Naturwissenschaft

Amoklauf eines „Science Busters“: Martin Moder reloaded

Von hier aus gelangen Sie auf die Autorenseite von und koennen alle kommenen Artikel mit "Link speichern unter" abonieren.


(Martin Moder, Youtubepreview – siehe unten)

Hätte das Forschungszentrum den Vertrag von Bobby Rajesh Malhotra nicht beendet, dann wüssten wir womöglich nichts über den Business as usual, dem in streng wissenschaftlichen Kreisen der Corona Taskforce  gefrönt wird (siehe Interview mit Aya Velàsquez). Wie eine Armada hochbezahlter Experten mit achselzuckender Chuzpe daran arbeitet, dem gemeinen Volk „Corona“ mundgerecht zu präsentieren. Wie hypothetische Protein-Datenbank-Spaghettihaufen einfach mal so aufgefüllt werden, um knackige 3D-Grafiken des Coronavirus zu erzeugen, mit denen dann Gwup-Horrorclowns wie Martin Moder in virtuellen Klassenzimmern umgehen, um kleine Kinder zu erschrecken – gesponsert vom österreichischen Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung. Auch die „Akademie der Wissenschaften“ preist Martin Moders Propagandashow auf ihrer Facebook-Seite mit dem Gütesiegel „leicht verständlich und knackig“ an.

Martin Moder legt Wert darauf, den Kiddies auch gleich zu Beginn seiner Brainwash-Videos zu erklären, dass er Molekularbiologe sei, also sich mit Dingen beschäftige, die „so klein sind, dass man sie gar nicht sieht“. Wer sollte angesichts dieser entwaffnenden Ansage an alle Laien den Corona-Kalottenmodellen, mit denen er wie mit Orangen jongliert, noch etwas entgegensetzen? Wie sollten Minderjährige jemandem widersprechen, der so voll den Durchblick hat wie der gentechnikbegeisterte Betreiber des Blogs „GENau“, der uns bereits evidenzbasiert erklärt hat, dass man Glyphosat bedenkenlos konsumieren könne (ein Schelm, wer meint, dass der Werbebühnenaufbau von Bayer/Monsanto auf der Gwup-/Skeptikerkonferenz „Skepcon“ Martin Moders strenge Wissenschaftlichkeit beinflussen könnte)  und dass auch die neuen gentechnischen Corona-Impfungen voll cool und unproblematisch seien – untermalt von lustigem Elefantentröten und Buzz-Memes? Wenn so jemand sagt, jetzt ist „Long Covid“, dann ist Long Covid.

Auch wenn es schauderhaft anmutet, so ist es doch auch faszinierend, mitanzusehen, wie weit Wissenschaftswahn und Selbstbetrug mittlerweile gediehen sind (siehe auch Dostojewskijs Traum von der szientistischen Pest) und mit welcher Inbrunst und leuchtenden Augen einzeln Köpfe dem Endsieg der evidenzbasierten Wissenschaft entgegenfiebern und sich als Apologeten des Evidence Based Bullshit hergeben. Letztlich hat es bei aller Tragik auch etwas Humoreskes, dabei zuzusehen, auf welch hohem und gleichzeitig peinlichem Niveau heute Nichtwissenwollenschaft als Wissenschaft zelebriert wird und wie wir frei nach Falco („Wer sich retten tut, der hat zum Untergang kan‘ Mut …“) auf der Titanic noch einmal richtig abfeiern.

Ich empfehle das Ansehen dieses Videos nicht deshalb (siehe auch Trailer zur neuen Staffel der „Science Busters“), um in einer Zeit des zur Normalität erklärten Wahnsinns und massenmedialen Dauerbombardements nochmal ein Schäuflein draufzulegen und für noch mehr Übelkeit zu sorgen. Man kann an dem Video vielmehr eine Fähigkeit trainieren, die für unser Überleben in Zukunft essentiell sein wird: Sich nicht sogleich vom glänzenden Äußeren ablenken lassen, sondern dieses vom dahinterliegenden Eigentlichen zu trennen, das man erst durch nachträgliches reflektieren erkennen kann. Man wird dann feststellen, dass es meistens ein Nichts ist, was hinter denen steht, die da derzeit mit ihren Redekünsten die Bildschirme füllen. Meist sogar nichts anderes als ein Hilfeschrei von Personen, die selbst existenziell entwurzelt sind und in ihrer Hybris krampfhaft versuchen, sich mit der „evidenzbasierten Wissenschaft“ eine Ersatzreligion zurechtzuzimmern, die auch „Spaß machen“ soll. Das wäre im Einzelfall zwar tragisch, aber nicht weiter schlimm, jeder Mensch darf ja die Konsequenz seiner Wahl selbst tragen. Was allerdings nicht unkritisch ist: Das Nichts, der Nihilismus, der hinter all diesen, meist nicht bloß intellektualistischen, sondern zwecks Kompensation der inneren Leere meist auch emotionstriefenden Darbietungen steht, entwickelt nun eine ungemeine Sogkraft, akkumuliert in der Art eines schwarzen Lochs immer mehr Masse, die alles mithineinziehen möchte, was ihr zu nahe kommt.

Doch wie gesagt: Sich von diesem schwarzen Loch nur fernhalten wollen in der Hoffnung, dass man dann selbst nicht geschluckt wird, ist ein Trugschluss. Gerade durch das Wegsehen ist man umso gefährdeter, während man durch mutiges Hinsehen und Erkennen des drohenden Abgründigen weitgehend geschützt ist.

Das heißt natürlich nicht, dass man sich zu tief in diesen wasserlosen Brunnen hineinlehnen sollte. Da hat Nietzsche schon recht: Wer das macht, den könnte der Brunnen auch verschlingen. Die Konfrontation mit dem Zersetzenden, das derzeit das globale Geschehen dominiert – und von dem Martin Moder nur eine kleine Faschingströte ist – kann einem jedoch den nötigen Elan und Antriebskraft geben, um sich umso intensiver mit den tieferen Fragen des Menschseins, also mit Sinn, Moral, Verantwortung und Schicksal zu beschäftigen – Gedankenkategorien, die den Anhängern des szientistischen Nihilismus eine heillose Angst verursachen, die aber für jeden, der die anfängliche Mühe nicht scheut, in Wirklichkeit ein Quell inneren Lebens und steten Neuwerden sind – und auch das einzige Gegengift gegen die nun einsetzende Sklerose bzw. Dostojewskijs szientistische Pest.


 

zum Weiterlesen:

Wenn nach der Impfung die Hirnthrombose kommt: Schnell zum GWUP-Horrorclown Martin Moder gehen – der lacht sie Dir wieder weg!

„Das Goldene Brett vorm Kopf“ – Über GWUP-Pastafaris, die neue Aluhut-Inquisition und neoliberale Arschlöcher wie mich

Der Psiram Lehrmeister – Massentaugliches Infotainment und marktkonformer Brainfuck

 

 



Die letzten 100 Artikel