Medien

Pressefreiheit oder Qualitätsmedien? Über die Kriegstrompeten des Neofeudalismus.

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Dienstag, 19.6.2012. Eifel. Manchmal stolpert man über Nachrichten, die keine sind, unbedeutend erscheinen … und sich dann aber bei genauerem Hinsehen geradezu als Sensation entpuppen. Eine dieser Nachrichten habe ich aus dem Handelsblatt. Eigentlich geht es da um die reichste Frau der Welt – ihr Geld, ihre Geschichte, ihre Kinder und ihre Geschäfte. Sowas liest man eigentlich nicht … es sei denn, man stolpert beim darübergucken über ein paar kleine Wörter, die es gar nicht geben dürfte. Ich zitiere mal:

Rinehart ist besessen von der Idee, alles und jeden kontrollieren zu können. Letzte Woche hat sie für ein paar hundert Millionen Dollar ihren Anteil am Medienunternehmen Fairfax von 13 auf 18,67 Prozent erhöht. Ein paar Dollar mehr, und sie muss offiziell eine Übernahme lancieren.

Der Grund für ihr Interesse an Fairfax: der Herausgeber von Qualitätszeitungen wie „Sydney Morning Herald“, „Australian Financial Review“ und „The Age“ sei ihr zu „links“, wie ein Beobachter zu berichten weiß.

Hieß es nicht immer, wir hätten eine freie Presse, Meinungsfreiheit und seien deshalb so fürchterlich demokratisch? Und das hier eine Multimilliardärin einfach mal eine Zeitung kauft mit der direkten Absicht, die Kontrolle über Meinungsbildung zu übernehmen, ist nur eine Erwähnung am Rande wert? Wenn Kommunisten in Köln morgen RTL besetzen würden (was man leicht legitimieren könnte, liegt doch das Programm eindeutig zwischen Körperverletzung, Volksverhetzung und Förderung von Bildungsferne … über deren Vorhandensein man sich anschließend dann wieder fürchterlich erregt), dann hätten wir alle Medien voll mit dicken fetten Schlagzeilen, weil es ein nicht tolerierbarer Akt gegen die Meinungsfreiheit wäre und uns endlich klar macht, was „die für welche sind“.

Nichts in der Hinsicht ertönt jedoch, wenn eine Milliardärin so etwas unternimmt. 80% der australischen Presse werden schon von einem einzigen Konzern kontrolliert … und das scheint keins der legitimierten staatlichen Wachorgane zu stören. Wie auch … toleriert werden ja auch ganz andere Aktionen, nochmal Handelsblatt:

2010 war sie laut Kommentatoren gemeinsam mit anderen Bergbauunternehmern an einer Schmierkampagne gegen den damaligen Premierminister Kevin Rudd beteiligt. Der hatte sich erdreistet, die historisch hohen Gewinne der Rohstoffindustrie leicht höher besteuern zu wollen. Die Laborpartei gab dem Druck nach, setzte Rudd ab und machte Julia Gillard zur Regierungschefin.

Darf das noch wahr sein? Sowas geht, ohne vom Geheimdienst sofort erschossen zu werden? In jedem James-Bond-Film wäre das Grund genug, den Kampfhund ihrer Majestät von der Leine zu lassen. Man kann doch nicht einfach Politiker kaufen! Wo kämen wir denn da hin? So etwas darf sich kein Staat gefallen lassen!

Aber das … stößt in der Presse, die wir gerade haben, niemandem groß auf, man erwähnt es nebenbei, als lustige Anekdote. Als Leitartikel wäre es wohl auch undenkbar.

Das erinnert mich an einen Kommentar hier bei uns, der meinte, er müsse sich schämen, wenn er vor Arbeitskollegen erzählt, was er in Blogs gelesen hat. Wann wird sich wohl das Wissen durchsetzen, das man in den „etablierten“ Medien nur die Meinungen hört, für die sehr sehr reiche Menschen sehr gut bezahlt haben?

Ich wage auch gar nicht, noch einen Schritt weiterzugehen und zu fragen, wer wohl alles dafür bezahlt hat, das Gerhard Schröder Kanzler wurde …

Ein paar Namen kenne ich schon.  Verrate ich aber nicht …. lest doch erst mal in „Qualitätsmedien“ nach, die ihren Titel nicht für die Qualität ihrer Berichte erhalten sondern für die Qualität der Bezahlung der Artikel.

Überhaupt … höre ich da, so etwas wäre in Deutschland undenkbar? Wir zensieren nicht, weil wir eine Demokratie sind?

Nun – jedenfalls nennen wir uns eine Demokratie. Im Kapitalismus hat sich der Konsument daran gewöhnt, das nicht alles Gold ist was glänzt – und meistens ist nicht drin, was draufsteht.  Das gilt auch für die Staatsform, die sich der Kapitalismus gerade hält, weil er hier am besten Schmieren kann (weshalb das Thema mit den James-Bondfilmen auch nur funktioniert, weil die Queen einfach unbestechlich ist. Königinnen kann man nicht kaufen – bürgerlichen Pöbel schon).

Wir werden uns aber wohl umbenennen müssen, wenn man sieht, was Google so über Deutschland denkt, siehe Telepolis:

Allerdings scheint man in Deutschland rigoroser zu sein. Während es in den USA bei den 92 Anweisungen um insgesamt 757 Inhalte ging, wollten die deutschen Behörden gleich in 127 Anweisungen 2.405 Inhalte entfernt wissen, Google spurte in 86 Prozent der Fälle. Deutschland liegt hier mit deutlichem Abstand an der Spitze der aufgeführten Staaten. Die Zensur richtet sich vor allem gegen die Internetsuche. 

Gut, man liest bei Telepolis auch darüber, das es „böse“ Sachen sind, vor denen unsere Regierung uns schützen will. Gewalt, Pornographie oder „Nazi-Andenken“.

Pornographie als Bestandteil der Werbewelt, Gewalt als Mittel der Auseinandersetzung mit politisch andersdenkenden Bahnhofs- und Atomkraftgegnern oder Nazi-Andenken in Form von Münteferingsprüchen („Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen“) werden bei uns nicht zensiert, wenn sie in der alltäglichen Realität vorkommen – nur im Internet sind sie gefährlich für unsere Jugend.

Was aber wirklich gefährlich ist, beschreibt eine Googlemitarbeiterin hier zitiert im ZDNet:

Als besonders beunruhigend sieht Google die anhaltende Tendenz zu politischer Zensur. Die Hoffnung, es handle sich dabei um eine vorübergehende Abweichung, habe sich nicht erfüllt, schreibt Google-Mitarbeiterin Dorothy Chou in einem Blogeintrag. „Es ist nicht nur deshalb alarmierend, weil die freie Meinungsäußerung in Gefahr ist, sondern weil einige dieser Forderungen aus Ländern kommen, die man nicht vermuten würde – westlichen Demokratien, die üblicherweise nicht mit Zensur in Zusammenhang gebracht werden.“

Deutschland liegt hier – nach den USA – auf Platz 2.

Ist doch aber auch logisch, oder?

Wenn Milliardäre sich auch Politiker kaufen können (oder sie mit umfangreichen Kampagnen steuern), dann werden die irgendwann die Zensur der Konzerne auch als Akt der Regierung durchsetzen. In Deutschland sind wir soweit, da können wir uns noch soviel schwarz-rot-goldene Farbe ins Gesicht schmieren.

Wie viele reiche Menschen haben in Deutschland eigentlich Zeitungen gekauft? Wie viele unabhängige „Blätter“ gibt es überhaupt noch? Was ist ein „Blatt“ überhaupt noch wert, wenn man schon zweimal wöchentlich Zeitungen umsonst bekommt, die einzig von der Wirtschaft bezahlt werden (und wer hat da noch Lust auf noch mehr Altpapier, für das man dann noch bezahlen soll?)

Die Antworten darauf werden wir nicht bekommen – jedenfalls nicht von den „Qualitätsmedien“  Denen fällt noch nicht mal auf, wenn „Anarchisten“ einen Staatstreich in Australien durchführen oder „das Böse“ offen auf der Weltbühne agiert.

Man gewöhnt sich halt dran – ist im eigenen Hause ja genauso.

Dort hat man sich längst damit abgefunden, das Qualität halt teuer ist … und ein Qualitätmedium deshalb erst dann eins wird, wenn man jemanden gefunden hat, der viele Milliarden in das Unternehmen steckt und dafür nur ganz kleine, unbedeutende Gegenleistungen möchte … wie die Einführung eines neuen, monetären Feudalismus zum Beispiel. Aber …. wen würde das noch stören: „Geld regiert die Welt“ ist schon lange kein Spruch mehr, der vor Korruption warnen soll, sondern eine bittere Tatsache, der sich alle ABER AUCH WIRKLICH ALLE schon längst unterworfen haben … weshalb wir keine Probleme damit haben, solche strunzdämlichen Sprüche zu akzeptieren, die besagen, das „Firmen richtig gutes Geld“ zahlen. Man meint: viel Geld … und akzeptiert, das „viel Geld“ „gut“ ist, weshalb die Herrschaft des Finanzadels als Herrschaft des Guten über das Böse vorbehaltlos akzeptiert wird.

Und darum fällt den Journalisten des Handelsblattes auch nicht auf, was sie dort eigentlich berichten.

Mir schon.

Und ebenso fällt mir auf, das die „Qualitätsmedien“ den goldenen Kriegstrompeten alter Diktatoren gleichen. Sie sind teuer, machen viel Krach, stören beim Nachdenken und halten den Pöbel beim Gleichschritt in Reih´ und Glied.

Mir sind da die leisen freien „Blog“flöten lieber.

Kein Wunder – habe ja auch selber einen.

Ein PS noch: wer glaubt, das es wirklich „gutes Geld“ gibt, der darf mir gerne alles „böse“ Geld schicken, das ihm unter die Finger kommt. Ich nehme ihm diese Last schweren Herzens ab – sie wird sehr leicht sein.
Und ein PS zwo: „viel“ ist nicht automatisch „gut“ – man denke nur an Regen, Steuern oder Parkgebühren.  Deshalb liest man so selten von „richtig guten Steuern“ oder „richtig guten Parkgebühren“ … und von dem „richtig guten Regen“ haben wir doch so langsam alle die Nase voll, oder?

 

 



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