Politik

Der hässliche Deutsche ist wieder da – und blöd ist er diesmal auch noch: Griechenland muss sterben!

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Mittwoch, 8.2.2012. Eifel. Kennen Sie noch den häßlichen Deutschen? Den gab es früher mal. Er hat fremde Länder überfallen, seine Arbeiter geraubt und sie in deutschen Fabriken zu Tode schuften lassen – so sagt man. Wenn ihm einer mal nicht gar nicht gepasst hat – Juden also, Zigeuner, Linke, Freimaurer, Christen, Arbeitslose, Demokraten, Humanisten oder einfach nur die blöden Nachbarn – dann hat er sie auch schon mal eingesperrt und aus Kostengründen vergast. Ja, so war er, der hässliche Deutsche. Kennen Sie auch das Land der Dichter und Denker? Ja – ist genau das gleiche Land. Bevor der hässliche Deutsche (manche meinen, der erste kam aus Österreich) auf der Bildfläche erschien, gab es hier die Dichter und Denker. Die hat der hässliche Deutsche zuerst ausgerottet – das war sozusagen seine Hauptarbeit. Heute ist er wieder da, der hässliche Deutsche … jetzt rottet er erstmal die Griechen aus.

Klar, so offen reden wir nicht darüber. „Damals“ konnte man ja auch nicht einfach in jeder Zeitung schreiben, das Hitler die Juden vergast. Der Sprachcode war ein anderer – „Umsiedlung“ hieß das.  Diese „Umsiedlung“ kann man als Begriff heute nicht mehr verwenden, darum hat man den Begriff „Reformen“ erfunden. Das hört sich flott an, modern, gut.  Die Wahrheit jedoch ist so hässlich wie der Deutsche selbst: „Reformen“ heißt letztlich nichts anders als Ausrottung durch Entzug der Lebensgrundlage. Das kann man im Lager machen (zieht aber heute nicht mehr so gut, da machen nicht mehr alle mit und außerdem stimmt die Kosten-Nutzen-Analyse nicht) oder aber einfach durch kollektive Verelendung.

Wieso der Grieche so verelendet, wieso er seine Kinder abgibt, auf der Straße erfriert, im Stall verhungert oder sein Land verlässt, wenn er es nur gerade irgendwie kann, wo wir doch beständig neue Milliarden in dieses Land hineinpumpen, erklärt uns keiner. Das bleibt ein Rätsel, so wie es früher ein Rätsel blieb, warum die „Umgesiedelten“ keine Postkarten schickten und auch nicht mal zu Besuch vorbei kamen.

Der Vizechef der Gewerkschaft der Angestellten in Griechenland kennt das Problem genau, siehe Spiegel:

 „In Deutschland hat doch keiner eine Ahnung, was für Umwälzungen hier im Gange sind und was für Opfer von uns verlangt werden.“

Hier hat auch wirklich keiner eine Ahnung, was es bedeutet, wenn die Welt folgende Artikel schreibt:

Statt vereinbarte Kürzungen zu vollziehen hintertreibt der Beamtenapparat die Reformen, wo er nur kann. Staatsdiener verschlingen mehr als die Hälfte des Haushalts.

Ein Wunder, das man sich darüber aufregt – aber nicht im Lande des hässlichen Deutschen. Was die Beamten dort tun, ist: sie tun ihre Pflicht. Sie sind in erster Linie dem Land, der Verfassung und dem Staate verpflichtet. Wenn eine fremde Macht dem Land Gewalt antut – egal in welcher Form – dann ist es ihre Pflicht, Widerstand zu leisten. Dafür haben sie ihre Privilegien. Sie „verschlingen“ auch keinen Haushalt – sie werden für ihre Arbeit bezahlt. So etwas gab es auch in Deutschland, bevor rot-grün die Leihsklavenarbeit erfunden hat. Jetzt staunen wir nicht mehr darüber, das eine Zeitung sich darüber beschwert, das im Ausland Beamte tun, wofür sie bezahlt werden und dafür auch noch Geld bekommen.

Wir haben uns im Inland an den hässlichen Deutschen bereits gewöhnt – im Ausland lernen sie uns jetzt erst richtig kennen. DGB-Chef Sommer formuliert die Zielrichtung der aktuellen Politik sinngemäß so:

Das strikte Sparen macht die Staaten arm und handlungsunfähig.

Wenn ich einen Menschen arm und handlungsunfähig mache, verurteile ich ihn zum Tode – auch ohne selbst zu schießen. Dazu reicht es, das ich dem Staat sein Geld wegnehme und auf ein Sperrkonto fließen lasse.

Der deutsche Dichter und Denker würde hier aufmerksam werden. Er würde sich fragen, wann denn jene unsichtbaren Mächte Deutschland ins Visier nehmen, ein Land, das ebenfalls hoch verschuldet ist. Er würde sich auf fragen, wo denn eigentlich das ganze Geld hin ist, für das wir so schwer gearbeitet haben. Er bräuchte auch nicht lange zu suchen, um es zu finden:

Lizenz zum Gelddrucken: Kreditinstitute werden sich bei der Europäischen Zentralbank bald günstig mit Geld eindecken, bis zu eine Billion Euro könnten es werden. Den Instituten winken Profitmargen von bis zu 500 Prozent, das Ausfallrisiko trägt am Ende der Steuerzahler.

Was meint man wohl, wem man dieses Geld andrehen wird? Natürlich armen Staaten, die dann davon ihre Nato-Rüstungsbeiträge bezahlen, die es nach dem Ende des kalten Krieges eigentlich nicht mehr geben darf. Dann werden deutsche Baukonzerne auch noch ein paar unnütze Autobahnen für Ziegenherden bauen, ein paar Staudämme ohne Wasser oder Riesenflughäfen in Gemüsegärten errichten und die komplette Regierung des Beutelandes wird – letztlich auf Kosten des deutschen Steuerzahlers – mit Limousinen aus deutschem Hause ausgestattet.

So macht man Staatsschulden, an denen viele verdienen – aber die nur einer bezahlt.

Ich.

Im Lande der Dichter und Denker würde solch ein Wahn nicht durchgehen, im Lande der Hässlichen und Blöden wird es jedoch umso schlimmer:

Die Deutsche Bank  will nach Informationen der Financial Times (FT) einen neuen Fonds auflegen, der illiquide Hedge-Fonds-Vermögenswerte aufkaufen soll. Der neue Fonds, den das größte deutsche Geldhaus zusammen mit der auf solche Anlagen spezialisierten Firma Rosebrook Capital auflegen will, soll demnach bis zu 500 Millionen Dollar einsammeln.

Mehr als drei Jahre nach der Pleite der US-Bank Lehman Brothers setzen Geldinstitute wieder auf Aktiva, die seit den Turbulenzen als toxisch galten. 

Ja – das kann man im Lande der Blöden locker machen. Das merken nicht, das jetzt wieder gezockt wird bis der Arzt kommt – und darüber hinaus. Hier wird die nächste Blase aufgebaut, die der Rettungsschirm letztlich wieder einfangen soll.

Super, oder?

Kommt aber noch besser, wir können inzwischen auch wieder richtig hässlich werden:

Wie antastbar die Würde des Menschen jedoch für die Deutsche Bank sein kann, beweist das Institut mit der Emission des Fonds „DB Kompass Live 3“ aus dem Jahr 2008. Der Fonds investiert im Gegensatz zu seinen offensichtlich schlecht laufenden Vorgängern DB Kompass Live 1 und 2 nicht in aufgekaufte Lebensversicherungspolicen, sondern spekuliert direkt mit der Lebenserwartung eines ausgesuchten Kreises von etwa 500 US-Amerikanern. Je früher einer der Teilnehmer stirbt, desto höher ist die Rendite für die Anleger.

Ob die jetzt auch noch Leasingverträge mit Profikillern der Mafia abschließen, um die Rendite maximal auszugestalten – oder sind die Killer noch zu teuer?

Im Lande der Dichter und Denker wäre die Deutsche Bank schon längst ein Fall für die königliche Garde – sprich: die Bundeswehr. Da wächst ein Staatsfeind im Herzen der Republik, macht das Land hässlich und blöde und niemand erinnert sich noch daran, was der Staat in solchen Fällen unternimmt.

Zur Erinnerung: in solchen Fällen wird geschossen. Aus Notwehr.

Das brauchen wir aber im Prinzip nicht zu tun (wir wollen uns ja auch nicht auf das Niveau der Banken hinabbewegen) – es reicht, wenn wir als Staaten sagen:

Wir zahlen ab heute keine Zinsen mehr und erklären alle Schulden aller Staaten für null und nichtig. 

Warum sollen wir auch für das Versagen unserer Angestellten bis in alle Ewigkeit aufkommen?  Sofort wären alle Staaten wieder reich … nur ein paar Superreiche wären weniger superreich.

Haben wir überhaupt noch eine Alternative zu diesem Schritt? Ist er nicht schon längst das Einzige, was in dieser Welt wirklich alternativlos ist?

500 Milliarden Euro soll die Pleite Griechenlands allein die Deutschen kosten. Portugal bereitet sich klammheimlich ebenfalls auf einen Schuldenschnitt vor. Belgien droht der nächste Pleitekandidat zu werden, Spanien pflegt eine Rekordarbeitslosigkeit, ein Ende des Anstiegs ist nicht in Sicht – und wieder droht der Rettungsschirm  zu gering auszufallen: ich soll noch mehr zahlen.

Was haben wir denn eigentlich noch zu verlieren? Schauen wir doch mal genau hin, was um uns herum vor sich geht:

Auch im Fall Griechenland haben Derivate, vor allem sogenannte Kredit­ausfallversicherungen (Credit Default Swaps, CDS), mit denen Finanzjongleure schon vor Beginn der Krise begannen, auf die Pleite Griechenlands zu spekulieren, das Potential eine ähnliche globale Katastrophe auszulösen wie der Lehman-Zusammenbruch.

Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in Basel schätzt mit Stand von Ende Juni 2011, daß Derivate im Nominalwert von 707 Billionen Dollar (etwa das zwölffache des Weltbruttoinlandsproduktes) ausstehen. 32,5 Billionen Dollar Nominalwert sind davon CDS. Deren größter Teil wiederum sind sogenannte leere Kreditausfallversicherungen, denen kein reales Darlehen gegenübersteht, auf die jedoch bei einem »Default« (Bankrott) der gesamte Nominalwert der CDS von dem Versicherungsgeber an den Versicherungsnehmer ausgezahlt werden muß.

Wer schließt eigentlich so dämlich Verträge ab – und wer bestimmt, das ich für den Blödsinn haften soll?

Klar – das beschließt der hässliche Deutsche. Und der blöde Deutsche zahlt … und zwar – wie üblich –  mit seinem Leben:

Während die Lebensarbeitszeit im Jahr 2000 hierzulande 34,3 Jahre betrug, lag sie 2010 schon bei 36,8 Jahren. Das sind sieben Jahre länger oder ein Viertel mehr als in Italien üblich (29,6 Jahre).

Auch Griechen und Franzosen, die von vielen Deutschen nach Umfragen um ihre Lebensart beneidet werden, bleiben mit 32,3 und 34,2 Jahren hinter dem Arbeitseifer des größten Euro-Staates zurück.

Vielleicht zahlen wir auch schon mit unserem Gold: das tolle Superaufschwungjubeldeutschland hat 2011 als EINZIGES Euro-Land seinen Goldschatz verringert.

Zeit also, auch als Deutscher zu merken, das wir uns unsere Blödheit nicht mehr leisten können. Griechenland soll sterben – das ist der Hintergrund aller Reformen. Sagen wir das doch einfach mal deutlich: wir wollen seine Männer als billige Arbeitssklaven, seine Ressourcen als Geschenk, seine Frauen als Prostituierte in deutschen Bordellen und seine nutzlosen Kinder im Grab sehen – und wir möchten, das die Griechen das gefälligst selber machen, weil alles andere zu teuer würde.

Was wir dabei übersehen: wir werden die nächsten seien.

Früher holten sie zuerst die Juden – und dann die Tschechoslowakei. Heute holten sie zuerst die Arbeitslosen – und dann Griechenland. Sie werden sich aber wie üblich damit nicht zufrieden geben.

Wer sind nun diese „sie“?

Nun – die hässlichen Deutschen.

Wer sonst?

 



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