Gesundheit

Off the Rocker (#DrowningInTheLauterbach)

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In einer Gesellschaft, die noch ganz bei Trost ist, würde man einer Person wie Karl Lauterbach spätestens nach 10 Minuten das Mikrofon abdrehen und ihm therapeutische Hilfe anempfehlen. Dass man ihn stattdessen zum Stammgast der Talkshows gemacht hat und die tägliche mediale Begegnung mit ihm mindestens genauso unvermeidlich geworden ist wie die mit der Bundeskanzlerin, zeigt wo wir stehen. Und dass diese Figur vielleicht auch sehr viel mit uns selbst zu tun hat. Denn sie repräsentiert einen Zustand, der heute in breiten Schichten unserer Gesellschaft wiederzufinden ist: Bei aller „Ausgebildetheit“ (im Falle von L. an den ranghöchsten Eliteuniversitäten) eine vollkommene Hilflosigkeit, Infantilität und Naivität dem Leben gegenüber. Das Verfallensein einer „evidenzbasierten“ Wissenschaft, die wir eher als Nichtwissenwollenschaft bezeichnen müssten und die sich gerade selbst die letzte Glaubwürdigkeit nimmt. Das nächtliche Taumeln von Motten um das blasse LED-Licht des Fluchtweg-Zeigers. Einmal hineingeraten, finden sie nicht mehr heraus.

Ein komplettes „Off the rocker“ sein, wie es einmal ein US-Anwalt an unsere Kanzlei schrieb, als es um einen senilen Mandanten ging, dessen Klagebegehren so abwegig war, dass der RA sachlich nicht einmal darauf eingehen wollte, sondern es mit dem kurzen Satz bewenden ließ: „Tell your guy he is off the rocker“ (eine Phrase, die mein Kollege zunächst nicht verstand und mich fragte, ob ich ihm das übersetzen könne).

„Off the rocker“, weg vom festen Untergrund, vom Fels (engl. rock) … nichts anderes kommt mir seit einiger Zeit in den Sinn, wenn ich die Nachrichten und den wahnwitzigen Marsch ins Impferno mitverfolge. „Off the rocker“, das ist wohl die knappe Diagnose, die man unserer Gesellschaft stellen könnte.

Foto: Flickr/ CC BY-SA 2.0 / Heinrich-Böll-Stiftung



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