Politik

Dokumente deutscher Dämlichkeit: Hetzjagd auf Arbeitslose aktuell – Lumpenproletariat im Einsatz

Von hier aus gelangen Sie auf die Autorenseite von und koennen alle kommenen Artikel mit "Link speichern unter" abonieren.

Samstag, 10.8.2013. Eifel. Ich bin ja nun schon seit einigen Monaten bei Facebook. Ich gebe zu: ich mochte es nicht. Bin auch jetzt noch kein großer Freund davon – habe aber dort nette Leute kennen gelernt. Im deutschen  Zombieland ist man ja froh über jede Seele, die noch einen Ausdruck von Lebendigkeit, Menschlichkeit und sozialer gemeinschaftsfreundlicher Gesinnung besitzt. Menschen die innerlich schon tot sind aber trotzdem noch über die Düsseldorfer Kö wanken, haben wir genug. Manche versuchen sich auch, eine politische Meinung zu bilden – so wie diese hier, gefunden bei Facebook:

Sabine Ulrich

Ohne Worte……aber leider traurige Wahrheit.
Natalie Kemeter
Vor ein paar Minuten im TV: 2 Hartz 4 Empfänger Heiraten und ziehen logischerweise in einer gemeinsamen Wohnung. Der eine Partner davon hat schon ein Kind.

Natalie Kemeter – offenbar schwer beschäftigt – hat Zeit sich wirklich jeden Unfug unkritisch im Fernsehen anzuschauen und umgehend einen gedankenlosen Kommentar dazu abzulassen. Arbeitslose können das nicht, die suchen nach Jobs.

So jetzt kommts:

Sie beziehen beide noch Hartz 4…..jeweils ca 350 EURO entspricht 700 € + 180 € Kindergeld + 300 Mutteschaftsgeld. Der Mann will nur ein Minijob ausüben und bekommt im Monat 150 €. Das sind ingesamt Netto am Monatsende 1330 €. Miete , Nebenkosten usw übernehmen ja wir Bürger die sich den Arsch aufreisen und Arbeiten gehn.

Das Verb arbeiten wird hier klein geschrieben – aber die Frau kann nicht nur nicht rechnen, sie kann auch nicht schreiben. „Ingesamt“  sollte wohl insgesamt heißen. Das richtige Wort für „gehn“ in der deutschen Sprache heißt „gehen“ und der Mann will natürlich „einen“ Minijob ausüben.

Kindergeld und Mutterschaftsgeld sind Einkommen und werden (soweit ich mich in einschlägigen Foren informieren konnte) angerechnet, d.h. die beiden Eltern haben 700 Euro plus Regelsatz des Kindes, der deutlich unter 430 Euro liegt. Von den 150 Euro darf der Mann 100 Euro behalten. Die kommen so also nicht auf 1330 Euro, sondern nur auf 800 – plus den Regelsatz für ein Kleinkind, das sind 224 Euro. Nun rechnet unsere Legasthenikerin weiter:

So: Arbeitslohn von einem Verheirateten Mann mit Kind in Stuttgart…Mutter Hausfrau. 

„Verheiratet“ ist hier ein Adjektiv und wird klein geschrieben – nur mal nebenbei bemerkt. Hausfrau ist in Deutschland schon lange keine Arbeit mehr – wie die Familie schnell merken würde, wenn der Verdienst des Mannes weiter sinkt und das Jobcenter anfängt, durchzuregieren.

Nettolohn: 1900 €
Kindergeld 180 €
Insgesamt Netto 2080 €
Jetzt ziehen wir ab:
Miete: 700 €
Nebenkosten : 300 €
KFZ Kosten weil der Mann ja zur Arbeit fährt c.a 300€ durch Spritkosten, Verschleiß usw.
Bleiben unterm Strich 780 €..davon muss die Familie leben und natürlich eventuelle Vereine wie zb..schwimmen, turnen usw finanzieren…..Hartz 4 Empfänger bekommen dies natürlich von den Steuerzahler finanziert….das heisst, auch von dieser Familie die am Monatsende 600 € weniger am Monatsende hat trotz Arbeit im gegensatz zu den Hartz 4 Empfänger.

Zum Beispiel wird z.B. abgekürzt, weil das Beispiel groß geschrieben wird. Heißt schreibt man mit ß, allerdings wird Gegensatz groß geschrieben. Der Sozialhilfeempfänger mit Kind braucht ebenfalls ein Auto – für Kind und Minijob. Also ziehen wir dem auch mal 300 Euro ab. Bleiben also 724 Euro gegenüber 780 Euro. Diese Familie hat also … mehr. Arbeit lohnt sich noch – und die Frau kann ohne Job einfach so zu Hause bleiben.

Jetzt zu euch Liebe Arbeitskollegen die Morgens um 2.30 Uhr in der Früh zur Arbeit Fahren um die Familie zu ernähren, aber natürlich auch alle andere Beschäftigte, die total gestresst sind, Schlafstörungen haben, Essstörungen usw , trotzdem arbeiten gehen Steuern zahlen, die Kinder kaum aufwachsen sehn und eventuell die Rente nicht erreichen oder erkrankt erreichen.

Liebe ist hier ein Adjektiv und wird klein geschrieben, fahren ist ein Verb und wird klein geschrieben, es sind „alle anderen“ Beschäftigten und aus „sehn“ machen wir lieber „sehen“. Für die miserablen Arbeitsbedingungen ist zudem kein Arbeitsloser verantwortlich.

Was haltet ihr davon…postet das weiter, so dass das alle sehn…..
Einfach unter aller Sau…echt traurig

Ja, in der Tat. Unter aller Sau und traurig: das deutsche Bildungsproletariat rechnet sich die Welt schön anstatt Deutsch zu lernen. Ja, ich weiß: Rechtschreibfehler suchen ist gemein. Mache ich auch sonst nicht, weil ich selbst genug Flüchtigkeitsfehler mache – nur diese Frau hat ein großes Problem mit der Groß- und Kleinschreibung … und das ist wohl auch der Grund, warum sie so wenig verdient. Sichere Beherrschung der deutschen Sprache ist in allen Jobs Voraussetzung, wo viel Geld fließt. Ob man sich mit lumpigen 1900 Netto unbedingt ein Auto und eine superteure Wohnung leisten muss, ist jedem selbst überlassen, wohnt man billiger und fährt mit der Bahn, dann hat man auch mehr Geld.

Natürlich könnte unser Stuttgarter Vater auch einfach mal mehr verdienen. Warum soll der Arbeitslose jetzt dafür herhalten, dass dieser Vater mit seinen Luxusansprüchen seine Arbeitskraft auf dem Markt nicht besser verkaufen kann? Oder dass ein Mitglied der Bedarfsgemeinschaft (die „Hausfrau“) kein Einkommen erzielt, dass die Finanzlage der Gemeinschaft aufbessert? Ist „Hausfrau“ ein ordentlicher Job, dann gilt das auch für die „Schmarotzer“: die Arbeitsleistung einer Mutter in einer Bedarfsgemeinschaft ist mindestens ebenso groß wie die einer Mutter in einer „Beschäftigtenfamilie“.

So sieht das unser „fleißiger“ Staatsbürger leider nie, er ist mit seiner Minderleistung immer perfekt – und damit das so bleibt, muss die Sozialhilfe weg. Er könnte sich ja nicht mehr als der unangefochtene König der Straße fühlen, wenn alle wüssten, dass er für seine Plackerei nur 56 Euro mehr als der Sozialhilfeempfänger bekommt.

Dieses üble Posting wurde knapp 100 000 Mal geteilt – das geht nur in Zombieland. Aber es kommt noch besser: unser Freund „Grilleau de Marigny“ hat einige Kommentare zu dem Posting gesammelt – Worte aus der deutschen Unterschicht:

Benjamin W: So ist das leider in Deutschland, als Arbeiter wirst du eh von vorne bis hinten verarscht und die Hartz4 Assies bekommen alles in ihren Ärschen geschoben–> kotz würg usw.

Nun – da hat das Fernsehen ja vollen Erfolg mit seiner Propaganda gehabt. Wer aber ist Schuld an der Verarschungssituation? Nun – der, der es tut … und der, der es sich gefallen lässt. Seltsam – an die denkt Benjamin gar nicht.

Kai S: Daran krankt unser Land!!! Und eine PS3 haben die auch alle, irgendwie müssen die ja den Tag rumkriegen während wir für die arbeiten!!!!!! Das stinkt doch zum Himmel……..

In der Tat brauchen „die“ eine PS3. Die müssen jede Sekunde erreichbar sein und dürfen den Wohnort nicht verlassen. Wenn man nun nicht nur die Rauhfasertapete anstarren möchte oder sich hemmungslos „DummTV“ ausliefern will, muss man sich schon mal was einfallen lassen. Videospiele werden auch im Rahmen der Traumatherapie empfohlen um einen „sicheren Raum für die verletzte Seele“  zu schaffen – ich denke, man kann davon ausgehen, dass Arbeitslose angesichts dieser Hetzpropaganda extrem verletzlich sind und sich nicht mehr auf die Straße trauen.

Michaela W: So ist unser Staat…nichts gegen 1950…da gab es noch Regelung….und Strafe an die Faulen….

Was diese Frau mit „1950“ meint, ist mir nicht klar. Offensichtlich lebt sie in einem Paralleluniversum, in dem die Aktion „Arbeitsscheu Reich“ weiter fortlebte. Dem Gedanken, dass „Faulheit“ (was immer das nun sein soll) „bestraft“ werden müsse, hatten viele Deutsche damals Bombenteppiche, Feuerstürme und völlig zerstörte Innenstädte zu verdanken: die Gemeinschaft der Demokraten hatte diesen Ungeist mit Feuer und Schwert ausgerottet.

Antje Z: Super da fragt man sich doch warum man so blöd ist u arbeitet. ..

Die Antwort ist einfach: weil die Rechnung falsch ist und jeder alles Mögliche an Erniedrigung und Hungerlohn akzeptiert, um bloß nicht in Hartz IV zu landen.

Wil MA: Armes Deutschland. .. solche Leute sollen sich echt in Grund und Boden schämen

Ja – in Grund und Boden sollten sich hier wirklich viele schämen – aber nicht die, die durch Staat und Medien sozial hingerichtet wurden. Was diese Strategie angerichtet hat, sehen wir ja jetzt: neue Juden braucht das Land – und hat sie auch bekommen.

Monika P: Alles streichen solchen faulen asozialem Abschaum ich könnte kotzen…..

Ja – da ist er wieder, der Geist, der die zivilisierten Nationen der Welt gegen die Deutschen aufgebracht hat – so sehr, dass sie nur die völlige Vernichtung dieses Ungeistes akzeptieren konnten, der in seinem hasserfüllten Wahn alle Träume einer aufgeklärten Welt mit einem Schlag vernichtet hatte. Das ist der Aufruf zum Mord durch Hunger – kann man inzwischen einfach wieder so sagen in diesem Land.

Tim B: Ist leider so…. Da schwillt mir echt der Kamm ! Wie sagt einer unser Baulummen mit versteinerter Mine : Hartz 4 und der Tag gehört Dir ! SCHÄMEN SOLLTET IHR EUCH ! ( auch wenn manchmal auch traurige Schicksale dahinter stehn, dass will ich ja gar nicht sagen ! )

Es wäre schön, wenn mehr Niedriglöhner eine solche Meinung hätten – dann würde niemand mehr diese Drecksjobs machen und man könnte über ordentliche Gehälter reden. Aber der typisch feige Deutsche hat da mal wieder keine Eier in der Hose. Judenhatz ist ihm da wirklich lieber – die hatten eine Religion, die Gegenwehr schwierig machte: „Du sollst nicht töten“. Solche Feinde sind dem Lumpenproletariat lieb.

Benny S Wiederlich!!!

Schreibt man mit einfachem i: widerlich.

Pidi B: Hartz 4 = sofortige Abschaffung.Grundgesetzverletzung hoch 3,jetzt sind wir dran und die Wende selbst in die Hand nehmen.Macht euer Kreuz im September an der richtigen Stelle,damit dieser Wahnsinn ein Ende hat.

Alle Deutsche werden am September ihrer Meinung nach das Kreuz an der richtigen Stelle machen. In der Tat habe ich den Verdacht, das Hartz IV eine Grundgesetzverletzung hoch drei ist, aber: in dem Kontext die Abschaffung fordern, ist erstmal Aufruf zum Massenmord an Aussortierten – und die allermeisten von ihnen haben sich nicht selber aussortiert. Das hat ein „Arbeitgeber“ getan, nachdem sie zu alt, zu krank oder einfach  zu teuer geworden sind.

Sabrina B: Der Hammer ich merke es mom immer wieder das alle die das Geld beziehen überall die Sachen in den Hintern geschoben bekommen und ich als Arbeitnehmerin voll bezahlen darf…würden gerne nen zweites Kind haben geht aber nicht da die finanziellen Möglichkeiten nicht da sind…unfassbar sowas macht mich wütend und dann sin se noch am jammern

Na, Sabrina – dann arbeite an deiner Sprache, dann bekommst Du vielleicht auch noch mehr Geld. Oder kündige Deinen Job, um auch ins Hartz-Paradies zu kommen. Merke: auch noch so viel Arbeitslosenhatz beschert Dir keine Gehaltserhöhung. Die kriegen auch nicht „alles reingeschoben“ sondern müssen das in einem unwürdigen und in Europa einzigartig demütigendem Prozess beantragen, haben Lebensbedingungen wie ein Verbrecher auf Hafturlaub und müssen beständig mit der Drohung leben, dass ihnen dieser kleine Rest aufgrund einer Laune des Sachbearbeiters ebenfalls gestrichen wird. Im Übrigen: Kinder bekommen ist noch umsonst in Deutschland. Viele Hartz IV-Bedarfsgemeinschaften bekommen das auch gut hin – trotz erbärmlich niedriger Regelsätze für Kinder. Sie können halt wirtschaften. Kann man das nicht, hilft auch noch so viel Geld nicht.

Marcel S: Drecks Schmarotzer !!!

Schreibt man zusammen. Arbeitslosengeld ist die effektivste Wirtschaftsförderung, die man machen kann: alles, was man dort hineinsteckt, kommt der Gesamtwirtschaft zugute. Wir geben es aber lieber den Reichen, die es gewinnbringend im Ausland anlegen, während die Binnenwirtschaft darbt. Jeder zusätzliche Euro Arbeitslosengeld fördert Konsum und Arbeitsplätze, die an diesem Konsum dranhängen. Dieses Fluchwort sollte also lieber an die gerichtet werden, die ihren Porsche auf Kosten des Steuerzahlers fahren – was auf 70% aller neu zugelassenen Porsche zutrifft. Fördervolumen im Jahr: Knapp 165 Milliarden Euro – mehr, als der gesamte Sozialstaat (inkl. Rente und Gesundheit) kostet.

Pit B: arbeite schon dreißig jahre als alleinverdiener musste mir alles schwer erkämpfen….und die…bekommen es in ihren Arsch geschoben Armes Deutschland

Ich denke, der wird noch glücklich sein, dass hier in den Dingens geschoben wird, wenn seine Firma pleite macht. Bei den Rechtschreibfehlern wird eine Anschlussbeschäftigung schwer.

Die Krönung ist natürlich der Kommentar von „Sarah von Kackafurz“ (der Name scheint Programm zu sein – hat sich aktuell umbenannt), die auch Probleme  mit der deutschen Sprache hat:

Am besten bei 40 Grad Hitze auf´n Ackerfeld  schicken und foltern. Und den Gehalt an die Menschen verschenken, die es wirklich brauchen … damit solche Hartzer mal wissen, wie es wirklich ist. 

Man merkt schon ein wenig, was sich da zusammenbraut, oder?

Doch bevor nun die Hasskeule kommt: ich habe mir ein paar Stunden Zeit genommen, um mich mit diesen Menschen zu beschäftigen. Facebook macht es möglich.

Was wir dort vorfinden, ist ein neues Proletariat (nicht zu verwechseln mit dem Prekariat, welches Staat und Wirtschaft zur Rettung der Zinsgewinne geschaffen haben). Marx hatte es schon mal im Visier – als Lumpenproletariat. Niedrige Bildung, schlecht bezahlte Jobs, asoziale Einstellung zur Gemeinschaft – und von Soziologen völlig ignoriert, weil sie einfach zu uninteressant sind.

Knapp 100 000 von ihnen haben den obigen Lügentext gedankenlos verbreitet und gedankenlos kommentiert (mal von Tim B abgesehen, der Ansätze zur Differenzierungsfähigkeit zeigt).

Die sind nicht abgrundtief böse, das merkt man, wenn man sich mit ihren Alltagssorgen beschäftigt.  Sie sind auch schon seit hundert Jahren gut bekannt, siehe Wikipedia:

Dass das in seiner Zusammensetzung sehr heterogene „Lumpenproletariat“ sich nicht wie die Industriearbeiterschaft organisieren lasse, ein geringes Bewusstsein seiner Interessenlage habe und offen für Bestechung durch den Klassengegner sei, sah man in der Arbeiterbewegung als Problem. Es schied wegen seiner Unzuverlässigkeit und seiner Unfähigkeit zur Entwicklung eines proletarischen Klassenbewusstseins als Bündnispartner der Arbeiterklasse aus. Polit-ökonomisch bestimmt wird das Lumpenproletariat (Vagabunden, Verbrecher, Prostituierte) im marxschen Kapital als Teil des „tiefsten Niederschlags“ der relativen Überbevölkerung (der industriellen Reservearmee), die das Kapital produziert.

Zu diesem „Auswurf, Abfall, Abhub aller Klassen“ zählte Marx die „zerrütteten Lebeherren mit zweideutigen Subsistenzmitteln und von zweideutiger Herkunft, verkommene und abenteuerliche Ableger der Bourgeoisie, Vagabunden, entlassene Soldaten, entlassene Zuchthaussträflinge, entlaufene Galeerensklaven, Gauner, Gaukler, Tagediebe, Taschendiebe, Taschenspieler, Spieler, Zuhälter, Bordellhalter, Lastträger, Literaten, Orgeldreher, Lumpensammler, Scherenschleifer, Kesselflicker, Bettler, kurz, die ganze unbestimmte, aufgelöste, hin- und hergeworfene Masse, die die Franzosen ‚la bohème‘ nennen“

Heutzutage können wir noch weitere Berufsklasse hinzufügen: all jene, die mit ihren mittelmäßigen Jobs gerade so über die Runden kommen, die aufgrund ihrer beruflichen Qualifikation und ihres Bildungsgrades jederzeit durch jedermann ersetzbar sind – und dieses auch wissen. Sie sind sich auch ihrer Schwäche bewusst – und erst recht ihrer Ersetzbarkeit.

Der Zorn, die Angst, die Hilflosigkeit führen zu Aggressionen, die Politik, Wirtschaft und Medien gezielt gegen das künstlich dafür geschaffene Prekariat lenken – mit Erfolg, wie diese Dokumente deutscher Dämlichkeit belegen.

Wer nun meint, dieses Urteil sei zu hart, der sollte überlegen, dass uns die geforderte „Flexibilität“ am Arbeitsmarkt alle zu Vagabunden macht, das Steuerhinterzieher durch die Bank Verbrecher sind und wir uns alle prostituieren sollen, um überhaupt Arbeit zu finden – einer der Hauptgründe für die seit Jahren zunehmende Konformität.  Was übrig bleibt?

Ein paar Beamte.

Mir scheint, die fortschreitende Industrialisierung der Gesellschaft hat ein neues Lumpenproletariat geschaffen, das die Mehrheit des Wahlvolkes darstellt. Offen für Bestechung, unfähig zur Erlangung eines politischen Bewusstseins, unzuverlässig als Teil einer solidarischen Wertegemeinschaft und unfähig, sich auch nur ein Minimum an Allgemeinbildung anzueignen.

Früher erschien dieses Lumpenproletariat nur am Rande einer arbeitenden Gesellschaft, heute macht es die Mehrheit einer Gesellschaft aus, deren Arbeit fortschreitend durch Maschinen ersetzt wird, die es einfach besser können.

Und das alles kann man erkennen, wenn man nur ein kleine Zeit bei Facebook verweilt.

Schon spannend, oder?

Denkt man aber darüber nach, welche Zukunft eine Gesellschaft haben soll, die überwiegend aus Lumpenproletariat besteht, kann einem schon schnell mulmig werden.

 



Die letzten 100 Artikel