Alltagsterror

11.9.2001 – 22.7.2011 – Zahlenspiele, Globalisierungskritik und der „Einzeltäter“

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Ich glaube, Philosophen fühlen sich in der Welt der Verschwörungen wohl: es ist seit Plato, Descartes und Kant genau ihre Heimat. Eine Wissenschaft, die in ihren Weltbildern die Möglichkeit mit einschließen muss, das alles nur Illusion ist, kann mit einer manipulierten Welt gut umgehen: sie braucht die Sicherheit nicht, ohne die andere nicht leben können, sie ist gewohnt, völlig im Nebel zu tappen und sich dabei pudelwohl zu fühlen. Das hat Vor- und Nachteile. Die Vorteile sind: man braucht nicht vorschnell zu urteilen. Man braucht eigentlich gar nicht zu urteilen – und ersparte sich somit die Peinlichkeit, zu früh geschrien zu haben: „die Moslems waren´s“ – oder „Breivik war ein Einzeltäter“. Andererseits kommt man auch nur schwer ins Handeln, weil man immer alle Perspektiven berücksichtigen möchte.  Im Falle des Massenmörders von Utoya kann man nun eins mit Sicherheit schon jetzt sagen: geurteilt worden ist zu früh. Unmöglich konnte man zu diesem Zeitpunkt schon mit Sicherheit sagen, das es sich um einen Einzeltäter handelte. Es wurde aber gesagt – und damit eine Wahrheit beschlossen, die nun in Zukunft gegen alle anderen Wahrheiten verteidigt werden muss.

Es gibt gute Gründe, Breivik nicht als Einzeltäter abzustempeln – ein paar habe ich selber in den letzten Artikeln beleuchtet einige weitere wurden mir heute per Post empfohlen: bei den Netzrosinen aus der Schweiz findet man einige Perspektiven, die einen zum Nachdenken bewegen, der Kommentator „Jörg“ setzt aber nochmal ordentlich eins drauf und weist auf Ungereimtheiten in größerem Rahmen hin … wobei ich in der Tat auch die früh gemeldeten Paralellen zum Una-Bomber-Manifest erstaunlich finde: die hat man doch nun wirklich nicht sofort auswendig im Kopf, oder? Auch die gigantische Menge an Kunstdünger für einen Biohof gibt Rätsel auf – überhaupt wird die Gedankenwelt und die offizielle Theorie immer abstruser, je mehr man erfährt.

Man kennt das irgendwo her, oder?

11.9.2001

22.7.2011

Fällt einem was auf? Die Zahlen ähneln sich. So einen Witz würde ich mir erlauben, wenn ich den Anschlag geplant … bzw. die Durchführung des Anschlages initiiert hätte. Könnte mich da kaum bremsen, dem „dummen“ Volk nochmal deutlich vor Augen zu führen, wie blöd es ist, weil man ihm ja auch deutlich vor Augen führen kann, wie die Rebellen In Libyen  ihre Waffen bezahlen, ohne des es merkt, wohin der Hase läuft:

Wie auch in Haiti tauchen in Krisengebieten zuverlässig “Kindersammler” auf und stehlen oder kaufen Kinder, die ohne familiären Schutz sind. Ob zur Organspende oder sonstigen schauderhaften Dingen, entzieht sich unserer Kenntnis.

Kinder sind Rohstoff – das wissen wir schon lange. Wir wissen auch, das die USA die Taliban finanzieren, die sie angeblich so vehement bekämpfen, das Finanzmanipulationen in großem Umfang die Weltwirtschaft zu vernichten drohen, das die Bertelsmannstiftung über Geheimverträge in der deutschen Lehrausbildung mitmischt, das die Griechenlandrettung durch erneute Herabstufung schon jetzt wieder Makulatur wird, man auch bei Goldanlagen an unseren Ängsten verdient, die Anschläge von Norwegen benutzen wird, um auch den letzten Skeptiker des alltäglichen Wahns polizeilich zu erfassen, das die USA durch ihre Kriege unweigerlich in eine Pleite marschieren  und der Normalbürger dort einen dramatischen Einbruch seiner Lebensqualität erleben wird, während man bei uns beginnt, Arbeitslose zu Geisteskranken zu erklären.

Das ist der Medienalltag, dem wir beständig ausgesetzt sind, das sind die Tatsachen, mit denen wir uns auseinandersetzen müssen, während uns die Medien und die Politik haupsächlich „heile Welt“ predigen (mal abgesehen von den von mir so geliebten verstörenden Details, die täglich vom Tisch fallen), um Börse, Konsumlaune und Produktionseffektivität nicht zu gefährden, obwohl alle wissen – oder wissen sollten – das wir mit den momentanen politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen nur eins durchleben: die fortschreitende neoliberale Globalisierung, der wir im Übrigen auch den 11.9.2001 oder den 22.7.2011 zu verdanken haben. Ohne US-amerikanischen Konzernimperialismus, der die Kinder der ganzen Welt burgerkauend und colatrinkend vor Disneyfilmen in Wal-Mart-Zimmern sehen will, hätte es den Hass der Attentäter vom 11.9.2001 nicht gegeben (wenn es die denn waren, die Bush so überraschend schnell aus dem Hut gezogen hatte), ohne den gezielten Aufbau des Feindbildes „Moslem“ durch die Medien hätte es keine Attentate in Norwegen gegeben.

Ohne den Versuch, amerikanische Konsumideologien weltweit auszubreiten, Arbeitnehmerrechte, Sozialstaaten und Volkswirtschaften weltweit zugunsten des amerikanischen Schuldenberges zu vernichten und die ganze Welt in ein Abbild von New York zu verwandeln hätte es keine Attentate gegeben. Das wußten wir schon 2001 – und könnten es auch 2011 wissen.

Wollen wir aber nicht.

Darum ist die philosophische Kunst des Denkens in Zusammenhängen verpönt – und darum werde ich wohl selbst auch bald in einer „Terrordatenbank“ landen, weil ich „krude Ideen“ produziere.

Die Folgen der Globalisierung sind lange bekannt. Es wurden viele Worte darüber verloren und letztendlich jeder Kritik der Todesstoß versetzt durch das Wörtchen: alternativlos.

Nun gibt es auch Bewegungen gegen die Globalisierung, die im günstigsten Falle unkontrolliert die Weltwirtschaft in einen Zustand des Kampfes aller gegen alle führen wird, im ungünstigsten Falle aber in der Diktatur einer Elite enden kann – worüber wir aber nicht nachdenken dürfen, denn die Elite gibt es nicht und wenn dann wirtschaftet und handelt sie völlig planlos. Deshalb ist es wohl auch nur ein Zufall, das gerade jetzt, wo eine Besetzung der Wallstreet nach Vorbild der arabischen Revolten geplant wird erstmal tausende Banker entlassen werden.

In dieser Welt ist es wichtig, aus dem Massenmörder Breivik einen Einzeltäter zu machen – einen psychisch gestörten Einzeltäter, der zwar eine Tat über neun Jahre planen kann, die mentale und emotionale Stabilität eines zum Töten dressierten US-Marine besitzt, zu wenig Geld für teuren Dünger verwendet, den er in diesen Mengen gar nicht braucht und nebenbei noch ein Manifest schreibt, in dem er Dokumente zitiert, die hauptsächlich Geheimdiensten zugänglich sind, der aber andererseits in einer surrealen Parallelwelt lebt, die man keinesfalls ernst nehmen darf.

Der Mann kann Eier legen – ist aber kein Huhn.

Spotten wir nicht – so etwas kann passieren. Es gibt auch unwahrscheinliche Zufälle – wahrscheinlich nicht so oft, wie man sie uns zum Beispiel im Zusammenhang mit dem 11.9.2001 verkaufen möchte, aber öfter, als es dem rationalen Philosophen lieb ist.

Aber auf keinen Fall kann man nach einem oder zwei Tagen, knapp hundert Toten und hundert Verletzten (von denen einige schon einen zweiten Täter gesehen haben) mit Sicherheit behaupten, das es sich um einen Einzeltäter handelt.

In vier Wochen … möglicherweise.

Doch schon jetzt, noch während man durch das ganze Blut watet … auf keinen Fall.

Und wen das jetzt mit großer Wucht verbreitet und ausgeschlachtet wird, einer Wucht, die in einem so frühen Stadium der Ermittlungen (während man noch nicht mal weiß, wie viele überhaupt erschossen worden sind) gar nicht verantworten kann, dann werde ich sehr sehr misstrauisch.

Immerhin … wurde ich schon oft genug von Politiker belogen. Kinderalarm hat da mal ein paar zusammengestellt.

So etwas prägt halt.

 

 

 

 

 



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