Politik

Wetten dass …. Kapitalismus asozial und unbezahlbar und der Kommunismus überlegen ist?

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Es sind so die kleinen Meldungen, die den Tag versüssen. Zum Beispiel die hier, im Handelsblatt:

Die Industrie muss dahin gehen, wo die Kunden und das Wachstum sind. Und derzeit ist das China. Der Bayer-Konzern nimmt viel Geld in die Hand, um die Produktion dort auszubauen. Was das Unternehmen besonders freut: China will jetzt umweltfreundlich werden und braucht dafür deutsche Wärmedämmungen.

Erstmal muß nicht „die Industrie“ dorthin gehen, wo die Kunden und das Wachstum sind. Es würde schon reichen, wenn man die Waren vor Ort präsentieren kann. Dann wird auch nicht der Vorstand samt Verwaltung jetzt aufgrund dieses kategorischen Imperativs sich Wohnungen ohne Strom und Heizung in chinesischen Millionenstädten mieten oder mit den Wanderarbeitern (was sie ja im Prinzip sind) von Ort zu Ort pilgern. Sicherlich kennt man die Argumentation: die Transportkosten sind zu hoch. Aber die volkswirtschaftlichen Kosten, die durch die Vernichtung der Existenzgrundlage tausender Mitbürger entstehen, werden auch nicht eingerechnet. Dafür jubeln alle zum gemeinsamen Ziele der Maximierung des leistungslosen Einkommens (außer man nennt es gerade Hartz IV, dann ändern sich die Meinungen sehr schnell): der Kapitalrendite von Großanlegern.

Das Geld, das Bayer jetzt investiert, um noch mehr Geld für geliehenes Geld zahlen zu können fällt nicht vom Himmel. Es stammt laut Handelsblatt aus gezieltem Arbeitsplatzabbau:

Bayer muss sparen. Der neue Chef Marijn Dekkers verschont auch die Mitarbeiter und kündigte Stellenkürzungen an. Nicht gespart werden darf aus seiner Sicht aber in der Forschung. Bayern hat heute seine Investitionspläne für das kommende Jahr bekannt gegeben.

Dekkers hatte mitte November den Abbau von 4 500 Stellen angekündigt – davon 1 700 in Deutschland -, um die Ressourcen stärker auf Innovation und Wachstum in Schwellenländern zu konzentrieren.

So verschwinden die Arbeitsplätze und die Arbeit aus jenen Ländern, wo gerade der Verkauf von Arbeitskraft als Lebensgrundlage der Bevölkerung übrig geblieben ist – eine Entwicklung, die ausschließlich auf Wunsch jener „Industrie“ basierte, die jetzt das Weite sucht. Schon jetzt kann man erahnen, wo das enden wird: Menschen werden uns insgesamt zu teuer werden.

Gibt es weiter das offen praktizierte Primat der Rendite vor dem Prinzip der Menschlichkeit und der Menschenrechte, werden – rein mechanisch und zwangsläufig – irgendwann irgendwo Leichenberge aufgehäuft, deren Lebensenergie (sprich: GELD) zur Kapitalmaximierung irgendwo anders gebraucht wurde. Ach, ich vergaß: die gibt es ja schon. In Afrika. Aber da … berichten unsere Medien nur selten drüber. Die Folgekosten unseres Wohlstandes sind zu beschämend, als das wir sie tagtäglich sehen wollen. Wetten, dass … wir uns da lieber anschauen, wie Mitbürger in Fernsehshows des öffentlich-rechtlichen Fernsehens zur Belustigung von Millionen zu Krüppeln gemacht werden?

Die Kosten für dieses leistungslose Einkommen der Luxuselite zahlen wir alle. Angesichts der aktuellen Entwicklung müssen wir uns allerdings irgendwann mal ganz nüchtern und ohne parteitaktische Dogmatik fragen, ob Kapitalismus nicht irgendwann mal an einen Punkt kommt, wo er einfach zu teuer ist – schlichtweg unbezahlbar wird wie – angeblich – der Sozialstaat unbezahlbar wird.

Der Sozialstaat jedoch ist – ein weiterer kategorischer Imperativ, der sich mit dem Imperativ des Investitionszwangs in China nicht zusammen leben läßt – Kern eines jeden Staatsgebildes. Staaten fallen nicht einfach vom Himmel, sie bilden sich – im Idealfall – als Gemeinschaften zur gegenseitigen Hilfe und Beförderung der Interessen aller. Wenn sie anfangen, nur noch die Interessen eines ausgewählten Clübchens von Luxusmenschlein zur pflegen und hegen, weil die in ihrer Abendgarderobe einfach so hinreißend aussehen, dann hat der Staat an sich seinen Sinn verloren …. und die Menschen wenden sich von ihm ab.

Diese Erosion von Staaten erleben wir gerade, gefördert durch das ungebremste Schalten und Walten internationaler Konzerne, die es inzwischen – so mein Eindruck – geschafft haben, die Folgen der „Globalisierung“ (die im eigentlichen Sinne eine „Amerikanisierung“ ist) aus der öffentlichen Diskussion völlig zu verbannen, was auch ein Erfolg regelmäßiger Pressekonferenzen und gezielter Öffentlichkeitsarbeit ist.

Für Menschen innerhalb des Konzerns ist es auch relativ egal, was mit der Wirtschaft des Landes geschieht, in dem man gerade Gewinne macht – ebenso wie die Methoden der Gewinne völlig nebensächlich sind. So kann man schön Geschäfte mit einem Land machen, das sich laut Spiegel international immer asozialer gebärdet:

Die chinesischen Partner sind in Afrika auch deshalb willkommen, weil sie keine Fragen und Bedingungen stellen. Sie verzichten auf all die Forderungen, die der Westen gern zur Voraussetzung für Hilfe macht: gute Regierungsführung, Wahrung der Menschenrechte oder entschiedenen Einsatz gegen Korruption.

Die Chinesen gehen anders vor. Krieg in Darfur? Repression in Simbabwe? Korruption in Nigeria? Kein Problem. Anstatt etwa Simbabwes Diktator Robert Mugabe für seine totalitäre Politik und die Ausplünderung des eigenen Landes zu kritisieren, verliehen sie ihm 2005 eine Ehrenprofessur und erklärten ihn zu „Chinas Freund Nummer eins“. Und 2008 schickten sie Mugabe die „An Yue Jiang“, ein Schiff voller Waffen und Munition.

Viele afrikanische Politiker wissen es zu schätzen, dass ihr großer Partner keine lästigen Forderungen hat. Dass er Kredite gewährt, Parlamentsgebäude baut oder umstandslos Waffen liefert.

Dieses Verhalten ist international so asozial wie das Verhalten der Konzerne im nationalen Bereich – da ist halt Bayer kein Ausnahmefall. Aber … das ist ja auch kein Wunder. Konzerne sind im Innenbereich Diktaturen … da treffen sich also Gleichgesinnte.

Sieht also so aus, das im Kampf der Systeme die undemokratische kommunistische Diktatur dem Kapitalismus doch überlegen ist. Da hatte man wohl zu früh gejubelt – und die Rechnung ohne die Konzerne gemacht, deren Macht inzwischen schon größer ist als die der meisten Länder.  Zusammen mit den roten Arbeitssklaven, die die Partei gerne den Konzerninteressen zur Verfügung stellt, kann man sich die Welt richtig schön untertan machen. Man findet in jedem Land irgendwelche Leute, die bereit sind, für Geld ihre Seele zu verkaufen. Die anderen Eingeborenen … braucht man einfach nicht mehr, wie unsere dereinst angeblich so heißgeliebten Brüder und Schwestern im Osten gerade laut Spiegel erleben dürfen:

Die Ostdeutschen haben den Anschluss beim Einkommen an den Westen noch lange nicht geschafft – und ihr Rückstand ist zuletzt sogar wieder angewachsen. Lag das Haushalts-Nettoeinkommen in den neuen Ländern 2003 im Durchschnitt noch bei 77,5 Prozent des Westniveaus, so reduzierte es sich in den folgenden fünf Jahren auf nur noch 75 Prozent. 1993 und damit kurz nach dem Mauerfall lag das Ost-Einkommen nach Abzug von Steuern und Abgaben bei 68,3 Prozent des Westwertes. Im Osten wird überhaupt nur jeder Zweite nach Tarif bezahlt.

Und was macht unsere Regierung, die von uns bezahlten Verwaltungsangestellten, um die Erosion von Staat und Zivilgesellschaft aufzuhalten? Ok, Schulden. Und was noch?

Sie hilft – laut Welt – beim Arbeitsplatzabbau durch Steuergeschenke:

Die von der Koalition geplante Vereinfachung des Steuerrechts soll Unternehmen und Bürger einem Zeitungsbericht zufolge um mehr als viereinhalb Milliarden Euro entlasten. Hauptnutznießer der Reform seien Firmen, deren Bürokratiekosten durch den Verzicht der Finanzämter auf eine Vielzahl von Detailregelungen und schriftlichen Belegen um vier Milliarden Euro sinken sollten, berichtete die „Süddeutsche Zeitung“.

Die Steuergeschenke wiederum erlauben es – ebenfalls laut Welt – den Firmen, sich noch mehr gewinnbringende politische Entscheidungen zu kaufen:

Zwar ist es schwer, den Umfang und Schaden durch Korruption zu beziffern, aber eine gemeinsame Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PWC und der Universität Halle geht davon aus, dass es in der deutschen Verwaltung jedes Jahr mindestens 20.000 Bestechungsfälle gibt. Dadurch und durch andere kriminelle Handlungen in Behörden würden jedes Jahr direkte finanzielle Schäden von mindestens zwei Milliarden Euro verursacht.

Was soll man nun von dieser Entwicklung halten – als normaler Bürger, der keiner Ideologie verpflichtet ist?

Kapitalismus ist asozial und zu teuer. Geradezu unbezahlbar. Den können wir uns finanziell gar nicht mehr leisten. Kommunismus schießt allerdings – wie ich dem oben zitierten Spiegel-online-Artikel entnehme  –  ebenso auf Arbeiter wie der böse Erzkapitalist – ist man nicht in der Partei, hat man da auch keinen Vorteil von.

Was auch zu teuer ist (und ich denke, das werden viele, die diese Zeilen lesen, demnächst auch am eigenen Leib erleben), sind Rentner. Einen Ausblick auf deren Zukunft findet man im Manager Magazin zur Bewältigung der Krise in Irland:

Der staatliche Rentenfonds, der in guten Zeiten angelegt wurde, soll zu einem großen Teil für die Bankenfinanzierung geopfert werden. Im Gespräch ist eine Dimension von 15 Milliarden Euro. Um die Rentenausgaben langfristig zu senken, sollen alle Neurentner einen Abschlag von 10 Prozent verkraften und das Renteneintrittsalter stufenweise steigen. 2014 soll es schon bei 66 Jahren liegen, 2028 dann bei 68 Jahren.

Wetten dass … wir uns auch in Deutschland auf eine solche Entwicklung einstellen dürfen, während die Wirtschaft sich Stück für Stück die politischen Entscheidungsträger kauft, damit das Primat der Kapitalrendite vor Menschenleben auch ja erhalten bleibt?

Was wird dann aus Menschen in einer Welt, die sich völlig den Konzernregeln unterwirft? Und welchen Platz haben Rentner in dieser Welt – Menschen, die nur noch Kosten verursachen, die andere dringend als Rendite brauchen?

Da ist China vielleicht auch für unsere Rentner die letzte Hoffnung, zumal der Kommunismus ähnlich wie das deutsche Kaiserreich freundlicher zu Menschen ist:

China hat laut german.china.org für Männer ein Renteneintrittsalter von sechzig Jahren, bei Frauen liegt es bei 55. Und damit das da so bleibt, bringt Bayer jetzt noch mehr Geld dahin, was letztlich bei uns zur Rente mit 80 führen wird … wenn nicht vorher unser Staat komplett zusammenbricht, weil es für die Bürger keinen Sinn mehr macht, sich einer solchen Organisation anzuschließen, die nur kostet und nichts bringt. Dann doch lieber ein Arbeitsplatz mit Firmenrente bei Bayer.




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