Politik

Der Börsencrash 2011 … und ein paar unangenehme Hintergründe

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Das Rad der Geschichte dreht sich unwiderruflich weiter.  Wir dachten mal, die Geschichte wäre zu Ende. Erst wurden die bösen Monarchien beseitigt, der grauslige Feudalstaat eleminiert, die Terrorherrschaft der Kirche neutralisiert. Dann wurden im nächsten Schritt den Industriebaronen Grenzen aufgezeigt, um nicht die Diktatur des Schwertes durch die des Geldes zu ersetzen. Letztlich scheiterten in Form von Nationalsozialismus und Kommunismus (wobei ich jetzt beide nicht gleich setzen möchte – ausser vielleicht bezüglich der Ethik ihrer Funktionäre) die Diktaturen der Parteien. Es schein weise zu sein, ein System zu haben, wo sich die gesellschaftlichen Gegensätze im Parlament treffen anstatt mit der Waffe in der Hand auf der Straße. Es schien weise zu sein, jeder politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Strömung im Lande eine Stimme im Parlament zu geben, damit Frieden, Wohlstand und Sicherheit lebenslänglich gewahrt bleiben und wir uns in Ruhe um unsere Rosenzucht kümmern können. Nichts sprach dagegen, ein System zu erhalten, das allen Gewinn bringt – trotzdem wird es gerade zerstört, das Rad der Geschichte zerstampft die alten Strukturen und wird etwas Neues bringen, etwas, das gewalttätig sein wird.

 „Die Lawine ist ins Rollen gekommen“, sagte ein Börsianer. „Resignation und Perspektivlosigkeit prägen die Stimmung.“

So hören sich die Katastrophennachrichten im Handelsblatt an.

Und das, wo doch noch vor kurzem niemand wusste, warum denn die Börse eigentlich zur Talfahrt neigt – dabei ist der Grund einfach: die größten Anleger … vor allem Banken, wie man hört … verkaufen ihre Aktien. Es ist ja nicht mehr eine Horde von kopflosen Kleinanlegern – die haben sich doch schon längst vom Markt verabschiedet. Es sind die großen, institutionellen Anleger, die ihre Firmenpapiere auf den Markt werfen, weil sie wissen, das der künstlich durch Staatsgeld angekurbelte Aufschwung mit dem Ende des Staatsgeldes auch ein Ende findet. Obama will zwar nochmal eine neue Runde auflegen – nochmal Straßen, Brücken, vielleicht sogar Kreisverkehre bauen bis auch der letzte Quadratzentimeter Ackerboden asphaltiert ist – doch der Erfolg bleibt ungewiss.

„Aber wir haben schon früher harte Zeiten durchgemacht“, sagte Obama. Und ergänzte: „Ich weiß nicht wie es Ihnen geht, aber ich habe keine Angst vor harten Zeiten.“

So wird Obama im Spiegel zitiert. Als Präsident der USA hätte ich auch keine Angst vor harten Zeiten, die Marines und der CIA werden schon dafür sorgen, das ich Brötchen mit Butter und italienischer Salami zum Frühstück bekomme, während andere im Müll nach Essensresten suchen. Was aber klar zu erkennen ist: die harten Zeiten scheinen sicher zu sein. Wenn DER von kommenden harten Zeiten spricht, dann weiß er Bescheid. Immerhin haben es seine Finanziers in der Hand, wie hart die Zeiten werden müssen.

Die Experten machen sich so ihre Gedanken – wie hier in der Welt:

Ein Sturz des Dax unter das Schicksals-Niveau von 4500 Stellen ist alles andere als unmöglich. In der zurückliegenden Finanzkrise sank das Börsenbarometer von 8106 auf 3666 Zähler, also um 55 Prozent. Im dem vorangegangenen Salami-Crash von 2000 bis 2003, der auf den New-Economy-Hype der Neunzigerjahre folgte, betrug das Minus sogar 73 Prozent.

Muss man hier überhaupt noch Experte sein, um zu erkennen, das das Ende nahe ist? In den letzten zwanzig Jahren hat uns unsere Wirtschaft locker dreimal vor die Wand gefahren. Wenn ich eine Automarke fahre, die dreimal hintereinander ohne Fremdeinwirkung Totalschaden erleidet, dann weiß ich, das die Konstruktion Murks und es nur eine Frage der Zeit ist, bis ich bei einem Unfall mit drauf gehe.

Die Welt redet klar und deutlich davon, das dieser neue Totalschaden möglicherweise der letzte ist: Autohändler und Werkstatt haben geschlossen.

Das Bedrückende an der aktuellen Krise sind nicht die Parallelen zur Lehman-Pleite. Vielmehr gibt es einen großen Unterschied: Es ist kein Retter in Sicht.

Klar, die Staaten, die uns bislang gerettet haben, stehen selbst am Abgrund. Nicht mehr lange und ihre Währungen werden nur noch nach dem aktuellen Altpapierwert gehandelt.

Die Täter sind klar erkennbar. Man muss nicht die sozialistische Internationale fragen, um sie zu entdecken. Der konservative Peter Gauweiler beschreibt in der Welt, wer sie sind:

Wir befinden uns in der Hand von ein paar Hundert Manhattan-Boys mit unterschiedlichen Pässen, denen die demokratischen Staatswächter nicht Herr werden und nicht Herr werden wollen. Für Deutschland bekommen diese Leute bis heute auch dann noch eine Banklizenz, wenn sie kein einziges Wort der staatlichen Banken-Aufsicht verstehen.

Liest man mehr, so sieht man, das CSU und DIE LINKE gar nicht weit voneinander entfernt stehen:

Wir stützen doch nicht Griechenland! Wir stützen 25 oder 30 weltweit tätige Investment-Banken und ihre wahnwitzigen Geschäfte, hinter deren Derivaten ja immer weniger Sachwerte stehen. 

Eigentlich weiß jeder, was los ist. Eigentlich könnten wir jetzt schon mit dem Wideraufbau beginnen – bevor die Ruinen kommen. Doch jetzt … wird es kompliziert.

Das kommt mir vor wie Andersens Märchen von des Kaisers neuen Kleidern. Der steht bekanntlich nackt da, und keiner will es merken. Als ein Kind das endlich ausspricht, herrschte Erleichterung.

Gauweilers einfache Wahrheiten wirken erleichternd und erfrischend….aber er hat die Rechnung ohne die Schneider gemacht, die dem Kaiser die Kleider verkauft haben, ohne die kaiserlichen Berater, die ihm gerade zu diesem Stoff geraten haben, ohne die Kaisergarde, die mit dem Bayonett jeden niedermacht, der die Wahrheit aussprechen will und ohne all jene Majestätsgläubigen, die sich einen nackten Kaiser noch nicht mal im Traum vorstellen wollen – weshalb er zweifellos und unwiederruflich irgendetwas anhaben muss: alles andere wäre undenkbar.

Er hat die Rechnung ohne all jene gemacht, die an dem großen Betrug mitverdienen … oder zumindest davon träumen. Das Handelsblatt hat aktuell mal einen Fall skizziert:

Die Dame hatte auf alles Mögliche gewettet: auf Rentenpapiere, Aktien, Immobilien, den Dividendenindex Div-Dax versus den Dax und auf Rohstoffe. Risiken ist die Anlegerin dabei nur in Maßen eingegangen, denn fast jedes Produkt verspricht am Ende der Laufzeit den Einsatz zurück.

Verdient hat die Dame ein halbes Prozent in sieben Jahren …. aber gezahlt hat sie deutlich mehr: 23000 Euro hat sie das Vergnügen letztlich gekostet, bei dem Run nach dem leistungslosen Einkommen dabei gewesen zu sein.

Sie ist kein Einzelfall – auch Kommunen und Gemeinden haben sich an dem Run beteiligt, siehe Handelsblatt:

Wegen umstrittener Zinsgeschäfte deutscher Banken mit den Kommunen droht dem Steuerzahler ein Milliardenrisiko. Die Finanzinstitute haben auf Drängen des Bundestags erstmals Zahlen zum Umfang ihrer Geschäfte mit den Städten vorgelegt, die nichts Gutes ahnen lassen: Laut einem Schreiben, das der Zentrale Kreditausschuss (ZKA), das Sprachrohr der deutschen Banken, Ende Juli an den Finanzausschuss des Bundestags gesandt hat und das dem Handelsblatt vorliegt, bestanden Ende 2010 Wetten zwischen Banken und Kommunen mit einem Gesamtwert von 63,7 Milliarden Euro.

Ein neues Risiko für das Staatssäckel, das aktuell sowieso schon zur Rettung des Euros komplett nach Brüssel verfrachtet wird … und damit rechnen muss, auch von anderer Seite noch deutlich gerupft zu werden, denn die „Manhatten-Boys“ drohen unvermindert mit Geiselnahme und Erpressung, wie aktuell auf einer vom Handelsblatt veranstalteten Tagung:

Besonders hart treffe die Branche die neuen Anforderungen der Finanzaufsicht, insbesondere die neuen Eigenkapitalregeln nach Basel III. Dies werde sich aber nicht nur auf die Banken auswirken, sondern auch negativ auf die Gesamtwirtschaft in Europa.

„Liebes kleines Mädchen … sagst Du dem Kaiser, das er nackt ist, nehmen wir deinem Papa die Arbeit weg!“.

Andersens Märchen wiederholt sich, aber die kaiserlichen Einkleider haben gelernt. Darf ich nochmal ausholen, um zu zeigen, welcher Art die Leute sind, die … das Rad der Geschichte drehen? Nur ein Beispiel soll reichen, um das Prinzip zu verdeutlichen, mit dem die „Manhatten-Boys“ das System infiltriert haben (nein, jetzt kommen nicht wieder die Maschmeyer/Wulff/Schröder-Gang-Geschichte).

Ich spreche von Tony Blair … einem jener Menschen, die – wie Gerhard Schröder in Deutschland – international den „aktivierenden Sozialstaat“ eingeführt hatten, jenes Instrument, mit denen man jene stillhält, die behauptet hatten, der Kaiser sei nackt. Wie Gerhard Schröder darf sich Tony Blair für seine Arbeit auf viel Geld freuen … und wurde sogar Patenonkel des Zeitungszars Murdoch, der in England dafür sorgte, das man nicht die Manhatten-Boys öffentlich für ihre Taten anprangerte, sondern jene Leute, die aufgrund ihrer Aktivitäten ihre Arbeit verloren haben. Jener Blair, der eine seltsam aktive Rolle beim Irakkrieg gespielt hatte (in dessen Folge der Biowaffenexperte David Kelly einen fragwürdigen Selbstmord begann), der Gaddafi freundlich die Hände schüttelt und – womöglich Terrorverdächtige zum Foltern übersandte hängt familiär und persönlich ganz eng zusammen mit jenem Rupert Murdoch, dessen Zeitungsimperium den Finanziers der Manhatten-Boys direkt in die Hände arbeitet. Wundert es da, das der andere „aktivierende“ Sozialstaatler – Gerhard Schröder – die Bundesrepublik Deutschland ebenfalls sinnlos in einen Krieg geführt hat, wie aktuell der Spiegel enthüllt?

Man kann Peter Gauweilers Panik verstehen – und ebenso die Panik der Börsenexperten. Wir dachten die Geschichte sei zu Ende – und es wäre ein Happy End gewesen, das wir erlebten.

Doch man hatte uns belogen. Hinter der kunterbunten Medienwelt, in der die Lichtgestalten des Finanzmanagements gegen die Finsterlinge aus den Kreisen der Arbeitslosen antreten, lauern andere Wahrheiten, über die man nicht mehr reden darf – die man aber trotzdem erahnen kann. Das Rad der Geschichte wird zurückgedreht, neue Fürsten haben mit Gewalt neue Führungspositionen besetzt, treten das internationale Recht mit Füssen und ordnen die Realität ganz frei nur nach ihrem eigenen Willen:

Vor dem Irak-Untersuchungsausschuss sagte Blairs seinerzeitiger außenpolitischer Berater Sir David Manning aus, dass Blair schon elf Monate vor dem Beginn des Irak-Krieges George W. Bush zugesichert hatte, einen Regimewechsel im Irak notfalls durch den Einsatz militärischer Mittel herbeizuführen. Rechtsberater hatten ihn jedoch schon damals darauf hingewiesen, dass ein Militäreinsatz mit diesem Ziel ungesetzlich sei und gegen die UN-Charta verstoße.[8] Danach räumt Tony Blair in einem Interview offen ein, dass er den Angriff auf den Irak auch ohne Beweise für den irakischen Besitz von Massenvernichtungswaffen für richtig halte.[9] Während die Befragung von Alastair Campbell aufgrund des Briefwechsels zwischen Blair und Bush die Entschlossenheit Blairs zum Krieg nochmals bestätigte, hat eine holländische Untersuchung ergeben, dass Holland sich allein aufgrund des von Großbritannien und den USA gelieferten irreführenden Materials zur Beteiligung am Krieg entschlossen hatte und dass dieser Krieg gegen internationales Recht verstoßen habe.[10]

 

Welche Folgen hat das für uns?

Nun – erstmal die Erkenntnis, das wir in einer neuen Zeit des Feudalismus leben, das die Zeit der Gesetze, des Rechts und der Sicherheit vorbei sind. Wer die Macht hat, setzt seinen Willen wieder mit brutaler militärischer Gewalt durch – oder mit eiserner Faust gegen Arbeitslose im Inland. Jederzeit können die Truppen der Finanzfeudalisten weltweit in jeder beliebigen Stärke zuschlagen, jederzeit können sei öffentliche Meinungen in jedem gewünschten Umfang in jede gewünschte Richtung lenken (und immer wieder kommt es in der Randzone dieser Machtausübung zu Selbstmorden, wenn Einzelne an der Aufdeckung der Lügen arbeiten), jederzeit mit Massenentlassungen oder Gesetzesänderungen Volksbewegungen den Boden unter den Füssen entziehen.

Und dann die Erkenntnis, das wir noch Zeiten erleben werden, in denen der Staat völlig zusammenbricht: der Spiegelartikel Hooligans in Krakau bietet uns einen Ausblick auf einen möglichen deutschen Alltag aus dem Jahre 2018, wo Banden wie wahre Macht auf den Straßen darstellen, weil die knapp bemessene Polizei nur noch Wohlstandsoasen schützt – in Zusammenarbeit mit privaten Wachdiensten.

Das das teuer ist, weiß ich selbst … und weiß deshalb auch, warum der ESM-Vertrag nun dafür sorgt, das das ganze staatliche Kapital zum Zwecke der Umverteilung unwiederbringlich nach Brüssel fliessen soll.  Die Enkel, Neffen und Cousinen der Blair/Schröder/Bush-Förderer bereiten sich auf ein neues Kapitel der Geschichte vor, das sehr sehr finster werden wird – wie es aussieht, steuern wir auf das finsterste Kapitel der menschlichen Geschichte zu, ein Kapitel, das die Barbarei des NS-Staates in den Schatten stellen wird.

 

 

 



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