Medizin

Iatrogene Todesfälle, Sozialbudget und die Reduzierten

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Es ist ja gerade mal wieder Notstand in Deutschland. Gestern dachte ich noch: alles wird heil, dann jedoch merkte ich schon heute Morgen:  nein, nicht alles wird heil. Den Ärzten geht es noch sehr schlecht in diesem Land.

Bundesweit bleiben heute Tausende Hausarztpraxen geschlossen. Tausende Mediziner protestieren auf diese Weise gegen die Sparpläne von Gesundheitsminister Philipp Rösler. Die Ärzte sehen sich in ihrer Existenz bedroht, weil Rösler ihre Verdienstmöglichkeiten über eigene Verträge mit den Krankenkassen beschränken will. Rösler kritisierte in der Rheinischen Post“: „Den Protest auf dem Rücken von Patienten auszutragen, halte ich einfach für unfair – gegenüber ihren Patienten.“ Die Ärzte sehen dagegen die medizinische Versorgung der Patienten gefährdet und warnen vor einer Unterversorgung.

Quelle: Tagesschau

Die Fakten sprechen für sich:

Während der größten Wirtschaftskrise der Bundesrepublik ist das Honorar der rund 150.000 niedergelassenen Ärzte im vergangenen Jahr auf 30,8 Milliarden Euro gestiegen. Im Vorjahr hatten die Mediziner noch rund 1,8 Milliarden Euro weniger verdient. Gegenüber dem Jahr 2007 bedeutet dies sogar ein Plus von 11 Prozent, wie aus einer Erhebung des Spitzenverbands der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) hervorgeht, die der Nachrichtenagentur dpa vorlag. Die „Süddeutsche Zeitung“ hatte zunächst darüber berichtet. Die Aufstellung bestätigt dem Bericht zufolge die Einschätzung, dass die Mediziner-Honorare in den vergangenen drei Jahren sehr viel stärker stiegen als der Durchschnitt der Löhne und Gehälter in Deutschland. In Hamburg lag das durchschnittliche Honorarplus der Mediziner sogar bei gut 24 Prozent. Den geringsten Anstieg gab es in Bayern mit 2,6 Prozent.

Quelle: Die Welt

Wir kennen schon jetzt die Klagen, die aus diesen Zahlen erwachsen. „DAS SOZILABUDGET EXPLODIERT“.
Arzt zu sein ist kein einfacher Beruf – er hat vor allem im Klinikbereich viele häßliche Seiten.  Dort wird Schmutzarbeit geleistet, die nicht jedermann ertragen könnte.  So etwas ist mit Geld kaum aufzuwiegen.  Im niedergelassenen Bereich ist – wenn man die Notdienste organisiert bekommt – das Arbeiten vielfach erträglicher – und ertragreicher:
Starke Einkommenssteigerungen bei den niedergelassenen Ärzten: Jeder Praxisinhaber verbucht in diesem Jahr laut Krankenkassen-Berechnung durchschnittlich 164.000 Euro. Radiologen verdienen am besten, Allgemeinmediziner am schlechtesten.
Quelle: Spiegel-online

In einem Vortrag der Rechtsmedizin der Uni Rostock findet sich die – unbestätigte – Zahl von 30000 von Ärzten verursachten Todesfälle. 30000 jedes Jahr. Wenn die mal streiken, dann … sterben sofort weniger. Ist – laut Volker Pispers – statistisch erwiesen. Ich traue dem Mann. Er recherchiert nicht nur gründlich, er hat auch Humor – in dieser Reihenfolge.
Schnell wird man als Arzt zum Täter – ohne es zu wollen. Ein Beispiel aus der Praxis einer Schlichtungsstätte findet sich bei Cardio News:

Wir unterscheiden hinsichtlich der Schadenskausalität die fehlerbedingten iatrogenen
Schäden, die Ansprüche begründen, die iatrogenen, aber nicht erkennbar fehlerbedingten
Schäden, die keine Ansprüche begründen und schließlich die ohne Zusammenhang mit der
ärztlichen Behandlung, meist durch das Grundleiden entstandenen. Von den 46 Patienten mit
„kardiovaskulären Leiden“ und begründeten Ansprüchen hatten 18 schwere und 6 tödliche
iatrogene Schäden. In den „Kardio-Angiologen“-Verfahren waren es ebenfalls 46 Patienten
mit begründeten Ansprüchen, 24 von ihnen hatten schwere und 4 tödliche iatrogene Schäden.
Die mit Ärzten, von Ärzten bezahlten Juristen und Gutachtern ausgestattet Schlichtungsstelle hatte in dem Zeitraum 233 Fälle die zur Begutachtung anstanden.

Der Anteil der Verfahren, in denen schuldhafte Fehler festgestellt wurden (Fehlerrate) lag in
den von uns untersuchten Kollektiven zwischen 37 und 40%
Da sieht man, wie gefährlich der Arztberuf sein kann. Schneller als man denkt hat man der Rentenkasse Ausgaben erspart.
In China ist der Arztberuf mitlerweile richtig gefährlich geworden:
Immer häufiger werden Ärzte Opfer von tätlichen Angriffen seitens Patienten und / oder deren Angehörigen.
So wurden beispielsweise im Juni dieses Jahres ein Arzt und eine Krankenschwester in der Provinz Shandong erstochen. Der Sohn wollte damit den Tod seines Vaters rächen, der 13 Jahre zuvor an unheilbarem Leberkrebs verstorben war.

Ein Arzt verletzte sich schwer, als er, von Angehörigen eines verstobenen Kindes verfolgt wurde und in seiner Not aus einem Fenster im 5. Stock des Krankenhauses sprang.

Diese Entwicklung hat nach Ansicht des Autors klar erkennbare Gründe:

Nach der Machtübernahme durch die KP Chinas wurde das gesamte Gesundheitswesen verstaatlicht. Die Krankenhäuser wurden voll finanziell unterstützt. Das änderte sich jedoch mit dem Beginn der Wirtschaftsreformen im Jahre 1985.

Heutzutage müssen sich die Krankenhäuser selbst um die Finanzierung kümmern, mit der unerquicklichen Folge, den Patienten die Kosten aufzubürden, was vielfach offenbar nur bzw. am einfachsten durch unnötige Untersuchungen und unnötige Behandlungen zu bewerkstelligen ist.

Hinzu kommen die Extrazahlungen an die oftmals vergleichsweise unterbezahlten Ärzte. Sei es durch die Patienten selbst bzw. deren Angehörige, oder aber durch Pharmafirmen, die dann den Einsatz von ihren Präparaten erwarten.

Wie man sieht: die Privatisierung des Gesundheitswesens kann Leben kosten. Auch das Leben von Ärzten. In Deutschland gibt es die Extrazahlungen der Pharmafirmen an Ärzte ebenfalls, meist verdeckt als „Anwendungsbeobachtung“, oft auch als Sachhonorar. Fernseher, Computer, Reisen – was das Herz begehrt. Diese Zuwendungen tauchen nicht in den Berechungen der Statistik bezüglich des Ärzteeinkommens auf, aber in der Medikamentenstatistik:
Für Pharmakonzerne ist Deutschland ein Paradies: Sie können den Preis für neue Medikamente selbst festlegen – und die Krankenkassen müssen ihn zahlen. Laut „Arzneiverordnungsreport 2010“ hat das üble Folgen. Die Kosten seien 50 bis 100 Prozent höher als im Vergleichsland Schweden.

Die Arzneimittelausgaben der gesetzlichen Krankenkassen sind im vergangenen Jahr erneut um 4,8 Prozent gestiegen – auf mittlerweile 32,4 Milliarden Euro. Verantwortlich für den Anstieg sind vor allem Spezialpräparate für Bluthochdruck-Patienten, Diabetiker oder Krebskranke, die zwar neu und teurer sind, deren Zusatznutzen aber oft fraglich ist.



Diese Präparate „erklären bereits 80 Prozent des Kostenanstiegs“ der gesetzlichen Krankenkassen, wie der Heidelberger Pharmakologe Professor Ulrich Schwabe an diesem Dienstag in Berlin bei der Vorstellung des neuen Arzneiverordnungsreports (AVR) erklärte.


Eine Heerschar von Pharmareferenten kann von diesen Überschüssen in den Kassen der Pharmakonzerne finanziert werden, damit die Ärzte auch „überzeugt“ werden, diese unsinnigen Präparate einzusetzen. Studien, die belegen, das z.b. Blutdrucksenkung mit uralten Billigpräparaten genauso effektiv ist wie mit neuen Hochpreisentwicklungen werden so gezielt unterdrückt, ein Meinungsrauschen wird erzeugt, das kritische Stimmen schnell zum Verstummen bringt.
Das alles ist … „SOZIALBUDGET“.
Laut Cardionews sind es vor allem diese vielfältigen Arzneimittel, deren Handhabung den Ärzten schnell entgleitet – mit tödlichen Folgen.
Vielleicht auch ein Grund, einmal darüber nachzudenken, das Ärztewesen zu verstaatlichen. Ein Internist, der sich in einer allgemeinmedizinischen Praxis niedergelassen hatte,  erzählte mir mal sehr frustriert, das 90 % der Patienten, die er an diesem Tag gesehen hatte, nichts gehabt hätten, was ärztlicher Hilfe bedurft hätte. Viele hätten einfach nur Langeweile gehabt. Ich weiß natürlich nicht, wie weit man das auf das Gesundheitswesen insgesamt übertragen kann, aber es kann schon darauf hinweisen,  das wir hier möglicherweise ein Einsparungspotential im zweistelligen Milliardenbereich haben – all die Besuche werden ja abgerechnet. Möglicherweise wäre hier eine medizinische Grundausbildung der Patienten – wie sie Pharmareferenten erhalten bzw. nachweisen müssen – sinnvoll.
Es gibt – neben den Todesfällen, die die Medikamentenflut verursacht – auch noch einen anderen Grund, hier ganz dringend auf die Kostenbremse zu treten.
Die Überversorgung des medizinischen Bereiches führt zu einer eklatanten Unterversorgung in anderen Bereichen – eine Unterversorgung, die bekanntermaßen selbst wieder zu echten Krankheiten führt.
Bei Kinder-Alarm findet man die Worte eines solchermaßen Reduzierten dazu:

Man hat mich reduziert. Reduziert auf X Quadratmeter, X € Regelsatz, auf X Paragraphen und mehrere Gesetzbücher. Mein Wirken befasst sich mit der Beschaffung von Nahrung und Kleidung, die möglichst von Verstand geprägt sein sollte, damit ich nicht eines Tages hungrig und mit nacktem Hintern unter dem freien Himmel nächtige.

Die ständige Suche nach günstigem Essen und geeigneten Paragraphen will mir den Blick auf meine Mitmenschen rauben und die vielleicht einzige menschliche Regung müsste eigentlich Selbstmitleid heißen. Je mehr man mich jedoch reduziert und anscheinend von meinen Mitmenschen abtrennt, desto mehr bildet sich mein Inneres gegenüber der Welt da draußen, mit all den anderen Menschen ab. Ich fühle, wer ich bin und gerade deshalb, wer ich wirklich bin.

Es fallen mir diese eher trüben und teilnahmslosen Kinderaugen auf, die erst Glanz bekommen, wenn man das Kind per Gespräch und Blickkontakt auf sich fixiert. Vielleicht das Kind von Reduzierten?

Reduziert auf nacktes Überleben ist mein Inneres eingedampft worden und auf etwas konzentriert und deshalb spürbar. Was schert mich das reduzierte Äußere, wenn etwas eingedampftes Mentales in mir vorhanden ist?

Kognitive Fähigkeiten sind vorhanden, immer noch, nicht schlecht. Was also tun, wenn die innere Freiheit noch vorhanden ist und sich anscheinend auch gar nicht abtöten läßt? Eingesperrt in mir selbst bin ich und neben aufgestellten Nackenhaaren treibt es mir Tränen der Wut in die Augen. Wut ist schon mal irgendwie produktiv und somit ist nichts verloren. Irgendwie muss sich das ändern. Auf keinen Fall darf das so bleiben. Schreck lass nach! Was, wenn ich nicht der Einzige bin, dem es so ergeht ?


Ich gehe davon aus, dass euch andere Dinge umtreiben. Aber wäre es nicht irgendwie lohnend einmal so nebenher darüber nachzudenken wie man alle Menschen, die sowas betrifft aus ihrer Lethargie lösen könnte? Vielleicht würde es gelingen sich innerlich Luft zu verschaffen und diesen Freiraum nach außen widerzuspiegeln, so dass die anderen spüren, dass da noch mehr ist als irgend ein anderer der ohnehin nicht interessiert ist, weil er nichts hat oder hergibt was man selbst gebrauchen kann?

Hm, aber stimmt das so das mit dem nicht gebrauchen können, nicht hergeben wollen? Irgendwie merke ich, dass es mir ein Bedürfnis ist etwas weitergeben zu wollen; eine Verbindung zu meinen Mitmenschen zu schaffen und wieder Verbindungen von einem Menschen zum anderen zu entdecken, die nicht von X Quadratmetern, X € Regelsätzen, X Paragraphen und mehreren Gesetzbücher geknüpft werden. Und jetzt frage ich mich, ob ich tatsächlich allein mit meinen Gedanken stehe und komme zu der Überzeugung, dass dem unbedingt so sein muss denn eigentlich wollte ich die Bude sauber machen und andere hätten das schon längst erledigt, statt dem warum auch immer geneigtem Leser die Zeit mit diesem Geschreibsel zu reduzieren.


Gestiegene Arzthonorare und Patientenkosten führen nicht zu mehr Gesundheit. Ärzte sind beliebte Kunden bei Anlageberatern. Somit wird das Sozialbudget in großen Teilen gezielt den Finanzmärkten zugeführt um sich dort leistungslos zu vermehren – sehr zum Schaden jener, die das Sozialbudget erstmal erwirtschaften müssen und bei nachlassender Arbeitskraft (zum Beispiel in Folge einer jener recht seltenen „echten“ Erkrankungen) ganz schnell zu den Reduzierten gehören.

Auch wenn der Arztberuf ein harter Beruf ist … für Lehrer gilt das ebenso. Ihre Ausbildung dauert in etwa gleich lang. Lehrer – sind nicht so beliebte Kunden von Anlageberatern. Einfach mal den Herrn von MLP fragen:


Als MLP-Berater verbinden Sie Eigenverantwortung und Selbstständigkeit mit einer weit überdurchschnittlichen Einkommensperspektive.


Auch die leben dann vom Sozialbudget … allerdings von dem für Nichtreduzierte.





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