Politik

Deutschlands Parteienoligarchie und die kommende Diktatur

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Die Deutschen haben ja die Nase voll – jedenfalls wenn es nach den Umfragen geht. Nach Meinung der Regierung jubeln sie alle über den Aufschwung und kaufen bald richtig viel ein, weshalb die Wirtschaft jetzt ja auch erstmal die Steuern erhöhen will: das der Deutsche was von seiner Arbeit hat – oder vom Aufschwung – ist zu seinen Lebzeiten nicht vorgesehen. Deshalb mag – laut Welt – der Deutsche seine Wirtschaftsordnung auch nicht:

Das Vertrauen der Deutschen in die soziale Marktwirtschaft ist nach einem Bericht der „Berliner Zeitung“ auf ein Rekordtief gefallen. Nur noch 48 Prozent der Bundesbürger sind laut einer repräsentativen Umfrage im Auftrag des Bundesverbandes deutscher Banken der Meinung, die deutsche Wirtschaftsordnung habe sich bewährt. Das sei der niedrigste Wert seit Beginn der Erhebung im Jahr 1994, als sich noch 73 Prozent zur sozialen Marktwirtschaft bekannten.

Nun, da hat man wohl in den falschen Kreisen gefragt.  Eine Umfrage auf dem nächstgelegenen Golfplatz, dem nächstmöglichen Yachthafen oder Kleinflugplatz hätte ergeben, das die Wirtschaftsordnung völlig super sei – und erst recht die niedrigen Steuern!

Es ist aber nicht nur die Wirtschaft, von der die Deutschen die Nase voll haben. Auch die Demokratie selbst ist nicht mehr der Deutschen liebstes Kind.

Die Frustration macht dem Bericht zufolge auch vor der Demokratie nicht halt. Nach einer längeren Phase steigender Zufriedenheit zeigte sich nun erstmals wieder ein deutlicher Rückgang. Hatten sich im September 2009 noch 62 Prozent der Deutschen zufrieden mit der Demokratie gezeigt, ist es jetzt nur noch gut die Hälfte. Mehr als vier von zehn Befragten äußern sich dagegen kritisch.

Das heißt: zufrieden mit unserer Demokratie sind nur noch 31 %? Wie kann das sein? Wie kann das sein, das nicht überall alle Medien sofort wach werden – immerhin sind sie ja die Wächter der Demokratie? Wie kann es sein, das nicht alle Volksverdummungssendungen sofort eingestellt werden, alle Fußballspiele abgesagt, Sondersitzungen aller Parlemente einberufen und das drohende Ende der Demokratie in allen Nachrichten mit DICKEN BUCHSTABEN angekündigt?

Weil das Volk Recht hat.

Sehen wir doch mal … wie es seinen Alltag erlebt.

Morgens … klingelt der Wecker.  Alarmwecken ist angesagt, eine unangenehme Art, wach zu werden, die früher nur vorkam, wenn der Tiger in die Höhle kam. Sonst durfte man ausschlafen.

Dann – wenn man Glück hat – der Weg zur Arbeit. Wer Pech hat, geht zur ARGE.  Beide sind gleich: Lärm, Gestank, Leute mit mieser Laune wie man selbst – und dann noch die Lebensgefahr im Straßenverkehr.  Als ob man in einem Rudel Tiger unterwegs wäre, die einen jederzeit zerreissen werden, wenn man nicht aufpaßt … und dabei hat man noch nicht mal ausgeschlafen.

Auf der Arbeit selbst hat man adrett zu erscheinen, voller guter Laune, man sollte Begeisterung ausstrahlen ob der Gnade, das man noch nicht zur ARGE muß und mehr als einen Euro für seinen Job bekommt.

Haarschnitt, Kleidung, Sprache, Gangart … alles muß perfekt auf die Umgebung abgestimmt sein, denn Mobbing herrscht überall – erst recht, wenn die Pöstchen knapp werden.  Und über allem … schwebt DER CHEF, der selbstverständlich erwartet, auch mal privat zum Essen eingeladen zu werden, weil man sich ja gerne auch mal einen Überblick verschafft in welchen Verhältnissen der Mitarbeiter lebt – falls man diese Eindrücke nicht mittels anderer Überwachungsmethoden erlangen kann.

Während der Arbeit sind die meisten Deutschen vor allem eins: kleine seelenlose Rädchen, die exakt das ausführen müssen, was ihnen vorgeschrieben wird. Gibt es jetzt noch Freiräume fürs Denken und Fühlen, sind sicher schon Unternehmensberater unterwegs, die diese Räume messen und durch Personalabbau schließen werden … bzw. dafür sorgen, das man selbst die Lücke schließt, damit man die zusätzliche Arbeit überhaupt noch bewältigen kann.

Nach der Arbeit, wenn wir wieder man das Glück hatten, nicht gekündigt worden zu sein, müssen wir erstmal einkaufen.  Mit zumeist überdimensionierten Wagen, die uns ständig suggerieren, das wir eigentlich noch gar nichts gekauft haben, wühlen wir uns durch Warenfluten, die schon wieder anders sortiert wurden als gestern. Das erledigen Menschen, die sich mit 400-Euro-Jobs  vor den Bissen der ARGE schützen und es geschieht, um unsere Gewohnheiten zu durchbrechen damit wir auch neue Produkte aufmerksam werden.

Endlich daheim merken wir vor allem eins: wir sind im Eimer. Zehn bis elf Stunden „Zivilisation“ beanspruchen einen mehr als eine Woche Indianerleben.  Nun, wir sind ja auch Leistungsgesellschaft und nicht Lebensgemeinschaft.  Lebensgemeinschaften an sich, das merken wir auch, haben wir auch nicht mehr. Wir haben noch Menschen, die mit uns (oft auch aus Kostengründen) die Wohnung teilen, aber für die Menschen selbst … haben wir keine Zeit. Und auch kein Geld, denn: werden diese Menschen arbeitslose, dann werden wir schnell „Bedarfsgemeinschaft“ und dürfen für die zunehmenden Mängel des Sozialstaates selber aufkommen, während wir diesen Staat gleichzeitig komplett finanzieren.

Haben wir großes Pech (oder waren schlichtweg in der Lebensplanung ziemlich naiv) dann … haben wir auch noch Kinder.  In einer Welt, in der man zum Superstar wird, wenn man nur dämlich genug im Fernsehen auftritt, fällt es schwer, den Sinn der pünktlichen und akuraten Erstellung von Hausaufgaben zu erkennen. Mathe büffeln während andere den Superstar machen oder sich bei Big Brother räkeln ist ja auch nicht gerade prickelnd.

Schließlich können wir uns um die Post kümmern (die mitlerweile täglich mehrmals von verschiedenen Anbietern geliefert wird, von denen manche wieder fahren und die Post mitnehmen, wenn sie niemanden angetroffen haben) und merken, das der Aufschwung wieder einmal die Preise für Strom, Gas und Öl erfaßt hat, während er es immer wieder geschickt schafft, unser Gehalt zu meiden. Auch die Gemeinde erhöht gerne die Gebühren, ebenso wollen Ärzte Geld für Kleinigkeiten, die früher umsonst waren und als Service galten.

Abends – völlig geschafft – erwartet uns dann … der Staatsfunk. Wenn wir klug sind, wählen wir den, denn Reklame hatten wir schon genug für den Tag. Dort wird uns vermittelt, das alles supergut ist, supergut wird und man bestens für uns sorgt.  Zu allem Überfluß fühlen wir uns noch verarscht, denn: schon in den sechziger Jahren formulierte der Philosoph Karl Jaspers, das die Demokratie in Deutschland durch die Parteien in Gefahr ist und durch eine Parteienoligarchie abgelöst wird,  die letztlich in einer Diktatur endet. Dreissig Jahre später sind wir mittendrin. Da aber nur drei Familien und eine handvoll Parteien bestimmen, was in den Medien Thema sein darf und was nicht, taucht Jaspers Warnung dort wenig auf.

Wir merken zwar, das das Leben anders geworden ist … man darf sich weniger Schwächen leisten als früher und Krankheit schon mal gar nicht, man merkt, das Millionen Kinder von Arbeitslosen aussortiert werden, weil ihre Eltern nicht mehr ausbeutbar sind, merkt, das Volk und Regierung in Fragen der Kriegsführung, der Wirtschaftsordnung, der staatlichen Ausgabenpolitik, der Schul- und Einwanderungsordnung, der Europapolitik, der Innen- und Außenpolitik immer weiter auseinanderdriften und das die Zeiten, wo der Abgeordnete nach seiner Amtszeit wieder zurück an die Werkbank, hinter die Brötchentheke oder das LKW-Steuer geht, vorbei sind – stattdessen werden sie – vorheriges Wohlverhalten vorausgesetzt – nach ihrer Amtszeit ausgestattet wie ein Roland Koch.

Das man auf diese Alltagserfahrung noch „Demokratie“ draufklebt, ist in der Tat ein Hohn. Sicher, es geht noch schlimmer. Man könnte uns alle erschiessen, denn man braucht uns nicht mehr.  Wir sind „Kosten auf zwei Beinen“.  Sind überflüssig und stehen nur im Wege herum.

Aber was wir wollen und verlangen, ist wenigstens … Ehrlichkeit. Das man uns ehrlich sagt: Demokratie hat ausgedient, wir haben da jetzt was Neues, was Anderes, was Besseres … jedenfalls ist es besser für die Rendite.

Aber unseren Alltag erleben zu müssen und dann noch Jubelchöre zu produzieren …. ist wohl ein wenig zuviel verlangt. Obwohl uns ja viele Coaches, Unternehmensberater und Motivationstrainer ja genau dazu in die Lage versetzen wollen: sich einen Nagel in die Hand zu schlagen und dabei alles so positiv zu sehen, das der Schmerz möglichst gering bleibt und wir positiv gestimmt in die Zukunft blicken.

Die Diktatur … ist schon längst wieder da. Die monotone Eintönigkeit des Alltags wird nicht zufällig produziert. Und diese Lüge als Demokratie zu feiern … ist den Leuten dann doch zu doof.



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