Ausland

Rumänien vor dem Abgrund

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Viele glauben, es geht dort immer mehr bergab, wo der Euro mitspielt. Ein Aberglaube.  Wie siehts denn in Rumänien aus: dort gibts keinen Euro.

Aber es gibt auch keine Zukunft in dem Land. Ein Land, das mit den besten Voraussetzungen gesegnet ist, das Bodenschätze hat, auf den Feldern einen fruchtbaren Boden und eine schöne Landschaft vom Meer bis zu den Bergen für den Tourismus. Was wurde daraus gemacht? Ein Sozialfall für Europa.

Obstplantage
Obstplantage am Rande der Karpaten

 

Vielleicht wissen manche nicht, wie es früher war. „Früher” war in der Zeit des Kommunismus. Mit einer Diktatur, die ziemlich heftig war. Ausreisen zum Zwecke des Urlaubs war fast unmöglich. Allenfalls in die „sozialistischen Bruderstaaten”. Das erste Mal, als ich das Wort „Rumänien” näher registriert habe, hatte ich persönlichen Kontakt mit einem Ungarn aus dem Szeklergebiet. Er war Geographielehrer und schrieb für ein Magazin in Rumänien Reiseberichte. Da er schon mal „im Westen” war und wieder zurückkam, war es das nächste Mal nicht so schwer bei der Ausreisebewilligung. Das war Ende der 60er Jahre.

Aber schwer war das Durchkommen. 15 $ bekam er an Fremdwährung mit, für ca. 3 Monate Auslandsaufenthalt, einheimische Währung durfte nicht ausgeführt werden, – aber mit der fing er sowieso nichts an im Westen. Er hatte ein System, daß er alle paar hundert km jemanden kannte, gewissermaßen als Stützpunkt, wo er übernachten und wieder mit etwas Geld versorgt weiterfahren konnte. Auf diese Art lernten wir uns kennen.

Er erzählte mir, wie es bei ihm zuhause war. Da bekam ich erst mal mit, daß in Rumänien verschiedene Volksgruppen neben den Rumänen leben. Nicht nur die Ungarn, von denen die Szekler eine eigene Gruppe darstellen, auch die Deutschen, die in verschiedenen Gebieten leben. In Siebenbürgen, im Banat, in der Zips im Norden, einige auch in der Moldau, im Nordwesten in der Satmarer Gegend, einige auch in Bukarest. Dazu erfuhr ich auch von den Zigeunern, hauptsächlich Roma. Lauter Dinge, die der gebildete Gymnasiast im Westen nicht erfuhr.

Aber auch vom Lebensstil in Rumänien erzählte er mir. Von der Bespitzelung, von der Angst vor dem eigenen Nachbarn, weil man nie zu sicher sein konnte. Dann erzählte er mir von der Schönheit der Landschaft, von den Bodenschätzen, von den industriellen Vorzeigprodukten, usw.

Copsa-Mica, vor der Revolution, als Dreckschleuder
Copsa-Mica, vor der Revolution

 

Vieles habe ich dadurch erfahren. Natürlich lehnte ich die Unfreiheit ab, weil ich die Freiheit wie die Luft zum Atmen brauche. Aber ich habe auch erfahren, daß alle in diesem Land in Arbeit stünden, jeder bekommt sein Geld und kommt irgendwie damit aus.

Die beste Zeit kam um die Mitte der 70er Jahre. Man konnte fast alles haben, alles kaufen, – mit Ausnahme der letzten Mode aus Paris. Es gab nicht nur genügend zu essen, die Geschäfte waren voll, auch alle Genußmittel gab es (Rauchwaren, Spirituosen, etc.) zur Genüge. Ceaucescu kopierte Hitlers „KdF” und schickte die „Fleißigen” in den Staatsbetrieben ans Schwarze Meer zum Urlaub machen. Was man nicht kaufen konnte, war ein Ticket in den Westen.

Gura Raului - Folklorefest in den Bergen
Gura Raului – Folklorefest in den Bergen

 

Dann begann es, enger zu werden. Ceaucescu wollte die Auslandsschulden begleichen. Die Agrarprodukte wurden in den Westen verkauft, die Bauern wurden gezwungen, von ihren kleinen privaten Tätigkeiten (Schweine oder eine Kuh halten) noch an den Staat zu einem festgelegten Spottpreis abzugeben, usw.  Die Partei war alles. Sie war die Vorgabe, die Orientierung, die Kontrolle, einfach alles. Das Komische dabei war: Im Kommunismus lebten ca. die Hälfte der Menschen als Parteimitglied mehr oder weniger gut auf dem Buckel der anderen Hälfte, wobei von der erstgenannten Hälfte ca. 10 % besser lebten als die Wirtschaftsmagnate im Westen.

Der Staat versäumte es, den jungen Menschen Perspektiven zu bieten, die ja durch die technische Entwicklung auch West-TV und West-Videos sowie West-Musik konsumierten, obwohl es unerwünscht war und argwöhnisch beobachtet wurde. Geld gab es, aber nichts zu kaufen. Alles, was mit Devisen bezahlt werden mußte, wurde minimiert. Klar gab es Pflaumen und Äpfel, aber kaum Bananen und Zitrusfrüchte.

Dann kam ein gravierender Fehler ins System: Man versuchte, die einfachen Bauern von ihrer kleinen privaten Landwirtschaft zu trennen und sie als Industriearbeiter in Wohnungen in Blocks zu verfrachten, die neben den staatlichen Großbetrieben gebaut wurden.  Das bezog sich nicht nur, wie vielmals erzählt wird, auf die deutschen Bauern und Arbeiter, auch auf die rumänischen. An einigen wenigen Stellen begann man bereits, das mit der Planierraupe in die Tat umzusetzen. Allerdings wird da auch viel übertrieben. Das sog. Dorfzerstörungsprogramm mit dem Ziel, agro-industrielle Komplexe zu errichten, existierte zwar, wurde aber nicht mehr umgesetzt. Aber es verfestigte sich als Angstpsychose in den Köpfen.

Das, zusammen mit der nicht vorhandenen Reisemöglichkeit, der Perspektivlosigkeit für die jüngere Generation, bedingte eine Ausreisewelle, die sich der gelernte Schuster Ceaucescu finanziell zunutze machte. Der deutsche Staat „kaufte” die Deutschstämmigen für ca. 8.000 DM pro Person  ab. Dazu kam die Fluchttendenz vieler Jüngerer, die nicht auf dem Antragswege über das Freikaufen ausreisen wollten, sondern keine Geduld mehr hatten, darauf zu warten.

Diese beiden Fehler, das Vorenthalten eines Reisepasses und die Absicht der Eliminierung der familiären Landwirtschaft, das waren die Kardinalfehler des Diktators. Die brachen ihm schließlich das Genick. Wobei dazu auch der Westen mitgeholfen hat. Die sog. „rumänische Revolution” wurden von den Amis eingefädelt, – es gibt klare Filmberichte darüber, – das französische Fernsehen hat als erstes darüber berichtet.

Rau Sadului - Tradition der Burschen am 24. Dezember
Rau Sadului – Tradition der Burschen am 24. Dezember

 

Dann mußte man ein Schwein schlachten, damit sich der aufgestaute Volkszorn irgendwo entladen kann. Da fiel die Wahl auf das Ehepaar Ceaucescu, – zumal diese Leute in Moskau ohnehin nicht besonders angesehen waren. Der Diktator hielt es für angebracht, eher mit den Chinesen zu paktieren als mit den Russen. Sein politischer Vorgänger, Gheorghiu-Dej, bezahlte das später mit seinem Leben. Der erste Präsident nach der sog. Revolution, Iliescu, war ja bereits als Zögling Moskaus in der Abwartestellung. Natürlich könnte man dazu noch viel mehr erzählen, aber heute sind aufgrund des wirtschaftlichen Desasters viele der Meinung, daß man damals das „falsche Schwein“ geschlachtet hatte.

Man erinnert sich an den Ausspruch von Nicu Ceaucescu, den Sohn des Diktators, der genauso  in die Schußlinie kam. Klar war er einer der skrupellosen Nutznießer des damaligen Systems, – aber er sagte: „Ihr werdet einmal nicht mehr die Farbe erneuern können an den Gebäuden, die mein Vater erbaut hat“.  Er sollte recht behalten.

Als die sog. Revolution kam, war Rumänien schuldenfrei, was die Verbindlichkeiten an Drittstaaten betrifft. Alle standen in Arbeit, die Fabriken funktionierten, und rumänische Produkte hatten einen gewissen Qualitätsruf in der Welt. Sicher war nicht alles Gold, was glänzte, – z.B. begann seit längerem in Klein-Kopisch (Copsa Mica) das Umweltdesaster, weil das Regime nicht bereit war, die notwendigen teuren Filter für das Chemiewerk zu erneuern. Welche Beeinträchtigungen das für die Bevölkerung im Umkreis von ca. 50 km mit sich brachte, wissen die, die es erlebt haben.

Dann begann die „neue Zeit“. Rechtsfrei, voller Unsicherheit, voller Hoffnung, voller Unternehmungsgeist. Diejenigen, die damals am Ball waren, sei es Grundstücke, Häuser, etc. haben sich gesund gestoßen. Der Hoffnungs- und Vertrauensvorschuß an die jeweiligen Regierungen war ungemein. Das machten sich die Repräsentanten des Volkes zunutze. Sie füllten ihre Hosentaschen. Natürlich auch mit Immobilien. Irrsinnige Summen wanderten auf Schweizer Konten, etc. Ganze Industriezweige wurden verkauft, verhurt, ausgeplündert. Die Leidtragenden waren die Menschen, die bis dato dort ihren Arbeitsplatz und ihr Auskommen hatten.

Danach ging es immer mehr bergab. Aber es gab einen Faktor, der die Realität ad absurdum stellte: Die Investitionsbereitschaft des Westens.  Man bewertete die niedrigen Löhne in Verbindung mit den niedrigen Grundstückspreisen (alles im Vergleich zum Westen) als guten Investitionsstandort und baute Niederlassungen sowie Produktionsstandorte auf. 7 und 8 und 9 %, und noch mehr,  so stellte man das Wirtschaftswachstum dar. Es wurde auf Teufel komm raus gebaut, die Banken kreditierten alles,  jeder war davon überzeugt, daß im „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ alles geht, man müsse nur wissen, wie,  und Ideen haben.

Das funktionierte bis zum Herbst 2008, als man das erste Mal von den Lehmann-Brothers hörte.

Dann begann es, zu stocken. Nicht nur das, es begann, sich abwärts zu bewegen. Die ausländischen Investoren zögerten anfangs , danach haben sie sich überwiegend abgewandt. Das Geld fehlt logischerweise. Bukarest war 2008 eine einzige Baustelle, alles wurde erneuert. Gebäude, Straßen, Infrastruktur, etc. Heute sieht man nicht einmal mehr ein Viertel von der Bautätigkeit, die damals war.

Der Kreis Hermannstadt, mit ca. 5.000 km² Fläche und ca. 450.000 Einwohnern,  da gabs 2008 ca. 100 und mehr Baustellen, wo in Produktionsstandorte von privater Seite investiert wurde. Heute vielleicht noch ein oder zwei.

Dafür blüht die Korruption. So stark, daß die Antikorruptionsbehörde gar kein Problem damit hat, täglich neue Fälle in eklatanter Form aufzudecken. Egal, ob Regierungsmitglieder, Staatsfirmen wie z.B. die Gasfirmen oder andere, Baufirmen aus Deutschland, die bei EU-Projekten beteiligt sind, – alle naschen kräftig am Kuchen. Das Risiko, erwischt zu werden, ist gering. Weils einfach zu viele sind.

Ein paar Beispiele: In Finnland kostet ein Kilometer Straßenreinigung  für eine Wintersaison nach meinen Informationen ca. 1.100 €. Und die haben richtig Schnee dort, und die Straßen sind geräumt und gestreut. In Rumänien kostet derselbe Kilometer ca. 6.000 €, und die Straßen sind nur schlecht geräumt und mangelhaft gestreut.

Vor zwei Jahren verglich man BUL und RO mit dem Autobahnbau. BUL erhielt fast dieselbe Summe von der EU zu diesem Zweck. BUL baute ca. 400 km Autobahn, RO ca 43 km. In der selben Zeitspanne. Man könnte beliebig fortfahren. Unsummen von EU-Geldern werden in Infrastrukturmaßnahmen gepumpt.  Oftmals völlig unnütz. Hier bereichern sich so manche, die an der Quelle sind, andere bekommen dadurch Aufträge. Aber keiner ist da, der die fachliche Qualität überprüft. Das wäre – nach EU-Auskunft- laut bilateralen Vereinbarungen Sache des betreffenden Staates. Baumaßnahmen (Wasserleitungen, Kanalleitungen, etc.) die im Westen drei bis fünf Generationen lange ihren Dienst tun, sind oftmals schon im darauffolgenden Jahr reparaturbedürftig, weil unvorstellbarer fachlicher Unsinn produziert wird.

Wenn man vom Fach ist, dann tut das richtig weh, sowas zu sehen. Man erinnert sich an den drittletzten Ausspruch von unserm Herrgott am Kreuz, als er sagte, – „Vater, verzeih ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun….“  Wenige beruhigende Beispiele gibt es, wo es doch noch so funktioniert, wie es eigentlich sein sollte.  Grade im Kreis Hermannstadt werden Straßen verbreitert und konsolidiert, wo man wirklich Facharbeit registriert. Aber das sind keine rumänische Firmen, da sind z.B. Österreicher am Werk.

Woran liegts? An vielem. Auch daran, daß keine fachliche Ausbildung mehr existiert in Rumänien. Die Deutschen und die Österreicher gehen dran, in Eigeninitiative, duales Ausbildungssystem zu vermitteln. Den Staat interessiert das nicht. Der macht höchstens Schwierigkeiten bei der Aprobation. Universitäten und Ingenieurschulen gibt es in Rumänien. Aber keine Facharbeiter. Keine Berufsschulen. Soziale Einrichtungen bieten berufliche Unterweisungen an, die sich auf ca. 6 Monate beschränken. Dann bekommt man sowas wie ein Facharbeiterzertifikat. Und die Betroffenen glauben noch daran, wissen nicht, daß sie sich das ins Klo hängen können. Wie will man denn nach 6 Monaten Unterweisung ein Facharbeiter sein.

Die Ernüchterung kommt dann, wenn sie z.B. nach D gehen, um dort in dem entsprechenden Beruf zu arbeiten.  Nach kurzer Zeit landen sie allenfalls beim Bauern und bei der Spargelernte. Genauso wie der arbeitslose Akademiker. Aber auch damit ist jemanden geholfen.

Katastrophal ist es im Gesundheitswesen. Das liegt am Boden. Die Grundversorgung wird noch gewährleistet, aber auch da hakts. Kommt man ins Krankenhaus, dann ist man gut beraten, jemanden in der Familie zu haben, der einem ein anständiges Essen ans Krankenbett bringt. Theoretisch funktioniert alles. Praktisch aber muß man bei jedem Arzt, der etwas drauf hat, finanziell „nachhelfen“, weil sonst nichts geht.

Es gibt bereits Gegenrechungen. Z.B. ein künstliches Hüftgelenk. Mit Voruntersuchung, Anmeldung zur OP, Bezahlung für ein westliches Qualitätsgelenk, „finanzielle Zuwendung“ für Chefarzt, Narkosearzt, Chirurg, Stationsschwester, etc. sowie halbwegs vernünftige Ernährung im Krankenhaus sowie Minimalmaßnahmen wie TV oder sowas, – es kommt summenmäßig aufs selbe raus wie eine OP in einer der vielen Privatkliniken, die westlichem Standard anbieten und danach arbeiten, ohne, daß man da „nachhelfen“ muß.

Kreiskrankenhaus Hermannstadt
Toilette in der Chrirurgie im Kreiskrankenhaus Hermannstadt

 

Man muß sagen, daß gerade medizinische Behandlungen in RO für den Westler tragbar sind. Eine Magnetresonanz  z.B. für den Kopf ca. 100 €. Die Dritten (Zähne)  komplett ca. 300 – 400 €. Alles westlicher Standard. Das Problem: Der Einheimische hat bei 200 – 300 € Monatseinkommen verdammte Probleme damit, sich das erlauben zu können.

Dazu kommt noch was ganz anderes: Die Leute sind sowas von unbedarft, was ein minimales Wissen um Gesundheit und Ernährung betrifft, daß es unsereiner kaum glaubt. Sie haben keine Ahnung davon, daß man z.B. beim Braten eines Fleischstücks mit Sonnenblumenöl (das billigste Öl in RO) bereits nach der ersten Mahlzeit braune Ränder in der Pfanne vorfindet, weil eben bei diesem Öl die Molekularketten schon bei 180° platzen. Der weitere Effekt bewirkt dann die Erkrankungen im Magen, Dünndarm, Zwölffingerdarm, Bauchspeicheldrüse, etc.  Aber das ist nur ein Beispiel. Diese Unsinnigkeiten, über die man bei uns nur den Kopf schütteln würde, sind großteils schuld daran, daß RO das Land mit den prozentual meisten Diabetikern ist, hier gibt es andauernd Schlaganfälle, etc. etc.

Ein guter Bekannter, ein praktischer Arzt, hat mir mal im Vertrauen erzählt: Wenn die Leute in RO die minimalsten Grundregeln einer vernünftigen Ernährung berücksichtigen würden, dann hätte er nur mehr ein Drittel der Patienten, die er jetzt habe. Aber von den anderen beiden Dritteln lebe er ganz gut….

Öl -  Hauptnahrungsmittel für alles.  1 € = ca. 4,5 Lei
Hauptnahrungsmittel: Speiseöl

 

Ich habe mal in einer Euphorie probiert, Unterstützung für ein Lehrprogramm für die Schulstunden in der Vorabitursklasse zu bekommen. Unterweisung in Gesundheits- und Ernährungslehre. Die Schulen wären einverstanden gewesen. Umsonst. Von Wien bis Flensburg habe ich die Hochschulen und Unis angeschrieben, – ohne Reaktion. Ein Insider erklärte mir dann das Phänomen: Jede Uni im Bereich Medizin oder Ernährung ist von privaten Firmen (Konzernen) gesponsert. Hauptsächlich aus der Pharmaindustrie. Ohne dem könnten die nicht überleben. Und die werden den Teufel tun, sich ihre Sponsoren zu verprellen, die ja auf die „Kunden von morgen“ in den neuen EU-Ländern setzen.

So wie in allen Bereichen, wo es klemmt, ist es niemals ein Problem allein, sondern immer eine Mischung von Problemen. So auch in RO. Es geht um die nicht vorhandene Information bei der Gesundheitserhaltung, dazu kommt die Korruption. Man fühlt, daß es da und dort zwickt, und dann geht man zur Kommission und versucht, den Status des Frührentners (oder krankheitsbedingte Rente) zu bekommen. Auch das geht. In RO sind soviele Leute in Frührente, die eigentlich noch arbeiten könnten, daß es nicht mehr feierlich ist.

Dazu kommen die absoluten Nichtarbeiter, z.B. die Roma, die ja dem Staat zum überwiegenden Teil auf der Tasche liegen. Nicht nur Kindergeld, auch Sozialhilfe, Lernmittelzuschuß, etc. etc.

Wenn diese Gruppe jetzt den Drang hat, in Richtung Westen sich zu verändern, dann hat niemand was dagegen. Man spart durch jeden, der weggeht, bares Geld.

Wenn man jetzt alles zusammenzählt, dann kann man sich vorstellen, daß der Staat hohe Ausgaben hat, aber es kommt kaum was rein. Klar gibts auch Betriebe in RO, grade unter ausländischer Führung, die ihre Position gefestigt haben und z.B. Zulieferer in der Autoindustrie sind. Die haben ihre festen Verträge mit dem Ausland, und das klappt dann, wenn man eisern die Spielregeln beachtet. Aber etwas auf dem inländischen Markt aufzubauen, da gibts viel zu viele Risikofaktoren. Heute ist es z.B. auf dem Bausektor so, daß man ohne zu schmieren an gar keine nennenswerten Aufträge mehr rankommt.

Das , was früher was gegolten hat, die Landwirtschaft, das darbt vor sich hin. Diejenigen, die sich behaupten, sind in der Agrarindustrie zu suchen. Das fängt bei so um die 100 ha an. Die häusliche resp. familiäre Landwirtschaft geht zugrunde. Zwar gibt die EU noch einiges dazu, – aber trotzdem sind die Preise für die Produkte, die der Bauer bekommt, so in den Keller gegangen, daß davon niemand mehr – im Kleinen – leben kann. Die Bewässerungseinrichtungen aus der Ceaucescu-Zeit auf den großen flachen Feldern in der Oltenia hat man verfallen lassen. Dadurch ist der Mais nur mehr halb so hoch, der sonst 2 m hoch wäre.

Wie siehts dann bei der Regierung aus? Man erinnert sich noch an die Geplänkel zwischen der roten (Ponta) Regierung und dem Staatspräsidenten Basescu, der ja der neoliberalen Partei angehört.  Letztere haben in der Vergangenheit einen Haufen Mist produziert, einschl. extremer Auswüchse an Korruption. Das hat ja bewirkt, daß viele sich von dieser Partei abgewandt haben.  Basescu hats verstanden, – was ohnehin einzigartig in der Politik ist – daß er sich trotz eines Minderheitenvotums noch an der Macht festklammert.

Was ihm jetzt hilft, ist die Tatsache, daß die Nachfolger (Ponta) im Gegensatz zum Mist der Vorgänger fast gar nicht produzieren. Das heißt, einfacher ausgedrückt: Die davor haben Mist gebaut, die jetzt machen aber gar nichts.  Ein paar Sachen haben sie vereinfacht, so die Mehrwertsteuerabführung an den Fiskus, auch die Pauschalbesteuerung für die Kleinstbetriebe, – aber das wars dann auch schon.  Dafür hört man wieder alles mögliche darüber, wie sich manche aus dieser neuen Regierung die Taschen vollstopfen. Das alles zusammen erklärt den Nihilismus, die Politikverdrossenheit der Bürger, die extremer ist als in D.

So mancher glaubt das Heil in einem neuen König zu finden und ruft nach der Monarchie. Fest steht, daß es in RO nur dann aufwärts gegangen ist, wenn es einen gegeben hat, der gesagt und bestimmt  hat, was Sache ist. Die Rumänen sind nicht geboren für die Demokratie. Aber auch die Nachkommen des legendären Königs sind ja in schlechten fachlichen Qualitätseigenschaften. Zumindest was die Kenntnisse zur Staatsführung betrifft.

Mittlerweile ist der Staat pleite. Man hofft und setzt auf die Gelder vom IWF. Niemanden interessiert es bei der Führung, welche Bedingungen damit verbunden sind. Diejenigen, die „oben“ sind, haben ja ihr (verdammt) gutes Auskommen. Was das Volk darunter zu spüren bekommt, das ist Nebensache. Man hat bereits angekündigt, daß sich die bestehenden Steuern in den meisten Bereichen im kommenden Jahr drastisch erhöhen werden, auch werden neue Steuern kommen, wo vorher noch keine waren.  Man kann über den Orban im Nachbarland verschiedener Meinung sein, – Fakt ist aber, daß er die Renten erhöht und die Energiekosten gesenkt hat. Er hat allerdings den Herrschaften von der IWF die Türe gezeigt.

Supermarkt heute
Supermarkt: Aktionspreis für 250g Kaffee: 2.– Euro

 

Derzeit ist in RO folgendes aktuell:

Die meisten wissen nicht, wie sie dieses Jahr über den Winter kommen sollen. Die Energiekosten steigen ins Maßlose, EON hat da auch einen gehörigen Anteil daran. Die Lebensmittel sind – wenn man im Supermarkt vergleicht- ungefähr so teuer wie in D, wenn nicht teurer, – aber das Grundeinkommen liegt bei ca. 200 € pro Monat. Für einen Liter Sprit muß der Durchschnittsverdiener 1 Stunde lang arbeiten. Das Schulsystem geht immer mehr qualitativ nach unten – nach europäischem Vorbild. Man betreibt Studienexzesse im Detail, aber Überblick quer durch die Themen – Fehlanzeige.

Keiner hat mehr Mut, sich z.B. für ein Eigenheim zu verschulden, – niemand weiß, wie lange sein Arbeitsplatz noch sicher ist. Die Rentner sind überhaupt Überlebenskünstler, – manche leben von monatlich unter 100 €. In vielen Familien, wo Fleiß und Strebsamkeit noch einen Stellenwert haben, ist mindestens einer, der ständig im Westen arbeitet, damit man die Familie über die Runden bringt. Die Kehrseite: Man wünscht den Kindern übers Telefon alles Gute zum Geburtstag und  läßt sich von der Ehefrau erzählen, wie die Kinder groß werden….

Diese Zustände in RO können eigentlich nur aus einem Grund so erklärt werden, wie sie sind. Der Rumäne ist nicht der Typ, der sein Heft in die Hand nimmt und sagt, – bis hierher und nicht weiter. Er wird immer derjenige sein, der die Knute zu spüren bekommt. Und mit der Knute ist er gewöhnt, zu leben.

Wenn jetzt die Regierung, weil sie nicht mehr weiter weiß, alle nur möglichen Steuern in unvorstellbarem Maße erhöhen will, dann ereifern sich zwar die Leute drüber, aber keiner macht was konkret. Jeder baut darauf, daß es schon irgendwie gehen wird. Wenn etwas überhaupt das Land nach vorne bringen würde, dann wäre es z.B. eine Verwaltungsautonomie für jede der fünf Hauptregionen, z.B. für das Ardeal. Aber dafür müßte man aufstehen und kämpfen. Der Rumäne ist nicht der Typ dafür, der Ungar sieht sein Heil in der Lethargie oder in seinem Nationalitätenanspruch, und der Deutsche ist zahlenmäßig zu schwach, um hier was zu bewirken.

Das Land steht am Abgrund, – aber nur wenige begreifen es. Ich erinnere mich an einen Witz, den mir ein Rumäne erzählt hat:

 Als der Herrgott die guten Gaben an jedes Land verteilt hat, z.B. Fruchtbarkeit, Landschaftsschönheit, Bodenschätze, etc.  etc., da flog er mit seinen Engeln und einem großen Sack über den Horizont. Über jedem Land streute er was aus diesem Sack, – über Deutschland, über Ungarn, über der Ukraine, usw.  Grade, als er über Rumänien geflogen war, platzte der Sack an einem Zipfel auf und es fiel viel mehr heraus, als eigentlich geplant war.

Die Engel sahen das und meinten: Wir wollen ja nicht kritisieren, aber ist das gerecht, daß gerade über Rumänien so viel herausgefallen ist, – vergleichen wir mal mit Griechenland, der Türkei, usw.

Der Herrgott dachte nach und sagte: Ihr habt ja recht, – ich hab aber auch keine Lust, jetzt nach unten zu gehen und das, was zuviel ist, wieder aufzusammeln.  Ich hab eine andere Idee. Ich setz dort unten ein Volk hin, das dumm, faul und korrupt ist, und dann gleicht sich das wieder aus….

 

Copsa-Mica heute, so wie viele andere Fabriken

Copsa-Mica heute, so wie viele andere Fabriken

 

Nun, das ist eigentlich ein Witz. Ich als jemand, der seit 87 mit diesem Land verbunden ist, weiß, wo der berühmte Kern der Wahrheit drinsteckt….

Und wenn wir schon beim Witze erzählen sind, dan muß man noch eine Karikatur anfügen, die derzeit im Net rumschwirrt:

Da wird der ehemalige Führer Ceaucescu gezeigt, der dann sagt: Nun, mich habt ihr mit dem Tode bestraft. Dafür, daß ich euch ohne Schulden gelassen habe,  mit Fabriken, die in Ordnung waren und produziert haben, mit Vollbeschäftigung,  und jeder hatte eine bezahlbare Wohnung.

Nun habt ihr über 50 Milliarden € Schulden im Verlaufe von  nicht einmal einer Generation, die Fabriken stehen still  oder sind nur mehr Schrott, die meisten haben keinen Arbeitsplatz und viele wissen nicht mehr, wo sie bezahlbar wohnen sollen. Sagt mir, was meint ihr, wie sollte man dann diejenigen bestrafen, die jetzt am Ruder sind????

Ein weiterer Gastbeitrag vom Karpatengeist. Vielen Dank!

 



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