Alltagsterror

Blockupy Frankfurt

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Samstag, 1.6.2013. Eifel. Wieder einmal ein historischer Tag. In Frankfurt sichern Polizisten die EZB mit NATO-Stacheldraht ab. Der Draht wird auch Klingendraht genannt, weil er enorme Verletzungen hervorrufen kann. Sein Einsatz in der Öffentlichkeit ist seltsamerweise nicht verboten, aber die Justiz hatte schon mal die Demontage solcher Mörderdrähte angeordnet.

Eine Pressekonferenz wurde schon mal verschoben: die Demonstranten stecken in einem Kessel fest.

Bemerkenswert: die Anwohner versorgen die Demonstranten mit Wasser – sie lassen Eimer herunter.

Man kann das Ereignis fast Live verfolgen, die Frankfurter Rundschau berichtet regelmäßig darüber:

http://www.fr-online.de/blockupy-frankfurt/blockupy-frankfurt-live-ticker-anwohner-helfen-demonstranten,15402798,23082772.html

Eine sehr bezeichnende Geste. Normale Bürger kommen Demonstranten zur Hilfe, die gegen eine wahnsinnig gewordene Geldpolitik demonstrieren – und gegen ein System, das unseren Wohlstand den Märkten opfert … jeden Tag ein wenig mehr.

Natostacheldraht ist eine Kriegswaffe. Und eine deutliche Botschaft: „zur Not schlitzen wir euch auf!“ Brächten Privatleute diese Art von Draht in der Öffentlichkeit an, leicht erreichbar durch Kinder – sie bekämen vermutlich einen Riesenärger, siehe „Gute Frage.net

So werden aus Freunden und Helfer … Feinde und Folterer? Oder wie soll man sie sonst nennen? Söldner des Niedriglohns? Büttel der Rendite?

Ach ja, Folterer: wie es heißt, wird von diversen chemischen Kampfstoffen wieder reichlich Gebrauch gemacht. Geschähe dies in Syrien: was wäre das Geschrei groß. Aber in Syrien geht es ja um Menschenrechte, in Deutschland um den Freibrief zur Steuergeldvernichtung: da ändern sich die Prioritäten schnell.

Momentan will die Polizei bei den Eingekesselten erstmal eine Passkontrolle durchführen. Dauer? Mehrere Stunden. Hoffentlich muss keiner seine Notdurft verrichten – das könnte peinlich werden. Aber das will man vielleicht ja auch gerade sehen.

Da geht sie dahin, unsere gute, alte Bundesrepublik.

Laut Tagesschau ist alles friedlich:

http://www.tagesschau.de/multimedia/video/video1309222.html

Die erste Version des Klingendrahtes wurde im 1. Weltkrieg für Deutschland hergestellt. Eine Kriegswaffe also.  Sagte ich ja. Minen ähnlich. Die tun auch keinem was, wenn keiner drauftritt.

Und wenn die jetzt versehentlich den „Kessel“ in den Stacheldraht drängen?

Ach, was denke ich denn da. Das geschieht doch nicht in Deutschland. Hier ist alles friedlich – meldet jedenfalls die Tagesschau.

Die Frankfurter Rundschau meldet anderes:

In der Neuen Mainzer Straße reißt Polizei ohne erkennbaren Grund zwei Männer zu Boden und verhaftet sie. Demonstranten schreien die Beamten an. Die Situation wird zunehmend explosiv. Viele Demonstranten fordern, die Anmelder sollten die Demo auflösen.

An der Hofstraße / Ecke Neue Mainzer Straße drängen Polizeikräfte Demonstranten massiv zur Seite. Menschen werden von Beamten geschubst und umgeworfen. Die Stimmung wird zunehmend aggressiv.

Demonstranten, die sich zwischen dem Kessel und restlichen Demonstrationszug aufgehalten haben, sollen nach Angaben der Blockupy-Organisatoren von der Polizei mit Pfefferspray oder Schlagstöcken verletzt worden sein.

So friedlich ist Deutschland am 1.6.2013.

Darf ich sagen, dass da auch Kinder mitlaufen?

Interessiert wahrscheinlich niemanden.

Wieder einmal wird Demokratie, wird Volk eingekesselt, mit Reizgas besprüht und die Täter der Wirtschaftsmisere hinter Kriegsstacheldraht versteckt: auch auf Kosten der Steuerzahler.

Die stehen heute sicher mit Sektgläsern hinter den verspiegelten Scheiben und schauen sich das Treiben belustigt von oben an: wohlgenährt durch Steuergelder in Milliardenhöhe. Da wird es wohl auch nicht an Sushi und Kaviar mangeln.

Immerhin ist es wieder ein großer Triumph der Märkte über das Volk. Und der Krieg gegen das Volk wird wieder ein bischen offensichtlicher, will ich meinen – oder?

Alle Deutschen haben das Recht, sich ohne Anmeldung oder Erlaubnis friedlich und ohne Waffen zu versammeln. 

So sagt es das Grundgesetz.

Aber was mit ihnen geschieht, wenn sie das wirklich tun, steht auf einem anderen Blatt. Hören wir die Protestierenden selbst:

“Alles deutet darauf hin, dass diese Eskalation von der Polizeiführung in Wiesbaden von langer Hand vorbereitet worden und der Kessel an dieser Stelle von vornherein geplant worden ist”, sagte Blockupy-Sprecherin Ani Dießelmann. So seien etwa die Dixie-Toiletten für die Eingekesselten innerhalb weniger Minuten vor Ort gewesen. “Die standen offenbar schon passend bereit.”

Gut, meine Befürchtungen mit der Notdurft waren unnötig.

Man hatte von langer Hand vorausgeplant.



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