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SOS im GRÜNEN Buntbarsch-Aquarium – die Sauerstoffpumpe ist ausgefallen … und mein Schwein pfeift!

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„Ausgedämpft“ (cc by Parkwaechter 2017)

„DIE GRÜNEN – das verdiente Ende einer überflüssigen Partei“ – mit diesem Essay (siehe Nachrichtenspiegel) hat der Eifelphilosoph eigentlich schon alles gesagt, was den Werdegang der ehemaligen Alternative zum neoliberal-technokratischen Einheitsbrei betrifft. Viele haben die einstige Zukunftshoffnung bereits abgeschrieben, bei den NRW-Wahlen ist sie fatal abgestürzt. Abgeordnete, die im Grünen Aquarium einen bequemen Platz neben dem Heizstab und unter dem automatischen Futterspender gefunden haben, müssen jetzt schon bangen, ob sie sich im Herbst wieder um einen Job als Fahrradboten umsehen werden müssen.

Aber Totgesagte leben länger – mitten im Sommerloch hört man es im Grünen Aquarium plötzlich wieder blubbern … die Grünen machen gemeinsam mit SPD und FDP für die Homo-Ehe mobil. Wild entschlossen machen sie die gleichgeschlechtliche Partnerschaft sogar zur Bedingung für eine Koalition nach der Bundestagswahl, ohne der gar nichts geht. Noch diese Woche soll die Abstimmung über die Bühne gehen, eine Mehrheit gilt laut Stuttgarter Nachrichten bereits als sicher.

Für viele Tagesschau-Spiegelbildbürger ist dieser Lanzenbruch für die Homo-Ehe mit einem überraschenden Aufwacheffekt verbunden: Rot-Rot-Grün hätten also im Bundestag eine Mehrheit, mit der man untragbare Verhältnisse im Handumdrehen verändern kann? Na, das ist ja ganz was Neues. Jetzt versteht man wirklich die Welt nicht mehr, warum trotzdem nichts weiter sondern alles immer mehr den Bach runter geht.

Dann ist ja das, was uns Jean Ziegler in einem jüngsten Interview erklärt, vielleicht doch keine Utopie:

Es gibt keine Ohnmacht in der Demokratie. Alle mörderischen Strukturen können morgen auf verfassungsrechtlich friedlich demokratische Weise aus dem Weg geräumt werden.

(…)

Ich sage es nochmal: Es gibt keine Ohnmacht in der Demokratie. Das Grundgesetz gibt uns alle Waffen, die wir benötigen, in die Hand – wir müssen uns nur bücken und sie aufheben. Wir haben ein Streikrecht, wir haben Wahlen, wir haben ein Demonstrationsrecht und viele Rechte mehr. Wir können die Regierungen zwingen, diese Strukturreformen durchzuführen.“ (ganzes Interview siehe Nachdenkseiten)

Wenn uns unsere demokratische Verfassung diese Mittel an die Hand gibt, warum winden wir uns dann wie die Teufel vorm Weihwasser, sie zu ergreifen und unseren gerade auf den Grand Canyon zufahrenden Zug wieder in eine nachhaltige und menschengerechte Zukunft zu führen? Dabei hat uns doch inzwischen nicht nur Noam Chomsky gewarnt, dass das 21. Jahrhundert das letzte Jahrhundert der Menschheit sein könnte, wenn wir uns weiterhin lieber mit Plattitüden beschäftigen, anstatt uns mit den wirklichen Bedrohungen zu konfrontieren (siehe Interview).

Bevor wir zur Therapie der derzeitigen politischen Lethargie kommen (Peter Sloterdijk spricht von einer „Lethargokratie“: „Wo Politik war, wird betreutes Dahindämmern“ – Quelle: Handelsblatt), braucht es zuerst eine profunde Diagnose. Hier bitte ich nun um die Mithilfe des Lesers: Wie soll man den Gemütsvirus bezeichnen, der die im u.a. Video  ersichtlichen Männlein und Weiblein – und leider nicht nur diese – befallen hat?

Zwischenbemerkung: ich will hier nicht nur über die Grünen herziehen, ich hätte genauso Bilder vom Parteitag einer der anderen schwarzrotgelbkarierten Parteien verlinken können (siehe „Bodenständige Politiker im Maulwurfspelz und AFX-Parteien“), wollte aber nicht das Risiko eingehen, dass danach einer unserer Leser in akute Depression verfällt – daher  lieber ein vergleichsweise unterhaltsamer Streifzug in bewegten Bildern durch das grüne Lala-Land.

Ganz am Ende des Videos rätselt ein schon ergrautes Mitglied der Grünen, warum am Parteitag alle einen auf LaLa-Land machen, aber kein Wort zu den (US-geführten) Kriegseinsätzen im Ausland verlieren („Wir reden nicht mal darüber“). Nun, erwartet sich der gute Mann allen Ernstes, dass die Parteispitzen Özdemir und Göring-Eckardt – beide Mitglieder des US Thinktanks Atlantikbrücke – die Hand beißen, die sie gefüttert hat?

Nachsatz: Möchte hier keine Wahlwerbung machen, aber wie es scheint, ranken sich aus dem grünen Komposthaufen gerade durchaus hoffnungsvolle Nachwuchsbewegungen heraus, z.B. die Humanistische Friedenspartei / HFP. In einem Interview mit Daniele Ganser beweist die HFP-Vorstandsfrau Paula Popescu-Kehnen jedenfalls, dass man auch in einer Zeit grassierenden Wahnsinns gesunden Menschenverstand bewahren und substanzielle Ideale formulieren kann.

Allerdings läuft auch die Diffamierungsmaschiniere bereits auf Hochtouren, um die zarten Sprosse der neu erstandenen Friedensbewegung wieder niederzutreten. Ebenso wie die für 16. und 17. Juni geplante Friedenskonferenz mit Daniele Ganser „Angst essen Zukunft auf“ durch Hassblogger aus dem Dunstkreis des Psiram-/Skeptiker-Netzwerks gezielt sabotiert wurde und in der Folge abgesagt werden musste (siehe Rubikon), so ist es den Heckenschützen auch gelungen, das vom HFP-Vorstand Malte Klingauf organisierte Pax Terra-Friedensfestival zu sabotieren und potentielle Besucher abzuschrecken (siehe Rubikon). In einem Rückblick auf das letztes Wochendende stattgefundene Festival berichtet die Friedensaktivistin Katrin McClean, wie sie bei Regen über einen weitgehend leeren Festivalplatz bis zur Bühne blickt, wo eine Band spielt, ohne zu wissen für wen – und warum alle, die dem Diffamierungshagel getrotzt  haben und gekommen sind, dennoch glücklich sind:

„Und obwohl das alles komplett nach Tristesse klingt, bin ich glücklich. Wieso glücklich? Muss man denn da nicht völlig in Depression und Verzweiflung verfallen? Nicht, wenn wir Wut, Trauer und Verzweiflung miteinander teilen. Das Irre ist: Nicht nur Glück wird zu Glück, wenn man es teilt. Auch pessimistische Gefühle verwandeln sich, wenn man sie teilt. Geteilte Wut wird nicht zu Ohnmacht, sondern verwandelt sich in Kraft. Geteilte Trauer übrigens auch (…) Niemand hier verschwendet seine Zeit noch damit, die Verbrechen von Politik und Wirtschaft zu leugnen. Die Leute hier finden es auch nicht mehr witzig, sich mit faden Witzen über den Ernst der Lage lustig zu machen. Oder sich unsere Gesellschaft als freiheitlich und demokratisch und die beste aller möglichen schön zu reden, als läge die Lösung von Problemen darin, dass man sie sich aus dem Kopf redet. Die lähmende Verdrängung himmelschreiender Wirklichkeiten: Bei Pax Terra findet sie nicht statt.  „Wir reden uns stark“, bringt es Florian Ernst Kirner alias Prinz Chaos II. auf den Punkt. (…) Viele treffen Freunde aus Internetforen hier zum ersten Mal live oder nach langer Zeit wieder. Und nicht nur Wut und Trauer, sondern auch hoffnungsvolle Erfahrungen werden geteilt …“



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