Politik

Ole von Beust geht, Deutschland rebelliert: der Triumph der Idioten. Über Amokeltern, Autobahnen und Mittelschichtslügen

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Einst ist ja jetzt mal klar: Deutschland rebelliert … und zwar auf breiter Front. Fünfundsiebzig Prozent der Bundesbürger – so las ich letztens – erwarten eine düstere Zukunft. Die Rahmendaten in der Wirtschaft sehen ja nun auch wirklich nicht gerade so aus, als könnte man sich ruhig zurücklehnen weil das Paradies nahe ist.

Das war übrigens mal anders. Am Wochenende war ich in meiner alten Heimat (Ruhrpott Ost ) und anders als andere Autoren des Nachrichtenspiegels bekam ich von der Vollsperrung der A 40 nichts mit, jener ersten Rebellion des Wochenendes, wo mit Kartoffelsalat, Bratwurst und Dosenbier bewaffnete Rebellen im Nahkampf Lebensraum vom Staatsfeind Automobil zurückeroberten – fast so wie früher. Früher waren wir der Meinung: die BRD ist völlig in Ordnung. Noch ein wenig Altnazis aus der CDU entsorgen, Atommüll verhindern, Weltkrieg bremsen und das Paradies ist nahe – sogar für Frösche.

Den Fröschen geht es heutzutage auch besser – aber wie sehr unterscheidet sich die Weltsicht meiner Jugend von der Weltsicht der Jugend von Heute. Kein Wunder … sie sind keine Frösche, kein Grüner stellt Schutzzäune für sie auf oder sammelt sie ein, damit sie nicht unter die Räder kommen.

Hamburgs Eltern haben ja jetzt auch rebelliert und sind stolz wie Oskar. Auch sie haben erkannt, das etwas falsch im Lande läuft – Schwarze und Grüne wollten die sechsjährige Grundschulzeit einführen. Das wäre sehr vernünftig gewesen. Die Pisa-Studien hatten gezeigt, das die größte Schwäche unseres Bildungssystems die vierjährige Grundschulzeit ist. Das ist zu kurz – für alle.  Jedenfalls für alle, die „Selbstverwirklichung in sozialer Verantwortung“ als Bildungsziel haben….natürlich nicht für die, die meinen: Selbstbereicherung durch gymnasiale Elitenbildung sei viel schöner und auch schneller zu erreichen.

http://www.spiegel.de/schulspiegel/wissen/0,1518,707179,00.html

Gegner der Reform von der Elterninitiative „Wir wollen lernen“ wollen die Grundschulzeit bei vier Jahren belassen. Sie fürchten, die Kinder würden auf dem Gymnasium nicht mehr genug lernen und später an der Universität gegenüber Kindern aus anderen Ländern im Nachteil sein. Aus ihrer Sicht würden dadurch leistungsstarke Schüler behindert und schwächere Schüler benachteiligt.

Darum fürchten auch weise Menschen in Deutschland die Volksabstimmung: das Volk ist dumm und nur auf seinen eigenen Vorteil bedacht. Der Deutsche an sich ist schlichtweg zu dämlich, vernünftige Entscheidungen selbstbestimmt und alleine zu fällen.  Klimakatastrophe, Ölpest, Wirtschaftskrise? Kein Problem, da weiß ich, was zu tun ist: mein Kind muß auf´s Gymnasium.  Dann wird alles gut. Das scheint ein Sport geworden zu sein: mein Kind muß aufs Gymnasium.  Warum eigentlich? Damit es die Asozialität seiner Mitmenschen möglichst früh erfährt?

Ich persönlich bin nicht begeistert von dem Lumpengesochse, das meine Kinder auf dem Gymnasium kennenlernen bzw kennengelernt haben. Eingebildete, dumme, überhebliche Kröten trampeln da durch die Landschaft – ich neige inzwischen schon dazu zu sagen: je höher die Schulform, umso niedriger die emotionale Intelligenz. Zuchtanstalten für Amokläufer … und in der Tat kommt ja diese neue Erscheinung unserer Gesellschaft – diese neue Form der Rebellion – ebenfalls aus den gutbetuchten Elternhäusern.  Weiter unten denkt man noch anders über seine Mitmenschen. Wenn meine Kinder mich fragen würden, was sie werden sollen, würde ich sagen: Automechaniker, Ökobauer, Elektriker. Alles Berufe mit Zukunft…..die einem ein gutes Leben ermöglichen, jedoch nicht den sozialen Triumph über seine Mitmenschen.

„Mein Sohn wird Arzt“ … das ist doch der Satz auf den viele Hamburger Mütter ihr Leben lang hinarbeiten. Das die Gesellschaft die Ärzteschwemme nicht mehr bezahlen kann (mithin der Berufswunsch „Arzt“ sogar asozial genannt werden kann – da will noch einer auf Kosten der Versicherten gut durchs Leben kommen) ist ihnen vollkommen egal: Hauptsache, man kann im Tennisclub, an der Kasse bei Aldi oder beim Friseur damit angeben.  Viele glückliche Geiger wurden durch solche Mütter verhindert. Auch der eine oder andere Kunstmaler oder Weltreisende verschliß sein Leben für das Glück der Mutter, sitzt heute in seiner Praxis und wundert sich, warum eigentlich keiner der Patienten irgendetwas hat, das man heilen könnte. Na ja, behandeln kann man ja trotzdem.

Natürlich stecken solche Kinder auch viel Geld in die Ausbildung ihrer Kinder.  Abitur kann man zur Not auch kaufen.  Und wo kommt das Geld her? Durch Pfusch. Pfusch hat immer noch die beste Rendite. Klebt sogar Blut dran.

http://www.welt.de/vermischtes/article8516139/Ostdeutsche-Autobahnen-leiden-unter-Betonkrebs.html

Ostdeutsche Autobahnen leiden unter Betonkrebs

Milliarden sind seit 1990 in den Bau der Autobahnen im Osten geflossen. Doch freie Fahrt gibt es trotzdem nicht überall, dafür aber viele Baustellen.

Ich bin seit 1990 im Osten unterwegs gewesen – beruflich. Ich hätte zur Renovierung der Straßen nicht einen Euro ausgegeben – angesichts der Staatsverschuldung die wir haben. Erstmal waren die Straßen ein wichtiges historisches Erbe, zweitens funktionierten sie und drittens gab es da keine Raser. Warum haben wir denn diese Straßen renoviert? Damit einige wenige rasen können. Das ist der einzige Grund, der nachvollziehbar ist, denn: wenn man kein Geld hat, dann kann man es auch nicht ausgeben.  Selten zeigt sich die Asozialtität so deutlich wie hier: ein Akt vollkommen gegen die wirtschaftliche Vernunft für den Spaß einiger weniger.  Hätten wir die Autobahnen nicht ausgebaut … hätten wir weniger Schulden und weniger Verkehrstote dank eingebautem Tempolimit.

Na ja – und jetzt rebellieren sogar die Autobahnen…..wobei „Betonkrebs“ ja wohl ein schlechter Witz ist. Wir haben so etwas früher einfach „Pfusch“ genannt … aber viele Baufirmen verdienen sich jetzt mal wieder eine goldene Nase daran.

Wen stört es schon, das der Bruch dem einen oder anderen Autofahrer in der Nacht des Leben kosten wird. Hauptsache: dem Mittelstand geht es prächtig. Und das tut es:

http://www.faz.net/s/RubEC1ACFE1EE274C81BCD3621EF555C83C/Doc~EDBFBA61F4FF14CE7ABC202167DE8F4C9~ATpl~Ecommon~Scontent.html

Unserer Mittelschicht geht es prächtig

Das Bürgertum fühlt sich vom Staat ausgequetscht wie eine Zitrone. Zu Unrecht. Neue Zahlen belegen: Die Mitte bekommt viel mehr Geld zurück, als sie zahlt. Und nutzt das Angebot des Staates ausgiebig.

 

Die ganzen Mittelschichtsverarmungsarien … alles gelogen?

Scheinbar ja:

Und da kommt eine ganze Menge Geld zusammen. Haushalte mit einem Nettoeinkommen zwischen 1700 und 3600 Euro erhalten im Schnitt mehr als 900 Euro im Monat vom Staat, hat das Statistische Bundesamt ausgerechnet. Auf diese Weise kriegen die Bürger in der Mittelschicht mehr als so manche Reicheren. Und vor allem: Sie bekommen deutlich mehr als die Armen. Die ärmsten Deutschen mit dem geringsten Nettoeinkommen kriegen durchschnittlich keine 700 Euro im Monat.

Die Familien profitieren von Kinder- und Elterngeld

Zwar gibt es für die Armen vom Staat Hartz IV. Doch wenn Angehörige der Mittelschicht arbeitslos werden, zahlt ihnen der Staat für ein Jahr das höhere Arbeitslosengeld I – und das ersetzt immerhin zwei Drittel des Einkommens.

Der letzte Satz gefällt mir am Besten: wenn Angehörige der Mittelschicht arbeitslos werden. Er demaskiert das ganze neue Herrenmenschendenken nebenbei.  Der neue Herrenmensch hat ARBEIT, durch ARBEIT wird er frei, ARBEIT erlaubt ihm, hemmungslos auf Schwächere einzuschlagen und deren Kinder von den Herrenschulen zu verbannen. Ist die ARBEIT aber mal fort … dann ist der Herrenmensch sofort Untermensch. Da hatten ja die Nazis noch mehr positive Qualitäten für ihre Herrenmenschen.

Somit muß man sagen: es gibt einen breiten Triumph der Idiotie in Deutschland. Ob nun Schule, Autobahn oder Steuerverteilung – wo man so was richtig Blödes machen kann, da wird es auch gemacht. Noch ein Beispiel?

Das beginnt mit den Opern und Theatern: Laut Statistik wird jedes Opern- und Theaterticket vom Staat mit dem Vierfachen seines Preises bezuschusst. In der Frankfurter Oper zahlt der Staat für jeden Besucher 200 Euro drauf. Spötter schlugen schon vor, die Oper zu schließen und das Geld den Besuchern direkt auszuzahlen. Die könnten damit nach Wien fliegen, dort die Oper besuchen und anschließend noch Essen gehen. Nicht jede öffentliche Einrichtung ist so teuer wie die Oper, aber es beginnt schon im Kleinen: Für die Rheinische Musikschule bezahlt die Stadt Köln jährlich mehr als sechs Millionen Euro – von den Schülern bekommt sie nur die Hälfte zurück.

Natürlich weiß ich, was der Artikel will.  Man schielt auf die Mittelschicht, weil man sie abbauen will. Sie steht der Rendite im Weg, ihr Geld könnte anderswo besser gebraucht werden. Darum werden sie jetzt die nächsten Schmarotzer, diejenigen, die noch zuvor auf die faulen Arbeitslosen geschimpft haben. Sie wollen doch in der Tat umsonst Autobahnen benutzen. Wo gibt es denn sowas. Wie gut, das wir diese Mautgeräte schon zufälligerweise bundesweit verteilt haben. Und so wird die asoziale Mittelschicht Opfer ihrer eigenen Asozialität. Letztendlich zählt nämlich im Geschäft nur eins: Beziehungen. Und die … hat die Mittelschicht nicht. Die gucken lieber Fußball.

Alles Idioten, oder?  Kein Wunder, das so viele die Welt der Politik verlassen. Gegen Dummheit, so heißt es, ist halt kein Kraut gewachsen.

Und darum verschleudern wir an allen Orten Milliarden Euro für Eitelkeiten.



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