Wirtschaft

Manipulationen der Medien: Immobiliendesaster in Deutschland – Kinder als ökonomischer Selbstmord

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Der Linguist Noam Chomsky hat einmal zehn Strategien der Manipulation formuliert, hier veröffentlicht bei le Bohémian. Die erste Strategie scheint mir die wichtigste zu sein, die anderen, die dem Volk suggerieren, es sei dumm, faul und gefrässsig uns soll froh darüber sein, das auserwählte Leistungsträger Tag für Tag das Schlimmste verhindern, bauen darauf auf:

Das Schlüsselelement zur Kontrolle der Gesellschaft ist es, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf unwesentliche Ereignisse umzulenken, um sie von wichtigen Informationen über tatsächliche Änderungen durch die politischen und wirtschaftlichen Führungsorgane abzulenken. Jene Strategie ist der Grundstein, der das Basisinteresse an den Bereichen Bildung, Wirtschaft, Psychologie, Neurobiologie und Kybernetik verhindert. Somit kehrt die öffentliche Meinung dem wirklichen gesellschaftlichen Problemen den Rücken zu, berieselt und abgelenkt durch unwichtige Angelegenheiten. Schaffe es, dass die Gesellschaft beschäftigt ist, beschäftige sie, beschäftige sie so, damit sie keine Zeit hat über etwas nachzudenken, entsprechend dem Level eines Tieres.

„Beschäftigung“ ist im Deutschland des 21. Jahrhunderts DAS Schlagwort schlechthin, über sinnvolle ARBEIT wird kaum noch geredet: Hauptsache, die Leute sind BESCHÄFTIGT. Und die Lenkung der Aufmerksamkeit?

Der Spiegel, neben dem Handelsblatt angeblich das erfolgreichste Nachrichtenportal im Internet, informiert uns über den Frauenfussball. Das Handelsblatt ebenfalls … nachdem wir über die Hoffnungen von US-Anlegern informiert worden sind. Tagesschau … dasselbe Bild: Frauenfussball: der Traum ist aus.

Investiert man etwas Zeit in die weitere Lektüre jener Nachrichten, die ansonsten nach zehn Minuten im Archiv versickern, schrumpft die Trauer über den Frauenfussball in Deutschland schnell zu einem Ereignis zusammen, das in Bedeutung dem berühmten chinesischen Reissack, der nahe Peking umgefallen ist, in nichts nachsteht. Da wäre zum Beispiel die Nachricht, das Deutschland in einer Immobilienkrise steckt. Eigentlich eine wichtige Information für alle Häuslebauer – gerade für Familien mit Kindern, die Lastesel der Nation, für die das Eigenheim häufig der letzte Fluchtpunkt vor den ach so freundlichen Nachbarn ist, die die Kinder gerne mal zum Teufel wünschen.

In vielen Fällen entwickeln sich Immobilien zu bösen Kostenfallen, weil … nicht mehr in allen Regionen Deutschlands die Preise automatisch steigen. Gerade auf dem Lande sinken die Preise, weil es dort keine Arbeit mehr gibt, berichtet aktuell des Handelsblatt. Nun ist ja das platte Land gerade der Ort, wo Familien mit Kindern gerade eben noch ein Haus bauen können – in den Innenstädten sind sie mit ihrem Raumbedarf hoffnungslos verloren. Schön zu wissen, das die sich jetzt alle ins Unglück stürzen, weil ihre Hütten nichts mehr wert sind. Ich kenne so einen Fall persönlich: ein Erbengemeinschaft mit Villa, die seit einigen Jahren versucht, das Objekt an den Mann zu bringen und von den laufenden Kosten nahezu aufgefressen wird. Die Mutter hatte auf das Erbe verzichtet … die Rente hätte nie gereicht, die steigenden Kosten zu decken.

Ich würde diese Entwicklung einfach mal … Immobilienkrise nennen, eine Immobilienkrise, die zeigt, das die verdeckte Massenarbeitslosigkeit eben doch Folgen hat: wie man sieht, reicht bloße „Beschäftigung“ eben nicht aus, Geld zum Leben zu verdienen: darum flüchten die Leute in die Städte:

Menschen gehen dorthin, wo sie Arbeit finden, so dass in wachsenden Ballungszentren Wohnraum knapper und teurer wird. Auf der anderen Seite stehen in Dörfern auf dem Land Häuser leer, weil die Menschen wegziehen. Das geschieht um so eher, je schlechter die Verkehrsanbindung ist.

Somit widerlegt der Immobilienmarkt die Mär von der geringen Arbeitslosigkeit, gleichzeitig haben wir eine Landflucht wie in den Entwicklungsländern.

Hört sich schon bedrohlicher an … und wäre doch mal einen aufrührerischen Artikel wert?

Man kann sich aber darauf verlassen, das die von Chomsky geforderte schleichende Volksverblödung inzwischen so weit fortgeschritten ist, das niemand mehr den Ausverkauf deutscher Immobilien auf Kosten des Steuerzahlers bemerkt: die Vorgänge wären zu kompliziert, als das die BLÖD-Zeitung sie beschreiben könnte. Aber das Managermagazin kann es detalliert aufführen: man ist sich dort einer gewissen eliltären Leserschaft sicher, denen man mit Steuertipps zu neuen Millionen verhelfen kann:

Investieren, sanieren, kassieren – das funktioniert vielmehr nur bei Anlegern, die bestimmte Voraussetzungen erfüllen und einige Feinheiten beachten. Vor allem die Einkommensverhältnisse sind entscheidend. So sollte sich der Anleger nicht nur zum Zeitpunkt des Immobilienkaufs in der höchsten Steuerklasse befinden. Um den maximalen Effekt zu erzielen, darf er diese vielmehr auch während der gesamten Zeit der Abschreibungen, über die folgenden bis zu zwölf Jahre also, nicht verlassen. Und nicht jeder kann sich heutzutage sicher sein, für eine solche Dauer sein Gehaltsniveau zu halten.

Auf gut Deutsch: man braucht schon sehr viel Geld, um noch mehr Geld zu bekommen.

Das gilt übrigens nicht nur für reiche Menschen, auch reiche Konzerne bekommen ordentlich was geschenkt. So erhält gerade laut Handelsblatt die gut laufende Autoindustrie nochmal etliche Millionen aus dem Steuersäckel.

Was nun die Verkehrsanbindungen angeht, die die Preise von Immobilien bestimmen, so führen die Kürzungen bei den Gemeinden direkt zu einer Reduktion des Angebots (das Geld landet dann bei der Autoindustrie – und kommt somit ja auch irgendwie dem Verkehr zugute). Die erst kürzlich durchgeführte Freigabe von Ölreserven zwecks Preisreduktion scheint völlig sinnlos gewesen zu sein, denn die Ölpreise steigen wieder und verbleiben vorraussichtlich lange auf hohem Niveau.

Häuschen auf dem Lande?

Nur noch für Superreiche.

Kinder?

Einfach ökonomischer Selbstmord. In den Städten wird der Wohnraum unbezahlbar, auf dem Land fressen einen die Transportkosten und der Wertverlust des Hauses auf.

Wären das nicht Themen für Schlagzeilen?

Deutschlands Kinder hungern wegen Raffgier der Anleger? Deutschlands Eltern futtern hirnlos Frauenfussball! Wirtschaft fliegt uns gewaltig um die Ohren! Deutsche werden obdachlos im eigenen Land!

So etwas könnte man formulieren. Ich versuche es täglich – geht ja sogar auch mit den geliebten Nationalfarben. Nun – die Prognose für die Entwicklung der Reallöhne in Europa zeigt für Deutschland noch ein winziges Plus, das wahrscheinlich durch die Rekordboni der Angestellten der Ölkonzerne erwirtschaftet wird, der Rest zahlt den Sprit.

Nochmal Noam Chomsky?

Die folgende Möglichkeit auf Akzeptanz einer von der Gesellschaft ungewollten Änderung ist es, sie als „schmerzhaftes Muss“ vorzustellen, damit die Gesellschaft es erlaubt, sie in Zukunft einzuführen. Es ist einfacher zukünftige Opfer zu akzeptieren, als sich ihnen sofort auszusetzen. Zudem hat die Gesellschaft die naive Tendenz negative Veränderungen mit einem „alles wird gut“ zu umschreiben. Diese Strategie gibt den Bürgern mehr Zeit sich der Änderung bewusst zu werden und die Akzeptanz in eine Art der Resignation umzuwandeln.

Erlaube es, dass die Gesellschaft denkt, dass sie aufgrund von zu wenig Intelligenz, Kompetenz oder Bemühungen die einzig Schuldigen ihres Nicht-Erfolges sind. Das „System“ wirkt also einer Rebellion der Bevölkerung entgegen, indem dem Bürger suggeriert wird, dass er an allem Übel schuld sei und mindert damit dessen Selbstwertgefühl. Dies führt zur Depression und Blockade weiteren Handelns. Ohne Handeln gibt es nämlich keine Revolution!

Klar: wer Arbeit will, der findet auch welche. Schon mal gehört den Satz? Er motiviert viele Menschen gerade zur Landflucht.

Von der Landflucht haben wir nichts gehört, von der deutschen Immobilienkrise haben wir nichts gehört, das die Freigabe der europäischen Ölreserven nicht zur Preisreduktion führte, haben wir … kaum wahrgenommen.

Das die USA gerade mit Riesenschritten auf eine Staatspleite zumarschieren, nehmen wir nur am Rande war. Bei uns kämpft noch der aufrichtige Jobcentermitarbeiter gegen den faulen bösen Arbeitslosen.

Schon mal daran gedacht, wie schnell man selbst zu den faulen bösen Arbeitslosen gehören kann? In Minnesota merken das gerade die Staatsbediensteten: 23000 von ihnen wurden aktuell ohne Bezahlung nach Hause geschickt. 

 

Schon mal daran gedacht, was diese Entwicklung für die Immobilienpreise in Deutschland bedeuten kann? Schon mal überlegt, warum wir mit Frauenfussball zugeschmissen werden, man die Geschichte vom Ausverkauf des Landes, von der Vernichtung des Mittelstandes und der liebsten deutschen Wertanlage mühsam aus Einzeldaten konstruieren muß?

Sollte es wirklich ein Zufall sein, das die zehn Prinzipien der Manipulation tagtäglich in den Medien zu finden sind, das man durch die Einführung von Studiengebühren den Zugang zu Wissen deutlich eingeschränkt hat und durch die Reduktion politischer Bildung in den Schulen auch das kritische Wissen klein hält, während man andererseits die Aufmerksamkeit auf nationale Sportereignisse in einem Ausmaß fördert, als ginge es um den bevorstehenden dritten Weltkrieg?

Na ja … aber als Bürger ist man ja selbst Schuld an dem Desaster. Würden wir einfach mehr arbeiten, mehr verdienen, dann ginge es ja allen besser. Ach, wären wir doch nur nicht so dumm, minderwertig und erbärmlich …



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