Medien

Propaganda-Journalismus = intellektuelle Prostitution

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Was passiert, wenn ein Journalist sich selbst als qualifizierten Psychoanalytiker ansieht und demzufolge ein Psychogramm einer Person erstellt, die er vermutlich nie getroffen, geschweige denn interviewt hat, sondern seine Erkenntnisse aus vorgekauten Reuters, dpa (Deutsche Presse-Agentur) und AP (Associated Press) Pressemitteilungen holt? Kurz gesagt, er diskreditiert den ehrlichen Journalismus und degradiert ihn zum Sprachorgan der Geheimdienste und Politik. So geschehen im Artikel „Das grosse Psychogramm. Gefährliches Machtspiel in der Ukraine: Putin lebt längst in seiner eigenen Welt.“ von Boris Reitschuster, erschienen auf Focus-Online.

Eines vorneweg, den Titel könnte man auf alle Politiker der westlichen Welt anwenden. Da besteht kein wesentlicher Unterschied zu Putin. Aber beginnen wir von vorne. Was ist ein Psychogramm? Psychografie ist die umfassende Beschreibung des Seelenzustandes (Psyche Seele) eines Individuums, die zur Bewertung desselben dient (Wikipedia). Bei der Erstellung eines Psychogramms ist es wichtig, dass alle erfahrbaren, psychologischen Einzelheiten einer Person erfasst werden können. Dies kann mit Hilfe sogenannter psychometrischer Tests, die möglichst objektiv psychische Funktionen und Persönlichkeitsmerkmale einer Person eruieren, erreicht werden. Dabei sollte man sich unbedingt an normierte und validierte Fragebögen halten, die das Ergebnis ausführlicher Forschungsstudien sind. Es ist zu bezweifeln, dass der Autor Präsident Putin solche Fragebögen vorgelegt hat und diese von ihm wahrheitsgetreu ausgefüllt wurden. Zudem ist nirgends ersichtlich, ob Herr Reitschuster eine Ausbildung zum Psychoanalytiker abgeschlossen hat. Allein aus diesen Gründen erkennt man, dass der Artikel keinerlei fachlichen, geschweige denn belegbaren Fakten beruht. Bilder vom russischen Präsidenten mit nacktem Oberkörper oder Schusswaffen sind keine qualifizierten Unterlagen zum Erstellen eines Psychogramms und können höchstens als Propagandamaterial angesehen werden. Solche Artikel untergraben die Glaubwürdigkeit des Journalismus und stehen in keinem Verhältnis zum Pressekodex.

Aber warum betreibt ein Autor solche Augenwischerei mit seinen Lesern? Grundsätzlich möchte er eine Lohntüte Ende Monat erhalten und muss sich somit den Vorgaben seines Verlagshauses anpassen. Das Medienblatt Focus gehört dem Burda-Verlag und hat schon einige Skandale provoziert, was sich in sinkenden Abonnementenzahlen widerspiegelt. Zudem sollte einem bewusst sein, dass AP sowie dpa vom amerikanischen Geheimdienst CIA und vom Militär gesteuert werden. Das heisst, Meldungen von diesen Presseagenturen durchliefen zuerst die Filterprogramme der Amerikaner bevor man sie dem Volk auftischt. Diverse aufgeflogene Falschmeldungen bezeugen die Unglaubwürdigkeit dieser grossen Pressestellen, bis hin zum Einschüchtern und Erpressen von unbelehrbaren Journalisten. So gesehen ist Herr Reitschuster einer von vielen Wasserträgern der Geheimdienste und muss sich deren Doktrin beugen.

Wenn man die bereits veröffentlichten Artikel von ihm liest, erkennt man schnell die die politische Meinungsmache, respektive in welche Richtung sie den Leser bewegen soll. Westen Top, Osten Flop. Wenn er diese Artikel mit dem gleichen fachlichen Hintergrund schreibt wie er ein Psychogramm erstellt, wird die Glaubwürdigkeit seiner Artikel zur Farce. Tatsächlich stellt Herr Reitschuster nur ein Fall von unseriösem Journalismus dar, dabei ist die Welt voll von gekauften Autoren, die nur ihren Zahltag im Kopf haben (verständlich) und vorbehaltslos alles Schreiben, was ihnen „diktiert“ wurde. Dazu ein Zitat von John Swinton, der einmal unverblümt sagte, wie es mit dem Journalismus steht. Er war Ehrengast bei einem Bankett, das ihm die Führer der Zeitungszunft ausrichteten. Jemand sprach ehrende Worte über die unabhängige Presse.

Swinton antwortete (Übersetzung):

„So etwas gibt es bis zum heutigen Tage nicht in der Weltgeschichte, auch nicht in Amerika: eine unabhängige Presse. Sie wissen das, und ich weiß das. Es gibt hier nicht einen unter Ihnen, der es wagt, seine ehrliche Meinung zu schreiben. Und wenn er es täte, wüsste er vorher bereits, dass sie niemals im Druck erschiene. Ich werde wöchentlich dafür bezahlt, dass ich meine ehrliche Meinung aus dem Blatt, mit dem ich verbunden bin, heraushalte. Andere von Ihnen erhalten ähnliche Bezahlung für ähnliche Dinge, und wenn Sie so verrückt wären, Ihre ehrliche Meinung zu schreiben, würden Sie umgehend auf der Straße landen, um sich einen neuen Job zu suchen. Wenn ich mir erlaubte, meine ehrliche Meinung in einer der Papierausgaben erscheinen zu lassen, dann würde ich binnen 24 Stunden meine Beschäftigung verlieren. Das Geschäft der Journalisten ist, die Wahrheit zu zerstören, schlankweg zu lügen, die Wahrheit zu pervertieren, sie zu morden, zu Füßen des Mammons zu legen und sein Land und die menschliche Rasse zu verkaufen zum Zweck des täglichen Broterwerbs. Sie wissen das, und ich weiß das, also was soll das verrückte Lobreden auf eine freie Presse? Wir sind Werkzeuge und Vasallen von reichen Männern hinter der Szene. Wir sind Marionetten. Sie ziehen die Strippen, und wir tanzen an den Strippen. Unsere Talente, unsere Möglichkeiten und unsere Leben stehen allesamt im Eigentum anderer Männer. Wir sind intellektuelle Prostituierte.“

John Swinton Chefredakteur der New York Times 1880

Soviel zur ehrlichen Berichterstattung der „freien Presse“ von damals. Heute sieht es nicht anders aus, eher noch schlimmer, da die Medienvielfalt (Radio, Fernsehen, Internet) enorm zugenommen hat. Das entschuldigt auf eine gewisse Weise die Schreibarbeit von Herrn Reitschuster und vielen anderen Journalisten, die ihren Job behalten wollen und sich so nach Swintons Worten als intellektuelle Prostituierte profilieren müssen.

Dem Leser bleibt eigentlich nichts anderes übrig, als alle Meldungen zu hinterfragen und selber Fakten in Erfahrung zu bringen. Dank des Internets ist dies teilweise möglich. Nachrichtenportale wie neopresse.com, Deutsche-Wirtschafts-Nachrichten.de, Nachrichtenspiegel.de, lebenskreise.ch usw. sind Inseln in der grossen Medienbrühe, welche noch Nachrichten verbreiten, die sich der Information verschrieben haben und nicht der Manipulation. Die Mündigkeit der Leser ist gefragt, weiter unabhängige Medien zu finden, zu verbreiten und deren Inhalte mit den Mainstream zu vergleichen. So erschliesst sich einem bald ein Bild wie ein Sachverhalt wirklich aussehen könnte und welche manipulativen, respektive propagandistischen Parolen die grossen Presseagenturen verbreiten. Unabhängige Medien sind den grossen Meinungsmachern ein Dorn im Auge. Lehnt sich einer zu weit aus dem Fenster wird seine Webseite geschlossen und/oder mit gerichtlichen Klagen überzogen. So geschehen zum Beispiel bei Politaia.org. Die noch verbliebenen unabhängigen Medien erhalten so den Charakter von Freiheitskämpfern, die sich nicht der elitären Doktrin unterordnen wollen. Die wachsende Leserschaft solcher Nachrichtenportale zeigt, dass immer weniger Menschen der Mainstreampropaganda Glauben schenken und sich vermehrt auf die Informationen dieser unbeugsamen „Partisanenblättern“ stützen. Deshalb ein Aufruf an alle Journalisten, welche sich noch einen Rest von Wahrheitsliebe erhalten haben. Schreiben Sie doch mal für solche unabhängigen Medien. Es gibt zwar in den seltensten Fällen Geld, weil die meisten Betreiber solcher Seiten Idealisten sind und sich der Verbreitung von unparteiischen Meinungen verschrieben haben. Aber es gibt Ihnen die Möglichkeit, den Lesern professionell geschriebene, sachlich fundierte Artikel zu präsentieren und Ihnen selber ein gutes Gefühl, dem seriösen Journalismus und der Wahrheit Ehre zu gebieten. Das sollten die Haupttugenden eines guten Journalisten sein. Sind Sie nicht auch dieser Meinung Herr Reitschuster?



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