Ausland

Osama bin Laden lebt! Eilmeldung!

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Osama bin Laden ist tot. Schon wieder. Der Topterrorist der USA, der jahrelang für das CIA gegen die Russen gekämpft hat, ist endlich mal wieder erlegt. Solche Meldungen braucht das Land hin und wieder. Darum bringt man sie ja auch in schöner Regelmäßigkeit. Momentan passt das auch ganz gut, man hat in Lybien eine Kinder ermordet, das mag man international ja eigentlich gar nicht. Die Welt berichtet heute davon:

Dabei handelt es sich um die zweijährige Carthage, die Tochter von Gaddafis Sohn Hannibal; die sechs Monate alte Mastura, Tochter von Gaddafis Tochter Aisha; sowie den 15 Monate alten Saif Mohammed, Sohn von Gaddafis Sohn Mohammed.

Zwei Jahre alt, fünfzehn und sechs Monate. Ermordet von sogenannten Demokratien. Wir machen so etwas eigentlich nicht, wir Demokratien. Wir sind da anders als andere Idioten. Wir achten die Menschenrechte. Bei uns bekommt jeder Verbrecher einen ordentlichen Prozess. So etwas macht Demokratien aus, das müssen die mitmachen und durchleben, dadurch unterscheiden die sich weltweit von allen despotischen Regierungsformen.

Wir machen das jetzt wieder. Das heißt natürlich auch, das das gesellschaftliche System in dem wir leben wahrscheinlich schon längst keine Demokratie mehr ist. In Demokratien macht man so etwas nicht. Jeder Mensch hat bei uns das Recht auf einen fairen Prozess.

Oder aber wir bringen ihn einfach mal so um.

Wie Osama bin Laden.

Dabei wäre es doch sehr spannend gewesen, diesen Mann gefangen zu nehmen. Was hätte der alles erzählen können! Vor allem über die Verbindungen zum pakistanischen Geheimdienst. Oder über die zum US-Geheimdienst. Oder über seine Funktion bei „Quaida“. Wie er ohne ortbare Telefone von einer Höhle in Afghanistan aus die Anschläge geplant hat – oder wie er als Dialysepatient überhaupt so lange unentdeckt durch die Welt eilen konnte.

Mich hätte das schon interessiert.

Euch nicht?

Es war ja auch ein klar erkennbares Ziel, was man dort im Visier hatte, siehe Spiegel:

Der Terrorchef hatte sich nach US-Angaben auf einem abgeschirmten Anwesen in Abbottabad verschanzt, rund 60 Kilometer nördlich der Hauptstadt Islamabad. Lange Zeit war vermutet worden, Bin Laden verstecke sich in einer Höhle irgendwo im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet – aber ungemütlich hatte der Terrorchef es zuletzt nicht: Er lebte hinter meterhohen Mauern und Stacheldraht in einer großen Residenz in Abbottabad. Das große Gelände und das Haus sollen rund eine Million Dollar wert sein, sagte ein US-Regierungsvertreter.

Warum sollte er auch woanders wohnen? Pakistan hat dem Attentäter vom 11.9.2001 doch 100000 Dollar spendiert, klar das der Kopf der Truppe der nicht am Hungertuch nagen muss. Der man, der das Geld überwiesen hat, hatte auch den amerikanischen Journalisten Daniel Pearl geköpft, siehe Wikipedia:

Nach Angaben der Times of India hat Omar Said Sheikh außerdem im Auftrag des pakistanischen ISI-Chefs General Mahmoud Ahmad in den Wochen vor dem 11. September 2001 100.000 Dollar an den Attentäter Mohammed Atta der Terroranschläge am 11. September 2001 überwiesen.

Faszinierende Zusammenhänge, oder? Die werden jetzt nicht mehr so gut geklärt werden können. Dabei hätte man Bin Laden auch mitnehmen können, denke ich. Wenn ich mir so anhöre, was der Big Boss über seine Killer im Spiegel erzählt:

Heute, auf meine Anweisung, starteten die USA eine gezielte Operation gegen das Anwesen in Abbottabad, Pakistan. Ein kleines Team von Amerikanern führte die Operation mit außergewöhnlichem Mut und außergewöhnlicher Fähigkeit aus. Kein Amerikaner kam zu Schaden. Sie achteten darauf, zivile Opfer zu vermeiden. Nach einem Feuergefecht töteten sie Osama Bin Laden und nahmen seine Leiche in Gewahrsam.

In einem anderen Artikel gab es dann schon Opfer, jedenfalls berichtet Yahoo davon:

Das US-Team habe darauf geachtet, dass keine Unschuldigen getötet würden. Dem Vernehmen nach starben aber drei Männer, darunter ein Sohn des Terrorchefs, sowie eine Frau, die von einem Terroristen als „menschliches Schutzschild“ benutzt worden sein soll.

Diese menschlichen Schutzschilder sind  aber auch zu dämlich.  Ob Bin Laden auch eins war? Nein, den hat man mit einem Kopfschuss eleminiert. NACH dem Feuergefecht. Also war es eine Hinrichtung.  Andere hat man – nach Tagesschau – gefangen genommen, Bin Laden nicht.

Die drei Ehefrauen des Top-Terroristen, sechs weitere Bin-Laden-Söhne sowie vier enge Mitstreiter wurden den Angaben zufolge festgenommen.

Bin Laden wurde anders entsorgt.

Nach einem Bericht des Senders CNN unter Berufung auf US-Regierungskreise wurde Bin Laden bereits im Meer bestattet. Ein amerikanischer Beamter hatte vor Journalisten erklärt, es werde sichergestellt, dass der Umgang mit der Leiche „im Einklang mit islamischen Praktiken und islamischer Tradition“ stehe.

Hört sich so an, als hätte man ihn einfach auf dem Rückflug ins Meer geschmissen. Der Rotarier und Busenfreund der US-Regierung General Augusto Pinochet hat das immer gerne mit seinen politischen Gegnern in Chile gemacht. Sollen auch amerikanische Bürgerrechtler drunter gewesen sein. Erst umbringen, dann ins Meer – ist eine gute alte Tradition. Da bleibt von der Leiche nichts übrig.

Warum hat man denn dann nicht einfach normale Raketen genommen hat, um Bin Laden zu töten? Die „menschlichen Schutzschilde“ (ein moderner Begriff, der langsam die älteren Begriffe „Zivilisten“ oder „Bürger“ ersetzt) haben doch – trotz ihrer Jugend – bei der Jagd auf Gaddafi auch nicht gestört, oder?

Warum macht man sich eigentlich die Mühe, den Mann persönlich aufzusuchen und seine Leiche „in Gewahrsam“ zu nehmen, wenn man ihn danach nicht sicherheitshalber nochmal der Presse präsentieren kann? Damit man auch Zeugen hat, die nicht auf der eigenen Lohnliste stehen.

Welcher Begriff den inzwischen ebenfalls etwas altbackenen Begriff „Demokratie“ ersetzen wird, weiß ich momentan noch nicht. „Plutokratie“ ist im Angebot, hat sich aber noch nicht durchgesetzt. Bis dahin erlauben wir uns noch, die alten Bürgerrechtsfassaden aufrecht zu erhalten – jedenfalls im Inland.

Im Ausland morden die Leuchtfeuer der Demokratie jetzt schon mal ganz offen und ganz hemmungslos herum, so als würden Menschenrechte international keinerlei Gültigkeit mehr haben. Da werden die Regelsätze gleich zusammen mit Atmung und Herzschlag gestrichen.

Ob das so richtig ist?

Ich glaube nicht.

Darum heute meine Eilmeldung: Osama bin Laden lebt – jedenfalls solange, bis man seine Leiche präsentieren kann. Nach dem, wie sich die Nato und die USA im  arabischen Raum benehmen, ist es sowieso egal, ob die Meldung diesmal echt war oder ob man wieder nur irgendjemand anders ermordet hat. Nach der Ermordung von drei menschlichen Kleinkinderschutzschildern, unter denen sich der Sohn Gaddafis vor der einstürzende Zimmerdecke in Sicherheit bringen wollte, dürften tausend neue Osamas sich für den Einsatz bereit machen – jetzt in diesem Moment.

Da kommt es auf einen mehr oder weniger auch nicht an. Ausserdem braucht die US-Aussenpolitik ihre Bin Ladens. Die werden sich ganz schnell einen neuen einfallen lassen.

 



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