Politik

USA Bankrott, Deutschland pleite, Volk arm, Boni boomen: „goldene Jahrzehnte“ voraus!

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Wieder ein neuer Tag in Deutschland. Ein Tag, bei dem die Medien und Nachrichtenagenturen mir helfen, mich in der Welt zurecht zu finden. Zum Beispiel in der Wirtschaft. Wirtschaft ist ja wichtig, wichtiger noch als Politik. Politik macht nicht satt, wirtschaften schon. Da ist es doch mal wichtig,  zu wissen, was auf einen  zukommt. Da geht heutzutage auch viel einfacher als früher, denn heutzutage wissen wir soviel, das es uns leicht fällt, zu sehen, welche Entwicklung die Welt nehmen wird. Zum Beispiel 2015: da gibt es einen großen Crash, sagt Finanz.net

Die Unternehmensberatung Oliver Wyman malt das Schreckgespenst einer neuerlichen Finanzkrise im Jahr 2015 an die Wand.

So was hatte ich auch schon mal gehört – aber es beunruhigt mich nicht, denn: wir werden alle reich – siehe Presse.com:

Ökonomen einer Bank erregen Aufsehen. Sie verheißen bis mindestens 2030 den dritten „Superzyklus“, sein Wachstum wird höher sein als in der Gründerzeit und goldene Jahrzehnte für die Weltwirtschaft bringen.

Das Paradies auf Erden … und die deutliche Botschaft: es sieht zwar momentan so aus, als würde alles den Bach ´runtergehen, aber lasst uns nur noch zwanzig Jahre weitermachen, dann kommt das Heil auf Engelsflügeln vorbei – wenn nichts schiefgeht:

Mehr Sorgen macht den Forschern, was ihre These gefährdet. Weil so viel vom Handel abhängt, wird der Protektionismus zum größten Risiko für das verheißene Superwachstum. Die USA verlieren ihre ökonomische Dominanz. China, Brasilien, Russland zeigen Muskeln in einer „multipolaren“ Welt.

Früher hätte das zu Kriegen geführt, künftig könnten es Wirtschaftskriege sein. Die eingesetzten Waffen: hohe Zölle, Exportstopp für Rohstoffe, gesteuerte Kapitalströme und manipulierte Währungen. Der Kollateralschaden: ein abgewürgtes Wachstum, unter dem alle leiden.

Na, wenn das alles ist … dann kann ja nichts mehr schiefgehen.  Dann ist doch alles in Ordnung. Die USA verlieren sicher gerne und widerstandslos ihre ökonomische Dominanz, das macht denen gar nichts aus – die machen jetzt schon einfach mal zwei Wochen zu, wenn es nach der Süddeutschen Zeitung geht:

Wenn nichts geschieht, sperrt Amerika in zwei Wochen einfach zu. Eine Weltmacht – wegen akuten Geldmangels geschlossen. Das wären die grotesken Konsequenzen eines Kräftemessens in Washington, das am Wochenende in die entscheidende Runde gegangen ist. In einer Nachtsitzung – exakt am Samstagmorgen um 4.40 Uhr – beschloss das US-Repräsentantenhaus mit den Stimmen der neuen republikanischen Mehrheit Kürzungen von 61 Milliarden Dollar im laufenden Haushaltsjahr.

Das wäre dann ja fein. USA geschlossen – Welt reich.

Das Kapital rechnet schon mal mit diesem Szenario und flüchtet aus dem Land … zuerst aus der Gemeindefinanzierung, siehe FTD:

Kommunalanleihen sind für viele Gemeinden in den USA eine wichtige Finanzierungsquelle. Wegen der hohen Schulden vieler Städte befürchtet die Ratingagentur Zahlungsausfälle. Investoren fliehen aus spezialisierten Fonds.

Kein Wunder, das Ökonomen in der Zeit deutliche Worte Richtung USA sprechen:

„Amerika muss endlich aufwachen“ Der Chicago-Ökonom Raghuram Rajan sieht in der Einkommensungleichheit in den USA die Ursache der Finanzkrise. Im Interview kritisiert er die Geldpolitik der Notenbank.

Gerade aber diese Einkommensungleichheit ist doch Ziel der Finanzelite der Welt, daran arbeiten die doch gezielt weiter – lese ich jedenfalls im Focus:

Der Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF), Dominique Strauss-Kahn, hat die millionenschweren Bonuszahlungen für Bankmanager scharf kritisiert. Er finde es „skandalös“, dass die Banken nach der weltweiten Wirtschaftskrise in ihre alte Praxis zurückgefallen seien, sagte Strauss-Kahn einer französischen Zeitung.

Nun, was sollten die auch anderes machen. Gelernt haben sie durch die Krise vor allem eins: der Staat zahlt alles. Die TAZ legt gerade die Rechnung vor:

Die Rettung der angeschlagenen deutschen Banken hat die Verschuldung in Deutschland 2010 so stark in die Höhe getrieben wie noch nie zuvor in der Geschichte der Bundesrepublik. Bund, Länder und Gemeinden waren zum Jahresende insgesamt mit 1,999 Billionen Euro verschuldet, je Bundesbürger entspricht das 24.450 Euro. Das teilte das Statistische Bundesamt am Montag mit.

Fünfzehn Prozent des Bundeshaushaltes fließen in Zinszahlungen – Wahnsinn. Da macht jemand mit der Bankenrettung noch richtig viel Geld. Jemand? Nun … die Banken machen mit der Bankenrettung und dem Geld, das sie zur Bankenrettung verliehen haben, richtig viel Geld.

Ich erkläre mal kurz das System, so wie ich es verstanden habe:

Bank A verkauft Bank B Schrottpapiere. Soviele, das Bank B fast Pleite geht. Dann geht Bank B zum Staat und jammert. Staat geht zu Bank A und leiht sich Geld zur Rettung der Bank B … genau jenes Geld, das Bank B zuvor Bank A für Schrottpapiere gegeben hat. Ein Supergeschäft. Bank A hat das Staatsvermögen, Bank B geht es auch wieder gut, alle kriegen Boni und der Staat ist pleite.

Dank der Riesenboni ist auch die Staatspleite für die engagierteren Beteiligten (man nennt sie auch „Leistungsträger“ oder „Verbrecher“ – je nachdem, auf welcher Seite man gerade selbst steht) nicht sonderlich tragisch. Man kann sie via TV von Barbados aus wunderbar genießen – die Hungersnöte, die Aufruhen, die ganzen Leichen … einfach herrlich, sowas am eigenen Sandstrand der Karibik mit Cocktail und Gespielin in Händen zu erleben.

Da kann man sich dann auch so richtig über die Sozialromantiker amüsieren, die mit ihren mitleidsheischenden Botschaften die Welt bevölkern, wie zum Beispiel jene im kathweb:

Caritas-Weltpräsident Kardinal Oscar Andres Rodriguez Maradiaga hat den reichen Nationen vorgeworfen, Geld für die Banken, aber nicht für die Armen zu haben. Nach Berechnungen des von Rodriguez geleiteten Caritas-Weltdachverbands („Caritas Internationalis“) wäre kurz vor der Finanzkrise eine Hilfe von sieben Milliarden Dollar nötig gewesen, um effektiv die Armut der Welt lindern zu können, sagte der Erzbischof von Tegucigalpa (Honduras) am Montag dem internationalen Hilfswerk „Kirche in Not“ in München.

Von der Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) sei jedoch die Auskunft gekommen, dass dieses Geld leider nicht vorhanden sei, berichtete Rodriguez. Ein Monat später hätten die reichen Nationen plötzlich 600 Milliarden Dollar aufgebracht, um einige Banken zu retten.

Das scheinen mir doch mal gute Nachrichten zu sein: man spart wieder. Vielleicht sollten die Hungernden eine Bank gründen? Dann würde ihnen geholfen werden. Wir retten Geld, aber doch keine Menschen.

Deutschland ist in dieser Entwicklung ganz vorne mit Fünf Euro dabei: das Hartz-Debakel hat deutlich gezeigt, das hier kein Herz mehr links schlägt … das eigentlich gar kein Herz mehr da ist. Und wo das Herz noch links schlägt, da kriegt man Angst, wie in der FTD nachzulesen ist, wo sich mal ein Undercoverjournalist bei den Linken eingeschlichen hat:

Ich wollte das ganze Programm, auch die Demos. Mein Gott, es war so kalt, ich schwenkte unsere Fahne, neben mir gingen minderjährige Autonome, die ich lächerlich fand, und am Rand standen Passanten, die mit dem Finger auf uns gezeigt haben. Ich schäme mich überhaupt nicht, für den Frieden zu demonstrieren, trotzdem hatte ich Angst, dass ich erkannt werde, vom Nachbarn, von der Marktfrau am Viktualienmarkt, von einer Kollegin. Es war befremdlich, für eine Sache auf die Straße zu gehen, auch wenn es eine gute ist.

Man schämt sich nicht … aber es ist befremdlich und macht Angst. Auch wenn man eigentlich nicht wirklich dazugehört.  Kein Wunder, diese Angst, wenn man sich mal umschaut: alle pleite, alles düster, aber … man weiß schon, das man nicht wirklich drüber reden darf, denn dann … zeigen die Leute mit Fingern auf einen.

Stattdessen warten wie lieber auf goldene Zeitalter, die kommen werden … wenn nichts schiefgeht.




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