Leben

Welchen Weg nehme ich nur?

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Zu Beginn hier eine kurze Geschichte:

Ein Mann ist dabei, auf der Flucht vor bitterer Not und schrecklichen Kriegsgeschehen auf einem fast unendlich langen und staubigen Weg eine riesige knochentrockene Wüste zu durchqueren, sieht in der Ferne nun endlich deren Rand und damit auch erste Zeichen von Vegetation vor sich, als er an eine Weggabelung kommt, an der links ein Schild angebracht ist auf dem „Koma“ steht“, und rechts ein Schild mit der Aufschrift „Amok“. Nur allzu deutlich spiegeln beide Schilder wider, was auch in dem Mann vorgeht: er will endlich dem vielen Schrecken entrinnen, den er zuvor erlebt hat, wird nun nun jedoch erst einmal von seinen eigenen in ihm widerstreitenden Gefühlen irritiert, denn beide Wege schlängeln sich so unübersichtlich durch das Gelände, daß er nicht erkennen kann, wohin sie letztlich führen. – Welchen Weg wählt der Mann nun, – wenn er klug ist?

Ich will Sie nicht lange raten lassen: der Mann ist klug und wählt – weder den Weg in Richtung „Koma“ noch den Weg in Richtung „Amok“, sondern vielmehr den eigenen Weg und das heißt, er folgt seinem eigenen Orientierungssinn, der ihn ohne viele Umwege in Richtung der beginnenden Vegetation, einem wahren Sinnbild des Lebens führt!

Für mich stellt diese Geschichte eine Allegorie dar, die sowohl mein eigenes Leben, wie auch das Überleben unserer heutigen Zivilisation als Ganzes betrifft, denn:

Wir wissen alle von den Entbehrungen und Nöten die das Leben manchmal für uns bereit hält und geben daher ständig acht, möglichst auch nicht in Not zu geraten und haben von klein auf gelernt, uns aller möglicher Mittel und Wege (!!!) zu bedienen, um wie es heißt unser Glück zu machen. – Mittlerweile aber sind wir meines Erachtens auf nun zunehmend dramatische Weise an jenem Scheideweg angelangt, den ich oben beschrieben habe.

Der Weg nach „Koma“ ist der Weg der fortwährenden Betäubung und das kann z. B. Betäubung durch alle möglichen Arten von Drogen, alle möglichen Arten von heute so vielfach angepriesenen Freizeitevents oder auch die fortwährende Betäubung durch immer mehr Arbeit (und damit verbundenen Geldgewinn) bedeuten. Der Weg nach „Amok“ hingegen ist vor allem durch Rücksichtslosigkeit gekennzeichnet, Rücksichtslosigkeit gegen Andere, aber auch gegen sich selbst.

Beide Wege werden uns heutzutage auch längst immer wieder durch alle möglichen Arten von Propaganda und Werbung geschildert und als sichere Wege zum Glück gepriesen. Aufs Koma bezogen heißt das: „Kaufe dies oder kaufe das, nimm‘ es in Deinen Besitz und Du wirst Dich glücklich fühlen“, und vielfach wird auch längst schon Lebendigkeit (in Form von Livestyle-Werbung) versprochen. Diese Surrogate von Lebendigkeit müssen jedoch auf der anderen Seite, der Sollseite oft mit solch‘ harter Arbeit bezahlt werden, daß der (meines Erachtens zweifelhafte) Nutzen durch die insgesamt längst immer höhere steigenden Kosten zumindest egalisiert, wenn nicht sogar – bei weitem übertroffen wird! – Auf Amok bezogen heißt es hingegen heute immer häufiger: „Streng Dich an und tue dies oder tue das so bedenkenlos, so kompromißlos und so rücksichtslos wie möglich und Du wirst Dir alles leisten können, was Du in Deinem Leben begehrst!“

Beide Wege werden heutzutage – immer wieder über lange Strecken hinweg – von sehr vielen Menschen gegangen, auch der Weg des Amoklaufens, indem so viele von uns mehr oder weniger rücksichtslos (gegen Andere oder auch sich selbst) Gewinn bzw. Beute zu machen versuchen, um dann „genußvoll“ den Weg des Komas in Form von kurzweiliger Befriedigung momentaner Gelüste beschreiten zu können. – Unzählige Menschen kommen mit dieser unglücklichen Mischung aus beidem in ihrem Leben in Wirklichkeit jedoch kaum voran, denn sie kehren auf ihrem Weg zum „großen Lebensglück“ ständig zu dieser Weggabelung zurück, bringen dabei oft auch lange „Durststrecken“ hinter sich, ohne aber je auch nur einigermaßen in die Nähe der oben erwähnten Vegatation, dem Sinnbild für wirkliches, wahrhaftig blühendes Leben zu gelangen! Fortwährende Zerrissenheit zwischen beiden Optionen und damit auch fortwährende Zerrissenheit in sich selbst ist daher der Preis, den sie für diese letztlich irrsinnige Plackerei zahlen müssen, sowie bislang bei so vielen Menschen auch – eine bislang noch immer weiter voranschreitende und letztlich (auch für uns alle) oft zunehmend gefährlicher werdende Orientierungslosigkeit.

Auch kein wirkliches Selbst, sondern eine übergestülpte Selbstsimulation, weil durch äußere Propaganda bestimmte fortwährende Selbststimulation wird dadurch erkennbar, ein eher schemenhaftes Wesen, allein bestimmt durch das künstliche, weil von außen herangetragene Wirtschaftsprinzip von Angebot und Nachfrage -(erzeugung). – Was aber geschieht dabei mit den in jedem Menschen innewohnenden ganz persönlichen Bedürfnissen und seinen ganz persönlichen Neigungen und Talenten; werden sie dabei je befriedigt? – Wird der heutige Mensch etwa wirklich schon zu dem von vielen heutzutage so hochgepriesenen unverwechselbaren glücklichen Inividualisten, wenn er schafft, sich ein Sammelsurium von wie es heute heißt „angesagten“ hochpreisigen Markenartikeln (wie z. B. Kalvin-Klein-Klamotten, Gucci-Taschen oder einen Fuhrpark teuerer Exclusiv-Autos zuzulegen? – Ist es wirklich sinnvoll, daß solche Hirngespinste von der Wirtschaftswelt allen Menschen als „ultimative Lebensziele“ angepriesen werden, wo doch längst erkennbar ist, daß dies alles erstens in der gesamten Welt zu immer destruktiveren Streitigkeiten um den Besitz solcher Statussymbole führt und das zweitens – der schon jetzt zunehmend schädliche Ressourcenverbrauch durch die Streitigkeiten zusätzlich noch mehr in immer weitere und damit zunehmend noch schädlichere Höhen getrieben wird? – Ist heute nicht eigentlich längst schon fast jedem klar, daß inzwischen in allen möglichen Bereichen des Lebens, im Privaten, in der Welt der Wirtschaft, der Wissenschaft und auch in der Politik unglaublich viel gelogen, getrixt und betrogen wird, daß also unzählige Versprechungen heute von sehr vielen Zeitgenossen vor allem dazu genutzt werden, sich – vor allem – erst einmal die eigenen Taschen (und die dann möglichst bis zum Bersten) zu füllen?

Zwischen den vielen sich heute auf den ersten Blick immer wieder anbietenden Koma- und Amok-“Lösungen“ verläuft für jeden Menschen noch ein dritter, eben nicht von unzähligen Menschen breitgetrampelter Weg, nämlich der der ganz persönlichen Bewußtwerdung. – Es ist der Weg der eigenen Selbstauslotung, ein Weg, der nicht nur immer wieder in die äußeren Gefilde der Welt, sondern vor allem immer wieder – in die innere Tiefe des eigenen Selbstes führt und bei dem man sich immer wieder aufs Neue fragt, in welche Richtung das eigene Pendel des Lebens wirklich schwingt, ein abenteuerlicher Weg, den ich allen meinen Mitmenschen gerne empfehle. – Finde vor allem selbst heraus, was Dir wirklich gut tut und halte Dich daran, lege Dein Schicksal nicht immer wieder aufs Neue in andere Hände. Lerne daher – Dein wahres eigenes Leben selbst in Dir zu spüren!

W. Oesters, achtgegeben.de



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