Wirtschaft

Die kommende Enteignung Deutschlands … oder der Banken: über Raubwirtschaft und den großen Knall

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Wenn Philosophen in die Wirtschaft gehen, wird es gefährlich. Sie gucken anders. Das hängt mit ihrem irrationalen Lebensgefühl zusammen, nicht ganz von dieser Welt zu sein – ist eine Nebenwirkung des Jobs. Wer die ganze Welt in theoretische Systeme packen möchte, der muss sich ziemlich weit von ihr entfernen, um einen Überblick zu bekommen … je weiter weg, umso besser. Wirtschaft ist da anders – gerade die deutsche Betriebswirtschaftslehre:

Die deutsche Betriebswirtschaftslehre hat sich klar festgelegt. Ihr geht es nur um einen Zweck: die Gewinnmaximierung. Den Managern bleibt dann nur festzulegen, mit welchen Mitteln sie dieses Ziel erreichen.

Das ist eine sehr verengte Sicht von Wirtschaft und letztlich auch vom Menschen.

Das sagt Thomas Rusche, ein erfolgreicher deutscher Unternehmer, im Manager-Magazin. Ich gehe also davon aus, das diese Tatsache als bekannt vorausgesetzt werden kann: Gewinnmaximierung ist höchstes Ziel in Deutschland.

Philosophen gucken da schon streng: reine Gewinnmaximierung als Wert einer gesellschaftlichen Gruppierung ist … Räuberethik. Räubern ist es egal, was ihr , Geschäftszweig für Nebenwirkungen hat: Hauptsache, die Rendite stimmt. Von außen sieht man das sehr deutlich. Da wird für den Philosophen die Volkswirtschaft schnell zur Raubwirtschaft – und er freut sich, das er erkannt hat, worum es geht, denn unter dem Titel „Raubwirtschaft“ versteht man viele Erscheinungen der Zeit viel besser – wie zum Beispiel die Flut arbeitsloser Ingenieure, die uns gerade trotz „Fachkräftemangel“ erreicht:

Ich bewerbe mich und bekomme Absagen und bewerbe mich und bekomme Absagen. Das geht jetzt seit einem Jahr so, im nächsten Jahr würde mir Hartz IV drohen, dann müsste ich wirklich von der Substanz leben. Die wenigsten Firmen laden mich zum Gespräch ein, und wenn, dann ist es bisher auch negativ ausgegangen. Dabei sind meine fachlichen Referenzen alle gut, das sagt sogar der Fallmanager bei der Agentur für Arbeit. Ich unterstelle mal, es liegt am Alter. Man hört ja, dass manche Firmen schon keine Über-50-Jährigen mehr in ihren Reihen haben.

So Ingolf Schröder im Spiegel – nächstes Jahr als „fauler Sack“, „arbeitsloser Schmarotzer“ und „Parasit“ auf Hartz IV. Es sind solche Nachrichten, die sehr zornig machen, denn solche Schicksale sollte es in diesem Land nicht geben. Dafür haben wir den Sozialstaat. Wenn Firmen „durchdrehen“ (will heißen, wenn Volkswirtschaft sich in Raubwirtschaft verwandelt), springt der Staat ein um seine Bürger zu schützen, bis die Polizei, Gesetzgeber und Gerichte die Situation wieder unter Kontrolle haben.

Wir haben aber mit Hartz IV andere Zeichen gesetzt: wer Opfer des Bereicherungswahns wird, wird öffentlich abgestraft … und – nicht zu vergessen – auch enteignet.

Ausbildungsversicherung der Kinder, das Ersparte, Bausparverträge, Auto über 7000 Euro … das alles muss weg. Also, Ingolf Schröder: nach dreissig Jahren Maloche lernst Du jetzt wie Millionen andere Deutsche die politische Raubwirtschaft kennen. In dieser Raubwirtschaft ist es nicht verwunderlich, das Menschen, die politisch an der letzen Krise einen deutlichen Anteil hatten, jetzt Karriere in Europa machen. So berichteten wir unlängst über die Personalie Jörg Asmussen, einem Mann, der augenscheinlich aufgrund seiner Verfehlungen sogar zu einer Allianz von FDP, Grünen und Linken geführt hatte und nun – wen sollte das noch überraschen – wieder weiterbefördert wird.

Solche Wunderlichkeiten lassen sich nur in einem System erklären, das von Volkswirtschaft zur Raubwirtschaft mutiert ist.

Während die Täter nun schleichend und fast unbemerkt Karriere machen, wächst die Zahl der enteigneten Opfer ständig – nicht nur unter den arbeitslosen Ingenieuren.

Wie Anleger schleichend enteignet werden – lautet ein aktueller Artikel im Manager Magazin, der nichts mehr und nicht weniger aussagt als: jetzt werden die Sparer enteignet. 

Das werden sie sowieso – wenn sie Immobilienbesitzer sind: ein Luxus, den sich nur noch wenige leisten können. Wer so blöd war, sein Leben lang für eine Immobilie gespart zu haben wird nun merken, das die Finanzknappheit der Gemeinden ihn über die Beteiligung an Straßen- und Kanalsanierung in den Ruin treibt … es sei denn, er ist ein guter Räuber und schafft es, den Wertverlust durch leistungsloses Einkommen zu übertreffen. Wer jetzt weder durch Arbeitslosigkeit noch durch Steuern enteignet werden kann, den schafft die Inflation, die den Staaten die Gelegenheit gibt, ihre Schulden abzubauen, während die Banken sich Anteile an der Realwirtschaft sichern können.

Hier … sind wir dann mitten drin im Täterland, zu Gast beim Bandenchef: den Banken. Sie sind die treibende Kraft hinter all jenem Unwesen, ihre „spätrömische Dekadenz ist die Ursache des Kollaps unserer Volkswirtschaft. Hören wir dazu einen Experten im Handelsblatt:

Es liegt nicht an der Regierung, dass die Banken das Spiel so treiben, wie vor dem ersten Höhepunkt der Finanzkrise. Guido Westerwelle hat ja mal dieses Zitat der Dekadenz der deutschen Unterschicht geliefert. Das Zitat passte im Grundsatz, es unterstreicht nur sein fehlendes Geschichtsbewusstsein, dass er das mit dem Plebs in Verbindung brachte, und nicht mit der Elite. In Rom waren es schon die Eliten, die dekadent wurden – und heute sind es die Bankenvorstände. Und deswegen ist Besserung erstmal nicht in Sicht.

Und gerade weil eben keine Besserung in Sicht ist, ist die Enteignung des deutschen Bürgers eine unumkehrbare Tatsache:

Ludwig Poullain war als Chef der West LB einer der letzten echten Bankiers in Deutschland. Was seine Nachfolger in der Finanzindustrie anstellen, schockiert den Pensionär – und er findet klare Worte:

„Das endet mit dem großen Knall“

Darauf werden wir uns einstellen müssen: der große Knall scheint unabwendbar … es sei denn, die Politik findet den Mut, die großen Geschäftsbanken samt ihres Raubkapitals zu enteignen. Doch das … ist unvorstellbar.

Lauschen wir nochmal Ludwig Poullain:

Wir sehen eine unheilvolle Verquickung zwischen Banken und Staaten. Die ungeheuren Geldmengen, die durch die Notenbanken im Umlauf sind, schreien natürlich nach Verwendung. Deswegen schaffen die Banken ja synthetische Produkte. Um das, was die Notenbanken da machen, Geldpolitik nennen zu können, müsste man Satiriker sein.

Diese unheilvolle Verquickung kann man an Personen festmachen – zum Beispiel an der Person jenes Jörg Asmussen, der trotz aller Kritik immer weiter Karriere macht:

Was Asmussen als „moderne Kapitalmarktgesetze“ bezeichnete, ist die Grundlage für die aktuelle Bankenkrise in Deutschland. Auch Frau Merkel hat sich in ihrer Oppositionszeit für eine Deregulierung des Handels mit forderungsbasierten Papieren stark gemacht. Asmussen saß als Vertreter des Bundesfinanzministeriums im Aufsichtsrat der IKB, die durch Spekulationen mit ABS-Papieren als erstes deutsches Bankhaus Opfer der Krise wurde. Asmussen, der als Steinbrücks Ratgeber gilt, wurde von der Regierung für seine Fehler bei der IKB nicht etwa abgestraft, er wurde von Steinbrück sogar ins Amt des Staatssekretärs berufen.

Sowohl bei der Rettung der Hypo Real Estate, als auch bei der Ausarbeitung des FMStG gilt Asmussen als Spiritus Rector. Wer soll nun von dem Anwalt für kreatives Investmentbanking gesetzliche Regularien erwarten, die eben diese Auswüchse wieder verbieten?

Da wird der Bock zum Gärtner, wie Telepolis schreibt und wir merken, warum wir unserer Enteignung machtlos engegen dämmern. Niemand braucht diese Banken mehr – meint Ludwig Poullain. Vielleicht mit ein Grund, warum die jetzt zu großen Entlassungswellen neigen, obwohl sie noch vor kurzem mit ihren neuen Supergewinnen hausieren gingen.

Scheinbar können die nicht wirtschaften – jedenfalls nicht nachhaltig und zum Nutzen der Volkswirtschaft.

Thomas Rusche (siehe oben) hat etwas sehr Denkwürdiges gesagt:

Künstler spüren, was kommt. Sie sind Seismografen gesellschaftlicher Veränderungen, künden vom Guten und vom Schönen, zeigen den Dreck, die Perversion der Gesellschaft, des Lebens, der Zustände auf.

Ich dachte an … Filmkünstler. An die Flut von irrationalen Zombie- und Vampirmythen, die in vielen Filmen verarbeitet wird. Der Mythos von Dracula (einsamer blutsaugender Adeliger auf seinem Schloss) hatte politisch sehr reale Hintergründe: blutsaugende Adelige entsprachen der jahrhundertelangen Erfahrung der Menschen. Nun drängen sich neue Mythen auf, neue Bilder beschreiben emotionale Reaktionen auf eine rationale Realität:  die Raubwirtschaft der Vampirclans und Zombiehorden.

Man weiß, wo es endet: Vampire und Zombies vermehren sich mit jedem Infizierten, haben sie bald den letzten finanziell gesunden Bürger ausgesaugt und aufgefressen …. kommt der große Knall.

Raubwirtschaft ist nie von Dauer. Wenn es nichts mehr zu plündern gibt, geht die Kultur unter wie das römische Imperium.

Und hier wendet sich der Philosoph dann angewiedert ab und zieht sich zurück in seine Wälder: 2000 Jahre menschliches Drama … und alles wiederholt sich nur.

Wie langweilig.

Und grausam.



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