Politik

Die endgültige Vernichtung Deutschlands im Dienste der Rendite

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Es gibt sicherlich Menschen, die angesichts der momentan grassierenden Dummheit verzweifeln. Wie soll das eigentlich alles noch gut gehen? Und wieso tut eigentlich keiner was dagegen? Kennt man denn immer noch nicht die Strukturen, die unser Ende herbeiführen? Sind die ausführenden Mitarbeiter noch nicht bekannt? Bestehen noch Zweifel über ihre Methoden?

Eigentlich nicht. Eigentlich liegt alles offen vor uns. Im Kern existiert dort ein unheimlicher Moloch, der aus einem großen Haufen blitzschnellem Kapital besteht. Eigentlich ist das nur ein Haufen von vertraglich abgesicherten Ansprüchen, mit denen man theoretisch bald mehrfach die Welt kaufen kann. Da das keiner braucht, vermehrt sich der Haufen einfach weiter. Damit dieser außerirdische Tyrann dies kann (ja, so könnte man es in der Tat beschreiben, es hat nichts menschliches an sich beherrscht aber Denken und Handeln von Milliarden von Menschen jeden Tag) braucht er Anknüpfungspunkte in der realen Welt. Das sind Konzerne, die durch sein Geld (seine abgetretenen Ansprüche) reale Marktmacht ausüben – in erster Form als Banken, letztlich aber auch in jeder Form als Großkonzern.

Die Macht des Moloch wird durch sie heruntergebrochen und bis in die einzelnen Familien vor Ort gebracht. Das Ziel ist einfach: direkte oder indirekte Vermehrung des Moloch durch Abschöpfung der Erträge der Arbeitskraft. In Deutschland sieht das so aus, siehe Zeit:

Denn heutzutage stellt sich die Frage nach dem mütterlichen Arbeitsengagement nicht mehr nur aufgrund von emanzipatorischen Aspekten: Europaweit sind in fast allen Familien zwei Ernährer vonnöten, um über die Runden zu kommen. Insbesondere in Deutschland ist die Reallohnentwicklung seit Langem rückläufig während die Lebenshaltungskosten deutlich gestiegen sind. Nur wenige Familien können auf das Alleinernährer-Modell zurückgreifen.

Kinder sind nicht ausbeutbar und für den Moloch Konzern nicht von Interesse. Er holt sich zur Not Arbeitnehmer aus dem Ausland. Wollen sie nicht freiwillig kommen, dann geht man eben zu ihnen, siehe Mitteldeutsche Zeitung:

Zehn Tage nach dem Start der Arbeitnehmerfreizügigkeit für Bürger osteuropäischer EU-Staaten hat die Bundesagentur für Arbeit am Dienstag eine Niederlassung im polnischen Stettin (Szczecin) eröffnet.

So arbeitet jetzt die Bundesanstalt für Arbeit aktiv daran, den Arbeitsmarkt in Deutschland für Deutsche erneut zu verengen. Das kann man sich erlauben, denn hier hat man es geschafft, im Auftrag der Konzernherren ein Instrument zu installieren, mit dem man den deutschen Bürger problemlos vor sich her treiben kann:

Hartz IV.

Eigentlich – nach offizieller Lesart – zur Bekämpfung der Langzeitarbeitslosigkeit geschaffen, versagte das Instrument in dieser Hinsicht völlig. Aber das war ja auch wirklich nicht zu erwarten. Wer mal Personalarbeit gemacht hat, weiß, das Arbeitslose durch Druck nicht jünger, qualifizierter oder gesünder werden. Auf solche Ideen können nur Lehrer und Juristen kommen. Dafür hat Hartz IV andere „Erfolge“ vorzuweisen, siehe „Neues Deutschland“:

Dafür sind die »Reformkosten« ganz erheblich. Dazu zählen die WSI-Forscher »eine Zunahme von sozialer Ungleichheit und Armut, höhere Beschäftigungsunsicherheit sowie Armut trotz Arbeit«. Und diesen sozialen Kosten, so Fehr und Vobruba, stehe »kein Nutzen gegenüber«. Die Frage nach dem Cui bono (Wem zum Vorteil?) können die Arbeitgeberverbände sicherlich besser beantworten.

Natürlich gibt es da einen Nutzen. Die Gewerkschaft ist eleminiert worden, zu einem bloßen Betriebsanhängsel verkommen, der deutsche Souverän rennt nun doppelt so schnell wie vorher für das halbe Geld, um den „Mechanismen der psychosozialen Zerstörung“ zu entkommen.

Gleichzeitig schaffte man eine Superreichenkaste, die das notwendige Funktionspotential für die Zukunft stellt, das sich vor allem durch Gnadenlosigkeit im Umgang mit Mitmenschen auszeichen muss – ein voller Züchtungserfolg steht da vor der Tür, siehe Suedkurier:

Kinder von reichen Eltern haben weniger Einfühlungsvermögen als andere. Das haben Forscher an der University of California in den USA herausgefunden.

Da werden zwei Kasten geschaffen: die emotionsarme Funktionselite der Geldmenschen …. und die „viel zu vielen“ Untermenschen. Geschieht ganz direkt vor unseren Augen. Und doch … scheint es keiner bemerken zu wollen.

Das liegt an der Grundstruktur des Molochs, des modernen Tyrannen. Er ist kein Hitler, kein Stalin, kein Nero … er ist eine Wolke von in Zahlen ausgedrückten Ansprüchen. Nichts anderes sagt die Summe „Eine MILLIARDE Dollar“ aus: ich darf für eine Milliarde Dollar Güter dieser Erde beanspruchen. Ich brauche niemals soviel, könnte aber alles für Bananen ausgeben, wenn ich wollte.

Wäre ich der Papst, würde ich sofort Alarm rufen. Noch niemals in der bekannten Geschichte der Menschheit hat es einen Götzen gegeben, der so direkt antichristliche Werte verbreitete wie diese Kapitalwolke, noch niemals hat eine Religion (außerhalb der katholischen) so direkt den Alltag von Menschen zerstört wie dieser moderne Moloch. Doch der Widerstand gegen diesen antichristlichen Moloch ist erstaunlich gering. Dabei wäre es leicht, ihn zu besiegen. Er ist kein Gott mit Superkräften, der die Erde beben lassen kann (obwohl man das in Fukushima gerade anders sehen kann, aber nicht das Erdbeben allein hat für eine lang anhaltenden Katastrophe gesorgt, sondern der Zwang zur Kapitalvermehrung) oder Feuer vom Himmel regnen lässt (was die Libyer anders sehen könnten), sondern nur ein gedankliches Kostrukt, an dessen Belebung Millionen von Menschen arbeiten und unter dem Milliarden von Menschen leiden.

Wenn wir wollen würden, wenn wir als Menschheit geschlossen und geeint auftreten würde, wäre er morgen fort.

Wir könnten auch geschlossen auftreten. Selbst Superreiche sind Menschen wie Du und ich, Menschen, Durchfall bekomme, unter Heuschnupfen leiden und mit Sicherheit sterben werden, wahrscheinlich einsam  und ungeliebt. Es sollte ihnen klar sein, das der Moloch sie selbst auch verschlingen wird, wenn er mit den anderen fertig ist.  Wir reden zwar alle über Griechenland, aber gerade ist er davor, seine Heimatnation zu verschlingen, siehe Focus:

Die Weltmacht Nummer eins ist nur noch sechs Tage von einer Staatspleite entfernt: Am kommenden Montag, dem 16. Mai überschreiten die USA die gesetzlich festgelegte Schulden-Höchstgrenze von 14,3 Billionen Dollar

Der Autor beschreibt sehr deutlich, womit man dann zu rechnen hat:

Die staatlichen Angestellten bekämen weniger oder gar kein Gehalt, die Bürger keine Zahlungen mehr von den sozialen Sicherungssystemen und die weltweiten Gläubiger keine Zinsen mehr für ihre US-Staatspapiere. Finanzminister Timothy Geitner warnt: „Die Zahlungsunfähigkeit der USA hätte katastrophale wirtschaftliche Auswirkungen.“

Ich denke, man kann den Focus nicht als Organ von Verschwörungstheoretikern bezeichnen, oder? Wir stehen einen Schritt vor der absoluten Weltwirtschaftskrise, jenem Moment, wo der Moloch triumphiert und die Welt in ein absolutes Chaos stürzt. Es macht auch den Anschein, als bereite sich die Welt gerade auf eine solche Situation gezielt vor, siehe Lebenshaus Alb:

Am East River in Manhattan beraten seit 9. Mai 2011 UNO-Experten über eine Aufgabe, die zunächst sehr einleuchtend erscheint, sie aber praktisch umzusetzen, erweist sich als äußerst schwierig. Es geht darum, wie die Militärausgaben der Staaten vergleichbar gemacht werden können, um sie anschließend zu reduzieren. Das ist dringend notwendig. Laut UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sind die Rüstungsausgaben der UN-Mitgliedsländer in den letzten zehn Jahren um 50 Prozent auf 1,5 Billionen US-Dollar gewachsen: „Mit diesem Geld hätten akuteste Entwicklungsprobleme wie Armutsbekämpfung, Vervollkommnung des Gesundheitswesens oder Kampf gegen die Klimaerwärmung gelöst werden können“, beklagt der Chefdiplomat der Weltorganisation. Das Stockholmer Friedensforschungsinstitut SIPRI errechnet für 2010 sogar die Rekordsumme von 1,63 Billionen Dollar.

Das kann man kaum lesen, ohne zornig zu werden. So sieht also unsere zivile internationale Wertegemeinschaft 66 Jahre nach dem Ende des zweiten Weltkrieges aus: ein hochgerüstetes Schlachthaus kurz vor dem Bankrott.

Das wirkt wie Lunte und Pulverfass.

Und warum das alles? Um einem kleinen, dummen, asozialen Prinzip zu dienen, das sich im Laufe der Zeit zu einer quaisi göttlichen Gestalt entwickelt hat, die nicht mehr hinterfragt werden darf, ein Prinzip, das leise still und heimlich zu einer neuen Art von Diktatur geführt hat. Das alles wird erkannt, siehe „linke Zeitung“:

Shel­don Wolin weist in seinem Buch „Democracy In­corporated: Managed Democracy and the Specter of Inverted Totalitarianism“ (Konzernde­mokratie: Gesteuerte Demokratie und das Gespenst des invertierten Totalitarismus,  nach, dass die Machtausübung der Konzerne, die er als „invertierten Totalitarismus“ bezeichnet, nicht vergleichbar ist mit einem schlag­artigen Machtwechsel, wie er in (Hitlers) „Mein Kampf“ oder im (von Karl Marx und Fried­rich Engels verfassten) „Manifest der Kommunistischen Partei“ dargestellt wird. Sie er­wuchs, wie Wolin schreibt, aus „einer Reihe von Einwirkungen, die durch Aktionen oder Praktiken entstanden, deren schwerwiegende Konsequenzen man aus Ignoranz nicht er­kannte“.

Ein sehr lesenwerter Artikel aus dem Heimatland der Demokratie. Er beschreibt auch den Prozess der Herrschaftsaneignung im Detail:

Wenden wir uns den Präsidenten Ronald Reagan, Bill Clinton, George W. Bush und Ba­rack Obama zu. Diese Staatsoberhäupter waren und sind wie unsere gewählten Reprä­sentanten im Kongress eigentlich völlig irrelevant. Lobbyisten formulieren die Gesetze. Lobbyisten sorgen dafür, dass sie auch verabschiedet werden. Lobbyisten sichern Kandi­daten, die gewählt werden sollen, durch Finanzierung ihres Wahlkampfes ab. Lobbyisten verschaffen ausscheidenden Amtsträgern passende Posten. Die Staatsmacht liegt in Wirk­lichkeit in den Händen der winzigen Elite der Konzernmanager.

Das kennen wir auch in Deutschland. Aber hier wie in den USA gilt:

Hacker und Pierson zeigen auf, dass diese massive Umverteilung des Reichtums nur da­durch möglich wurde, dass ausschließlich Abgeordnete und Regierungsvertreter ausge­sucht und gefördert wurden, die das zuließen. Dazu war kein Komplott erforderlich. Diese Entwicklung verlief völlig transparent. Es war noch nicht einmal die Gründung einer neuen Partei oder einer politischen Bewegung notwendig. Diese Entwicklung ist das Ergebnis der Trägheit unserer Politiker und Intellektuellen, die entweder selbst vom Machtzuwachs der Konzerne profitierten oder einfach wegschauten. Die Armeen von Lobbyisten, die unsere Gesetze formulieren und Wahl- und Propagandakampagnen finanzieren, sind auch in der Lage, die Wähler zu manipulieren.

Chris Hedges konfrontiert uns mit einer unangehmen Wahrheit, die viele allerdings vielleicht schon instinktiv erahnen: es gibt keine Alternative. Der Grund, warum die „soziale Frage“ für so viele Deutsche so uninteressant ist, ist der, das sie wissen, das sie keine Chance mehr haben. Wenn sie in Massen demonstrieren, werden die Firmen sie in Massen entlassen, während die Gewerkschaften höhere Löhne für diejenigen erstreiten, die noch bleiben durften.

Direkte Aktionen gegen eine solche Schattenmacht sind sinnlos – sie ändert schneller ihre Form als wir „Hurra!“ schreien können, kauft schneller erfolgreiche Aktivisten auf, als das sie nachwachsen könnten. Wer kann schon einem Beraterhonorar von 10000 Euro widerstehen, erst recht, wenn es jeden Monat mehrfach kommt?

Die Burg unserer Demokratie wurde nicht durch die Horden faschistischer Schläger eingenommen, sie wurde durch Zugriff auf unsere Lebensmittel, unser Geld gestürmt. Belagerungen waren schon immer sehr erfolgreich … und wenig dramatisch. Im Hunger stirbt ein Volk leise – und die Jobcenter sorgen dafür, das der Hunger gezielt die trifft, die nicht aufgeben.

Chris Hedges empfiehlt darob eine andere Strategie, sie seltsam religiös anmutet:

Hoffen Sie nicht darauf, dass sie auf uns Rücksicht nehmen werden, wenn alles zusammenbricht. Wir werden auf uns selbst auf­passen müssen. Wir werden kleine, klösterliche Gemeinschaften bilden müssen, um über­leben und uns ernähren zu können. Wir werden unsere geistigen, kulturellen und morali­schen Werte, die der Staat der Konzerne auszulöschen versucht hat, am Leben erhalten müssen. Wir müssen es versuchen, wenn wir nicht zu Drohnen oder Sklaven unter einer globalen Schreckensherrschaft der Konzerne werden wollen. Wir haben keine andere Wahl, aber wenigstens bleibt uns noch diese.

Dabei ist diese Form des Überlebens gar nicht so befremdlich. Wir sollten uns wirklich mal Gedanken darüber machen, wie die Vorstellung von „Allgemeinen Menschenrechten“ eigentlich für die nächsten zehn Generationen erhalten bleiben soll.

Schon heute werden Menschen, die sich auf sie berufen, gerne als … „Sozialromantiker“ geoutet, ohne das das großes Erschrecken im Kreise der Wohlstandsbürger hervorruft. Diese Idee in einem Kloster zu behüten wie einen kleinen Funken in einem großen Orkan ist nicht die verkehrteste – damit das Feuer nicht ganz ausstirbt.

„Nur Stämme werden überleben“ … so der Rat der Oglala für die Bürger des Westens. Ende der siebziger Jahre habe ich zuerst davon gehört.

Wie es aussieht, werde ich noch erleben, das der Autor recht hat.

 



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