Wirtschaft

Regionales muss nicht teurer sein – auch wenn es mehr kostet

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Viele Menschen haben die Tendenz in die Shopping-Center, die sich in den Speckgürteln der nahegelegenen Großstädte angesiedelt haben, zu fahren, um dort einzukaufen. Nicht nur, dass man alles bequem an einem Platz beschaffen kann, in vielen Fällen findet man dort auch die „Geiz-ist-geil“ und sonstigen Billigheimer-Läden, so dass man davon ausgeht, auch Geld zu sparen.

Die Folgen sind offensichtlich: die kleinen Läden verschwinden, die Konzernketten – die wir ja alle so gerne mögen – gewinnen noch und noch Marktanteile. Das heißt in Konsequenz? Wir werden noch abhängiger von diesen Konzernen. Dabei sind die vordergründig teuren Läden häufig nicht wirklich viel teurer. Im Gegenteil.

Drei Erlebnisse hatte ich in der letzten Zeit, die mir mal wieder sehr deutlich gemacht haben, wie sehr ich meine regionalen Läden schätzen sollte. Drei ganz normale Geschäfte eigentlich: unser Lagerhaus, unser Spar und das Elektrogeschäft in der nächsten Gemeinde.

Fange ich mal hinten an.

Wenn ich irgendwas Elektrisches benötige, verzichte ich auf 20 oder 30 Euro Preisvorteil von Saturn/Mediamarkt und Co. Denn eines bieten die mir nicht: Service. Der Elektroladen ist leider etwas teurer, aber das hat sich heuer gleich mehrfach ausgezahlt. Der Erwerb meiner Kaffeemaschine endete in einem „Montags“-Gerät, sprich, das Schätzchen schwächelte noch während der Garantiezeit. Kein Thema, dass ich ein Leihgerät bekam – und gleich noch ausreichend Kapseln, um die trübe Zeit bis zum Ende der Herstellerüberprüfung zu überleben :-). Der nächste Fall war meine Waschmaschine – selbstverständlich achtete der Chef drauf, dass er meinen Reparaturbedarf mit dem eines anderen Kunden in meinem Dorf kombinierte – was mir deutliche Einsparungen bei der Fahrtkostenpauschale einbrachte – ich zahlte nur ein knappes Drittel des sonst üblichen Preises. Und letzte Woche wurde mein Staubsauger recht kraftlos. Filtertausch und einfache Rohrreinigung genügten nicht, er musste zum „Onkel Elektromeister“. Nach 20 Minuten war das Problem behoben. Kosten? Null Euro.

Der Spar bei uns im Dorf ist leider Teil eines Lebensmittelkonzerns. Aber gerade die kleinen Spar-Geschäfte auf dem Land bieten noch wirklich persönliche Betreuung. Wenn ich größere Mengen einkaufe, z.B. erst kürzlich 4 Paletten Katzenfutter, das gerade im Angebot ist, hebt mir eine der Verkäuferinnen das ganze Zeug ins Auto, weil meine Wirbelsäule nicht wirklich top ist. Vor einigen Tagen habe ich darüber nachgedacht, beim Hofer (dem österreichische Aldi) Mehl einzukaufen. Es ist etwas billiger als beim Spar und mein Vorrat war schon ziemlich leer. Da kaufe ich dann immer gleich größere Mengen ein. Aber dann dachte ich „Sch..ß drauf. Bei 10kg spare ich 1.00 Euro. Leisten kannst du es dir, also was solls“ – sprach’s und fuhr zum örtlichen Laden. Meinem Wunsch nach Weizenmehl konnten sie entsprechen, Roggenmehl war gerade wieder mal aus. Aber dann meinte die Chefin, sie hätte noch 3kg, die wären eh vor kurzem abgelaufen. Die würde sie mir schenken. Also bekam ich Mehl im Wert von 1.80 geschenkt, als 0,80 Euro Ersparnis statt 1 Euro Mehrkosten. So kann es gehen!

Und last but not least das Lagerhaus, Teil des Raiffeisenkonsortiums, einer früher sinnvollen Genossenschaft, heute ein ebenso mieser Konzern wie alle anderen. Aber auch hier: die Menschen vor Ort machen den Unterschied. Und nur durch unsere Einkäufe dort werden deren Arbeitsplätze gesichert. Speziell bei Baumaterial liegen die Preise doch immer wieder über denen von Bauhaus oder Obi. Warum es sich trotzdem für mich lohnt? Fredi aus dem Lagerhaus bringt mir die Sachen immer direkt nach Hause (ohne Kosten) und trägt sie mir dorthin, wo sie hin müssen. Wenn ich mich nicht mit mir einigen kann, ob ich 10 oder 15 Schalsteine brauche … nehme ich 15 – was übrig ist, holt Fredi wieder ab. Und erst dann kriege ich eine Rechnung. Die Jungs beraten mich und sorgen dafür, dass es eine vernünftige – d.h. preisgünstige – Lösung wird. Und den neuen Rasenmäher haben sie mir nicht nur geliefert, sondern auch gleich zusammengebaut. (Heuer war das Jahr der kaputten Elektrogeräte)

Auf den Punkt gebracht: mit unserem Einkaufsverhalten haben wir Einfluss auf das was passiert. Wenn jeder immer nur den kleinsten Preis zahlen will, gibt es immer weniger kleine Geschäfte, gehen lokale Arbeitsplätze verloren – verlieren wir alle etwas.

Darum mein Plädoyer an alle, denen es finanziell irgendwie möglich ist: stärken wir die regionalen Anbieter – nicht immer ist das Billigste auch wirklich das Kostengünstigste!

Und wieder ein Text von unserem alten-Weib (ja, bekannt aus den Kommentaren). Bitte weiter so.



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