Parkwaechter

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Studentenfutter #4: Gut und Gerne beknackt

Meine Katze frisst zwar keine Nüsse, aber sie hat einen Heidenspaß daran, mit Nüssen Katz-und-Maus zu spielen. Bevor die Nuss, die ich schon vor einiger Zeit geknackt und beiseitegelegt habe, in ihre Krallen gerät und zu Sägespäne verarbeitet wird, schnippe ich sie also lieber ins Netz.

Jeder Gutmensch des anderen Menschen Wolf

Die Evolution hat ja nun ihren vorläufigen Höhepunkt hervorgebracht: Den Gutmenschen 4.0. Er erlaubt es sich zwar aus CO2-Gründen nicht, eine Katze zu halten so wie ich Bösmensch, aber er hat kein Problem damit, in seinem Wohnzimmer eine mehrere Meter lange und oberschenkeldicke Anakonda zu mästen, mit der er sich auch jeden Abend vor der Umnachtungsschau („Tagesschau“) in den Schlaf wiegt.

Was habe ich mich doch selbst empört, als dieses Wort „Gutmensch“ aufgetaucht ist. Dachte damals: Will man denn jetzt wirklich die ums Gute bemühten Menschen verächtlich machen? Inzwischen ist einiges Wasser den Bach runtergeflossen und ich sehe nun klarer, was der Pudelkern dieses „Guten“ ist. Gutes, für das man ja heute – im Gegensatz zu  Freiheits-, Friedens- und Menschenrechtsaktivisten früherer Zeiten – vollkommen ungestraft und mit vollem Rückenwind eines Systems, das Jean Ziegler als „kannibalisch“ bezeichnet, streiten und demonstrieren darf. Man bekommt vom System sogar Busse, Förderbudgets, Konzerttickets und Gratiseis zur Verfügung gestellt, um sich im Namen des „Guten“ zusammenzurotten und das „Böse“ zu bekämpfen: die Fortschrittsfeinde, die sich dem Guten und Gernen Leben in einer (neo)liberalen, digital transformierten, grenzenlosen, gegenderten und gechippten Smart City Gesellschaft verweigern, in der frei nach Thomas Hobbes jeder Mensch die Freiheit besitzt, des anderen Menschen Wolf zu sein.

Dass der politisch korrekte sogenannte „Gutmensch“ in Wirklichkeit nur ein Produkt der Kirche ist (deren Nachfolgeorganisation „Wissenschaft“ heute nahtlos alle kirchlichen Funktionen samt Inquisitionsapparat und päpstlichem Unfehlbarkeitsanspruch übernommen hat) und dass dieser Gutmensch in Wirklichkeit das regelrechte Gegenteil eines selbstbestimmten, mündigen und kreativen Menschen ist, der im Leben Neues und Nachhaltiges schaffen kann – um diese schmerzhafte Erkenntnis zu vermeiden, wird der Gender Madstream Surfer / Astroturfer alles tun: kratzen, beißen, spucken, geifern …

Er will der Welt Gutes tun und endlich alle Diskriminierung beenden. Doch wehe: Wenn man nicht dasselbe denkt wie der Gutmensch … ja dann wird man ihn kennenlernen, diesen Gutmenschen!

Der Gutmensch dient dem System und glaubt unbeirrt an die gute Sache, die dieses System zu sein vorgibt, selbst wenn ihm von diesem System bereits selbst das Fell über die Ohren gezogen wird und er den Abgrund vor sich sieht. Aber dieses gute und gerne System hat einen solch gewaltigen Sog, dass er sich ihm kaum entziehen kann. Was den Gutmenschen besonders begeistert: Er darf im Gender Madstream eines hochprofessionellen Meinungs- und Empörungsmanagements sogar für oder gegen etwas anbrüllen, ohne deswegen persönliche Folgen befürchten zu müssen, so wie das in der Geschichte bisher immer bei Freiheitskämpfern der Fall war. Der Gutmensch wird bei seinem neoliberalen Aktivismus sogar den vollen Rückenwind des Systems und der herrschenden Lehre des Infotainmentsystems von Medien, Regierung, Thinktanks, PR-Agenturen, Presssprechern, wissenschaftlichen Experten & sonstigen Talkmastern genießen. Dass er in diesem Karussell des Konsensmolochs (© Wolf Reiser) in Wirklichkeit einen Bärendienst erweist und nur als willkommener nützlicher – sagen wir Funktionär, um nicht das Vulgärwort Idiot strapazieren zu müssen, dazu beigetragen hat, dass die noch verbliebenen Umwelt- und Humanressourcen nun von konzernwirtschaftlich akkreditierten „Experten“ nach „streng wissenschaftlichen, evidenzbasierten“ Kriterien ausgeschlachtet werden können … diesen Gedanken muss der Gutmensch mit aller ihm zu Gebote stehender Kraft energisch verdrängen. Wie soll er/sie/es sonst abends noch abhängen und downchillen können? Noch dazu, wo die Morphine der Umnachtungsschau („Tagesschau“) trotz Steigerung der Dosis immer mehr an Wirkung verlieren?

Foto: pixabay/CC0

Studentenfutter #3: Hihi, Pöhse …

In einer Zeit, in der die Horrorfilme und Dystopien aus den 80ern inzwischen von der Realität überholt werden, beharren die Hüter der herrschenden Lehre umso vehementer darauf, dass es Böses ja überhaupt nicht gebe. Sieht man auf das überwältigend Gute und Gerne, das sich uns aus allen Talkshows, Flatscreens und Plakaten entgegenwindet, dann könnte man ja in der Tat meinen, dass das Böse obsolet geworden ist.

Auch die medialen Meinungsführer und Influencer, die damit beauftragt sind, Schlaftabletten und Happy Pills zu verteilen, suggerieren uns mit diesem entwaffnend smarten Obamarezotilo-Smile, dass für den, der noch im Trockenen sitzt und sich zu amüsieren weiß, doch eigentlich eh alles ja ey lol mann sei. Wir müssten jetzt nur vernünftig sein und uns stramm hinter diejenigen evidenzbasierten Experten stellen, die Noam Chomsky als säkulare Hohepriester und Wachhunde der Machtelite bezeichnet hat: „Unite behind the science“ und das Gute und Gerne Leben kann weitergehen.

Dieser common sense kommt nicht von ungefähr. Die Kategorie des Bösen für nicht existent zu erklären bzw. zu zerschwätzen oder lächerlich zu machen („hihi, pöhse Chemie…“) gehört mithin zur Strategie des neoliberalen Zeitgeists und ihrer Schergen, um der vollendeten Ausschlachtung aller, insbesondere der humanen Ressourcen die Tore zu öffnen. Denn wenn es Gutes und Böses oder Moralisches und Unmoralisches gar nicht gibt, dann bleibt als einzig „vernünftiges“ Kriterium nur noch die betriebswirtschaftliche Effizienz. In dieser Hinsicht haben die Fritzen von McKinsey & Co. noch längst nicht das Maß des Machbaren ausgelotet. Wie weit in betriebswirtschaftlicher Hinsicht noch Optimierungsmöglichkeit besteht, können wir von Auschwitz lernen. Die neoliberalen Betriebs- und Volkswirte werden in einer Zeit sinkender Renditen jedenfalls nicht darauf verzichten, sich die Humanressource – die einzige auf dieser Welt nicht zur Neige gehende sondern exponentiell wachsende Ressource – auf möglichst evidenzbasierte Weise nutzbar zu machen.

Doch das geht nur, wenn man den Menschen zuerst den Geist aus ihren Köpfen bläst wie einem Ei den Dotter, wenn man Ostereidekorationen bastelt. In diesem Unterfangen leisten die Spindoctoren dieser Betriebs- und Volkswirte derzeit ganze Arbeit. Wenn Prof. Kreiß, selbst promovierter Volkswirt und Autor des Buches „BWL-Blenden, Wuchern, Lamentieren“, von einem Mephisto-Prinzip spricht, dem wir derzeit auf allen Ebenen huldigen, dann hört man aus dem Lager der Skeptizisten sofort wieder dieses „hihi, pöhse …“ (siehe Der Psiram Lehrmeister – Massentaugliches Infotainment und marktkonformer Brainfuck).

Das Böse? Fuck yeah, bro, das gab’s doch vielleicht irgendwann im Mittelalter, aber doch nicht in unseren strahlenden Zeiten der digitalen Transformation, in denen Gott KI seine Herrschaft antritt und Sheldon Coopers Kumpels das Chipsfuttern und Onanieren demnächst vom Serviceroboter „Sophia“ besorgt bekommen.

Auch die gerade in Idlib verschanzten Terroristen der HTS (früherer Name: Al Nusra und Al Kaida), sind laut Tagesschau gar nicht böse, sondern moderate Kopfabschneider. Deshalb werden ihnen auch von derjenigen deutschen Regierung, die das Gute und Gerne für sich gepachtet hat, aktuell 50 Millionen Euro überwiesen (2019: > 60 Mio.) – Steuergelder, die der tagesschauguckende Leitmedienbürger jedoch gerne springen lässt, wenn es darum geht, in der Welt wieder „Verantwortung zu übernehmen“ und dem Guten und Gernen Leben zum Endsieg zu verhelfen.

„Alles was ist, ist gut“ und was noch nicht ganz gut ist, könne man getrost den „Experten“ überlassen, die gerade am kommenden Paradies basteln. In dieses Credo stimmt derzeit fast jeder, der etwas auf sich hält, ein – knallharte Vertreter des Neoliberalismus genauso wie Vertreter der Microsoft-Esoterik: Alles ist gut. Und wenn Dein Leben noch nicht gut ist, dann hast Du Dich eben noch nicht richtig ins Zeug gelegt!

Einzig bei denjenigen Menschen, die noch von ihrem Denken Gebrauch machen und die 2+2 zusammenzählen, könnte man sich darauf einigen, das Prädikat „böse“ zu vergeben. Denn diese behindern das Kommen des alternativlos Guten, des Fortschritts, des technokratischen Paradieses, in dem der allmächtige, allwissende, nur leider nicht allgütige Gott KI dafür sorgen wird, dass alles mit allem vernetzt und nach streng wissenschaftlichen Kriterien geratet ist. Für Ketzer, die meinen, dass dieses gechippte, selbstfahrende und selbstbestrafende Paradies eher Dantes Eishölle gleichen wird, bereitet man bereits die digitalen Scheiterhaufen.

Böse? War gestern. Wir sind die Guten. Seit  Beginn der Milleniumswende hat die Medaille bekanntlich nur noch eine Seite. Wer das nicht glaubt, kann es bei Wikipedia nachlesen, dem neuen Wahrheitsmedium, mit dem jetzt auch Youtube-Videos referenziert werden, ob sie wahr oder fake sind.

Dabei wäre gerade das eine der wichtigsten Aufgaben der Neuzeit: Das Böse in all seinen Facetten und als – auch dem Menschen immanentes – Prinzip zu erkennen. Dann kann man eventuell Wege finden, wie man diese bösen Aspekte sogar zu etwas Brauchbarem nutzt. Aber davon brauchen wir jetzt gar noch nicht reden, da uns schlicht das ABC und die Grundrechenarten des Bösen fehlen.

Wir würden uns wundern, wie schnell die Dinge wieder aufwärts gehen würden, sobald wir uns dieses ABC aneignen. Solange wir uns diesbezüglich jedoch dumm und gwupp stellen, und uns dabei auch noch spaßig und schlau vorkommen, wird es weiter bergab gehen – und zwar im Schweinsgalopp.

Ich habe Böse übrigens bewusst ohne die üblichen Gänsefüßchen geschrieben. Wen das Wort Böse stört, der kann meinetwegen ruhig „das Destruktive“ sagen oder dgl. – An Worten soll es da nicht scheitern und darf man sich nicht ins Bockshorn jagen lassen … in Zeiten, in denen das Böse bzw. die totale Destruktion keine Scham mehr kennt und in den Gewändern des Guten, Gernen und Alternativlosen daherkommt.

Studentenfutter #2: Über marktkonforme Zerschwätzung oder den Sinn und Zweck von Talkschlangenshows

Immer noch an den Bürostuhl gefesselt, greife ich in meine neben dem Bildschirm stehende Schüssel mit Studentenfutter, um Treibstoff für das Rat Race in unserer alternativlosen Leistungsgesellschaft zu tanken. Während ich die Hasel- und Paranüsse kaue, erlaube ich mir ab und zu auch einen Blick in die sozialen Medien. „Talkshow“ war das Stichwort, das mir heute von einem geschätzten Kollegen aus der Facebook-Timeline entgegenleuchtete. Dazu konnte ich es mir nicht verkneifen, eine kleine Paranuss beizusteuern.

Meine Hypothese: Die Talkschlangengruben von Anne Will, Maischberger, Lanz & Co. dienen lediglich dazu, um diejenigen Dinge zu zerschwätzen, mit denen uns gerade der Garaus gemacht werden soll. Wer in diese Talkschlangengruben hineingreift bzw. hineinguckt, riskiert, dass er damit ebenfalls das marktkonforme Viperngift in die Adern injiziert bekommt, das derzeit einen großen Teil der Bürger herablähmt und außer Gefecht setzt – und sie sogar dazu bringt, ihren eigenen Metzgern entgegenjubeln.

Wenn dann doch einmal ein echter Experte in einer dieser Schlangengruben landet, der aufgrund unabhängiger Forschung erschütternde Fakten zu berichten hat wie z.B. Manfred Spitzer über die sich gerade im Zeitraffer vollziehende digitale Degeneration einer ganzen Generation, dann setzt man diesem Experten gleich vier konzernwirtschaftlich alimentierte Kontrahenten gegenüber, die an gepflegter Diskussion und Erkenntnisgewinn genau Null Interesse haben, sondern die ihren Auftrag darin sehen, kritische Stimmen gegen ihr Geschäftsmodell platt und lächerlich zu machen.

Gäbe es die Talkschlangengruben von Anne Will & Co. nicht und müssten wir uns also eine eigenständige Meinung bilden, dann würden wir zu dem, was derzeit nach dem Willen von Industrie und Politik auf uns an „Fortschritt“ zurollt, sagen: „Hey, das ist ja reiner Wahnsinn, das wird uns den Garaus machen.“ So aber sieht man in den Shows, wie dort eloquente Weiblein und Männlein amüsiert und überlegen lächelnd allen möglichen Wahnsinn begrüßen. Man wird dann einsehen, dass es ja für alles Pro und Contra gibt und dass man die Pros und Contras auf der Ledercouch auch mit solch entwaffnender und evidenzbasierter Überzeugtheit vorbringen kann, dass man als nichtwissenwollenschaftlich domestizierter Schulabgänger gar nicht anders kann als den heranrollenden Fortschritt dann doch irgendwie als alternativlos anzuerkennen.

Auch die Tatsache, dass einem selbst und seinen Kindern dabei demnächst das Fell über die Ohren gezogen wird, hat ja auch ihr unbestreitbar Gutes – z.B. fürs Klima, für die CO2-Bilanz, für die transatlantischen Fellhändler, für die Aasgeier und Organhändler, die sich dann an unseren Innereien weiden können etc. – ist eben alles nur eine Frage des Standpunkts und der Perspektive.

Auf diese Weise kann uns selbst der hellste Wahnsinn wie Geoengineering, die Robotisierung des Menschen / Transhumanismus, 5G (siehe „Welcome to the final Show“) etc. schmackhaft gemacht werden.

Foto: Pixabay/CC0

Über Terminator-Saaten, Aufklärungsschutzmittel und Paranüsse (Studentenfutter #1)

Wenn man, so wie ich gerade, ununterbrochen vorm Bildschirm sitzen und „Leistung bringen“ muss, bleibt mitunter wenig Zeit zur Nahrungsaufnahme, geschweige denn zum Schreiben von Blogartikeln. – Obwohl der Mensch bekanntlich nicht vom Brot allein lebt und er dann, wenn er auf das Formulieren eigenständiger Gedanken verzichtet, in heutiger Zeit mehr oder weniger verhungert bzw. erfriert. In solchen Rush Hour-Zeiten greife ich gerne zu „Studentenfutter“, das ist ein Mix aus Hasel-, Erd- und Paranüssen, die angeblich reich an Lecithin sind und daher dem Gehirn die notwendige Grundlage geben, damit es Leistung bringen bzw. „büffeln“ kann.

Aus Zeitgründen daher nur ein paar Paranüsse bzw. Gedankensplitter, damit das Futter zum Nachdenken nicht ausgeht. Die Nüsse wurden von unserem geschätzten Kollegen Marigny de Grilleau bereits weitgehend geknackt, man braucht sie bloß auflesen  – was nicht heißt, dass man sie nicht auch selbst kauen, verdauen und in eigene Körpersubstanz umsetzen muss.

Die Paranüsse stammen aus einem aktuellen Facebook-Thread, in dem erörtert wird, warum wir  gerade einen derart gespenstischen „Chillstand“ (Matuschek) erleben und alles trotz kunterbuntem 4k-5G-wireless Hitechanstrich irgendwie nach Verwesung und Untergang riecht. Im nachfolgenden Dialog geht es auch umd die maßlose Überschätzung heutiger Intellektueller und warum sich derzeit viele Menschen, die sich von der Aufklärung dieser Intellektuellen viel versprochen haben, nun wieder enttäuscht abwenden.

Die einleitende Paranuss von Marigny sei auch deswegen hier nochmals wiedergegeben, da seine Texte auf Facebook sukzessive gelöscht und er immer wieder gesperrt wird (siehe auch „Gefährdung der marktkonformen Demokratie – Für solche Memes wird man heute auf Facebook gesperrt“), während angebliche Systemkritiker wie Rezo, Jung&Naiv, Mailab & Co. – die der nachrückenden Generation allesamt eine „wissenschaftlich“ geführte Welt predigen – mit Medienpreisen, Deutschen Fernsehpreisen und Grimmepreisen überhäuft werden.

Aufgrund gnadenlos tickender Uhr diesmal also kein elegischer Aufsatz, sondern nur c&p als schnöder FB-Thread (Wer sich überfordert fühlt, wenn heilige Kühe, heilige Mausbären und heilige Hipster angetastet werden, die wir derzeit als Ikonen der Aufklärung vor uns hertragen, der lese hier auf keinen Fall weiter, er riskiert sonst womöglich einen Herz-Kreislauf-Zusammenbruch):

 

Marigny de Grilleau

Aufklärungsarbeit sind wie kleine Pflänzchen, die auch auf einen fruchtbaren Boden fallen müssen, ansonsten geht die Saat nicht auf. Und genau das ist unser aller Problem.

Aufklärungsarbeit fällt auf vergiftete Böden, die untauglich sind, sie können sich nicht entfalten. Diesen Acker, der bestellt vom herrschenden Establishment sprich von der ökonomischen Macht, die besprühen diesen Acker mit Aufklärungsschutzmittel, das nur ihre Aufklärung wachsen und gedeihen kann. Sie wissen nämlich allzu gut, dass eine Gegenaufklärung sie entlarven würde und es unter Umständen ihre ökonomische Macht kosten könnte. Also sprich ihr Machtvakuum in Gefahr sehen. Und so besprühen sie die Böden mit einem Aufklärungsschutzmittel, dass nur ihre Terminator-Saat aufgehen kann. So haben sie über mehrere Jahrhunderte ihre Netzwerke und Wissenschaftstempel gegründet und installieren die Systeme und die Aufklärung, die sie brauchen, um ihr Machtvakuum aufrechtzuerhalten.

Um darüber aufzuklären über diese Struktur, die uns gefangen hält, ist so gut wie unmöglich. Denn der Betrug an uns Bürger ist so gewaltig, dass keiner diesen Betrug als Betrug erkennen will nicht, weil nicht sein kann, was nicht sein darf, vielmehr weil die Lüge so gigantisch ist, dass keiner es glauben mag, dass es eine Lüge sein kann. Und so ist es möglich, dass das herrschende Establishment gar ihre eigene Bevölkerung opfert, also umbringt, um politische Weichenstellungen voranzubringen. Siehe Geheimarmee Gladio, deren Aufklärung bis heute von unseren Volksvertretern sabotiert wird. Helmut Scheer, der leider zu früh verstorben ist, berichtete darüber.

  • Vietato Fumare [Parkwaechter] Mausfeld hat es einmal schön ausgedrückt: „Wir haben es heute mit einer Gegenaufklärung zu tun, die sich perfiderweise als Aufklärung tarnt.“ – Wobei man ja sehen kann, dass nicht einmal kluge Köpfe wie Mausfeld selbst vor dieser Gegenaufklärung gefeit sind und dass auch er – bei aller zweifelloser Scharfsinnigkeit – auf eine noch sehr viel fundamentalere Ebene der Lüge nicht hinzublicken vermag. Wenn man es also schafft, dass sogar unsere klügsten Intellektuellen letztlich doch im Netzwerk des Manufacturing Consent befangen bleiben und der herrschenden „W issenschaft“ dienen, wie soll man es dann vom dschungelcampguckenden Taggesschaubürger erwarten, dass er sich vom Emmentalerwurm, der in seinem Gehirn kreist, befreit?
  • Vietato Fumare Die Gründe, warum Mausfeld das nicht tut, sind trotz postmoderner Smartheit im Prinzip die gleichen wie im Mittelalter: Man würde ihn umgehend auf die Streckbank spannen und dann durch die heilige Inquisition am – heute digitalen – Scheiterhaufen der herrschenden Lehre (der „Wissenschaft“) verbrennen.
  • Christina Falke Vietato Fumare  Ich dachte immer, dass sich die Älteren weniger vor der Veröffentlichung der Wahrheit fürchten müssen, denn sie haben sich lebenslang einen Ruf erarbeitet und konnten auch finanziell ihre Schäfchen ins Trockene bringen. Mir ist dies deshalb ein Rätsel.
  • Vietato Fumare Christina Falke  Das ist bei Mausfeld auch der Fall und diesebzüglich muss man ihm auch zugutehalten, dass er sich ziemlich weit aus dem Fenster gelehnt hat und einen wichtigen Beitrag zur Systemkritik gegeben hat. Es ist aber vielmehr ein ideologisches Problem. Bei aller gedanklicher Beweglichkeit, die sich Intellektuelle wie Mausfeld zweifellos erarbeitet haben und die man auch anerkennen muss, haben sie das „Betriebssystem“, das ihnen in Schule und Uni aufgespielt wurde und mit dem sie nun surfen, nicht geändert. Dieses Betriebssystem bzw. deren technokratisch-szientistische (und letztlich nihilistische) Denkweise haben sie dermaßen verinnerlicht, dass sie ihr gesamtes Selbstverständnis darauf gründen. Es gäbe ja bekanntlich auch andere Betriebssysteme wie Linux, aber da wäre dann die aufgespielte „wissenschaftliche“ Software nur noch bedingt kompatibel und der Anwender, der es gewohnt war, als Professor souverän in den ihm vertrauten Gewässern zu surfen, müsste mit Abstürzen rechnen bzw. wieder bei Null anfangen.
    – Mit 50, 60 oder 70 Jahren noch einmal bei Null anfangen und sich nach den Maßstäben der herrschenden Lehre lächerlich machen? Bei solchem Gedanken muss einer in der wissenschaftlichen bzw. intellektuellen Fachwelt anerkannten Autorität natürlich schummrig vor Augen werden. Insofern hat jeder von uns, der in dieser Fachwelt kein Renommee hat, einen großen Vorteil: Er hat diese Last und dieses autoritative Damoklesschwert nicht über sich, sondern kann im Prinzip frei manövrieren bzw. denken. Und was die Handlanger und Medientreibenden dieses zutiefst kranken Systems über ihn denken, kann ihm auch relativ egal sein. Er zieht es vor, unabhängig zu denken und damit geistig gesund zu bleiben.

Vietato Fumare Das Gleiche gilt übrigens auch für all die medien- und grimmepreisgekrönten Mailabs, Rezos, Tilos, Struppis und Bummstis, die heute im „Nicht-Mainstream“ die Meinungsführerschaft innehaben und ganze Millionenschaften an Followern in seichten Gewässern in Strandnähe halten, während auf hoher See gerade der entscheidende Kampf um unsere Zukunft ausgefochten wird.

 

Quelle: Facebook/Marigny de Grilleau

[Anm.: Falls Marigny de Grilleau auf FB für das Verteilen solchen Studentenfutters gesperrt wird, kann man ihn auf seiner eigenen Seite weiterverfolgen: grilleau.blogspot.de .]

Foto: Pixabay / CC0

Warum der Untergang naht … und warum wir uns jetzt trotzdem entspannen können

Vergiftete Brunnen und Influencer mit Morbus Science

Manchmal schafft es auch ein Bericht in die Massenmedien, der nicht der Banalität oder der Desinformation dient, sondern durchaus lesenswert ist. So etwa ein gestern in der NZZ erschienenes Essay einer promovierten Historikerin, die es wagt, die Käseglocke anzuheben, unter welcher die Welt der akademischen Lehre gerade vor sich hinschimmelt.

Die Historikerin beschenkt uns in ihrer Betrachtung auch mit einem historisch denkwürdigen Begriff, den wir uns merken sollten, um dasjenige zu verstehen, wo der gesunde Hausverstand derzeit kapitulieren muss: „Agendawissenschaft“. Wissenschaftlern dieser neuen, sich epidemisch ausbreitenden Zunft ginge es nicht mehr um ergebnisoffene Forschung und Erkenntnis, sondern darum, „mithilfe von Forschung und Lehre ein ideologisch verbrämtes gesellschaftspolitisches Programm voranzubringen“. Inzwischen habe sich in der wissenschaftlichen Welt ein regelrechter Widerwille etabliert, sich mit <<falschen Positionen>> zu befassen“.

Wer in dieser Nichtwissenwollenschaft den Kopf über den Tellerrand heben – oder eigentlich nur die Augen für die unmittelbare Realität öffnen möchte, der muss mit Disziplinierungsmaßnahmen rechnen. Disziplinierungsmaßnahmen, an denen sich bereits Erstsemestrige eifrig beteiligen, um Lehrende, die nicht auf Linie sind, zu diskreditieren und aus dem öffentlichen Diskurs zu verdrängen.

In Zeiten von Social Media geht das per Knopfdruck und in Echtzeit. Auf Phasen der Reflexion über Gehörtes und allenfalls verflogene Wut nach einem  Heimspaziergang kann heute nicht mehr gerechnet werden. „Daumen runter“ gibt’s sofort, wenn einem eine Ansicht begegnet, welche der persönlichen Kompassnadel widerspricht. Dass diese persönliche Kompassnadel nur deswegen in eine bestimmte Richtung zeigt, weil „Manufacturing Consent“-Spezialisten einen kleinen Magneten installiert haben, der eine freie Bewegung der Kompassnadel nicht zulässt, wird nicht in Betracht gezogen.

Nach Beobachtung der Historikerin werde stattdessen „die enorme Komplexität des Wissens, mit der sich Studenten vor allem in den ersten Semestern konfrontiert sehen, auf ein leicht verstehbares und durch Aneignung der «richtigen» Sprache schnell anwendbares Schema“ reduziert, mit dem die Welt in Gruppen aufgeteilt werden könne. Alles natürlich, um dem Guten und Gernen Leben zu dienen. Um ein auf Andersdenkende disziplinierend wirkendes Klima zu erzeugen, bedürfe es einer kritischen Masse solcher Agendawissenschaftler in jeweiligen Forschungsfeldern. Nach Ansicht der Historikerin habe der Marsch durch die Institutionen vor allem in den Kultur-, Sozial- und Geisteswissenschaften dazu geführt, dass diese kritische Masse vielfach bereits erreicht wurde.

Wer nachfolgenden Artikel liest, wird verstehen, wie der Brunnen der herrschenden Lehre gerade sukzessive vergiftet wird und wie es dazu kommen konnte, dass wir im gesellschaftlichen Diskurs derzeit regelrecht wahnhaften Vorstellungen folgen. Denn aus besagtem Brunnen der herrschenden Lehre der (Agenda-)Wissenschaft schöpfen auch alle Influencer, die derzeit ihre Millionenschaften an Followern und fast eine ganze Generation mit dieser Influenza influenzieren: All die Junk Science „Bildungskanäle“ wie maiLab (bereits bedacht mit dem Grimme Online Award für Wissen und Bildung), Rezo, Porno-Katja & die 90 Super Youtuber etc.

Da die WHO den Virus von Morbus Science immer noch nicht in seiner letalen Auswirkung erkannt hat, hat sich diese bislang nur in bestimmten Thinktanks und Universitätsinstituten grassierende Krankheit mittlerweile zur Pandemie ausgeweitet.

Ritter*Innen der Kokosnuss

Natürlich gebietet es das Selbstverständnis eines im akademischen Leben verankerten Nichtwissenwollenschaftlers, dass er nicht untätig bleibt. Das Schul- und Universitätssystem hat ihm einen aufs Höchstmaß zugespitzten Intellekt aufgesetzt, mit dem er jetzt nicht ganz tatenlos zusehen kann, wie rundherum in der Welt alles den Bach runtergeht. Er muss diesen Intellekt auch schon aus Gründen der reinen Selbsterhaltung in irgendeine Richtung einsetzen. Denn würde er sich  mit einem mit 400 U/min vor sich hinrotierenden hybriden Intellekt nicht irgendwo einkuppeln sondern nur im Leerlauf drehen, dann würden sich die Zahnräder seines Getriebes selbst zerreiben. Doch wo darf man ihn in Zeiten wissenschaftlichen Prekariats noch einkuppeln, diesen Intellekt? Für irgendetwas möchte man kämpfen, damit man sich nicht ganz wertlos vorkommt. Aber die von Regierung und Medien vorgegebene Linie lässt kaum noch etwas zu, gegen das man kämpfen bzw. für das man sich engagieren darf. Nur zwei mickrige Ventile werden der Masse angeboten, über die sie ihren Überdruck abpfeifen lassen darf. Angesichts des massiven Überdrucks, der sich jetzt über diese beiden Ventile Ausdruck verschaffen möchte, hat es die Ventilsitze samt den Adaptern allerdings bereits vollkommen durchgerissen, sodass nun der ganze Reifen plattmacht.

pixabay/CC0

Diese beiden, mittlerweile ausgeleierten Ventile sind jedem bekannt: Einerseits der „Kampf gegen Rechts“ (laut Prof. Mausfeld ein „Fake-Kampf“, der vor der Konfrontation mit den wirklich anstehenden Problemen ablenken soll) und andererseits der Kampf für Geschlechterneutralität. Wer also nach Schulende seinen vorgeschriebenen Grundwehrdienst als Infanterist im Kampf gegen Rechts schon abgeleistet hat und der Gesellschaft besonders progressiven Fortschritt bescheren möchte, der darf beim Orden der Ritter*Innen der Kokosnuss seine Lanzen brechen. Nach sechs Semestern Gender Studies kann er dann als Bätschelor mit evidenzbasierten Studien die drängende Frage abarbeiten, ob es noch Inklusion oder bereits Diskriminierung ist, wenn man Mushroom Mermaids als Reinigungskräfte einsetzt, um das Stehurinal zu putzen, in dem Wombat Cockster und Hustler Hedgehogs ihre Notdurft verrichten.

Relax, don’t do it!

Wer den nzz-Artikel liest (der in Wirklichkeit nur die Spitze eines von hunderten Eisbergen zeigt und der sehr zurückhaltend geschrieben ist, da die Autorin ansonsten ja ihre eigene Position als Masterstudiengangs-Leiterin gefährden würde), der wird auch etwas sehr Ernüchterndes realisieren: Dass es angesichts des bereits vorangeschrittenen Grades an neoliberaler Indoktrination wohl nur eine relativ kleine Anzahl an Menschen sein wird, die sich der Vermassung entziehen und ein gesundes, eigenständiges Denken ausbilden wird können.

Diese an sich fatale Tatsache einzusehen, hat aber auch etwas Entspannendes: Man ist dann nicht mehr versucht, die gesamte Gesellschaft zu retten bzw. dem kollektiven Wahnsinn eine Wende geben zu müssen (dazu ist dieser Wahnsinn bereits zu weit vorangeschritten bzw. in das Innere der Menschen hineingedrungen).

Auch wenn es also nur vergleichsweise Wenige sein werden, die nicht Opfer des Wahnsinns  werden (siehe Dostojewskijs Traum von der szientistischen Pest), so kommt es aber gerade darauf an, dass es sie gibt. Wie sie in einer weitgehend irre gewordenen Welt leben werden können, ich vermag es auch nicht zu sagen. Man kann nur darauf hoffen, dass sich schon irgendwie Möglichkeiten ergeben werden. So wie auch nach einem Vulkanausbruch am aschebedeckten Umfeld wieder vereinzelt Samen aufgehen und zu Bäumen heranwachsen, die Anderen Schatten spenden können.

Mit ‚Entspannen‘ meine ich natürlich nicht, dass man jetzt die Füße auf den Tisch legen und Dschungelcamp gucken soll. Ganz im Gegenteil: Man muss jetzt äußerste Kraft aufwenden und in Bewegung bleiben, damit man im neoliberal vergletschertem Lebensumfeld nicht erfriert. Wer gesund bleiben und verhindern will, dass einen der Wahnsinn packt, der muss geistig rege sein wie noch niemals zuvor. Insofern ist es auch nicht umsonst, dass es Einzelkämpfer gibt, die mit ihren kleinen Piratensendern die Stellung halten, obwohl der Wind des Wahrheitsministeriums mit aller Kraft versucht, sie von der Bildfläche zu blasen (was dank Zensur und Shadowbanning-Techniken in den sozialen Medien auch durchaus erfolgreich vorangetrieben wird). Denn diejenigen, die noch geistig gesund sind, brauchen auch gesunden, nicht mit dem Virus des Wahnsinns influenzierten Input von anderen, sonst müssten auch sie mehr oder weniger verzweifeln.

Mit ‚Entspannen‘ meine ich vielmehr, dass man es sich weitgehend abschminken kann, andere überzeugen zu wollen, die ihre Wahl vorerst bereits getroffen haben, obwohl man ihnen die Worte von Max Jacob zurufen möchte: „Ich weine vor Euch, weil ich weiß zu welchen Schlünden ihr wandert.“ Das heißt nicht, dass man nicht den ein oder anderen bei Gelegenheit doch davon abhalten könnte, in den Abgrund zu marschieren. Doch wer sich dies für die Gesellschaft als Ganzes erwartet, der würde sich hoffnungslos verausgaben. Die Verpflichtung, die jeder noch gesund denken könnende Mensch hat, ist jedoch: sich selbst und diejenigen, die sich ebenfalls dem Wahnsinn verweigern, geistig gesund zu erhalten bzw. aus dem medial verordneten Eintopf der Ignoranz zu emanzipieren und jetzt vollkommen unabhängig  denken zu lernen. Auch vollkommen unabhängig von denjenigen Autoritäten, die sich in schönen Gewändern als Wissenschaft bezeichnen, aber meist nur eine Nichtwissenwollenschaft verkörpern. Ebenso unabhängig von Intellektuellen, von denen derzeit ja viele enttäuscht sind, da sie sich in mancherlei Hinsicht ebenfalls der Agenda des Mainstream ergeben haben. Mit dem Erlangen und Bewahren dieses unabhängigen Denkens ist das Notwendige getan. Was dann kommt, wird sich schon ergeben.

Aufgrund verschärften Zitaterechts diesmal nur ein schlichter Link zum vorgenannten Artikel:

Wenn Wissenschafter eine Agenda verfolgen: wie Macht und Moral an den Hochschulen die Erkenntnis ersetzen (nzz)

 

P.S.:
Was an diesem nzz-Artikel eventuell zu bemängeln wäre, ist die Verwendung des Wortes „Moral“, mit welcher die besagte Disziplinierung neben „Macht“ erfolge. Um wohl klingende Wörter sind wir ja heute nicht verlegen, um unsere Lebenslüge zu rechtfertigen, obwohl das Motiv der Agendawissenschaftler eher mit dem Wort „Moralisieren“ zu charakterisieren wäre – wobei „Moralisieren“  ja geradewegs das Gegenteil von wirklicher Moral und eigentlich eine Amoral oder sogar Antimoral ist.

Auch wird im nzz-Artikel die Frage, wer denn eine solche Agenda der Agendawissenschaften überhaupt ausgibt, nicht einmal berührt. Wer sich darüber kundig machen möchte, der wird eventuell bei Noam Chomsky (siehe „Die Wachhunde der Machtelite“), bei Edward Bernays oder bei Bertrand Russel fündig:

>> Ich denke, das Thema, das politisch am wichtigsten sein wird, ist die Massenpsychologie. … obwohl diese Wissenschaft sorgfältig studiert wird, wird sie starr auf die regierende Klasse beschränkt sein. Die Bevölkerung wird nicht wissen dürfen, wie ihre Überzeugungen entstanden sind. Wenn die Technik perfektioniert ist, wird jede Regierung, die für die Erziehung einer Generation verantwortlich ist, in der Lage sein, ihre Untertanen sicher zu kontrollieren, ohne dass Armeen oder Polizisten benötigt werden … Bald werden verschiedene Ergebnisse erzielt werden: dass der Einfluss der Heimat hinderlich ist … Erziehungs-Propaganda könnte mit Hilfe der Regierung dieses Ergebnis in einer Generation erreichen. Es gibt jedoch zwei mächtige Kräfte, die gegen eine solche Politik sind: die eine ist die Religion, die andere der Nationalismus. … Eine wissenschaftliche Weltgesellschaft kann nicht stabil sein, wenn es keine Weltregierung gibt. <<  (Bertrand Russell, Der Einfluss der Wissenschaft auf die Gesellschaft, 1953)

Chaostage und die Nacht der bösen Angela (Was uns 2020 erwartet)

Chaostage

Chaostage (siehe Spiegel), die gab es in prämerkelschen Zeiten nur einmal im Jahr und nur in Hannover. So wie sich der Spießbürger auf Fasching freut, so fieberten auch Punks, Hooligans „sowie andere erlebnisorientierte und gewaltbereite Jugendliche und Erwachsene“ (Wikipedia) jedes Jahr auf diesen einen Tag hin, an dem sie endlich die Sau rauslassen konnten. In Fußgängerzonen, die ansonsten unter der Hoheit der Polizei standen, durfte man dann das reine Chaos walten lassen.

Inzwischen braucht niemand mehr auf einen speziellen, von den Ordnungshütern gefürchteten Tag des Jahres warten, die Sau darf jetzt 365 Tage im Jahr durchs Dorf getrieben werden. Es braucht auch niemand mehr hunderte Kilometer anzureisen, um im Schutze der Masse zu seinem Vergnügen zu gelangen, die Chaostage finden heute bundesweit statt. „Die deutsche Justiz steht kurz vor dem Kollaps“, titelte bereits die Wirtschaftswoche (siehe wiwo). In einem Focus-Report meint Oberstaatsanwalt Ralph Knispel im größten Strafgericht Europas: „Das sieht hier alles zwar hübsch aus. Aber in Wirklichkeit machen wir hier nur noch fröhlich Musik wie die Kapelle auf der Titanic.“ „Was wir erleben, ist ein Rückzug des Staates auf breiter Front“, meint auch der Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft. Mit Ermittlungsfällen überschwemmte Staatsanwälte verschafften sich Luft, indem sie massenhaft Verfahren einstellen. Polizisten könnten Straftaten an Brennpunkten längst nicht mehr ausreichend verfolgen, etliche Gefängnisse melden Überfüllung. „In einem Mordfall vom Februar 2018 haben wir bis jetzt noch nicht einmal eine ausgewertete DNA-Probe. Es kommt vor, dass eine DNA-Probe erst nach einem Jahr ausgewertet ist. Das ist absurd.“  Von 5,18 Millionen Verfahren hat die Staatsanwaltschaft mehr als die Hälfte – 2,9 Millionen – durch Einstellung mangels Tatverdachts, wegen Geringfügigkeit oder unter Auflagen erledigt. In gerade einmal 434.600 Fällen (=8,4 %) kam es zu einer Anklage.

Perfekter Auftakt für 2020 – Der Eintopf der Beklopptheit quabbelt nun über

„Die Nacht der bösen Angela“- nach dem gleichlautenden Titel eines Romans des Horror-Schriftstellers Jason Dark habe ich schon seit längerem einen Artikel in Arbeit, den ich bislang nicht fertigstellen konnte. Jetzt merke ich, dass ich mich ranhalten muss. Denn die Zeit rast in unglaublichem Tempo dahin, sodass nun selbst der letzte Akt der Dauerkanzlerin demnächst zu Ende gehen wird. Grund, sie ein fünftes Mal wiederzuwählen, gibt es nicht, denn sie hat ganze Arbeit geleistet. Den Rest wird der Wind erledigen. Wenn dann auch die Fassade dieses Landes, die derzeit noch steht, weggeblasen ist, dann werden die Menschen wohl anderes zu tun haben, als politische Artikel zu lesen.

Als Vorgeschmack bzw. zur Überbrückung bis zur finalen Nacht der bösen – pardon: der guten und gernen natürlich – Angela hier also nur ein kleines Gustostück aus dem Repertoire unseres Guten und Gernen Leitkultur-Schränkchens – produziert von „Funk“, einem Online-Medienangebot von ARD und ZDF für Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 14 und 29 Jahren. Der öffentlich-krächzliche Rundfunk lässt sich in seinem Kultur- und Erziehungsauftrag schließlich nicht lumpen.

Ich erspare mir weitere Kommentare, die ja genauso wie beim weihnachtlichen Umweltsau-Nazioma-Ständchen des WDR müßig sind und nur wütende Gegenmeinungen und Verteidigungen der künstlerischen Freiheit hervorrufen. In Wirklichkeit war es auch absehbar. Selbst die dickste Eiche kann so etwas nicht allzulange aushalten, geschweige denn frisch gepflanzte Bäumchen. Die Banalität des Guten und Gernen Wahnsinns, mit dem der unbedarfte Leitmedienbürger nun schon seit 14 Jahren täglich intensiv besprüht wird, ist bei einer großen Anzahl von Bürgern, womöglich sogar bei der Mehrheit, mittlerweile bis zum Kern durchgesickert und und fordert nun ihr Recht. Autoaggression wird zur Spannungskompensation nicht mehr ausreichen. Es werden gewaltige Aggressionen sein, die sich nach außen Ausdruck verschaffen wollen (wehe den Sündenböcken dieser Gesellschaft, den Armen, Obdachlosen, Arbeitslosen und Ausgegrenzten!). Um den Wahnsinn und die Lebenslüge, die der Bürger in sich eindringen hat lassen, nicht realisieren zu müssen, wird das Konsumieren und Suvfahren exzessive Ausmaße annehmen wie noch niemals zuvor, viele werden aus ihren SUVs und Flatscreens gar nicht mehr aussteigen wollen. Wer jetzt in die Aktien von Schnapsbrennereien, Makeup-Manufakturen und Flatratebordellen investiert, kann mit Sicherheit noch ein letztes Mal ordentlich Kohle machen.

Aber ich wollte ja diesmal keine langatmigen Worte machen. Möchte an dieser Stelle nur die Worte eines Anwalts zitieren, der mich auf das untige Video aufmerksam gemacht hat:

„Bekloppt waren Viele schon lange, jetzt sieht man es einfach nur, weil die Bekloppten sich irgendwie nicht mehr verstecken können. Sie scheinen einem inneren Zwang nachgeben zu müssen alle Welt davon überzeugen zu wollen, dass sie bekloppt sind.“

Ganz verkneifen konnte ich es mir dann aber doch nicht, einem fripster lifestyle Journalisten der „Funk“-Redaktion zu antworten, der dieses Video im Nachgang unter Verweis auf die evidenzbasierte Rap Gang Bang Straßenkultur im ehemaligen Land der Dichter und Denker („Fack ju!“) zu rechtfertigen versuchte und mit astroturfend-relotisierendem Augenverdrehen alle „reaktionäre“ Spießerkritik vom Tisch wischen wollte:

„yeah, alles superease, bro. Als splash ass freestyle Fripster wird man wohl noch seinen Spaß haben und singen dürfen was man will. Möchte mal sehen, ob diese reizenden Chordamen immer noch „Fick die Cops“ singen, wenn sie gruppenvergewaltigt im Rinnsal liegen, so wie das angeblich in Dtld. derzeit 600 jungen Frauen pro Jahr passiert (ich möchte die Dunkelziffer, die vermutlich ein Vielfaches höher liegt als die offizielle Zahl, erst gar nicht wissen).

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Gibt’s doch gar nicht (Potzblitz!)

Kraftvolle Neujahrsbotschaft

Entgegen meinem Neujahrsvorsatz, die Nase nicht mehr unnötig in Mülltonnen zu stecken, ließ ich mich dann doch zu einem Griff zur Bild-Zeitung verleiten. „Kann nicht schaden“, dachte ich mir – in einer Zeit, in der uns Bürgern von Seiten der Leitmedien ja eindringlich nahegelegt wird, „raus aus der Blase“ zu kommen und uns auch ausreichend die herrschende, evidenzbasierte Meinung zuzuführen (ich kann jeden nur vor dieser Empfehlung warnen!). Nur einen kurzen Blick wollte ich erheischen und blieb wieder einmal mit dem obligatorischen „das gibt’s doch gar nicht“-Erlebnis zurück, das sich für selbständig denkende Menschen mittlerweile auch bei nur kurzem Kontakt mit Produkten der Rat Media Solutions GmbH (Blöd-Zeitung, Relotius-Narrenspiegel, Südtäusche, Springers transatlantische Liliput-Welt & Co) unweigerlich einstellt. Bild-Chefredakteur Julian Reichelt spricht in einem Leitartikel von einer „kraftvollen Botschaft“, die „vom verglühten Autowrack“ des von den USA zum Jahresauftakt per Drohne getöteten Generals Soleimani ausgehe: Die USA hätten damit deutlich gemacht, dass sich niemand „vor der Stärke Amerikas verstecken könne“.

Soleimani war der zweitwichtigste Amtsträger des Iran. Er galt als Architekt der „Achse des Widerstands“ und war maßgeblich beteiligt an der Verhinderung von westlichen Regime-Change-Bestrebungen in Syrien sowie anderen Ländern des Nahen Ostens. Soleimani hat auch entscheidend dazu beigetragen, die Terrormiliz IS sowohl in Syrien als auch im Irak zu zerschlagen. Im Iran war der 62-Jährige Generalmajor sehr beliebt, insbesondere weil er dafür gesorgt hat, dass der IS vom Nachbarland Irak nicht in den Iran eindringen konnte. In den iranischen Medien wurde Soleimani als „General der Herzen“ bezeichnet und als möglicher nächster Präsident gehandelt. Aus Sicht der westlichen Wertegemeinschaft jedoch ein „Monster“ und Terrorist – also jemand, den man ohne Gericht, ohne Anwalt und ohne offizielle Anklage einfach per Hellfire-Rakete auslöschen kann.

[Anm.: Was von Soleimani wirklich zu halten ist, darf man ruhig dahingestellt lassen. Ebenso wie bei allen anderen tagespolitischen Ereignissen findet ja auch in diesem Fall meist ein sofortiges Urteilen und Parteinahme statt. Entweder ist man für oder gegen etwas. In diesem Fall: Entweder war es ein Held oder ein Monster, der/das hier getötet wurde. Wieder einmal kann man also auch dieses für den Weltfrieden durchaus bedrohliche Ereignis nutzen, um sich in einer Tugend zu üben, die leider noch wenig ausgeprägt ist: Dass man bei einem Ereignis zunächst einmal nur ruhig beobachtet und Eindrücke sammelt, jedes vorschnelle Urteil jedoch streng suspendiert. Ganz im Sinne Goethes benützt man sein Denken also nicht zum schnellen Urteilen, sondern bloß zum Kreisen um eine Begebenheit oder eine Person. Hat man genügend Wahrnehmungen gesammelt und auch genügend oft darüber geschlafen, dann wird sich irgendwann wie von selbst ein profundes Beurteilen der Sache ergeben – natürlich nur, wenn man dazu selbst fragende und unbefangene Gedanken aufgebaut hat, sonst steigt nicht viel anderes auf als die Meinung, die andere produziert haben.]

Die iranische Staatsführung hat jedenfalls Vergeltung angekündigt. An der Dschamkarān-Moschee, einem der bedeutendsten Zentren des schiitischen Islam, wurde die blutrote „Fahne der Rache“ gehisst – in der Geschichte dieses als heilig geltenden Ortes zum ersten Mal. In der schiitischen Tradition symbolisiert die rote Fahne das ungerechte Vergießen von Blut und den Aufruf, das Opfer zu rächen.

Nachdem die in Syrien hochgezüchteten Terroristen inzwischen fast ausgemerzt sind und in Idlib ihre letzten Scharmützel liefern, haben Angela Merkels „verlässliche Freunde“ also nun dafür gesorgt, dass das Feuer des Terrorismus verlässlich weiterlodert. – Denn nur, wenn man sich nirgends mehr sicher fühlen kann und es verabscheuungswürdige Anschläge gibt, kann die eigene Agenda von globaler Dominanz und Kontrolle fortgeführt werden.

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Pirschelbär und Nazisau

Wie ich sehe, geht es ja derzeit nicht nur mir so: Eigentlich wollte man ja ein bisschen Ruhe geben dieser Tage. Doch kaum macht man den Bildschirm an, grinst einen schon wieder Pogo der Clown an und man kann das, was er pünktlich zur Jahreswende als Staatsräson verkünden will, dann doch nicht ganz unwidersprochen lassen. Generation Kevin macht gerade wieder von sich reden – Generation Kevin, also jene heute 20-30-Jährigen, deren Eltern dasjenige, was sie täglich via Flachbildschirm als „Programm“ zu sehen bekamen, so beeindruckt hat, dass sie ihren eigenen Kindern die in diesem Programm gehörten Namen gaben: Samantha, Mandy, Jade, Jack, Justin, Steven, Kevin oder eben: Danny.

Nomen est omen – der Name ist das Vorzeichen, meinten die Römer. Auch  John Steinbeck hat darauf hingewiesen, dass es mit dem persönlichen Namen eine geheimnisvolle Bewandtnis habe: „Ich bin mir nie ganz klar darüber geworden, ob der Name sich nach dem Kind formt oder ob sich das Kind verändert, um zu dem Namen zu passen.“

Jedenfalls sorgen die neuen Namen auch im ganz normalen Alltag mitunter für Turbulenzen. So erzählt uns etwa der Psychologe Götz Eisenberg von einer Episode aus der Kita, als ein dreijähriger Neuzugang von den Kinderdamen nach seinem Namen gefragt wurde: „Na, wie heißen wir denn?“ „Pirschelbär“, antwortete er. „Neeiiin, wie ist denn dein Naa-mee?“, versuchten es die Betreuerinnen weiter. Doch der Junge beharrte: „Pirschelbär.“ Die Damen, jetzt bereits etwas ungehalten: „Komm schon, jetzt sag‘ uns mal die Wahrheit: Wie heißt du?“ Mit Tränen in den Augen und der Schnuffeldecke vorm Mund nuschelte der Kleine noch einmal: „Pirschelbär“. Da reichte des den Kita-Mitarbeiterinnen und sie riefen Pirschelbärs Eltern an. „Wie heißt denn ihr Sohn nun, er will es uns nicht sagen?!“. „Pi-er Dschil-beer“, entgegnete die Mutter und buchstabierte: „P-i-e-r-r-e  G-i-l-b-e-r-t“. (aus: Eisenberg, G. 2015, „Zwischen Amok und Alzheimer – Zur Sozialpsychologie des entfesselten Kapitalismus“, Verlag Brandes & Apsel, S.165f.)

Dannytastischer Pirschelbär

Pirschelbär ist inzwischen raus aus der Kita, ein hipper Twen mit eigenem Twitter-Account geworden und darf selbst am Treiben der Erwachsenenwelt mitmischen. Jüngst hat er wieder für einen Eklat gesorgt. Das ganze Dorf war bereits in Aufruhr, da der Kinderchor des WDR den Omas dieses Landes zum diesjährigen Weihnachten eine Hommage der besonderen Art dargebracht und sie zu Umweltsäuen erklärt hat (siehe youtube). Die Wellen der Empörung waren noch nicht verebbt, da setzte der beim WDR als freier Mitarbeiter tätige Pirschelbär gleich einen obendrauf:

„Lass mal über die Großeltern reden, von denen, die jetzt sich über #Umweltsau aufregen. Eure Oma war keine #Umweltsau. Stimmt. Sondern eine #Nazisau.“
(Danny Hollek auf Twitter, 28.12.2019)

Bevor wir auf das Toppen von „Umweltsau-Oma“ durch „Nazisau-Oma“ eingehen, muss man zunächst eine nominale Würdigung vorausschicken: Auch den von seinen Eltern verliehenen Namen Danny muss man erst mal toppen können. Danny Hollek schafft das: Mit „@dannytastic“, wie Danny sich auf seinem Twitter-Account selbst nennt, lässt er ahnen, dass er in gleichen Liga wie „Fabulous Fab“ & Co. spielen möchte.

Um in diese Liga aufzusteigen, darf er jetzt nach einem Sturm bundesweiter Empörung nicht klein bei geben. Den Rücken gestärkt durch eine Tausendschaft an Likes und Retweets des gut vernetzten 24jährigen öffentlich-rechtlichen Jungjournalisten legt Dannytastic nach:

„Bin auch weiterhin der Meinung, dass alte Menschen noch nicht ausreichend beleidigt wurden. Mehr!“

Und lacht sich ins Fäustchen wie ein frisch von der Kinoleinwand gesprungener, gerade die Massen begeisternder Joker („Ich reiß euch jetzt gut und gerne den Arsch auf!“):

„Haha. Wie jetzt alle ausrasten.“

Schon vor einigen Monaten hat Dannytastic getwittert:

„Hä? Natürlich ist das fair und clever, dass meine schusselige Oma mit 95 Jahren und dem Gedächtnis einer Eintagsfliege noch wählen darf, doch politisierte 17-Jährige nicht.“

Viele Follower fragen sich gerade: Woher nimmt Dannytastic diesen Mut, so laut zu brüllen? In einer Zeit, in der laut statistischer Erhebungen der Großteil der Deutschen der Ansicht ist, dass man heute nicht mehr laut die eigene Meinung sagen darf? Und in der Tat wird bereits lautstark der Rausschmiss von Dannytastic aus dem WDR gefordert. Doch aus irgendeinem Grund lacht der sich darüber nur einen ab und bleibt vollkommen cool. Das „Friedhofsgemüse“ (Wolfgang Bittner) regt sich auf? Na, die sollen nur kommen, die angemorschten Opis und Omas mit ihren weißen Ärschen. Was wollen die mit ihren paar hundert Followern? Generation Rezo & die dannytastic Superyoutuber haben eine Millionenschaft an Followern! Und die wissen, wo’s jetzt lang geht und sind nicht bereit, sich noch länger von goethelesenden Oldies (Ja ey lol, mann: Fack ju!) ihr Recht auf Gutes und Gernes Leben gefährden zu lassen.

Es kommt: das transatlantische Puff für alle

Danny weiß, dass es ihm an Schützenhilfe von anderen Influencern und Opinion Leadern von Generation Kevin/Rezo nicht mangelt. Etwa von Johanna Roth, Jahrgang 1989, die als Absolventin der Deutschen Journalistenschule und Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bundestag heute als taz-Redakteurin im Ressort Meinung+Diskussion in die gleiche Kerbe schlägt wie Dannytastic: „Auch was von diesem Wohlstand“ wolle sie und schlussfolgert: „Die Alten gefährden die Jungen. Was wir brauchen, ist eine Epistokratie der Jugend“. Ihre Ansage an die Omas und Opas dieses Landes ist klar:„Rentner gebt das Wahlrecht ab!“ (Quelle: taz)

Der 79jährige Jurist Wolfgang Bittner, der sich bereits in sein Schicksal als Alteisen dreingefunden hat, antwortet der epistokratischen taz-Redakteurin:

„Entsorgt die über Sechzigjährigen! Schläfert sie ein, selbstverständlich in humaner Weise, oder konzentriert sie in Lagern mit mäßiger Versorgung, so dass sich die Probleme mit ihnen auf ganz natürliche Weise von allein lösen.(…) Mit einem Schlag gäbe es Millionen Wohnungen für junge Menschen und Geflüchtete … Milliarden, die sonst in die Rentenkassen fließen, stünden für die von der US-Regierung geforderte Aufrüstung und gegebenenfalls für einen Krieg gegen Russland zur Verfügung.“ (Quelle:„Friedhofsgemüse – Rentner zugunsten der zukunftswürdigen Jungen entsorgen!“/ nachdenkseiten)

Ein Krieg gegen Russland, für den diejenige Partei, von der sich derzeit viele eine Klimawende erhoffen („Die Grünen“), gerade ideologisch mobilmacht. Und wenn es gegen Russland geht, dann zeigt man bei der regenbogenfarbenen Jugendpartei, die dank Rezo und Greta gerade einen gewaltigen Höhenflug erlebt, auch ganz unverhohlen, was für einen feuchten Kehricht man wirklich von Ökologie und Umweltschutz hält: Dann sabotiert man lieber eine kostensparende Leitung mit natürlich gewonnenem Gas aus dem benachbarten Festland von Russland und propagiert stattdessen den Zukauf von US-Frackinggas, zu dessen Gewinnung Erde und Grundwasser mit hochtoxischen Substanzen verseucht werden und welches CO2-intensiv quer über den Atlantik geschifft werden muss. Während man Omas im WDR-Kinderchor vorwirft, dass sie gefälligst nicht Kreuzfahrten machen sollen und ihnen dann noch mit drohendem Blick nachsetzt: „Damit werden wir euch nicht durchkommen lassen!“

In der Tat stehen die Chancen zum Durchkommen für die flaschensammelnden Rentner nicht gut. 33% der 18- bis 29-Jährigen und damit die große Mehrheit hat bei der letzten EU-Wahl Grün gewählt (Quelle: ZDF/Forschungsgruppe Wahlen). Nur knapp über 5% der Next Generation haben AfD gewählt. Das heißt: auch dieses Problem, an dem sich gerade alle abarbeiten, wird demnächst von selbst verschwinden. Genauso wie die letzten goethe- und schillerlesenden Senioren dann endgültig das Feld für evidenzbasierten Gangstarap von Bushido & Kollegah freigeben werden müssen. Man muss jetzt nur noch ein paar Jahre den Kampf gegen Vampire und untote Widergänger durchhalten, dann können endlich glorreiche Zeiten beginnen. Dann wird die Welt digital transformiert, gegendert und darf ins Tomorrowland abfeiern, in dem die Bitcoins niemals ausgehen und die Anzahl der Geschlechter exponentiell nach oben geht. Unter einem digitalen Astroturf-Regenbogen gibt’s dann ein geschlechts- und klimaneutrales „Puff für alle“, in dem Thomas Hobbes Vision des „homo homini lupus est“ Wirklichkeit wird und jeder Mensch grenzenlos Spaß haben und des anderen Menschen Wolf sein darf.

Die Menschen sollen sich hassen

„Die Menschen sollen sich hassen … und jeder nur seinen eigenen Vorteil suchen.“ Das hat Noam Chomsky in seinem Alterswerk „Requiem für den amerikanischen Traum“ als Agenda der herrschenden Eliten ausgemacht, um mit ihrer Plünderung des Planeten ungestört fortfahren zu können. Deswegen wird der Oma-Nazisau Sager, mit dem der WDR-Bube gerade von sich hören macht, auch keinen Rausschmiss bedeuten, sondern ganz im Gegenteil: Mit diesem Sager qualifiziert sich der dannytastische Pirschelbär für ein Amt als Staatssekretär oder Regierungssprecher. Oder falls in diesen Ressorts die Versorgungsposten schon vergeben sind: Dann eben als Nachwuchs-Comedian, denn die Masse will unterhalten und bei Laune gehalten werden. Die im Prekariat vor sich hindämmernde „Generation Chillstand“ (© Milosz Matuschek) will sich nicht dumm und verkauft vorkommen, sondern will ihrerseits lachen und sich schlau vorkommen, wenn sie Formate wie Neo Magazin Royal, Joko&Klaas, Jung&Naiv guckt. Jan Böhmermann hat soeben die letzte Folge von Neo Magazin Royal abgedreht, Sessel für Nachwuchstalente, die ebenfalls kecke-leckere Dünpfiffwürste braten können, werden also gerade frei.

Und ganz so dumm ist diejenige Generation, die der Spiegel als „Generation Doof“ bezeichnet, dann ja doch nicht. Die Sprosse aus Generation Kevin wissen eigentlich ganz genau, was sie in der derzeitigen Käseglockenatmosphäre sagen müssen, um nach oben gespült zu werden. Insofern kann man den Sager des Pirschelbären, über den sich gerade viele aufregen, als nichts anderes auffassen als eine Art „Bewerbungsbrief“ für eine Festanstellung. Der Bub möchte eben an trockenen Ufern sein, wenn demnächst für den Plebs die Schlammlawine losgeht. Schon derzeit gibt es außer den Sesseln im Bundestag und in den „kläglichen Sendemasttrümmern“ (©Wolf Reiser) des öffentlich-rechtlichen Rundfunks kaum noch erhöhte Positionen, die trocken bleiben. Da muss man also schon etwas höher pokern und manch gewagte Joker-Karte ausspielen, wenn man einen solchen Sessel ergattern will. Doch angesichts des zweifellos steigenden Meeresspiegels braucht man hierbei nicht lange fackeln, sondern muss die Gunst der Stunde nutzen. So wie der C-Klasse Comedian Böhmermann mit seinem bloßen Varoufakis-Stinkefinger über Nacht plötzlich in den Olymp der Massenmedien aufgestiegen ist.

Die Personaler beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk können jedenfalls aufatmen, wenn sie den CV von Danny am Tisch haben. Da wissen sie zumindest, dass er aus einem unverdächtigen Elternhaus kommt. Denn wer sein Kind „Danny“ tauft, bei dem steht jedenfalls fest, dass er keine Scheu vor Anglizismen hat und nicht antiamerikanistisch gesinnt ist. Und das ist heute schon mal die halbe Miete, damit jemand auf dem ihm zugeteilten Platz politisch korrekte Leistung bringen kann. Während man als Personaler ja jedesmal die Stirn runzeln muss, wenn man eine Bewerbung auf den Tisch bekommt von einem Uwe … der womöglich einmal einen Steimle ins Rollen bringen könnte – oder von einem Hans-Georg, der womöglich einmal das Maaß für voll erklären könnte und nicht mehr gewillt ist, das Narrativ der Regierung zu bedienen.

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Nachwort:

Ich weiß, dieses dannytastische Trauerspiel und der Hinweis auf Chomskys „Requiem“ mögen jetzt nicht gerade hoffnungsvolle Vorstellungen für das kommende Jahr erwecken. Man findet ja heute die weit verbreitete Meinung, dass man sich mit dem Negativen besser nicht beschäftigen, sondern sich aufs „Positive“ konzentrieren solle. Das mag nicht einmal schlecht gemeint sein und natürlich brauchen wir positive Perspektiven (denn diese Welt kann sich nicht ändern, solange eine substanzielle Gedankengrundlage dazu fehlt, da nützt dann alles Warten auf Aufschwung, bessere Zeiten, Parteien etc. nichts). Entgegen der herrschenden Meinung bin ich jedoch der Überzeugung, dass es auch den Kontrast des Destruktiven braucht, mit dem man sich in aller Klarheit konfrontieren muss, damit man gerade auf diesem Hintergrund des drohenden Niedergangs umso brauchbarere Perspektiven und Ideale aufbauen kann. Gerade wenn man sich mit dem Dekadenten, Heuchlerischen, Arroganten und Niederträchtigen konfrontiert, wird man umso entschlosseneren Elan zur Entwicklung von mehr Authentizität, Rückgrat und wirklicher Mitmenschlichkeit bei gleichzeitiger Bescheidenheit entwickeln.

Aber den Lesern des Nachrichtenspiegel brauche ich das ja glaube ich nicht zu sagen. Gerade weil sie nicht wegschauen wollen, lesen sie ja hier und nicht bei bento oder im Relotius-Narrenspiegel. Auch dass die Entscheidung zwischen ersterem und zweiterem Weg in Wirklichkeit eine Frage von Gesundheit bzw. Gesundbleibenkönnen und Krankheit – und es ein tragischer Irrtum ist, zu meinen, dass es folgenlos möglich sei, täglich den leichteren Weg der politisch korrekten Heuchelei zu praktizieren, wäre eine eigene Betrachtung wert. In Twitterzeiten, da die durchschnittliche Aufmerksamkeitsspanne des Menschen lt. Microsoft-Studie gerade mal acht Sekunden beträgt, würde das aber den Rahmen wieder einmal vollkommen sprengen. Daher: Respekt vor allen Stammlesern, die hier eine mehrminütige Konzentration für z.T. schwer verdauliche Sachverhalte aufbringen können und damit definitiv überdurchschnittlich veranlagt sind. Auch wenn die Lektüre manchmal harte Arbeit ist: Man kann dafür dann auch Bären von Pinguinen und Enten unterscheiden.

In diesem Sinne: Allen Lesern trotz aller äußerer Wolken und allen apokalyptischen Wetterleuchtens ein gutes Neues Jahr, Gesundheit und Zuversicht! Bewahren Sie sich Ihren klaren Sinn und bleiben Sie standhaft auf dem Terrain, in dem Sie immer moralischer Sieger bleiben können, auch wenn wir kollektiv einer großen Niederlage bzw. einem zivilisatorischen Niedergang entgegengegen: dem eigenen Inneren. Wer diese Stube sauber hält, um den werden auch keine Schmeißfliegen kreisen.

 

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(Weihnachts-)Endzeit-Poesie 4.0: Auf Null gestellt …

Wieder einmal jährt sich also die Geburt desjenigen Kindes, dessen Name nicht erst dann, als ihn sich die CDU auf die Fahnen geschrieben hat, vollkommen durch den Dreck gezogen wurde. In einer Zeit, da die EU-Kommissionspräsidentin dazu aufruft, dass Europa wieder „die Sprache der Macht lernen muss“, kann man für ein Kind, das Frieden und Nächstenliebe bringen wollte und dafür dann „Opfer“ wurde (auf deutschen Schulhöfen heute angeblich das schlimmste Schimpfwort neben „Du Goethe!“) wohl nur noch Verachtung aufbringen. Da man sich für ein dermaßen nicht-machiavellistisches Kind einfach nur schämen muss, gucken viele auch betreten beiseite, wenn sein Geburtsfest wieder naht, möchten es gar nicht mehr beim Namen genannt wissen, der sie womöglich daran erinnert, dass man auch andere Argumente als Cashflow, Drohnen und Uranmunition ins Feld führen könnte.

Die Demontage von „Weihnachten“ ist daher in vollem Gange. Im Businessbereich braucht es heute schon einigen Mut, wenn man seinen Geschäftspartnern Druckkarten schickt, auf welchen anstatt des politisch korrekten „Season Greetings“ noch „Frohe Weihnachten“ steht. Als bloßes „Winterfest“ will man es auch im zivilen Leben abtun, wo Mann/Frau/Diverser an einer santaclausfarbenen Pissbude einen Glühwein kippt und dann Fünfe grad und 66 Geschlechter 60 sein lässt. „X-Mas“ lautet schon seit Jahren der klimaneutrale Begriff für dasjenige Fest, das man auch kurz vor Zusammenbruch der DDR nur noch als „Jahresendzeitfest“ bezeichnen durfte, die an diesem Fest an den Christbäumen baumelnden Engel nicht anders als „Endflügelpuppen“.

Was soll man also sagen an einem Tag, an dem die innere Sonne aufgehen sollte, aber ein Black Friday-Kommerzhöllenball am Firmament steht, der die Landstriche unserer marktkonformen Demokratie weitgehend verschattet und mit ohrenbetäubend-penetranter Musik den Weg in den Branntweinkeller zur X-Mas-Tequila-Party weist?

Welche Worte soll man finden, in einer Zeit, in der laut Frank Schirrmacher alle hehren Worte von Humanität, Freiheit etc. „mit Null multipliziert“ und „der Menschheit geraubt“ wurden? Schirrmacher meinte, die Menschheit müsse daher wieder „bei Null anfangen“ und alle diese Begriffe, die uns geraubt bzw. ihres Sinns entleert wurden, wieder ganz neu erarbeiten und mit Sinn erfüllen.

Auch mit der Geburt desjenigen Kindes, das wir heute feiern, wurden die Uhren unserer Zeitrechnung auf Null gestellt. In eine barbarische Zeit, in der in den römischen Arenen das Blut floss, sich Patrizier, und auf den hinteren Rängen der Plebs, am Zerreißen von Menschen durch wilde Tiere delektierten und anschließend in ihren Atrien Orgien bis zum Erbrechen feierten, indes gut gedrillte Legionäre rohstoffreiche Provinzen für den Imperator ausquetschten und auf Galeeren ums Leben gerudert wurde … in Zeiten also, die heute unter anderen, „smarten“ Vorzeichen wiedergekehrt sind, wurde dieses Kind geboren.

Eine epochale Wende, Frieden und Nächstenliebe erwartete man sich mit seinem Kommen. In den Überlieferungen der vorangehenden Hochkulturen von Persien, Babylonien, Ägypten und Griechenland war sein Kommen als große Hoffnung vorhergesagt, damals als Apoll, Osiris oder Aura Mahsd als noch auf der Sonne weilend, aber sich bereits für seinen Erdengang vorbereitend angebetet. Als es dann im Jahre Null so weit war, kamen Weise sogar von weit her aus dem Morgenland angereist, um dem Kind die Ehre zu erweisen – in einer Zeit, als man noch nicht schnell mal mit den Emirates nach Dubai fliegen konnte, sondern als die Wälder noch voller Räuber und wilder Tiere waren und man auf Reisen schnell einen Kopf kürzer war. Doch  nicht nur die Weisen der damaligen Zeit, auch die Hirten vom Felde neigten vor dem neugeborenen Kind ihre alten Häupter. Man erzählt, dass der Stall, in dem es zur Welt kam, von Frieden und heiliger Ruhe umgeben war.

Von Frieden und heiliger Ruhe kann heute in Zeiten des transatlantisch-spätkapitalistischen Drohnen-Overkills kaum noch die Rede sein. Man kann heute nicht einmal von unheiliger Unruhe sprechen (die halb so schlimm wäre, da das Erleben einer solchen unheiligen Unruhe uns ja gleichzeitig zum Umdenken auffordern würde). Nein, es ist viel schlimmer, was heute herrscht: Eine unheilige Ruhe. Eine kaum erklärbare, nur leider alles andere als beruhigende Ruhe. Eine trügerische, von siecher Musik durchsetzte Stille, in der wir uns mit dem eigentlich Unerträglichen fast schon wie abgefunden haben. Unter dem süßlichen Gewimmere von „Last Christmas“ reicht uns der nackte Wahnsinn mit seiner Linken eine in Glitzerpapier verpackte XXL-SUV-Box und mit seiner Rechten einen Becher Blausäure, aus dem wir fröhlich trinken und uns zuprosten. So wie es uns der erste Imperativ aus der Nationalhymne des Guten und Gernen Lebens gebietet: „Solange noch ausgeschenkt wird, saufen wir weiter.“ Diese Ruhe, sie ist weder heilig und auch nicht süß, obwohl sie mit stechend süßem Brausepulver und Glutamaten kandiert ist. Es ist trotz aller grenzenloser Ausgelassenheit, Feuerwerke und Queer-Konfetti eher eine Art Friedhofsruhe und Leichengeruch, die man wahrnehmen kann, wenn man einmal für ein paar Atemzüge die Musik ausmacht.

Dennoch darf uns diese makabre Atmosphäre nicht zur Resignation führen. Ganz im Gegenteil, sie kann uns anspornen, gerade innerhalb dieser tödlich zu werden drohenden  Bedingungen umso authentischer, heller und wärmer eine innere Lampe zu entzünden, mit der man dann schon den Weg selbst durch den größten Wahnsinn finden wird. In diesem Sinne: Nützen wir die etwas ruhigere Zeit des Jahres und auch das kommende Jahr dafür, um an den Geschehnissen nicht bitter, sondern reif zu werden. Dann wäre viel gewonnen. Und in Wirklichkeit ist auch genau das der Sinn der kulminierenden Übelstände und der kommenden Not: Wir sollen nicht an ihr verzweifeln, sondern sie überwinden und gerade durch die (zunächst innere) Aktivität, die hierzu notwendig ist, zu unserer echten Menschlichkeit finden. Ebenso, wie wir es uns heute abschminken müssen, in der Außenwelt Ruhe und Frieden zu erwarten. Auch wenn das jetzt alles andere als eine frohe Weihnachtsbotschaft ist, aber bei gebotenem Realismus braucht man kein Prophet zu sein, um vorhersagen zu können: Es werden Chaos und Unfrieden herrschen, gegen welche die heutigen Verhältnisse noch reinste Sozialromantik sind. Aber es gibt eine Qualität des Friedens und der Ruhe, die man in sich ausbilden kann und die auch inmitten allen Chaos und aller zukünftigen Kämpfe zu bestehen vermag. Gerade an diesen Schrecknissen wird sie sich bewähren. Dazu aber vielleicht ein andernmal mehr (vorab: diese Ruhe hat mit dem zu tun, was in unserer emotionsüberfluteten Welt noch Mangelware ist: echte, wahre und empathische Gedanken – nicht zu verwechseln mit intellektualistischen Gedanken, die trotz vordergründiger Brillanz ebenfalls zum Alteisen gehören).


So, eigentlich wollte ich es bei Frank Schirrmachers „Multiplikation mit Null“ bewenden lassen und damit nur zu einem Stück von Mike Oldfield einleiten, aber jetzt wollten sich doch noch einige Worte durch meine Gurgel ringen. Was Oldfield in Klänge fasst, kann zum heutigen Tag wesentlich mehr ausdrücken als viele Worte, die ja mittlerweile müßig sind. Und solange wir die mit Null multiplizierten Worte noch nicht wieder neu mit Sinn gefüllt haben, müssen wir eben andere Ausdrucksmöglichkeiten finden, um die Kruste zu sprengen, die sich in unserer neoliberal vergletscherten Zeit um viele von uns gebildet hat. Kunst ist eine solche Möglichkeit. Es gibt viele Künste, Musik ist nur eine davon, und jeder, der eine Kunst beherrscht, darf sich glücklich schätzen. Er hat damit eine Art Lebenselixier zur Hand, das ihn wie immun macht gegen alles heranflutende Gift und mit dem er auch Andere reanimieren kann, die bereits kurz vorm neoliberalen Erfrierungstod stehen.

In einer Zeit, in der das auf Lügen basierende Betriebssystem, das uns von Kindesbeinen an aufgespielt wurde und mit dem wir nun surfen, so gepolt ist, dass wir auf Wahrheit allergisch reagieren und der Illusion bereitwillig die Türen öffnen, obwohl sie uns alles nehmen wird, was uns wert ist, in solch einer Zeit kann man über das Mittel der Kunst viel mehr eröffnen als über gut gemeinte Worte, die meist nur einen Shitstorm zur Folge haben.

So wie etwa dieses Stück von Mike Oldfield, einem zeitgenössischen Klangvirtuosen, den manche Musikfreunde ganz ohne Ironie und nicht ganz ohne Grund in eine Reihe mit Mozart, Bach und Bartok stellen. Betrachtet man den Lebenslauf von Oldfield, auch dazu ein andernmal mehr, dann kann man feststellen, dass er mit seiner Kunst das vorhin Angedeutete durchaus verwirklicht hat: Selbst in den schlimmsten Stürmen des Lebens – und Oldfield musste viele dramatische Schicksalsschläge hinnehmen und drohte von vielen Strudeln weggerissen zu werden (nicht nur von Ibiza-Synthiepop) – ist bei ihm nie ganz der Faden zur Inspiration gerissen, aus der er fortwährend schöpft. Immer wieder taucht er aus der Versenkung auf, aus dem „Nullpunkt“ mit überraschenden, ganz neu metamorphosierten Stücken. Wer hätte z.B. gedacht, dass er auf seine Tubular Bells mit „Top of the Morning“ (Tubular Bells III) noch eins draufsetzen und sein ehemaliges Meisterwerk in den Schatten stellen kann?

Zunächst aber zu „Angelique“ … zur Feier des Tages und für diejenigen, die einen Hauch von dem verspüren möchten, das nicht von dieser Welt ist.

In diesem Sinne: Allen Lesern und Mitarbeiten des Nachrichtenspiegel frohe Weihnachten, besinnliche Tage und für das kommende Jahr: eine innere Achse der Ruhe und Besonnenheit inmitten aller heranbrandenden Wogen. Es wird kein leichter Wellengang sein, der uns erwartet, aber wie ein bretonisches Sprichwort sagt: „Eine ruhige See hat noch keinen guten Steuermann hervorgebracht.“ Nützen wir also die uns entgegenschlagenden Wellen und Turbulenzen, um im Umgang mit ihnen sogar besondere Fähigkeiten zu entwickeln. Wer etwas von Segeln versteht, der weiß, dass man nur die Segel richtig zu setzen braucht, dann kann man auch schräg gegen den Wind segeln und der Gegenwind bringt einen zügig voran.

Und wer noch nichts vom Segeln versteht, der kann es in diesen Songs von Mike Oldfield lernen …

 

 

Allgemeines zur Kolumne „Endzeitpoesie 4.0 – Brennholz gegen Robotisierung und drohenden Erfrierungstod“:

Da in unserer aus den Fugen geratenden Welt vieles nicht mehr rational verstehbar und auch kaum noch ertragbar ist, brauchen wir dringend ein Gegengewicht aus dem Reich der Poesie … mit diesem geistigen Gegengift in den Adern wird vieles Unverständliche plötzlich wieder verständlich und Unerträgliches wieder ertragbar – oder noch besser: gestaltbar!

Denn die größte Lüge, die uns heute beigebracht wird, ist: dass der Einzelne ohnehin nichts tun kann. – Das genaue Gegenteil davon ist wahr: Es kommt auf jeden einzelnen an und das mehr als jemals zuvor. Und wie uns schon Dostojewskij erklärt hat, ist im Leben auch niemals etwas umsonst, selbst wenn eine Bemühung keinen sichtbaren Erfolg zeigt: „Alles ist wie ein Ozean, alles fließt und berührt sich; rührst du an ein Ende der Welt, so zuckt es am anderen.“

Gerade unsere geistlose Zeit braucht philosophische Gedanken wie eine Wüste das Wasser. Dieses Wasser – die Gedanken der großen Geister der Menschheit – gibt es schon lange. Aber die scheinbar alten – in Wirklichkeit ewig jungen – Gedanken bleiben nicht dieselben: Jeder, der sie aufgreift und verinnerlicht, färbt sie mit seiner individuellen Persönlichkeitsnote ein und bringt dadurch wieder ganz neue Farben in die Welt, die bisher noch nicht existiert haben. Und solche Farben braucht unsere grau gewordene Welt (siehe 1000 Gestalten.de) heute dringend – sie saugt sie auf wie ein trockener Schwamm das Wasser … damit wieder Neues, Kreatives, Menschliches entstehen kann.

In diesem Sinne wollen wir der pseudopragmatischen Alternativlosigkeit (siehe „Der Führer 4.0 – Er ist schon längst da“) die Gefolgschaft in den Grand Canyon verweigern und es lieber mit Ilija Trojanow halten: „Die Welt ist groß und Rettung lauert überall“. – Dann kann die scheinbare Endzeit zu einem neuen Anfang werden.

Foto: pixabay/CC0

Das Sich-selbst-infantilisierende Perpetuum Mobile (Schöner Wohnen im katzentauglichen Vogelkäfig)

Als Kind bin ich auf einem Bauernhof aufgewachsen, auf dem das ganze Jahr über Fallobst gesammelt und in eine große Tonne geworfen wurde. Wer den Deckel dieser Tonne aufhob, musste sich vorsehen: Es war eine übel stinkende Maische, die da vor sich hingärte und darauf wartete, am Ende des Jahres zu Schnaps gebrannt zu werden.

Da das Jahr nun zu Ende geht, dachte ich mir, es wäre wieder einmal Zeit zum Destillieren. Denn das Fass, das ich dieses Jahr mit Fallobst gefüllt habe, stand kurz vorm Bersten. Der von  Gärgasen prall nach oben gewölbte Deckel ließ befürchten, dass das Fass schon demnächst aus den Fugen und der Deckel durch die Decke geht. Wenn ich noch länger zuwartete, dann könnte es womöglich zu spät sein.

Kurzentschlossen machte ich mich also heute morgen mit Gummihandschuhen und Atemschutzmaske ans Werk, schaufelte alle meine bisherigen Erkenntnisse über Politik, Gesellschaft und Medien in einen Kessel, ergänzt um Maische aus den jüngsten Wahrnehmungen dieses Jahres aus Maischbergers, Wills und Illners Talkpflaumenshows, zum Armageddon gegen Russland mobilisierenden Tagesschaupflaumen, Südtäuschen Wasserleichen, transatlantischen Maasmännchen, Konfetti und Faschingströten aus dem Relotius-Narrenspiegel, Guten und Gernen Kanzleransprachen, Dschungelcamp, dazu Pflaumenmaische aus Dieter Bohlens Schrillkreischevents, Heidi Klums Drag Queen Kacke, Greta, Rezo, Porno-Katja & die 90 Super Youtuber, Böhmermanns kecke-leckeren Dünnpfiffwürsten, Klaas Clevers All-Inclusive-Porsche und sonstigen selbstfahrenden SUVs und VIPs mit künstlicher Intelligenz, jeder Menge Evidence Based Bullshit, Altmaierreifen, Jokers Revival und Freddy Kruegers Astroturf-Schaumparty und einer Jungen&Naiven Millionen-Community im Winkepuh-Modus, die sich beim Konsum all dieser Produkte sehr schlau vorkommen und grenzenlos Spaß haben darf …. dazu das weitgehende Versagen unserer Intellektuellen, die wirklichem Denken mittlerweile sehr abhold sind, aber gut und gerne auf jeden Faschingszug aufspringen, auf dem bunte Emotionsluftballons und „garantiert nazifreies“ Gratiseis verteilt werden  etc. – all dieses Fallobst habe ich also zu einem kleinen Gläschen Schnaps destilliert.

Was aus dem Zapfhahn des Branntweinkessels herausgekommen ist, ist meine bislang kürzeste Umschreibung für das Gefährt, in dem wir uns derzeit befinden und mit Volldampf auf den Grand Canyon zufahren: in einem SELBSTINFANTILISIERENDEN PERPETUUM MOBILE!

Foto: Rat Media Solutions Destillerie (pixabay/CC0/edit pw)

„Mensch des Jahres“ (Blinddarm-Durchbruch auf der Black Rock Party)

Zeitgeist im Rampenlicht

Das „Time“-Magazin hat also wieder eine „Person des Jahres“ gekürt, beim Magazin „Profil“ ist die Wahl des „Menschen des Jahres“ ebenso eindeutig ausgefallen. Nachdem sie bereits den Alternativen Nobelpreis und vor wenigen Wochen als Spitzenkandidatin beinahe auch den Friedensnobelpreis erhalten hat, so ist sich nun auch die Medienwelt einig, wer DER MENSCH ist, der diesem Jahr die Signatur gegeben hat bzw. in unserer gegenwärtigen Zeit aufs Podest zu heben ist: Die Fridays-for-Future-Gründerin Greta Thunberg.

Um die Absurdität solcher Leitmedien-Ikonisierungen vors Auge zu führen, will ich gar nicht erst politisch unkorrekte Vergleiche mit anderen Führern wie Hitler und Stalin heranziehen, wie sie in der Geschichte ebenfalls schon als Time-Personen des Jahres gekürt wurden. Damals haben eben noch viele Menschen den Verheißungen von Fortschritt und volkswirtschaftlicher Effizienz Glauben geschenkt. Ich bin aber doch der Meinung, dass der allergrößte Teil der Menschen seine Lehren aus diesen Erfahrungen gezogen hat und solche Führer bzw. solche Ideologien keinesfalls wieder haben möchte. Viel interessanter finde ich hingegen die Frage, für welche spezielle Art von Ideologien bzw. für welche Art von Menschenbild die Massen heute empfänglich sind. Und zur Ergründung einer solchen Frage ist es ausgesprochen aufschlussreich, auf welche Art von Person die Wahl des „Time“-Magazine alljährlich fällt. Denn wie die etymologische Bedeutung des Wortes Person (von lat. personare – „widerhallen, hindurchtönen“) bereits andeutet, tönt durch solch eine als repräsentativ für eine jeweilige Zeitspanne angesehene Person etwas hindurch. Man könnte auch sagen: Der Zeitgeist tönt hier hindurch bzw. kondensiert sich in einer besonders charakteristischen Form.

Was kann man also von diesem aktuell waltenden Zeitgeist ablesen?

Nun, ich möchte natürlich niemandem gerne seine Illusionen und seine gerade erst wieder aufgeflammten Hoffnungen rauben, aber wer das Ganze nüchtern beobachtet, kann dabei eine ausgesprochen ambivalente und für unsere Zukunft leider alles andere als ungefährliche Motivlage erkennen:

Auf der einen Seite bekommt heute jeder Mensch, der es wagt, sein Denken zu betätigen und zum aktuellen Weltgeschehen Stellung zu nehmen, umgehend massive bis hin zu existenzbedrohliche Probleme. Er wird dann durch eine mittlerweile gut eingespielte Maschinerie aus Presse, Rundfunk und Social Media Netzwerken diffamiert, gebrandmarkt, kriminalisiert, oder wenn das nicht gelingt, dann zumindest ins Abseits gedrängt, in eine Art virtuelle Gummizelle, in welcher er nicht mehr wirksam am öffentlichen Diskurs teilnehmen kann. Während also jede kleine ernsthafte Bemühung (z.B. der Friedensbewegung, der Montagsmahnwachen, Assange etc.) sofort medial niedergeknüppelt und mit einem politisch correctiven Shitstorm überzogen wird, springt man im Gegenzug gut und gerne auf jeden infantilen Faschingszug von Greta, Rezo & Co. auf, wo in Wirklichkeit NULL gedankliche Substanz gegeben ist, auf der man aufbauen könnte, sondern wo lediglich Emotionen zum Besten gegeben werden, die verpfuffen, noch bevor man sich umgedreht hat.

Und leider nicht nur verpuffen – sie werden auch gleich als willkommenes Vehikel für eine Massenmanipulation genutzt, die sich womöglich verheerender auswirken wird, als so manches was wir aus der Geschichte bisher kennen.

Black Rock Party

Wer das für übertrieben hält, der hat die Sektkorken nicht gehört, die in den oberen Etagen von Black Rock & Co. gerade knallen. Bereits im September dieses Jahres haben 515 Finanzkonzerne vor dem UN-Klimagipfel in New York dem angeblich systemkritischen Anliegen der Fridays-for-Future-Bewegung maximalen Nachdruck verliehen: Indem diese Finanzkonzerne, die gemeinsam ca. das Zehnfache  des deutschen BIP verwalten, die rasche Einführung einer CO2-Steuer gefordert haben.

Die Gunst der Stunde blieb auch nicht ungenutzt, nachdem Greta und Rezo nicht nur einer ganzen Generation an Kindern und Jugendlichen, sondern ebenso einer großen Anzahl an „erwachsenen“ Leitmedienbürgern ebenso wie einer erstaunlich großen Anzahl an alternativen Journalisten und Intellektuellen weisgemacht hatte: „The science is settled.“ Alles, was Jung und Alt nun bloß tun müssten, sei: sich dieser Wissenschaft bzw. den „Experten“ anzuschließen. „UNITE BEHIND THE SCIENCE!“ lautet die Losung. Warum sind wir da nicht bloß schon früher draufgekommen?

Ja, also wenn ich mir diesen Bonbon so auf der Zunge zergehen lasse, dann muss ich zugeben: „UNITE BEHIND THE SCIENCE“ schmeckt zweifellos besser als „UNITE BEHIND THE ECONOMY“ oder „UNITE BEHIND THE POWER“. Nachdem ich die Schokoglasur des Drops abgelutscht habe, und das geht sehr schnell, komme ich allerdings auf genau diese Schnapsfüllungen.

Ich kann es dann plötzlich auch nachvollziehen, warum sich weite Teile des politischen Establishments und ihrer medialen Claqueure, die ansonsten jede Person, welche die herrschenden systemischen Strukturen infrage stellt, entweder eisern totschweigen oder umgehend niederknüppeln, dermaßen für Greta und die FFF-Bewegung begeistern.

(Blinddarm-) Durchbruch

Indes wurde heute der ersehnte Durchbruch bei den Verhandlungen zum Klimapaket vermeldet: Gemäß einer Einigung von Bund und Ländern soll also der CO2-Preis mehr als verdoppelt werden. Der br fasst die Reaktionen auf diesen Beschluss zusammen: „Von Politik und Wissenschaft kommt viel Lob.“ (siehe br.de/nachrichten). Die Erhöhung war eine zentrale Forderung der Grünen, die sich ja derzeit nicht zuletzt dank Greta und Rezo in einem ungeahnten Höhenflug befinden, bereits in mehreren Länderparlamenten maßgeblich mitregieren und sich dem Vernehmen nach schon anschicken, den nächsten Kanzler zu stellen. Doch nicht nur die Grünen jubeln, auch CSU-Chef Markus Söder ist ganz aus dem Häuschen: „Die drohende Klima-Blockade ist abgewendet. Jetzt kann der Klimaschutz in Deutschland durchstarten.“

Das Wirtschaftsforschungsinstitut IW Köln formuliert sehr charmant, was die kommende Klima-Steuer nach sich ziehen werde: „spürbare Verteilungswirkungen“ seien nun „unvermeidbar“. Dass derartige Verteilungswirkungen von bestimmter Klientel begrüßt werden, braucht uns ja in keiner Weise zu verwundern. Was dann doch erstaunlich war, ist allerdings, dass sogar viele unserer scharfsinnigsten und ansonsten kritischsten Intellektuellen emotionalen Massenphänomenen wie rund um Greta, Rezo, Porno-Katja & den 90 Supertoubern weitgehend unkritisch gegenübergetreten sind. Obwohl diese Superyoutuber bzw. Pornoyoutuber*Innen ganz offen fordern, dass wir uns nun bedingungslos hinter die Büttel und Lobbyisten desjenigen Establishments stellen sollen, gegen das besagte Intellektuelle zeitlebens immer gekämpft haben.

Wer genügend (Galgen-)Humor hat, der könnte ja wirklich herzlich lachen, wie sich hier die Katze nun in den Schwanz beißt und die neoliberale Polit-/Wirtschafts-/Medienmaschinerie nun sogar ihre bislang schärfsten Kritiker unter das Diktat der herrschenden Lehre bringt und für ihre Agenda dienstbar macht. Namhafte Intellektuelle finden Greta nicht nur „gut“, sondern sogar „nur gut“ und meinen, dass es „viele Gretas“ bräuchte.

Niemand wird Dich retten – Sei Dein eigener Held!

Wie auch immer. So wie immer, kann man aus der derzeitigen Situation, so trostlos sie einem auch erscheinen mag, dennoch eine wichtige Lehre ziehen: Jeder muss jetzt selbst mündig werden und eigenständig denken lernen. Die Hoffnung, dass das ein paar andere kluge Köpfe für uns regeln und der neoliberalen Misere ein Ende bereiten, müssen wir uns nun endgültig abschminken. Wir dürfen erkennen, dass es so ist, wie das Edward Snowden schon vor einiger Zeit festgestellt hat: „Niemand wird Dich retten – Sei Dein eigener Held!“

Insofern haben die Enttäuschungen, die gerade eine große Anzahl an systemkritischen Bürgern erleben, auch etwas Heilsames: Die Erwartung, dass irgendjemand anderes dasjenige für uns denkt und tut, was jeder nur auf individuelle Weise selbst bewerkstelligen kann, muss man nun notgedrungen aufgeben. Aber wenn jeder an seinem Platz eben das machte und gemäß dem, was er unabhängig von allen anerkannten oder alternativen Meinungsführern erkannt hat, mutig Position bezieht: Wäre dann nicht auch alles getan und die Merkapolypse abgesagt?

 

Titelfoto: Stencil Greta Thunberg/Flickr/Ersteller: Carsten Smithby (CC BY-NC-ND 2.0)

 

Human Connection – Über Biodiversität und Vermassung

Obwohl sich dort in Zukunft womöglich nur noch ein paar Sitzengebliebene tummeln werden, die Katzenfotos und Angela Merkel-Devotionalien austauschen, so sind Facebook und Youtube ja derzeit noch Quasi-Monopolisten in der Social Media Landschaft – und nutzen diese Monopolstellung auch schamlos aus: Es wird auf Biegen und Brechen gelöscht und zensiert wie in schwärzesten, vergangen geglaubten Zeiten der Geschichte. Beiträge und Videos, die nicht dem entsprechen, was der Dichter Vaclav Havel als „Lebenslüge“ bezeichnet hat und was uns eine Legion an PR-Professionalisten heute gemeinhin als „das Gute und Gerne Leben“ verkauft, müssen damit rechnen, als „Hate Speech“ gelöscht zu werden. Unerwünschtes, das man mangels Gründen nicht löschen kann, wird durch Shadowbanning-Techniken von der Bildfläche verbannt oder in die Bedeutungslosigkeit downgerankt. Manchmal versagen diese Zensur-Algorithmen jedoch, z.B. wenn bei Videobeiträgen mit über 300 Kommentaren und noch viel mehr Likes als Aufrufzahl Null angezeigt wird – so nach dem Motto: „Gehen Sie weiter, es gibt hier nichts zu sehen!“. Viele regierungskritische Autoren, die sich über die Jahre hinweg eine beachtliche Anzahl an Followern aufgebaut haben, sind durch solche Praxis und in Serie verhängte 30-Tage-Sperren inzwischen zermürbt und nahe daran, aufzugeben. Doch auch wortgewandten Autoren, die es bisher verstanden haben, Kritik an der neoliberalen Regierungsagenda in solch eloquente und ironische Worte zu kleiden, dass sie nicht unter den Tatbestand „Hate Speech“ subsumierbar waren, kann es nun an den Kragen gehen. Youtube/Google hat angekündigt, Konten und Kanäle zu entfernen, wenn der Konzern der Ansicht ist, dass diese kommerziell nicht rentabel („wirtschaftlich nicht tragbar“) sind.

Wer sich also nicht ganz aus dem öffentlichen Diskurs verabschieden möchte, den uns das Internet ermöglicht hat und sich ins neoliberale Biedermeier zurückzuziehen möchte, der tut also eventuell gut daran, rechtzeitig über Alternativen nachzudenken. Denn genauso wie regierungskritische Stimmen früher auf Nimmerwiedersehen „abgeholt“ werden konnten, so muss man heute damit rechnen, dass das eigene Profil auf FB und YT  plötzlich weg ist. Denn die Polit- und Medienmächtigen haben bereits zu verstehen gegeben, dass sie ihre Meinungshoheit nicht kampflos abgegeben wollen. Zum Zwecke der Verteidigung dieser Meinungshoheit haben sie auch entsprechende Profis in ihren Sold gestellt, die das ABC der Zersetzung und des Manufacturing Consent schon zu Zeiten des Überwachungsregimes der Stasi virtuos beherrscht haben. Von diesen ist z.B. die ehemalige Stasi-Mitarbeiterin und Chefin der „Amadeu Antonio Stiftung“, Anetta Kahane (Deckname im DDR-Regime: „Victoria) in Wirklichkeit nur eine unbedeutende Randfigur. Es existiert mittlerweile eine ganze Legion an Blockwarten und Zensoren, die moralisch sogar noch viel tiefer gesunken sind als Anetta Kahane und die ganz offen ihre Verachtung für Demokratie und Rechtsstaat ausdrücken – und dafür die volle Rückendeckung der Merkel-/Maas-Regierung erhalten. Es sind inzwischen ganze Tausendschaften an Mitarbeitern, die klassische Stasi-Tätigkeiten ausführen und damit das Fundament unserer rechtsstaatlichen Demokratie aushöhlen, natürlich wie immer mit den schönsten Worten, um die man in einer Zeit, in der alle diese schönen Worte von Demokratie, Liberalismus etc. „mit Null multipliziert und daher der Menschheit geraubt wurden“ (Frank Schirrmacher), nicht verlegen ist. Da der Staat offiziell keine Zensur ausüben darf, lagert man diese Tätigkeiten einfach in privatwirtschaftliche Gefilde aus, z.B. an die Bertelsmann-Tochter Arvato, die alleine in Berlin und Essen mit über 1200 Mitarbeitern (Stand: Sept. 2018) Facebook von ungebührlichen Stimmen sauber hält.

 Eine Alternative zum politisch-medialen Meinungsmonopol ist nun rechtzeitig vor Ladenschluss online gegangen: Das schon seit längerem u.a. in einem Interview bei KenFM angekündigte „Human Connection“. Dabei hat sich der Friedensaktivist Dennis Hack mit einem Team an Programmierern ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: eine gemeinnützige, sich selbst organisierende und sozial agierende Plattform, in der das Prinzip Kooperation statt Konkurrenz gilt. Zensur sowie das Ausspähen und kommerzielle Verwerten unserer Daten, wie dies von Facebook, Google und Co. als Gegenleistung für unsere Teilnahme an ihrem Geschäftsmodell eingefordert wird, sollen tabu sein.

Der Human Connection-Gründer Dennis Hack hätte als Nachfolger eines schwäbischen Familienunternehmens ein bequemes Leben führen können, ist jedoch ein hohes unternehmerisches und finanzielles Risiko eingegangen (die Plattform muss jeden Monat über 20.000 Euro an Spendengeldern lukrieren, um existieren zu können), um dasjenige zu realisieren, was er in einer zunehmend von Kriegsgefahr und Zerrüttung bedrohten Welt als notwendig ansieht: Ein soziales Netzwerk, in dem das Denken weiterhin frei bleibt.

Nach Jahren an Entwicklungsarbeit und Durststrecken, die das Projekt beinahe zum Scheitern gebracht haben, ist es nun also online. Was kann man dazu sagen? Nun, im Vergleich zu Facebook (zu dessen Nutzung der Psychiater Dr. Spitzer ja mit eindeutigem Studienmaterial betreffend Suizidalitätssteigerung aufwarten kann) wirkt die Bedienungsoberfläche von Human Connection hell und sympathisch, der Umgangston weitgehend konstruktiv. Eine erste Sichtung zeigt einen Fundus an durchwegs anregenden Beiträgen zu Kreativprojekten, Meinungen, politisch-gesellschaftlichen Essays, Links zu bekannten alternativen Medien, Gedichten etc. Obwohl man auf möglichst neueste Servertechnik gesetzt hat, kann man mit Milliardenkonzernen in Silicon-Valley in Sachen Technik natürlich nicht ganz mithalten.  Für manche also womöglich ein Ärgernis, nach meinem Erleben jedoch eines der womöglich bedeutendsten  Positiva der Plattform: Die Latenzzeit von einigen Sekunden, die nach Anklicken eines Beitrags oder Kommentars vergeht, bis dieser vollständig am Bildschirm erscheint. Nach meinem Dafürhalten sollte dieses „Feature“ unbedingt beibehalten werden, da es die Social Media Kommunikationskultur in der Tat revolutionieren könnte:

Denn wenn man einen Kommentar gelesen hat, kann man nun nicht mehr sofort aus dem Bauch heraus vom Standpunkt seiner weitgehend vorgefassten Meinung  „zuschlagen“, sondern man muss nun zumindest zwei Atemzüge Luft holen – ein kurzes Momentum, das aber entscheidend sein kann, um gewohnte Kreisläufe zu durchbrechen und etwas unter Einsatz eines neuen Gedankens frisch zu greifen, anders  als es einem die aus dem Bauch aufsteigende, auf der Festplatte des Alten abgespeicherten Emotionen  suggerieren möchten: auf das gerade Gegenwärtige, in Wirklichkeit immer neue und individuelle Gegenüber gerichtet. Dass das schnellfertige Reagieren aus gewohnten Gefühlen und Bauchstrukturen – die immer aus dem Alten stammen und daher nicht fähig sind, etwas wirklich Neues zu schaffen bzw. Umstände zu verändern – zu keinem Fortschritt führt, kann ja inzwischen jeder erleben (dass all diese angelegten Gefühle und Meinungen, auf die wir so sehr beharren,  übrigens zum überwiegenden Teil gar nicht unseren wahren eigenen Anliegen als individuelle Persönlichkeit entsprechen, sondern – und das ist sehr optimistisch geschätzt – zu über 80% von medialen, gesellschaftlichen und während der Erziehungszeit genossenen Autoritäten angelegt wurden, lasse ich jetzt mal beiseite, dazu ein andernmal mehr). Jedenfalls könnte eine Kommunikationsplattform, die es dem Gedanken ermöglicht, einzugreifen, bevor die in der Gewohnheit angelegten Sympathien und Antipathien die vollendete Regie ergreifen, in der aktuellen Social Media  Diskussionskultur in der  Tat einen wertvollen Beitrag geben.

Natürlich darf sich auf Human Connection niemand das Paradies erwarten. So wie überall gibt es natürlich auch dort Trolle und Saboteure, die verhindern wollen, dass das zur Formulierung gelangt, was ihr bisheriges Weltbild ins Wanken bringen könnte. „Es kann nicht sein, was nicht sein darf“ – mit dieser Mission sind natürlich auch die Mitglieder der Gwup/Psiram/Skeptiker-Bewegung in das soeben erst aus der Taufe gehobene Human Connection eingedrungen, um dort in gewohnter Manier zu pöbeln und zu prügeln. Man vergönne ihnen diesen Sport. Solange die Gwupper, die nun auch als politische Partei firmieren (siehe „Die Hexenjagd von Darth Vaders Humanisten“) noch nicht aus der Evolution ausgeschieden und auf ihrem transhumanistischen Todesstern ihr Dasein fristen müssen, wo sie sich dann fernab des Sonnenlichts selbst auffressen müssen, solange wollen sie eben noch von der Möglichkeit Gebrauch machen, ausgiebig in Nachbars Gärten zu wildern und mit ihren Vereins-Schrotflinten durch die Gegend zu ballern. Ja, sind lästig, aber jeder, der diesen Gesellen in den Weiten des WWW begegnet, hat ja mittlerweile auch gelernt, sich von Sheldon Coopers „streng wissenschaftlichen“ Kumpels nicht verwickeln zu lassen und die Trolle nicht zu feeden. Man darf die Gwupperei also durchaus sportlich sehen. Außerdem: Was wäre der Film Herr der Ringe ohne die „Orcs“? So bleibt eben Dynamik im Spiel und das Konstruktive kann angesichts von Niedertracht und Ignoranz umso heller in Erscheinung treten.

Obwohl sich die Gwup-Trolle auf eine „evidenzbasierte“, rein naturalistische Weltsicht berufen, haben sie leider nicht verstanden, dass Ökosysteme einer möglichst großen Diversität und Artenreichtums bedürfen, um stabil zu bleiben. Auch dass Monokulturen nur zum Preis der totalen Erosion und Vergiftung des Bodens aufrechtzuerhalten sind, aber trotz allen noch so gewaltigen Technologie- und Pestizideinsatzes letztlich doch kippen, wird man denjenigen, die der Ideologie von Pinker, Dawkins, Schmidt-Salomon & Co. folgen, vergeblich erklären. Zu süß ist der Mylab-Genlab Science Buster Traum, den sie träumen.

Wie groß die Diversität der Welt und auch der menschlichen Individualitäten in Wirklichkeit ist, kommt jedenfalls in einem netten Gedicht zum Ausdruck, das ich bei meinem Erkundungsstreifzug durch „Human Connection“ als einen der ersten Beiträge angeklickt habe – auch, in welchem Weltgeschehen wir uns gerade befinden. Welche der nachfolgend aufgezählten Herangehensweisen an das Weltgeschehen der Einzelne wählt, steht jedem frei. In der Wahl besitzt der menschliche Wille bekanntlich vollkommen freie Hand. Nur im Tragen der Folgewirkungen seiner Wahl dann eben ganz und gar nicht mehr.

Bild (Papagei): Pixabay/CC0
Bild (Gwupaffen): Pixabay/mod. cc by parkwaechter/CC0


(Text übernommen mit Genehmigung von Raimundo Germandi – wer dem Dichter auf Human Connection folgen möchte, kann das hier tun)

Haltung zum Weltgeschehen

Der Prophet warnt vor dem Untergang.
Der Sensible wittert schon früh die Gefahr.
Der Narr mahnt so früh, dass ihn noch keiner ernst nimmt.
Der Intelligente erkennt den Handlungsbedarf selbst.
Der Denker überlegt sich die Konsequenzen.
Der Weise rät zur Besinnung.
Der Schamane meditiert.
Der Konstruktive plant eine Gegenstrategie.
Der Forscher strebt nach revolutionären Erkenntnissen, die neue Wege ermöglichen.
Der Entwickler perfektioniert akribisch die Technik weiter.
Der Physiker misst gründlich alle relevanten Kenngrößen.
Der Mathematiker berechnet Statistiken.
Der Kreative erfindet Umgehungswege und Ausdrucksmittel.
Der Autor formuliert erhellende Texte.
Der Dichter schreibt und schreibt.
Der Soziale kümmert sich um Schwächere.
Der Künstler malt für den Frieden.
Der Musiker besingt die Liebe.
Der Lehrer leitet dazu an, sich Voraussetzungen anzueignen.
Der Erfürchtige betet.
Der Demütige dient von nun an freiwillig seinen Nächsten.
Der Freund verbringt möglichst viel Zeit mit Gleichgesinnten.
Der Schwache leidet unter dem Druck des Stärkeren.
Der Chirurg operiert selbstbeherrscht nach Prioritäten.
Das Militär interveniert.
Der Kennende weist auf Aufklärungsvideos unter YouTube hin.
Der Einfühlsame ist jedem ein Freund.
Der Informierte reproduziert so gut er kann.
Der Wissende erklärt, wie es dazu kam.
Der Wichtigtuer plappert ihm alles nach.
Der Genießer trinkt weiter sein Bier.
Der Arrogante lacht die anderen aus.
Der Ignorante lässt sich nicht stören.
Der Angeekelte wendet sich wortlos ab.
Der Offene hört sich jede Meinung an.
Der Journalist fährt grundsätzlich zur Quelle.
Der Reisende freut sich des Lebens.
Der Hochgeistige interpretiert auf Entsprechungsebenen.
Der Schaulustige will alles gesehen haben.
Der Einsichtige ist reumütig und kehrt um.
Der Barmherzige verzeiht seinen schlimmsten Feinden.
Der Ehrliche sucht den Fehler bei sich selbst.
Der Geduldige hört zu.
Der Zuversichtliche hofft – begründet oder unbegründet – weiter.
Der Naive ahmt ihm nach.
Der Gläubige vertraut auf Gott.
Der Betroffene schreit aus Not, Angst oder Schmerz.
Der Skeptiker zweifelt an jedem Hinweis.
Der Gefolterte wartet auf seinen Tod.
Der Euphoriker übertreibt schon im Ansatz.
Der Beständige gibt nicht auf.
Der Verantwortliche prüft und sucht Beweise.
Der Soldat kämpft aus Überzeugung.
Der Pflichtbewusste tut nur seine Arbeit.
Der Zyniker stichelt, weil er die Wahrheit nicht aushält.
Der Zuverlässige kontrolliert, ob auch alles seine Richtigkeit hat.
Der Besserwisser weiß es besser.
Der Geschwätzige hört sich am liebsten selbst reden.
Der Labile weiß nicht mehr weiter.
Der Starke sucht neue Wege.
Der Sportler trainiert, damit er am Tag X eine gute Kondition hat.
Der Vater schützt seine Familie.
Die Mutter schützt ihre Kinder.
Das Kind ist völlig abhängig und braucht als erstes Hilfe.
Der Globetrotter überlebt, weil er gut vorbereitet ist.
Der Beauftragte tut alles für seinen Geldgeber.
Der Verzweifelte gibt auf.
Der Späher kennt kein Gewissen.
Der Erpresste handelt aus Angst so, wie es ihm vorgegeben wird.
Der Schüchterne lässt alles zu.
Der Aufgeregte empört sich.
Der Blinde ahnt nichts.
Der Vergessliche kann sich nichts merken.
Der Feuerwehrmann löscht, wenn es brennt.
Der Kriegslüsterne muss kämpfen.
Der Manipulierte meint die Wahrheit gesagt zu bekommen.
Der Aufgehetzte kennt nur Hass.
Der Dumme versteht überhaupt nichts.
Der Aufständige zeigt Präsenz und Courage.
Der Abgestumpfte spürt seinen Schmerz nicht mehr.
Der Zähe setzt sich immer wieder auf sein Pferd.
Der Resolute setzt sich überall durch.
Der Korrupte missbraucht die Situation.
Der Geizige giert nach Mehr.
Der Neider missgönnt den Erfolgreichen ihren Erfolg.
Der Gutmütige findet immer eine beschwichtigende Erklärung.
Der Egozentriker nutzt die Gelegenheit, sich ins rechte Licht zu setzen.
Der Feige flieht.
Der Ängstliche erstarrt vor innerer Panik.
Der Humorvolle findet immer etwas zu lachen.
Der Gelassene trinkt seinen Tee und wartet erst einmal ab.
Der Mächtige triumphiert und reibt sich die Hände.
Der Übermächtige beherrscht selbst die Mächtigen durch polarisierende Spaltung.
Der Kluge bestellt sein Feld.
Der Unselbständige fühlt sich total ohnmächtig.
Der Kranke ist mit sich selbst beschäftigt und hat keine Kraft etwas zu tun.
Der Abgelenkte schaut immer dorthin, wo sich etwas besonders schnell bewegt.
Der Tote steht nicht mehr auf.

Der Leser ordne sich ein.

 

Auf in die Zukunft … – äh, ins Mittelalter!

Ihr Sonntagmorgen-Frühstück mundet Ihnen heute nicht so richtig? Das Croissant schmeckt irgendwie fade, obwohl man es schon in Kaffee taucht und Nutella drüberschmiert?

Nun, dann kann vielleicht ein kleines Essay von Norbert Häring die notwendige Würze geben. Dabei wird uns wieder einmal vor Augen geführt, wie gut und gerne wir tagesschauguckenden Leitmedienbürger in einer marktkonformen, streng „evidenzbasierten“ Demokratie heute ja leben dürfen. Auch dämmert einem dann vielleicht, warum unser Altmaier-Kabinett für unsere Kinder entgegen allen dramatischen pädagogischen und neurowissenschaftlichen Erkenntnissen (siehe auch aktuellen Vortrag von Dr. Manfred Spitzer – Wie wir Generation Doof 4.0 züchten) gerade einen milliardenschweren „Digitalpakt“ auf Schiene bringt, der auch laut Prof. Liessmann nichts anderes ist als eine „staatlich verordnete Droge“, die zu nichts anderem führen werde als dass „junge Menschen jede Form des Denkens, Fühlens und Handelns, die nicht von den Algorithmen der Internetkonzerne bestimmt ist, nicht nur verlernt, sondern erst gar nicht gelernt haben und dadurch in jeder Hinsicht von ihren Geräten abhängig werden. (…) Immerhin: Für das unmündige Leben in einer postdemokratischen Gesellschaft, deren digitalisierte Kommunikation zunehmend totalitäre Züge annimmt, werden diese jungen Menschen bestens vorbereitet sein. Und nach der Katastrophe wird es wieder einmal niemand gewesen sein.“ (Quelle: nzz)

Hier aber der erwähnte Text von Norbert Häring. In diesem jüngsten Streiflicht dürfen wir in die Welt der Clickworker eintauchen, also in die hippe, ease und dauerbespaßte Welt derjenigen Generation Y/DSDS/Rezo, die ihre Onanierbewegungen am Smartphone zu ihrer Einkommensquelle zu machen versucht (ja ey lol, mann!):

„Millionen verrichten weltweit über das Internet kleinste Jobs gegen Centbeträge. Das hilft den Unternehmen, Kosten zu sparen. … Vermittelt von Internetplattformen und Apps ist in den vergangenen Jahren ein neuer Arbeitsmarkt entstanden: Arbeiter und Auftraggeber finden dort für kleinste Jobs zusammen. Manchmal geht es nur um Minuten, die gearbeitet wird, einige Jobs lassen sich sogar in Sekunden erledigen. Gezahlt werden dann Centbeträge.

Das hat System und macht den Reiz der Klickarbeit für die Auftraggeber aus. Aus komplexeren Aufgabenbündeln, die bisher von eigenen, über Mindestlohn bezahlten und sozialversicherungspflichtig angestellten Mitarbeitern erledigt wurden, werden die einfachsten, gut beschreibbaren Handgriffe herausgelöst und gegen kleine Vergütung breit ausgeschrieben. Das kann große Ersparnisse bringen, wie die Autorinnen anhand von Beispielen berichten. So könnten Versicherungsformulare für ein Sechstel der bisherigen Kosten digitalisiert werden, oder ein kleines, spezialisiertes Programm für fünf Dollar von einem Klickarbeiter eingekauft werden, statt für 2000 Dollar von einem mittelständigen Zulieferer. Die Plattformen ermöglichen es Unternehmen, weltweit Leute zu finden, die dringend genug Geld brauchen, dass sie Arbeiten zu fast jedem Lohn erledigen.

Dabei sind die meisten Klickarbeiter hochqualifiziert. Die Hälfte derjenigen, die länger dabei sind, hat einen Universitätsabschluss. Das Anforderungsprofil der Aufgaben liegt typischerweise weit unter dem Qualifikationsniveau der Klickarbeiter. Das bessert sich auch mit zunehmender Erfahrung nur wenig, geben die Klickarbeiter an.

Es schlägt sich auch bei den Verdienstperspektiven nieder. Im ersten Jahr, in dem sich Neuankömmlinge auf den Plattformen noch eine Reputation erwerben und Erfahrung sammeln müssen, steigt der Verdienst merklich an, von unter vier Dollar auf knapp fünf Dollar im Durchschnitt über alle Plattformen und Regionen. Aber schon nach zwei Jahren gibt es für die Klickarbeiter im Durchschnitt keine Verdienststeigerung mehr.

Möglichkeiten zur bezahlten Qualifizierung gibt es praktisch nicht, „learning on the job“ findet ebenfalls kaum statt. Im Gegenteil machen die Klickarbeiter die Erfahrung, dass ihre Tätigkeit sowohl im sozialen Umfeld als auch bei traditionellen Arbeitgebern einen schlechten Ruf hat. Sie machen sich deshalb Sorgen, ob sie nach einer Zeit als Klickarbeiter noch Chancen auf einen normalen Job haben.

Dabei ist die Klickarbeit für viele durchaus nicht nur eine unbedeutende Nebenbeschäftigung … In Entwicklungsländern ist sie für 41 Prozent der Umfrageteilnehmer die Haupteinkommensquelle, in Industrieländern immerhin für 27 Prozent.

Auch in Sachen grundlegende Arbeitnehmerrechte sind die Klickarbeits-Plattformen ein Rückfall in längst überwundene Zustände. Der Anteil nicht bezahlter Arbeit ist hoch, war ein weiteres Ergebnis der Befragung. Der Patron entscheidet völlig frei. Ist er nicht zufrieden, bezahlt er nicht. Eine Begründung sei nicht erforderlich. Oft könne er sogar das Arbeitsergebnis behalten.“

(Ganzer Text: Norbert Häring / KenFM/Tagesdosis)
Bild: pixabay/CC0

Dr. Manfred Spitzer über den vorprogrammierten Absturz (Wie wir Generation Doof 4.0 züchten)

Die Penetranz, mit der uns Digitalisierung als tolle und unaufhaltsame Entwicklung verkauft wird, steht leider in krassem Gegensatz zur Realität, auf welche diejenigen, die sich gerne als „Realos“ geben, ja scheinbar so viel halten. Basierend auf mittlerweile sehr umfangreichem Studienmaterial mit Statistiken über Millionen an Schülern in 60 Ländern und über Beobachtungszeiträume von 10 Jahren, kann Spitzer heute eine einfache Gleichung aufstellen, vor der es uns leider nichts nützt, die Augen zu verschließen:

Je mehr digital, desto dumm.
Oder: Je früher digital, desto kaputt.
Oder auch: Je lieber digital, desto suizidal.

Die Frage, warum unser evidenzbasiertes Altmaier-Kabinett trotzdem gerade Milliardenbeträge ausgibt, um unsere Kinder möglichst frühzeitig in eben diese degenerative Entwicklung hineinzuprügeln, mag sich jeder selbst beantworten.

Wer wenig Zeit hat, mag sich eventuell nur eine Minute ab 1:04:45 ansehen: Da wird in aller Kürze erklärt, wozu der für Deutschlands Schulen beschlossene „Digitalpakt“ in Kürze führen wird: Andere Länder haben das Ganze bereits durchexerziert – und sind vollkommen abgeschmiert. Sogar in Finnland, das bei PISA-Vergleichstests bislang immer top war, sind die Schülerleistungen nach Einführung der Digitalisierung mittlerweile in den Keller gefallen.

Mit anderen Worten: In einer Situation, in der wir ohnehin bereits mit einer Bildungskatastrophe biblischen Ausmaßes zu kämpfen haben (nicht nur die humanistische Bildung und die Empathiefähigkeit drohen zu verdunsten, auch die ganz konkreten kognitiven Fähigkeiten – 40% der Abiturenten beherrschen etwa keine Bruch- und Prozentrechnungen mehr, obwohl sie mit einer Zwei im Zeugnis entlassen wurden), züchten wir nun eine Generation Doof 4.0.

Der Zeitpunkt, wo diese verhängnisvolle Entwicklung in die Wege geleitet wird, könnte ungünstiger nicht sein. Denn angesichts der Herausforderungen, die heute vor uns stehen und von denen die drohende Robotisierung/Mechatronsierung des Menschen und der Lebensumwelt nur eine ist, wäre echte Bildung bzw. Erziehung zu eigenständigem, kreativem Denken heute so notwendig wie noch niemals zu vor.

Manfred Spitzers Vortrag soll diesbezüglich keineswegs Anlass zur Resignation sein, sondern kann vielmehr Ansporn sein, umso mehr Eigenregie zu übernehmen. Denn wenn die Regierung versagt und unsere Kinder nur noch willfährig der Agenda von Lobbyinteressen der IT-Industrie ausliefert, dann müssen wir im privaten Rahmen umso mehr gegensteuern. Durch das echte, basale Leben, das wir unseren Kindern nahebringen können, durch Liebe zu Natur, Büchern und humanistischer Bildung. Dann wird dasjenige, was aus neurowissenschaftlicher Sicht ohne Pathos schlicht als digitales Gift bezeichnet werden kann, in seiner Schädlichkeit zurückweichen. Denn was viele ratlose Eltern heute übersehen: Die Beziehung der Kinder zu ihnen bzw. zu Erwachsenen ist im Vergleich zu den Medien entgegen allem äußeren Anschein immer der gewichtigere Faktor. Wer diese Beziehung pflegt – und sich dabei selbst als immer in Entwicklung begriffener Mensch versteht und nicht als Biocomputer – hat das notwendige Gegengewicht gespendet, damit seine Kinder einigermaßen gesund durch das digitale Zeitalter kommen.

[Warnung: Wer im Glauben an die Digitalisierung seine Ersatzreligion gefunden hat, dem könnte es nach dem Vortrag von Dr. Spitzer eventuell den Boden unter den Füßen wegziehen. Er wird danach womöglich nicht mehr länger vor Gott KI knien können, sondern wieder aufstehen. Daher Vorsicht: Dieses Video kann einen zum Digitalismus-Agnostiker machen!]

„Solange noch ausgeschenkt wird, saufen wir weiter!“


„Die Konsensmoloch-Krähe“ (parkwaechter/nachrichtenspiegel.de)

Galoppierender Wahnsinn vor galoppierender Inflation

Bereits wenn man sich die Gesichter der neuen Junta ansieht, die jetzt „evidenzbasiert“ über die für unsere E-Mobilität so begehrten Lithiumvorräte Boliviens verfügen wird, könnte einem das morgendliche Croissant samt Kaffee wieder nach oben kommen. Diese hochkriminelle Panzerknacker-Bande wurde von der deutschen Regierung  natürlich umgehend abgenickt und als legitime Machthaber bestätigt. Mit den Säuberungen der politischen Gegner, insbesondere unter der indigenen Bevölkerung, wurde bereits begonnen. Man sieht Videos von tränenüberströmten indigenen Ärzten, die sich den Massakern an ihren Mitmenschen weitgehend hilflos gegenübersehen. Doch die bereits vorbestellten E-Autos, die sich der tagesschauguckende und klimaschonende Leitmedienbürger demnächst als Zweit- oder Drittwagen neben seinen SUV in die Garage stellen darf, die werden umso sauberer und freudestrahlender sein.

Man könnte gerade wieder vieles kommentieren und verlinken, nicht nur über die Hintergründe des maßgeblich von der dort ansässigen US-Botschaft mitgeplanten Putsches gegen den demokratisch gewählten Staatspräsidenten Evo Morales. Aber das ist ja auch eine Tendenz unserer gegenwärtigen Zeit, dass man all den niederträchtigen Machenschaften, die sich auf der Weltbühne abspielen, quasi nur noch hinterherhetzt und sich fortwährend verausgaben müsste, wollte man alles angemessen kommentieren. Der Bürger wird heute ständig wie aus der Reserve gelockt, auch durch immer mehr und bislang nicht für möglich gehaltenen Zugriffe auf seine Person, seine Grundrechte, seine Kinder, die Verstaatlichung seiner Organe,  Impfzwang und nun auch sein Erspartes (siehe „Jetzt geht’s ans Eingemachte“). Immer mehr alternative Medienschaffende, die gegen dieses Überborden des Wahnsinns ein Gegengewicht bieten wollen, verzweifeln. Die Geschwindigkeit des Wurmfraßes ist einfach zu rasant als dass man die sich überschlagenden Ereignisse noch geordnet verarbeiten könnte.

Wir haben zwar noch keine galoppierende Hyperinflation, wie das Frau Alice Weidel, immerhin ehemalige Goldman Sachs-Bankerin im Verein mit zahlreichen anderen, auch renommierten Ökonomen, uns als unausweichlich und als bereits vor der Haustür stehend erklärt (siehe youtube), aber wir haben es mit etwas viel Schlimmerem zu tun: einer galoppierenden Ausbreitung des Wahnsinns – eines schwer greifbaren Wahnsinns, für den es kaum noch rationale Begriffe gibt. Eines Wahnsinns, angesichts dessen manchen einfach der Mund offenbleibt, andere sich in ihrem Wohnklo hintern  Flachbildschirm zu verkriechen suchen, und wieder andere sich in der offensiven Variante versuchen: fröhlich pupsend und fähnchenschwingend als Trittbrettfahrer auf den Zug des reinen Wahnsinns aufspringen, dabei laufend Selfies posten, wieviel Spaß man auf diesem Astroturf-Express doch eigentlich hat und wie Gut und Gerne es sich im Speisewagen dieses Richtung Grand Canyon fahrenden Expresszuges schlemmt (siehe Der Joker kommt: Ich reiß‘ euch jetzt gut und gerne den Arsch auf!).

Todesurteil durch Grinsekatzen

Lassen wir uns also nicht allzusehr aus dem Lot bringen, werfen wir aber trotzdem einen kurzen Blick auf die Innen-/Außen-/Nirgendwo-Politik Deutschlands. Dass die im Nahen Osten geführten Kriege und Sanktionen derjenigen Globalstrategen und Denkpanzergeneräle, die unsere Drei Damen vom Grill immer kryptisch als „unsere verlässlichen Freunde“ bezeichnen, mittlerweile zu über einer Million Toten, mehreren Millionen Invaliden, Flüchtlingen und Hungernden geführt hat, ist ja mittlerweile leidlich bekannt. Wem es nicht bewusst ist: kurz mal den Fernseher ausschalten, Fensterjalousie hochkurbeln und nach draußen gucken: das Elend ist bereits direkt vor der eigenen Haustür angekommen.

Alleine die jüngsten transatlantischen Sanktionen gegen Venezuela, von unserer wacker für Klima und CO2-Neutralität kämpfenden EU-Chefin von der Leyen gut und gerne und grinsend abgesegnet, hatten als direkte Konsequenz mehr als 40.000 Todesopfer zur Folge – und das sind nur die offiziellen, von US-Seite gelieferten Zahlen (Quelle: Center for Economic and Policy Research / Washington). Zusätzlich befinden sich mehr als 300.000 Menschen, darunter vor allem die ärmsten Einwohner Venezuelas, aufgrund sanktionsbedingten Medikamentenmangels in einer akut lebensbedrohlichen Situation.  Nach offiziellen Angaben sind 22 Prozent aller venezolanischen Kinder wegen Mangelernährung im Wachstum zurückgeblieben. In Summe sind in Venezuela durch die von USA und der EU verhängten Sanktionen bereits mehr Zivilisten ums Leben gekommen als im Jahr 2018 im Krieg in Afghanistan. Und es gibt kaum einen Coup, bei dem die von uns gewählte Regierung nicht mit dabei ist. Zur Rolle Deutschlands im Syrienkrieg siehe z.B. S.56 einer Broschüre der internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges/IPPNW (damalige Schlagzeilen aus Zeit und Welt online: „Das neue Syrien kommt aus Wilmersdorf“, „Wie in Berlin die Zeit nach Assad geplant wird“ und  „Was sich die Muslim-Brüder für Syrien wünschen“).

Schande und Leichentuch über dieses Land!  

Inzwischen ist die deutsche Regierung, die Russland ja „Destabilisierung“ vorwirft, selbst einer der größten Destabilisierungsfaktoren für Europa und sogar für die ganze Welt. Jeder Rechtsstaatlichkeit und jeden Völkerrechts spottend, unterstützt und legitimiert die Merkelregierung jeden noch so niederträchtigen Putsch bzw. Putschversuche, bei denen korrupte neoliberale Ausbeuter im Hintergrund die Fäden ziehen – Spindoctoren und „Dienste“, über die die Bundeskanzlerin uns gegenüber immer kryptisch als „unsere verlässlichen Freunde“ spricht. Jüngst eben in Bolivien, aber genauso in Venezuela, Syrien, Jemen, Afghanistan etc. – überall ist Merkels Flachmannschaft als treibende oder willfährig abnickende Kraft mit von der Partie, im Dienste des guten und gernen Lebens.

Deutschland könnte aufgrund seiner strategischen und wirtschaftlichen Position heute ein wirksames Gegengewicht gegen eine derart menschenverachtenden Politik der Eskalation, Kriegstreiberei und Ausbeutung darstellen, aber es versagt unter der Ägide Merkel/Maas: VOLLSTÄNDIG!

Ich erspare mir diesmal ironisierende Worte, mit denen man ja alles garnieren muss, was man heute in politischer Hinsicht publiziert und sage es geradeheraus: Es ist eine Schande ohnegleichen, was wir gerade erleben! Wenn unsere Kinder und Enkelkinder – und aufgrund des rasanten Tempos, mit dem dieses Land lt. Willy Wimmer gerade „abgewickelt“ wird, mit allergrößter Wahrscheinlichkeit auch wir selbst – einmal die Konsequenzen des Desasters, das derzeit auf allen Ebenen angerichtet wird, ausbaden müssen, dann werden diese Kinder und Enkelkinder womöglich wenig Verständnis dafür haben, warum wir das alles zugelassen und stattdessen „dieses Ding mit Garten, Bier und Grillen“ (©Eifelphilosoph) betrieben haben.

Deutschland befindet sich aufgrund dieser rückgratlosen (Nicht-)Politik einer Kanzlerin, die nach Erkenntnis des scharfsinnigen Beobachters Roger Willemsen – der für diese Erkenntnis ein Jahr lang im Bundestag gesessen ist – mit jedem Wort nichts anderes tut, als „Betäubungszonen ausbreiten“ (Quelle: Tagesspiegel) international inzwischen vollkommen im Niemandsland. Einstmals für seine Politik des Friedens und der Verständigung weltweit geschätzt, wird Deutschland heute im besten Falle bemitleidet, zunehmend verachtet und von vielen Ländern sogar gehasst.

Ich habe mich lange gefragt, wie es möglich sein kann, dass die Bürger dieses Landes eine solche Politik geschehen lassen und sogar bei jeder Wahl aufs Neue legitimieren, obwohl der nackte Wahnsinn bereits an der eigenen Haustür anklopft und die eigenen Kinder abholen möchte. Mit einem volkstümlichen Ausspruch, der mir bislang unbekannt war, ist mir dieses Rätsel nun unerwartet gelöst worden. Hätte ich ihn schon früher zu lesen bekommen, dann hätte ich mir einige unnötige Mühsal ersparen können. Und ich muss zugeben: Ich bin trotz der makabren Situation, in der wir uns gerade befinden, in schallendes Gelächter ausgebrochen, als ich ihn nun zum ersten Mal vernommen habe. Dieser Ausspruch lautet: „Solange noch ausgeschenkt wird, saufen wir weiter!“

 

 

Prof. Christian Kreiß: Das Mephisto-Prinzip (Wie wir zu Lügnern und Verderbern erzogen werden)

Wer meint, dass Mephisto ein hässlicher, übel riechender Geselle mit Krötenhaut ist, hat weder Faust gelesen noch aufmerksam die Rolling Stones gehört:

„Please allow me to introduce myself
I’m a man of wealth and taste
I’ve been around for a long, long years
Stole many a man’s soul and faith

Pleased to meet you
Hope you guess my name
But what’s puzzling you
Is the nature of my game.“ (Stones, “Sympathy for the devil”)

Würde ja auch niemand auf ihn reinfallen, wenn der Advocatus Diaboli gleich als derjenige aufträte, der er eigentlich ist. Er muss sich also maskieren, um uns für seine Ziele zu gewinnen. Und mittlerweile beherrscht er die Kunst des Maskierens auch auf meisterhafte Weise. Selbst den Weg in das abgründigste Verderben vermag er uns als „Gutes und Gernes“ zu verkaufen und den eigenen Garaus als lustige Grillparty.

Einer, der sich ganz im Gegenteil auf die Kunst des Demaskierens versteht, ist Prof. Christian Kreiß. Als promovierter Volkswirtschaftler und Investmentbanker hat er sich selbst in Mephistos Labyrinthe begeben, in die er nun mit seinen Büchern „BWL – Blenden, Wuchern, Lamentieren (Untertitel: „Wie die Betriebswirtschaftslehre zur Verrohung der Gesellschaft beiträgt“), „Gekaufte Forschung“, „Geplanter Verschleiß“ und „Werbung – Nein Danke“ hineinleuchtet. Allesamt hochkarätige Lektüre, in der Mephisto und seinen Schergen die Maske vom Gesicht gezogen wird. Es ist auch höchste Zeit, diese Maske herunterzureißen, denn Mephisto setzt gerade zum Endsieg an, ist dabei, uns in eine Sackgasse zu führen, aus der es womöglich kein Zurück mehr gibt.

Die Diagnose des Volkswirtschaftsprofessors ist eindeutig: „Unser Wirtschaftsleben ist schwer krebskrank und steht vor einer tragischen Bereinigung, sei es durch Depression, Bürgerkrieg oder Krieg – wenn wir nichts ändern.“ Er erklärt uns auch, warum diese Krankheit entstanden ist: Weil in unserem Schul-/Universitäts-/Medien-/Wissenschaftssystem Wahrheit nicht nur verabscheut, sondern systematisch und von Kindesbeinen an zerstört wird. Dass wir de facto dem mephistophelischen Prinzip huldigen (von hebr. mephiz=der Verderber und tophel=der Lügner). Dass diese Mechanismen der Lebenslüge und des Verderbens mehr unbewusst als bewusst ablaufen, ändert an ihrer Konsequenz nicht das Geringste. Nachdem wir die Ausbildung dieses Schul-/Universitäts-/Medien-/Wissenschaftssystems durchlaufen haben, sind viele von uns heute der Wahrheit sehr abhold, reagieren sogar mit vehementer Allergiebereitschaft, wenn sie irgendwo durchschimmert (…ich musss aufpassen, dass ich jetzt nicht wieder in mein Lieblingsthema „Gwup“ verfalle und aus zwei geplanten Einleitungsabsätzen ein elegischer Aufsatz entsteht). Derart konditioniert, sind wir dann auch bereit, solche Politiker*Innen zu wählen, die uns die Lebenslüge gut garniert servieren und uns mit dem Brustton der Überzeugung in Aussicht stellen, dass es so weitergehen könne.

Kreiß belässt es auch nicht beim bloßen Feststellen des Status Quo, er führt auch vor Augen, wie relativ einfach man den gegenwärtigen Verhältnissen eine Wende geben könnte – man bräuchte dazu zunächst nur die derzeit vorherrschenden (mephistophelischen) Glaubenssätze in ihr Gegenteil umdrehen.

Welchen Teufelskreisen wir derzeit unterliegen,  wie Werbung systematisch die Wahrheit zerstört, warum sich Mephisto gerade diebisch freut und wie wir den armen Teufel überwinden können, wenn wir uns nur ein bisschen aufraffen, das erklärt uns Christian Kreiß in einem kurzweiligen Vortrag. Im Unterschied zu vielen anderen Ökonomen, die derzeit mit ihren Crash- und Finanzanalysen Rekordklickzahlen erzielen, ohne jedoch auch nur annähernd an die Wurzel des eigentlichen Problems zu gehen (was heute auch Grundbedingung ist, um in den Leitmedien herumgereicht zu werden), wagt sich Prof. Kreiß in ebendiese Untiefen hinab und manövriert dort auch mit sicherer Hand, sodass man nicht ohne Gewinn wieder auftaucht, wenn man ihn auf diesem Tauchgang begleitet.

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Sein demnächst im Buchhandel erscheinendes Buch „Das Mephisto-Prinzip in unserer Wirtschaft“ hat Prof. Kreiß übrigens als PDF zum Download freigegeben: siehe

www.menschengerechtewirtschaft.de

In dem Buch finden sich auch gleichermaßen unerwartete wie aufschlussreiche Betrachtungen, z.B. dass mindestens 50% unserer Arbeitszeit nicht nur unnötig, sondern regelrecht schädlich verbracht wird, wie Wahrheit im heutigen Wissenschaftsbetrieb systematisch ausgeschaltet und wir in einem Zustand von „Trivialität und Leere“ gehalten werden sollen oder die Frage, warum Mephistopheles heute so großen Wert darauf legt, dass Architektur so trostlos und hässlich wie möglich erscheinen muss.

 

Foto: mask-businessman/pixabay/CC0

Merkapolypse reloaded – Jetzt geht’s ans Eingemachte: Unser Geld, unsere Organe, unsere Kinder.

Nicht diagnostizierte Pandemie

In einer Zeit, in der wir dermaßen impffreudig sind und Wert auf „Herdenschutz“ legen, hat unsere gute und gerne Regierung leider darauf vergessen, uns gegen den Wahnsinn zu immunisieren, der sich nun zu einer Pandemie auszuweiten droht. Von der WHO aufgrund nicht vorhandener Kategorie im ICD10-Kodex noch nicht offiziell diagnostiziert, wird diese Pandemie  womöglich breite Teile der Bevölkerung dahinraffen. Über die Krankheit zu sprechen, ist kaum möglich und würde im Selbstverständnis des  durch Tagesschau und Bento geeichten Leitmedienbürgers womöglich einen Kurzschluss verursachen.

Bleiben wir also wie gewohnt bei einem der vielen Symptome dieses Wahnsinns, das gerade virulent geworden und in aller Munde ist. Eine Volksbank Raiffeisenbank in München hat also bereits damit begonnen, Negativzinsen auf Spareinlagen einzuheben. Die Commerzbank und die Deutsche-Bank haben angekündigt, nachzuziehen. Bereits jetzt werden für 25 Prozent der Sichteinlagen privater Haushalte in Deutschland Negativzinsen erhoben, allerdings betraf das bisher in den meisten Fällen nur Großsparer mit über 100.000 Euro Einlage (Quelle: Bundesbank / manager-magazin). Das soll jetzt auch für Lieschen Müller bereits ab dem ersten Euro gelten. Der bayerische Rundfunk spricht von „kalter Enteignung“ und zeigt ratlose Sparer, denen ihre Hausbank bestehende Verträge gekündigt hat.

Der umstrittene …   – als politisch korrekter Mensch muss man dieses Attribut ja immer hinzufügen, wenn man eine Stimme zitiert, die nicht der Regierung bzw. der herrschenden Meinung entspricht – … also: der umstrittene Henryk Broder hat vor einiger Zeit geäußert, dass er vor Jahren noch der Überzeugung war, dass es reihenweise an die Laternen gehängte Politiker geben würde, falls die Regierung es in Deutschland wagen sollte, den Bürgern ihre Sparzinsen zu rauben. Broder hat sich doppelt geirrt. Nicht nur, dass die kalte Enteignung – so wie praktisch alles im Namen des Guten und Gernen Lebens Alternativlose –, zwar mürrisch, aber doch achselzuckend hingenommen wird. Eine Millionenschaft an Bürgern findet die alternativlose Politik, mit der ihnen gerade das Fell über die Ohren gezogen und ihren Kindern die Zukunft geraubt wird, sogar affengeil. Nachdem die Banken nach der Krise 2008 kurz ins Taumeln geraten sind und jedes Vertrauen verspielt zu haben schienen, haben sie jetzt erkannt, mit welchen Lifestyle-Bildern und Tönen sie das Vertrauen von Jung und Alt wieder zurückgewinnen und Begeisterung für die von PR-Profis an die Wand gemalte Zukunft wecken können (siehe Der Joker kommt: Ich reiß‘ euch jetzt gut und gerne den Arsch auf!).

Was den auf der Gender Madstreamwelle astroturfenden Fit-for-Fun-Bürger in Zukunft wirklich erwartet, hat ein weiterer umstrittener (!! – diesmal mit zwei Rufzeichen!!)  ehemaliger Eliten-Banker schon vor einiger Zeit ausgeplaudert  (siehe „The Devil’s Advocat“). Er spricht dabei auch ganz offen über die Rolle supranationaler und eigentlich jeder Rechtsstaatlichkeit enthobener Finanzinstitutionen wie der BIS und wie das gesamte Finanzsystem quasi als Schröpfegel dient, um von den Bürgern erwirtschaftetes Geld abzusaugen und nach oben zu einer Gilde superreicher Profiteure zu befördern, damit diese ein leistungsfreies Auslangen haben und sich voll und ganz ihren „Hobbies“ widmen können, für welche der Kleinbürger nicht einmal Begriffe hat.

Ebenfalls nicht ganz uninteressant ist auch, in welch bemerkenswerter und non-chalanter Weise uns Frau Alice Weidel, ihres Zeichens immerhin ehemalige Goldman Sachs-Bankerin, auf einem jüngsten Kongress das schildert, was in gewissen Kreisen offensichtlich bereits als unvermeidlich angesehen wird (siehe youtube).

In einem jüngsten Kommentar liegt der Eifelphilosoph also wohl nicht daneben, wenn er meint, dass wir, während im Fernsehen – unumstrittene – Bambipreise verliehen würden, so langsam ins Endspiel kämen und das Spiel Weltfinanzregierung gegen Menschheit  bisher bei 8:0 stehe. – Man könnte hinzufügen, dass die Halbzeit des Spiels bereits weit überschritten und noch dazu der Schiedsrichter bestochen ist. (Ich will mich nicht in allzu negativen Schilderungen ergehen, aber bei gebotenem Realismus könnte man auch die These vertreten, dass die reguläre Spielzeit bereits vorbei ist und wir uns nun in der Nachspielzeit befinden, die der – bestochene –  Schiri jederzeit abblasen könnte.)

Apathie im Endstadium

Was soll man also noch sagen? Noch rollt er, der Ball und der Rasen ist grün. Und die Fans sind bester Laune und machen die Welle. Wer noch nicht SUV fährt, der ist damit beschäftigt von einem zu träumen. Aufbegehren? Gegen was? Gegen das Gute und Gerne Leben, dessen Zuckerwatte man jeden Tag schleckt?

Nachdem das Staatsvermögen verramscht („privatisiert“), die Sozialkassen durch Cum Ex-Gangster geplündert und unsere Zukunft und der Friede Europas zugunsten des Profits von Kriegstreibern verkauft wurden, sind ja nun auch die letzten Dämme am Brechen: Sogar die Organe wurden zum Staatseigentum erklärt und dürfen dem Bürger nun bei lebendigem Leib herausgerissen und profitabel ausgeschlachtet werden und sogar unseren Kindern darf die Pharmaindustrie nun zwangsweise jeden Dreck in die Blutbahnen spritzen. Wer das Wort „Dreck“ für unangemessen hält: Es stammt nicht von mir. Ich habe es von Medizinern, die selbst an Impfstoffen forschen und von praktizierenden Ärzten, die ihre Patienten selbst fleißig impfen, aber mir unter vier Augen versichert haben, dass sie ihren eigenen Kindern diesen „Dreck“ niemals injizieren würden und diese selbstverständlich ungeimpft lassen. Dazu hätten sie in ihrer eigenen Praxis bei vormals kerngesunden Kindern schon viel zu viele Fälle von fatalen Impfschäden erlebt (nein, die am Beipackzettel aufgelisteten möglichen Nebenwirkungen sind leider keine Verschwörungstheorie) – Ärzte, die sich gleichwohl hüten, das öffentlich zu äußern. Denn die „evidenzbasierte“ Gwup-Medizin hat ein flächendeckendes Inquisitionssystem installiert und ist bereit, jeden platt zu machen, der den Profit der Pharmaindustrie und den Triumph des Fortschritts stört. Aber zumindest ihre eigenen Kinder können die Ärzte schützen.

Auch bei ansonsten äußerst klugen Zeitgenossen, die an sich wenig vom Pharmalobbyisten Jens Spahn halten, kann man erleben wie sie die Zwangsimpfung gutheißen und in Foren – im Gegensatz zu Jens Spahn und Merkels sonstiger Flachmannschaft, die dafür opulente Honorare und lebenslange Versorgungsposten erhalten – vollkommen gratis mit aller ihnen zu Gebote stehender Vehemenz anderen Bürgern ihre Unvernünftigkeit und Unwissenschaftlichkeit austreiben wollen und mit Jens Spahn an einem Strang zur Rettung der Volksgesundheit ziehen: Zur totalen Durchimpfung. Es ist keineswegs böser Wille, der diese Menschen antreibt, im Gegenteil, es ist das überwältigend Gute, Vernünftige und Fortschrittliche, für das sie gerne eine Lanze brechen möchten. Aber selbst diejenigen gar nicht so wenigen, die man über den Intellekt nicht so leicht einfangen kann (das meine ich ganz ohne Ironie: gesegnet sind die, die heute keinen an der Uni hybrid zugespitzten Intellekt besitzen, denn mit solchem „evidenzbasiertem“ Intellekt ist man von der vorbezeichneten Pandemie am leichtesten einzukassieren) und die instinktiv ahnen, dass da irgendetwas gewaltig faul ist, schweigen oft lieber. Man tut sich ja auch wirklich schwer, gegen dieses überwältigend Gute und Gerne anzukämpfen, mit dem uns unsere alternativlose Netzwerkdurchsetzungs-, Organfledderer-, Herdenschutz- und Zwangsimpfungsregierung am laufenden Band beglückt. Obwohl man immer gedacht hätte, dass beim Griff nach den eigenen Kindern der Spaß vorbei sein und die Bürger mit dieser heuchlerischen Regierung endlich Schluss machen werden.

Wenn wir also sogar unsere Kinder so leichtfertig am Altar des neoliberalen Molochs opfern, nur damit der tagesschauguckende Leitmedienbürger sich von den benachbarten Mäusefriedhofsbürgern nicht nachsagen lassen muss, dass er womöglich „den Herdenschutz gefährdet“ … nun ja, warum sollte man diesen Grad der Apathie nicht ausnutzen und jetzt ganz direkt die Ersparnisse dieser Herde abgreifen?

Foto: Falcon Predator – Pixabay/CC0

 

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P.S.: Da derzeit ja vielgesehene Videos von (nicht umstrittenen, sondern „renommierten“) Ökonomen kursieren, in denen mit dem erwarteten Banken-/Systemcrash ein „reinigendes Gewitter“ und danach ein „Goldenes Zeitalter“ vorausgesagt wird: Bitte vergessen Sie das. Ein derartiger Crash wird nur dazu genutzt werden, um die Drahtschlinge um den Hals der Bürger noch enger zuzuziehen. Die meisten sozialen und zivilisatorischen Errungenschaften, die wir bisher gemeinhin als selbstverständlich angesehen haben, werden dann weg sein und uns auch nicht mehr zurückgegeben werden. Vergeuden Sie also nicht Ihre Zeit mit derartigen Hirngespinsten. Es wird für Deutschland kein neues Wirtschaftswunder geben, das Land ist nach 14 Jahren „evidenzbasierter“ Merkelregierung nun de facto abgewickelt und erledigt. Das momentan auf der Politbühne beobachtbare Possenspiel ist dazu nur der letzte Akt.

Damit wir nicht mit diesem düsteren Gedanken enden, die gute Nachricht: Die planmäßige Zerstörung und Abwicklung dieses Landes war im Kern dennoch erfolglos. Ja, es wird dramatische Kollateralschäden geben (gemeinhin als „Verwerfungen“ verharmlost) und der an Mensch und Kultur angerichtete Schaden wird gigantisch sein. Jeder, der diesen Schaden als – aktiv treibende oder passiv zustimmende – Kraft mitzuverantworten hat, wird von der Last seiner Verantwortung erdrückt werden. Aber ich wollte zur guten Nachricht kommen. Und diese ist: Das vielgeschmähte Deutschland im Sinne von dem, was unsere Politiker verraten, viergeteilt und verkauft haben (siehe auch „DOOSER – Warum wir so depressiv sind“), aber was es eigentlich sein hätte sollen, nämlich der philosophisch-humanistische Geist im Sinne der Dichter und Denker wie Goethe, Schiller, Hegel & Co. hat sich längst internationalisiert, ist nun über alle Welt verstreut und wird in der Diaspora weiterleben, so wie es schon das Schicksal von Armeniern und anderen war. Dazu aber, falls Zeit ist, ein andernmal mehr.

Migrantengewalt und Bullshitfaktor (Randnotiz eines Markt-Verbrauchers)

Foto: Screenshot Facebook/afd Nordhausen, 21.11.2019 (FB)

Der AfD Regionalverband Landkreis Nordhausen hat heute ein Foto gepostet, das nun im Netz die Runde macht. Es zeigt eine von einem Asylwerber zerstörte Regalreihe in einem „Verbrauchermarkt“. Dazu gibt der Regionalverband ein Statement, dem sich auch praktisch alle Kommentatoren anschließen: Menschen, die so etwas machen, „haben in diesem Land nichts verloren und gehören unverzüglich abgeschoben!“

Da ich dieses Potpourri aus Scherben und besudeltem rotem Teppich als seltsam bezeichnend für unsere gerade anlaufende Weihnachts- bzw. „Winter“-marktatmosphäre empfand, noch bevor ich gelesen hatte, worum es dabei überhaupt geht, musste ich auf diesem Foto verweilen. Dazu gesellten sich Gedanken, die vermutlich nicht mehrheitsfähig sind, aber die trotzdem nicht schweigen wollten.

Ja, einen ganz ordentlichen Scherbenhaufen haben wir Verbraucher da. Aber der Migrant, der uns Markt-Verbrauchern das angetan hat, hat als Neuankömmling womöglich eben noch eine Wahrnehmungsfähigkeit für dasjenige, an was wir tagesschauguckenden Leitmedienbürger uns schon vielzusehr gewöhnt haben … so wie man penetranten Gestank in einem Schweinestall nicht mehr riecht, wenn man längere Zeit darin verweilt: Den unsäglichen, dauermusikuntermalten Bullshitfaktor, der in unseren Shoppingmalls und vor Ramsch und Alkohol überquellenden Supermarktegalen in der Luft hängt und uns den gesunden Atem raubt. Regale einer hedonistischen Überflussgesellschaft, die nach Ansicht des Designers Ken Garland heute „einen Punkt der Sättigung erreicht hat, an dem der schrille Schrei der Konsumpropaganda nichts weiter ist als bloßer Lärm.“

Jetzt kommt der gute Mann unter Einsatz seines Lebens als Asylwerber hierher ins gelobte Land, von dem er bisher immer als hochentwickelter Kultur, als Land der Dichter und Denker gehört hat, und was muss er wahrnehmen? – Dass er grosso modo verarscht wurde! Denn es ist hier im Land, in dem der täusche Verbraucher angeblich Gut und Gerne lebt, zwar an der Oberfläche alles prima glänzend, aber innerlich genauso und noch mehr verrottet und neoliberal vergletschert wie in seinem Heimatland. Kann man es von Neuankömmlingen allen Ernstes  verlangen, dabei Contenance zu bewahren und einfach mitzuspielen? Im obigen AfD-Post ist von „Gastfreundschaft“ die Rede, die uns von den Migranten nicht gedankt wird. Ist uns überhaupt bewusst, in was für ein heruntergekommenes Gästezimmer wir gerade Gäste einladen? – Ein Zimmer bzw. Lebensraum, den Tierschützer womöglich nicht einmal für artgerechte Tierhaltung durchgehen lassen würden, geschweige denn als Lebensraum, in dem der Mensch seine Würde bewahren kann. Ein Lebensraum, den ein großer Teil der Bürger ohne Alkohol kaum noch ertragen kann. Alkohohl, den wir in rauen Mengen kaufen und konsumieren. Nicht umsonst ist das Angebot an Alkohol in Supermarktregalen oft größer als das von Milchprodukten und Teigwaren (siehe Foto). Und natürlich packt uns ein besonderer Schrecken, wenn wir ein solches Bild sehen, wo uns jemand unsere Volksdroge kurz und klein schlägt, während uns die großskalige Zerstörung unserer Um- und Innenwelt, die täglich stattfindet, weitgehend unbekümmert lässt.

Ich weiß, das werden viele jetzt als frivol ansehen, aber könnten wir diesen Scherbenhaufen nicht als aktionistisches Kunstwerk ansehen, wo uns ein Fremder kurz einmal dasjenige sichtbar gemacht hat, was ansonsten zwar unsichtbar ist, aber eigentlich ununterbrochen die Atmosphäre unserer marktkonformen Demokratie prägt … etwas, das dauermusikbeflügelt durch den Raum schwadroniert und auch in jeden eindringt, der zu tief Luft holt: achselzuckende Zerstörung und Ödnis.

Nicht dass ich Gewalt rechtfertigen will, aber ganz unverständlich sind solche Taten, so wahnsinnig und sinnlos sie auch erscheinen mögen, vielleicht doch nicht.

Und wenn wir den Migranten abschieben, der diesen Saustall angerichtet hat, haben wir besagten Bullshitfaktor immer noch in der Luft herumhängen.

 


zum Weiterlesen:

Brief eines dürren Süd-Ost-Menschen an das adipöse Altmaier-Kabinett im Schlamerkelland:
„… dann kann ich Euch versprechen: Wir werden komplett durchdrehen“

Der Joker kommt (mal wieder): Ich reiß‘ euch jetzt gut und gerne den Arsch auf!

Der ORF-Regisseur David Schalko hat schon einmal ausgedrückt, womit wir es heute zu tun haben: „Perversion als letztem Ausdruck der inneren Verzweiflung“. Doch mit welcher Perversion will man heute noch jemanden hinterm Ofen hervorholen? Angesichts der derzeitigen Beschallungsstärke und inmitten des Tarantino’schen und Merkel’schen Egoshootergemetzels muss man die Dosis schon gewaltig steigern, damit der tagesschauguckende Mäusefriedhofsbürger noch einen Nervenkitzel verspürt.

Pünktlich zur Adventszeit wird dem Mäusefriedhofsbürger nun wieder ein Happen hingeworfen, der den Adrenalinspiegel ankurbeln und das Mäuseherz höher schlagen lassen soll: Der neue „Joker“-Blockbuster ist vom Stapel gelaufen und alle wollen ihn sehen. Harry Potter und Herr der Ringe waren gestern, wir sind Joker. Der Film ist ab 16 Jahren freigegeben. Wer jünger ist, muss sich eben mit einem sneak-stream im Internet begnügen. Es ist der gefühlt drölfte Aufritt des irren mordenden Clowns, und angesichts des überwältigenden Kassenerfolges wird es bestimmt nicht der letzte sein. Wir können derzeit gar nicht genug kriegen von dem Clown, der sich von einer Randfigur des Batman-Comic zunehmend zu einer eigenständigen Hauptrolle gemausert hat, die das Publikum mittlerweile mehr fasziniert als der eigentliche Held selbst.

Wir wollen heute zu neuen Horizonten. Das, was einen klassischen Helden bislang ausgemacht hat: Charakterschulung, Entbehrung, Schmerz, Tugend … – ja ey lol, mann, wozu soll man sich das denn antun, wo man doch gleich die Bühne rocken kann, mit dem Spielzeug, das bereits in der Gegend rumliegt?

Der Joker macht prototypisch vor, wie easy das geht, und wie man den frenetischen Jubel der Massen nebst Millionen Follower ernten kann, indem man einfach nur abhängt, den im Unterbauch schlummernden Instinkten folgt und dabei einen auf smart macht. Nun ist er also wieder da, der Joker, frisch aufgebrüht – diesmal nicht nur noch böser als der letzte, sondern einfach nur noch böse. Wobei es etwas Böses laut herrschender Diktion ja gar nicht gibt. Sagen wir also nicht böse, sondern: einfach nur noch fit for fun. No borders, no brain, just fun. Mit dieser ultimativ neoliberalen Attitüde zieht auch der neue Joker als blutrünstiger und mordender Psychopath durch die City. Der Joker mordet jedoch nicht ganz wahllos. In einem Interview erklärt uns Regisseur Todd Phillips, dass er auch Regeln habe:

„Obwohl er ein Bösewicht ist, lebt er nach bestimmten Regeln: Er bestraft nur diejenigen, die ihn verletzt haben.“

Bei der Befolgung dieser Regel ist er sogar gegenüber seiner eigenen Mutter konsequent: Er erstickt sie mit einem Kissen in ihrem Krankenbett, weil sie in seiner Kindheit schlecht zu ihm war. Das Novum am neuen Joker, der mit 852 Millionen Dollar Umsatz bereits als der weltweit erfolgreichste und profitabelste Erwachsenen-Kinofilm aller Zeiten gilt, ist: Die Massen verabscheuen ihn nicht, sondern finden ihn großartig. Durch eine schauspielerische und dramaturgische  Meisterleistung wird zu Beginn des Filmes das empathische und fast tränenrührige Bild eines von der Gesellschaft gedemütigten Verlierers gezeichnet, der irgendwann seinen blutigen Rachefeldzug antritt, im Zuge dessen er von den Menschenmassen auf der Straße Gotham Citys frenetisch gefeiert wird. Die Massen machen ihn zu ihrem Helden, setzen sich selbst Joker-Clownmasken auf und stellen ihn auf die Motorhaube eines Autos wie auf ein Podest, zu dem sie aufjubeln. Sie haben jetzt ihren Helden und wollen ihn auch zu ihrem Regenten machen. Denn sie realisieren, dass der Joker etwas verkörpert, was auch in ihren eigenen Untiefen nach Ausdruck lechzt: Sich von allen einengenden Maßstäben befreien und endlich als Freestyle Fripster ins Tomorrowland abfeiern. No borders,no gender, no nation, no brain, just fun – so wie uns das auch im aktuellen Werbespot eines fusionierten Bankkonzerns erklärt wird (siehe unten). Die in diesem Banken-Imagevideo transportierten Sujets findet man derzeit übrigens branchenübergreifend in fast allen Werbespots der Konzerne wieder, egal ob diese Konzerne Autos, Smartphones oder Softdrinks produzieren.

Der Joker-Film stellt mit der Begeisterung der Massen etwas dar, was heute durchaus nicht ohne Brisanz ist und bereits als Verheißung progressiven Fortschritts in der Luft liegt: Nicht wenige sind ja mittlerweile der Meinung, dass die Zeit für dumme Politiker, die von noch dümmeren Wählern gewählt werden und nach demokratisch-rechtsstaatlichen Maßstäben handeln sollen, vorbei sei und man stattdessen „Experten“ ranlassen solle, die alles regeln (siehe „Endlich: Jetzt schlägt die Stunde der „Experten“! – Über Evidence Based Bullshit“). Der Joker macht uns vor, wie einfach das geht: Der Kandidat der konservativen Partei wird auf offener Straße samt seiner Frau kurzerhand abgeschlachtet. Auch wer sonst noch aller zur falschen Zeit am falschen Ort war oder sich dem neoliberalen Fortschritt aktiv entgegenstellen will, hat eben einfach Pech gehabt und darf seine Versicherungspolizze vom Jenseits aus einlösen … sofern es dann überhaupt noch eine Versicherung gibt, denn angesichts der bombastischen Kollateralschäden des Joker-Flashmobs wird wohl bald jede Versicherung Insolvenz anmelden müssen. Aber die Bank, die Bank gewinnt bekanntlich immer. Und wie uns bereits der Templeton-Fondsmanager in der Doku „Let’s make money“ erklärt hat: Am profitabelsten kauft man als Investor immer dann ein, „wenn das Blut auf den Straßen klebt … selbst wenn es Dein eigenes ist“.

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Der nachfolgende Banken-Werbespot, zeitgleich mit dem Kinostart des Joker Anfang Oktober in die Massenmedien gestellt, hat wohl ebenso wie der Joker den Puls der Zeit getroffen und innerhalb kürzester Zeit alleine auf Youtube die für einen Banken-Werbespot unglaubliche Anzahl von über 2 Millionen Klicks erreicht. Auch wer auf der offiziellen Facebook-Seite der Bank die Kommentare zum Video querliest, in denen die Zuseher aus dem Schwärmen über diese tolle Zukunfts-/Gesellschaftsvision („Dafür, warum es uns gibt“) gar nicht mehr herauskommen und die Kommentarspalte vor lauter Herzen, Küssen und Wombat-Smileys nur so überquillt, der weiß, was es geschlagen hat und dass der Fortschritt und das Gute und Gerne Leben nun wirklich nicht mehr aufzuhalten sind.

Nachdem die Banken und Konzerne nach Offenbarwerden der systemischen Krise 2008 kurz ins Taumeln geraten sind, haben sie jetzt erkannt, mit welchen Tönen und Bildern sie das Vertrauen der Massen wieder zurückgewinnen können: Mit einer unwiderstehlichen, zuckersüßen Mousse aus cognacflambiertem und mit Red Bull gelöschtem Astroturf-Hipster-Emotional-Splash-Freakshow-Gender Madstream-Cockrider-Spacepig Feeling, mit dem jedermann/-frau/-diverser, der bei untergehender Sonne auf dem Dach seines smarten Wohnklosilos sehnsüchtig dem Hereinbrechen der urbanen Nacht harrt, in der er/sie/es grenzenlos Spaß haben kann und in der frei nach Thomas Hobbes jeder Mensch des anderen Menschen Wolf sein darf.

„Unite Behind The Science“ lautet die Losung, der sich kein Bürger, der etwas auf das Gute und Gerne, „wissenschaftlich“-aufgeklärte Leben hält, entziehen wird können. Man könnte in Zeiten, in denen es der Bürger akzeptiert hat, in einer marktkonformen Demokratie zu leben, mittlerweile ruhig auch „Unite Behind The Economy“ oder „Unite Behind The Power“ sagen. Wir leben ja in einer Zeit des kompromisslosen Fortschritts, den spätestens seit der Erfindung des iPhones wohl kaum noch jemand infrage stellen kann. In keinem bisherigen Zeitalter der Menschheit war es so leicht, zu den Guten zu gehören und quasi im Vorbeigehen das Dunkle zu bekämpfen. In solcher Zeit braucht man sich den Konzern-, Polit-, Militär- und Medienmächten und ihren Plänen zur evidenzbasierten Verwertung der Umwelt- und Humanressourcen nicht mehr entgegenzustellen und sich von Wasserwerfern nassspritzen oder sich so wie in Frankreich die Augen ausschießen lassen. Nachdem die rationale, evidenzbasierte Vernunft ihren globalen Siegeszug angetreten hat, kann man mit diesen Mächten nun gemeinsam an einem Strang ziehen. Denn wie uns die Bank im Video erklärt: „The future is yours.“

 

Zur Sache:

So, bin mal wieder vollkommen abgedriftet. Wollte eigentlich nur zwei Zeilen zur Einleitung einer vom Osteuropa-Korrespondenten Thomas Röper (Quelle: anti-spiegel.ru) übersetzten Rezension des russischen Fernsehens zum neuen Joker-Film schreiben und bin jetzt bei einem Hipster Banken-Video gelandet. Vollkommen abwegig und „krude“ würde das der zeitgenössische Qualitätsjournalist wohl bezeichnen. Bevor mich also Relotius entfriendet und ich nicht mehr zu Springers transatlantischen Dinnerparties eingeladen werde, zurück zum Joker-Film, der derzeit die Massen bewegt.  

Da der Film dasjenige thematisiert und endlich in anschauliche Bilder kleidet, was es laut herrschender Lehre heute gar nicht gibt, obwohl es jeder spüren kann: das abgründig Böse, das im und um den Menschen schlummert und nur auf die Gelegenheit lauert, sich seiner vollständig zu bemächtigen, besitzt der Film natürlich einen unwiderstehlichen Sog und zieht die Massen ins Kino. Das Nervenkostüm manch hartgesottener Seher kommt dabei jedoch mitunter an den Rand seiner Belastungsgrenze. „Bin aus dem Film gegangen, ich konnte es nicht durchhalten“, liest man auf Twitter, „Ich bin sprachlos und zittere“, gesteht ein weiterer Kinogeher. „Ich bin vor 12 Stunden aus dem Kino raus und mein Kopf und Körper haben sich immer noch nicht erholt“, schildert ein anderer.

In US-Kinos wurden mit dem Anlaufen des „Joker“ Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Man befürchtet wieder Amokläufe so wie in der Stadt Aurora, als  ein Kinogeher bei der Premiere des letzten Joker-Films „The Dark Knight Rises“ wahllos ins Kinopublikum gefeuert hat. Einfach nur so, ohne irgendetwas auf Geschlechter, Alter, Nationen, Rassen oder sonstige diskriminierende Merkmale zu geben. Dabei starben 12 Menschen. Der Mörder erschien später vor Gericht als „Joker“ geschminkt. Die Hinterbliebenen der Opfer schrieben in der Folge einen offenen Brief an die „Joker“-Produktionsfirma Warner Bros.: Man möge die diabolische Comic-Figur nicht als Helden darstellen. Ihre Bitte blieb unerhört.

Nicht nur der Aurora-Attentäter ließ sich von der Figur des „Joker“ inspirieren. In einer skandinavischen Stadt, ich finde den Link nicht mehr, schminkte sich ein junger Mann als Joker und drang in die Geburtenstation eines Krankenhauses ein, wo er mit einem Messer wahllos auf Babies einstach. Doch nicht nur Unbeteiligte fallen der Figur des Joker zum Opfer. Sogar den bislang berühmtesten Hauptdarsteller selbst hat es erwischt. Der 28jährige Heath Ledger, der für seine geniale Verkörperung des massenmordenden Clowns posthum den Oscar verliehen bekam,  konnte nicht mehr einschlafen und ist gestorben. Er hat ein Tagebuch geführt. Den damaligen Bericht, in dem er schildert, wie er vom von den Bildern des irren Clowns verfolgt und nicht mehr losgelassen wird, sucht man heute im Netz vergeblich. Stattdessen wird bei allen diesbezüglichen Berichten der evidenzbasierten Qualitätsmedien Wert darauf gelegt zu betonen, dass ein Zusammenhang seines Todes mit der Rolle des Jokers „letztlich nicht bewiesen ist“. Wie es scheint, sind es also nicht nur Politiker, NATO-Funktionäre und konzernwirtschaftliche Leistungsträger, deren Image auf Wikipedia aufgehübscht wird, man ist auch darauf bedacht, auf den Joker kein schlechtes Licht fallen zu lassen.

Um den Joker glaubwürdig verkörpern zu können, hat sich der Schauspieler intensiv in diese Figur vertieft:

“Ich saß für ungefähr einen Monat in einem Hotelzimmer in London rum, habe mich von der Außenwelt abgeschottet, ein Tagebuch geführt und mit Stimmen und Lachen experimentiert. Es war für mich sehr wichtig eine eingängige Stimme und ein Lachen zu finden. Ich bin am Ende mehr im Reich eines Psychopathen gelandet – jemand mit sehr wenig bis gar keinem Gewissen.  Jemanden zu verkörpern, der einfach nur ein kompletter Soziopath ist, ein kaltblütiger, massenmordender Clown“. (Quelle: Interview mit dem Empire Magazine)

So, nun aber zu der versprochenen Rezension des russischen Fernsehens. Ebenso wie ich meinen Artikel hat sie der Antispiegel-Redakteur in seinem Politmagazin zunächst für eine Themenverfehlung gehalten, sie aber dann aufgrund ihrer tiefgründigen Gesellschaftskritik doch veröffentlicht.

Am Ende der russischen Rezension wird der fit for fun hipster vermutlich nur empört die Augen verdrehen ob solcher altbackener Ideale. Denn da spricht die russische Redakteurin doch tatsächlich  irgendetwas über Ideale und dass Russland einen anderen Weg kultivieren möchte als es in der Figur des „Joker“ bildhaft dargelebt wird: Nicht einen Weg der „Spaltung und Kultivierung des Hasses“, woran einige wenige gut verdienten, sondern einen Weg der Gemeinsamkeit, um Mensch, Natur etc. zu fördern.

Vermutlich ist über diese Redakteurin schon längst ein Shitstorm der westlichen Wertegemeinschaft hereingebrochen. Will die uns denn tatsächlich unseren grenzenlosen Spaß vergraulen? Was die Russin da vorschlägt, ist doch eindeutig reaktionär, fortschrittsfeindlich, querfront, transphob, clownophob, amokphob und sonstnochwas … – „rechtsesoterisch“ hab‘ ich vergessen.

 

 


 

(Artikel/Übersetzung aus dem Russischen übernommen mit freundlicher Genehmigung von Thomas Röper / anti-spiegel.ru):

„Joker“: Das russische Fernsehen mit einer sehr gesellschaftskritischen Rezension des Kinoerfolges

Im Kino macht der Film „Joker“ Furore. Das russische Fernsehen hat darüber eine nachdenklich machende und gesellschaftskritische Rezension gebracht.

Ich wollte diese Rezension aus der Sendung „Nachrichten der Woche“ eigentlich nicht übersetzen, weil sie nicht wirklich zu den Themen des Anti-Spiegel passt. Aber wer diese Rezension liest, findet eine sehr tiefgründige Gesellschaftskritik, die in meinen Augen doch lesenswert ist. Also habe ich den Beitrag des russischen Fernsehens über den Film „Joker“ doch übersetzt.

Beginn der Übersetzung:

Der neue Welterfolg im Kino mit einem neuen Rekordeinspielergebnis, ein amerikanischer Film, ist schwere Kost. Es geht um „Joker“ vom Regisseur und Drehbuchautor Todd Phillips, Gewinner des Goldenen Löwen in Venedig. „Joker“ hat bereits 16 Oscar-Nominierungen. Ein Rekord.

Die Handlung spielt in der fiktiven Stadt Gotham, die aussieht wie New York. Der Held des Filmes ist ein psychisch kranker Schauspieler und Komiker namens Arthur Fleck. Nach dem Drehbuch ist er vielleicht nicht ohne Talent, aber sicherlich ein Künstler mit unterdurchschnittlichen Fähigkeiten. Schlecht für seinen Lebensweg sind außerdem der deutliche Mangel an Bildung, kombiniert mit einer psychischen Erkrankung.

Er ist ein Verlierer, das können wir vorwegnehmen. Er trägt Zirkus-Make-up auf und verdient sein Geld als Clown, der versucht, die Leute in New Yorker Clubs zum Lachen zu bringen, aber jedes Mal dabei scheitert.

Beim Zuschauer entsteht die gegenteilige Wirkung. Der „Joker“ ruft Empathie und Mitleid hervor. Mitleid ist der erste Schritt zur Sympathie. Und in Russland umso mehr, denn das Thema „kleiner Mann“ ist dank Gogol und Dostojewski immer ein wichtiger Teil unserer Seele. Wenn er talentiert gespielt wird, dann noch mehr.

Joaquin Phoenix spielt den sehr schwierigen Charakter sehr talentiert. Um sich an die Rolle zu gewöhnen, musste er nicht nur 24 Kilogramm abnehmen, sondern auch Dutzende Stunden Videos über das Verhalten von Menschen mit ähnlichen psychischen Behinderungen ansehen. Er spielt mitreißend. So sehr, dass wir, das Publikum, uns mit der Hauptfigur identifizieren und anfangen, sein Leben und seinen Schmerz zu leben. Das ist eine ungewöhnliche Erfahrung für uns. Zwar gab es früher schon in Literatur und Kino Charaktere mit Behinderungen, aber im „Joker“ gehen wir dank meisterhaftem Drehbuch, geschickter Regie und herausragender schauspielerischer Leistung selbst in einem psychisch kranken Menschen auf.

Zum Teil ist das heute in Mode und gilt für alle Arten von Minderheiten. Als sie von LGBT-Personen und Queer die Nase voll hatten, beschlossen sie, Menschen mit psychischen Störungen in neue Höhen zu heben. Jetzt gehen wir in ihr Innerstes und hören ihnen zu. Wie in der Musik jetzt auf der Suche nach neuen Klängen Begleitinstrumente zu Soloinstrumenten werden, ist es jetzt auch modern, die Meinungen von Menschen mit diagnostizierten psychischen Krankheiten in öffentlichen Diskussionen zu verwenden. Das berühmteste Beispiel ist die schwedische Öko-Aktivistin Greta Thunberg.

Im Film „Joker“ wird ein Mensch zur bedeutenden Persönlichkeit erhoben, der eine Klatsche hat und eines der Symptome dieses Patienten ist plötzliches und äußst unvernünftiges Lachen bis hin zu Krämpfen. Es kommt aus heiterem Himmel und klingt gruselig.

Der Held hatte nie eine Familie. Aber er kümmert sich rührend um seine Mutter. Sie ist auch Patientin einer psychiatrischen Klinik. Anfangs sind wir von all dem so durchdrungen, dass wir die Hauptfigur unwillkürlich vor all den kommenden Schwierigkeiten beschützen wollen. Als er von einer Gruppe schwarzer Hooligans verprügelt und in einen Müllcontainer geworfen wird. Als er gefeuert wird, weil ihm eine von einem Kollegen zur Selbstverteidigung geschenkte eine Waffe bei einem Auftritt vor Kindern im Krankenhaus auf den Boden fällt. Und dann der Kampf in der U-Bahn, deren Ursache nur ein Lachfall von ihm war. Da erschießt Arthur im Clown Make-up das Trio der Täter mit genau dieser Waffe.

Wir sind hier unweigerlich solidarisch mit unserem Helden. Er ist doch krank, er ist ein Verlierer, er tut uns leid und er rächt sich. Zwei tötet er an Ort und Stelle, dem dritten folgt er auf den Bahnsteig und erledigt ihn dort. Die Opfer sind Angestellte, weiße und erfolgreiche junge Menschen. Die Nachricht rast durch die Stadt, aber die Menschen, wie auch das Publikum, sympathisieren plötzlich mit dem Mörder. Und Clownsmasken werden zum Symbol spontaner Proteste, Proteste gegen die Reichen.

Unterdessen tötet der Held weiterhin diejenigen, die ihm Schmerzen zugefügt haben: Seine eigene Mutter erstickt der mit einem Kissen in ihrem Krankenbett, weil sie in seiner Kindheit schlecht zu ihm war. Und wir sollen irgendwie den armen Kerl verstehen. Und später geht er brutal gegen seinen Freund vor, weil der ihm die Waffe gegeben hat, die unglückliche Waffe, die aus seiner Tasche gefallen ist und der Grund für seine Kündigung war. Der Regisseur des Films sagt uns hier, dass der Mord gerechtfertigt ist, auch durch die Regeln: „Obwohl Arthur ein Bösewicht ist, lebt er nach bestimmten Regeln: Er bestraft nur diejenigen, die ihn verletzt haben“, sagte Todd Phillips.

Bestrafung bedeutet Ermordung. So wird bei der mitfühlenden Öffentlichkeit eine Regel geformt: Wer dich verletzt, darf getötet werden. Und es ist einfach. So ist zumindest die Ideologie des Filmes „Joker“.

Am Ende des Films ist Arthur als Gast live in der TV-Comedy-Show seines Lieblings-Moderators, brillant gespielt von Robert De Niro. Im letzten Moment, bevor sie vor die Kamera treten, bittet er De Niro, als Joker präsentiert zu werden. Robert De Niro tut es.

Zunächst plante der Joker aus Verzweiflung, im Studio Selbstmord zu begehen. Dazu nimmt die Pistole mit ins Studio. Doch dann geht es plötzlich mit ihm durch, er gesteht den Mord an drei Menschen in der U-Bahn, dann gefallen ihm die Nachfragen des Moderators nicht und tödliche Kugeln treffen ihn.

Die Anarchie auf den Straßen erreicht ihren Höhepunkt. Demonstranten in Clownsmasken und der Joker ist ihr Held. Die Menge befreit ihn aus den Händen der Polizei stellt ihn jubelnd auf die Motorhaube eines Autos, wie auf einen Sockel. Sein Triumph. Für den Joker ist dies ein Moment von höchster Bedeutung. Polizisten prügeln, Rauch und das Geräusch berstender Scheiben und alle tragen die gleichen Clownsmasken. Der Kandidat der „Reichen“ für das Bürgermeisteramt wird direkt auf der Straße getötet. Und seine Frau auch. Die Romantik des Aufruhrs und wir sind alle zusammen mitten drin. Ein schönes Gefühl. Zumindest im Film ist das eine Entschuldigung für die Rebellion.

Und es ist nicht verwunderlich, dass die Sicherheitsmaßnahmen in amerikanischen Kinos während der „Joker“-Aufführungen verstärkt wurden. Schließlich erinnert sich jeder daran, wie ein Zuschauer, inspiriert von der destruktiven Ideologie des Jokers, 2012 bei der Vorführung des Films „The Dark Knight“ 12 Personen direkt im Kino erschossen hat. Jetzt ist die Situation noch schlimmer. So sagt es der Regisseur von „Joker“.

„Wenn irgendwo in meinem Land Gewalt ausgebrochen ist, fokussiert sich alles auf den Initiator. Aber niemand sagt die andere Wahrheit: Wir sitzen auf einem Pulverfass. Wir müssen darüber reden und unser Film spricht darüber: über die Kräfte, die Arthur Fleck zum Joker machen. Alles beginnt mit einem Kindheitstrauma und setzt sich in der Gefangenschaft des sozioökonomischen Klassensystems fort, das in den Vereinigten Staaten tatsächlich existiert und die ganze Welt überzieht. Jeder, der diese Erfahrungen in ihrer ganzen Schwere durchmachen muss, kann zum Joker werden“, sagt Todd Phillips.

In diesen Worten schwingt sowohl die Anerkennung der Ungerechtigkeit des Systems mit, als auch die Furcht vor der Rebellion. Aber im Film wird der Aufruhr verherrlicht. In einem Leben, in dem das liberale Modell nicht in der Lage ist, die Kluft zwischen Arm und Reich zu verringern und ein Gleichgewicht in der Gesellschaft zu schaffen, liegen die Dinge anders. Der Aufstand wird rücksichtslos mit Gummigeschossen, Wasserwerfern und Tränengas unterdrückt. Und weil der Druck wie in einem Schnellkochtopf anwächst, ist der „Joker“ so faszinierend.

Und das wirklich nicht ohne Grund. Schließlich ist die moderne Welt auf der einen Seite ungeheuer unfair. Alleine in den letzten 20 Jahren haben sich die Vermögen der reichsten Multimilliardäre des Planeten vervielfacht und astronomische Summen erreicht. Hier zum Beispiel die drei Reichsten. Alles Amerikaner: Jeff Besos, Bill Gates und Warren Buffett. Ihr Gesamtvermögen übersteigt unvorstellbare 300 Milliarden Dollar. Und sie werden auf Kosten der Mittelschicht immer reicher, während die Armen arm geblieben sind. Auf der anderen Seite rufen wir zu einer Revolution auf, aber noch nie hat eine Revolution ein Land reicher gemacht.

Revolutionen regen jedoch weiterhin die Gemüter der Intellektuellen an. Und „Joker“ ist nur ein Manifest der Revolution, eine Poetisierung der Rebellion und des Versagens der Intellektuellen, die bei Revolutionen immer die ersten Opfer sind. Das war in Russland der Fall, als unsere gesamte liberale Klasse, Beamte, Kaufleute, Industrielle, bis hin zu den besten Schriftstellern und Dichtern, zuerst am kaiserlichen Thron wackelte und dann an Ort und Stelle umgebracht wurde oder ins Exil fliehen musste. Aber das Reich der Gerechtigkeit, das sie riefen, ist nicht gekommen. So war es auch in Deutschland, wo die Intelligenz zunächst die Frische in Hitler spürte, die die Menschen zu ihm hinzog, aber dann alles in Barbarei und Blut endete. Das ist die Regel: Intellektuelle, die die Zukunft durch Zerstörung der Ordnung modellieren wollen, sind selbst die ersten Opfer.

Und jetzt, wo sie den Film „Joker“ lobt, schießt sich die intellektuelle Klasse ins eigene Knie, weil der Film nur die Welle von Protesten aufpeitscht, die um die Welt gehen: von Frankreich über Chile und den Libanon bis nach Hongkong und sogar in den Irak. Und überall diese mit Schals oder Masken – und auch Clownsmasken – maskierten Gesichter. Und der für 16 Oscars nominierte Film heroisiert und rechtfertigt Anarchie, als wäre es eine Entscheidung. Beängstigend.

Vielleicht ist das der Grund, warum das Journal für Reiche, der „New Yorker“, den Film mit allen Mitteln versucht abzuwerten. „Die Zusammenhanglosigkeit des „Joker“ ist untrennbar mit ihrer ästhetischen Leere verbunden. Phoenix gibt eine düstere Reflexionen, freut sich mal, tanzt dann prätentiös in Unterwäsche oder im Anzug, kocht dann vor Wut und überspielt das mit einem lächerlichen Akzent. Auf jeden Fall scheint er nicht verrückt geworden zu sein, sondern einfach die Orientierung verloren zu haben. Er spielt nicht die Rolle, sondern zeigt nur ein Arsenal an schauspielerischen Tricks, aber bei aller Unterhaltung schmücken sie nur den Charakter aus, der sonst eher wie ein leerer Rahmen aussieht. Der „Joker“ gibt den Zuschauern eine seltene, eifernde Leere.“, schreibt die Zeitung.

Aber das Problem der Ungerechtigkeit ist da und verschwindet nicht. Ja, Anarchie ist keine Lösung, aber was tun? Das, was Russland vorschlägt: Nicht mit Spaltung und Kultivierung des Hasses einiger Länder gegen andere Länder arbeiten, woran einige wenige gut verdienen, sondern mit gemeinsamen Anstrengungen an die Lösung globaler Probleme gehen, sei es Armut, Naturschutz, Entwicklung neuer Medikamente oder der Kampf gegen den Terrorismus. Das ist der Weg. Und „Joker“ ist ein entlarvender Film. Und ein mächtiger. In dem Sinne, dass seine Folgen nicht bedacht wurden. Auch nicht von seinen Autoren.

Ende der Übersetzung

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