Alltagsterror

Wir müssen mal über die Gewerkschaften reden

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Gewerkschaften vertreten die Interessen von Arbeitnehmern, so jedenfalls ist die veröffentlichte Meinung, wenn man eine Umfrage machen würde, aber selbstredend sehen sich so die Gewerkschaften selbst. Die Botschaften welche man öffentlich zum Besten gibt sind eindeutig und unmissverständlich, wir (die Gewerkschaften) sind Garant der Arbeiter im Kampf gegen Billiglohn, Leiharbeit und natürlich wirbt mit dem Slogan „ gutes Geld, für gute Arbeit.

Wir erleben, zurzeit eine „Streikwelle“, für die Rechte der „Arbeitnehmer“ im Kampf gegen Billiglohn, Leiharbeit und für gutes Geld, für gute Arbeit.

Erst vor kurzen hat der neue DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann, die Share Economy (Menschen tauschen Waren und Dienstleistungen per Online) kritisiert und spricht von „schlicht neue Formen von Sklavenarbeit“, ein neues Arbeitsmodell das nach dem Prinzip TEILE und LEIDE funktionieren soll, wenn man den neuen DGB-Vorsitzenden Reiner Hoffmann glauben kann. Jedenfalls ist die Empörung der Gewerkschaftsführer groß, könnte man meinen.

Aber wie das Leben so ist, Anspruch und Realität sind manchmal eine ANDERE, wenn man mal die Gewerkschaften als Arbeitgeber betrachtet.
Friede, Freude, Eierkuchen bei den Gewerkschaften als Arbeitgeber?
Da könnten bei kritischer Betrachtung doch einige Zweifel aufkommen.
Würden sie, liebe Leser/innen glauben, wenn behauptet wird, „der Deutsche Gewerkschaftsbund besitzt Leiharbeitsfirma“.

Hierzu ist ein Blick in die jüngste Vergangenheit hilfreich.

In einen 2013 veröffentlichten Dossier veröffentlichte LabourNet Germany unter der Überschrift „DGB stellte Streikbrecher“ folgendes: „“Gewerkschaftseigene Leiharbeitsfirma sabotierte 2011 und 2009 Arbeitskampf bei Supermarktkette. Konsequenzen nach Pressebericht: Betrieb wird eingestellt, Prokurist muss gehen. Nicht genug, dass der Deutsche Gewerkschaftsbund jahrelang eine eigene Leiharbeitsfirma betrieb und so zur Unterminierung der Flächentarifverträge beitrug.
Das Unternehmen »Weitblick-Personalpartner GmbH« kooperierte darüber hinaus beim Streikbruch. Nach jW-Recherchen versorgte »Weitblick«, eine hundertprozentige Tochter des DGB-Berufsfortbildungswerkes Bfw, in der Vergangenheit wiederholt Filialen der Supermarktkette Real mit Leiharbeitskräften, während diese durch die Gewerkschaft ver.di bestreikt wurden. Wie junge Welt aus ver.di-Kreisen im Saarland erfuhr, war dies zuletzt während der Einzelhandelsstreiks 2011 und 2009 der Fall. Das Bfw bestätigte die Vorwürfe am Freitag auf Nachfrage…” Artikel von Jörn Boewe in junge Welt vom 18.02.2013.

Nun wem „LabourNet Germany“ und die „junge Welt“ politisch zu LINKS erscheint, für den hab ich da noch eine andere Quelle anzubieten, zum gleichen Sachverhalt.
„SPIEGEL ONLINE“ berichtet Zeitgleich unter der Überschrift:
„DGB-Firmenbeteiligung: Gewerkschafter zahlen Leiharbeitern zu wenig“ und wird wie folgt zitiert:
“Der DGB wettert gegen Leiharbeit – verdient aber selbst daran. Jüngst gelobten die Gewerkschafter Besserung, doch nach Informationen von SPIEGEL ONLINE zahlen sie den Beschäftigten noch immer weniger als diesen zusteht.
Ein bisschen peinlich ist dem Deutschen Gewerkschaftsbund die Sache offenbar schon. Nachdem SPIEGEL ONLINE über die DGB-eigene Zeitarbeitstochter Weitblick-Personalpartner GmbH im saarländischen Neunkirchen berichtet hatte, wurde die Website des Unternehmens stillgelegt. “Seite im Aufbau” steht da jetzt nur noch. Die Firma selbst verweist bei Anfragen auf die Pressestelle des DGB, von dort heißt es lapidar: “Die Leiharbeit wird nicht weiter beworben, da sie nicht weiter betrieben werden soll.” Allerdings gibt der DGB selbst zu, dass es derzeit nicht absehbar sei, wann das sein werde…” Artikel von Nicolai Kwasniewski bei Spiegel online vom 08.02.2013.

Einfach unglaublich sollte man meinen, da geißelt der DGB Leiharbeit und Billiglöhne und selbst „verdient(e)“ man eben auch von diesen Prinzip der „Ausbeutung“.

Was aber sagten der DGB und sein Bundesvorstand zu dem geschilderten Fall?
Zitat: “… Beim DGB-Bundesvorstand hieß es auf Nachfrage, die weitblick-Personalpartner GmbH sei »überwiegend« mit der »Gründung von Transfergesellschaften für von Arbeitslosigkeit bedrohte Beschäftigte« befasst. In »begrenztem Maße« betreibe man auch eine »vermittlungsorientierte Arbeitnehmerüberlassung«, allerdings nur »am Standort Neunkirchen/Saarland«. (…)Wie der DGB gegenüber jWelt erklärte, erhalten die Beschäftigten in Neunkirchen »künftig mindestens 8,50 Euro, also nicht mehr die 8,19 Euro, die der IGZ-Tarifvertrag vorsieht«. Ausschreibungen über die Jobbörse der BA werde es »künftig nicht mehr geben«…”

Legendär auch der Bremerhavener Filz. Eins der größten Leiharbeitsunternehmen der Region wurde von SPD- und IG-Metall-Funktionären geführt, einem Netzwerk von SPD- und Gewerkschaftsfunktionären, welches systematisch Beschäftigtenrechte „unterlaufen“ haben soll.
Der Geschäftsführer der Leiharbeitsfirma war Chef der SPD und der DGB fand das in Ordnung.

Heute protestieren Gewerkschaften bundesweit gegen den Missbrauch von Leiharbeit/ Zeitarbeit und Werksverträge, vergessen wird dabei, dass es Gewerkschaften waren, welche stillgehalten haben als die Politik das Prinzip der „Ausbeutung“ per Gesetz beschlossen hatten.
Offensichtlich haben Gewerkschaften bei Bedarf eben auch das Prinzip der „Ausbeutung“ für „normal“ erachtet und davon profitiert.

Abschlussbemerkungen

Heute mit den Finger auf Andere zu zeigen und die Mitverantwortung zu leugnen ist schäbig, denn Gewerkschaftsfunktionäre tragen eine Mitverantwortung, dass die Leiharbeit/Zeitarbeit/Werkverträge heute Speerspitze für Lohndumping, Zersetzung der Flächentarifverträge und der tarifvertraglich und gesetzlich geschützten normalen Arbeitsverhältnisse sind und zur Spaltung der Belegschaften, die Schwächung der Gewerkschaft, der gewerkschaftlichen Kampfkraft der Arbeitnehmer beigetragen haben.

Streiks und Aktionen jedoch, die sich weiterhin auf Appellen zur Korrektur und Nachbesserung der bestehenden Gesetzen beschränken, damals wie heute erst recht, sind keine wirkliche Mobilisierung der Entfaltung einer organisierten Kraft der Arbeiterschaft. Und es ist auch nicht anzunehmen, dass die Gewerkschaftsverantwortlichen daran glauben, dass durch Streik und Aktionen tatsächlich Regierungsmaßnahmen gestoppt werden können.
Wenn Leiharbeit ein gefährliches Instrument für die Zersetzung der tarifvertraglich und gesetzlich geschützten Arbeitsverhältnisse sind, kann die Forderung nur heißen: Verbot/ Wiederverbot der Leiharbeit/Zeitarbeit/Werkverträge mit den Ziel, Integration aller Menschen in tarifvertraglich und gesetzlich geschützte normalen Arbeitsverhältnisse.

Und wer von den Gewerkschaftsverantwortlichen interessiert und kümmert sich eigentlich noch um DIE, welche von der Politik verraten und von den Gewerkschaften verkauft wurden, um DIE welche in Armut per Gesetz leben müssen, um DIE welche täglich von Armutsbehörden verwaltet, erniedrigt, gequält und entmündigt werden?



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