Politik

CHINA! ERLÖSE UNS MIT WERTLOSEM GELD VOM KAPITALISMUS! AMEN. Über Gläubige und Ketzer.

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Ich kenne ein Land, in dem mehr Menschen hingerichtet werden, als in allen anderen Ländern zusammen … und zwar 20 mal soviel Menschen wie in allen anderen Ländern zusammen. Es ist ein Land, das auch gerne Menschen mal zu Tode foltert. Es ist ein Land, das Abtreibungen auf Rekordniveau durchführt, die Rechte der Arbeiter mit Füssen tritt, politische Flüchtlinge in ihre Ursprungsländer deportiert und Massenmorde im Ausland unterstützt. Es ist ein Land mit einem großen Wohlstandsgefälle zwischen Arm und den Reichen. Wenn ich nun fragen würde: Wie heißt dieses Land … dann würden viele hüpfen und vor Freude rufen: „DIE USA“ …. doch diese müsste ich enttäuschen. Es ist … China, unser Retter – siehe Wikipedia.

Besonders brisant – der Gini-Koeffizient:

Der Gini-Koeffizient oder auch Gini-Index ist ein statistisches Maß, das vom italienischen Statistiker Corrado Gini zur Darstellung von Ungleichverteilungen entwickelt wurde. Der Koeffizient kann beispielsweise als Kennzahl für die Ungleichverteilung von Einkommen oder Vermögen eingesetzt werden. Er wird besonders in der Wohlfahrtsökonomie und Informationstheorie verwendet. In der Informationstheorie wird er als Maß der „Reinheit“ oder „Unreinheit“ von Information verwendet.

China und die USA liefern sich hier ein Kopf an Kopf-Rennen auf den hintersten Plätzen – zwischen solchen Glanzlichtern der Zivilisationsgeschichte wie derElfenbeinküste, den Phillipinen, Bolivien oder Kamerun und Uganda … wobei die letzteren alle besser dastehen, also über ein gerechter verteiltes Volksvermögen verfügen.

Es ist schon denkwürdig, das man in den politischen Kommentaren der Leit- (oder Leid)medien kaum einen Hinweis darauf findet, wie es denn sein kann, das die größten Nationen der Welt sich so ähnlich sind, obwohl doch ihre politischen Systeme angeblich so weit auseinanderliegen. Immerhin – es gab ja mal so etwas wie die „rote Gefahr“ … oder die „gelbe Gefahr“, auf die der Spiegel noch hinweist:

Vor einigen Jahren gaben Kritiker aus Amerika und Europa ihrem Handelspartner China einen wenig vorteilhaften Namen. Sie beschimpften die neue aufstrebende Supermacht als „gelbe Gefahr“. Sie warnten vor einem Heer chinesischer Dumping-Löhner, die im Westen ganze Industriezweige vernichten würden – und mit ihnen Millionen Arbeitsplätze. Sie warnten vor einer immer stärkeren politischen Einflussnahme aus dem Osten, die letztlich gar zu einer Erosion der Menschenrechte führen könne.

Dabei ist es doch um die Menschenrechte in den USA nicht viel besser gestellt – erst recht nicht, seit dem der Kampf gegen das Terrorgespenst läuft. Nun – dieses Heer von Dumping-Löhnern hat ganze Industriezweige vernichtet – und will noch mehr vernichten. Das jedoch … findet man in den Leitmedien der Republik weniger deutlich formuliert – dazu muss man in jene Gegenden abtauchen, die – oft geringschätzig als „Blogosphäre“ bezeichnet – weniger Geld aber dafür mehr Wahrheit haben, wie zum Beispiel das Infoportal Jahnke:

2001 hat der politische Druck exportversessener westlicher Konzerne und profitsuchender Handelshäuser zur übereilten Aufnahme des kommunistischen China in die für Marktwirtschaften gedachte internationale Handelsorganisation geführt, und das ohne ausreichende Bedingungen gegen Dumping und Wechselkursmanipulation. Dann trat China an, um mit seinem hunderte Millionen starken Heer an ausgebeuteten Wanderarbeitnehmern über Dumping und eine gigantische Wechselkursmanipulation die Weltmärkte zu erobern und Millionen von Jobs nach China zu transferieren. Darunter litten in Europa vor allem die Eurozonenländer an der südlichen Peripherie, deren Exportwirtschaft mit vergleichbaren aber teueren Produkten der chinesischen Exportwalze nicht mehr standhalten konnte.

Potzblitz! Welche Worte! Da war es gar nicht der Klimawandel, die Gunst der Sterne oder der Wille der Götter, der das Reich der Mitte wieder zum Mittelpunkt des Universums gemacht hat? Ich dachte immer, der bloße Zufall wäre es gewesen, der aus einem „Dritten-Welt-Land“ eine Supermacht gemacht hat … der gleiche Zufall, der aus dreizehn Kolonien des 18. Jahrhunderts die Weltmacht USA erschuf.

Nun erfahre ich … es war gar kein Zufall. Es waren Konzerne, die dem Land überhaupt erst die Macht (und das Geld) gaben, mit dessen Hilfe es nun die Volkswirtschaften Europas aufkaufen kann. Trotzdem wird so getan, als handle es sich dabei um ein Naturgesetz – und nicht um die gezielte Förderung barbarischer Staatsformen zuungunsten der klassisch-westlichen Zivilisation, siehe Welt:

Amerika wendet sich von Europa ab und China zu

Einige sprechen von der „roten Abenddämmerung“, andere gar vom „Zeitalter des roten Planeten“. Gemeint ist damit in jedem Fall der Aufstieg Chinas zur Weltmacht, der gleichermaßen ehrfürchtig und furchtsam vom Westen verfolgt wird.

„Ehrfurcht“ war ein Gefühl, das früher Göttern vorbehalten war – und dort war es auch gut aufgehoben. „Ehrfurcht“ gegenüber einem Land zu empfinden, erinnert mich an die religiösen Gefühle der Deutschen ab 1933 – ich wüßte nicht, was mich daran begeistern sollte. Der „rote Riese“ ist auch gar nicht so groß wie man denkt. Schaut man genauer hin, sind die Hoffnungen, das China uns vom Kapitalismus erlöst, denkbar gering … die haben gar nicht soviel Geld:

Das Engagement ist jedoch nicht uneigennützig – und obwohl die Chinesen bereitwillig die Rolle des weltwirtschaftlichen Stabilitätsankers spielen, würden ihre Devisenvorräte für die Lösung der europäischen Probleme auch kaum ausreichen. Chinas Hauptinteresse besteht darin, seinen besten Kunden vor dem wirtschaftlichen Zusammenbruch zu retten.

Wie schön, das man nebenbei erfährt, wie sehr wir eigentlich am Abgrund stehen.

Dabei ist das  Geld der Chinesen in Wirklichkeit gar nicht soviel Wert:

Mit Chinas Überschüssen setzen die Europäer ihre Hoffnungen ironischerweise ausgerechnet auf ein Nebenprodukt der chinesischen Währungspolitik, die im Westen eigentlich als schwere Verzerrung des internationalen Wirtschaftssystems gesehen wird.

Wie toll, das die ihre wertlosen Papierlappen jetzt in Europa gegen echte Firmen eintauschen dürfen, erinnert mich an die Indianer, die ihre Jagdgründe für Glasperlen verkauften, ohne zu wissen, was sie da eigentlich taten:

Der CDU-Europaabgeordnete Elmar Brok warnte Italien und andere Länder indes davor, Hilfsangebote aus China anzunehmen. Die aktuellen Offerten aus Peking dienten «selbstverständlich nicht nur der Stabilisierung des Euro», sagte Brok der «Frankfurter Rundschau». «Sie zielen auch darauf ab, Abhängigkeiten aufzubauen und strategische Vorteile zu erzielen», fügte er hinzu und nannte als Investitionsobjekte, die er für problematisch erachte, Anlagen wie Häfen oder Flughäfen.

Wem da jetzt der böse Verdacht kommt, das die USA mit Hilfe der verwandten chinesischen Kultur (die über einen ähnlichen politischen Klassenmonopolismus verfügt) die europäische Konkurrenz ausschalten wollen, wird durch aktuelle Nachrichten bestätigt, siehe Handelsblatt:

Washington verliert die Geduld mit der Eurozone. Erst Obama, dann Finanzminister Geithner: Die Amerikaner erhöhen den Druck auf Europas Politiker, die Schuldenkrise in den Griff zu bekommen. Dabei wollen sie selbst neue Milliarden ausgeben. Die Weltbank wird nervös.

Dabei stehen die nächsten europäischen Wackelkandidaten schon bereit:

Die Auslandsforderungen deutscher Banken gegenüber Frankreich, Italien und Spanien belaufen sich auf rund 389 Milliarden Euro, wie aus den aktuellen Zahlen der Deutschen Bundesbank von Juni 2011 hervorgeht. Angsteinflößend, wenn man bedenkt, dass Italien und Spanien mit ihrem Haushaltsdefizit bereits massiv überfordert sind und nun auch zwei der größten französischen Banken in ihrer Kreditwürdigkeit herabgestuft wurden.

Und damit niemand denkt, mit der Rettung (oder wirtschaftlichen Vernichtung) Griechenlands sei alles überstanden und die Krise würde durch die unsichtbare Hand des Marktes wie von selbst verschwinden, wird schon mal die nächste angekündigt:

Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero hat erstmals eingeräumt, dass das angepeilte Wirtschaftswachstum nicht erreicht werden könnte. Nun nimmt die US-Ratingagentur Fitch Spanien ins Visier.

Ganz nebenbei erfährt man durch die Lektüre der Kommentare von Zusammenhängen, von denen man gerne durch die großen Medien erfahren würde:

Immerhin hält Berkshire 12,5 Prozent der Anteile an Moody’s. So erklärt sich also teilweise der Erfolg von Warren Buffet. Hauptanteilseigner (Rest Streubesitz) und immer im Besitz der besten Informationen, bevor sie offiziell werden. Warum lässt die Börsenaufsicht Personen mit solchen Verquickungen in den Besitzverhältnisse nach den Erfahrungen von 1929 zum Handel zu?

Tja, warum nur?

Während dessen arbeiten die Konzerne beständig weiter, beständig werden mehr Jobs nach China exportiert was zu häßlichen Erscheinungen in den Heimatländern der Menschenrechte führt – sie werden wirtschaftlich ausgeblutet:

In den USA leiden, gemessen an der Gesamtbevölkerung, so viele Menschen an Armut wie seit beinahe zwei Jahrzehnten nicht mehr. Im vergangenen Jahr galten 15,1 Prozent der Bevölkerung als arm, das sind 46,2 Millionen Menschen. Dies ist laut dem Zensusbüro in Washington der höchste Stand seit 1993. Die Zahl stieg damit das vierte Jahr in Folge an, 2009 hatte die Armutsrate bei 14,3 Prozent gelegen.

Wer nun meint, das sei schon schlimm, der hat noch nicht in die Zukunft geschaut:

Der einflussreiche Ökonom und ehemalige US-Arbeitsminister Robert Reich erklärte, dass die Regierung der Vereinigten Staaten jetzt schnell und intelligent handeln müsse. Andernfalls könnte die offizielle Anzahl der Arbeitslosen leicht von 25 auf 35 Millionen steigen. 

Und sie handeln schnell und entschlossen … und wenden sich China zu, dem kraftlosen Retter der Welt.

Und was macht Europa?

Die europäische Kernmacht Deutschland führt einen entschlossenen Krieg gegen Arbeitslose – anstatt gegen Arbeitslosigkeit. 2011 wird das Sanktionsrekordjahr gegen die Ärmsten der Gesellschaft – was auch erklärter Schwerpunkt der Politik ist. 90 Millionen Tonnen Lebensmittel schmeißen wir andererseits  jedes Jahr weg, werden immer reicher, während unsere Arbeitsplätze immer unsicherer werden – wir sind also auf dem besten Wege, chinesische oder amerikanische Verhältnisse zu bekommen.

Merkt man nun, warum die aktuellen „ehrfürchtigen Gebete“ Richtung China einen merkwürdigen Beigeschmack bekommen … wie  „China“ die Rolle von „Hilfstruppen“ übernimmt, die das „Imperium der Superreichen“ weltweit stabilisieren hilft und als Dank dafür selber Superreiche bekommt?

Das Verhältnis der Germanen zum römischen Imperium war ähnlich – und wir beten ehrlich und wahrhaftig zu China, das es uns von den Folgen der amerikanischen Bankenkrise erlöst? Mit Geld, das in Wirklichkeit gar nichts wert ist?

Und das … soll mich jetzt optimistisch stimmen?

Schaue ich auf den DAX und in die Leitmedien, so muss ich sagen: bei vielen scheint das zu funktionieren.

Schaue ich mir den Artikel von Marcus Klöckner über die Rolle der Leitmedien bei der Berichterstattung zum 11.9.2001 an, dann habe ich allerdings aus keine Fragen mehr, warum das so ist:

Parallel zu einer an komplexitätsreduzierenden kaum noch zu überbietenden Berichterstattung, die dringend von den entsprechenden Wissenschaften aufzuarbeiten ist, schufen Leitmedien sogar eine Kunstfigur, einem Prügelknaben gleich, auf dem gestandene Journalisten ihre Verärgerung über die Kritik an ihrer Berichterstattung abladen konnten. 

Der Verschwörungstheoretiker, dieser Typus (klingt so schön nach einem wissenschaftlichen Kategoriensystem) Mensch, der es doch eigentlich nur wagt, politische Sachverhalte eigenständig zu beobachten, Nachrichten zu verfolgen, sie zu überdenken, sie zu analysieren, sie zu dekonstruieren (gewiss nicht immer glücklich und gewiss in vielem kritisierbar) und gegebenenfalls sich zu Wort meldet, um Fragen zu stellen, um Bedenken anzumelden, also dieser Typus, so lehrten es die Medien, gehört wohl zu den widerlichsten Menschen überhaupt. 

Wir sind wieder im Mittelalter angekommen, wir haben wieder „Gläubige“ und „Ketzer“.  Die Gläubigen beten nach China, während die Ketzer … einfach nur widerlich sind.

Da kann man nur noch eins sagen: Amen.

 

 

 



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