Wissenschaft

Morgellons, Nine-eleven und die Gedankenpolizei in Deutschland

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Mittwoch, 21.3.2012. Eifel. Kennen Sie eigentlich Morgellons? Oder sollte ich besser fragen: trauen Sie sich, Morgellons zu kennen? Immerhin haben wir das Jahr 2012 – wir dürfen schon längst nicht mehr über alles öffentlich reden, vieles muss hinter verborgener Hand besprochen werden, weil die Gedankenpolizei in den Medien sehr aktiv ist.  Gedankenpolizei? Ist das nicht irgend so ein Science-Fiktion-Ding? Nun – urteilen sie selbst. Gehen Sie doch heute Abend mal in die nächste Eckkneipe und rufen laut aus: „Nine-eleven war selbst gemacht“. Was würde geschehen? Der durchschnittlich gebildete Bürger würde Ihnen Recht geben und sie bekämen ein Bier spendiert, ok, das war ein falsches Beispiel.

Schweinebucht, Watergate, Iran-Kontra-Affäre, Talibanförderung, Irakkriegslügen – auf der Hinterhältigkeits- und Verlogenheitsskala rangiert die politische Kaste in den USA ganz oben, der Business Round Table baut seit vierzig Jahren gezielt und äußerst erfolgreich die US-Gesellschaft um und selbst unsere deutschen Wirtschaftsfürsten geben offen zu, das die USA von 200 Familien regiert werden – anstelle von 300 Millionen Bürgern.  Dieser Ausspruch stammt von Herrn Arndt Oetker und man sollte ihn sich merken – er verschwindet langsam aus dem Internet: man hat wohl gemerkt, das er viel zu oft zitiert wird. Die Vorstellung, das ein Kreis von mächtigen, skrupellosen Superreichen ein großes Ding einfädelt, sich ihrer CIA-Kontakte bedient um ein Ereignis auszulösen, das ihnen erlaubt, ihre Macht weltweit noch mehr auszudehnen ist doch wohl weniger phantastisch als die Vorstellung, das ein nierenkranker Mann dies alles aus einer Höhle in Afghanistan aus organisiert hat (was natürlich … nebenbei bemerkt … trotzdem wahr sein kann).

Denken Sie sich nun mal einen Zeitungsreporter, der mit der Aussage „nine-eleven war selbst gemacht“ einen Artikel schreiben will – was denken Sie wohl, was geschehen wird? Wagen Sie eine Wette, ob der das durchbekommt? Wahrscheinlich wagen Sie das nicht – gegen die offiziell erlaubte Wahrheit zu verstoßen, ruft nämlich ganz schnell die Gedankenpolizei auf den Plan – die wir schon bei vielen Themen selbst im Kopf haben: der Mensch überlebt halt durch Anpassung und aktzeptiert ganz schnell die „Schere im Kopf“.

Was einem Journalisten geschieht, der kritisch mit den großen Tabuthemen unserer Zeit umgeht, sieht man am Beispiel des Gerhard Wisnewski: er fliegt ´raus, wird vom Spiegel fertig gemacht und mit Rufmord überzogen. Sein Film im WDR hat mich damals stutzig gemacht – und sein Schicksal führte dann zu der Überlegung, das etwas dran sein muss an den Verschwörungstheorien: so geht man in der freien Welt nicht mit Journalisten um … und wenn doch, dann ist diese Welt irgendwie nicht ganz so frei, wie die offizielle Propaganda täglich tönt.

Aber ich habe inzwischen verstanden: über nine/eleven darf man nicht reden, Fragen zu dem Thema beantwortet der Pressesprecher der US-Regierung, alle anderen Informationen sind … gefährlich.

Darum habe ich nach Morgellons gefragt. Die sind – noch – ungefährlich, obwohl sie auch aktuell die Gedankenpolizei auf den Plan rufen. Schauen wir mal bei Wikipedia ´rein, jener tollen Internetenzyklopädie, die leider … immer wieder von entsprechender Seite bearbeitet wird:

Die wissenschaftliche Medizin sieht das Syndrom mehrheitlich nicht als eigenständiges Krankheitsbild, sondern als Variante des Dermatozoenwahns an, einer psychiatrischen Erkrankung. Die Verbreitung wird auf ein Internet- und Medien-Phänomen („Internet-Mem“) zurückgeführt.

Da kriegen wir also schon eine Antwort, die so wertend ist, das sie im Brockhaus keine Verwendung gefunden hätte. Was ist denn „wissenschaftliche Medizin“?   Und …  arbeitet das Borreliosezentrum Augsburg denn dann unwissenschaftlich? Die haben nämlich schon recht seltsame Entdeckungen bei den Morgellon-Patienten gemacht:

Es sind vor allem die merkwürdigen Fasern, die den Experten Rätsel aufgeben. Dr. Schwarzenbach hat sie von seinen Patienten gesammelt und unter dem Mikroskop untersucht. „Im Grunde sehen sie alle ähnlich aus“, so der Labormediziner. Dünne haarähnliche Gebilde, die sich zu Büscheln oder kleinen Kugeln zusammenballen können. „Sie sind so fest, dass man sie nicht einmal richtig zerschneiden kann“, schildert der Arzt seine Erfahrungen. 

Und noch etwas hat er beobachtet: „Die Fasern haben eine Eigenbewegung. Sie drehen sich aktiv aus der Haut heraus“. Das alles würde auf winzige Lebewesen, wie zum Beispiel eine unbekannte Art von Würmern, hinweisen. Wenn das FBI nicht herausgefunden hätte, dass die Fasern anorganisch, also synthetisch sind. 

Synthetische Fasern, die aus der Haut wachsen, fest wie Stahl, ausgestattet mit einer Eigenbewegung – und übertragen durch ein Internetphänomen? Oder handelt es sich um eine psychische Krankheit, die durch ein Internetphänomen übertragen wird? Das soll „wissenschaftlich“ sein – allen Ernstes? „Internet-mem“ ist aber eigentlich im Prinzip erstmal nur eine Beschreibung von Informationen, die – unkontrolliert – frei zirkulieren.  Die Informationen werden dadurch nicht automatisch falsch, schlecht oder verzerrt, nur weil sie ohne Kontrolle durch die Gedankenpolizei verbreitet werden.

Die Existenz der Gedankenpolizei ist auch Randy S. Wymore aufgefallen, einem Wissenschaftler, durch den ich zuerst auf diese „Morgellons“ aufmerksam geworden bin – in einem ganz anderen Zusammenhang. Er spricht in einen „Special“ zu dem Film „Invasion“, der das Thema der Invasion durch „Körperfresser“ wieder mal aufgewärmt hat. Er benennt das Phänomen der Gedankenpolizei nicht explizit – aber beschreibt seine Wirkung: das menschliche Wissen gleicht einer Kiste, in der sich das bekannte Wissen befindet, außerhalb davon befindet sich das Unbekannte – aber es gibt dann jene Menschen („viele Menschen“),  für die das Gebiet ausserhalb jener Kiste einfach nicht existiert.

Sobald man auf Wissen ausserhalb der Kiste stößt oder auch nur behauptet, dort würde es vielleicht noch etwas geben, bekommt man Besuch von der Gedankenpolizei.  Die hat auch private Helfer … die sehr dubios werden, wenn man genauer hinschaut. Wenn die Gedankenpolizei vorbeischaut, dann werden psychische Krankheiten schon mal durchs Internet verbreitet – nur um die Diskussion zu stoppen, bevor sie zu weit geht. Randy S. Wymore hingegen verhält sich auch sonst wie ein Wissenschaftler – und untersucht, beschreibt, beobachtet, ohne zu urteilen:

Zu diesen gehörte auch der Molekularbiologe und Kardiologe Randy Wymore, der an der staatlichen Universität von Oklahoma über Krebs und Herzkrankheiten forscht. Als er im Internet auf Morgellons-Seiten stieß, wollte er diesen Verblendeten beweisen, welch kruder Idee sie aufgesessen waren. Also bat er die Betroffenen per E-Mail, ihm Proben ihrer mysteriösen Körperfasern zur Analyse einzusenden. „Er erwartete, mit Dreck, Ameisen, Fliegen oder Baumwollfäden gefüllte Beutel zu bekommen“, schreibt Brigid Schulte im Artikel der Washington Post. Und tatsächlich erhielt Wymore innerhalb weniger Tage Post aus fast allen Bundesstaaten der USA. „Obwohl sie von ganz verschiedenen Orten stammten, glichen sich die Proben auffällig“, zitiert Schulte den Forscher. „Die Textur und Schatten – ein Kobaltblau, rote Fasern, die ins Magenta gehen – waren sich sehr, sehr ähnlich. Unter speziellem Licht gaben sie alle ein Leuchten ab. Wymore verglich die Fasern mit allem, was ihm in den Sinn kam, von Pfefferkörnern bis Bluejeans-Fäden. Ohne Ergebnis.

Das hält nun das offizielle Organ der Gedankenpolizei in Deutschland nicht davon ab, uns klar zu sagen, was wir davon zu halten haben:

Schlimmes Hautleiden beruht wohl auf Einbildung

Andere Wächter über das richtige Denken klären uns dann schnell auf, welchen Autoritäten wir zu gehorchen haben:

Immer mehr Menschen sind davon überzeugt, dass unter ihrer Haut kleine Tiere unterwegs sind. Die US-Regierung hat nun Ergebnisse einer Studie vorgelegt.

Wenn die US-Regierung das Ergebnis einer Studie vorlegt, dann ist ja wohl das letzte Wort gesprochen: die höchste wissenschaftliche Autorität setzt der Debatte ein Ende. Wir sind es schon so sehr gewohnt, das die US-Regierung Wahrheiten vorgibt, das wir gar nicht mehr aufmerken, wie politisch bedenklich es ist, wenn Regierungen uns wissenschaftliche Ergebnisse präsentieren, als sei das ihre ureigensten Aufgabe.

Schaut man sich die Studie genauer an, wird man schnell stutzig: man fand keine Bakterien oder Parasiten bei den „Infizierten“ – das ist aber auch schon alles. Hören wir nochmal Dr. Wymore dazu – den Wissenschaftler:

Dr. Wymore says, “A lot of media types have been picking up and saying things like delusional disorder, and Morgellon’s is all in the head. But, that’s not actually the conclusion that they state.”

Wymore says he was part of a group that sorted through the data.

“I wasn’t surprised by the results because in 2009 I was part of a six member external peer review panel that looked at their data.”

Wymore says part of the problem is researchers only collected fibers from twelve participants.

“It’s unclear to me that there were any actual Morgellon’s patients in the study.”

Sofort ist man verblüfft – kennt dieses Vorgehen aber schon bei nine/eleven, den Massenvernichtungswaffen es Iran und anderen medialen Inszenierungen: schaut man genauer hin, löst sich die Version der US-Regierung in Luft auf … aber wir dürfen aus dieser Tatsache keine Schlussfolgerungen mehr ziehen.

Morgellons sind keine Bakterien und Pilze – das ist toll, das hat auch nie jemand behauptet. Immerhin geht es hier um synthetisches Material, das fest wie Stahl ist aber ein unheimliches Eigenleben hat – und die Studie, die das klären sollte, hat möglicherweise gar keinen „echten“ Patienten untersucht. Das gleicht der Qualität der  Regierungsstudien über nine-eleven und den Massenvernichtungswaffen im Irak und hat mit Wissenschaft nichts mehr zu tun.

Wir werden nie erfahren, was Morgellons sind. Leider. Die Morgellonsche Krankheit wird zum Internetphänomen – und ist damit hinreichend erklärt. Wer sie hat, hat Pech gehabt, hat einen „Wahn“, ist geistig krank wie die anderen auch, die von der Gedankenpolizei mit dem aktuellen Judenstern „Verschwörungstheoretiker“ gebrandmarkt werden.

Nicht mehr lange, dann werden auch die seriösen Wissenschaftlicher sich nicht mehr an das Thema herantrauen, es wird tabu werden.

Einmal abgesehen davon, das es viele Spinner gibt (auch und gerade unter Wissenschaftlern – wenn man die erstmal privat kennenlernt): ist es nicht eigenartig, wie sehr wir uns daran gewöhnt haben, das die US-Regierung weltweit allerhöchste Autorität bei der Wahrheitsfindung geworden ist? Das sie – und nur noch sie – bestimmt, was „in der Kiste“ zu sein hat, und das außerhalb jener Wissenkiste mit absoluter Sicherheit überhaupt nichts ist?

Es gab Zeiten, da wären bei politisch bewußten Menschen alle Warnlampen angegangen … aber heute wissen wir alle, das es sie gibt, die neue Gestapo und haben dieses Wissen instinktiv akzeptiert.

Und wie schon damals arbeitet sie nicht öffentlich, trägt keine Uniform, wirkt meist im Hintergrund … aber alle wissen, das sie da ist.

Und manchmal wird sie schon bei augenscheinlich harmlosen Krankheitsbildern aktiv – oder gibt es sonst einen Grund, warum die amerikanische Seuchenbehörde und die Firma, die die Morgellon-Studie lieferte, die Seite eines deutschen Morgellon-Aktivisten observieren?

 



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