Politik

Weltuntergang 2012: die große politische Wende der Moderne und das unrühmliche Ende des deutschen Mittelstandes

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Sonntag, 11.12.2011. Eifel. Draussen läuft gerade große Weltpolitik. Meint jedenfalls der Spiegel: von einer „großen politischen Wende“ ist die Rede. Andernorts stellt das gleiche Nachrichtenmagazin seinen Lesern eine interessante Frage:

Immer mehr Menschen fühlen sich von den Politikern im Stich gelassen, die in ihren Entscheidungen den Bedürfnissen der Finanzwelt folgen. Bürgerinnen und Bürger sehen hier eine einseitige Interessenvertretung zu ihren Ungunsten, doch der Einfluss der Wirtschaft siegt immer häufiger über die Politik. Lässt sich die derzeit übergroße Macht der Finanzmärkte brechen?

Drei Leser hatten dazu eine Meinung – der Rest ist wohl der Überzeugung, das die Frage angesichts der momentanen politischen Entwicklung völlig überflüssig ist: wir würden ja auch nicht über die Bedeutung von Schwerkraft für die Erdanziehung diskutieren wollen.

Die große politische Wende ist: die übergroße Macht der Finanzmärkte läßt sich nicht brechen. Viel zu viele glauben, davon profitieren zu können, viel  zu wenige verstehen, was dort geschieht – dabei ist es im Prinzip einfach: ein Geldschein ist ein Anspruchsschein für Leistungen. Ich habe eine Stunde gearbeitet, bekomme dafür fünf Euro und gehe damit in die Gaststätte, um eine Bratwurst und ein Bier zu kaufen. Male ich mir einen eigenen Schein, so ist das Betrug – eigentlich an allen, die am Wirtschaftskreislauf teilhaben wollen.

Das geschieht aber jetzt europaweit. Natürlich sind es nicht fleissige Künstler oder kriminelle Eifelphilosophen, die Geldscheine anmalen, sondern praktischerweise Maschinen, die Geld in Massen drucken. Das Geld kriegen dann die Banken, die es für viel Gewinn weitergeben. Gearbeitet hat für dieses Geld niemand – es ist im Prinzip völlig wertlos. Das wissen die meisten Menschen, die mit Wirtschaft zu tun haben – und deshalb wissen sie auch, das man dieses Schundgeld ganz schnell in echte Werte umwandeln muss, wie der Bullionaer ausführt:

Schließlich hat die US-Dollar Marionetten-Regierung Schröder/Fischer während ihrer Regierungszeit das bisherige System der deutschen Vermögens-Beschützung – die sogenannte Deutschland AG – gezielt zerstört und so ihren atlantischen Herren die Möglichkeit eröffnet, deutsche Firmen und Immobilien gegen per Notenpresse geschaffene Dollar zu erwerben.

 Nachdem man dem angloamerikanischen Vermögens-Räubern schon vor mehreren Jahren die attraktivsten deutschen Vermögenswerte überlassen hatte, dürfen sich nun die Südländer der Euro-Zone mit ähnlichen Methoden an der deutschen Substanz bedienen. Dafür mussten sie zwar ihre eigenen Industrien opfern – aber die Methode andere Völker für sich arbeiten zu lassen, war ja schon zu den Kolonial-Zeiten sehr attraktiv gewesen.

Auf gut Deutsch: Die Anderen haben Geld aus dem Nichts geschaffen und dafür reale Vermögensgegenstände in Deutschland erwerben dürfen. Praktisch ohne Arbeitsleistung. Und die Deutschen haben sich einen Haufen Papier erschaffen für die von ihren produzierten Waren.

Der schimpft ganz schön auf unser Freunde jenseits des Atlantiks, oder? Die wiederum eröffnen ganz offen einen Wirtschaftkrieg gegen die Eurozone – so sind Freund eben. Gerade noch mit Hilfe von Schröder und Fischer deutsche Vermögenswerte beiseite geräumt, will man die Folgekosten ganz schnell wieder privatisieren – was heißt, das man den Bürger auf der Straße verhungern läßt, nachdem man ihm sein Geld geklaut hat.

Jede Wikingerhorde hatte ein höheres ethisches Niveau. Die kamen aber nicht im feinen Anzug dahei, weshalb man sie schneller als Volksfeinde wahrnehmen konnte.

Letztendlich hätte jedem klar sein müssen, das das Geld, das die Banken aus dem Nichts schöpfen, auch nichts Wert ist. Es hat keinen realen Gegenwert, keinerlei Arbeitsleistung steht gerade für die Anspruchsphantasien des Bankenmanagements. Merkt man aber erst, wenn Zahltag ist und abgerechnet wird. Bis dahin kann das leistungslose Geld weiterhin leistungsgerechtes Geld im Markt verwässern, was zu der absurden Erscheinung führt, das Arbeit und Waren immer weniger Wert werden, man aber mit willkürlichen leistungslosen Zinsansprüchen superreich werden kann.

Worin liegt jetzt die große politische Wende? Weil leistungsloses Geld (das im Prinzip nur Papierwert hat) und leistungsgerechtes Geld (das durch Arbeit entsteht) ununterscheidbar nebeneinander stehen, kann keiner mehr realistisch wirtschaften. Man stelle sich vor, das „Täuschgeld“ würde sich nach vier Wochen im Portemanee in Luft auflösen – dann würde jeder verstehen, was gemeint ist und es käme an der Kasse im Supermarkt zu amüsanten Momenten.

Und so ist die Regierungsgewalt an die übergegangen, die am schnellsten mit großen Haufen Täuschgeld arbeiten können – auf die Banken. Sie bekommen das Geld von den Regierungen geschenkt, um damit ihre Günstlinge mit immer mehr Anspruchsberechtigungen ausstatten zu können und sich so das Vermögen der Länder – Industrien, Infrastruktur, Universitäten, Autobahnen, Flug- und Seehäfen, Kanalisationen, Immobilien und ähnliche echte Werte ganz legal unter den Nagel reissen.

„The big bank robbery“.

Der große Bankraub.

Kein Wunder, das in solchen Zeiten politisch so harmlose Publikationen wie die Mittelstandsnachrichten auf die Barrikaden gehen:

Das vage Bekenntnis zur Haushaltsdisziplin reicht der EZB als Feigenblatt, um den europäischen Banken unbegrenzt Geld zu leihen. Die Banken werden ausdrücklich aufgefordert, mit diesem Geld Schrottpapiere zu kaufen. Europa sitzt seit Donnerstag auf einer tickenden Zeitbombe.

Sieht man dann noch, wie die Banken die Situation ausnutzen, könnte man vollends den Verstand verlieren: die hebeln gerade ihre Gewinne hoch – auf Kosten aller anderen, wieder Mittelstandsnachrichten:

Mehrere große europäische Banken wollen mit dem Zusammenbruch ihrer eigenen Staaten wenigstens vor dem Crash noch ein Geschäft machen: Sie haben damit begonnen, CDS zu verkaufen. Beobachter sagen: Wenn diese CDS ausgelöst werden, erleben wir ein Gemetzel.

Diese Geschäfte seien „pure Wetten“, sagte Gary Jenkins von Evolution Securities Ltd. In London, dem Nachrichtendienst Bloomberg: „Wenn europäische Staaten von der Größe Frankreichs und Italiens wirklich pleitegehen und damit die CDS ausgelöst werden, dann wäre das das totale Gemetzel und die Kernschmelze. Es wäre das Ende der Welt.“

Ärgerlich, oder? Da wettern viele schlaue Leute (zurecht) gegen den Weltuntergangsmythos 2012, aber die Banken arbeiten gezielt darauf hin? Kann schon im Februar losgehen, siehe Welt:

Am 1. Februar laufen italienische Anleihen im Wert von 26 Milliarden aus. Nur kurze Zeit später, am 29. Februar, folgt eine zweite Tranche, dann geht es um elf Milliarden Euro. Mindestens 37 Milliarden Euro an neuen Krediten muss der neue italienische Premier Mario Monti also allein im Februar an den Finanzmärkten aufnehmen, um seine auslaufenden Verbindlichkeiten gegenüber den Investoren zu decken.

Das wird der Lackmustest – nicht nur für Italien, sondern für die gesamte Euro-Zone.

Denn an dieser Anleihe-Auktion wird sich zeigen, ob die Reformanstrengungen der Regierung Monti die Investoren überzeugen.

„Ob Reformanstrengungen überzeugen“ ist eine so schöne Formulierung. Erinnert an die Sprüche der Nazis, als sie die Juden zum Vergasen aus den Städten holten – die haben ja auch nicht gesagt: „Abmarsch zum Massenmord„. Es ging um „Aussiedlungen„. „Überzeugende Reformanstrengungen“ bedeuten für den Bürger vor allem eins: er bekommt noch weniger als zuvor, konkret bedeutet das: Obdachlosigkeit, Hunger, Krankheit, Tod. Je mehr davon, umso überzeugender die Reformen – oder? Sieht man ja in Griechenland.

Die Länder mit dem höchsten Pro Kopf Einkommen der Welt? Die Länder, die keine „Reformen“ befürchten müssen?

Monaco, Lichtenstein und Bermuda, gefolgt von Norwegen, Katar und Luxemburg.

Was produzieren diese Länder, das ihre Bürger so reich sind? Gut – Norwegen und Katar haben Erdöl … aber die anderen?

Sie produzieren nichts, geben aber der Zukunft der Bankräuber ein Zuhause. Sie sind das, was Tortuga früher für Piraten war: ein sicherer Hafen für die Räuber. Nur wird diesmal nicht irgendwann die Royal Navy vorfahren und die Piratenlöcher ausnehmen – denn für das Wohlergehen der Piratenjäger wird umfänglich gesorgt, siehe Welt:

Einem Bericht zufolge sollen die Pensionen für Spitzenbeamte steigen. Die schwarz-gelbe Koalition möchte das Ruhegeld um mehr als 600 Euro anheben.

600 Euro mehr – im Monat. Für die langzeitarbeitslosen Globalisierungsopfer gab es fünf Euro, für ihre Kinder nichts (die sollten froh sein, das ihnen nicht noch etwas abgezogen wurde), für die (ebenfalls dann arbeitslosen) Politfunktionäre 600 Euro – für nichts.

Das ist die große politische Wende, die nun beschlossen wurde: die Politik stellt sich als ausführendes Organ auf die Seite des internationalen Finanzmolochs und bekommt dafür bis ins hinterste Glied den „goldenen Handschlag“.  Damit endet eine lange, erfolgreiche deutsche Tradition, die gerade wieder von sich reden macht, siehe Telepolis:

Deutschland steht für das Zeitalter der gebildeten Mittelschicht. 

Diese grundsätzliche Ernsthaftigkeit in Deutschland hatte im 19. Jahrhundert großen Erfolg, als die moderne Forschung und Wissenschaft entstanden. Man bedenke nicht nur die Bücher, die im 19. Jahrhundert verfasst wurden, sondern auch den wirtschaftlichen Fortschritt Deutschlands: die Erfindungen, die Patente. Dank des gebildeten Beamtentums hatte diese Vorgehensweise auch den Segen des Staates. Deutschland war in all diesen Hinsichten seiner Zeit weit voraus, und der Vorsprung zahlte sich etwa zwischen 1850 und 1933 mächtig aus. Das alles ist heute wieder auf dem Vormarsch, nicht nur seit 1945, sondern auch seit 1989.

Etwas, das wir ganz vergessen hatten: es gab auch positive Seiten an der deutschen Kultur – jenseits von Auschwitz und Theresienstadt. Darum müssen in der neuen politischen Wende wohl auch die Beamten vom Geldfluss der Banken profitieren, während den Unternehmen, die wirklich noch ernsthaft etwas produzieren, die Kreditklemme droht, siehe Wirtschaftsblatt:

Holger Bross, Investmentbank-Chef des Instituts in Deutschland, warnt vor gravierenden Folgen: „Was regulatorisch Sinn ergibt für die Banken, ist für das Wirtschaftswachstum Gift“, sagt er. Der Verkauf von Kreditpaketen und die Kürzung von Kreditlinien belaste die Konjunktur. Schwierig wird es vor allem für mittelständische Unternehmen, die nicht so einfach Anleihen oder Aktien am Kapitalmarkt begeben und sich damit alternative Finanzierungsquellen erschließen können. „Für große Konzerne mit viel Geld auf dem Konto ist das kein Problem, für alle anderen schon“, warnt Bross. Ohnehin seien Auswirkungen der Euro-Schuldenkrise in Südeuropa bereits zu spüren, aber zunehmend auch in Deutschland. 

„Entweder, ihr gebt uns euer ganzes Geld, oder wir machen euren Mittelstand platt“. Wikinger argumentierten früher ähnlich – anstatt eine Stadt direkt zu plündern, lagerten sie auch gerne mal vor den Toren und stellten „Forderungen“. Kam man denen nach, war man arm, aber lebendig. Wenn nicht … dann wurde es blutig.

Was wäre wohl, wenn wir den Forderungen nicht nachkommen? Was würde geschehen, wenn wir alle Versicherungs- und Bankgeschäfte in Staatshand übergeben würden? Klappt bei der Renten- Arbeitslosen- und Sozialversicherung doch auch? Der Staat vergibt Kredite – zinslos – an den Mittelstand. Was könnten wir alles einsparen, wenn wir Monaco, Lichtenstein und Bermuda nicht noch mitfinanzieren müssten. Dann müssten diese Länder von dem leben, was ihre Wirtschaft erarbeiten kann – und wir könnten endlich von dem leben, was unsere Wirtschaft erarbeitet.

Welche Wikinger lagern eigentlich vor den Toren unserer Stadt, welche furchterregende Macht macht die politische Wende notwendig und „alternativlos“  – und warum sieht man die nie im Fernsehen?

Und was uns im Alltag droht, wenn wir zahlen oder nicht zahlen, sieht man jetzt schon in den USA:

USA: Feuerwehr lässt Haus niederbrennen weil Eigentümer Versicherung ($75) nicht bezahlt hatte

Das wird unausweichlich unsere Zukunft. Zur Finanzierung der optimierten Millionärszüchtung wird uns nichts anderes übrig bleiben, als mehr und mehr „öffentliche Dienstleistungen“ mit ständig steigenden Preisen zu belegen (das sind die „notwendigen Reformen“ auf deutsch) – für die, die an der Gelddruckquelle sitzen, kein Problem, für die die aufgrund politischer Entscheidungen als Deportierte fernab von den Geldflüssen leben müssen, das Todesurteil.

Für den Mittelstand in Deutschland bedeutet dies das unrühmliche Ende – mal wieder. 1933-1945 durfte man schon mal erleben, wie das dann aussehen kann.

Wann wohl EU-Kommissare die Notverwaltung unserer Gemeinden im Namen von Goldman-Sachs übernehmen? Und – kann man schon jetzt Wetten bei Banken darauf abschliessen, in welchem Jahr das sein wird?

 



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