Alltagsterror

Die Neujahrsansprache der Bundeskanzlerin – schon jetzt im Nachrichtenspiegel

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Montag, 30.12.2013. Eifel. Heute gelang der Redaktion des Nachrichtenspiegels ein besonderes Bravourstück: wir haben Nachrichten zu spiegeln noch bevor sie da sind. Uns liegt exklusiv die Erstfassung der Neujahrsansprache der Bundeskanzlerin vor, noch bevor sie durch die Zensur geht. Wir konnten uns dazu durchringen, sie zu veröffentlichen, noch bevor das neue Jahr wirklich Realität wurde. Dank nochmal an unsere findigen Agenten im Kanzleramt – und hier nun die erste Fassung der Rede der Bundeskanzlerin Angela Merkel zum neuen Jahr 2014:

Liebe Bundesbürgerinnen und Bundesbürger.

2014 wird für Deutschland ein gutes Jahr. Die Zeitungen vermelden Stabilität in der Wirtschaft, Zuverlässigkeit in der Politik, einen robusten Arbeitsmarkt bei ansteigender Konjunktur. Wir Deutsche können zufrieden mit uns sein – und das dürfen wir auch im folgenden Jahr bleiben. Wir haben unseren „Tatort“, wir haben unsere Bundesliga, wir haben unsere Tagesschau – was braucht der Mensch mehr zum Glück? Wir haben auch Freiheiten, die sich andere nicht leisten können. Schauen Sie sich Ihr Badezimmer an: die Fliesen können Sie selbst aussuchen, Sie ganz allein – und eine ganze Industrie liegt Ihnen zu Füßen, um Ihnen bei der Auswahl zu helfen. In der gesamten Menschheitsgeschichte hatte noch nie ein Volk eine solche Auswahl an Badezimmerfliesen wie wir – wie oft sind wir dankbar dafür?

Schauen Sie sich weiter um in Ihrem Heim. Gehen Sie mal in die Küche und schauen in ihren Kühlschrank – wie viele Menschen auf diesem Planeten können sich diesen Luxus leisten? Wurst aus Italien, Joghurt aus Spanien, Wein aus Neuseeland, Bier aus Hawai: alles, was das Herz begehrt, findet sich dort. Findet sich mal etwas nicht: kein Problem! Eine Hand voll unermüdlich hart arbeitender Importeure sorgt rund um die Uhr dafür, dass die fünf wichtigsten Nahversorger mit einem überwältigendem Güterstrom versorgt werden, in dem jeder hart arbeitende Mensch findet, was er sich schon immer zutiefst gewünscht hat.

Gehen Sie mal in Ihr Wohnzimmer. Dort findet sich ein Gerät, das uns allen in der Regierung und der Wirtschaft erlaubt, Zugang zu ihrem Herzen zu finden, ein Gerät, dass Ihnen zeigt, wie findig und unaufhaltsam unsere Fernsehkommissare dem Bösen nachstellen, das unser Paradies zu untergraben trachtet, dort können Sie live dabei sein, wenn die strammsten Jungs der Nation mit ihren Bällen spielen – und wer weiß, vielleicht gewinnt ja dieses Jahr auch mal die Mannschaft, der Sie als Fan nahe stehen. Dort findet sich auch die Tagesschau, das wichtigste Organ unserer Demokratie, wo handverlesene, speziell ausgebildete Reporter und Nachrichtensprecher Sie mit jenen Informationen versorgen, die wir für wirklich wichtig halten.

Und ich kann Ihnen jetzt schon an dieser Stelle versprechen, dass eine Armee von tüchtigen Ingenieuren täglich daran arbeitet, den Fernsehgenuss noch zu erhöhen, ja, wir träumen alle davon, Ihnen eines Tages in ihrem eigenen Heim eine Realität präsentieren zu können, die viel besser ist als jener erste Entwurf, den Sie vor Ihrer Haustür finden.

Alles was Sie noch zu tun haben, ist: Ihre Rechnungen zu bezahlen, zur Wahl zu gehen und daheim das Leben zu genießen.

Ja, auch an dieser Wahl arbeiten wir mit Nachdruck: bald werden Sie nur noch alle fünf Jahre auf die Straße müssen, um unserer Arbeit Ihren Segen zu geben, wir arbeiten auch daran, durch Zusammenlegung der Parteien die Wahl so einfach wie möglich zu machen. Wir wissen, wie lästig das für Sie sein muss, ihr frisch renoviertes Badezimmer, ihren kanadischen Räucherlachs und das Spiel Ihrer Lieblingsmannschaft zu verlassen, um in zugigen Wahlkabinen Parteien wählen zu sollen, von denen Sie in Ihrem Leben noch nie etwas gehört haben – darum werden wir die Wahlperioden in Ihrem Interesse verlängern und Ihnen ermöglichen, Ihren Focus auf jene bewährten Parteien zu richten, die die Geschichte dieses wunberbaren Landes seit seiner Geburt begleiten und die nicht umsonst die beiden erfolgreichsten Parteien im Lande geworden sind.

Wir wissen auch, dass es besser ist, dass Sie ihr Heim nicht verlassen – Sie sollen sich ja nicht umsonst hoch bei Ihrer Bank dafür verschuldet haben. Was erwartet Sie schon dort? Eine ständig sich verändernde Welt, Menschen, die sich nicht an die hehren Regeln unseres produktiven Zusammenlebens halten und Sie und uns für ihr Versagen verantwortlich machen, Unfälle, Unglück, Armut – all dass, was Sie sonst bequem in der Tagesschau sehen können, spielt sich dort live ab – nur nicht so fair wie bei einem Spiel der Bundesliga.

Darum wäre mein Wunsch an Sie: bleiben Sie 2014 einfach mal zu Hause. Leisten Sie Gehorsam gegenüber ihrem Arbeitgeber, der uns selbstlos mit Brot, Wohnraum, Unterhaltung und darüber hinaus noch einigen außerordentlich seltenen Genüssen versorgt, gönnen Sie sich ein paar kleine Aufmerksamkeiten für sich selbst, genießen Sie die Aussicht auf ein vollkommen neues Fernseherlebnis, dass Ihnen auch Düfte, Temperatur und Wind liefern wird, so dass Sie sich letztlich wirklich so fühlen werden, als seien Sie selbst Teil der Inszenierung – selbst ein Kommissar, der die Welt gegen das Böse verteidigt.

2014 werden wir die Autobahnen sicherer machen, wir werden dank der Autobahnmaut dafür sorgen, dass Altfahrzeuge, die von weniger fleißigen und tüchtigen Mitbürgern gesteuert werden, nicht mehr Ihren Weg zum Arbeitsplatz gefährden, wir werden gleichzeitig eine ganz neue Flotte von Automobilen produzieren, so dass jeder von Ihnen erneut viele Wahlmöglichkeiten hat, in welcher Farbe und Form und im Kleide welchen Konzerns er sich der Außenwelt präsentieren möchte, mit welchem Gefährt er seinen persönlichen Erfolg der Umwelt mitteilen möchte: welches Land dieser Welt kann Ihnen das schon bieten?

Zeit, ein wenig Stolz auf das erreichte zu sein, Zeit, sich die Früchte des Vermögens nicht madig machen zu lassen.

Liebe Mitbürgerinnen, liebe Mitbürger:

Lassen Sie mich Ihnen nun abschließend ein wirklich frohes, neues Jahr 2014 wünschen. Möge es ein erfolgreiches Jahr für Deutschland sein, möge jeder von Ihnen kraft seines Vermögens Teil dieses neuen Deutschlands sein, das sich als Diener jener versteht, die zurecht ihren Wohlstand feiern wollen, möge es Ihnen gegönnt sein, dass auch Sie sich als Teil dieses Landes, dieses Erfolgsteams Deutschland fühlen.

Ihre Bundeskanzlerin

(Erstellt von Eifelphilosoph am 30.12.2013, darf gerne wiederverwendet werden. Ich denke, Frau Merkel und die Herren Ackermann, Gabriel und Seehofer werden nichts Anstößiges daran finden).

 

 

 



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