Politik

Der Verrohung der deutschen Gesellschaft

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Montag, 20.9.2018. Eifel. Was für eine Welt, in der wir leben. Wirkt oft völlig irre, andererseits scheint alles nach Plan zu laufen – weil nirgendwo Alternativen zu den echten Problemen in die Tat umgesetzt werden. Deshalb darf man langsam darauf schließen, dass alles so gewollt ist wie es gerade ist. Wir könnten jetzt natürlich mal übers Wetter reden – aber selbst das ist politisch inzwischen riskant. Ganz schnell wird man „Klimaleugner“ – ein Wort, dass in Sinngehalt und Wirkung den früheren Begriff „Jude“ ersetzt hat. Ich durfte das selbst erleben, als ich ein paar Worte über das Wetter verlor und mich unversehens rechtfertigen sollte, dass so viele Klimaleugner kommentierten. Hintergrund war eigentlich etwas ganz anderes: meine Verwunderung darüber, dass – nach einem der trockendsten Sommer der Geschichte – die Befürworter des menschengemachten Klimawandels nicht umgehend zum Sturm bliesen sondern verwunderlich reagierten: statt viele Artikel über den nun offenkundig erlebbaren Klimawandel zu schreiben, kamen eher Artikel, die uns versicherten, dass a) alles ganz normal und b) alles früher viel schlimmer war, zum Beispiel 2003, 1904 und das Schlimmste war überhaupt 1540 (siehe Spiegel). Elf Monate kein Regen – und das kann sich wiederholen.

Ich frage mich nun einfach ganz normal: ja, gibt es denn jetzt diesen menschengemachten Klimawandel oder ist einfach alles ganz normal? Nach meinen bisherigen Eindrücken hat einfach niemand wirklich eine Ahnung von dem Klima und Nachrichten werden willkürlich ja nach Tageslage platziert: geschieht nicht viel, pumpt man die Theorie vom menschengemachten Klimawandel in die Massen, wird dieser Wandel aber erlebbar, gibt es wieder Beruhigungsfunk. Klar: die Bundeskanzlerin hat sich ja auch von den Klimazielen verabschiedet. Geht auch nicht anders: seit dem der Diesel der neue Nazi ist, können wir die Klimaziele sowieso nicht mehr erreichen – und für die E-Autos bräuchten wir 20 neue Kohlekraftwerke. Wir hätten also auch wieder gute Aussichten auf die guten alten Dunstglocken über den Städten, an die ich mich noch gut erinnern kann.

In der Eifel hat man schon den Eindruck, dass das Klima sich ändert: zum ersten Mal wurden unsere Nachbarn aufgefordert, ihren Wasserverbrauch zu reduzieren (siehe ksta). Erinnert mich an den Fall der jungen Mutter mit achtjährigem Sohn, der man in diesem Höllensommer das Wasser abgestellt hatte – was ja für alle verständlich sein soll, weil sie ja drei Mahnungen erhalten hat. Ich frage mich, welche lebensbedrohenden und menschenfeindlichen Maßnahmen man noch alle verstehen soll, nachdem drei Mahnungen eingegangen sind. Die Geschichte geht übrigens noch weiter: viele hilfsbereite Menschen sprangen ein und wollten die Rechnung begleichen. Nur: die Retter erwartete eine Überraschung (siehe Pfälzer Merkur): anstatt 183 Euro waren es auf einmal 326 Euro: angesichts der Tatsache, dass auf einmal Geld da war, wollte man schnell noch „Gebühren“ draufsetzen. Gut, dass sich die Bürger davon nicht abschrecken ließen: man hätte das kleine Kind in einem selten verrohtem Akt verdursten lassen, um seine Prinzipien und seine Geldgier durchzusetzen.

Es ist etwas, dass mich sowieso seit der Aktion mit Madame Ché zusehends verwundert: wann immer ein Mensch kein Geld mehr hat, um seine Rechnungen zu bezahlen, werden erst mal „Gebühren“ erhoben, die das ohnehin zu knappe Budget noch zusätzlich überfordern. Welchen Sinn macht so etwas nur? Erinnert an den Sklaventreiber, der seinem Sklaven noch mehr Last aufbürdert – als Strafe dafür, dass dieser auf dem Weg unter der bisherigen Last zusammengebrochen ist.

Welcher Geist steckt eigentlich hinter solchen Taten, welcher Ungeist brütet diese Ungeheuerlichkeiten eigentlich aus – und zu welchem Zwecke? Nun – wer sich diese Fragen stellt, wandelt in die Ablage „Verschwörungstheoretiker“. Diskutiert wird nicht mehr, es wird gehorcht! Endlich wieder!

Das man nicht mehr fragen darf, erfuhr auch der damalige Verkehrsminister Manfred Stolpe, als er bei den Konzernen wegen Toll-Collect nachfragte. Unangemessen seien seine Fragen – und dumm, so hieß es (siehe Zeit). Man sollte wohl in Zukunft doppelt vorsichtig sein, wenn die Abkassiererkonglomerate aus Wirtschaft und Politik Fragen als „dumm und unangemessen“ titulieren (oder eben auch als: Verschwörungstheorie), denn: der Herr Stolpe hatte Recht mit seinem Misstrauen. Nun tauchen Berichte von hunderten von Millionen Euro auf, die dem Staat aus der Tasche gezogen wurden – illegal (siehe FAZ): welch´ Überraschung. Vernünftigerweise sollte man in Zukunft jeden, der sich über Verschwörungstheoretiker aufregt, einer genaueren Untersuchung unterziehen: seine Ablehnung gegen nachdenkliche, nachfragende und selbst recherchierende Menschen resultiert womöglich (oder darf man schon sagen: mit Sicherheit) aus der Tatsache, dass er Leichen im Keller hat.

Es würde mich auch interessieren, mit welcher gesetzlichen Härte die Täter zu rechnen haben. Ich fürchte ein wenig: mit gar keiner, denn immerhin gab es ja auch Rückendeckung von Seiten der Politik. War ja ein Gemeinschaftsprojekt von Politik und Wirtschaft. Und eine Krähe hackt … ach, lassen wir das.

Wer nicht zu den Krähen gehört, wer kein Geld hat, hat weniger Glück. Leider. Lange Zeit habe ich es für einen schlechten Witz gehalten, dass man inzwischen Schwarzfahrer ins Gefängnis steckt. Immerhin hatte ich ja meine Erfahrungen: jene Banker, die in der Finanzkrise Staat und Menschen um Milliarden gebracht haben, sind ja auch immer noch auf freiem Fuß – wie will man denn da den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit bewahren? Und doch musste ich umdenken: 40 Prozent aller Betrugsfälle deutscher Gerichte beziehen sich auf „Schwarzfahren“ (siehe Deutschlandfunk), 2016 saßen 7600 Menschen wegen Schwarzfahren im Gefängnis (siehe Main-Ding). Die Zahl der Banker, die wegen Anlagebetrug dort einsitzen, konnte ich nicht ermitteln. Habe nur einen gefunden, der jetzt wieder eine Anlageberaterfirma leitet.

Der Schwarzfahrer scheint Staatsfeind Nr. 1  zu sein. Wird dabei eigentlich berücksichtigt, dass er die Kosten für den öffentlichen Nahverkehr schon längst zuvor durch Steuermittel mitgetragen hat? Ja: der Fahrschein deckt nur einen Teil der Kosten, ein weiterer Teil wird durch Staat, Land und Kommunen subventioniert. Kann man denn da nicht wenigstens die Armen mal umsonst fahren lassen – zumal die reicheren Bürger – die mit Auto – von viel stärker subventioniert werden (siehe vcd)? Ich denke mir, wir kommen hier langsam in den Bereich der dummen und unangemessenen Fragen, zu denen ich auch gleich mal eine Antwort selbst mitbringe.

Nach wie vor wuseln hunderte von Unternehmensberatern durchs Land und gestalten das Land um nach Prinzipien, die wir nicht kennen, folgen Philosophien, die nie veröffentlicht werden und Zielen, die uns nichts angehen. Aber manchmal können wir doch einen Einblick in ihre Tätigkeiten bekommen – wie in diesem Fall, wo es um die Besoldung von Führungskräften im öffentlichen Dienst geht. Die verdienen nur die Hälfte dessen, was man in vergleichbaren Positionen in der freien Wirtschaft verdient, meinte die Unternehmensberatung (siehe FAZ). Man stelle sich mal vor: da werden Menschen genötigt, von 176 000 Euro im Jahr leben zu müssen. Sie finden sicher auch: das geht gar nicht. Geht ja schon in Richtung Armutsgrenze.

Kommen die Unternehmensberater mit ihre Ansinnen durch, werden jene Leute, die Armen das Wasser abstellen, in Zukunft noch viel mehr Geld für diese Tat bekommen – auch, weil sie dann endlich finanziell zu jenen gehören, denen es in diesem Land so richtig gut geht – sofern sie nur hart genug durchgreifen. Merken Sie sich diesen Vorgang gut: er zeigt, wie man in Deutschland Leistungsträger wird … ganz einfach, in dem Lobbyorganisationen, die die Gesellschaft umbauen, dafür sorgen, dass man viel mehr Geld von der Allgemeinheit bekommt – sehr viel mehr Geld als andere, für die dann leider nichts mehr da ist.

Langsam aber sicher werden so die Führungsebenen des Landes mit sehr sonderbaren Subjekten besetzt, denen Geld wichtiger ist als der Dienst an der Gemeinschaft, von deren Geldern sie schließlich leben. Wundern Sie sich da noch, dass die Verordnung von Psychopharmaka in Deutschland in den letzten Jahren verdoppelt hat (siehe Apothekerzeitung)? Das ist ja auch bei gesundem Verstand kaum noch zu ertragen – zumal man mit einem solchen Verstand Gefahr läuft, dumme und unangemessene Fragen zu stellen – von denen mir noch einige mehr einfallen, zum Beipiel zum Wohnen.

Wohnen ist mir persönlich besonders wichtig. Ich wohne gerne, richte auch gerne ein, fühle mich auch gerne wohl. Wohnen ist ja auch ein Grundrecht. Ohne Wohnen geht ja gar nichts mehr, man hat keinen Internetanschluss, keine Briefkasten, keine Heizung, keine Toilette, kein Wasser, keine Küche, keine Nachtruhe, keinen Schutz vor Regen und vielerlei mehr. Außerdem – bekommt man ohne Wohnung keine Arbeit – und ohne Arbeit keine Wohnung. Und obwohl dieses Thema so unendlich wichtig ist, viel wichtiger jedenfalls als die zu geringe Besoldung von Führungskräften im öffentlichen Dienst – obwohl dies von allen Führungskräften in Deutschland sicher anders gesehen wird – müssen wir mit Nachrichten leben, die uns darlegen, dass immer mehr Familien mit Kindern auf der Straße leben (siehe Berliner Morgenpost). Auch Familien mit Kleinkindern. Ja – wenn wir Führungskräfte überall fürstlich besolden, dann muss halt irgendwo gespart werden. Bekommt jemand im Dorf per Beschluss den doppelten Anteil an Ressourcen, müssen dafür andere mit viel weniger auskommen – oder mit gar nichts

Gilt übrigens auch für Familien, die Arbeit haben. Der Merkur erzählt da eine schöne Geschichte (siehe merkur). Menschen, die seit vier Jahren im Wohnwagen leben, auf 45 m2 mit zwei Kindern. Beide Eltern berufstätig. Werden von „Vermietern“ grundsätzlich aussortiert, sobald bekannt ist, dass da Kinder einziehen. Vermieter? Nun – das sind im Prinzip jene Menschen, die jahrelang soviel zuviel zugeteilt bekommen haben, dass sie Häuser bauen können, in denen sie selbst gar nicht mehr wohnen mögen und diese dann anderen Menschen überlassen – unter immer entwürdigenderen Bedingungen. Klingt blöd und jenseits aller Vernunft – und ist auch so.

Es sind wahrscheinlich die gleichen Menschen, die sich gegen den Bau von Sozialwohnungen in ihrer Nachbarschaft wenden. Ja, so was gibt es (siehe Spiegel). Es wird da schnell nach Zäunen und Security gerufen – und endlich kann man mal ins Herz der Finsternis schauen: Alleinerziehende, Geringverdiener, Studenten und anerkannte Flüchtlinge sind der Feind. Schon sehr lange. Wir reden natürlich heute hauptsächlich über die „bösen“ Flüchtlinge – und viel weniger über die bösen Vermieter und Unternehmensberater … dabei bringen die auch Menschen um. Nicht mit Messern, sondern durch Entzug der Lebensgrundlagen. In den USA – unserer großen Mutter – ist man da im Umbau schon viel weiter … er hat ja auch viel früher angefangen. Die Folgen werden wohl auch unsere Zukunft sein: die Suizidraten der Bürger der USA steigen enorm (siehe Spiegel). Wird aber nur darüber gesprochen, wenn auch ein Herrenmensch sein Leben beendet. Das ist dann immer eine Tragödie. Ach ja – Herrenmensch sagt man nicht mehr, man sagt: Promi. Deren Vorbildleben wird uns tagtäglich auf vielen Sendern vorgeführt, welche Schuhe sie tragen, wo sie Urlaub machen, wie ihre Beziehungen laufen: wir kriegen alles mit über den neuen Adel. Man zeigt uns täglich, wie auch wir sein sollen – und die meisten halten sich daran.

Und glauben Sie mal nicht, dass sie vor deren Verachtung gefeit sind, wenn sie studieren gehen: rot-grüne Gesetze haben schon längst dafür gesorgt, dass die meisten Akademiker (also: 80 Prozent der Professoren und 96 Prozent der Doktoren) keine Stelle an einer Uni bekommen (siehe Deutschlandfunk) sondern das Ende ihrer Karriere mit Hartz IV erleben. Dort werden ihnen nach einem Jahr alle Qualifikationen aberkannt – und schon ist er da, der Fachkräftemangel.

Unglaublich, oder?

Das Land verroht. Vielleicht ein Grund, weshalb die Zahl der Auswanderer aus Deutschland im Jahre 2016 um knapp 50 Prozent anstieg (siehe Statista). Die Ratten verlassen das sinkende Schiff. Oder jene, die einfach noch viel zu viel Ressourcen haben. Schnell weg, bevor … nach dem Insektensterben und dem nun erkennbaren Vogelsterben (siehe bund-rvso) das Sterben der Restnatur beginnt.

Oder auf der Flucht vor anderen Gefahren – wie der Zusammenballung der verrohten Bürger und ihrer seltsamen Netzwerke. Ja – zunehmend wird die AfD … in der ja viele eine Hoffnung im Kampf gegen Armut, Ausbeutung und Ungerechtigkeit sahen … zu einer präfaschistischen Partei. Früher gegen den Euro, jetzt gegen Flüchtlinge sammeln sich in ihr gerade jene Leute, die gegen Sozialbauten in ihrer Nachbarschaft sind: die Reste des abstiegsgefährdeten Mittelstandes dominieren inzwischen die Partei (siehe Telepolis), die unter anderem – welch´ Überraschung – vom Verfassungsschutz beraten wird (siehe Frankfurter Rundschau).

Beunruhigend, oder?

Ist schon jetzt schlimmer – und ich sehe auch nicht, wie es sich durch eine AfD-Regierung verbessern wird. 25 Milliarden spart unsere Regierung jedes Jahr durch Hartz-IV-Sätze, die schon für Peter Hartz viel zu niedrig waren (siehe Monitor) … was niemanden daran störte, seinen Namen flächendeckend für eine verrohte Sozialpolitik zu missbrauchen. Und glauben Sie mal nicht, dass dieses Geld für notwendige Reparaturen ausgegeben wird: allein 48 Milliarden fehlen uns für die Sanierung von Schulgebäuden (siehe Spiegel). Nach dem katastrophalen Einsturz einer Brücke in Genua gibt es für deutsche Brücken aber wieder sofort Beruhigungsfunk – wir haben alles im Griff (siehe Tagesschau).

Jedenfalls … bis die erste Brücke auch hier einstürzt.

Oder die erste Schule.

Was sind auch diese Probleme gegen das Problem der Besoldung von Führungskräften.

Und: wirkt das jetzt irre?

 

 



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