Politik

Der Papst erwartet den Weltuntergang – zurecht. Der soziale Kampf wird alternativlos.

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Mittwoch, 5.Oktober 2011. Eifel. Die Welt war lange Zeit in Ordnung. Jedenfalls bei uns. Gut, auch wir haben hier unsere Schmierlappen in Politik und Parteienfilz, die sich an den Bundesgeldern für die Ordensburg Vogelsang eine goldene Nase verdienen wollen, so wie sie sich schon immer überall im Land eine goldene Nase durch Bundesgelder verdient haben, wir haben auch mal Leute, die einen Zigarettenautomaten aufbrechen oder im Freien urinieren, aber so generell, wenn die zugezogene Politprominenz und die Touristen fort sind, dann ist es hier ganz beschaulich. Die Eifel war schon immer arm, weshalb Europleite, Weltwirtschaftskrise und Rezession in Deutschland uns nicht weiter kümmern. Wir haben nichts zu verlieren – das beruhigt sehr. Unserer Fenster bieten uns ein besseres Bild als die beste HD/BlueRay-Technologie, unsere Talsperren haben Trinkwasser für Jahrhunderte – unsere ständig verregneten Sommer sorgen für den Rest – und unsere vogelreichen Wälder übertreffen mit ihren Klängen jede Dolby-Sourround-Anlage.  Doch jetzt … machen wir uns Sorgen. Ganz ernste Sorgen, denn es sieht so aus, als wenn was ganz Dickes auf uns zukommt: der Papst fürchtet das Ende der Welt.

Das versteht man als Nichtkatholik nicht ohne Weiteres, als Nichtchrist erst recht nicht und als Atheist überhaupt nicht. Da lauscht man den Worten des Papstes mit Andacht – und klatscht, wenn man sich nicht angegriffen fühlt. Da kann er – indirekt – die deutschen Politiker vor einem neuen Auschwitz warnen oder das ganze Volk mit der Tatsache konfrontieren, das Gott selbst einer dieser vielbespöttelten Sozialromantiker ist, das macht uns nicht nervös … aber wenn er anfängt, freiwillig auf Kirchensteuer zu verzichten, dann wissen wir: da droht etwas ganz Ernstes, der weiß etwas, was wir nicht wissen.

“Revolutionäre” Wende: Papst fordert Ende des Kirchensteuersystems – “Entweltlichung” damit “missionarisches Handeln wieder glaubhaft” wird

Hören wir den Papst selbst dazu:

Es geht hier nicht darum, eine neue Taktik zu finden, um der Kirche wieder Geltung zu verschaffen. Vielmehr gilt es, jede bloße Taktik abzulegen und nach der totalen Redlichkeit zu suchen, die nichts von der Wahrheit unseres Heute ausklammert oder verdrängt, sondern ganz im Heute den Glauben vollzieht, eben dadurch daß sie ihn ganz in der Nüchternheit des Heute lebt, ihn ganz zu sich selbst bringt, indem sie das von ihm abstreift, was nur scheinbar Glaube, in Wahrheit aber Konvention und Gewohnheit ist.

Was meint: die gehen jetzt aufs Ganze, die Katholiken:

Die Säkularisierungen – sei es die Enteignung von Kirchengütern, sei es die Streichung von Privilegien oder ähnliches – bedeuteten nämlich jedesmal eine tiefgreifende Entweltlichung der Kirche, die sich dabei gleichsam ihres weltlichen Reichtums entblößt und wieder ganz ihre weltliche Armut annimmt. Damit teilt sie das Schicksal des Stammes Levi, der nach dem Bericht des Alten Testamentes als einziger Stamm in Israel kein eigenes Erbland besaß, sondern allein Gott selbst, sein Wort und seine Zeichen als seinen Losanteil gezogen hatte. Mit ihm teilte sie in jenen geschichtlichen Momenten den Anspruch einer Armut, die sich zur Welt geöffnet hat, um sich von ihren materiellen Bindungen zu lösen, und so wurde auch ihr missionarisches Handeln wieder glaubhaft. 

Eine seltsame Wendung – für eine Organisation, die zu den reichsten Konzernen der Welt gehört und diesen Reichtum immer damit gerechtfertigt hat, das ja „die frohe Botschaft verkündet werden müsse“. Umfangreiche Ländereien, Prachtbauten, ein eigener Staat gar – nichts schien der Kirche genug zu sein, nirgends machte sie halt.

Warum also auf einmal diese Wendung?

Viele mag das nicht interessieren. „Ich glaube nicht an Gott“ reicht für sie als Spruch und Entschuldigung aus, sich nicht weiter mit dem Thema beschäftigen zu müssen – eine Nebenwirkung unserer Konsumgesellschaft, in der der Kunde König ist und die Welt um sich herum nur noch als beliebig wählbare Ware begreift, ohne zu verstehen, das andere Menschen andere Werte leben können – wie zum Beispiel die Katholiken.

Für sie ist die Welt böse und schlecht. Sicher, man muss sich mit ihr arrangieren, aber – nochmal der Papst:

Und die Liebe ist nicht nur irgendwie in Gott, er selbst ist sie, ist vom Wesen her die Liebe. Und die göttliche Liebe will nicht nur für sich sein, sie will sich ihrem Wesen nach verströmen. Sie ist in der Menschwerdung und Hingabe des Sohnes Gottes in besonderer Weise auf die Menschheit, auf uns zugekommen, und zwar so, daß Christus, der Sohn Gottes, gleichsamaus dem Rahmen seines Gottseins herausgetreten ist, Fleisch angenommen hat, Mensch geworden ist, nicht nur, um die Welt in ihrer Weltlichkeit zu bestätigen und ihr Gefährte zu sein, der sie so läßt, wie sie ist, sondern um sie zu verwandeln

Das ist Grundkonsens des christlichen Glaubens – der allerdings in dieser Deutlichkeit nur noch selten gepredigt wird, um die Menschen nicht zusätzlich zu verschrecken. Die Welt Christi hat mit unserer Welt nichts zu tun – diese Welt muss vergehen, um seine Welt gebären zu können (was uns einen unsicheren Blick auf die schwer bewaffneten Endzeitchristen in den USA werfen lässt – hoffentlich wollen die nicht „nachhelfen“).

Jahrtausendelang hat die Kirche gerafft, wo sie nur konnte – weshalb sollte sie jetzt damit aufhören?

Nun weil … die Endzeit naht. „Geschichte“ ist für Christen „endlich“, denn irgendwann kommt der Sohn Gottes zurück – diesmal jedoch nicht als armer Wanderer, sondern „in aller Pracht und Herrlichkeit“. Das glauben die, auch wenn die Medien diese Aspekte seltener herausarbeiten. Und wenn der wiederkommt, dann sollte man als Christ „voll auf Kurs sein“ – denn sonst landet man draußen, wo „heulen und zähneknirschen“ angesagt ist.

Der Papst – so scheint es – erwartet den Weltuntergang. Wie die Maya, deren Kalender ja für 2012 historische Ereignisse verhersagt … mir vielleicht ganz überraschenden Wendungen, wie Grenzwissenschaft-aktuell in einem Bericht über ein anstehendes Filmprojekt informiert:

„Mexico wird alte, 80 Jahre lang geheim gehaltene, Codices, Artefakte und wichtige Dokumente veröffentlichen, die beweisen werden, dass die Maya mit Außerirdischen in Kontakt standen und alle diese Informationen werden von Archäologen bekräftigt“, so der Produzent.

Während es bislang keine Bestätigung der Aussage durch Caballeros vorliegt, stellte sich der Minister für Tourismus des mexikanischen Staates Campeche Luis Augusto García Rosado zunächst offiziell hinter das Projekt: „Übersetzungen verschiedener Codices, die von der mexikanischen Regierung lange Zeit geheim gehalten wurden, belegen Kontakte zwischen den Maya und außerirdischen Besuchern“, wird der Minister zitiert. 

Ob nun Christus mit einem UFO daher kommt oder selbige verjagen muss, weil sie nicht in seine neue Welt passen, kann man so aus der feuchten Eifel heraus nicht beurteilen – was man aber beurteilen kann, ist die Tatsache, das die Zerrüttungen unserer Gesellschaft in einem Ausmaß zunehmen, das so erschreckend ist, das sogar der Papst das  Ende der Welt erwartet.

Nehmen wir profane Themen – wie Wirtschaft … hier mal was aus den Mittelstandsnachrichten:

Zwei New Yorker Risiko-Management Experten haben errechnet: In den vergangenen fünf Jahren haben die amerikanischen Banker und Bankangestellten die sagenhafte Summe von 2,2 Billionen Dollar auf ihren persönlichen Gehaltskonten verbucht. Der tiefere Sinn der ausufernden Rettungsschirme dient nichts anderem als dem Erhalt dieses Systems. 

Viele schmunzeln sicher angesichts von Papst- und UFO-Gläubigen, während die aber zunehmend schmunzeln über das System, das arrogant und hochnäsig über sie lacht, selber aber gezielt und mit offenem Visier auf den Abgrund zusteuert. Für die USA erwarten Experten eine Arbeitslosenquote von 50% sowie eine Reduktion der Aktienwerte um 90%, wie man bei Karl Weiss nachlesen kann. Seltsamerweise sind es übrigens genau zwei Billionen Euro, die wir jetzt binnen „weniger Wochen“ als Europäer laut Welt als „Bazooka“ auf die Beine stellen müssen, damit das „System“ noch weiter funktioniert, weil eine Aussenstelle des Systems gerade offen aus dem Ruder läuft, siehe Spiegel:

Eine kleine Gruppe Großindustrieller leiste sich die Presseorgane, um damit politischen und unternehmerischen Einfluss auszuüben. Es gebe zwischen Politik, Wirtschaft und Presse ein dicht gesponnenes Geflecht gegenseitiger Interessen und Abhängigkeiten: „Die Beziehungen sind komplizierter und inzestuöser als die der Götter, Halbgötter und Menschen in der griechischen Mythologie“, so die Diplomaten.

Es geht hier um die Aussenstelle Griechenland – speziell um das Versagen der Presse. Wundersam, das wir so tun, als gäbe es dieses „dicht gesponnene Geflecht gegenseitiger Interessen und Abhängigkeiten“ nur in Griechenland. Wie heißt es so schön beim Bundespresseball:

 Der Bundespresseball ist der exklusive Treffpunkt besonders vieler Entscheidungsträger aus Politik, Medien und Wirtschaft.

Na also.

Dabei ist das nur ein Aspekt, den wir im „Spiegel Griechenland“ entdecken, ein Volkswirt bei Presseurop beschreibt die Hintergründe detallierter:

Die griechische Mittelschicht ist bereit, Steuern zu zahlen, so wie in jedem anderen europäischen Land auch. Doch der Durchschnittsgrieche hat dazu keine Lust, weil er weiß, dass ein riesiger Teil dieser Summen in den Taschen von Familien und Freunden der herrschenden Klasse verschwindet. Die Euros, die in der Vergangenheit nach Griechenland geflossen sind, haben die griechische Bevölkerung ruhig gehalten: Jeder bekam irgendwie seinen kleinen Anteil, und die wirklich ehrgeizigen jungen Menschen sind klammheimlich ausgewandert. Nun wächst der Druck. Noch mehr Euros zahlen wird den nötigen sozialen Kampf nur hinausschieben.

Solange die Vetternwirtschaft nicht zurückgedrängt wird, wird die griechische Volkswirtschaft niemals in der Lage sein, ihre Schulden zu begleichen, ganz egal, wie hoch sie auch sein mag. Selbst bei einem kompletten Schuldenschnitt wäre das Land gezwungen, am Tag darauf neue Schulden aufzunehmen.

Und raten Sie mal, wer für die nächste Rettungsaktion der Banken oder Griechenlands zahlen wird? 

Nun, ich weiß wer dafür zahlen wird – und ich weiß auch wie: Autobahnmaut wird das nächste Thema sein, mit der wir die Boni der internationalen Bankenmafia und ihres politischen, wirtschaftlichen und medialen Hofstaates  sichern, die jetzt mit der Herabstufung Italiens ein zusätzliches Fass aufgemacht haben, aus dem das süsse Geld sprudelt.

Der Bundesvetternwirtschaftsball wird sicher für neue Pläne, Visionen und Winkelzüge sorgen, neue Kontakte erlauben, die Presse, Wirtschaft und Politik in einzigartiger Art und Weise verschmelzen und so die asoziale egomane „Herrschaft des goldenen Kalbs“ noch weiter zementieren, die deutschen Großmachtspläne forcieren während innenpolitisch europaweit die Autokratie voranschreitet und der Kontinent wieder absolutistisch wird.

Aussenpolitisch werden ganz andere Praktiken Standard – unter dem Siegel der „humanitären Hilfe“ hatte man vor wenigen Wochen die Rebellen in Lybien beschützt, während man nun die Vernichtung einer Stadt durch die Rebellen zunehmend ignoriert – es gibt eben „gute Massenvernichtung“ und „böse Massenvernichtung“ – und uninteressante „alternativlose“ Massenvernichtung wie z.B. in Somalia. Morde an Systemgegnern werden durch das US-Justizministerium abgesegnet während Beweisstücke für den Mord an deutschen Politikern spurlos aus deutschen Asservatenkammern verschwinden.

So gesehen … kann man dem Papst nur recht geben – erst recht, wenn man berücksichtig, das dieser Mann mit seiner flächendeckenden Priesterschaft (und dem äußerst kostbaren Schatz an „Beichtgeheimnissen“) noch viel weiter hinter die Kulissen schauen kann, als wir es uns selbst in unseren kühnsten Träumen ausmalen können.

Doch wir brauchen keine „geheimen“ Einsichten, um zu erkennen, das auch in Deutschland ein „dicht gesponnenes Geflecht gegenseitiger Interessen und Abhängigkeiten“ zwischen Politik, Wirtschaft und Medien existiert, das jetzt dazu führt, das ein Jörg Asmussen Karriere macht – und noch medial gefördert wird, siehe Handelsblatt:

Um so weniger will Asmussen an das erinnert werden, was er im Herbst 2006 in einem Aufsatz für die Fachzeitschrift für das Kreditwesen ZKW schrieb. Damals setzte er sich ausdrücklich für genau die komplizierten Finanzprodukte ein, die inzwischen als Teufelszeug erkannt worden sind.

Das Bundesfinanzministerium habe „moderne Kapitalmarktgesetze“ auf den Weg gebracht, rühmte sich Asmussen in dem Artikel, und betonte: „Dabei war uns stets wichtig, dass sich auch der Markts für Assed Backed Securities (ABS) stärker als bislang entwickelt.“ 

Mit solchen Fehleinschätzung kann man in Deutschland 2011 eine Riesenkarriere machen. Wird nun klar, warum ich verstehe, warum der Papst die Kirche „entweltlichen“ will – und warum ich nicht über die Ufo-Gläubigen lache?

Wenn wir so weiter machen, wird die Wiederkehr Christi oder die Massenlandung von Aliens die einzige Hoffnung sein, die uns noch bleibt … es sein denn, wir erkennen, das der soziale Kampf auch für uns alternativlos ist.

Da Deutschland aber politisch der absolute Krisengewinner sein wird, fürchte ich, das man hier noch nicht mal kleine Minderheiten mobilisieren kann.

Immerhin: „Wir“ sind wieder wer … und mit etwas Glück können „wir“ bei der Umverteilung der Werte einen guten Schnitt machen, wenn wir nur schneller und begeisterter um das „goldene Kalb“ hüpfen als andere (und nicht nebenbei vom Burn Out aus der Bahn geschossen werden). Das mobilisiert uns mehr als der Kampf für Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit.

Und selbst … wenn der Aspekt des nahenden Weltendes eine Überinterpretation darstellen sollte, so habe ich doch jetzt eine gewisse Sympathie für einen Menschen entwickelt, der sich angewiedert von der „Welt“ abwendet, weil er weiß, das es schöner, besser, gerechter zugehen könnte.

Das es solche Menschen noch gibt, macht dann doch wieder Hoffnung – völlig jenseits der UFOs und der Esoterik.

 

 

 

 



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