Politik

Deutschland – die Kultur der Angst … und des Bösen

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Dienstag, 5.12.2017. Eifel. Erstmal ein persönliches Wort. So langsam entwickeln meine Beiträge hier den Stil von Vorlesungen – ich hoffe, das stört Sie nicht? Ich habe auch nur selten noch Zeit für lange Diskussionen, meine Lebenszeit ist gerade – wegen meiner Krankheit und der meiner Kinder – äußerst knapp. Trotzdem ist es mein innigster Wunsch, den mir möglichen Teil dazu beizutragen, eine bessere Welt aufzubauen. Dafür schaue ich erstmal dahin wo es hakt – bei leichtem Klopfen im Motor oder leerem Tank kauft man sich ja auch nicht sofort einen Neuwagen, sondern schaut erst mal nach, ob es nicht sanftere Lösungen gibt. Das kann manchmal Angst machen – doch ist dies nicht beabsichtigt, noch wäre Angst ein falsches Gefühl, dass sich breit macht. Doch gleich dazu mehr, denn: dieses mal möchte ich einem ganz besonderen Menschen einen Gefallen tun und eine Frage beantworten, die im Vorbeigehen gestellt wurden:

„Du hast die verschiedenen Mythen angesprochen, und ich stimme zu: das Gegeneinander müssen wir irgendwie überwinden. Das grösste Problem ist vermutlich die Angst voreinander. Falls Du mal Zeit hast, kannst Du einmal etwas darüber schreiben? Nicht so sehr aus psychologischer Sicht, sondern aus gesellschaftspolitischer und philosophischer Sicht?“

Ja – den Begriff Mythen … das sei zuvor bemerkt … verwende ich gerne und oft und schon so lange, dass ich ganz vergessen habe, dass er im modernen oft durch den Begriff „Lüge“ ersetzt wird – mein Begriff Mythen enthält tiefe Wahrheiten, die nur auf anderem Wege nicht zu vermitteln sind, unbewiesene Themenkomplexe, die viel Wahrheit enthalten.  Natürlich ist die Existenz von Homosexuellen kein Mythos, um mal ein Beispiel zu geben, aber bei der Auseinandersetzung um diese Lebensweise blühen viele Mythen auf – ganz ursprünglich und die Frage: ist das natürlich oder nicht natürlich? Sind wir alle homosexuell und die Homophoben nur viel zu verklemmt – oder ist Homosexualität nur eine Verirrung der Launen, die dazu führen wird, dass alles tierische Leben innerhalb einer Generation aussterben würde? Ich möchte über diesen einen – beispielhaften – Punkt nicht ausführlich diskutieren (auch nicht über die anderen 60 Geschlechter, die Facebook aktuell zur Auswahl anbietet), sondern gleich zu Beginn jene Perspektive benennen, die in all´ jenen Diskussionen zu kurz kommt: wir begegnen uns in diesen Diskussionen nur noch als fragmentierte Wesen, als aufgeteilte Wesen, die auf einen bestimmten Aspekt unserer Lebendigkeit reduziert werden, als wäre dies alles, was uns ausmacht. Viel mehr Frieden hätten wir, wenn wir uns in erster Linie als Menschen begegnen würden.

Nehmen wir einen anderen Mythos, der noch viel mehr Menschen betrifft (ja: in der Tat ist die Gruppe der Homosexuellen verschwindend klein in der Gesellschaft – und es ist schon etwas auffällig, wie viel Zeit und Energie auf die Abhandlung von Sexualpraktiken verwendet wird, die doch – da wird wohl jeder zustimmen – generell Privatsache ist, sofern niemand zu Schaden kommt): der Kampf der Geschlechter, der ewige, große Kampf von Mann gegen Frau – spüren Sie auch beim Lesen dieser Zeilen, wie sich innerhalb von Ihnen schon etwas in Position bringt, wie Sie sich in Reih´ und Glied stellen, um mit „ihrer“ Gruppe in Verteidigungshaltung zu gehen? Sicher – der eine mehr, der andere weniger, aber betroffen davon sind die meisten. Es ist zudem wirklich seltsam, wie manche sich über Transvestiten aufregen, sich aber selbst zu Karneval – da, wo es „erlaubt“ ist – in dümmlichste Gestalten verwandeln, aber nie die Perspektive schaffen, wie heilend das sein kann, Menschen in der Gesellschaft zu haben, die Karneval (also – das ursprüngliche Fest, dass unserer Orgie kontaktloser Geselligkeit vorausging, einem Fest, in dem sich alles umdrehte, was zuvor als normal galt) in den normalen Alltag hineinbringen … wobei es müssig ist zu diskutieren, warum die so sind, wie sie sind: die Freiheit des Menschen ist doch in einer christlichen Gesellschaft höchstes Gut?

Wenn wir uns nur als fragmentierte Wesen begegnen, ist der Konflikt vorprogrammiert: der Arbeiter gegen den Unternehmer und den Arbeitslosen, der Rote gegen den Schwarzen, der Grüne gegen den Gelben, der Christ gegen den Heiden – und nicht zu vergessen: der richtige Christ gegen den Falschen. All´jene – für den anderen jeweils böse Menschen –

Das ist unsere moderne Welt – der fragmentierte Mensch gegen den Rest der Welt, ein Mensch, der sich – ohne großen Widerspruch – als durch einen bloßen Teilbereich seiner Existenzform vollständig beschrieben ansehen läßt – und sich viel zu oft auch als solcher ansieht. Millionen kleiner Inseln, in der jeder für sich … schrecklich einsam ist, dies aber mit dem enormen Getöse kontaktloser Geselligkeit in unterschiedlichsten Formen übertüncht – und sei es durch das hirnlose Blöken politischer Parolen, die er selbst nie hinterfragt hat … hier sehen wir auch umgehend ein Manko der ganzen modernen politischen Welt: anstatt Weise mit eher konservativen oder eher progressiven Visionen, die im friedlichen Dialog den meisten Gewinn für alles Leben herausholen wollen, dabei ihre eigenen Positionen auch stets kritisch hinterfragen und Respekt vor dem Wert des Gegners haben, ist die politische Welt voller Kasperle, die eine seicht geschriebene Rolle im Theater schlecht ausfüllen.

An jenem Inselgefühl war auch die Philosophie der Aufklärung Schuld, hat sie uns doch klar gemacht – nochmal, Plato war damit schon vor 3000 Jahren dran – dass wir durch die Beschränktheit unserer möglichen Dankkategorien (nach Kant sind es nur 12 Kategorien, in die wir Umweltreize sortieren können) und die Beschränktheit unserer körperlichen Sinne (was letztlich Descartes zu dem Schluss brachte, dass nur die Tatsache des Denkens selbst uns dazu bringen kann,  zu beweisen, dass wir wirklich „sind“) unwissend und blind, taub und gefühllos in einem völlig unverständlichen Universum herumreisen. Es war aber auch die Philosophie, die uns – von vielen kaum bemerkt – da wieder herausholte. Es war Arthur Schopenhauer, der durch längeres Reflektieren des Zustandes „Mitleid“ erkannte, dass Mitleid unser Zugang zur Welt ist: nur durch Mitleid (und nicht Mitgefühl – was wesentlich seichter und distanzierter ist und nicht zu sofortigen Tat auffordert) können wir in direktem Kontakt mit unserer Umwelt treten, weil wir das Leid der leidenden Kreatur (sein Beispiel war ein Pudel, der Schmerzen hat) tief in uns erkennen und somit mit ihm in gleicher Weise mitleiden – und ergo auch so schnell handeln, als hätten wir selbst einen Dorn in der Haut. Das Mitleid ist die Brücke zwischen allen lebendigen Kreaturen – und die edelste und wahrste Eigenschaft des Menschlichen an sich.

Hört sich irre an, oder?

Nitzsche sah das genau so – nur waren seine Schlussfolgerungen anders: durch Mitleid wurde das Leid ansteckend! Nitzsche starb, als er das Leid eines Pferdes nicht mehr aushalten konnte, das vor seiner Tür geschlagen wurde … war also im Alter wieder natürlich menschlich, bewies quasi durch Tat das Gegenteil seiner Philosophie.

Wir können und dürfen diese Zusammenhänge aber auch anders sehen: als freie Menschen dürfen und können wir jeder Zeit Mitleid – ohne jede großartige gedankliche Reflexion – als zentralen Wert unseres Lebens setzen … einfach so. Gleiches gilt natürlich auch für den Sadismus, jene recht neue Form von Ethik, die auf den Marquis de Sade zurück geht, dessen Name überhaupt erst den Begriff in die Welt brachte. Entscheiden sie selbst: welche Welt wäre Ihnen lieber, wo würden Sie sich wohler fühlen: in einer Welt, in der jedes menschliche Wesen sein Mitleid auslebt – oder in einer Welt, in der jedes menschliche Wesen seine eigene Lebensqual aus Rache an einer bösen Welt an anderen Geschöpfen ausläßt?

Nun – sie haben keine Wahl: Sie leben schon längst in einer Welt, die von den letzteren dominiert wird – und gerade das macht ja Angst – womit wir zur nächsten Frage kommen, der Frage nach der Angst. Angst selbst – oft auch als Feind betrachtet – ist einfach ein natürliches Gefühl, somit erstmal gar nicht zu bewerten. Sie ist – wie Schmerz – ein unangenehmes Gefühl, sicher. Doch Schmerz … ist ein Ausnahmezustand der Nerven, eine Überreizung der selbigen – wie viel Spaß wir ohne Nerven an Sexualität hätten, kann sich jeder vorstellen, auch der Badeurlaub mit Wind und Sonne auf der Haut, hellem Licht und betörendem Rauschen der See würde wie der warme, streichelnde Sand unter unseren Füßen völlig bedeutungslos für uns werden, hätten wir keine Nerven – und niemand würde sich wünschen, bloß wegen der Existenz von Schmerzen alle Nerven aus seinem Körper zu entfernen. Schmerz – ist der Preis, den wir für Nerven zahlen müssen … und zwar nur dann, wenn es Sinn macht: spüren wir Schmerzen, werden wir – wie beim Mitleid – zur Handlung aufgerufen, z.B. endlich mal zum Zahnarzt zu gehen und langfristig gesehen den Zuckerkonsum runter zu schrauben. Und für den Masochisten – also jene Sadisten, die ihren Hass auf Leben gegen sich selbst wenden (oder manchmal einfach schon so gefühllos geworden sind, dass sie lieber Schmerzen spüren anstatt das ewige Garnichts weiter ertragen zu müssen) – ist Schmerz sogar was Sinnvolles.

Und die Angst voreinander? Läßt Sie sich hinreichend damit erklären, dass wir über die Existenz von Sadisten, von „bösen“ Menschen wissen?

Ich habe mal die Edda gelesen, jene Sammlung aus alten germanischen Liedern, Sprüchen und Gedichten, in der mir etwas besonderes begegnet ist: die heilige Gastfreundschaft der Germanen. Jeder war als Gast aufzunehmen – und das in den Zeiten, in denen wir außerordentliche Gewalt und chaotische Zustände vermuten und mit Schaudern dran denken: doch als müder, erschöpfter Wanderer konnten Sie sich sicher sein, niemals obdachlos zu werden, schon in den Zeiten vor Christi Geburt gab es Menschen im „bösen“ Deutschland (jetzt mal absichtlich überspitzt formuliert), die „Menschlichkeit“ (also: die Akzeptanz von Mitleid als obersten, nicht zu hinterfragenden Wert) gelebt hatten – wenn auch gepart mit außerordentlicher Vorsicht vor dem Anderen.

Heute, in der aufgeklärten, zivilisierten Gegenwart … erleben wir so etwas nur noch selten. Wer kriegt nicht gleich Panik bei dem Gedanken, einen Fremden in seine Wohnung zu lassen?

Sicher – manches in Ihnen wird jetzt revoltieren, sich empören, sagen: so einfach kann man das doch nicht sagen – und da haben Sie völlig Recht! Nur: wieviel Wörter soll ich in dieser kleinen Vorlesung noch machen, um die größten Fragen der Menschheit zu beantworten? Ich kann Ihnen sagen: es werden hunderttausende sein müssen – die Sie mit Sicherheit nie lesen werden. Sie müssen mir ja auch nicht auf diesem Weg der Sicht der Welt folgen – was mich aber nicht davon abhält, anderen Menschen aufzuzeigen, dass man den Rahmen, in dem man die Welt deutet, auch anders drehen kann … und darf.

Angst ist eine natürliche Reaktion auf Bedrohung – wie Schmerz. Sie ist an sich nicht zu verteufeln – obwohl es passenderweise auch geistige Strömungen im esoterischen Bereich gibt, die Angst selbst – wie andere „dunkle“ Gefühle – als Feind ansehen und sie uns absprechen wollen … ohne zu merken, dass sie uns damit einen großen Teil unserer Menschlichkeit nehmen, die wir auch brauchen: sofern wir nicht in einer Welt voller Liebe und Mitleid leben (und die gab es schon vor der Existenz des Menschen nicht und wird es auch nach seinem Verschwinden nicht geben – die Energieversorgung diese Planeten ist nun mal kannibalisch: einer frisst den anderen – darüber ist auch noch gesondert zu reden) hilft uns die Angst, wachsam zu bleiben.

Warum ist unsere Angst aber um so vieles größer als die Angst der wilden Germanen?

Dazu gäbe es viel zu sagen: das dörfliche soziale Umfeld gibt einem Menschen im Stamm viel mehr Sicherheit, Hilfe wäre jederzeit vor Ort, der einzelne Gast würde ein Attentat (sofern er es im Sinn hat) nicht lange überleben – sowas könnte man anführen, ich jedoch habe anderes im Sinn: machen Sie einfach mal den Fernseher an, was sehen Sie?

Tausend Krimis auf hundert Kanälen. Die beständige Botschaft – unterstützt durch „Nachrichten“ über übelste Verbrechen jeder Art – dass der Feind des Menschen der Mensch ist. Die Folge? Alle bleiben irgendwann in ihrer Wohnung, denn draußen, ja, draußen: da lauert der Feind. In der Nachbarschaft, auf der Arbeit, im Straßenverkehr. Wenn Sie denen dann noch Szenen vorspielen von der Bestialität der IS und eine Million junger Männer aus diesen Lebensräumen nach Deutschland importieren, dann explodiert die Angst – und der Ruf nach dem starken Führer kommt wieder hoch. Ja – sowas kann man steuern … wie auch eine andere Gesellschaft. Schauen Sie sich mal den Film „Free Rainer – dein Fernseher lügt“ an: dort wird ein Experiment durchgeführt – als Schauspiel – das demonstriert, wie man durch Änderung der TV-Botschaft die ganze Gesellschaft umbauen könnte. Vier Stunden am Tag lassen sich die Menschen mit der Botschaft von der bösen Welt einlullen – noch nie in der bekannten Geschichte der Menschheit waren wir in so zeitlicher, fast allumfassender Dichte der Indoktrination ausgesetzt – flankiert von Radio und Zeitung.

Ach ja – das Böse. Haben Sie noch kurz Zeit? Wirklich – ich wollte nur einem sehr großzügigen und edlem Menschen, der Mitleid beispielhaft lebt, eine Frage beantworten, aber Antworten, die erschöpfend sind, kriegen Sie nicht im Twitterformat.

Ein kurzer Exkurs über das Böse – was in uns die tiefsten Ängste auslösen kann – auch weil die Begegnung mit dem Bösen, wie andernorts schon mal ausführlich dargelegt, viel eher ein Gefühl von Entsetzen und Abscheu ist denn ein rationales moralisches Urteil. Kurz gesagt: es gibt drei Formen davon. Die erste Form ist jene, die wir die satanische nennen würden (obwohl der Begriff völlig falsch ist, aber sei´s drum): die Auflösung des Menschen im – um ein Beispiel zu nennen – orgiastischen Opiumrausch, man kann sie bildhaft mit dem Element Feuer darstellen. Die zweite Form ist jene, die Hannah Arendt bei Adolf Eichmann gesehen und als „Banalität des Bösen“ beschrieben hat – während die feurige Form des Bösen die Auflösung des Menschen beschreibt – zur Not in alle Einzelteile – ist diese Form eher eisig, frostig, schön symbolisiert durch Hochhäuser aus Glas und Stahl, in denen jede Lebendigkeit eingefroren und systematischer Massenmord jederzeit möglich wird (aus banalen, betriebswirtschaftlichen Gründen) – und ja, nebenbei haben wir hier jene Aspekte, die zum Drogenproblem der USA führen – eigentlich jede Großstadt ist so gesehen ein Tempel des Bösen in seinen beiden Formen – der extremen Hitze und der extremen Kälte. Nichte Wärme oder Kälte an sich sind schlimm, nicht Chaos und Ordnung an sich, nicht links und rechts an sich, sondern – ihre Extreme. Darum läuft eine Gesellschaft gut, in der progressive Chaoten mit konservativen Schlipsträgern gemeinsam nach Lösungen suchen, mit denen alle gut leben können – und darum laufen Gesellschaften schlecht, in denen eine der Kräfte die Oberhand gewinnt.

Die dritte Form des Bösen ist weniger bekannt, wir finden sie im ersten Satz der Bibel: Und Gottes Geist schwebte über den Wassern. In jenen „Wassern“ finden wir den Leviathan, nicht Wal, sondern eins jener Wesenheiten, die vor der Erschaffung des Universums das Nichts beherrschten – und sich enorm gestört fühlen durch die Sonnen in ihrer Leere. Es ist die schlimmste, vernichtendste Form des Bösen, die Menschen je erkannt … oder ersonnen … oder erfühlt … haben, doch eine, die einem nur höchst selten begegnet. Das chaotische Böse kann gelegentlich mal einen Menschen aus Zorn und Raserei töten – und dabei sogar Lust empfinden, das aus der Vernunft geborene Böse kann jederzeit mal eine Million Menschen auslöschen – ohne jedes Gefühl – die aus betriebswirtschaftlicher Sicht ein zu großer Kostenfaktor geworden sind die und Bilanz trüben, aber das Böse jenseits der Schöpfung erfreut sich an Schmerz und Leid, fügt es gerne absichtlich zu und trachtet letztendlich nach der völligen Vernichtung allen Seins; es ist Hass pur … und folge ich meinem aktuellen Lieblingsautor Preparata, so wird die intellektuelle Szene der USA gerade von den Anbetern (und ja: einige von denen beten wirklich und richtig auf einsamen Hügeln zu diesen chtonischen Göttern) jener Form des Bösen beherrscht … was uns einige merkwürdige Abweichungen in der Geschichte erklären kann, die – wenn nur rein aus der Vernunft heraus gestaltet – eine planetare Zivilgesellschaft etabliert hätte. Diese Form des Bösen würde auch – theoretisch gedacht – die anderen Formen vernichten, bildlich gesprochen auch den Satan vernichten, wenn es das könnte (und es ihn gäbe).

Es gibt Menschen, die verschreiben sich diesen Formen des Bösen, preisen sie als höchstes Gut. Warum – nun, da kommen wir in psychologische Bereiche, die wir in diesem Format nicht noch zusätzlich erschöpfend abhandeln können, doch die Begegnung mit diesen Menschen kann Angst erzeugen. Einfach gesagt: wenn führende Politiker strunzdämliche Sätze formulieren wie „wer nicht arbeitet soll auch nicht essen“ oder arbeitslose Menschen als Parasiten und Schmarotzer abgetan werden, wird automatisch flächendeckend Angst erzeugt. Ohne eine gewisse Lust an der Qual von Menschen (Mitbürgern) wäre so ein Gesetzesmonster wie Hartz IV überhaupt nicht denkbar – und alle anderen Formen von Kriegen eben so wenig.

Haben wir nun alle Fragen unserer geschätzten Leserin beantwortet? Ich hoffe: ja. Erschöpfend? Nein – aber ich wollte unbedingt unter 3000 Wörtern bleiben. Einfach mal so – weil diese einfachen Fragen nach der Angst des Menschen vor dem Menschen in Wirklichkeit nicht einfach sind sondern Philosophiegeschichte und Menschheitsgeschichte (was im Prinzip dasselbe ist, bedenkt man, dass Menschen von Werten geleitet werden – leider heutzutage oft völlig unbewusst – die von der Philosophie gesetzt wurden) der letzten dreitausend Jahre betreffen.

Und was man dagegen tun kann?

Nun – manche … tun was dagegen, schaffen eine menschliche Kultur innerhalb des Chaos, jenseits von rechts und links – wie jenes kleine Dorf in Britannien, das sein Schicksal selbst in die Hand genommen hat (siehe: Schlaglichter.at). Das ist möglich, wenn die Menschen den Mythos vom bösen Menschen sein lassen, wenn Konservative sozialistisch werden, um ihr eigenes Dorf zu retten – und Sozialisten aus gleichem Grund mit Konservativen „eine Sache“ machen (und sich effektiver, konservativer Arbeitsorganisation unterwerfen), sich auf ihr Menschsein besinnen und zusammen … ein kleines Wunder schaffen. Und gerade solche Wunder möchten die dunklen Kräfte verhindern und erfinden eine Flut von Kampfbegriffen (wie „Querfront“), um sie im Ansatz zu ersticken. Man wird nicht automatisch rechts, nur weil man mit einem „Rechten“ (der auch von der CDU, der FDP oder den GRÜNEN sowie der SPD …. und aktuell auch den Linken … kommen kann – nicht alle Rechten sind Nazis, in Wirklichkeit ist das nur eine winzige Minderheit) zusammen den Staudamm repariert, der zu zerbrechen und das Dorf zu überfluten droht. Auch hier wird – wie mit den Krimis und Hartz IV – flächendeckend Angst geschürt … vor den bösen, unsichtbaren, überall verborgenen Nazihorden, die nur darauf warten, wieder über die zivile Welt herzufallen.

Und – um ein klares Wort zu sagen: der NS-Staat war ein Staat, der die eisige Form des Bösen bis zum Exzess ausgelebt hat, so wie die IS die chaotische Form des Bösen auslebt (sofern ich den aktuellen Berichten trauen darf); die von der (nichtjüdischen!) Plutonomie gesteuerte Zivilisation jedoch … nun, gehorcht nach Preparata eher der dritten Form des Bösen, die absolute Vernichtung im Sinn hat. Wenn man de Sade verstanden hat, versteht man auch warum: aus Zorn über eine Welt, in der der Tod den eigenen materiellen Reichtum vernichtet.

Und jetzt … habe ich doch über 3000 Wörter gemacht.

Sorry.

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