Journalismus

Der Relotius-Spiegel biegt sich sogar Heinrich Heine zurecht

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(von Markus Mynarek)

Als Replik auf die verfälschende Interpretation Heinrich Heines in der „Spiegel“-Kolumne „Armes Deutschland“ durch den Journalisten Markus Feldenkirchen:

Wir dienen ewig nur dem Scheine
stets im Heiligengewand.
Wir verfälschen sogar Heine,
wenn’s nur schadet uns’rem Land.

Fürchtet er sich vor dem Tode
einer alten Dame nur,
ordnen wir es, weil es Mode,
dem verhassten Deutschland zu.

Beschreibt er ‚ne verhurte Frau,
die Männer aus allen Nationen begehrte,
weiß der „Spiegel“ ganz genau,
dass er Verzicht auf Nationalstolz lehrte.

So kennen wir des „Spiegels“ Richtung,
dem es so sehr an Mut gebricht.
Was er schreibt, ist meistens Dichtung,
denn die Wahrheit liebt er nicht.


begleitender Leserbrief, vom Spiegel nicht veröffentlicht:
„Leider hat Herr Feldenkirchen in seinem Kommentar „Armes Deutschland“ Heinrich Heines ‚Lied der Marketenderin‘ gründlich missverstanden. Denn Heine beschreibt hier lediglich eine allzu lockere Dame, die unabhängig von der Herkunft und von Standesunterschieden mit dem gesamten männlichen Teil der Menschheit für Geld zu schlafen bereit ist. Dieses Spottlied Heines über eine Hure als Widerlegung eines starken Nationalgefühls aufzufassen ist absurd. Herr Feldenkirchen hat entweder keine Ahnung von Heine, oder er handelt bewusst in der Absicht, die Spiegel-Leser mit einem in Wirklichkeit ganz anders gemeinten Zitat irrezuführen.“

Bild: Heinrich Heine / Public Domain


Zu dieser Kolumne:
Wer nicht genügend Galgenhumor besitzt, der könnte sich ja in der Tat die Haare raufen über die Produkte derjenigen deutschen Presse, die laut Friedensnobelpreisträger Michail Gorbatschow „die bösartigste überhaupt“ ist (Quelle: DiePresse). Auch nach Einschätzung von Peter Sloterdijk ist heute „der Lügenäther so dicht wie seit den Tagen des Kalten Kriegs nicht mehr“, dem Journalismus attestiert er „Verwahrlosung“ und „zügellose Parteinahme“. Sloterdijk: „Die angestellten Meinungsäußerer werden für Sich-Gehen-Lassen bezahlt, und sie nehmen den Job an.“ Einer, der sich mit der Verwahrlosung derjenigen Zunft, die man noch vor wenigen Jahrzehnten als „Vierte Macht im Staate“ bezeichnet hat, nicht widerspruchslos abfinden möchte, ist der Philosoph und Literaturwissenschaftler Markus Mynarek, Sohn des Kirchenkritikers Hubertus Mynarek. In seinen Büchern und Gedichten nimmt er den poetischen Kampf mit manch widerspenstigem Sofamonster und Schreibtischtäter auf. Mit besonderer Vorliebe blickt der Autor dabei in den Relotius-Narrenspiegel als repräsentatives Beispiel dafür, wohin es der deutsche Qualitätsjournalismus heute gebracht hat. Aus diesem Köcher werden wir mit freundlicher Genehmigung des Autors in loser Folge einige Streiflichter veröffentlichen bzw. einige Pfeile in Sloterdijks „Lügenäther“ hinausschießen. Über kollektive Umerziehung, Denkverbote und Heuchelei bzw. den realen Zustand des „besten Deutschland, das wir jemals hatten“ (Frank-Walter Steinmeier) siehe auch Markus Mynareks Buch „Die versklavte Nation“.

 



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