Alltagsterror

Hartz-IV authentisch

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Von Eckhard Freuwört

 

 

„Ich habe den Eindruck, dass die ARGEn gute Arbeit leisten.“
(Sebastian Edathy, SPD, MdB – nachzulesen HIER)

Glaubt man gewissen Arbeitslosenhasser-Blättern und Doku-Soap-Sonderschulfernsehen-Sendern – wie unsere Abgeordneten es ganz offensichtlich tun – dann sind Hartz-IV-Empfänger allesamt unqualifizierte, arbeitsscheue Sozialschmarotzer, die den ganzen Tag über lethargisch, besoffen und chipsfressend mit der Bierflasche in der Hand vor der Glotze abhängen, sich von hirnerweichendem Blödsinn passiv berieseln lassen, den „fürsorglichen“ Staat betrügen, lt. einem gewissen SPD-Bundesbanker von Natur aus genetisch bedingt blöd sind und die ihren Kindern das Taschengeld zwecks Kauf von „Stoff“ klauen. Die man lt. Uschi von den Lügen „bei der Hand nehmen muss“. Es lebe das unbegründete Vorurteil – vor allem dann, wenn es zur Grundlage von durch und durch menschenverachtender Anti-Bevölkerungs-Politik gemacht wird!

Doch die Realität sieht etwas anders aus, als gewisse Gehirnwäsche-Medien und gewisse Politclowns es gerne hätten. Dank Hartz-IV ist jeder Fünfte in dieser, unserer Bananenrepublik mittlerweile verarmt. Selbst das Dach über dem Kopf wird den Leuten seitens des Staates weggenommen. Wer dabei nicht mitspielt, der wird gnadenlos bestraft – ganz legal und euphemistisch verbrämt gemeldet, versteht sich! Doch unter dem Strich dient all das lediglich dazu, aus den Menschen auch noch das Letzte herauszupressen und sie mundtot zu machen. Hartz-IV ist daher nichts anderes als eine Gesetzgebung, die der Volksenteignung nebst Volksunterdrückung dient. Und irgendwann erwischt’s jeden!

Sicher, Hartz-IV-Empfänger haben auch Rechte. Theoretisch jedenfalls. Es gibt im Web ja zuhauf diese H4-Portale, die darüber informieren. Doch wie sieht das in der Praxis aus? Der „Bittsteller“ sitzt grundsätzlich immer am kürzeren Hebel. Es ist nicht der Kampf zwischen David und Goliat; es ähnelt vielmehr einer Blattlaus, die ganz alleine den Regenwald abtragen soll. Die Jobcenter überziehen ihre „Kunden“ selbst dann noch mit hirnrissigen Sanktionen, wenn von vornherein feststeht, dass dem Betroffenen keine andere Wahl mehr bleibt als vor Gericht zu gehen und das Jobcenter selbst keinerlei Aussicht auf Erfolg hat. Weil: Das Jobcenter zahlt den verlorenen Prozess nicht. Der wird letztlich nämlich vom Steuerzahler finanziert. Und weil das Jobcenter nicht selbst zur Kasse gebeten werden kann, schaltet und waltet es wie es lustig ist: Herrenmenschendenken!

Wer wirklich wissen will, wie Hartz-IV in der Praxis gehandhabt wird, dem seien einige Bücher empfohlen, die ich in meinem Blog schon hier und da mal erwähnt habe. Denn die stammen von Betroffenen, die sich nicht haben mundtot machen lassen. Das ist H4 authentisch und ungeschönt. Das ist die Wahrheit ohne euphemistische Verbrämung.

Iris Bücker: „Die Hartz IV Ratte: Tagebuch einer Bettlerin“
Subjektive Erfahrungen des sozialen Abstiegs einer gut ausgebildeten Fachkraft. Nach Jobverlust ausgegrenzt von der Gesellschaft und von Staats wegen genötigt. Unbegründet gestraft mit Verachtung liefert dieses Buch einen unsentimentalen Blick auf unsere Ego-Gesellschaft, in der Vorurteile dominieren. Und Hilfe seitens des „Sozialstaates“ von wegen „Fordern und Fördern“ sucht man vergeblich.

Brigitte Vallenthin: „»Ich bin dann mal Hartz IV«: (K)Ein Einzelfallbericht“
Subjektiver, erschütternder Bericht über die entwürdigende Behördenmaschine H4. Und doch: Was Brigitte Vallenthin beschreibt ist Alltag und allseits üblich. Denn bei H4 steckt System dahinter!

Kathrin Hartmann: „Wir müssen leider draußen bleiben: Die neue Armut in der Konsumgesellschaft“
In diesem Buch geht es weniger um H4 als vielmehr um dessen Einbindung in die globalen, wirtschaftlichen Verflechtungen von Konzernen und Banken. Dabei wird deutlich: H4 in Deutschland ist nur ein kleines Zahnrad in einem mächtigen, weltweiten Getriebe!

Eckhard Freuwört: „Fordern statt Fördern – Ein satirisches Märchen aus der Bananenrepublik Absurdistan“
Als ich selbst im Zuge der „Verjüngung des Personalbestandes“ und ungeachtet bisheriger Leistungen mit den steuerlich geförderten „Methoden des kreativen Personalmanagements“ arbeitslos gemacht wurde, da lernte ich schnell, dass man kaputt geht, wenn man die H4-Behördenmaschinerie ernst nimmt. In Folge entstand ein satirisches Märchen über H4 – allerdings eins, bei dem einem schon mal das Lachen im Halse stecken bleiben kann.

Eckhard Freuwört: „Ich und Hartz-IV“
Die ganze Geschichte in ernster Form – vom Rausmobben (mit 46 Jahren: „Sie sind zu alt zum Arbeiten“) über Hartz-IV inklusive Schikanen, Drohungen und Nötigungen – wobei auch meine Familie nicht ausgespart worden ist; die „Bedarfsgemeinschaft“ macht’s möglich – bis hin zu dem Deal, mit dem ich „statisatikbereinigt“ worden bin. Seither tauche ich – wie rund sieben Millionen andere – nicht mehr in der Arbeitslosenstatistik auf. Es lebe das Fälschen von Zahlen!

Ich sagte bereits weiter oben, dass Hartz-IV irgendwann jeden erwischt. Das ist so. Denn niemand wird jünger. Und mit zunehmendem Lebensalter steigt auch die Gefahr einer Entlassung. Mit einer „4“ beim Lebensaltzer wird es schon maßlos schwierig. Mit einer „5“ oder darüber unmöglich. Bevor man aber danach Hartz-IV überhaupt beantragen kann, „darf“ man sich zuerst von allem trennen, wofür man sein Leben lang zugunsten von anderen gebuckelt hat. Die Vorgehensweise der Jobcenter heute unterscheidet sich m. E. nicht gravierend von den Behörden, die im Dritten Reich für die Einweisung der Juden in die KZs zuständig gewesen sind: Geschieht ja alles mit Absegnung von oben; keiner ist selbst verantwortlich!

Das staatliche Almosen – das über kurz oder lang mit Hilfe von hahnebüchenen Sanktionen ohnehin gekürzt wird – erhält nur der „Kunde“, der es gelernt hat, widerspruchslos auf den Knien zu rutschen und Essensreste von fremden Tellern zu lecken. Qualifikation nützt gar nichts, denn wessen Ausbildung länger als sechs Jahre zurück liegt, der gilt automatisch als unqualifiziert – selbst dann, wenn er vorher schon mal einen Nobelpreis erhalten haben sollte. Wer das einmal selbst mitgemacht hat, der hat für Gehirnwäschemedien und weltfremde, arrogante Politclowns nur noch Verachtung übrig. Und wer noch Arbeit hat und etwas über die eigene Zukunft erfahren will, der ist mit den o. a. Büchern sehr gut bedient. Denn die Schilderungen darin sind ungeschönt – allerdings vielleicht auch politisch unerwünscht!
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