Glück

5000 Politiker-Penisse online – über Ashley Madison, das größte Tabu und die Anleitung zu Glück und Unglück

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Bild: Briseis Painter (Public domain), Wikimedia Commons

Vor wenigen Tagen haben Hacker die intimen Daten samt Namen und Adressen von über 32 Millionen Nutzern des Seitensprung-Portals „Ashley Madison“ ins Internet gestellt. Mit den Profilen wurden auch Chat-Protokolle und intime Fotos veröffentlicht, hierbei zeigten ein Drittel der Nutzer-Fotos erigierte Penisse. Lt. Experten für Internetsicherheit sind auch rund 15.000 Personen aus Regierung und Militär betroffen. Im Klartext heißt das, dass derzeit ca. 5000 Regierungs- und Politikerpenisse online gestellt sind.

Wieviele Politiker-Penisse nicht online gestellt sondern stattdessen gewinnbringend nutzbar gemacht wurden, indem man für deren Nicht-Veröffentlichung satte Beträge oder politische Gegenleistungen in Rechnung gestellt hat, weiß man nicht. Wir haben schon einmal darauf hingewiesen, welches Erpressungspotenzial durch über „staatliche“ Bürgerüberwachungssysteme routinemäßig abgeschöpfte Privatfotos besteht, aber das ist ein anderes Thema, das uns heute nicht beschäftigen soll. Kehren wir zurück zu Ashley Madison und zu Sex and the City.

Die Hackergruppe namens The Impact Team hat mit weiteren Cyberattacken gedroht. Nicht nur Websites, sondern „alle Unternehmen, die hunderte Millionen damit machen, dass sie von den Schmerzen, Geheimnissen und Lügen anderer profitieren“ könnten gehackt werden, so lautete die per E-Mail gemachte Mitteilung gegenüber der Medienwebseite „Motherboard“.

Grund genug, um uns hier einmal zur Abwechslung nicht nur mit politischen Desastern, Nuklearbedrohungen und dergleichen zu beschäftigen, sondern vielleicht auch einmal den nuklearen Overkill zu beleuchten, der sich momentan im zwischenmenschlichen Bereich abspielt.

Da wir hier ja bekanntlich keine Berührungsängste mit unausgesprochenen Tabus haben, wollen wir uns also kurz mal auch in dieses heikle Thema hineinwagen. Wenn ich mich dabei manchmal meiner philosophischen Zurückhaltung entledige und einiger ungewohnt vulgärer Ausdrücke bediene, dann möge man es mir diesmal bitte nachsehen. Aber das Thema ist leider so brandaktuell bzw. sorgt derzeit für einen solchen Flächenbrand, dass Zurückhaltung schwierig ist.

Also, dann legen wir mal los (unter 18jährige lesen im Sinne des Jugendschutzgesetzes und selbstlimitierender Zensur ab hier bitte nicht weiter, sondern nehmen sich brav ein MickeyMouse Heft zur Hand)…

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In einem Radiobeitrag referierte unlängst ein sehr gescheiter Soziologe, seinen Namen habe ich leider nicht behalten, zum Thema „Überleben in der Großstadt“. Er hatte es sich in einer Studie zur Aufgabe gemacht, zu erforschen wie heute typische Großstadtmenschen in einem Arbeits- und Umweltmilieu durchzukommen versuchen, das auf sie – beim einen mehr, beim anderen weniger bewusst – frustrierend und kräftezehrend wirkt und das den Menschen in immer rasanteren Leistungsanforderungen immer mehr Richtung Burnout drängt.

Sein überraschendes Fazit: Indem sie ihre Partner „bescheißen“!

In einer faszinierenden Ausführung erläuterte er dann einen für jeden gesund empfindenden Menschen zunächst pervers anmutenden Mechanismus, wonach jemand, der betrogen bzw. beziehungsmäßig traumatisiert wird, Kräfte einbüßt, während der Betrüger äußerlich in einem narzisstischen Egoitätsgefühl erkraftet. Der „weggeschmissene“ Partner muss indes mit einem Selbstwertdefizit seinen Weg fortsetzen, fühlt sich seiner Substanz beraubt und wird vielfach sogar krank. Obwohl der psychologische Wirkungsmechanismus, der beim betrogenen Partner – auch ohne dass er vom Betrug weiß – Kräfteraub und Krankheit verursacht, noch nicht abschließend geklärt ist, so scheint es jedenfalls, dass wir mit dem Partner, dem wir uns einstmals versprochen haben, auf seelischer Ebene doch viel intensiver verknüpft sind als wir äußerlich ahnen.

Der moderne, spaßoptimierende Hedonist hört solche Dinge natürlich nicht gerne, denn das würde ja bedeuten, dass man für das Schicksal seines Partners doch tatsächlich eine Verantwortung hat – und „Verantwortung“ ist ja heute eines der unangenehmsten und daher meistgehassten Wörter, weshalb es umgangssprachlich schon fast ausgemerzt wurde und wohl demnächst auch aus dem Duden gestrichen wird.

Verantwortung läuft der Kategorie Spaß diametral entgegen und diese ist schließlich unser nimmersatter Götze. Da die Arbeitswelt inzwischen absolut unlustig geworden ist, so muss im Gegenzug alles im Leben, was nicht Arbeit ist, Sch(p)aß machen. Macht es/er/sie keinen Spaß mehr, dann wird es/er/sie umgehend entsorgt und landet auf der Müllhalde.

Umgekehrt kann durch das Kriterium Sch(p)aß heute alles gerechtfertigt werden, was zuvor noch reiner Wahnsinn war. In Dänemark etwa hat lt. Reportage der Welt ein schwunghafter Tourismus mit Gästen eingesetzt, die Tierbordelle besuchen. Insbesondere die Deutschen würden dieses Angebot gerne nutzen, seit 2013 in Deutschland Sodomie gesetzlich verboten wurde.

Als der Geschlechtsverkehr mit Schweinen, Pferden und Hunden in Dänemark die öffentliche Diskussion angefacht hatte, ob man solche Dinge nicht doch besser verbieten solle, wurde eine wissenschaftliche Studie zum Thema in Auftrag gegeben. Und jetzt raten Sie mal, was rausgekommen ist. Sie ahnen es wohl schon … – stimmt. Nachdem der akademisch akkreditierte Sachverständige in seiner Studie feststellte, dass es in Einzelfällen auch vorkommt, dass der Geschlechtsverkehr mit dem Menschen auch dem Tier SPASS mache, war die Verbotsforderung augenblicklich vom Tisch, alle Kritik von Politik und Tierschutz war verstummt. Und die deutschen Busse, vollgefüllt mit „Zoophilen“, wie sie sich nennen, fahren weiter fröhlich nach Dänemark.

Lassen wir das unappetitliche Thema aber wieder und kehren wir zurück zum Menschen und seiner partnerschaftlichen Beziehung.

Wir haben von der unangenehmen Wahrheit gehört, dass es nicht einerlei ist, ob man seinem Partner treu ist oder ihn betrügt und dies den Betrogenen sogar krank machen kann (für den Umstand, dass es die Kinder krank macht, die in dem Beziehungsscherbenhaufen übrigbleiben, braucht es indes gar keine psychologische Beweisführung, hier spricht die empirische Statistik eine eindeutige Sprache: nachdem das Kind bei einem alleinerziehenden Elternteil lebt, sind laut Statistik Armut und damit auch Krankheit und eine verkürzte Lebensspanne fast schon vorprogrammiert. Aber wen schert das schon. Darauf hinzuweisen sorgt in unserem Zeitalter des porno lifestyle und des grenzenlosen Sch(p)aß nur für noch mehr Ärger. Ein Politiker, der sich mit solch altbackenen Vorstellungen über Verantwortung und ähnliches Zeugs positionieren würde, bekommt höchstens eine Keule auf den Kopf aber ganz sicher keine Stimmenmehrheit.)

Die angesprochene Schicksalsverantwortung steht also in krassem Gegensatz zur derzeit gelehrten und flächendeckend über den Flachbildschirm ausgestrahlten Meinung, wonach ein Geschlechtsakt mit einem Außenstehenden nichts viel anderes ist als wenn man mit jemandem einen Kaffee trinken geht – einer Meinung, der inzwischen übrigens auch die Judikatur folgt: Ehebruch ist in vielen Ländern kein gesetzlicher Scheidungsgrund mehr.

Dass der im genannten „Bescheißspiel“ äußerlich strahlende „Gewinner“ sich bei seinem Betrug menschlich selbst unter den Hund befördert, ist zwar ein anderes Thema, aber würde hier zum Abschweifen führen. Indes suggerieren einem die Boulevardmedien, dass es das Normalste der Welt wäre, mal den Partner zu wechseln oder einen Seitensprung zu machen, wenn die alte Beziehung nicht mehr genügend körperlichen Reiz hergibt. Wenn man die Anmelderzahlen der jüngst geleakten und daher bei den Betroffenen derzeit für Panik sorgenden Dating-Plattform für Verheiratete wie Ashley Madison zur Kenntnis nimmt, dann weiß man, wie sehr die Sache inzwischen zum Breitensport geworden ist.

Warum steigen aber hierzulande die Depressions- und Burnoutraten samt Psychopharmakonsum trotzdem so exponentiell an, obwohl ja dem fernsehenden Dosenbierbürger heute mit einem Mausklick der grenzenlose Sch(p)aß als Lifestyle offensteht? Lt. WHO Prognose werden im Jahr 2030 Depressionen die Volkskrankheit Nr. 1 sein.

Zum Schluss noch eine Wasserbombe:

Eine der international bekanntesten Künstlerinnen, Tracey Emin, hat jüngst in einem Interview verkündet, dass sie nun das größte Tabu unserer Zeit brechen wolle.

Wer würde wohl ahnen, was dieses „größte Tabu unserer Zeit“ ist? – In einer Zeit, in der die orgiastischen Inszenierungen von Aktionskünstlern wie Nietsch, Brus, Mühl & Co. längst Schnee von gestern bzw. grauer Matsch sind. Einer Zeit, in der Sado-Maso Phantasien wie „Shades of grey“ in Wirklichkeit nur noch angeödetes Gähnen hervorrufen. Einer Zeit, in der desperate Hausfrauen durch die Gegend torkeln und Ausschau halten nach dem nächsten Pavian, der von der Laterne herunteronaniert. Einer Zeit, in der der fernsehende Bürger bereits überfüttert ist mit allen nur erdenklichen und tausendfach neu aufgewärmten Varianten des Wahnsinns und Exzesses – in einer Gesellschaft, in der Regisseur David Schalko vor kurzem „die Perversion als letzten Ausdruck der inneren Verzweiflung“ verortete.

Was soll uns da bitte noch jucken?

Nun, Frau Emin lässt die Bombe platzen, die ihr womöglich demnächst die Karriere kosten könnte: Sie erklärt doch tatsächlich hochoffiziell, dass sie keinen Sex habe und auch gar nicht mehr an Sex interessiert sei. Manchmal komme auch ihr zwar noch der Gedanke an Sex in den Sinn, aber sie verwerfe ihn sogleich, da sie das Ganze einfach nicht mehr interessiere.

Dabei ist die Dame in ihrem künstlerischen Schaffen hochaktiv, sprüht vor Ideen und Elan und jettet von einem internationalen Projekt zum nächsten.

Dass ein Mensch, der noch nicht im Grab ist, sich erdreistet, entgegen dem Zeitgeist kein oder nur ein geringes Interesse an Sex zu haben – das ist wirklich reine Häresie. Wer so etwas äußert, der hat Konsequenzen zu befürchten. Es würde daher nicht wundern, wenn die Karriere der bisher sehr erfolgreichen Künstlerin, die dem kategorischen Imperativ unserer Zeit „Du musst Sex haben, und zwar exzessiv!“ widersagt, demnächst beendet ist und ihr die Medien und Galerien ihre Gunst entziehen. Denn wer heute nicht sexy ist, wird entsorgt und verschrottet.

Falls einer der Youngsters unter den Lesern entgegen der Warnung am Artikelanfang trotzdem bis hierher weitergelesen hat, – als Ausgleich zum Müll aus der Erwachsenenwelt, den ihr euch hier habt reinziehen müssen – zum Schluss noch ein kleiner Hinweis unter vier Augen, den ihr in der „Lügenpresse“ sicher nicht zu hören bekommt, der euch aber euer Lebensglück (und Kopf und Kragen) retten könnte:

Also: Pssst….! Nicht weitersagen, sonst hält man euch für dumm. Aber behaltet’s trotzdem als Geheimnis in eurem Herz:

In Wirklichkeit hat jede Beziehung Phasen, in denen die Sexualität zurückweicht und sogar verschwindet – was an sich eine große Chance wäre, sich endlich über wirkliche gemeinsame Interessen näherzukommen, die über den egoistischen Trieb hinausgehen. Wer das schafft, erlebt seine Partnerschaft als unendlich bereichernd und erfüllend. Durch den rat porno lifestyle wird aber das Gegenteil suggeriert: Nur der körperliche Lustreiz zählt, wer den nicht mehr hat, hat ausgedient und wird weggeschmissen wie eine leere Bierdose. Dabei ist das eine der unglaublichsten Lügen, die derzeit eurer Generation eingeimpft wird. Denn in Wirklichkeit ist die körperliche Anziehung dasjenige in einer Beziehung, was am allerschnellsten langweilig wird. Und eine Beziehung, die keine seelischen oder geistigen Gemeinsamkeiten hat bzw. die sich im Laufe der Beziehung nicht zu solchen aufschwingen kann, sondern nur auf körperlicher Anziehung beruht (am Anfang ist, wenn man ehrlich ist, nun mal der körperliche Reiz am stärksten), ist aber meist schnell zu Ende.

Also der Tip eines alten Parkwächters, der in seinem Leben schon viel gehört und gesehen hat: Wenn ihr euch nach einem Partner/ einer Partnerin umschaut, dann schaut nicht nur, ob ihr euch körperlich anzieht. Prüft auch,

  • ob ihr seelisch etwas gemeinsam habt
  • und ob ihr geistig Themen/Motive/Lebensideale habt, die ÜBER die bloße Zweierbeziehung hinausgehen und etwas für die Welt beitragen wollt

Denn so etwas verbindet wirklich. Hat man auf diesen Ebenen gemeinsame Ziele, dann vertieft sich eine Partnerschaft immer mehr.

Hat man das nicht, sondern lässt sein Radar nur auf der körperlichen Ebene bzw. nach dem Kriterium „Geilheit“ laufen, dann ist der Ofen einer Beziehung spätestens nach 3 Jahren, oft schon nach wenigen Monaten aus und man ödet sich an. Dann zerbricht die Sache, man sucht sich einen neuen Partner und das Ringelspiel beginnt von vorne, bis man im Alter schließlich selbst so abgewrackt ist, dass oft nicht einmal die eigenen Kinder mehr etwas von einem wissen wollen.

Mit einer Beziehung ist es im Prinzip wie mit einem kleinen Bäumchen. Wenn man es ständig aus dem Boden, in dem es gerade Wurzeln geschlagen hat, wieder ausreißt, dann kann es nie ein kräftiger Baum werden, sondern es wird dahinwelken und mickrig bleiben.

Im Grunde ist es heute übrigens ganz einfach, ein wirklich sinnerfülltes und glückliches Leben zu führen, obwohl es angesichts des Gegenwindes anfangs nicht leicht ist. Man braucht einfach immer nur das Gegenteil von dem zu machen, was die Medien als lifestyle suggerieren.

Und umgekehrt: Wer todsicher unglücklich werden will, braucht nur ebendiesen von den Medien suggerierten lifestyle assimilieren. Die Lektüre von Paul Watzlawicks satirischem Buch „Anleitung zum Unglücklichsein“ hat sich heute vollkommen erübrigt. Man bekommt diese Anleitung täglich frei Haus geliefert.

In diesem Sinne: Gute Nacht. Und nochmal Entschuldigung für meine ordinäre Wortwahl.



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