Politik

Die besten Aprilscherze 2012. Piratenpartei, ESM, Schlecker und Wulff

Von hier aus gelangen Sie auf die Autorenseite von und koennen alle kommenen Artikel mit "Link speichern unter" abonieren.

Sonntag, 1.4.2012. Eifel. Ein schöner sonniger Tag – und ein besonderer Tag. Heute ist der Tag, wo man es mit der Wahrheit nicht so genau nimmt, jener Tag, an dem man seine Mitmenschen „in den April schicken“ darf. Eigentlich ein Tag, an dem man die Nachrichtenwelt meiden sollte. Zu schnell geht man üblen Lügnern auf den Leim, zu schnell läuft man mit einer sensationellen Nachricht durch die Welt, die im Grunde genommen nur eine Ente ist. Da ich heute aber Zeit und Muße habe, habe ich mir erlaubt, die größten Enten zu identifizieren. Die erste ist: PIRATENPARTEI ÜBER NEUN PROZENT! Selten so gelacht. Als wäre es in Deutschland möglich, mit „Von-dem-Thema-haben-wir-keine-Ahnung“ Wählerstimmen zu ergattern, erst recht, wo der Antisemitismus der Piraten sich mitlerweile als Dauerbrenner entpuppt – hier eine Twitternachricht des Ex-CDU-Piraten Kevin Barth bei Cicero:

ok. Ich bin also Antisemit weil ich die israelische Kackpolitik und den Juden an sich unsympathisch finde weil er einen sinnlosen Krieg führt?

Ebenfalls bei Cicero findet man Zitate, die der führenden Saarlandpiratin zugesprochen werden:

„Somal ich finde das zum beispiel wennunsere soldaten in de irak geschickt werden ich finde es unnötig“

Cooles Deutsch, oder? Geht aber noch besser.

„Unsere soldaten [sind] für so länder einfach zu schade jeder einzelne deutsche soldat tut mir leid der wegen so A… umkommt“.

Gut, das die Meldung über die Wahlaussichten der Piraten nur der Phantasie ulkender Autoren entspringt, denn die Piraten wissen weder, wann sie Antisemitisten sind, noch wissen sie was über Afghanistan – was kein Wunder ist, wenn sie deutsche Truppen im Irak vermuten. Jedenfalls sorgen die Musikkonzerne gerade mit einer breiten Offensive an den Schulen für Aufklärung über Netzpiraterie und wollen der Partei so den Nährboden entziehen – wahrscheinlich haben die Piraten aber auch davon keine Ahnung.

Der nächste Aprilscherz hat es ebenfalls in sich: da will man uns doch in der Tat verkaufen, das es in Deutschland antikapitalistischen Widerstand gibt, der auch Polizisten haut. Ha ha ha – selten so gelacht. Da die Deutschen in der Tat mit ihrer neu für sich entdeckten Biedermeierkultur der absoluten Abkapselung von der politischen Realität keine Ahnung von Kapitalismus und seinen Nebenwirkungen haben, wäre eine antikapitalistische Demo in Deutschland so wahrscheinlich wie Schnee in der Sahara – und außerdem würden die Konzernmedien nie darüber berichten. Machen die doch auch sonst nicht. Im Zusammenhang mit dieser Demo stehen auch die nächsten Nachrichten: die Rettungsschirme laufen ja gerade auf 800 Milliarden Euro – oder waren es 800 Billionen? Nein – das kommt sicher noch. Frankreich hat ja erstmal zusammen mit der OECD die Billion ins Spiel gebracht … oder war das jetzt doch die Billiarde. Das sind halt utopische Zahlen, die man sonst nur im Mathematikunterricht kennenenlernt und dann schnell wieder vergisst.

Jetzt hat man uns zum April den deutschen Anteil davon ausgerechnet: es sind 400 Milliarden Euro.  Ha ha ha – selten so gelacht. Erstmal hat der Schäuble in der Tagesschau erklärt, das wir nur 28% von dem Schirm tragen. Ausserdem gilt ja auch generell: niemals geht der Schirm über 500 Milliarden Euro. Und wenn Merkel und Schäuble das sagen, dann gilt das auch. Deshalb konnte ich auch leicht den nächsten Aprilscherz in der Welt outen:

Wenn der Rettungsschirm installiert ist, darf er über den Gouverneursrat Zugriff auf die deutschen Staatsfinanzen nehmen. Er steht außerhalb demokratischer Kontrolle. Sparer sollten sich absichern.

Ha ha ha …. der war echt gut, oder. Also ob die Merkel wirklich irgendwelchen Gouverneuren Zugriff auf die deutschen Staatsfinanzen nehmen würde … und dadurch den deutschen Kleinsparer gefährden.

Noch besser aber ist der Schleckerwitz. Da geht eine Firma pleite, weil sie Mitarbeiter bescheiden behandelt, Läden lieblos führt und Leiharbeiter gnadenlos auspresst. Dann hat sie auf einmal kein Geld mehr und der Firmenchef ist bankrott. So bankrott, das fast die deutschen Steuerzahler für die Rettung eines Unternehmens hätten bezahlen müssen, bei dem sie einfach nicht einkaufen wollten. Jetzt die Aprilscherznachricht: wenn der Steuerzahler halt nicht für die Rettung des Leiharbeitermissbrauchs einspringt, dann kaufen Schleckers Kinder den Laden einfach wieder zurück.

Ha ha ha.

Der beste ist aber: Ehepaar Wullf schreibt seine Memoiren. 598 Bundespräsidentengattin – da hat man viel zu erzählen, was der Deutsche dringend erfahren muss. Angeblich gibt es schon Honorarangebote in siebenstelliger Höhe. Blödsinn … obwohl … gehört nicht auch der Maschmeyer zu diesen Freunden? Und der kauft doch die Memoiren seiner Freunde zu genau diesem Preis.

Nun … vielleicht war das doch kein Aprilscherz.

Man kann ja auch nicht erwarten, das man immer alle findet – so wie den in der FAZ über die geplante neue Rechtschreibreform, die zur Verbesserung der internationalen Kommunikation die deutschen Umlaute, das ß und das „sch“ aus der Schriftsprache auslöschen wird.

So einen Unfug würden die deutschen Kultusminister nie durchgehen lassen.

Aber … wenn ich mir das mal so genau überlege … nein, das muss ein Aprilscherz sein.

Ebenso wie die Artikel,  die zeigen, das das Biolebensmittel nicht mehr Vitamine haben, behaupten, es gäbe in China Putschgerüchte, weshalb die anfangen, Internetseiten zu sperren oder die Meldung, das Jörg Asmussen von der EZB die Abgeordneten des deutschen Bundestages davor warnt, ihr Mitspracherecht bei der Verwaltung deutscher Gelder im Rahmen der EZB-Gelder wahrzunehmen.

Das alles müssen Aprilscherze sein.

Bitte.

 



Die letzten 100 Artikel