Glück

Anekdote aus analogen Zeiten: Die 7 Todsünden zum Fressen gern

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(Bild: Michelangelo / PD)

Die Geschichte der Menschheit verläuft bekanntlich in Pendelschlägen. Spätestens zur Milleniumswende, als die „Geiz ist Geil“-Epoche eingeläutet wurde, durften wir Zeugen eines solchen Pendelschlags werden: Alles, was in bisherigen Hochkulturen als Todsünde, also als Weg ins Verderben, gegolten hat, wurde zur Tugend erhoben. So wie umgekehrt alle Tugenden als verwerflich und geschäftsschädigend erkannt wurden. Jeder evidenzbasiert aufgeklärte Bürger mit Farbfernseher im Wohnzimmer konnte von nun an über ritterliche Tugenden, die griechische Stoa oder Epiktets „Handbüchlein der Moral“ nur noch lachen. Schon in den 80ern fand das Preludium statt: In neongelben Farben verkündeten uns Dieter Bohlen & Co. über alle medialen Kanäle das Gegenevangelium: „Ich will dir fressähn!“. Oder in den Worten des Hedgefonds-Managers Florian Homm: „Zuviel ist niemals genug!“

Dazu eine kleine Anekdote aus Zeiten, als man noch analoge Briefe geschrieben hat: Ein großer Eishersteller, heute Teil des Unilever-Konzerns, hat sein neues Eissortiment herausgegeben. Produktname: „Die sieben Todsünden“. Jedes Eis hatte eine aus diesem Sündenpfuhl entlehnte Bezeichnung: „Faulheit“, „Habsucht“, „Völlerei“, „Neid“, „Wollust“, „Maßlosigkeit“, „Jähzorn“ etc.

Ich Spießer machte mir damals noch die Mühe, ans Produktmanagement zu schreiben, ob ihren Spaßvögeln eigentlich bewusst sei, dass es hauptsächlich Kinder sind, die sich ihre „Todsünden“ reinziehen und dann selbstverständlich für geil halten werden.

Ich hätte gar nicht erwartet, darauf eine Antwort zu bekommen. Doch sie kam. Und sie war entwaffnend: Die Marketingabteilung rechtfertigte ihre  „Todsünden“-Produkte damit, dass sie sich während der Produktentwicklung mit einem katholischen Bischof beratschlagt hätte. Und der hätte die Idee mit dem Todsünden-Eis gut gefunden.



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