Politik

Deutsche Wirtschaft fordert offen Diktatur – und andere Verschwörungen

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Oft ist wenig Zeit, ins Ausland zu blicken. Die internationale Offensive der Asozialität hinterläßt halt auch in diesem Land ihre Spuren. Preissteigerungen, Kündigungen, psychosoziale Vernichtung gehören zu unserem Alltag, wie ich höre, werden wir auch bald von ersten deutschen Gemeinden hören, die die Obdachlosenhilfe auf NULL herunterfahren, um dem nächsten Winter die Bereinigung der Statistik zu überlassen. Hoffentlich wird es diesmal ein milder Winter, die Arbeit des Sozialstaates überlassen wir ja inzwischen gern dem Wetter und dem lieben Gott.

Manchmal jedoch lohnt sich ein Blick hinter dem eisernen Zaun, mit dem sich Europa umgibt. Dort finden sich Sauereien, die einen vor Staunen starr stehen lassen könnten, wenn wir uns nicht an sie gewöhnt hätten.

Es gab mal eine kleine ZDF-Reportage, die ich vor ca. acht Jahren in einem Hotelzimmer sehen durfte. Dort wurde über das Verschwinden eines spanischen Journalisten geschrieben, der eine denkwürdige Geschichte zu erzählen hatte. Nach seinen Quellen und Materialien war der Krieg in Jugoslawien durch Söldner provoziert worden, die die Massaker im Auftrag von Waffenhändlern jeweils in den Uniformen der Gegenseite inszenierten, bis das Volk anfing, aufeinander zu schiessen. Er wollte der Geschichte nachgehen, verschwand jedoch spurlos auf hoher See von seinem Boot.

Eine Geschichte wie in einem Krimi. Ich kann sie nicht vergessen, weil sie in mir einen üblen Nachgeschmack hinterlassen hat. Ich kannte Jugoslawien, war öfter da, habe im Zug viele Jugoslawen kennengelernt. Wäre mir kaum vorstellbar gewesen, das die anfangen, aufeinander zu schiessen.  Für einen Moment hatte ich mir überlegt: was wäre, wenn der Journalist Recht behalten hätte? Wäre das denkbar, machbar, würde es funktionieren?

Ich kam zu der Überzeugung: das würde es. Solche Kriege sind im Prinzip steuerbar, wenn man genug Geld hat, die Massenmedien im Griff und die Luftwaffe in der Hinterhand. Die Luftwaffe ist schon wichtig, wie wichtig, hat Hitler in den Blitzkriegen demonstriert. Im Jugoslawienkrieg wurde auch die zweitgrößte Zigarettenfabrik Europas (die größte Konkurrenz der Großkonzerne) als strategisch wichtiges Ziel ausgelöscht, hier bei der auch sonst sehenswerten Seite von Holger Herman Haupt erwähnt, die die damalige Gleichschaltung der Medien gezielt kritisiert.

Und was lese ich heute da über Libyen bei Ria Novosti?

„Die planmäßige Vernichtung der Telekommunikationsinfrastruktur in verschiedenen Regionen von Libyen ist eines der Hauptziele der Nato“, zitiert die staatliche Agentur Jana den Vorstandsvorsitzenden des libyschen Mobilfunkbetreibers Libyana Mohammed ben Ayad.

Es gehe hierbei um die Zerstörung von zivilen Systemen, sagte Ben Ayad. „Keines der Objekte, die angegriffen wurden, hatte militärischen Zwecken gedient.“

Eine Nachricht, die Konzerne jubeln lassen wird. Da hat doch die Nato ganz nebenbei ihre Konkurrenz erledigt und für Folgeaufträge gesorgt – wie schon in Jugoslawien. Soll ich nun denken, das die Natoluftwaffe schon völlig unter Konzernkontrolle steht?  Oder mache ich mich lächerlich mit dieser Vermutung, weil die Tatsache schon längst bundesweit bekannt ist und ich mich nur deshalb wundere, weil halt in der Eifel alles hundert Jahre später passiert?

Auf jeden Fall stinkt nun noch ein neuer Haufen der internationalen Politik mein Arbeitszimmer voll: DSK wird er kurz genannt. In den letzten Tagen hatte ich mich schon gewundert, das ein Skandal, der normalerweise in einer Fußnote auf Seite Sieben geendet hätte so unglaubliche Wellen schlagen konnte. Wohin man auch schaute: seitenweise DSK. Heute dämmert es so langsam, das das wohl Sinn macht. Sieht aus wie ein gutes Geschäft: Sarkozy konnte sich ja gar nicht bremsen mit Bomben auf Tripolis (und der kleinen Dienstleistung für die Telekomkonzerne) … und jetzt wird sein Konkurrent gezielt aus dem Wege geräumt. Laut Spiegel hatte er selbst so etwas befürchtet:

Er fürchtete eine Überwachung und berichtete von einer Begegnung mit Nicolas Sarkozy am Pissoir: Vor seiner Verhaftung wegen eines mutmaßlichen Sexverbrechens, soll IWF-Chef Strauss-Kahn eine Verschwörung gefürchtet haben. Selbst den Vorwurf der Vergewaltigung nahm er angeblich vorweg.

Bei dem Gespräch mit Guiral soll der IWF-Chef dann von sich aus ein Szenario für eine solche mögliche Verleumdung geliefert haben. Denkbar sei „eine Frau, die auf einem Parkplatz vergewaltigt wurde, und der man 500.000 Euro oder eine Million verspricht, um sich eine Geschichte auszudenken“.

57% der Franzosen glauben die offizielle Geschichte nicht, hörte ich gestern im Radio. Nach den Lügen um Fukushima kein Wunder … wenn es brenzlig wird, berichten die Medien lieber über Schwarzeneggers Scheidung.

Heute finde ich in der Rheinischen Post eine Reisebeschreibung über Lybien … die mich sofort wieder an den spanischen Journalisten denken läßt, der einem mysteriösen Unfall zum Opfer gefallen ist.

In Bengasi , unter den Gurgelabschneidern der CIA-Truppe namens Al Kaida, die von den US-Missionen in Bosnien, Afghanistan, Tschetschenien und tausend anderen Orten imperialistischer Provokationen zurückgekehrt sind, unter hirnverbrannten und sich für gerissen haltenden Monarchisten, Terroristen der westlichen Geheimdienste, ägyptischen Söldnern, libyschen Emigranten, die nach Jahrzehnten Ausbildung und Konspiration mit CIA und MI6 zurückgekommen sind, da fühlt sich ein guter Teil der blutsverwandten westlichen Presse zu Hause.

Der Libyenkonflikt mal ganz anders – mit einem beunruhigenden Seitenblick auf die vielleicht wahre Rolle Al Kaidas als multikompatible Söldnertruppe im CIA-finanzierten Provokationsbusiness.  Warum sollte sich die CIA auch braver verhalten als die deutsche Polizei, sollte man fragen.

Es lohnt sich, den ganzen zornigen Artikel zu lesen, obwohl einem danach die Lust vergeht, irgendwann nochmal zur deutschen Standardpresse zu greifen – deren „Wahrheiten“ mit den Erzählungen dieses Journalisten nicht mehr in Einklang zu bringen sind, der unter anderem auch kirchliche Stimmen zitiert:

Pater Giovanni Martinelli, der Bischof von Tripolis, war die einzige Stimme, die in den verlogenen Medien, wenn auch nur sehr eingeschränkt zu hören war, nur deshalb, weil er Priester, Katholik und Vikar des Papstes ist. Er hat uns von den Massakern an Zivilisten durch unsere Seite, durch den Westen, berichtet.

Martinelli bestätigt uns ein weiteres Mal, dass es die öffentlich verkündeten Massaker Gaddafis nicht gegeben habe. Täglich würde ihm von den Bemühungen der Truppen berichtet, die Zivilpersonen aus den Kampfhandlungen herauszuhalten.

Lauscht man dem Priester, wird aus Gaddafi nahezu ein Held der Freiheit:

Dieser Priester, der sein Volk, Christen wie Moslems liebt und ihm seit 40 Jahren dient, zeigte keine priesterliche Zurückhaltung, als er uns Gaddafi und sein Volk beschrieb: Ein Land, das es nicht akzeptiert hatte, sich zu unterwerfen, das sich eingesetzt hatte für die Einheit der Völker, sich ausländischem Einfluss und Diktat entzog, allen Wohlstand garantierte, Sicherheit, Würde und eine breite Teilnahme an den Entscheidungsprozessen ermöglichte.

Kann das denn sein? Unsere freiheitliche Demokratie … ein faschistischer Mörderstaat? Kaum zu glauben. Darüber würde doch die Tagesschau sofort berichten, oder?

Ebenso würde sie sofort davon berichten, wenn die deutsche Wirtschaft ein Ende der Demokratie fordert – erst recht angesichts der unrühmlichen Rolle, die diese Wirtschaft bei dem Ende der Weimarer Republik gespielt hat.

Aber die Wirtschaft fordert offen das Ende  der Demokratie, heute im Handelsblatt:

Den Deutschen wird großer Spareifer nachgesagt. Warum spart der Staat nicht?

Politiker neigen dazu, Geschenke zu verteilen, um sich bei ihren Wählern beliebt zu machen. Der Grund liegt auf der Hand: Die nächste Wahl kommt bestimmt, und diejenigen, die die Schulden zahlen müssen, sind großenteils noch nicht wahlberechtigt oder sind noch nicht einmal zur Welt gekommen. Das ist keine spezielle Kritik an der deutschen Politik. Vielmehr bezeugt es ein allgemeines Demokratieproblem.

Demokratie ist teuer. Wenn ich allein an die ganzen Diäten denke, wird mir auch schwindelig. Und wenn kein Geld mehr da ist, dann können wir uns Demokratie gar nicht mehr leisten. Das ist der offene Ruf nach Abschaffung der Demokratie aus … Kostengründen. Wenn alle mitwählen dürfen, ist nachher nicht mehr genug Geld zur Bankenrettung da – und die ist wichtig. Ist noch niemandem aufgefallen, das der Anstieg des Privatvermögens im Krisenjahr 2010 das Minus in der Staatskasse spiegelt und das Geld zur Bankenrettung direkt auf private Konten geflossen ist?

Sollte es da Zusammenhänge geben, über die nicht gerne öffentlich gesprochen wird, weil „faule Griechen“ viel besser in die gewollte Marschrichtung passen? Wie es aussieht, hat man in den Kreisen der Wirtschaft ein Problem mit „Demokratie“ – nicht nur international. Demokratie bedeutet Konkurrenz und Konkurrenz – das weiß jeder Monopolist – ist schlecht für das Geschäft, das zwar lebendiger aber weniger planbar und unlukrativer wird.

Und das Geschäft muss lukrativ sein, weil man ja bei der Mitarbeitermotivation weiterhin Spitzenleistung bringen will, siehe Spiegel:

20 Prostituierte und Himmelbetten zur freien Verfügung: Die Versicherung Hamburg Mannheimer hat ihre besten Vertreter 2007 zu einer ausschweifenden Sex-Party in Budapest eingeladen. Das hauseigene Vertretermagazin schwärmte anschließend von einem „Mordsspaß“.

„Mordsspaß“ scheint das einzige Vergnügen zu sein, das bei hartgesottenen Konzernmenschen noch wirkt. „Spaß an Mord“ ist jedoch … nicht ganz kompatibel mit der Durchschnittsethik eines demokratischen Rechtsstaates.

Aber wer will den noch wirklich, nachdem,  was gerade mit dem fortschrittlichsten Sozialstaat Afrikas geschieht?

Ich denke, die Botschaft haben alle verstanden.

 

 

 



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