Wirtschaft

Terminator IV, Kalifornien und meine Seelenruhe

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Für mein Glücksempfinden ist meine Seelenruhe von außerordentlicher Bedeutung. Schmerzen machen mir weniger aus, die habe ich jeden Tag, aber die Seelenruhe: das ist schon elementar wichtig.

Nun könnte ich ja beruhigt sein, denn die Kanzlerin hat ja ein Machtwort gesprochen:

Der Abschwung der deutschen Wirtschaft könnte nach Einschätzung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bald zu einem Ende kommen. Die Nachrichten von einer Verlangsamung des Abschwungs deuteten darauf, „dass wir eventuell bald die Talsohle erreicht haben könnten“, sagte Merkel am Mittwoch beim „Tag der Deutschen Bauindustrie 2009“ in Berlin.

Man hätte sich beruhigt zurücklehen können, wenn nicht … ja wenn nicht fast gleichzeitig eine weitere Meldung hereinkäme:

Angesichts der dramatischen Haushaltskrise in Kalifornien hat Gouverneur Arnold Schwarzenegger neue, milliardenschwere Kürzungen vorgeschlagen. Dadurch solle der Etat um zusätzlich 5,5 Milliarden Dollar (vier Milliarden Euro) entlastet werden, teilte der Gouverneur am Dienstagabend (Ortszeit) mit. Betroffen sind unter anderem Ausgaben für das Gesundheitswesen, Bildung und Soziales.

Beide Zitate aus:

http://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/0,2828,627044,00.html

Während im Kino Terminator IV uns bald wieder den logisch folgerichtigen Endkampf zwischen Menschen und Maschinen präsentiert, führt der wahre Terminator einen Endkampf ganz anderer Art: den Endkampf gegen das Kapital, der … wenn er gewonnen wird, uns möglicherweise den Endkampf gegen die Maschinen ersparen wird.
Arnold scheint weiter gedacht zu haben.

Wenden wir uns aber zuerst der Entwarnung Merkels zu, bevor wir uns mit Kalifornien befassen, das insgesamt schon einer näheren Betrachtung würdig ist.

Nun, Merkels Wort in Gottes Ohr, aber die Fakten sprechen leider eine andere Sprache

http://www.handelsblatt.com/unternehmen/strategie/deutschen-firmen-geht-das-geld-aus;2300173
Die Erträge deutscher Industrie- und Dienstleistungskonzerne schrumpfen, bei einigen ist der Cash-Flow sogar negativ. Darum wird gespart und geplante Investitionen verschoben. Für viele Unternehmen wird das nicht reichen

http://www.welt.de/finanzen/article3811415/Anleger-fuerchten-Pleitewelle-bei-deutschen-Firmen.html
Anleger fürchten Pleitewelle bei deutschen Firmen
Nach anderthalb Jahren schlägt die Finanzkrise nun voll auf die Unternehmensbilanzen durch. Ein Fünftel der 110 größten deutschen Konzerne stehen unter strenger Beobachtung – es droht die Insolvenz.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,627155,00.html
Krise verschärft Lage am Arbeitsmarkt
Die Bundesagentur für Arbeit rechnet als Folge der Rezession mit einem Einbruch am Arbeitsmarkt. Schon jetzt deute die zurückgehende Zahl der Jobangebote auf schwierige Zeiten hin. Auch Volkswirte der Banken sind pessimistisch.

Ich stelle fest: die Unternehmen machen Pleite, die Arbeitslosigkeit wird Rekordniveau erreichen, aber die Kanzlerin sieht das Ende des Abschwungs mit klarem Blick. Nun … ein abstürzendes Flugzeug kommt auch irgendwann wieder auf den Boden zurück: so eine Art von Optimismus muß unsere Regierungschefin umtreiben, wenn sie sich umschaut. Oder sie macht auf Pippi Langstrumpf: ich mach mir die Welt wie sie mir gefällt.

Der Terminator, als professioneller Krisenbewältiger seit „Conan der Barbar“ in Funk und Fernsehen bekannt, lebt da in einer ganz anderen Welt, die weniger rosa ist.

Kalifornien ist nun mal nicht irgendein Bundesstaat der USA, Kalifornien ist DER Bundesstaat der USA, daran sollte man sich erinnen. Er ist mit 38 Millionen Einwohnern der bevölkerungsreichste Bundesstaat und weist mit Abstand die stärkste Wirtschaftskraft auf, wenn Kalifornien hustet, liegt der Rest dieser Ex-Kolonnie im Sterben.

http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/898/312809/text/

Kalifornien, der bevölkerungsreichste Bundesstaat und – für sich genommen – die sechstgrößte Volkswirtschaft der Erde, steht am Rande der Zahlungsunfähigkeit. Der republikanische Gouverneur Arnold Schwarzenegger kündigte in einem Brandbrief an Finanzminister Henry Paulson an, er werde Washington vermutlich um einen Notkredit von sieben Milliarden Dollar bitten müssen, „um die Arbeit der Regierung aufrechterhalten zu können“.

…um die Arbeit der Regierung aufrecht halten zu können. Ein spannender Satz. Aber: schauen wir noch einmal genauer hin, um die Paralellen zu Deutschland wirklich für jedermann ganz klar machen zu können:

Städte, Gemeinden, Schulbezirke und Bundesstaaten sind in Amerika, genauso wie in Deutschland und in anderen föderalistischen Staaten, immer wieder auf Kassenkredite angewiesen, um ihre laufenden Ausgaben decken zu können. So müssen zum Beispiel Gehälter jeden Monat gezahlt werden, bestimmte Steuern gehen jedoch erst zum Quartalsende ein. Normalerweise ist die Aufnahme solcher Kredite eine Routineangelegenheit, nicht mehr jedoch heute: Die Risikoscheu in den Märkten ist so groß, dass nicht nur Firmen, sondern auch staatliche Einrichtungen unterhalb der Bundesregierung in Washington als unsichere Kantonisten gelten.

Kurz gesagt … und in den Medienberichten der letzten Monate immer häufiger erwähnt … die Kreditwürdigkeit der Staaten nimmt ab – inzwischen auch die Kreditwürdigkeit der USA selbst. Das liegt ein wenig daran, das die USA genauso wie Deutschland Milliarden mit der Gießkanne über Industrie und Banken ausschütten, die sie gar nicht haben. Und inzwischen machen sich mehr und mehr Investoren Gedanken darüber, wie die Regierungen denn eigentlich das ganze Geld zurückzahlen wollen.

Nun … zukünftige Generationen werden 60-Stunden-Arbeitswochen auf Hartz IV-Niveau haben, anders wird das gar nicht mehr funktionieren, sonst drehen uns die Banken, die wir gerade retten, den Geldhahn ab.
So einfach ist das.

Und jeder, der in irgendeiner Art und Weise von staatlichen Zuschüssen abhängig ist, wird in die Röhre gucken.

Arbeitslose, Polizisten, Rentner, Professoren, Behinderte, Klinikärzte, Krankenschwestern, Kinder,
Arbeisagenturmitarbeiter … sie alle werden bettelnd auf der Straße landen.

Gut … die Ärzte wandern jetzt schon mal aus.

Aber der Rest?

Manch ein Polizist kann sich vielleicht noch für´s halbe Gehalt an konzerneigene Sicherheitsdienste
verdingen, der eine oder andere Professor gibt vielleicht noch einen flotten Pförtner ab, manche Konzerne werden sich eigene Krankenhäuser leisten … doch alle werden nicht mehr gebraucht werden.

Und so … finanzieren die Bürger dieses Landes ihre eigene Abschaffung zugunsten der Privatwirtschaft, die nur noch für sich selber da ist.

Ich gestehe, das meine Seelenruhe durch diesen Umstand etwas in Bedrängnis gerät, obwohl in unserem Dorf noch alles beim Alten ist. Und das die Kandidatur von Arnold Schwarzenegger im Bohemian Grove beschlossen worden ist, stimmt mich auch nicht gerade froh.

In Kalifornien hat man die Macht, ganz Amerika ein neues Modell aufzuprägen, zu demonstrieren, das das alte Amerika keine Chance mehr hat und ein neues Amerika Gestalt annehmen sollte. Und die Chance, zu einem Führer der ganz besonderen Art aufzusteigen. Und schon jetzt zeigt man, wo es langgeht: der Terminator terminiert Gesundheit, Bildung und Soziales … im bevölkerungsreichsten Land der USA.

Und das wäre natürlich wieder ein Vorbild für Deutschland … und eine Gefahr für meine Seelenruhe.

Aber das alles ist vielleicht … einfach mal zu weit gedacht. Ich denke, für heute werde ich lieber mal der Kanzlerin vertrauen: alles ist vorbei, alles bleibt beim alten.

Aber auch das … macht irgendwie nicht glücklich



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