Alltagsterror

Herrschaftssprache – Verharmlosung, Verschleierung, Umkehrung

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Die Politik und Wirtschaft beklagt immer öfter die Verdrossenheit der Bürgerinnen und Bürger, das fehlende Vertrauen. Man spricht den Menschen die Fähigkeit ab, die Komplexität von Tatsachen in unserer globalen Welt zu verstehen. Politik und Wirtschaft hat sich zur Aufgabe gemacht den Menschen die Zusammenhänge und die sich daraus ergebenen Entscheidungen besser zu erklären, die Menschen mitzunehmen.

Doch das ist eine Heuchelei. Immer dann, wenn versucht wird, eine Entscheidung zu rechtfertigen, die erwartungsgemäß den Unwillen der Betroffenen Menschen erzeugen wird, benutzen sie eine Herrschaftssprache. Diese Sprache findet man daher vorwiegend in den Medien, der Wirtschaft und der Politik, um habgierige und betrügerische Maßnahmen als „Alternativlos” zu begründen und durchzusetzen.

Da sich die Betroffenen als außerhalb des Vermögens des Verständnisses betrachten, ist hier kein Widerstand mehr zu erwarten. Sprachmanipulation dient der Verharmlosung, Verschleierung oder Umkehrung von Sachverhalten. Es werden Worte und Formulierungen gewählt, die für die Bürger/innen so abstrakt anmuten, dass der Bürger/innen sich in einer Position wieder findet, in der er sich mit dem Gesagten einfach abfindet, da er es nicht versteht.

Es soll ein Gefühl der Unterlegenheit erzeugt werden, welches die Bürger/innen immer bestrebt sind, nicht zuzugeben oder zu zeigen. Das Gesagte wird hingenommen, ohne nochmals darüber nachzudenken, da man es „eh nicht versteht” oder „zu doof dafür ist”.

Es sei an den ehemaligen SPD Bundes-Verteidigungs-Minister Peter Struck erinnert, der die Deutsche Freiheit am Hindukusch verteidigt hat. Es darf davon ausgegangen werden, dass die wenigsten Menschen in Deutschland begriffen haben, warum ausgerechnet eine Gefahr für unsere Freiheit, von einen Bauer der Mohn in Afghanistan anbaut, ausgehen soll.

Der ehemalige Bundespräsident Köhler sprach von notwendigen militärischen Einsätzen um unsere Interessen zu wahren, zum Beispiel für freie Handelswege um bei uns Arbeitsplätze und Einkommen zu sichern, was wohl der „Wahrheit“ etwas näher kommen dürfte. Aber genau genommen haben Köhler wie auch Struck durchaus Recht. Beide bedienen sich eben nur einer anderen Art der Sprache.

Köhler liegt nahe an der „Wahrheit“ und Struck bedient sich der Verharmlosung, Verschleierung und Umkehrung von eigentlichen Zielen. Verbinden wir doch einfach die Aussagen und sprechen von “Unsere Wirtschaft wird am Hindukusch verteidigt”.

Die Rettung des Euro war das beherrschende Thema des Jahres 2011 und wird es wohl auch 2012 bleiben. Lösungsvorschläge gab es viele, häufig komplizierte. Der Euro-Rettungsschirm EFSF soll den permanenten Rettungsschirm ESM ablösen. Ein Kredithebel soll das Geld mit Hilfe fremden Kapitals vervielfachen.

Alles klar, alles verstanden? Nur keine Panik, nicht nur das Volk ist zu „blöd“ das zu verstehen, auch so mancher Abgeordneter weiß auch nicht worum es eigentlich geht. Aber klingt gut so manche Kürzel und vor allem „Alternativlos“. Ein gutes Beispiel, wie man den Bürgern/innen mittels Herrschaftssprache die „Alternativlosigkeit“ politischer Entscheidungen vermittelte.

Unsere Bundeskanzlerin benutzte in diesem (bei fast jeder anderen Gelegenheit auch) ihren Lieblingssatz „Wir müssen eine gemeinsame Lösung finden“. Was ist aber mit diesem Satz gemeint? Was sagt dieser Satz aus? Wahrscheinlich ist, dass unsere Bundeskanzlerin mit dieser Phrase von der eigenen Entschlussunfähigkeit ablenken will. Nach dem Motto „Ich wollte eine gemeinsame Lösung finden, nur die Anderen nicht.“ wird die Verantwortung für ein eventuelles Scheitern den an der Konsensfindung Beteiligten zugeschoben. Man kann auch zur Auffassung gelangen, dass bei der Entdeckung eines Problems und das Scheitern bei dessen Lösung, die Verantwortung anderen zugeschoben wird. Wortkombinationshülsen gab es reichlich 2011, erinnert sei an:

„Scheitert der Euro, scheitert Europa.“ (Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) im Juni zum Beschluss der EU-Finanzminister über die Ausweitung des Euro-Rettungsfonds EFSF)

„Es wird keine Pleite geben.“ (Eurogruppenchef Jean-Claude Juncker im Juni über Griechenland)

„Wir müssen unseren Bürgern klar sagen, dass alle europäischen Staaten ohne die Europäische Union in einigen Jahren politisch wie wirtschaftlich nur noch Randfiguren in der Weltpolitik wären.“ (Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann im September zur Staatsschuldenkrise und Integration in Europa)

„Die Deutschen sind die Optimisten in Europa.“ (GfK-Chef Klaus Wübbenhorst im Februar zur steigenden Kauflaune in Deutschland im Vergleich zu anderen europäischen Staaten)

Nun das soll reichen.

Die Herrschaftssprache – Verharmlosung, Verschleierung oder Umkehrung von Tatsachen, finden wir täglich und ist in unseren Alltag spürbar. Rente mit 67 wird mit der Wortkombinationshülse Generationengerechtigkeit dargestellt. Positive Arbeitsmarktentwicklung ist nichts anderes als die „Verfälschung“ der Arbeitslosenstatistik, dass Verschweigen, dass mehr als 5 Millionen im Niedriglohnbereich arbeiten, für Hungerlöhne. Lieber eine schlecht bezahlte Arbeit, als gar keine ist eigentlich der Gipfel der Unverschämtheit, der politischen und wirtschaftlichen Herrschaftssprache.

Gut das es noch Menschen gibt, welche den „normalen Bürgerinnen und Bürgern“ dabei helfen mit einfachen Worten zu erklären was eigentlich gemeint ist und diesen Herrschaften die Maske vom Gesicht reißt.



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