Medien

Die Medien als Werkzeug der Geldmachtelite: ein aktueller Beweis

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Sonntag, 17.3.2013. Eifel. Sonntage sind Tage der Entspannung, der inneren Einkehr, der Ruhe und Beschaulichkeit. So waren sie gedacht. Für die meisten unsere Mitmenschen ist Sonntag jedoch ein Horrortag – der letzte freie Tag vor Montag, jenem Tag, an dem man in die Maschine zurückkehrt, jene Maschine, die einen immer stärker kontrolliert – und wir arbeiten dank Handy, Facebook und Internet ja auch beständig daran mit, dass wir auch möglichst kontrollierbar sind und vor allem den Anspruch der beständigen Erreichbarkeit immer und überall erfüllen. Kaum zu glauben, oder? Heutzutage kann einen der Chef per Firmenhandy um vier Uhr Morgens aus dem Schlaf reißen – einfach mal aus Spaß. Ich kenne Chefs, die das machen – das ist kein Spaß. Oder versuchen sie mal nicht erreichbar zu sein, während die Schule Sie morgens anruft, damit Sie ihr verschnupftes Kind abholen … die reißen ihnen den Kopf ab, falls sie nicht sofort das Jugendamt informieren, das hier ein Kind nicht richtig versorgt ist.  Wie die Schule derzeit glauben kann, das sie denselben Anspruch auf absolute Verfügbarkeit des Bürgers hat wie der Chef, wird uns nie im Detail erklärt, aber die Folgen bekommen wir zu spüren. Was Erreichbarkeit angeht, so lüge ich manchmal, obwohl ich Lügen generell hasse.  „Habe kein Handy“ (nur halb gelogen, ich benutze es nie und verlege es deshalb dauernd), „habe kein Fax“ (stimmt), „kenne kein Internet“ (voll gelogen) oder „habe kein Telefon“ (ebenfalls: pralle Lüge). Die Reaktionen wären eine eigene Sendung wert: manche erschrecken sich sichtlich zu Tode: WIE, SIE SIND NICHT ERREICHBAR??!!!?!?

Dabei bin ich erreichbar. Post öffne ich immer und lese ich auch regelmäßig – nur die Reklame vom bayrischen Münzkontor schmeiße ich sofort weg. Ich lese sogar lange Briefe an mich, selbst, wenn sie mit der Hand geschrieben sind.  Aber ich habe es nicht gern, beständig für jedermann verfügbar zu sein – immerhin muss ich noch richtig arbeiten – da stört mich das Gelaber enorm. Immerhin lebe ich nicht ewig und will noch ein paar persönliche Ziele künstlerischer Natur erreichen – da brauche ich meine Zeit.

Die Pflicht zur „Erreichbarkeit“ hat mit dem heutigen Thema nur indirekt zu tun. Ich habe sie erwähnt, damit SIE auch verstehen, das das, was jetzt kommt, schon längst massive Auswirkungen auf IHREN Alltag hat.

Ich schreibe nun seit über vier Jahren Anmerkungen, Artikel, Aufsätze, Kommentare, Meinungen ins Netz, die in die Tausende gehen. Warum mache ich das? Weil ich Fragen habe. Ganz einfache Fragen – hauptsächlich eine: warum nimmt das Leid in der Welt trotz effektiver Marktwirtschaft, sozialer Demokratie und Weltfriedenswunsch aller immer weiter zu? Kein König steht dem mehr im Wege, kein Reichsgraf, kein Großgrundbesitzer und erst recht kein abgehalfteter Aktmaler aus Österreich. Die Industriebarone sind fort, die König geköpft, die Diebesbanden verjagt: warum leben wir trotz aller Maschinengewalt (für die wir einen Großteil unsere natürlichen Wohlfühlumwelt geopfert haben, die wir jetzt nur noch in fernen Ländern genießen können) noch nicht im Paradies? Entsprechend Pläne für das Jahr 2000 habe ich als Kind Ende der sechziger Jahre gesehen: wunderschöne Wohnanlagen in riesigen Parklandschaften, wo wie nach unserem drei – Stunden-Arbeitstag das Leben voll genießen können. Endlich wieder nur so viel arbeiten wie früher – drei Stunden braucht ein primitiver Stammesangehöriger, um seinen Lebensunterhalt der Natur abzutrotzen.

Die Wirklichkeit entwickelt sich aber anders, wird dunkler, Tag für Tag. Wir müssen immer mehr Angst vor unserem Chef haben, weil er uns mit einem Federstrich in die Hartz-Hölle befördern kann, wo wir von gut bezahlten Journalisten mit Dreck beschmissen werden, die miesesten Arbeiten umsonst erledigen sollen und als Leibeigene von „Fördermaßnahmen“ dahinvegetieren müssen, wenn wir der potentiellen Todesstrafe „Sanktion“ entkommen wollen.

Nein – da lasse ich kein Gemecker zu: „Sanktionen“ sind potentielle Todesstrafen, der Sanktionator ein potentieller Mörder: nehme ich einem Menschen Essen, Trinken, Obdach und Wärme, dann verurteile ich ihn zu einem langsamen, qualvollen Tode – auch wenn im Schaufenster des nächsten Geschäftes nebenan Günther Jauch im TV Millionen verteilt.

Warum ist das so? Warum merken so wenig Menschen, das sich die dunkle Entwicklung der Geschichte nur durch das Wirken dunkler Kräfte erklären lässt?

Nun – das hat seinen Grund. Ich hätte mir all die mühevollen Artikel ersparen können, wenn ich mich mit der Elitenforschung befasst hätte, konkreter mit der Elitensoziologie: der systematischen Erforschung der Wirkungsmechanismen, Einflussmöglichkeiten und Reichweite deutscher Geldmachtelite.

Leider gibt es so etwas in Deutschland nicht – oder kaum. Wir haben so etwas nicht – weshalb Verschwörungstheorien hierzulande verpönt sind. In den USA ist das anders, die beobachten ihre Eliten seit den fünfziger Jahren sehr kritisch – und haben deshalb auch viele Wahrheiten jenseits der offiziellen Regierungserklärungen, weil sie einfach ganz viele Verschwörungen schon aufgedeckt haben … über die wir hierzulande noch nicht mal denken, geschweige denn reden dürfen, ohne von den Angestellten des Geldmachtapparates sofort beschossen zu werden.

Bei uns spricht man nicht drüber. Bei uns ist es möglich, das die Bundeskanzlerin die Pressechefs einlädt und um verhaltene Berichterstattung bittet – und die Chefs folgen.

Warum ist das so?

Macht das alles der Ackermann?

Nein – aber es gibt Menschen, die Ackermänner machen.

Der französische Soziologe Mattei Dogan … hat bezüglich der französischen Elitenkonfiguration die Frage gestellt, ob und wie man diese Gruppen zahlenmäßig fixieren könnte. So kann die Zahl der Angehörigen etwa der Wissenseliten je nach Zählperspektive sowohl in Bezug auf EU-Europa oder auf ein einzelnes Land jeweils in die Millionen gehen, die Zahl für die politischen Eliten in die Hunderttausende, die Zahl für die Konzerneliten in die Zehntausende und die Zahl für die Geldelite in die Tausende. 

(Krysmanski, Hirten und Wölfe, Westfälisches Dampfboot 2012, Seite 201).

Man muss sich das vorstellen wie ein Spinnennetz. In der Mitte sitzt der Geldadel, der in Europa eng mit den Resten des nicht geköpften Adels zusammenarbeitet, weil diese Reste die Organisationsstruktur für die neuen Eliteverbände lieferte – zum Beispiel die Festspiele in Bayreuth und den Wiener Opernball als Orte der Konspiration, Verbrüderung und Demonstration von Gemeinsamkeit und Macht.

Dann folgen in einem nächsten Kreis im Netz die mächtigen Konzernchefs, eingesetzt von der Geldmachtelite, die die Anteile hält – so werden Ackermänner gemacht.

Die gehen dann zu ihrem Geburtstag ins Kanzleramt und prägen dort den nächsten Kreis der Elite: die politische Elite. Von den Königen sind wir über den Grafen jetzt bis hin zu den Rittern gekommen, unter denen nur noch die Büttel, Söldner und Landsknechte stehen: das Massenheer der Wissenselite.

Ein Superreicher kommandiert zehn CEO´s, die wiederum jeder zehn Politiker befehligen, von denen wiederum jeder zehn Personen der Wissenselite leitet. So einfach ist das Organisationsschema der Geldmachtelite, mit der sie über Deutschland, Europa und der Welt herrscht, es unterscheidet sich in Deutschland nicht sonderlich von den Strukturen, die in Angola, Pakistan oder Indonesien gelten.

Wer gehört zur „Wissenselite“?

Wie der Name schon sagt: Wissenschaftler. Aber nicht nur. Auch Ärzte, Schauspieler, Rockmusiker, Mafiabosse, Fußballspieler, Unternehmensberater und … Journalisten.

Natürlich nehmen die nicht jeden. Dafür gibt es – ganz öffentlich ausgestellt – „Rankinglisten“ für alles und jeden. Der beste Fußballer, der beste Rennfahrer, der beste Urologe, der beste Bassist und so fort. Wer dort den Segen der Superreichen erhält, bekommt sehr viel Geld. Es ist gesellschaftlich völlig akzeptiert, das ein Fußballer, ein Entertainer oder eine Hupfdohle der Popindustrie mehr verdienen, als ein Topmanager der Industrie – dagegen klagt niemand, da wird auch nichts gedeckelt. Ebenso fragt sich niemand, wo denn die Millionen eigentlich herkommen.

Natürlich kommen die nicht aus den Taschen der Superreichen – das zeichnet diese Klasse aus. Sie geben keinen einzige Cent an Privatvermögen aus – es sei denn, sie müssen Gelder vor dem Finanzamt in Stiftungen verstecken, die dann gesellschaftliche Wühlarbeit zur Erhalt des Geldmachtapparates leisten wie in Deutschland zum Beispiel die Bertelsmannstiftung.

Das Geld kommt von uns: den Leiharbeitern, Arbeitslosen, Rentnern, Kindern, Studenten, Schülern – kurzum: von all´ jenen, die in den letzten Jahrzehnten enteignet worden sind.

Das Geld kriegen dann Jauch, Ballack und Schumacher zwecks erfolgreicher Volksbedödelung, wobei hier ein erfolgreicher Söldner ohne Weiteres mehr Geld machen kann als ein dienstverpflichteter Ritter: sie lenken hervorragend ab von den Gewalten und Gewaltigen, die die Geschicke das Landes mit massivem Personaleinsatz lenken.

Wenn also im Fernsehen ein Wirtschaftswissenschaftler zur aktuellen Krise befragt wird: was passiert dann?

Erstmal kommt er in die Maske, damit er ein gottgleiches, fehlerfreies Äußeres bekommt: das ist ganz wichtig. Schon visuell sollen sich die Diener des Geldmachtapparates vom Bauernpöbel unterscheiden, Pickel und fettige Haut gibt es nur bei der Unterschicht.

Und dann? Führt die Wissenselite vor der Kamera eine Show zur Volksverblödung auf. Macht sie das gut, steigt sie im Ranking und wird immer reicher. Macht sie es schlecht – bleibt nur noch der Blog im Internet zur Meinungsäußerung … oder man fristet sein Gnadenbrot in den Feigenblättern der Mediokratie, den mickrigen politischen Magazinen der öffentlich rechtlichen Sender, deren Existenz beweisen soll, das das gesamte System völlig in Ordnung ist.

Das System ist perfekt und fehlerfrei – wie auch damals zu Zeiten des Absolutismus. So wird es auch in den Geschichtsbüchern der Zukunft stehen: die Netzstrukturen des Adels führten im 20. und 21. Jahrhundert zum Aufbau neuer absolutistischer Feudalstrukturen, mit deren Hilfe die Errungenschaften der französischen Revolution bis weit ins 24. Jahrhundert hinein zurückgedrängt wurden.

Nun – ganz so perfekt ist das System noch nicht. Ein amerikanischer Komiker (Conan O`Brien) präsentiert uns hier eine Merkwürdigkeit, die er selbst „scary“ nennt:

in vierzehen verschiedenen Nachrichtensendern wird exakt derselbe Satz verwendet:

Interessant auch die Kommentar dazu – von Sexy Melon:

In tyranny, comedy is the last refuge of truth.

Noch treffender: Sunny Brian:

Actually is that not funny ..

Auch eine Stimme aus Deutschland meldet sich: der Rueganer 70

then welcome to Germany with the highest gas prices in the world

Ja, die haben wir. In den USA ist der Sprit deutlich billiger. So etwas entscheiden die Kosmokraten, die Herrscher der Welt, die Superreichen mit Zeit und Lust an Weltgestaltung mit einem Knopfdruck – und schon haben die deutschen Fillialen Geld für Werbung, mit dessen Hilfe sie die Wissenselite steuern können.

„Wir fördern den Jauch, weil der so schön Arbeitslosenbashing im Fernsehen betreibt, gebt dem 30 Millionen dafür, dem Ballack und dem Schuhmacher auch, das fördert den Traum des Weges vom Tellerwäscher zum Millionär und bringt das Volk dazu, die Füße still zu halten“. 

So steuert man ein Volk.

Sunny Brian hat aber Recht: vierzehn Mal der gleiche Satz von Nachrichtenmoderatoren verwendet … da hat jemand den Text vorgeschrieben.

Nein, das macht nicht die Geldmachtelite selbst. Die plant planetarer, zum Schutz des eigenen Reichtums. Für so etwas hat sie ihre Leute, die dann aus guten Gründen vorgefertigte Texte in die Sendeanstalten schickt.

Für dieses Dokument von Conan O´Brian sollten wir dankbar sein: so etwas gibt es nur noch selten. Über sechzig Jahre nach dem Start der  Machtergreifung und dreissig Jahre nach dem politischen Putsch der Superklasse in den USA ist das System perfekt durchorganisiert – und jeder Superreiche kann jederzeit jeden Vasallen per Telefon, E-Mail oder Fax erreichen.

Und – zufällig – klingelt mein Telefon die ganze Zeit, während ich dies schreibe. Sicher nur Zufall … und nicht die Bertelsmannstiftung, die mich zum besten Blogger des Jahres gewählt hat (nach internem Bertelsmannranking, das von führenden deutschen Intellektuellen durchgeführt wurde), mir 100 000 Euro schenkt („Preisgeld“) und einen Job in der Forschung anbietet … nur damit ich die Klappe halte.

Wie gut, das ich Disziplin genug habe, nicht immer zum Hörer zu springen, wenn der befiehlt. Wie gut, das ich Geld nur noch in winzigen Mengen zum Überleben brauche – das gibt mir die unglaubliche Freiheit mich als Akademiker gegen den Geldmachtapparat zu stellen.

Das ist viel lustiger, als für ihn zu arbeiten.

Und ich brauche nicht erreichbar zu sein.

Mein Dank gebührt auf jeden Fall Conan O´ Brien für diese wundersame Entdeckung.

Kann sich jetzt jeder vorstellen, was „Talkshow“ in Wirklichkeit ist?

Bis ins Detail geplante Veranstaltungen, in denen sich die Diener der Geldmachtelite selbst darstellen.

Und Nachrichten? Lügen mit Bildern als System – präsentiert von den „Besten der Besten der Besten“.

Und wir gucken uns das an … und vergeuden dann am Arbeitsplatz noch Zeit, um uns über das geplante Gewäsch zu unterhalten – so steuerbar sind wir schon.

Ich hätte lieber einen „schlechten“, der mir die Wahrheit sagt, als einen „Besten“, der mir das sagt, wovon andere meinen, das es nützlich für sie ist.

Und Nachrichten … mache ich mir inzwischen lieber selber. Ist umständlich, aber notwendig. Und weil´s nichts kostet, kann ich die hier auch einfach mal teilen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



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