Satire und Wahrheit

Exklusiv-Interview aus dem Dschungelcamp

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Das Dschungelcamp kehrt auf die Mattscheibe zurück. Dafür werden die Tripple-Z-Promis in den eigens dafür errichteten Regenwald verfrachtet. Schon im Vorfeld der Sendung lieferten sich weibliche Kandidatinnen einen Zeckenkrieg, der sich bereits jetzt viral in den Medien verbreitet. Die männlichen Teilnehmer halten sich bis jetzt bedeckt, was Meinung, Erscheinung und Hirnleistung angeht. Sie wollen die weiblichen Artgenossen nicht schon im Vorfeld verscheuchen.

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Unter den mitwirkenden Insekten herrscht geteilte Meinung. Einerseits sind sie die Stars der Sendung, werden aber mit Knebelverträgen zu Statisten degradiert. Aus diesem Grund haben sich verschiedenen Vertreter der Krabbelspezies zusammen getan und eine Gegenbewegung gegründet, um auf die unfairen, teils rassistischen Bedingungen dieser Produktion hinzuweisen. Die betroffenen Insektenarten besassen bisher keine Lobby und stehen den Medien, aufgrund vergangener Erfahrungen eher skeptisch gegenüber. Nach unzähligen Verhandlungen mit Hilfe von Mittelskäfern konnte die Rädelsführer der vielbeinigen Spezies zu einen Interview bewegt werden. Unser Reporter begab sich daher auf eine Reise in den tiefsten Dschungel. Sie gestaltete sich als sehr gefährlich und tückisch, denn er musste aufpassen, nicht versehentlich auf einen Funktionär oder Interview-Partner zu treten. Nach stundenlangem Fussmarsch erreichte er, bewacht von unzähligen Anhängern der Krabbelfraktion das Basis-Camp der Oppositionellen.

Dort bot sich ihm ein Bild des Grauens. Kinderinsekten, die im Schlamm spielten oder an der sterbenden Verwandtschaft knabberten, überall herumliegende, ausgeschlürfte Chitinpanzer, die einzig noch zum Versteckspielen für den Nachwuchs dienten.
Unser Reporter musste zuerst die kommende Nacht abwarten, bis die Führer aus ihren Löchern gekrochen kamen. Bis dahin konnte er sich in Geduld üben und musste äusserst vorsichtig agieren, da er von bis an die Zähne bewaffneten Verteidigungstruppen bewacht wurde.

Nach Einbruch der Dunkelheit kam Bewegung in die unzähligen Beine. Unser Reporter wurde zu einer Stelle unweit des Camps gebracht, wo der Pressesprecher in Form eines Mehlwurmes bereits auf ihn wartete. Zu seiner Überraschung sah er ein PEGIDA-Plakat. Aber dazu später mehr. Nach einer Weile des Wartens und argwöhnischen Bemusterung, erlaubte ihm die Führung, seine Fragen zu stellen.

Sie haben sich, aufgrund vergangener Erfahrungen mit dem Dschungelcamp, zusammengeschlossen. Was bezwecken Sie mit dieser Aktion?

Die ganze Show ist eine Farce. Das sieht man bereits daran, dass wir als Spezies gar nicht im Dschungel beheimatet sind und gegen unseren Willen hierher verfrachtet wurden. Schon beim Transport waren unzählige Opfer zu beklagen. Das wurmt uns sehr!

Sie haben die Verantwortlichen mit diesem Vorwurf konfrontiert. Was erhielten Sie als Antwort?

Alle die reklamierten wurden kurzerhand in einen Mixer geworfen und zu einer Dschungelprüfung verarbeitet.

Das ist wirklich uninsektlich. Wurde in den Verträgen nicht auf eventuelle Verluste hingewiesen?

Nein, mit keiner Milbe. Sie versprachen uns eine Hauptrolle in der Sendung. Dass dies als Püree gedacht war, sagte man uns nicht.

Andere Vertreter diverser Krabbelspezies machten ebenfalls fragwürdige Erfahrungen. Können Sie uns davon berichten?

Viele wurden einfach von den Kandidaten zu Tode getrampelt, teils absichtlich teils aus Gleichgültigkeit. Die Überlebenden durften nicht mehr zu ihren Artgenossen zurück, sondern wurden bei lebendigem Leibe entsorgt.

Wie haben Sie darauf reagiert?

Einige von uns suchten den Dialog mit den Verantwortlichen der Show. Das einzige Argument welches wir zu hören bekamen, war eine Fliegenklatsche.

Das ist eine sehr einseitige Kommunikationsmethode. Habe Sie noch andere Möglichkeiten versucht, um sich Gehör zu verschaffen?

Natürlich, unsere PR-Abteilung entwickelte eine Parole, die auf diese Missstände hinweisen sollte, die aber von einer abendländischen Gruppierung für ihre Zecke missbraucht wurde.

Welche Parole war das?

Sie lautet PEGIDA. Das heisst, persönliche Eigenständigkeit gesellschaftlicher Insekten Deutschlands und Australiens.

In Deutschland wird diese Parole von einer anderen Gruppierung verwendet. Wie kam es zu dieser Diebstahl ihrer PR-Idee?

Wir vermuten von ein paar extremistischen Zecken. Sie haben keine soziale Verantwortung, vermehren sich explosionsartig und saugen alles aus, was sich nicht wehren kann. Wir distanzieren uns ausdrücklich von deren Verhalten und können dies nicht gutheissen.

Nachdem ihre PR-Aktion zeckentfremdet wurde, welche Möglichkeiten sehen Sie noch, um ihren Anliegen Gehör zu verschaffen?

Wir müssen alle Insekten informieren, für was sie eigentlich herhalten müssen und das erreichen wir nur mit einer medialen Omnipräsenz. Deshalb haben wir auch zu diesem Interview ja gesagt.

Wie gestaltet sich die weitere Zusammenarbeit mit den Dschungelcamp-Verantwortlichen?

Nun, da wir schon mal hier sind, werden wir uns an die vertraglichen Verpflichtungen halten und uns als Ekelfaktor gewissenhaft in die Sendung einbringen.

Haben Sie nicht Angst, dass weitere Artgenossen ihr Leben für diese Produktion hergeben müssen?

Die Gefahr besteht, doch unsere verdeckten Aktionen werden eine entsprechende Antwort auf die insektenunwürdigen Bedingungen sein.

Wie sehen solche Aktionen aus?

Zuviel möchten wir nicht verraten, aber eines kann ich jetzt schon sagen. Wir Mehlwürmer haben eine Abmachung mit den Bandwurm-Rebellen. Wir stellen uns für die Prüfungen zur Verfügung, auch wenn einige dabei draufgehen, das sind für uns Märtyrer, und transportieren die Bandwurmeier unbemerkt in die Prüfungen. Wir sind quasi ein trojanisches Pferd. Wenn dann die Kandidaten sich in unseren Leibern suhlen oder gar als Drink verarbeitet geniessen müssen, haben wir gewonnen. Die Bandwurmbrigaden werden erst nach einer Weile aktiv, wenn die Show schon lange beendet ist und so kann man die Spur zu uns nicht mehr zurückverfolgen.

Das ist aber eine ziemlich perfide Taktik.

Das mag schon sein, aber die vielen Opfer, welche wir zu beklagen haben, lassen keine andere Möglichkeit mehr zu.

Wie sieht ihre Zukunft aus? Werden Sie an weiteren Staffeln des Dschungelcamps mitwirken?

Sollten die Bandwurmrebellen erfolgreich sein, wird sich das Problem von selber erledigen. Wir denken, dass sich keiner mehr in den künstlichen Dschungel verfrachten lässt, wenn er anschliessend unfreiwillig als Gebärstation für Millionen von Bandwürmern herhalten muss. Die bisherigen Kandidaten sollten mal ihren Stuhlgang checken lassen. Da wird es einige blasse Gesichter geben. (lacht)

Wir bedanken uns für das Gespräch und werden das Interview im originalen Wortlaut veröffentlichen.

Bitte gerne geschehen!

Nach diesem Gespräch verliess unser Reporter das Camp. Da es noch Nacht war, beleuchteten unzählige Glühwürmchen den Rückweg. Das bewies eindrücklich, wie die Insekten eigentlich sehr friedliche Tiere sind und dem Menschen nichts Böses anhaben wollen und für einen offenen Dialog bereit sind. Das kann man von den Machern des Dschungelcamps nicht behaupten. Sie veralbern den Zuschauer mit einem vermeintlichen „echten“ Dschungel, nötigen die Kandidaten sich der Lächerlichkeit Preis zu geben und verschmutzen das natürliche Umfeld mit Zivilisationsmüll. Der unkritische Zuschauer suhlt sich im Voyeurismus bis hin zum Fremdschäm-Schmerz. Fernsehen kann manchmal richtig weh tun. Aus diesem Grund beherzigt die Redaktion den Aufruf des Boykotts und appelliert an alle Medienkonsumenten, sich diesen Insektengenozid nicht anzusehen und die Verantwortlichen mit Klagen wegen Verunglimpfung des guten Geschmacks zu überhäufen.

Wir werden über die weitere Entwicklung in dieser Angelegenheit mit spitzer Feder berichten.



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