Finanzwirtschaft

Hilfspakete als Schuldenmultiplikator

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Nach Griechenland und Irland braucht nun also Portugal keine Hilfe. Da sind wir aber alle sehr beruhigt. Natürlich denkt auch Spanien nicht im Traum daran unter den Rettungsschirm zu flüchten und bei sämtlichen anderen Ländern des Euro Wirtschaftsraumes ist diese Idee so abwegig, das es schon fast an eine Verschwörungstheorie erinnert. Wusstet Ihr eigentlich das Italien eine höhere Bruttoverschuldung aufweist als Deutschland? Ich finde es schon erstaunlich, das die Italiener bei 1,8 Billionen Euro Staatsschulden so ruhig bleiben, immerhin müssen Die zur Zeit 4,5 Prozent Zinsen zahlen, zum Vergleich Deutschland bringt zur Zeit 2,7 Prozent, Irland  9,2 und Griechenland erstaunliche 11 Prozent.

Vielleicht habe ich ja das Prinzip des Rettungsschirms nicht verstanden und ich lasse mich gerne in der Richtung belehren, schließlich bin ich nur ein kleiner Handwerker und muß mir die große Finanzpolitik für meinen kleinen Kopf irgendwie begreiflich machen, außerdem finde ich Buchhaltung zum Kotzen, aber ich will Euch mal auseinander dröseln, wie ich das Ganze verstanden habe:

Der Rettungsschirm sorgt dafür, das die Länder deren Regierungen sich Ihre Pleite eingestehen für billigere Aufschläge Geld bekommen, allerdings sind es immer noch 5 Prozent. Das bedeutet also, das sich die Banken bei der Europäischen Zentralbank Geld für ein Prozent leihen, es an Deutschland für 2,7 Prozent weiter verleihen und wir es dann den Griechen oder Iren für 5 Prozent weiter verleihen. Diese geben es dann Zinslos an Ihre Banken weiter, Die es dafür nutzen Ihren Gläubigern deren Zinsen für Ihre Anlagen zu zahlen. Blöd ist nur, das dadurch keine Schulden abgebaut sondern verdoppelt werden, denn am Ende haben wir die Schulden z.B. der Iren nicht übernommen, sondern nur deren Bilanz verlängert, es wurde ja nichts zurück gezahlt sondern nur weiter gereicht. Außerdem wird so weder ein Land noch deren Banken gerettet, denn es ist ja schon ab zu sehen, wann die Banken wieder betteln kommen.

Damit ein Land Geld aus dem Rettungsschirm bekommt, muß Es einen Sanierungsplan vorlegen, der komischer Weise immer nach extremen Sozialabbau und Kürzungen bei den Ärmsten aussieht. So kann ich überhaupt nicht verstehen, das es in Irland zum Sparpaket gehört, den Mindestlohn um einen Euro pro Stunde zu senken und die Studiengebühren zu erhöhen. Das man die Unternehmenssteuern nicht erhöht kann ich irgendwo noch verstehen, denn was hätten ausländische Firmen sonst für eine Motivation ausgerechnet nach Irland zu gehen, aber auch von einer Kapitalertragssteuer, einer Bankenabgabe oder irgend was Anderem um Reichere zu belasten kann ich nichts finden. Das es nicht klappt, wenn man die kleinen Leute immer weiter enteignet, weil dann die Wirtschaft in sich zusammen fällt sehen wir gerade in Griechenland. Man gibt zwar weniger aus, aber dafür nimmt man auch viel weniger ein, also werden deren Schulden auch nicht weniger, sondern immer höher.

Nun dürfen wir schon lesen, das die 750 Milliarden des Rettungsschirms nicht reichen könnten und man darüber nach denkt auf 1,5 Billionen Euro zu verdoppeln. Für mich klingt das ganz logisch, denn schließlich ist schon Ende mit den 750 Milliarden, wenn ich nur die Schulden von Griechenland, Irland, Portugal und Spanien zusammen rechne und wer sagt eigentlich, das die Griechen oder die Iren nicht noch mal einen Nachschlag brauchen? Dazu kommen noch andere Länder, die zwar nicht in der Eurozone sind, aber über den IWF, in den wir ja schließlich auch einzahlen Hilfen beantragen könnten. Ungarn re-verstaatlicht gerade seine privaten Renten, ist also auch im Stress und Rumänien hat gerade beteuert nicht Pleite zu sein. Außerdem wird es wieder kalt und in den letzten beiden Wintern konnten wir uns die lustige Show um das russische Gas für die Ukraine ansehen.

Was mich auch wundert ist, das wir ja im Zuge der Predigten über den stabilen Euro und den Nutzen für Deutschland immer anhören durften, das wir einen Großteil unserer Waren in die Eurozone exportieren, aber keiner der Prediger einen gewissen Umkehrschluss zieht. Wer kauft eigentlich unseren Krempel, wenn es fast im gesamten Euroraum Sparpakete oder zumindest erstaunliche Neuverschuldungen gibt? Nicht nur wir machen schließlich trotz Brüderles Wirtschaftswunder fast 50 Milliarden Euro neue Schulden, die Franzosen haben es geschafft im ersten Halbjahr 102,4 Milliarden neue Schulden zu machen und Besserung ist nicht in Sicht.

Ich hoffe, das ich einen grundsätzlichen Fehler in meiner Analyse habe und sich die ganze Sache völlig anders verhält, denn sonst müsste ich von Sorge in echte Panik verfallen, da so ein Ende des Finanzsystems abzusehen ist und ich nicht wissen möchte was hier los ist, wenn ganz plötzlich fast alle größeren Staaten in Europa und ein Großteil der Industrie auf einen Schlag Pleite wären.



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