Medien

Hartz IV und Medien: die Hassfratze des deutschen Journalismus

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Donnerstag, 25.2.2016. Eifel. Wissen Sie eigentlich, was ein Nazi ist? Nein – antworten Sie nicht. Machen Sie sich keine Mühe, diesen modernen Kampfbegriff des Sozialdarwinismus zu hinterfragen – Sie werden schnell selbst zu einem. Ich selbst habe einiges (wenn nicht: viel zu Vieles) über den Nazi gelesen, gesehen und gehört – und möchte Ihnen mal meinen Eindruck vom Nazi schildern. Der Nazi – übrigens hoch verehrt von der damaligen deutschen Ärzteschaft, die den höchsten Organisationsgrad einer Berufsgruppe in SA und SS hatten – ist ein Verbrecher in Uniform. Um ein guter Nazi zu sein, braucht man vor allem eins: eine enorme Lust an Gewaltausübung, eine zutiefst empfundene Verachtung gegen alles Menschliche und einen Riesenspaß am Schmerz anderer Menschen – sonst geht das nicht gut mit dem Nazi sein.

Ein Nazi hasst Bücher, deshalb verbrennt er sie gerne (außer jene natürlich, die zurecht nur zum Heizen taugen würden: wie Hitlers „Mein Kampf“). Er hasst auch Juden, Kommunisten, Sozialdemokraten, Freimaurer, „Zigeuner“, Kriegsdienstverweigerer, Zeugen Jehovas – er hasst eigentlich jeden, der nur irgendwie schwach ist … oder anders. Behinderte und Geisteskranke sind ihm ein Gräuel. Ihre Haare und Goldzähne mag er hingegen sehr, die schlachtet er aus, bevor er die Leichen verbrennt oder verscharrt, weil die Pläne, aus Menschen Seife zu machen sich nicht mehr umsetzen ließen. Aber Lampenschirme aus ihrer Haut: das geht.

Der Nazi ist ein naturwissenschaftlich sehr interessierter Mensch: Macht über die Natur bedeutet neue Waffen, mit denen sich Menschen töten lassen, weshalb man in diesem Kreuzzug Menschen allen nur denkbaren medizinischen Experimenten aussetzen kann: Männer, Frauen, Kinder – es gibt nichts, wovor sein kalter Intellekt halt macht … oder sein Skalpell. Am besten schneidet man am lebenden Fleisch. Er liebt die Nützlichkeit – vor allem die von Menschen und den Materialien, aus denen sie gemacht sind. Er hat nichts gegen Ausländer – solange sie billigst in deutschen Fabriken arbeiten, bis zur Erschöpfung und zum Tode. 10 Millionen waren unter Hitler in deutschen Fabriken tätig: das gefiel dem Nazi. Gerne entscheidet er über Leben, vor allem über Menschenleben (der Hund ist ihm heilig – aber das ist eine andere Geschichte): gerne teilt er es auf in lebenswürdiges Leben (den deutschen Leistungsträger, sportlich, bartlos, gut aussehend, brillenlos, durchtrainiert, mit stolzem Schritt und aufrechtem Gang) und lebensunwürdiges Leben (der Rest), er schafft immer, rund um die Uhr, Schlaf ist für ihn Schwäche, er raucht nicht, trinkt nicht, isst nur biologisch angebautes Brot und verzichtet auf Fleischgenuss, weil das Tier ihm nahesteht.

Der andere – der unwertige, nach Vernichtung schreiende, abscheuliche Untermensch … sieht genau anders aus:

„Eine Wohnung die schlampig aufgeräumt ist, man möchte sich fast ekeln. Die zwei Kinder (8 und 10) beschimpfen sich mit Ausdrücken, für die man sich schämen möchte. Die Mutter schreit und ist am Ende ihrer Nerven. Vor ihnen steht ein Aschenbecher auf dem Tisch, der voll mit Zigarettenstummeln ist. Kein Wunder,denn die Eltern sind Kettenraucher. Der Vater trinkt Bier aus der Dose, vor laufender Kamera! Plötzlich kommt die älteste Tochter nach Hause, sie ist 16 und hat ein Kind. Der Vater unbekannt! Schon jetzt steht fest sie wird Hartz 4 empfangen wie ihre Eltern auch!“ (siehe Mustafa Çelebi im Freitag).

Huch – wo sind wir denn da gelandet? Mitten in der Gegenwart. In einer medialen Hartz-IV-Standardfamilie … deren Lebenszustände nach Auslöschung geradezu schreien. Man stelle sich vor, dieses Gleichheitsgerede der linken Bazillen würde wahr werden … und man hätte dieses Gesochse im eigenen Golfclub, deren Kinder auf dem Gymnasium, wo die Elite hart trainiert wird oder würden ihnen überhaupt nur auf der Straße begegnen: welches Bild soll denn das Ausland nur vom edlen Deutschland haben?

Man darf auch nicht vergessen, was die kosten! Gut, dass da mal jemand drüber aufklärt – wie dieser mutige Mensch im Handelsblatt:

„Wie die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ vom Dienstag unter Berufung auf Daten des Bundesarbeitsministeriums und des Deutschen Landkreistags berichtet, gab der Bund zwischen 2005 und 2013 insgesamt 313 Milliarden Euro für die neugeschaffenen Leistungen aus, die Kommunen kamen auf 92 Milliarden Euro. Hinzu kommen demnach die Ausgaben des laufenden Jahres, die auf dem Niveau des Vorjahres liegen dürften.“

Hier muss gehandelt werden – schnell und emotionslos. Das ist schnell jedem klar: wir drohen zu ersaufen in Säufern und ihrer Brut, das gesunde, deutsche Leistungsvolk wird überschwemmt von den Ratten (siehe Zeit):

Was die Arbeitslosen angeht, so sagen die auf sie angewendeten, aus der Biologie übernommenen Worte und Wortbilder eine Menge aus: In der modernen Literatur werden die Arbeitslosen als „Schädlinge“ bezeichnet, die den „Volkskörper“ „vergiften“ und „zersetzen“. Es ist von „Bazillen“, von „Trichinen“, auch von „Ratten“ und „Schmeißfliegen“ die Rede. Besonders beliebt ist das Bild des „Parasiten“, das suggeriert, der Arbeitslose lebe auf Kosten anderer, erschleiche sich durch Schmeichelei und Unterwürfigkeit Vorteile, ohne wirkliche Arbeit zu leisten.

Und da wird es höchste Zeit, sich zu wehren! Das macht für uns der starke Staat – mit einer Broschüre: „Vorrang für die Anständigen – Gegen Missbrauch, ‚Abzocke‘ und Selbstbedienung im Sozialstaat“

„Biologen verwenden für ‚Organismen, die zeitweise oder dauerhaft zur Befriedigung ihrer Nahrungsbedingungen auf Kosten anderer Lebewesen – ihren Wirten – leben‘, übereinstimmend die Bezeichnung ‚Parasiten‘. Natürlich ist es völlig unstatthaft, Begriffe aus dem Tierreich auf Menschen zu übertragen.“ (Zitat: siehe Stern)

Ja – fort mit ihnen! Seien wir nicht mehr so zimperlich, Begriffe aus dem Tierreich auf Menschen zu übertragen: immerhin geht es hier um den Schutz des Volkskörpers vor Parasiten und Schmarotzern! In 1000 Jahren würden die 20000 Milliarden Euro kosten: wer soll das bezahlen? Soviel Geld hat die ganze Welt nicht! Da muss eine Endlösung her!

Und wer wäre besser für die Organisation einer Endlösung geeignet als der leistungsorientierte, disziplinierte antialkoholische deutsche Herrenmensch! Besondere Verantwortung kommt hierbei den sportlichen Edelfedern zu: jenen Menschen, die dem Volk sagen, wie gerade richtig gedacht wird im Sinne von Staat, Volkskörper und Vaterland, jenen auserlesenen Helden der Gegenwart, die dem Volkskörper eine Stimme geben. Fein auserwählt sind sie, einer harten, unerbittlichen Selektion unterworfen, die nur die Besten von ihnen überleben läßt (siehe Dirk C. Fleck, der Harald Schuhmann bei Ken.FM zitiert):

„Um der wirklichen Gefahrenlage, in der wir uns befinden, als Journalist gerecht zu werden, bräuchte es eine Form von innerer Unabhängigkeit, die die meisten Kollegen nicht haben. Auf den Nachwuchs braucht man nicht zu setzen. Der Zugang zum Journalistenberuf ist inzwischen so schwer geworden, dass die jungen Leute, die in den Beruf kommen, eine Orgie der Anpassung hinter sich haben, bevor sie das erste Mal einen festen Vertrag unterzeichnen dürfen“.

Eine Orgie der Anpassung! Die übersteht nur der stärkste deutsche Geist, hier beweist sich seine wahre, stolze Größe, hier lebt der Geist der Uniformiertheit, der jeden Nazi stramm stehen läßt! Das ist sein Paradies – alle haben eine Uniform, einen Haarschnitt, einen Gang, alles wird EINS: ein Volk, ein Reich, ein Führer! DEUTSCHLAND GEHT ES GUT!

Einer erhebt dort jetzt stolz sein Haupt – zum Schutze des Volkskörpers, er schreibt für das Sturmgeschütz der Demokratie, den „Spiegel“, das von wackeren Kameraden der Waffen-SS groß gemacht wurde: wir gedenken hier der heldenhaften Waffenbrüder wie SS-Hauptsturmführer Bernhard Wehner, dem Pressechef des NS-Außenministeriums und SS Obersturmbannführer Paul Karl Schmidt, den SS-Hauptsturmführern Horst Mahnke und Georg Wolff oder den tapfern SS-Untersturmführer Kurt Blauhorn, die den Geist des Reiches in die noch junge Bundesrepublik hineintrugen und als heldenhafte Journalisten des „Spiegel“ dafür sorgten, dass wieder richtig geacht wird! Wieder gilt es, den Volkskörper nachhaltig zu schützen, wieder sind hinterhältige Bazillen im Einsatz, die den Geist des Volkes verwirren, wieder muss ein klares Wort gesprochen werden, das wie ein Donnerschlag die Republik erschüttert (siehe Spiegel):

„Es ist fahrlässig, den Eindruck zu erwecken, dass es vielen Menschen in Deutschland immer schlechter geht. Wer wider besseres Wissen so tut, als könnten immer mehr Männer und Frauen trotz harter Arbeit oder gestiegener Hartz IV-Bezüge kein würdiges Leben führen und zum Beispiel ihren Nachwuchs nicht mehr angemessen ernähren, der handelt verantwortungslos. Er trägt weitere Unruhe in jene Teile der Bevölkerung, die wegen der Flüchtlingskrise ohnehin schon verunsichert sind, und treibt denjenigen Wähler und Unterstützer zu, die einfache Antworten liefern.

Es kann also sein, dass Blues-Sänger Schneider einige neue Fans bekommt, die er sich nicht gewünscht hat. Zum Beispiel AfD-Politiker, NPD-Wirrköpfe und Pegida-Gröhler.“

Schneider – ein unangenehmer Gesell … „der in seiner Freizeit Frontmann einer Rockband namens „Dude“ ist„. Wir wissen, was solche „Negermusik“ im deutschen Volkskörper anrichten kann.

Es geht deutschen Menschen nicht schlecht! Deutschland geht es gut – so die Parole der Frontfrau des Volkskörpers Bundesrepublik. Messerscharf wird hier argumentiert, der Volksgenosse auf Kurs gebracht:

„Abgesehen davon, ist der alljährliche Blues-Song sowieso ein schiefes Lied. Für Schneider und seine Fans sind nämlich alle Menschen „arm“, die von weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens leben müssten. Das ist zumindest heikel, denn selbst wenn in unserem Land nur millionen- und milliardenschwere Ferrari-Fahrer gemeldet wären, gäbe es hier Armut. Irgendwer fällt immer unter die Grenze.“

Ja – da ist er wieder, der deutsche Geist, das deutsche Wesen, an dem die Welt genesen soll! Gäbe es ein Land, in dem alle millionen- und milliardenschwere Ferrarifahrer sind, dann gäbe es hier auch Armut! Mit diesem Spruch kann man die Welt aus den Angeln heben … und jedem hungernden Kind im Sudan vorhalten: „Dir geht es gut – Du stehst ja noch!“ … und man denke nur an jene, denen es noch schlechter geht: viele sind schon tot! Welch´ Reichtum doch hier nicht gesehen wird!

Tot – ach ja: tot wie … Uli S. (siehe moabitonline)

„Zuerst einmal eine lange Krankschreibung, dann folgte die betriebsbedingte Kündigung. Ulli war nun chronisch krank und berufsunfähig. Er musste Medikamente dauerhaft einnehmen. Die Zuzahlung strapazierte sein knappes Budget. Sein Antrag auf Mehrbedarf wegen seiner Diabetes II wurde vom Jobcenter abgelehnt. Begründung: Die Diabetes II sei durch Fehlernährung selbst verschuldet. Ulli ging vor Gericht. Das Jobcenter in die Berufung.

Die Entscheidungen des Jobcenters wurden vom Amt für Grundsicherung (Sozialamt) fortgesetzt. So hatte er nie genug zum Leben. Er hatte 38 kg an Gewicht verloren. Ulli starb Ende des Monats und am Ende des Geldes im Sommer 2012 in seiner Wohnung. Die Medikamente gingen zu Ende. Im Kühlschrank gab es noch eine Scheibe Brot und einen Rest Marmelade.“

Nun – der ist jetzt noch ärmer als das Kind im Sudan, das wenigstens noch lebendig ist … für ein paar Stunden. Er lebte mitten in Deutschland … einem Land, bei dem man mal auf die Vermögensuhr schauen sollte (siehe Vermögenssteuer jetzt):

Pro Sekunde wächst das Nettoprivatvermögen um 9073 Euro, das Vermögen der oberen zehn Prozent um 6714 Euro … und die Staatschulden um 541 Euro

Und Uli verhungert in seiner Wohnung.

Spiegelredakteure sind die Bestverdiener unter den Journalisten (siehe journalist.de), sie stehen an vorderster Front wenn es um die Verteidigung der durch Spenden der deutschen Wirtschaft enstandenen Pfründe geht … deren Einfluss 60 Prozent der Deutschen dazu brachte, die Existenz realer Demokratie in Deutschland in Frage zu stellen (siehe Handelsblatt).

Doch seien wir nicht ungnädig: der Spiegel selbst hat uns verraten, was wir bei unserer Betrachtung falsch machen. Schauen wir nochmal genauer hin:

„Wer wider besseres Wissen so tut, als könnten immer mehr Männer und Frauen trotz harter Arbeit oder gestiegener Hartz IV-Bezüge kein würdiges Leben führen und zum Beispiel ihren Nachwuchs nicht mehr angemessen ernähren, der handelt verantwortungslos.“

Merken Sie, was die Menschen leben sollen? Ein „würdiges“ Leben. Doch wo liegt die Würde von Parasiten? Richtig – bei Uli S. Und wer diese Wahrheit nicht erkennt, handelt „verantwortungslos“ … jedenfalls verantwortungslos gegenüber jenen Kräften, die den Volkskörper nach Kräften vom Parasiten befreien wollen. Wer in Deutschland hart arbeitet – wie ein Spiegel-Redakteur – der kann auch ein würdiges Leben führen, ein Leben im Geiste einer Orgie der Anpassung.

Und es ist nötig, dass sich die hart arbeitenden Herrenmenschen jetzt um Deutschland scharen, weil das Land von Parasiten bedroht wird, denen man nicht Herr wird.

Und wer sich dem entgegenstellt … der möge vorsichtig sein: es könnte als „Nazi“ bezeichnet werden, als massenmordende Bestie, die Volksschädlinge verhungern läßt. Und „Nazis“ – das weiß ein jedes Kind – kann man nur durch Kopfschuss aufhalten, sie sind das menschgewordene Böse schlechthin … wie Zombies, nur uniformiert. Besser also … man begibt sich nicht in Gefahr, als „Nazi“ deklariert zu werden – so wie jemand, der behauptet, in Deutschland gäbe es Armut.

……………………..

PS: Oh – was habe ich nur angerichtet? Da habe ich doch versehentlich die Worte Jude und antisemitisch durch die Worte Arbeitsloser und modern ersetzt. Ja, da weiter oben, in dem Zitat aus der „Zeit“, wo es auch um Trichinen und Bazillen geht. Wie ärgerlich aber auch: denken Sie sich das bitte weg! Nochmal: Oh – auch sprachlich habe ich versehentlich den Ton der Zeit angenommen! Ja – dieser Zeitgeist: er reißt einen einfach so mit! Da kann man nicht gegen an.

PS 2: also – ich möchte wirklich nicht den Eindruck erwecken, als würden gut situierte journalistische Besserverdiener jetzt wieder Millionen Fremdarbeiter ins Land holen, um mit den Parasiten aufzuräumen. Die deutsche Wirtschaft zahlt den traumatisierten Kriegsopfern ordentliche Löhne, von denen man ein würdiges Leben leben kann … zum Beispiel 1.05 Euro die Stunde von der Deutschen Bahn (siehe Focus). Das ist nicht fies, das ist Gesetz. Warum aber weite Teile der deutschen Wirtschaft und der CDU für traumatisierte Opfer der Natokriege ständig weniger als den Mindestlohn fordern (siehe z.B. Welt), verstehe ich auch nicht. Käme dadurch nicht Armut ins Land? Ach ja – kapiere: wer behauptet, die Begriffe „Deutschland“ und „Armut“ haben irgendeinen Bezug zueinander, der riskiert ja, zum „Nazi“ ernannt zu werden – riskiert sozusagen sein Leben, weil Nazis Menschen vergasen lassen wollen. Oder verhungern. Na gut – reden wir lieber nicht drüber. Wäre auch übel, wenn das Sturmgeschütz der Demokratie nachher noch ausforscht, in welcher Band wir spielen.  Helfen wir lieber beim Kampf gegen die Armut und zeigen Tipps, wie man mit Flüchtlingen reich werden kann (siehe News.de): kein Problem für Deutsche mit Hotel. Am meisten nehmen übrigens die in Sachsen (siehe Deutschlandfunk).

PS 3: um meinen Beitrag zur Schädlingsbekämpfung zu leisten, gebe ich hier mal Parasitenalarm: in zwanzig Jahren werden die Hälfte der momentanen Jobs nicht mehr existieren – eine Parasitenplage droht (siehe NZZ).

 

 

 

 

 



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