Kolumne

„No Angels“ – Nomen est Omen.

Von hier aus gelangen Sie auf die Autorenseite von und koennen alle kommenen Artikel mit "Link speichern unter" abonieren.

Nadja Benaissa, eine der unreifen Hupfdohlen der Pickligenfrontband „No Angels“ hat sich für ein Phänomen anklagen lassen, das nicht sie allein belastet: ein bizarres Omnipotenzgefühl.

Kinder sind klein, unerfahren und voller Tatendrang. Sie erproben sich und die Umwelt und kommen zumeist mit beidem zumindest anfangs nicht klar. Da gibt’s gequetschte Fingerchen, Schürfwunden, wenn der Stunt auf den Inlinern mal wieder nicht so gut geklappt hat und einen schweren Kopf, wenn Mama mal nicht gut genug aufgepasst hat wenn Klein-Nadja zuviele Reste aus den Partygläsern geschlabbert hatte.

Nadja Benaissa hat ihr Leben nicht im Griff; sie litt nicht (nur) unter HIV, sondern auch unter massivem Unvermögen, zumindest mit sich selbst und unmittelbar mit ihr in Beziehung stehenden Menschen verantwortlich umzugehen. Natürlich reichte ihre Persönlichkeit zu keinem Zeitpunkt aus, ihre ehemalige, ungeheure Popularität mental zu verarbeiten – oder auch nur zu ver- bzw. ertragen. Sie ist zu jung, zu klein, zu unerfahren, noch viel zu dumm und vermutlich unfähig, mehr als zwischen Pudding und Obst bei ihrer nächsten Mahlzeit zu entscheiden.

Dass die Welt immer jünger wird, macht sie nicht besser. Eher im Gegenteil.

Benaissa hat nach meiner Meinung ganz klar wegen versuchten Totschlags verurteilt zu werden; es ist vollkommen unerheblich, ob ihr jetzt auf- oder einfällt, damals vor und während des Sex‘ unverantwortlich gehandelt zu haben. Es wäre auch völlig unerheblich, wenn sie statt Sex zu haben mit einer Waffe geschossen hätte – der Ausgang kann gleich letal sein, wobei HIV-Sex womöglich noch viele Jahre Leid und Sterben nach sich ziehen kann. Es ist nicht damit erledigt, wenn sie jetzt mit roten Ohren „Tschuldigung.“ murmelt. Auch wenn es zwischenzeitlich trendy geworden zu sein scheint, mehr oder weniger offen auf Straßen, in U-Bahnen oder auch in Betten Menschen zu Schaden oder gar zu Tode zu bringen um sich vor Gericht mit jugendlicher Ahnungslosigkeit herausreden zu wollen ändert das gar nichts an dem schrecklichen Ausmaß des angerichteten Schadens. „Tschuldigung“ – das kann man einem krepierenden HIV-Kranken nur schlecht spritzen und späte Einsicht des Täters mildert auch nicht die Todesängste des Opfers oder den Schmerz seiner Angehörigen.

Sicherlich hätte der „Nebenkläger“ selbst für HIV-Prävention in Form eines veritablen Verhüterlis sorgen müssen, das ändert jedoch nichts an der Verantwortungslosigkeit von Benaissa. Und damit auch nichts daran, dass sie dafür verurteilt werden muss.

„Ich hab das nicht gewollt.“ – Ein Satz, den ich nicht mehr hören kann. Meist junge oder sehr junge Leute, die andere auf Autobahnen miot Höchstgeschwindigkeit an Leitplanken drücken, andere in U-Bahnen zusammentreten oder mit bewusst (!) ungeschütztem Sex bei bestehender HIV-Erkrankung (!!)  den Tod weitergeben.

Nur ein sehr dummer, sehr unerfahrener und unverantwortlich Handelnder – also sowas wie ein kleines Kind! – fuchtelt unbedacht mit tödlichen Dingen herum und hat sich im Zweifelsfall eben „mal nichts dabei gedacht“. Allerdings macht sie das Gesetz zu einer Erwachsenen und so muss sie verurteilt werden wie ein Erwachsener, der im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte (wie groß diese auch sein mögen!) mit Waffen auf andere gefeuert hat.

Arme, kleine und dumme Nadja – du bist und warst einfach viel zu klein für die Welt.

© 2010 Echsenwut.



Die letzten 100 Artikel