Kolumne

US-Milliardäre spenden 600 Milliarden Dollar

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Jedenfalls scheint das die Größenordnung zu sein, über die Bill Gates and Warren Bufett derzeit recht konkret nachdenken. Sie wollen diese Summen selbst aufbringen und von ihren ähnlich reichen Kameraden einsammeln.

600 Milliarden Dollar – das lädt zu faszinierenden Zahlenspielereien ein. Immerhin ist diese Zahl unfasslich hoch; der Verstand des europäischen Durchschnittsverdieners setzt bereits bei sehr viel kleineren Zahlen aus und der des Geringverdieners bzw. Hartz-IV-Opfers muss angesichts dieser Summen regelrecht revoltieren.

600 Milliarden: wenn man Geringverdiener mit einer Summe von nur 15 Dollar pro Tag davon unterstützte, dann reichte dieser Geldberg für 10.958.904 Menschen ein ganzes Jahr lang. Die Arbeitslosenquote liegt in den USA bei knapp unter 10 Prozent und betrifft immerhin ca. 14,8 Millionen Menschen.

Die einstige Supermacht USA zeigt damit eine derart ungeheuerliche Schieflage in ihrer Vorstellung von Moral und Ethik, dass die betreffenden Milliardäre gerade durch ihre Spendenaktion zum näheren Nachdenken darüber auffordern. Obschon es ganz sicherlich exakt nicht dieser Effekt ist, auf den sie gehofft hatten.

Die Technik der Geldbeschaffung wird sich dadurch nicht ändern, aus den Milliardären sind nicht plötzlich und sozusagen über nacht sozialistische Engelchen geworden sondern sie sind knallharte Kapitalisten geblieben. Sie werden auch morgen noch neunzig Prozent aller in Mexiko für die Drogenkriege benötigten Waffen liefern und sie werden auch morgen noch Öl- und andere Rohstoffquellen von ihren rechtmäßigen Besitzern freischießen. Diese Summe ist keine, wegen derer auch nur einer der Spender einen halben Cocktail weniger schlürft denn in seinem Leben wird er das Fehlen des Geldes erstens gar nicht bemerken und er wird sie zweitens mehr oder weniger schnell wieder neu auf dem Konto begrüßen können.

Es wird Aufgabe der Menschheit im Zuge des Klimawandels und aller damit verbundenen Notzeiten werden, über die Konzentration wirtschaftlicher Macht und Möglichkeit auf wenige Individuen näher nachzudenken. Heute betrachten sehr viele Menschen derartige Vermögen als unanständig und geradezu obszön, morgen vielleicht als schädlich und feindselig. In einigen Ländern, die bereits jetzt eine wesentlich größere Schräglage haben, beginnen sich die Reichen auf regelrechten Burgen einzumauern; einige solcher Liegenschaften sind gar nicht mehr auf herkömmlichem Wege erreichbar. Da muss es schon ein Helikopter sein, um zur Wohnung zu gelangen.

Kapital und Politik haben wachsende Angst vor ihrem Melkvieh; uns allen liegt beispielsweise Heiligendamm noch im Magen. Nicht viele begreifen, in welche Situationen wir gelangen: die, die angeblich vom Wähler in ihr Amt gewählt worden sein wollen, haben Angst vor ihrem eigenen Wähler. Die, die ihre Gelder vom Konsumenten auf immer größeren Bergen horten, haben Angst vor ihren eigenen Kunden. Die Distanzen werden immer größer und größer. Es kann keine Rede mehr davon sein, dass ein Reicherer unbelastet durch eine Straße laufen kann weil er angesichts seines Vermögens, seines Verhältnisses zur Umwelt und seiner sozialen Kompetenz bzw. Leistung darauf hoffen darf, dass die Menschen ihn eher respektieren als hassen.

Kapital und Politik konzentrieren Macht auf immer schärfer fokussierte und kleinere Punkte; sie schicken Menschen in Kriege, die keiner will, die aber immer mehr und üppigere Geldströme in ihre Taschen lenken und Teil einer abstrakten Macht- und Geldpolitik sind, die mit Moral und Ethik nichts mehr zu tun haben – siehe Afghanistan, siehe Irak, siehe Pakistan, siehe Ägypten, siehe Israel ……. wie lang soll die Liste noch werden … ?

Gleichzeitig werden Barrieren zur Bildung immer höher gefahren, schon heute bedeutet der Besuch eines durchschnittlichen Gymnasiums für Eltern eine jährlich ansteigende, wirtschaftliche Belastung – der viele nicht mehr gewachsen sind. Was aus bildungsfernen Familien stammt, wird selbst wieder eine solche sein und gründen, die Elite schickt ihre Kinder auf höhere Schulen bis hin zu extrem teueren Internaten und Privatuniversitäten, deren Entstehung mit hohen Millionenbeträgen von Ländern in Deutschland gezielt gefördert wird.

Das Geld rekrutiert die Politik und diese ist dem Kapital dienstbar. Mittlerweile sind viele deutsche Politiker durch schmierige Machenschaften in die Kritik geraten, wenn sie auch durch noch so freche wie gierige Straftaten nicht befürchten mussten zu stolpern. Gar ein amtierender Bundeskanzler griff beherzt zu und half tatkräftig beim Füllen schwarzer Kassen.

Wohin man so kommen kann, wenn man über die ach soooo gutgemeinte Spendenaktion der US-Milliardäre nachdenkt. Ein großartiger Werbegag, mehr nicht.

© 2010 Echsenwut.



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