Feuilleton

Volker Pispers: Wem gehören die Medien? (Und wer ist heute die vierte Macht?)

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Der Deutschlandfunkt stellt sich gerade eine interessante Frage (siehe Deutschlandfunk):

Wie glaubwürdig sind unsere Medien?

Sehr begrüßenswert, dass sich ein Medium selbst in Frage stellt. Interessant auch, wie sie die Gesamtsituation der Medien einschätzen:

Anders als vor wenigen Jahren hat Medienkritik ein neues Ventil gefunden: das Internet. Soziale Medien haben eine Multiplikatorenfunktion übernommen, die Lesebriefschreibern früher verwehrt blieb. Noch dazu kommt die Kritik zu einem Zeitpunkt, in der vor allem die Printmedien ökonomisch in der Krise stecken.

Während früher die tradierten Medien die Lufthoheit über der deutschen Meinungsbildung hatten, stehen heute Neue Medien parat, die sich ausschließlich aus den Ansichten der Nutzer speisen. Mitten in der Glaubwürdigkeitskrise der klassischen Medien schicken sich also neue Kommunikationsformen im Netz an, die traditionelle Berichterstattung der so genannten vierten Gewalt abzulösen.

Eine Perspektive, die von vielen entmutigten Bloggern zu wenig wahr genommen wird, die nach einiger Zeit das Handtuch schmeißen, „weil es sowieso nichts bringt“.

Vor allem kein Geld, das hilft, den eigenen Hunger zu stillen, den Strom für den PC zu bezahlen (ja: der ist teuer!) oder die Miete für das Zimmerchen unterm Dach (noch teurer). Was man weniger bespricht, aber bei den etablierten Medien deutlich wahr nimmt: mit dem, was wir hier tun (auch die kleine, gerade wieder wachsende Crew vom Nachrichtenspiegel) führen wir einen Eroberungskrieg. Klar – wir sind keine auf Privatschulen ausgebildeten Top-Journalisten, die in mühsamen, jahrelangen Studium gelernt haben, was die Eigentümer der Medien gerne hören wollen … und was sie absolut nie hören mögen (und auch nie hören werden).  Aber: wir können unser Meinungen formulieren … und laut werden, wenn man uns wieder ungeschickt für dumm verkaufen will.

Eroberungskrieg?

Ja: dank des Internet erobern sich durch diverse alternative Medienformate Bürger einen Anteil an der Vierten Macht zurück: noch ein paar Jahre weiter, dann werden sie den Privatmedien den Rang abgelaufen haben. Ja – es sind Privatmedien. Die einen gehören mächtigen Familien, die anderen Parteien … und Parteien sind private (also: von der Öffentlichkeit separierte) Vereine – mehr nicht, auch wenn sie sich selber gerne anders sehen.

Bevor ich nun selbst noch zu viele Worte dazu verliere, hier ein Video eines Menschen, der in meinen Augen einer der letzten glaubwürdigen politischen Rebellen des Landes ist – viel weniger Kabarattist als vielmehr investigativer Dozent. Elegant, mit Witz und Humor und viel verstecktem Ernst ist er ein großer Aufklärer im deutschsprachigen Raum, Wert, höchste politische Ämter im Land effektiv und souverän zu bekleiden. In wenigen Minuten schafft er es, ein vollständiges Bild deutscher Medienwirklichkeit zu schaffen und zu erklären, wie eine Hand voll (feudaler) Familien Stacheldrahtzäune durch die Hirne der Menschen ziehen … und so viele unaussprechbare Tabus in die Welt setzen. Was einzig zu ergänzen bleibt: auch die öffentlich-rechtlichen Medien sind in Privatbesitz … wenn auch nicht im privaten Eigentum. Sie werden durch die von Parteifunktionären dominierten Kontrollgremien beherrscht – was gelegentlich … bei mangelndem Gehorsam … zu überraschenden Entlassungen führt.

Wer das einmal mitbekommen hat … der schreibt fortan enorm konform, könnte man sich denken.

Aber nun: der Meister der gehobenen Aufklärung persönlich: Volker Pispers!

 



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