Wir haben uns gegen den Schmerz, der automatisch eintritt, wenn man die eigene Freiheit und die seiner Kinder verrät, abgesichert. Konsum als Kondom. Folgenloser Sex, mit dem vollkommen verlogenen Zeitgeist.

Es spielt offenbar keine Rolle, dass heute wirklich jede vom Mainstream abweichende Meinungsäusserung zu jedem Thema zum Risiko der eigenen Existenz werden kann. Wir haben uns damit abgefunden. Widerstand? Wozu? Es gibt doch Netflix. Wir sitzen vor der Glotze und halten so auch in den eigenen vier Wänden die Fresse. Besser ist es. Alexa könnte uns verpetzen.

Es zählt weder was wir sehen, hören, geschweige denn empfinden, es zählt nur, was die Regierung sagt oder was der Algorithmus rät. Menschen, die zu Völkerrechtsbruch X geschwiegen haben, haben auch bei Drohnenmord Y weggesehen.

Klug im Sinne des Systems. Wer gehorcht, fällt nicht dumm auf, weiss von nichts, ist zu jedem Verbrechen bereit oder aber duldet es, wenn er Zeuge dessen wird. Öffentliches Ausblenden, damit es privat blendend geht.

Der Bürger 2.0  ist auch dann Mittäter, wenn ihm gar keine echte Gefahr droht, wenn er sich verweigern würde. Dem Bürger 2.0 ist es gelungen Party und Apathie zu einem braunen Klumpen Restleben zu verschmelzen. Leben im Dreck. Leben in der von aussen verordneten Bedeutungslosigkeit.“

(…)

Schweigen bedeutete Mittäter zu sein, nicht-schweigen bedeutete Opfer werden zu können.

Wie entscheiden?

Die meisten Menschen damals haben geschwiegen. Aus Angst. Was sie mit den meisten Menschen heute verbindet.

(…)

Wer jetzt immer noch schweigt, ist nicht nur Opfer der neuen Faschismus-Maschine er ist ein Teil von ihr und rechnet damit, dass er von den Resten der Beute weiter so gut leben kann, dass es auch morgen noch für eine Dauer-Betäubung reicht.

(…)

Unabhängig davon gilt für jeden von uns: Sprich die Wahrheit aus. Nenne die Fakten. Entziehe der Faschismus-Maschine den wichtigsten Treibstoff überhaupt, deine Angst.

Sei Mutig. Kein Mitläufer. Mach nicht dieselben Fehler wie deine Großeltern. Geschichte wiederholt sich nur, wenn wir, wenn Du es zulässt.

(…)
Wer wider besseren Wissens mit-schweigt aus Furcht die Nachbarn, die Kollegen, die Presse oder der Staat könnten einen sonst ins Visier nehmen, täuscht sich, wenn er davon ausgeht, dass sich am Ende der Dauer-Lüge irgendwann die Wahrheit schon noch zeigen würde. Wahrheit hat einen Preis und muss mit Mut und Rückgrat jeden Tag neue verteidigt werden. Wer nur Feigheit einzahlt, kann nicht mit Mut als Dividende rechnen.“

(zum ganzen Text: https://kenfm.de/tagesdosis-11-9-2019-die-faschismus-maschine/ )

 

Grenzenloses Lachen … (Farin Urlaub zurück im Hamsterrad)

165 Kroko1 pixabay

So, back to reality. Gerade wieder zurück aus einem kleinen Fleckchen Urlaubsparadies in der Adria, wo man meinen könnte, dass jedermannfrau/diverser ja eh gut und gerne leben. Nicht nur aus den dicken Yachten, auch aus kleinen verrosteten Campingbussen und aus den zahllosen Bars, Cafes und Pissbuden, die sich mittlerweile bis in die letzten Winkel von Nationalparks und Vogelschutzgebieten vorgefressen haben: von überall her schallt Lachen, Lachen, Lachen … müssen sich die Menschen den Bauch halten vor lauter Vergnügen.

Lachen, das ebenso wie Ebbe und Flut im täglichen Rhythmus anschwillt und wieder verebbt: Nach einer Kulmination des Lachens in rausch-, rauch- und feuerwerkserfüllter Nacht … schließlich nach Überwindung des morgendlichen Katzenjammers durch mehrere Cafè Lattes und Red Bulls holprig beginnt, gegen Mittag hin wieder an Fahrt aufnimmt, gepusht von Hard Style Technobeats oder nicht enden wollenden Rick Astley Covers dann am Nachmittag sukzessive beschleunigt, man am Strand mit Budget-Bier vom Supermarkt vordieselt, Abends schließlich mit hochprozentigem Treibstoff den Afterburner zündet, um mit Mach 3 die Schallmauer des Hamsterraddaseins zu durchbrechen und befreit von jeglicher Schwerkraft bei Mondenlicht bzw. unterm LED-Stroboskop schließlich vollkommen abzuhängen und in die Gefilde von Major Tom vorzustoßen, wo Lucy in the sky with diamonds and dildos jongliert.

Was nimmt man in der Maloche für den Rest des Jahres nicht alles in Kauf, wenn man dann zumindest zwei Wochen lang an der Strandmeile einen auf Farin Urlaub machen kann? Wo man zeigen darf, was für eine dicke Badehose man anhat, bevor dann nach mehrstündigem Stau auf der Heimreise  Montag morgens wieder gnadenlos der Wecker läutet und das marktkonforme Murmeltier grüßt.

Was gibt es also groß zu klagen? Das Maul des Krokodils, in dem wir sitzen, ist ja noch offen und spendet in der brütenden Hitze angenehmen Schatten … und das Kroko gibt sogar noch ein paar Lokalrunden aus und lädt umherstreunende Passanten ein, sich zur großen Party hinzuzugesellen …


Fotos: pixabay CC0 (1 / 2)

Die Geschichte der Biowaffen

Erst seit 100 Jahren gibt es Bemühungen zwischen den Völkern des Planeten Erde, besonders unmenschliche Kriegswaffen durch gegenseitige Verträge aus den Kriegen der Menschheit zu verbannen – dabei blicken Militärhistorie auf eine lange Tradition bei der Verwendung Biowaffen zurück. Angefangen vom alten China, über die Karthager und Römer, bis hin zum heutigen Georgien: Schon immer, so viel ist sicher, haben Menschen lebendige Tiere, Krankheitserreger und Bakterien gegen andere Menschen eingesetzt. NuoStory mit einem aufschlussreichen Blick in die Geschichtsbücher.

Aus dem Lugar Center sind Dokumente geleakt worden, die belegen, dass private US-Firmen wie Gilead oder Metabiota von höchsten Politikern Georgiens einen Freibrief für Menschenversuche bekommen haben. In zahlreichen Fällen mit tödlichem Ausgang.

Seit der Eröffnung des Lugar Centers wird die Kaukasus-Republik Georgien von Epidemien und Pandemien heimgesucht. Im Land sind Schwärme von exotischen Insekten aufgetaucht, an denen die USA im Rahmen ihres Geheimprojektes „Insect Allies“ forschen. Außerdem nähren die Geheimdokumente aus dem Lugar Center den Verdacht, dass das Pentagon mit genetisch veränderten Pest-Viren experimentiert, die gezielt einzelne Menschenrassen ausrotten sollen, und damit eine der größten Bedrohungen der Menschheit überhaupt darstellen.

350 Millionen Bäume an nur einem Tag: Äthiopien stellt neuen Rekord auf

Irgendwo gelesen?

Äthiopien hat nach eigenen Angaben einen neuen Rekord im Baumpflanzen aufgestellt: über 350 Millionen Setzlinge an nur einem Tag.

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