Politik

Weltwirtschaftskrise 2011 – und die Verschwörung der Entscheider

Von hier aus gelangen Sie auf die Autorenseite von und koennen alle kommenen Artikel mit "Link speichern unter" abonieren.

Mitte der siebziger Jahre las ich eine interessante Studie über Krankenhäuser. Demnach wäre die sterile Klinikatmosphäre samt weißer Farbe ganz schlecht für die Genesung. Man hatte darauf reagiert, es kam Farbe in die Kliniken. Doch was lese ich heute, vierzig Jahre später in der Welt?

Lange, graue Krankenhausflure und ein beißender Desinfektionsmittelgeruch setzen Kranken zu: Architekturpsychologen plädieren für schönere Krankenhäuser.

Was war in den letzten vierzig Jahren geschehen? Was war denn mit der Legende vom „Fortschritt“, jener Legende, die Grundlage unserer Kultur sein soll? „Gefahr erkannt, Gefahr gebannt“ – so hieß es doch. Wieso stehen wir drei Jahre nach der größten Wirtschaftskatastrophe der Nachkriegszeit vor einer neuen großen Wirtschaftskatastrophe?

Der Grund für diese Entwicklung ist einfach – und der gleiche, warum Krankenhäuser krank machen anstatt gesund: Wissen wird ignoriert.

In den siebziger Jahren lernten wir auch im Wirtschaftsunterricht, dass die Börse nur ein Teil der Finanzwirtschaft ist – und der DAX wiederum nur ein Teil der Börse. Wir lernten, das die Börse mit Vorsicht zu genießen sei, weil sie völlig irrational ist und die größte Geldvernichtungsmaschine der Menschheit. Wir als junge Unternehmer täten gut daran, die Börse zu meiden – eine kleine Irritation in der Psyche der Anleger … und schon ist die Firma dahin. Sinkt der Börsenwert, sinkt die Kreditwürdigkeit und je nach Rechenmodus der Bank kann man auf einmal Pleite sein, obwohl das Geschäft toll blüht.

Dann kamen die achtziger Jahre und irgendwer entschied, die Börse zu GOTT zu machen. Ein Gott des Wahnsinns, der über Kinderleichen geht, wenn es nur der Rendite nützt. Auf einmal kamen in jeder Nachrichtensendung Nachrichten vom DAX – die anderen Finanzmärkte wurden unterschlagen. Die Deutschen – eigentlich ein Volk von Aktienmuffeln – wurden „umerzogen“. Das „Umerziehung“ geht, hatte man schon mal bewiesen – warum also das Ganze nicht nochmal anstellen, diesmal für einen ganz anderen Zweck? Immerhin waren private Fernsehanstalten auf einmal – per Entscheidung – möglich und man konnte die dümmsten Inhalte über das Volk ausschütten ohne dafür ins Gefängnis zu kommen.

„Ob das mal gut geht“ meinte meine Ex-Frau zu mir. Sie hatte Angst vor Zuständen wie 1933.

„Klar geht das gut“ meinte ich, „es gibt so viele Sicherheitsmechanismen, die uns vor der Weltwirtschaftskrise schützen, da kann gar nichts schiefgehen“.  Ich war mir da ganz sicher, weil ich mir sicher war, das die Menschheit nicht so blöd sein konnte, zumal Karl Marx den Pleiteautomatismus  des Kapitalismus ja schon hundert Jahre zuvor detalliert beschrieben hatte.

Dann kam rot-grün und baute erstmal die Sicherheitsmechanismen ab … wie auch die anderen Regierungen weltweit.

Wer hat denen das angeraten? Wer hat seine Lobbyisten weltweit ausgeschickt, um diese Überzeugungsarbeit zu leisten? Solche drastischen Entscheidungen mit lebensbedrohlichen Konsequenzen fällt doch kein klar denkender Mensch – jedenfalls nicht ohne ausreichend Bestechungsgeld in der Tasche.

Kurze Zeit später hatten wir die erste Wirtschaftskrise, jetzt folgt die zweite: die USA verlieren ihre Top-Bonität … obwohl sie nicht zahlungsunfähig geworden sind.

Sie sollten – ich hoffe, man erinnert sich noch an die Nachrichten drei Wochen zuvor? – die Topbonität verlieren, wenn sie zahlungsunfähig geworden sind.

Jetzt können sie zahlen – verlieren aber trotzdem ihre Bonität.

Man fragt sich: warum lese ich diesen ganzen Dreck eigentlich noch?

Lieber … mache ich mir meine eigenen Gedanken., denn mit „Fortschritt“ hat das alles nichts mehr zu tun. Vorbei die Hoffnung, das wir aus der ersten Weltwirtschaftskrise (plus KZ und Weltkrieg) genug gelernt haben … also, „wir“ vielleicht, aber „die“ nicht.

Ja, genau, jene „die“, über die immer so gerne gespottet wird. Jene „die“, die man in Wirtschaftskreisen gerne knapp und einfach „Entscheider“ nennt. Wer in der Wirtschaft tätig ist, der kennt sie … und er weiß, das „Entscheider“ mit „Demokratie“ nichts am Hut haben, sie sind „Macher“ und keine „Diskutierer“.  Es sind Menschen, die konkrete Entscheidungen gefällt haben – und immer laut „Verschwörungstheorie“ brüllen, wenn man ihnen zu nahe kommt.

Die Entscheidungsprozesse auf  oberster Konzernebene bekommen wir nicht mit, ebensowenig die strategischen Pläne und die Finanzierungen. Wir bekommen nur mit, das das gelbe M von McDonalds auf einmal bundesweit die Nacht erhellt, obwohl uns niemand gefragt hat, ob wir das überhaupt wollen.  Da hat jemand entschieden, die deutsche Pommesbude „platt zu machen“, jemand anderes hat dafür das Geld gegeben, damit der Konzern überhaupt erst in der Lage ist, den Markt aufzurollen.

Ohne Kredite wäre da nichts gelaufen …. ohne Kredite und weiteren Entscheidern, die den Blick des Volkes auf den DAX richten und die Medien dazu verpflichten, auf jeden Fall Rücksicht auf die Psyche der Anleger zu nehmen: das verteilen von Beruhigungspillen war angesagt („Aufschwung“, „keine Arbeitslosigkeit“, „Rekordgewinne“ hießen in den letzten zwei Jahren einige) – und diese Pillen gehen laut „Welt“ jetzt zur Neige, weshalb der DAX die schlimmsten Verluste seit der Lehmannpleite hinnehmen mußte.

Diese Entwicklung kommt nicht aus dem Nichts – es gibt konkrete Täter, die die Wirtschaft in Gefahr bringen. Man braucht auch nicht lange suchen, um sie zu finden. Im Manager Magazin redet man offen über sie:

Die Attacken kommen eindeutig aus London und New York. Es sind große Hedgefonds, die ihre Spekulationsmacht einsetzen.

Sie haben auch die Macht, die „Presse“ zu kaufen – zur Not kaufen sie ganze Sender, um ihre Meinungen unter das Volk zu streuen und den DAX als GOTT in jedes Wohnzimmer zu bringen.

So etwas nennt man gemeinhin „Verschwörung“.

Wir brauchen nicht diskutieren, ob es Verschwörungen gibt oder nicht – es ginge höchstens darum, ob die zusätzlich zu allem Elend auch noch „nine-eleven“ selbst verursacht haben. Menschen, die in Afghanistan Frauen und Kinder mit Bomben ausrotten, würde ich das allerdings zutrauen. Das so etwas geschieht, zeigt, welches moralische Niveau die „Entscheider“ haben … und weil das sehr niedrig und menschenfeindlich ist, dürfen wir vierzig Jahre nach der Erkenntnis, das weiße sterile Krankenhausflure krank machen, uns wieder über die Erkenntnis freuen, das weiße sterile Krankenhausflure krank machen: „Entscheidern“ ist es vollkommen egal, wo sie den menschlichen Abschaum zwischenlagern. Man darf mal drüber diskutieren, was schön wäre, aber entschieden wird anders – so lautet ja im Prinzip auch das ganze Parteiprogramm der modernen SPD, der Grünen und der CDU-FDP-Regierung.

Das der Crash 2011 kommen wird, war oft genug nachzulesen – auch an diesem Ort. Die Menschen wissen das auch … es spiegelt sich wieder in ihren Entscheidungen, ein Kind zu bekommen, siehe Welt:

Frage man junge Leute, welche Bedingungen erfüllt sein müssten, bevor sie ein Kind bekommen, würden in Deutschland viel mehr Kriterien genannt als in Frankreich. Abgeschlossene Ausbildung, ein sicherer Job, ein ausreichendes Einkommen mindestens eines Partners sollten nach Ansicht der meisten vorhanden sein. 

Und da eine wirtschaftlich sichere Zukunft völlig illusorisch ist in einem Land, in dem Konzerne politisch unbequeme Entscheidungen mit Massenentlassungen abstrafen dürfen, bekommen nur noch Idioten,  Idealisten oder Betrunkene Kinder.

Der Rest wartet erstmal den totalen Zusammenbruch der Versorgungssysteme ab und möchte „in so eine Welt keine Kinder setzen“.

Wie bitte? Die Welt war 1945 schlimmer dran, als alles in Trümmern lag?

Nein. Damals nämlich … ging es bergauf. Das macht Hoffnung.

Für uns geht es jetzt bergab … und wir werden sehen, ob überhaupt etwas übrig bleibt, was aufzubauen ist.

Was wir unseren wenigen überlebenden Kindern mitteilen sollten, ist: „Das waren Entscheider – und keine unberechenbaren Naturkatastrophen“.

Mit etwas Mühe könnte man sogar ihre Namen herausfinden, die ansonsten vor der Öffentlichkeit verborgen gehalten werden. Es sind sie, die den „Entscheidern“ die Jobs geben – oder dachte man bislang etwa, Chef von Goldman-Sachs oder Standard & Poors wird man per Lotterielos? Da gibt es strenge Auswahlverfahren wie bei jedem Job oder bei den Aufnahmen im Bohemian Grove oder bei den Bilderbergen – nur erfahren wir die Kriterien nicht. Die kennen nur „die“.

Natürlich kann man daran glauben, das alle Entscheider nur rein zufällig in die gleiche Richtung entschieden haben. Des Menschen Glauben ist sein Himmelreich.

Aber wie Hartz IV ist die momentane Krise kein Zufall. Arno Luik sprach in einem Stern-Artikel aus dem Jahre 2004 von einem Putsch von ganz Oben – und seitdem gibt ihm die politische Entwicklung recht – nicht nur in Deutschland.

Ich denke nur – die Entscheidungen wurden früher getroffen. Das ist der Grund, warum wir keinen „Fortschritt“ mehr haben … und vielleicht mit ein Grund, warum „Natur“ anfängt, verrückt zu spielen, siehe Welt:

Wie in Alfred Hitchcocks „Die Vögel“ fallen hunderte Kolkraben bei Türkheim im Unterallgäu immer wieder über die Lämmer und Schafe von Bioschäfer Franz Rehle her. Seit November seien bereits 40 Lämmer und 5 Mutterschafe getötet worden

Ob es helfen würde, davon zu träumen, das die Vögel vielleicht für uns die Entscheider ausfindig machen, damit die Welt endlich wieder einem natürlichen Gang folgt?

Wenn alles so weiter geht, werden wir bald beten müssen, das es außer dem DAX noch einen anderen Gott gibt, der auch die Vögel im Zaum  halten kann, denn GOTT DAX ist ungnädig … und vor allem: unfähig, der Menschheit zu dienen.

Er dient nur den Entscheidern, die jetzt gerade mal wieder ganz billig Realwirtschaft für wenig Geld erwerben können – erst recht, wenn die Kurse noch so richtig schön nach unten sausen.

 

 

 

 

 



Die letzten 100 Artikel